{"id":3971,"date":"2001-05-01T00:00:47","date_gmt":"2001-04-30T22:00:47","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=3971"},"modified":"2022-07-26T13:11:52","modified_gmt":"2022-07-26T11:11:52","slug":"ein-schritt-richtung-atomausstieg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2001\/05\/ein-schritt-richtung-atomausstieg\/","title":{"rendered":"Ein Schritt Richtung Atomausstieg"},"content":{"rendered":"<p>Allen Unkenrufen zum Trotz ist die Anti-Atom- Bewegung quicklebendig. Jede Generation war im Wendland im Widerstand gegen den Atomstaat vertreten. Und dieser Widerstand war nicht trotz, sondern auch aufgrund des Niedergangs der Gr\u00fcnen so stark. Vielen Menschen, die bisher auf &#8222;Rotgr\u00fcn&#8220; gesetzt hatten, ist klar geworden, dass die SPD\/Gr\u00fcne-Regierung mit ihrem &#8222;Atomkonsens&#8220; bewusst die drohende Verstrahlung vieler Menschen in Kauf nimmt. Viele haben erkannt: Wer den sofortigen Ausstieg aus der Atomwirtschaft will, muss sich quer stellen und kann nicht auf ParlamentarierInnen hoffen. Anders als noch am 18. Februar 2001 bei der Anti-Castor-Auftaktdemo in Ahaus, wurden diesmal bei den gro\u00dfen Demonstrationen vor dem Verladekran in Dannenberg am 27. und 28. M\u00e4rz ((1)) keine &#8222;B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen&#8220;-F\u00e4hnchen mehr gesichtet. Rot-gr\u00fcne PolitikerInnen, die ihren Deal mit der Atommafia, der den jahrzehntelangen Weiterbetrieb der lebensbedrohlichen Atomkraftwerke erlaubt, als &#8222;Atomkonsens&#8220; verkaufen wollen, haben nicht nur bei der Bev\u00f6lkerung im Wendland ihre Glaubw\u00fcrdigkeit verloren. Gute Perspektiven also f\u00fcr das Anwachsen einer au\u00dferparlamentarischen, libert\u00e4ren Graswurzelbewegung. Wenn es gelingt, die effektiven M\u00f6glichkeiten au\u00dferparlamentarischer Oppositionspolitik nicht nur im Widerstand gegen die Atompolitik zu demonstrieren, dann kann auch die (Re-)Politisierung der vielen Frustrierten und von der Regierungspolitik Entt\u00e4uschten in Bezug auf andere &#8222;Teilbereiche&#8220; wie z.B. Antimilitarismus und Antifa gelingen.<\/p>\n<p>Die Anti-Atomkraft-Bewegung hat viel erreicht. Erinnert sei z.B. an das Scheitern des gr\u00f6\u00dften deutschen Atomprojekts: Der nieders\u00e4chsische Ministerpr\u00e4sident Albrecht (CDU) musste bereits Anfang der 80er Jahre eingestehen, dass die geplante Wiederaufbereitungsanlage (WAA) &#8222;in Gorleben nicht durchsetzbar ist&#8220;. Und aufgrund des massiven Widerstands, der die Kosten explodieren lie\u00df, konnte die WAA auch im bayrischen Wackersdorf nicht durchgesetzt werden. Mit jedem Bohrloch, in das Bauern G\u00fclle kippten, mit jeder Demonstration und jeder direkten Aktion wuchs der Preis der WAA. &#8222;Zu teuer&#8220;, so die Begr\u00fcndung der \u00f6konomistisch denkenden Atomindustriellen f\u00fcr die Beerdigung ihres WAAhnsinns-Projekts.<\/p>\n<p>Auch heute treibt der Widerstand der Bev\u00f6lkerung, die ihr Recht auf ein unversehrtes Leben f\u00fcr sich und kommende Generationen durchsetzen will, nicht nur die politischen Kosten f\u00fcr den Atomstaat in die H\u00f6he. Der Castortransport-&#8222;Sicherungsaufwand&#8220; stieg von 26 Millionen (1995) auf 46 Millionen (1996), dann auf 111 Millionen (1997) ((2)) und im M\u00e4rz 2001 nach offiziellen Angaben auf mehr als 130 Millionen DM.<\/p>\n<p>Um die Castoren gegen den Willen der Mehrheit nach Gorleben zu transportieren, wird zunehmend auf polizeistaatliche Mittel gesetzt. 1995 &#8222;sicherten&#8220; 15.000, 1996 schon 19.000 und 1997 und jetzt im M\u00e4rz 2001 jeweils mehr als 30.000 PolizistInnen den Transport. Wie sah die &#8222;Deeskalationslinie&#8220; der Polizei aus? Die Polizei durchsuchte die Schultaschen von Kindern der Freien Schule Hitzacker. Sie tyrannisierte die Menschen im Wendland tage- und n\u00e4chtelang: durch st\u00e4ndige Hubschraubereins\u00e4tze, durch Platzverbote und die Drohung H\u00e4user, in denen mehr als zwei G\u00e4ste pro BewohnerIn untergekommen sind, zu r\u00e4umen. &#8222;Deeskalation&#8220;, dazu geh\u00f6rten Kn\u00fcppeleins\u00e4tze, der von ZeugInnen beobachtete Einsatz von Steine werfenden Zivilpolizisten und die Verhaftung vieler AtomgegnerInnen. Jochen Stay, Sprecher der gewaltfreien Kampagne &#8222;X-tausendmal quer&#8220; und ehemaliger Koordinationsredakteur der &#8222;Graswurzelrevolution&#8220;, wurde mit der absurden Begr\u00fcndung, ein &#8222;Gewaltbef\u00fcrworter&#8220; und &#8222;R\u00e4delsf\u00fchrer&#8220; zu sein, tagelang inhaftiert.<\/p>\n<p>Der erste von Rotgr\u00fcn durchgesetzte Transport nach Gorleben war nur der T\u00fcr\u00f6ffner f\u00fcr weitere Atomtransporte u.a. zur WAA ins franz\u00f6sische La Hague und in die britische Plutoniumfabrik Sellafield. Trotz gewisser Erm\u00fcdungserscheinungen so kurz nach den Aktionen von zigtausend AtomgegnerInnen im Wendland, wertete &#8222;X-tausendmal quer&#8220; auch die Aktivit\u00e4ten von rund 3.000 Menschen gegen den ersten Transport nach La Hague im April 2001 als Erfolg: &#8222;Noch nie hat es soviel Widerstand gegen einen Castor-Transport in die Wiederaufbereitung gegeben.&#8220; Auch in Frankreich regt(e) sich der Widerstand.<\/p>\n<p>6.800 PolizistInnen wurden zum Schutz dieses WAA-Transportes eingesetzt. Allein nach Gorleben m\u00fcssen nach den W\u00fcnschen der Atomindustrie in diesem Jahr noch einmal sechs Castoren gebracht werden, je zw\u00f6lf weitere in den kommenden beiden Jahren. Von 2004 bis 2009 sind es sogar 18 im Jahr. Bleibt also viel zu tun. Wenn es der Anti-Atomkraft-Bewegung gelingt, weiter zu wachsen, ohne sich spalten zu lassen, dann kann sie durch phantasievollen Widerstand, durch die &#8222;Verstopfungsstrategie&#8220; (vgl. GWR 237) erreichen, dass Schr\u00f6der und die Atommafia schon bald eingestehen m\u00fcssen: &#8222;Der Weiterbetrieb der Atomanlagen ist nicht gegen den Willen der Bev\u00f6lkerung durchsetzbar. Der sofortige Ausstieg ist unerl\u00e4sslich.&#8220;<\/p>\n<p>Es wird ein Lachen sein, das sie besiegt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Allen Unkenrufen zum Trotz ist die Anti-Atom- Bewegung quicklebendig. Jede Generation war im Wendland im Widerstand gegen den Atomstaat vertreten. Und dieser Widerstand war nicht trotz, sondern auch aufgrund des Niedergangs der Gr\u00fcnen so stark. 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