{"id":4120,"date":"2001-06-01T00:00:03","date_gmt":"2001-05-31T22:00:03","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=4120"},"modified":"2022-07-26T13:56:56","modified_gmt":"2022-07-26T11:56:56","slug":"die-letzte-seite-von-mein-kampf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2001\/06\/die-letzte-seite-von-mein-kampf\/","title":{"rendered":"Die letzte Seite von &#8222;Mein Kampf&#8220;"},"content":{"rendered":"<h3>American Warsongs<\/h3>\n<p>Kriegspropaganda heutzutage erreicht die Bev\u00f6lkerung haupts\u00e4chlich \u00fcber den Fernseher. Als das amerikanische Volk, von Weltwirtschaftskrise und Depression gebeutelt, davon \u00fcberzeugt werden sollte, den Krieg auf dem fernen Kontinent Europa gegen den Faschismus mitzutragen, geschah dies vorwiegend durch Cartoons im Kino und Lieder im Radio. Unter dem Titel &#8222;American Warsongs 1933-1947. Hitler &amp; Hell&#8220; hat der Trikont-Verlag aus M\u00fcnchen in seiner &#8222;Flashbacks&#8220;-Reihe einige besonders typische, pr\u00e4gnante und kuriose dieser Propagandalieder zusammengestellt: &#8222;Songs haupts\u00e4chlich aus der Zeit zwischen Weltwirtschaftskrise und Weltkrieg II, als die meisten Amerikaner zwischen Depression und Hoffnungen hin- und hergerissen waren. Und f\u00fcr sich selbst die Frage beantworten mu\u00dften, warum in einem Krieg sterben, weit weg jenseits des Atlantik, der sie eigentlich nichts angehen mu\u00dfte.&#8220;<\/p>\n<h3>Amerika und der Zweite Weltkrieg<\/h3>\n<p>Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges hielt sich Amerika als aktiver Teilnehmer von dem Gemetzel in Europa fern. Pr\u00e4sident Roosevelt veranla\u00dfte allerdings wirtschaftliche Hilfe und die Lieferung von R\u00fcstungsg\u00fctern an Frankreich und Gro\u00dfbritannien. Doch abwartend bereiteten sich auch die Vereinigten Staaten auf eine Beteiligung am Krieg vor. 1940 verabschiedete Roosevelt das erste Wehrpflichtgesetz zu Friedenszeiten und Gesetzesma\u00dfnahmen zur Mobilisierung der Wirtschaftsressourcen f\u00fcr einen m\u00f6glichen Krieg.<\/p>\n<p>Der Eintritt in den Zweiten Weltkrieg war f\u00fcr die Amerikaner pl\u00f6tzlicher und heftiger als erwartet. Am 7.12.1941 gipfelte die aggressive japanische Expansionspolitik in dem Angriff auf den US-Marinest\u00fctzpunkt Pearl Harbour (Hawaii). Der \u00dcberfall \u00fcberraschte die Armee und schockierte die Bev\u00f6lkerung. Die US-Schlachtflotte im Pazifik wurde ausgeschaltet. Bis heute ist nicht einwandfrei gekl\u00e4rt, wie den japanischen Bombern diese von der Armee unbemerkte Attacke gelingen konnte. Sie machte Amerika vom Materiallieferanten zum aktiven Kriegsteilnehmer.<\/p>\n<p>Am Tag nach dem Angriff auf Pearl Harbour erkl\u00e4rte der Kongre\u00df auf Roosevelts Antrag Japan den Krieg. Deutschland und Italien lie\u00dfen ihre Kriegserkl\u00e4rung an die USA am 11.12. folgen. Amerika machte sich f\u00fcr einen Sturm auf die &#8222;Festung Europa&#8220; bereit. Die G.I.&#8217;s wurden verschifft, die Zeit der deutschen Siege nahm ein Ende. Symbolcharakter f\u00fcr die Befreiung Europas vom Faschismus hat der sogenannte D-Day: Am 6. Juni 1944 landeten amerikanische und britische Soldaten am Strand der Normandie und erweiterten ihren Br\u00fcckenkopf trotz erbitterter deutscher Gegenwehr. In den folgenden Wochen durchbrachen amerikanische Panzer die deutsche Front, Ende August war Paris in der Hand der Alliierten. Letzte deutsche Offensiven scheiterten, im M\u00e4rz 1945 \u00fcberschritten G.I.&#8217;s den Rhein und im April reichten sie bei Torgau den Soldaten der Roten Armee die H\u00e4nde. Am 8. Mai kapitulierte Deutschland. 300.000 Amerikaner lie\u00dfen im Zweiten Weltkrieg ihr Leben.<\/p>\n<h3>Musik und Themen der Warsongs<\/h3>\n<p>Die Stilrichtungen der Lieder mit denen das Volk in der Heimat und die Soldaten an der Front zum Durchhalten gebracht und von der Richtigkeit des Krieges \u00fcberzeugt werden sollten, ist vielf\u00e4ltig: Jazz, Blues, Swing, Country und Gospel &#8211; zu der damaligen Zeit vielgeh\u00f6rte Popmusik. Man stelle sich vor, dass w\u00e4hrend des &#8222;Kosovokrieges&#8220; Herbert Gr\u00f6nemeyer, die Toten Hosen und Bl\u00fcmchen die Serben verspottet und sich \u00fcber Milosevic lustig gemacht h\u00e4tten. Denn in vielen Liedern ist der Text witzig und albern. Wie in Charlie Chaplins Film &#8222;Der Gro\u00dfe Diktator&#8220; ist meist Adolf Hitler das Ziel des Spottes, oft trifft es aber auch die abf\u00e4llig mit &#8222;Jabs&#8220; betitelten Japaner &#8211; der Angriff auf Pearl Harbour sa\u00df tief. Immer wieder wird der Patriotismus eines jeden Amerikaners beschworen. Die Soldaten verlassen in den Songs voller Tatendrang ihre M\u00fctter und Freundinnen, um f\u00fcr Flagge, Freiheit, Vaterland und ihre Liebsten zu k\u00e4mpfen &#8211; und um sowohl Geschichte als auch die &#8222;letzte Seite von &#8218;Mein Kampf&#8216; zu schreiben&#8220; (Texas Jim Robertson). Die restliche Bev\u00f6lkerung hingegen wird aufgefordert, k\u00fcrzer zu treten, um &#8222;die Jungs&#8220; im Kriegseinsatz zu unterst\u00fctzen. Die Band The Hoosier Hot Shots verarbeitete den Appell an das amerikanische Volk humoristisch aber doch ernst gemeint: &#8222;A civilian on a diet, helps a soldier on a tank. \/ Though we may not stay so round, so firm, so fully packed. \/ No more steak from the cow. Skirts are shorter than before. \/ So we&#8217;ll eat less and see a bit more, \/ If it&#8217;s gonna help win the war.&#8220; Auch wird zum Kauf von Kriegsanleihen, den sogenannten War Bonds angehalten, damit alle ihre patriotische Pflicht erf\u00fcllen. W\u00e4hrend in manchen Liedern mittendrin Ansprachen gehalten werden, in denen die Amerikaner zum Erwerb der War Bonds aufgefordert werden &#8211; die Instrumente verstummen oder spielen im Hintergrund leise das musikalische Grundthema -, ist auch hier wieder die komische Variante zu finden. Der &#8222;Yankee Doodle&#8220; gespielt von Luis Oliviera &amp; his Orchestra wird durch einen Dialog zwischen Walt Disney und Donald Duck unterbrochen. Der Erpel hat schon voller Tatendrang das Gewehr f\u00fcr die Front geschultert, als Walt Disney ihm v\u00e4terlich erkl\u00e4rt, da\u00df sein Land ihn zwar braucht, aber als K\u00e4ufer von War Bonds und nicht als K\u00e4mpfer an der Waffe. Als Donald dann noch h\u00f6rt, da\u00df von seinem Geld die Gewehre, Panzer und Kampfbomber f\u00fcr Uncle Sams Soldaten gekauft werden, ist er sofort Feuer und Flamme, denn War Bonds zu kaufen ist schlie\u00dflich der &#8222;Yankee Doodle Spirit&#8220;.<\/p>\n<h3>Historische Dokumente und musikalische Kuriosit\u00e4ten<\/h3>\n<p>Auch wenn mir auf der CD ber\u00fchmte Namen wie Bing Crosby, Nat King Cole oder Benny Goodmann begegnen, ist sie f\u00fcr mich, der musikalisch eher in der Musik zu Hause ist, die mit den Ramones ihren Anfang nahm, mehr eine Sammlung von historischen Dokumenten und musikalischen Kuriosit\u00e4ten, als eine vergn\u00fcgliche Musik-CD. Zu den Kuriosit\u00e4ten geh\u00f6ren z.B. die jodelnden Johnson Sisters und das Lied &#8222;Der F\u00fchrer&#8217;s Face&#8220; in dem Johnny Bond durch furzende Soundeffekte verdeutlicht, was er am liebsten in Hitlers Gesicht plazieren w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Historisch interessant sind die kurzen Einspielungen aus Radiosendungen, in denen z.B. das Ende des Krieges verk\u00fcndet wird, oder das spirituelle mit &#8222;Hitler and Hell&#8220; betitelte Gesumme des Reverend J.M. Gates, denn hier wird die Stimmung w\u00e4hrend des Krieges in Amerika f\u00fchlbar. Zeitgeschichtliche Dokumente sind auch die Ansprache von Marlene Dietrich an amerikanische G.I.&#8217;s, das ber\u00fchmte &#8211; von ihr auf Englisch gesungene &#8211; &#8222;Lili Marleen&#8220; und nicht zuletzt die als Ausnahme aufgenomme Jazz-Band Charlie &amp; his Orchestra. Diese Gruppe kam n\u00e4mlich aus Deutschland, war Goebbels&#8216; Liebling und die einzige erlaubte Combo der eigentlich als &#8222;entartet&#8220; geltenden Musik zu Kriegszeiten. In ihrem Repertoire hatten sie Jazz-Lieder mit nazifizierten Texten, die \u00fcber den deutschen Propagandasender Richtung England gespielt wurden. Auf der CD ist ein Song von ihnen mit dem Titel &#8222;You&#8217;re driving me crazy&#8220;. Eine Parodie auf Englands damaligen Premierminister Winston Churchill, der v\u00f6llig entnervt jammert, da\u00df die Deutschen ihm immer einen Schritt voraus sind.<\/p>\n<h3>Texas Jim Robertson: The last page of &#8218;Mein Kampf&#8216; (1940)<\/h3>\n<p>Now that we have won the fight, all together we will write, \/ The last page of &#8218;Mein Kampf&#8216;. \/ We will write it, yes indeed, \/ So the whole wide world can read, \/ The last page of &#8218;Mein Kampf&#8216;. \/ The book ist full of hooey, the way it&#8217;s written now, \/ The plans of Schickelgruber, we changed them all and how. \/ Now that we have won the fight, \/ All together we will write, \/ The last page of &#8218;Mein Kampf&#8216;.<\/p>\n<p>Coquered nations now are free, they&#8217;ll be happy when they see, \/ The last page of &#8218;Mein Kampf&#8216;. \/ We&#8217;ll restore each boundary line, allied nations will design, \/ The last page of &#8218;Mein Kampf&#8216;. \/ And there&#8217;ll be no timetable to conquer any land. \/ But there will be four freedoms which will forever stand. \/ Slavery and brutal might will be ended when we write \/ The last page of &#8218;Mein Kampf&#8216;.<\/p>\n<p>Himmler, Goebbels, Goering too,all will pass out when they view, \/ The last page of &#8218;Mein Kampf&#8216;. \/ They will find it&#8217;s not a joke, and that Adolf never wrote, \/ The last page of &#8218;Mein Kampf&#8216;. \/ There&#8217;ll be no Nazi-land, we&#8217;ll put them in their place.\/ And there&#8217;ll be no raving about a Master Race. \/ Adolf and his gang we&#8217;ll send home to Hades when we end, \/ The last page of &#8218;Mein Kampf&#8216;.<\/p>\n<h3>Texas Jim Robertson: Die letzte Seite von &#8222;Mein Kampf&#8220; (1940)<\/h3>\n<p>Da wir nun den Krieg gewonnen haben, werden wir alle zusammen die letzte Seite von &#8222;Mein Kampf&#8220; schreiben. Wir werden sie schreiben, das ist sicher, damit alle auf der ganzen Welt die letzte Seite von &#8222;Mein Kampf&#8220; lesen k\u00f6nnen. Das Buch ist voller Bl\u00f6dsinn, so wie es jetzt geschrieben ist, die Pl\u00e4ne von Schickelgruber haben wir alle komplett ge\u00e4ndert. Da wir nun&#8230;<\/p>\n<p>Unterworfene L\u00e4nder sind nun frei, sie werden froh sein, wenn sie die letzte Seite von &#8222;Mein Kampf&#8220; sehen. Wir werden jede Grenze wieder herstellen, die alliierten Nationen werden die letzte Seite von &#8222;Mein Kampf&#8220; gestalten. Es wird keinen Fahrplan geben, um irgendein Land zu erobern. Aber es wird viel Freiheiten geben, die f\u00fcr immer sind. Sklaverei und brutale Macht werden beendet sein, wenn wir die letzte Seite von &#8222;Mein Kampf&#8220; schreiben.<\/p>\n<p>Himmler, Goebbels und auch G\u00f6ring werden alle umkippen, wenn sie die letzte Seite von &#8222;Mein Kampf&#8220; sehen. Sie werden merken, da\u00df es kein Spa\u00df ist und Adolf niemals die letzte Seite von &#8222;Mein Kampf&#8220; schrieb. Es wird kein Nazi-Land geben, wir werden sie schon an ihren Ort bringen. Und es wird kein irres Gerede mehr \u00fcber eine Herrenrasse geben. Adolf und seine Bande werden wir zum Hades schicken, wenn wir mit der letzten Seite von &#8222;Mein Kampf&#8220; fertig sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>American Warsongs Kriegspropaganda heutzutage erreicht die Bev\u00f6lkerung haupts\u00e4chlich \u00fcber den Fernseher. Als das amerikanische Volk, von Weltwirtschaftskrise und Depression gebeutelt, davon \u00fcberzeugt werden sollte, den Krieg auf dem fernen Kontinent Europa gegen den Faschismus mitzutragen, geschah dies vorwiegend durch Cartoons im Kino und Lieder im Radio. Unter dem Titel &#8222;American Warsongs 1933-1947. 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