{"id":4169,"date":"2001-09-01T00:00:37","date_gmt":"2001-08-31T22:00:37","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=4169"},"modified":"2022-07-26T14:26:19","modified_gmt":"2022-07-26T12:26:19","slug":"handys-fur-den-volkermord","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2001\/09\/handys-fur-den-volkermord\/","title":{"rendered":"Handys f\u00fcr den V\u00f6lkermord"},"content":{"rendered":"<p>Der Boom in der High-Tech-Industrie, namentlich die Flut immer neuer und immer komplexerer Mobilfunkger\u00e4te hat bedenkliche Folgen &#8211; nicht nur gesundheitliche f\u00fcr sogenannte &#8222;Dauertelefonierer&#8220;, die sich einem erh\u00f6hten Krebsrisiko aussetzen, oder mit Blick auf den stetig zunehmenden Elektro-Smog. Im Kongo heizt die Nachfrage nach Rohstoffen f\u00fcr die Herstellung von Handys einen blutigen B\u00fcrgerkrieg an und bedroht au\u00dferdem die Existenz eines Naturschutzgebietes, in dem eine ohnehin gef\u00e4hrdete Tiergattung vor der v\u00f6lligen Ausrottung steht.<\/p>\n<p>Coltan (Columbit- Tantalit) ist ein seltenes Erz, aus dem das enorm hitze- und s\u00e4urebest\u00e4ndige Edelmetall Tantal gewonnen wird.<em> &#8222;Wie nutzloser schwarzer Schlamm sieht das Zeug aus &#8211; nichts, was auf den ersten Blick lohnt&#8220;<\/em>, schreibt die <em>S\u00fcddeutsche Zeitung<\/em> (SZ) in ihrer Ausgabe vom 23. Juni 2001. Coltan ist f\u00fcr westliche Firmen kein &#8222;neuer&#8220; Rohstoff. Im High-Tech-Bereich findet es seit langem Verwendung, etwa f\u00fcr Nachtsichtger\u00e4te, im Flugzeugbau oder in der R\u00fcstungsindustrie. Unverzichtbar aber ist Coltan bzw. Tantal vor allem f\u00fcr die Herstellung von Mikro-Prozessoren, wie sie einen Computer in Gang halten &#8211; oder eben ein Handy. Heute ist Coltan einer der begehrtesten Rohstoffe der Welt. Allein im Jahr 2000 stieg der Preis f\u00fcr ein Kilo Coltan nach Angaben des <em>Diane Fossey Gorilla Fund<\/em> von 30 auf \u00fcber 550 (!) Pfund, umgerechnet etwa 1760 Mark. F\u00fcr die Menschen in verarmten und ausgebluteten Kongo eine geradezu m\u00e4rchenhafte Geldquelle!<\/p>\n<p>Aber auch die Parteien des B\u00fcrgerkrieges, dem nach Sch\u00e4tzungen bisher etwa 2,5 Millionen Menschen zum Opfer fielen, profitieren von den Coltan-Vorkommen im Kahuzi-Biega-Nationalpark im \u00f6stlichen Kongo. \u00dcber die Nachbarl\u00e4nder Burundi, Uganda und Ruanda l\u00e4uft l\u00e4ngst ein schwunghafter Handel mit dem kostbaren Metall, an dem auch deutsche Firmen beteiligt sind. Einem aktuellen UN-Bericht zufolge hat allein die ruandische Armee in 18 Monaten mindestens 250 Millionen Dollar am Handel mit Coltan verdient. Die UN- Experten nennen Coltan einen <em>&#8222;Motor des Krieges&#8220;<\/em> und verlangen vom UN-Sicherheitsrat weitreichende Boykottma\u00dfnahmen gegen den Import des Metalls aus den genannten L\u00e4ndern. <em>&#8222;Wer Coltan aus dem Kongo verwendet&#8220;<\/em>, wei\u00df auch Dr. Sandra Altherr, Sprecherin der Naturschutzorganisation <em>Pro Wildlife<\/em>, <em>&#8222;finanziert nicht nur einen der schlimmsten Kriege weltweit, sondern auch die systematische Ausrottung der dortigen Gorillas&#8220;<\/em>. Denn der Kahuzi-Biega-Nationalpark ist letztes Refugium der Grau-Gorillas, einer eindrucksvollen, aber vollkommen friedlichen und rein vegetarischen Menschenaffenart. Der ohnehin be\u00e4ngstigend magere Bestand ist mittlerweile von 8000 auf 1000 (!) Tiere zur\u00fcckgegangen &#8211; kein Wunder, hat doch der enorme Preisanstieg des <em>&#8222;nutzlosen schwarzen Schlamms&#8220; <\/em>im Kongo einen wahren &#8222;Coltan-Rausch&#8220; ausgel\u00f6st,<em> &#8222;einen Ansturm von rund 15.000 Bergarbeitern, H\u00e4ndlern, Prostituierten und Kriminellen&#8220;<\/em>, so der <em>Diane Fossey Gorilla Fund<\/em>, die das Metall in illegalen Mienen im Dschungel des Nationalparks abbauen. Die Grau-Gorilla werden nicht nur aus ihrem Lebensraum verdr\u00e4ngt oder als angebliche Bedrohung f\u00fcr die Arbeiter abgeschossen, sie stehen auch durchaus auf der Speisekarte der &#8222;Coltan-J\u00e4ger&#8220;. Dr. Altherr vermutet, da\u00df weder die Regierung in Kinshasa noch die Rebellen der RDC-Goma, die das Gebiet gegenw\u00e4rtig kontrollieren, sonderlich betr\u00fcbt sind \u00fcber diesen Zustand:<em> &#8222;Es ist nicht auszuschlie\u00dfen, da\u00df die Zerst\u00f6rung der Artenvielfalt im Kahuzi-Biega-Nationalpark von den Kriegsparteien sogar gewollt ist. Denn wenn der Nationalpark verw\u00fcstet und wertlos geworden ist, steht das l\u00e4stige Schutzstatut einer Nutzung des Gebietes nicht mehr l\u00e4nger im Wege&#8220;.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Boom in der High-Tech-Industrie, namentlich die Flut immer neuer und immer komplexerer Mobilfunkger\u00e4te hat bedenkliche Folgen &#8211; nicht nur gesundheitliche f\u00fcr sogenannte &#8222;Dauertelefonierer&#8220;, die sich einem erh\u00f6hten Krebsrisiko aussetzen, oder mit Blick auf den stetig zunehmenden Elektro-Smog. 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