{"id":4306,"date":"2001-11-01T00:00:21","date_gmt":"2001-10-31T22:00:21","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=4306"},"modified":"2022-07-26T13:11:51","modified_gmt":"2022-07-26T11:11:51","slug":"on-the-tracks-again","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2001\/11\/on-the-tracks-again\/","title":{"rendered":"On the tracks again &#8230;"},"content":{"rendered":"<p>Es scheint also wirklich so zu sein. Im November sollen wieder die Castor-Beh\u00e4lter aus der franz\u00f6sischen Wiederaufbereitungsanlage La Hague nach Gorleben rollen. Obwohl Polizei und Bundesgrenzschutz, bei solchen Transporten zu Tausenden gefordert wahrscheinlich ihre \u00dcberstundenzettel l\u00e4ngst voll geschrieben haben, trotz der angeblich so ver\u00e4nderten &#8222;Sicherheitslage\u201d nach den Anschl\u00e4gen vom 11.09. Und obwohl in den letzten Wochen tats\u00e4chlich die Frage nach der Verantwortbarkeit der Atomkraftnutzung wieder ins \u00f6ffentliche Interesse ger\u00fcckt sind. Gutachter und Experten aller Arten bescheinigten den AKWs absolute Unsicherheit im Falle von Anschl\u00e4gen. Doch Betreiber und Politik scheinen das Problem auf ihre Weise zu l\u00f6sen: In der N\u00e4he der Wiederaufbereitungsanlage La Hague werden &#8222;Einheiten stationiert\u201d, Flugabwehrgesch\u00fctze an franz\u00f6sischen AKWs aufgebaut. Und PolitikerInnen und Polizei entbl\u00f6deten sich nicht zu spekulieren, dass &#8222;beim n\u00e4chsten Castor-Transport radikale Atomkraftgegner sich mit islamischen Fundamentalisten zusammentun k\u00f6nnten\u201d. Was auf den ersten Blick aussieht wie Rinderwahnsinn im Endstadium hat leider einen ernsten Hintergrund: Die Terrorattacken von New York und Washington gaben in den letzten Wochen Anlass f\u00fcr eine paranoide Diskussion \u00fcber Kontrolle und Sicherheit, auch f\u00fcr die Kriminalisierung jedwedem Widerspruchs gegen eine als &#8222;herrschende Meinung\u201d verkaufte Politik. Eine Stimmungslage, in der NRW-Innenminister Behrens in einer Pressekonferenz am 8. September S\u00e4tze wie &#8222;ich rechne jetzt mit Brandanschl\u00e4gen, Mahnwachen, Kundgebungen und Eingriffen in den Schienenverkehr &#8230;\u201d sagen kann, und niemandem f\u00e4llt irgendetwas auf.<\/p>\n<p><strong>Am 5.\/6. November wird &#8211; so der aktuelle Stand &#8211; also wieder ein Castor-Transport nach Gorleben erwartet.<\/strong><\/p>\n<p>Keineswegs \u00fcbrigens der erste Transport nach den Protesten im M\u00e4rz dieses Jahres. Seitdem rollten reichlich Castoren aus deutschen AKWs nach Frankreich. Zuletzt am 10. Oktober aus den AKWs Stade und Brunsb\u00fcttel.<\/p>\n<p>Und, trotz weitgehender Geheimhaltung der Transporte vor der \u00d6ffentlichkeit gelang es diesen Transport allein in Deutschland sieben mal zu blockieren. Daran waren nur relativ wenige Menschen beteiligt, in M\u00fcnster z.B., wo der Castor 10 Minuten zum Stehen kam, nur acht Menschen. Stellen wir und das multipliziert vor, zehn oder f\u00fcnfzehntausend Beteiligte, und der Castor h\u00e4tte keine Chance auch nur einen Meter weit zu kommen. Die Erfahrung macht Mut und zeigt was m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p>Die Aktionen wenige Tage nach Beginn der Milit\u00e4rschl\u00e4ge gegen Afghanistan warfen aber auch die Frage auf, welche Bedeutung Anti-Atom-Proteste in Kriegszeiten haben. Wirkt der Protest angesichts hunderttausender von Fl\u00fcchtlingen in Afghanistan provinziell und selbstbezogen? Nein. Denn die Castor-Transporte sind und waren immer mehr als nur der Protest gegen einen gef\u00e4hrlichen, den Weiterbetrieb von Atomanlagen sichernden Transport von Atomm\u00fcll. Erst einmal gab es nie eine Trennung von angeblich &#8222;ziviler\u201d Nutzung der Atomenergie und ihren milit\u00e4rischen Verwendbarkeiten. Sp\u00e4testens seitdem Atomm\u00fcll in Form von abgereichertem Uran im Golfkrieg und in Serbien verschossen wurde, sollte jedem dieser Zusammenhang offensichtlich geworden sein.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus waren die Castor-Transporte seit Mitte der 90er Jahre ein fantastisches Experimentierfeld f\u00fcr buntesten Widerstand, zivilen Ungehorsam und verschiedenster nebeneinander funktionierender Aktionsformen.<\/p>\n<p>Nicht erst der &#8222;Sieg der Betonmischer\u201d im M\u00e4rz hat gezeigt, wozu phantasievolle Aktionen in der Lage sind.<\/p>\n<p>Angesichts immer offensiver auftretender Milit\u00e4rlogiker und Sicherheitsfanatiker brauchen wir noch mehr Phantasie, Witz und Entschlossenheit um zu verhindern, dass in dieser Welt, die nun wirklich sehr viel nicht in<\/p>\n<p>Ordnung ist, ein menschenw\u00fcrdiges Leben endg\u00fcltig unm\u00f6glich gemacht wird. Also auf ins Wendland oder halt dorthin wo der Castor f\u00e4hrt, und Widerstand zeigen. So vielf\u00e4ltig wie m\u00f6glich. Und danach sollten wir \u00fcberlegen, wie wir diese Erfahrungen, auch praktisch, nicht auch mal woanders nutzen k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es scheint also wirklich so zu sein. Im November sollen wieder die Castor-Beh\u00e4lter aus der franz\u00f6sischen Wiederaufbereitungsanlage La Hague nach Gorleben rollen. Obwohl Polizei und Bundesgrenzschutz, bei solchen Transporten zu Tausenden gefordert wahrscheinlich ihre \u00dcberstundenzettel l\u00e4ngst voll geschrieben haben, trotz der angeblich so ver\u00e4nderten &#8222;Sicherheitslage\u201d nach den Anschl\u00e4gen vom 11.09. 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