{"id":4398,"date":"2001-12-01T00:00:58","date_gmt":"2001-11-30T22:00:58","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=4398"},"modified":"2022-07-26T13:11:51","modified_gmt":"2022-07-26T11:11:51","slug":"der-castor","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2001\/12\/der-castor\/","title":{"rendered":"Der Castor&#8230;"},"content":{"rendered":"<p>Sicher, es gab in den letzten Wochen Themen, die den Castor aus den Schlagzeilen verdr\u00e4ngten: Vom Afghanistan-Krieg bis zur &#8222;Vertrauensfrage&#8220;. Es lag nicht dieses Knistern in der Luft wie im Vorfeld des Castor-Transports im letzten M\u00e4rz, und so kamen schon deutlich weniger DemonstrantInnen als erwartet zur Auftaktkundgebung am 10.11. nach L\u00fcneburg, knapp 5000 sollen es gewesen sein. Und als der Transport sich am Sonntagabend, den 11.11. in La Hague auf den Weg machte, diesmal schon in Frankreich unter massiver Polizeipr\u00e4senz, schien es noch niemand so richtig glauben zu wollen, dass zum zweitem Mal in diesem Jahr ein Castor nach Gorleben f\u00e4hrt.<\/p>\n<h3>.. &#8222;erreicht ohne gr\u00f6\u00dfere Zwischenf\u00e4lle&#8220; &#8230;<\/h3>\n<p>&#8222;Ohne gr\u00f6\u00dfere Zwischenf\u00e4lle&#8220; hie\u00df es in den meisten Agenturmeldungen. Tats\u00e4chlich kam es zu keiner spektakul\u00e4ren Betonblock-Aktion, die den Transport f\u00fcr 17 Stunden wie im M\u00e4rz zum stehen brachte (vgl. GWR 258\/GWR 259). Daf\u00fcr stand der Transport diesmal bereits kurz vor L\u00fcneburg, weil 2 Menschen an die Gleise gekettet waren. Von da ging es dann im Schritttempo \u00fcber die Bahnstrecke L\u00fcneburg-Dannenberg. Immer wieder kam es zu kleineren Aktionen, Sitzblockaden von 50 bis 200 Menschen und Ankettaktionen. &#8222;Ohne gr\u00f6\u00dfere Zwischenf\u00e4lle&#8220;: Dazu geh\u00f6ren offensichtlich nach Ansicht der Polizei 19.000 PolizistInnen und Bundesgrenzsch\u00fctzerInnen allein ab L\u00fcneburg, bundesweit wohl wieder 30.000. \u00dcber 700 Ingewahrsamnahmen und 54 Festnahmen. Nicht mehr zu z\u00e4hlende Platzverweise, mal f\u00fcr die betreffende Kreuzung, mal f\u00fcr den ganzen Landkreis, und kaum ein Satz dr\u00fcckt die neue Linie der Polizei besser aus als das, was ein Bundesgrenzsch\u00fctzer zu einer Anwohnerin hundert Meter von ihrem Wohnhaus entfernt sagte: &#8222;Ich wei\u00df ich darf das nicht, aber ich erteile Ihnen jetzt einen Platzverweis.&#8220; In Dannenberg weigerte sich die Polizei schlichtweg, der gerichtlichen Verf\u00fcgung zum Verlassen einer Wiese nachzukommen. Die Einsatzleitung erkl\u00e4rte diese lapidar nachtr\u00e4glich f\u00fcr beschlagnahmt<\/p>\n<p>und der Bauer bekam vom &#8222;Konfliktmanagement&#8220; einen Blumenstrau\u00df. Wen k\u00fcmmern Gesetze, die Polizei f\u00fchrt die Ma\u00dfnahmen durch, beschweren k\u00f6nnen sich die Betroffenen ja hinterher. Und es beschlich viele das Gef\u00fchl, dass hier erprobt wird, was dank der &#8222;Terrorpakete I-II&#8220; in der Zukunft die Normalit\u00e4t werden wird.<\/p>\n<p>Das letzte St\u00fcck auf der Strasse nahm der Castor im Eiltempo, nachdem die Polizei in der Nacht die letzte Sitzblockade auf der Strasse ger\u00e4umt hatte. Und ger\u00e4umt wurde diesmal &#8211; jedenfalls dort wo die Presse nicht hinschaute &#8211; auch mal mit Pfefferspray und bei\u00dfenden Hunden, Tempo war das einzige was z\u00e4hlte. Der Castor kommt durch, aber immer noch und wohl auch in Zukunft nur dann, wenn Grundrechte au\u00dfer Kraft gesetzt und Sonderrechte geschaffen werden.<\/p>\n<h3>&#8230; Gorleben.<\/h3>\n<p>Der Widerstand vor Ort scheint allerdings ungebrochen: Die Aktion Schneckenplage, die wochenlangen Nadelstiche gegen die mit Besatzermentalit\u00e4t auftretende Polizei zeigt Wirkung und die Botschaft, dass die Polizei nicht willkommen ist, d\u00fcrfte diese verstanden haben. Mit der Aktion &#8222;Wir lassen unsere G\u00e4ste nicht im Regen stehen&#8220; wurden nicht nur Unterbringungen geschaffen, sondern auch der Kontakt zwischen AnwohnerInnen und &#8222;Zugereisten&#8220; mehr als beim letzten mal intensiviert. Das wird, beim n\u00e4chsten Mal, seine Wirkung zeigen.<\/p>\n<p>Alles in allem hatte auch die Wi(e)derSetzen-Aktion einen regen Zulauf, zur gr\u00f6\u00dften Blockade mit fast 1000 Menschen kam es auf den Gleisen bei Hitzacker. Dass dies nicht so wahr genommen wurde lag wohl vor allem daran, dass der Castor diesmal nicht direkt vor der Blockade stand. So funktioniert nun mal die Medienlogik, nur die spektakul\u00e4ren Bilder setzten sich durch.<\/p>\n<p>Im n\u00e4chsten Jahr soll es nur einen Transport &#8211; dann aber mit doppelt so vielen Beh\u00e4ltern &#8211; nach Gorleben geben. Die Polizei d\u00fcrfte bei allem &#8222;keine Probleme&#8220;-Gerede wissen, dass sie nicht weniger Aufwand betreiben muss, um den Transport durchzubringen. Vorher werden wieder Transporte aus deutschen AKWs nach La Hague rollen. Aber auch hier geraten die Betreiber in Verzug, weil seit dem Sommer auch bei diesen von Normalit\u00e4t keine Rede mehr sein. Der zweite Gorleben Transport 2001 hat vor allem gezeigt, dass der Widerstand lebt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sicher, es gab in den letzten Wochen Themen, die den Castor aus den Schlagzeilen verdr\u00e4ngten: Vom Afghanistan-Krieg bis zur &#8222;Vertrauensfrage&#8220;. 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