{"id":4428,"date":"2001-12-01T00:00:42","date_gmt":"2001-11-30T22:00:42","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=4428"},"modified":"2022-07-26T14:26:15","modified_gmt":"2022-07-26T12:26:15","slug":"von-den-partisanen-zu-den-frauen-in-schwarz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2001\/12\/von-den-partisanen-zu-den-frauen-in-schwarz\/","title":{"rendered":"Von den Partisanen zu den Frauen in Schwarz"},"content":{"rendered":"<p>Die 84-j\u00e4hrige Neda Bozinovic, einst \u00fcberzeugte Kommunistin, geh\u00f6rt bis heute zu den ma\u00dfgeblichen Aktivistinnen der jugoslawischen Frauenbewegung. Als Parteifunktion\u00e4rin (1939-1988) in verschiedenen verantwortlichen Aufgabenbereichen blieb sie stets eine wache Kritikerin.<\/p>\n<p>In der Zeit nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges erhielten die Frauen, zumindest vorl\u00e4ufig &#8222;erstmals in der Geschichte Jugoslawiens das Recht zu w\u00e4hlen und gew\u00e4hlt zu werden, und sie besetzten wichtige Funktionen in Politik und Gesellschaft.&#8220; (S. 11)<\/p>\n<p>Daher ist es verst\u00e4ndlich, da\u00df Neda Bozinovic die &#8222;Haltung und Arbeit ihrer Partei als (in bestimmten historischen Phasen) weitgehend frauenfreundlich darstellt. Dieses Ideal konnte und sollte jedoch nicht immer und \u00fcberall umgesetzt werden; dass auch Parteigenossen, und nicht wenige, Patriarchen und Sexisten und bei weitem nicht alle Genossinnen Feministinnen waren, das wei\u00df auch Neda Bozinovic aus pers\u00f6nlicher Erfahrung. Und sie verschweigt es nicht&#8220; in ihrem Lebensbericht, so Ingrid Strobl im Vorwort.<\/p>\n<p>Als sich seit dem Beginn der 70er Jahre die B\u00fcrokratisierungstendenzen innerhalb der KP Jugoslawiens immer deutlicher heraussch\u00e4lten, konnte Neda viele Entwicklungen nicht mehr bef\u00fcrworten. Sie scheute dabei keineswegs die Auseinandersetzung mit GenossInnen. Sie verschweigt auch nicht &#8222;den Aufstieg machtgieriger und autorit\u00e4rer Funktion\u00e4re.&#8220; Und sie wendet sich entschieden gegen nationalistische Bestrebungen. &#8222;All das ist ihr zuwider und deshalb erleidet ihre Parteikarriere einen ziemlichen Einbruch. Als dann schlie\u00dflich ein Nationalist wie Milosevic die Partei repr\u00e4sentiert, in die sie als jugendliche K\u00e4mpferin f\u00fcr Freiheit und Gleichheit eingetreten war, bricht sie endg\u00fcltig mit ihr und mit nicht wenigen ihrer Genossen.&#8220; (S.11\/12)<\/p>\n<h3>Neda und die Frauen in Schwarz<\/h3>\n<p>Im Jahre 1992, kurz nach Beginn des B\u00fcrgerkrieges in Jugoslawien und vier Jahre nach Nedas offiziellem Parteiaustritt, nimmt sie als 75-j\u00e4hrige an der gro\u00dfen Friedenskonferenz am Ohridsee in Mazedonien teil. &#8222;PazifistInnen und MenschenrechtlerInnen aus dem ehemaligen Jugoslawien und anderen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern hatten sich hier versammelt, um gemeinsam Aktionen gegen diesen immer brutaleren Krieg ins Leben zu rufen.&#8220; (S. 13) Neda war vor allem als Vertreterin der &#8222;Frauen in Schwarz&#8220; dorthin gereist. Bereits im Oktober 1988 hatte sie bewu\u00dft Kontakt zu der pazifistisch-feministisch orientierten Gruppierung in Belgrad gesucht. Zu einer ersten wichtigen Begegnung kam es dann im Oktober 1989. Stasa Zajovic, eine der Gr\u00fcnderinnen der Gruppe, berichtet:<\/p>\n<p>&#8222;Ich habe Neda vor ungef\u00e4hr zehn Jahren das erste Mal getroffen. Es war bei einem Treffen der Gruppe &#8218;Die Frau und die Gesellschaft\u2019 im Kulturzentrum der Studentinnen. Das war damals f\u00fcr uns und andere alternative Gruppen der einzige Ort, an dem wir uns versammeln durften. (&#8230;) Wir waren nicht sehr viele und wir erkannten rasch neue Gesichter.&#8220; (S. 137)<\/p>\n<p>An jenem Abend war neu, dass drei oder vier Frauen im Alter von 65 und 80 Jahren in der ersten Reihe sa\u00dfen. Normalerweise waren die Frauen, die zu den Treffen kamen sowie diejenigen, die der Kerngruppe angeh\u00f6rten, j\u00fcnger als 30 Jahre. Als dann Neda sp\u00e4ter das Wort ergriff, erkannte Stasa Zajovic, wie sehr sie beide sich nahe standen, trotz des bestehenden Generationenunterschiedes. Aus Nedas Art zu sprechen, entnahm Stasa, dass sie gemeinsame Grundlagen hatten, geographisch und kulturell. Stasa fragte sich, ob diese Frau von der dalmatischen K\u00fcste oder aus der Bucht von Kotor stammte? Auffallend war, dass sich Nedas Art der politischen und feministischen Rede von der Sprache der jungen Frauen unterschied. &#8222;Was sie sagte, besa\u00df Gewicht und \u00fcberzeugte&#8220;, so Stasa in ihrer Erinnerung. Und Stasa glaubte zu erkennen, dass Neda von der &#8222;Front der antifaschistischen Frauen&#8220; kam; einer einflu\u00dfreichen Organisation aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges. In der Tat: Neda war aktives Mitglied gewesen. Sie und viele andere Frauen ihrer Generation hatten sich im Zweiten Weltkrieg als Partisaninnen am Befreiungskampf gegen die deutsche Wehrmacht beteiligt.<\/p>\n<p>Neda war jedoch nicht als Bef\u00fcrworterin des militant-bewaffneten Befreiungskampfes zu den &#8222;Frauen in Schwarz&#8220; gekommen. Gerade in den Diskussionen mit einigen internationalen MitstreiterInnen der &#8222;Frauen in Schwarz&#8220; sowie den suchenden, unentschiedenen oder z.T. auch antipazifistisch eingestellten M\u00e4nnern und Frauen anderer au\u00dferparlamentarischer Oppositionsgruppen betonte Neda selbst immer wieder, dass es zwecklos sei, den bewaffneten Kampf zu propagieren. &#8222;Heute kann uns der bewaffnete Kampf wohl kaum mehr als Schande einbringen, jedenfalls nicht die erhoffte Emanzipation.&#8220; (S. 142) Der bewaffnete Kampf sei eine antiquierte Idee wie deren Prinzip selbst. Diese Position verteidigte sie u.a. auch in den von der Gruppe veranstalteten \u00f6ffentlichen Diskussionsforen:<\/p>\n<p>&#8222;Ich, als eine Frau mit Erfahrung im bewaffneten Kampf, w\u00e4hle heute die Gewaltlosigkeit. Gewaltlosigkeit ist keine Feigheit. Sie ist einfach der heutigen Zeit am besten angepa\u00dft. Daran solltet ihr euch mit aller Entschiedenheit halten.&#8220; (S. 142)<\/p>\n<p>In diesen grundlegenden Auseinandersetzungen erwies sich Nedas Unterst\u00fctzung f\u00fcr die politische Arbeit der &#8222;Frauen in Schwarz&#8220; als \u00fcberaus stabilisierend. Stasa Zajovic charakterisiert das folgenderma\u00dfen: &#8222;Nedas Scharfblick blieb in unserem Kampf ein ausgeglichenes Element.&#8220; Denn Neda sch\u00fctzte sie z.B. vor Gefahren in Aktionsb\u00fcndnissen: im Sinne einer falsch verstandenen Toleranz sollten sie keine verlogenen Kompromisse eingehen.<\/p>\n<p>Schnell war Neda im Belgrader Antikriegszentrum den zumeist wesentlich j\u00fcngeren Frauen eine freundschaftlich-beratende Verb\u00fcndete geworden. Dabei nahm Neda nicht nur eine sozial-integrative Rolle ein, sondern sie blieb auch dort stets eine wache Kritikerin. Stasa berichtet: &#8222;Wenn einige &#8211; ich an der Spitze &#8211; zu radikal waren, griff sie ein und brachte ihre Erfahrungen als eine Frau ein, die sowohl die h\u00f6chsten Machtinstanzen als auch die Belange des Volkes kannte. In ihrem tiefsten Innern war sie eine Frau des Volkes geblieben. (&#8230;) Politisch gab es nie Unstimmigkeiten mit ihr. Sie legte Wert auf klare, einfache und f\u00fcr uns erreichbare Ziele.&#8220; (S. 139)<\/p>\n<p>Neda blieb nicht ausschlie\u00dflich innerhalb der Belgrader Gruppierung haften. Sie reiste auch gemeinsam mit anderen VertreterInnen der jugoslawischen Friedensbewegung zu verschiedenen Frauenkonferenzen in die Wojwodina, aber auch z.B. nach Italien, wo sie sich mit bosnischen Pazifistinnen traf. Dabei ging es ihr vor allem um Klarstellungen hinsichtlich der politischen Priorit\u00e4ten und Zielsetzungen innerhalb der Bewegung. Einig waren sich alle weitestgehend darin, ein befreites f\u00f6deratives Jugoslawien schrittweise und zielgerichtet aufzubauen; mit der gleichberechtigten Autonomie aller ethnischen Bev\u00f6lkerungsgruppierungen in verschiedenen Landesteilen. Dabei verwies Neda immer wieder darauf, dass es falsch ist, zu sagen: &#8222;Nach der Befreiung&#8220; oder &#8222;Nach dem Krieg werden wir das Frauenproblem in Angriff nehmen.&#8220; Vielmehr m\u00fcsse die Befreiung und tats\u00e4chliche Gleichstellung der Frauen bereits in der Zeit w\u00e4hrend des Widerstands gegen den Krieg in Angriff genommen werden. Neda betonte: &#8222;Das h\u00e4ngt alles miteinander zusammen, ihr d\u00fcrft das nie unabh\u00e4ngig voneinander betrachten.&#8220; (S. 140) Sie warnte auch die Frauen anderer Staaten davor, manipuliert zu werden, denn aus Erfahrung wu\u00dfte sie, wie der Staat mit den Frauen umzugehen pflegt.<\/p>\n<h3>R\u00fcckblick: Mila Dimic &#8211; die anarchistische Jugendfreundin<\/h3>\n<p>Mit den Gel\u00e4ufigkeiten und Handhabungen des Staates gegen\u00fcber den Frauen hatte Neda im Laufe ihres langen politischen und feministischen Engagements weitreichende Erfahrungen gesammelt. Als Jura-Studentin war sie vor dem Zweiten Weltkrieg Mitinitiatorin eines selbstverwalteten Studentinnenwohnheims, in dem sie zusammen mit anderen Studentinnen verschiedene Formen autonom-feministischer Kulturarbeit entwickelte. Als sich jedoch herausstellte, dass die Studentinnen gesellschaftskritische Konzepte und Aktionen ersannen, dass sie f\u00fcr Frauenemanzipation aktiv wurden, kam es aufgrund staatlicher Repression zur Schlie\u00dfung des Heimes im Jahre 1942. Die von den Studentinnen gew\u00e4hlte Leiterin, Mila Dimic, wurde von der Polizei bespitzelt und mehrmals verh\u00f6rt. Nach einer ersten Inhaftierung wurde sie im Dezember 1942 erneut verhaftet. Die Polizei schlug sie brutal zusammen, bewu\u00dftlos wurde Mila Dimic ins Gef\u00e4ngniskrankenhaus \u00fcberf\u00fchrt, wo sie nach wenigen Tagen im Koma starb.<\/p>\n<p>Neda war eine enge Freundin von Mila gewesen. Sie standen sich auch in politischer Hinsicht nahe. Beide teilten sie eine systemkritische, kommunistisch orientierte Position. Jedoch war Mila Dimic im Unterschied zu Neda damals keine \u00fcberzeugte Kommunistin leninistischer Pr\u00e4gung. Neda charakterisiert Mila Dimic als &#8222;Linksradikale. Sie war so etwas wie eine anarchistische Kommunistin, die sich \u00fcber jede Grenze und Disziplin hinwegsetzte und sich deshalb keiner politischen Partei anschlie\u00dfen wollte. Ihre Beziehungen zur Kommunistischen Partei waren h\u00e4ufig gespannt. Autoren gegen\u00fcber, die einen sozialistischen Realismus in der Literatur durchsetzen wollten, blieb sie in kritischer Distanz.&#8220; (S. 37)<\/p>\n<p>Obwohl Neda mit Mila Dimic tief verbunden war, wirken manche ihrer Schilderungen \u00fcber sie befremdlich. Ihre Bemerkungen \u00fcber Mila als sich \u00fcber &#8218;Grenzen und Disziplin\u2019 hinwegsetzende anarchistische Kommunistin wirken recht distanziert und best\u00e4tigen eigentlich eher ein herk\u00f6mmliches Vorurteil gegen\u00fcber AnarchistInnen. Tatsache ist, dass Mila nicht milit\u00e4risch-militant eingestellt war; sie war \u00e4u\u00dferst kritisch gegen\u00fcber Polizei und Staatsgewalt und sie lehnte autorit\u00e4re Strukturen ab. Alles in allem war sie \u00fcberhaupt kein systemangepa\u00dfter Mensch. Sie geh\u00f6rte der linken systemkritischen k\u00fcnsterlischen Intelligenz an. Mila war Schauspielerin, Essayistin, Dramenautorin und \u00dcbersetzerin deutscher Texte. Eines ihrer bekanntesten B\u00fchnenst\u00fccke war ihre Bearbeitung des Gesellschaftsromans &#8222;Das Erntefeld&#8220; von Branimir Cosic, die 1935\/36 im Belgrader Volkstheater aufgef\u00fchrt wurde. Der damalige Polizei- und Kulturminister des K\u00f6nigreichs Jugoslawien veranla\u00dfte die unverz\u00fcgliche Absetzung des St\u00fcckes sowie die sofortige Entlassung Milas als Darstellerin und B\u00fchnenautorin.<\/p>\n<p>Als Leiterin der Selbstverwaltungskooperative des Studentinnenheims war Mila bekannt f\u00fcr ihr unb\u00fcrokratisches Organisationstalent, f\u00fcr ihre Toleranz und Kommunikationsf\u00e4higkeit besonders mit den j\u00fcngeren Studentinnen. Sie half, so gut es in ihren Kr\u00e4ften stand, inhaftierten Regimekritikerinnen. Ohne dass die Heimbewohnerinnen das wu\u00dften, beteiligte sie sich aktiv an Demonstrationen gegen die Regierung. Mila Dimic war es dann auch gewesen, die Neda darin unterst\u00fctzte, eigenst\u00e4ndig verfa\u00dfte Reden und Statements bei \u00f6ffentlichen feministisch-politischen Versammlungen zu halten. Sie \u00fcbte mit ihr rhetorische Grundlagen f\u00fcr diese Zwecke.<\/p>\n<h3>Nedas weiterer Lebensweg bis zu den &#8222;Frauen in Schwarz&#8220;<\/h3>\n<p>In Nedas sp\u00e4terer Parteikarriere war die Begegnung mit Mila Dimic sicher pr\u00e4gend f\u00fcr ihre Ausrichtung auf basisorientierte T\u00e4tigkeitsbereiche. Leider erw\u00e4hnt Neda diese pers\u00f6nlichen inneren Zusammenh\u00e4nge nur selten in ihrer Autobiographie. Welche Einstellung hatte sie selbst zum antiautorit\u00e4ren Sozialismus? War sie \u00fcberhaupt n\u00e4her vertraut mit libert\u00e4r-sozialistischen Str\u00f6mungen? Das sind Fragen, die sie in ihrem Lebensbericht nicht thematisiert und daher unbeantwortet bleiben m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Auffallend ist, dass sie und ihr sp\u00e4terer zweiter Ehemann Bobi (Drobivoje Radosavljevic) eindeutig eine antinationalistische, systemkritische Position innerhalb der KP Jugoslawiens vertraten. Sie geh\u00f6rten dabei aber liberal-reformerischen Kreisen an. Obwohl sie beide vergleichsweise hohe, verantwortliche F\u00fchrungspositionen erreichten, beanspruchten sie f\u00fcr sich und ihre Familien keine Privilegien finanzieller Art.<\/p>\n<p>In ihrer Autobiographie beschreibt Neda die Diskrepanzen zwischen Theorie und politischer Praxis. In ihrer Position als Richterin des Obersten Gerichtshofes (1951-1971) unter Tito befa\u00dfte sie sich ma\u00dfgeblich mit konkreten Bed\u00fcrfnissen, sozialen Problemen und Anliegen der Menschen. Sie kritisiert, dass bereits seit 1951 &#8222;im Staatssekretariat eine zunehmende B\u00fcrokratisierung von innen&#8220; zu erleben war. Eine technokratische F\u00fchrungselite hatte sich herausgebildet, die sich aus dem hierarchisch strukturierten Machtapparat n\u00e4hrte. &#8222;Die mittleren F\u00fchrungskader waren zu einer Gruppe mit einheitlichem Verhaltenscodex geworden: Einerseits waren sie alle sehr gehorsam, hatten sich aber andererseits so eingerichtet, dass sie ihre Stellung in der Hierarchie benutzten, um die eigenen Interessen vor die Allgemeinheit zu stellen, um sich gegenseitig die verschiedensten Privilegien zuzuschanzen.&#8220; (S. 79)<\/p>\n<p>Als \u00fcberzeugte Antib\u00fcrokratin und Antinationalistin brach sie 1988 endg\u00fcltig mit der KPJ. Bereits seit 1972 &#8211; das war die Zeit der Wende -, als die nationalistsich-konservativen Kr\u00e4fte, damals noch im Verbund mit Tito und unter dessen F\u00fchrung, die Oberhand gewannen, distanzierte sie sich innerlich und \u00e4u\u00dferlich von den Machenschaften der Partei.<\/p>\n<p>Staatliche \u00dcberwachungsmethoden sowie ein enges Konspirationsnetz der konservativen und nationalistischen Funktion\u00e4rskreise sorgten daf\u00fcr, dass die liberalen, anti-nationalistischen, reformerisch orientierten PolitikerInnen abgesto\u00dfen bzw. sozial isoliert wurden. Denn deren &#8222;Vorstellungen von einer Marktwirtschaft und gleichberechtigten Beziehungen zwischen allen in Serbien lebenden V\u00f6lkern und ethnischen Gruppen, insbesondere in der Wojwodina und im Kosovo, stie\u00df auf heftigen Widerstand der konservativen Kr\u00e4fte Serbiens.&#8220; (S. 107)<\/p>\n<p>Ihren Zugang zu den pazifistisch orientierten Frauengruppen innerhalb der linksoppositionellen, au\u00dferparlamentarischen Bewegung fand Neda aufgrund ihrer politischen und sozialen Isolation in der Zeit zwischen 1972 und 1988. Sie selbst sagt dazu: &#8222;Die feministische Gruppe &#8218;Frauen in Schwarz\u2019 half mir zu \u00fcberleben, indem sie mir die M\u00f6glichkeit gab, meinen Protest gegen diesen Krieg \u00f6ffentlich kundzutun.&#8220; (S. 145) Aber in vielerlei Hinsicht bewirkten die entstandenen Freundschaften und B\u00fcndnisse mit den zumeist jungen Feministinnen einen noch viel weiteren Wirkungsrahmen. Gerade die Begegnungen, Gespr\u00e4che und Diskussionen mit den unterschiedlichen Frauen in den pazifistischen Gruppen motivierten sie, mit ihnen zusammen die verdeckten und ausgel\u00f6schten Spuren der Befreiungsk\u00e4mpfe von Frauen in Jugoslawien ausfindig zu machen und wieder ans Licht zu bringen. So entschied sie sich, bereits in der Zeit des B\u00fcrgerkrieges ihr Buch &#8222;Zur Lage der Frau in Serbien im 19. und 20. Jahrhundert&#8220; (Belgrad) zu schreiben, welches eine Initiative der &#8222;Frauen in Schwarz&#8220; f\u00fcr sie finanzierte. Bei den Recherchen und der Lekt\u00fcre f\u00fcr dieses Projekt entstand bei Neda &#8222;ein Gef\u00fchl der Bewunderung, Achtung und Liebe&#8220; (S. 144) f\u00fcr all die damaligen und heutigen Generationen von Frauen, die den Weg f\u00fcr ihre Emanzipation in diesen streng patriarchalisch verwurzelten Balkanl\u00e4ndern ebneten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die 84-j\u00e4hrige Neda Bozinovic, einst \u00fcberzeugte Kommunistin, geh\u00f6rt bis heute zu den ma\u00dfgeblichen Aktivistinnen der jugoslawischen Frauenbewegung. Als Parteifunktion\u00e4rin (1939-1988) in verschiedenen verantwortlichen Aufgabenbereichen blieb sie stets eine wache Kritikerin. 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