{"id":4477,"date":"2002-01-01T00:00:51","date_gmt":"2001-12-31T22:00:51","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=4477"},"modified":"2022-07-26T14:16:50","modified_gmt":"2022-07-26T12:16:50","slug":"die-evolution-der-kooperation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2002\/01\/die-evolution-der-kooperation\/","title":{"rendered":"Die Evolution der Kooperation"},"content":{"rendered":"<p>Ein Argument f\u00fcr die Notwendigkeit von Herrschaft und gegen die M\u00f6glichkeit von Anarchie ist, da\u00df die Menschen Egoisten sind und sich ohne Herrschaft gegenseitig zerfleischen w\u00fcrden. &#8222;Homo homini lupus est&#8220; &#8211; Der Mensch ist des Menschen Wolf ((1)). In seiner klassischen Form findet sich das Argument im Leviathan des Thomas Hobbes; vulg\u00e4r bei Stammtischphilosophen und Politikern der ganzen Gesellschaft. AnarchistInnen hingegen glauben an die M\u00f6glichkeit soziale Beziehungen ohne Herrschaft zu gestalten und wollen die herrschaftsfreie Gesellschaft auf dem Prinzip der Gegenseitigen Hilfe errichten.<\/p>\n<p>In diesem Artikel soll mit mathematischen Methoden untersucht werden unter welchen Bedingungen Kooperation in einer Welt von Egoisten ohne zentrale Herrschaftsinstanz entsteht. Zum einen wird hierdurch das Vorurteil der &#8222;nat\u00fcrlichen&#8220; Bosheit des Menschen widerlegt. Zum anderen wird es m\u00f6glich die Bedingungen f\u00fcr die Entstehung und den Erhalt von Kooperation k\u00fcnstlich zu schaffen, d.i. Gegenseitige Hilfe zu organisieren.<\/p>\n<h3>Spieltheorie<\/h3>\n<p>Soziale Ph\u00e4nomene unterscheiden sich von physikalischen Ph\u00e4nomenen dadurch, da\u00df Menschen ihre Zwecke frei w\u00e4hlen k\u00f6nnen. Um diese Eigenschaft sozialer Ph\u00e4nomene in ein mathematisches Modell zu integrieren werden in der Spieltheorie soziale Ph\u00e4nomene an Hand von Modellen strategischer Spiele beschrieben. In einem strategischen Spiel (z.B. Schach) h\u00e4ngt das Ergebnis von den Zielen und den wechselseitigen Entscheidungen der Spieler ab.<\/p>\n<p>Jedes Spiel stellt ein Modell der Wirklichkeit dar. Die spieltheoretischen Modelle werden gebildet, indem den m\u00f6glichen Ausg\u00e4ngen (z.B. eines Konflikts) Zahlenwerte zugeordnet werden. Die Werte dr\u00fccken aus, welchen Ausgang ein Spieler pr\u00e4feriert. Ein Konflikt zweier Parteien kann z.B. durch folgendes zwei Personenspiel dargestellt werden.<\/p>\n<table border=\"1\" cellspacing=\"2\" cellpadding=\"2\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td>b1<\/td>\n<td>b2<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>a1<\/td>\n<td>4\/-4<\/td>\n<td>2\/-2<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>a2<\/td>\n<td>5\/-5<\/td>\n<td>-3\/3<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Abb. 1: Ein Nullsummenspiel<\/p>\n<p>Eine solche Matrix wird gelesen, indem man aus der Perspektive eines Spielers den rationalen Verlauf des Spiels bestimmt. In unserem Fall w\u00e4re das beste Ergebnis f\u00fcr A die Wahl a2\/b1 = 5 Punkte f\u00fcr A, -5 Punkte f\u00fcr B. Weil aber B gleichg\u00fcltig welche Strategie A w\u00e4hlt mit der Strategie b2 besser dran ist, ist die L\u00f6sung des Spiels die Wahl (a1\/b2) = 2 Punkt f\u00fcr A, -2 Punkte f\u00fcr B.<\/p>\n<p>Dieses Spiel ist ein sogenanntes Nullsummenspiel. Bei Nullsummenspielen gewinnt der eine Spieler genau das, was der andere verliert. Die Interessen sind strikt entgegengesetzt.<\/p>\n<p>Eine Kooperation ist unm\u00f6glich. Beispiele f\u00fcr Nullsummenspiele sind Schach, Poker u.a. Nullsummenspiele sind ein Extrem m\u00f6glicher Konflikte. Das andere Extrem sind Spiele reiner Kooperation.<\/p>\n<table border=\"1\" cellspacing=\"2\" cellpadding=\"2\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td>b1<\/td>\n<td>b2<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>a1<\/td>\n<td>3\/0<\/td>\n<td>2\/1<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>a2<\/td>\n<td>5\/5<\/td>\n<td>4\/3<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Abb. 2: Ein Spiel reiner Kooperation.<\/p>\n<p>Hier ist deutlich ein gemeinsames Interesse der Spieler vorhanden. Kooperation ist selbstverst\u00e4ndlich. In der Praxis besteht das einzige Problem darin sich zu koordinieren.<\/p>\n<p>Als Modelle f\u00fcr eine Theorie der Kooperation eignen sich weder Nullsummenspiele noch Spiele reiner Kooperation, weil Kooperation bei dem einen Spieltyp unm\u00f6glich, bei den anderem selbstverst\u00e4ndlich ist. Das Erreichen von Kooperation wird erst in Situationen problematisch, in denen sie m\u00f6glich ist aber gleichzeitig jedes Individuum einen Anreiz hat, sich auf Kosten des anderen eigenn\u00fctzig zu verhalten. Als Modell f\u00fcr solche Situationen dient das Gefangenendilemma.<\/p>\n<h3>Das Gefangenendilemma<\/h3>\n<p>&#8222;Das Gefangenendilemma ist ein Spiel mit zwei Spielern, von denen jeder zwei Entscheidungsm\u00f6glichkeiten hat, n\u00e4mlich zu kooperieren oder nicht zu kooperieren. Nichtkooperation nennen wir Defektion. Jeder mu\u00df seine Wahl treffen, ohne zu wissen, wie der andere sich verhalten wird. Unabh\u00e4ngig vom Verhalten des jeweils anderen f\u00fchrt Defektion zu einer h\u00f6heren Auszahlung als Kooperation. Das Dilemma liegt darin, da\u00df es f\u00fcr jeden Spieler, unabh\u00e4ngig vom Verhalten des anderen, vorteilhafter ist, zu defektieren, da\u00df jedoch beiderseitige Defektion f\u00fcr jeden Spieler ung\u00fcnstiger ist als wechselseitige Kooperation.&#8220; (Axelrod S. 9)<\/p>\n<table border=\"1\" cellspacing=\"2\" cellpadding=\"2\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td>Koop.<\/td>\n<td>Def.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Koop.<\/td>\n<td>R=3\/R=3<\/td>\n<td>S=0\/T=5<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Def.<\/td>\n<td>T=5\/S=0<\/td>\n<td>P=1\/P=1<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Abb. 3: Das Gefangenendilemma.<\/p>\n<p>Wenn in Abbildung 3 beide Spieler versuchen, das f\u00fcr sie beste Ergebnis T=5 (f\u00fcr engl.: Temptation, die Versuchung zu defektieren) zu erreichen, erhalten sie beide die Auszahlung P=1 (f\u00fcr engl.: Punishment, die Strafe f\u00fcr wechselseitige Defektion), die schlechter ist als das m\u00f6gliche Ergebnis R=3 (f\u00fcr engl.: Reward, die Belohnung f\u00fcr wechselseitig Kooperation). Aber wenn nur einer versucht dieses Ergebnis anzustreben, so l\u00e4uft er Gefahr mit der Auszahlung S=0 (f\u00fcr engl.: Sucker&#8217;s payoff) als gutgl\u00e4ubiges Opfer sitzen zu bleiben.<\/p>\n<p>Um sich in das Dilemma zu versetzen, hilft vielleicht folgende Geschichte: Ein Anarchist und ein Kommunist, die zusammen einen Bankraub begangen haben, werden von der Polizei verhaftet und in verschiedenen Zellen eingesperrt. Beide k\u00f6nnen entweder ein Gest\u00e4ndnis ablegen oder schweigen, und beide kennen die m\u00f6glichen Konsequenzen ihrer Handlung. Diese sind:<\/p>\n<p>1. Wenn der eine gesteht und sein Partner nicht, so wird der, der gestanden hat, als Zeuge der Anklage freigelassen und der andere kommt f\u00fcr 20 Jahre ins Gef\u00e4ngnis<\/p>\n<p>2. Wenn beide gestehen, m\u00fcssen beide auf 5 Jahre ins Gef\u00e4ngnis<\/p>\n<p>3. Wenn beide schweigen, m\u00fcssen beide wegen unerlaubten Waffenbesitzes &#8211; eines weniger schwerwiegenden Anklagepunkts &#8211; auf 1 Jahr ins Gef\u00e4ngnis (vgl. Davis 104). &#8211; Was tun die Genossen? ((2))<\/p>\n<h3>Das iterierte (wiederholte) Gefangenendilemma<\/h3>\n<p>Viele reale Interaktionen von pers\u00f6nlichen bis hin zu internationalen Beziehungen k\u00f6nnen als wiederholtes Gefangenendilemma aufgefasst werden. Um einen Eindruck von der Problematik des wiederholten Gefangenendilemmas zu bekommen, stelle mensch sich vor, das oben angegebene Gefangenendilemma zehnmal mit einer anderen Person zu spielen. Das Ziel ist den eigenen Nutzen zu maximieren. Absprachen oder die Teilung des Gewinns sind nicht m\u00f6glich. Was ist in diesem Fall eine gute Strategie? Wie oft soll ich kooperieren, wenn die andere Person defektiert? Wann ist es f\u00fcr mich sinnvoll zu defektieren?<\/p>\n<h3>Computerturniere<\/h3>\n<p>Diese Fragen wurden in den achtziger Jahren mit Hilfe zweier Computerturniere untersucht. Am ersten Turnier nahmen vierzehn Wissenschaftler aus verschieden Disziplinen teil. Jeder Teilnehmer schrieb f\u00fcr das Turnier ein Programm, das eine Regel f\u00fcr die Wahl von Kooperation und Nicht-Kooperation bei jedem Zug enthielt. Ein Spiel bestand aus zweihundert Z\u00fcgen. F\u00fcr jeden Zug wurde die oben abgebildete Auszahlungsmatrix verwendet. Jede Strategie spielte gegen jede andere. Die Aufgabe war es, m\u00f6glichst viele Punkte eimzuheimsen. ((3)) Eine Strategie w\u00e4re zum Beispiel, ich kooperiere dreimal und dann, wenn mein Gegen\u00fcber sich in Sicherheit wiegt, nutze ich ihn aus und kassiere die h\u00f6here Auszahlung. Eine andere Strategie w\u00e4re, ich kooperiere solange bis mein Gegen\u00fcber defektiert, dann defektiere ich nur noch. Die Ergebnisse des ersten Turniers wurden interpretiert, ver\u00f6ffentlicht und den 62 Teilnehmern eines zweiten Turniers zur Verf\u00fcgung gestellt.<\/p>\n<h3>Die \u00dcberlegenheit kooperativer Strategien ((4))<\/h3>\n<p>Das erstaunliche Ergebnis der Turniere war, da\u00df Programme, die eine kooperative Strategie verfolgten, vorne lagen, w\u00e4hrend Programme, die versuchten den anderen auszubeuten, am Ende der Tabelle standen. Die kooperativen Strategien gewannen, weil sie im Spiel miteinander viele Punkte erhielten, w\u00e4hrend die nicht-kooperativen Programme versuchten sich gegenseitig auszubeuten und mit der geringsten Auszahlung sitzenblieben. Von den Regeln, die im zweiten Turnier die ersten f\u00fcnfzehn Pl\u00e4tze belegten, waren alle bis auf eine Regeln, die nicht als erste defektierten. Die Eigenschaft einer Strategie nicht als erste zu defektieren kann mensch als Freundlichkeit interpretieren. Als besonders fatal erwies es sich im ersten Zug zu defektieren. Dies f\u00fchrte in den meisten F\u00e4llen zu fortgesetzter, gegenseitiger Defektion und geringer Punktzahl.<\/p>\n<p>Die hobbsche Auffassung, da\u00df die Menschen, wenn sie nicht mit Gewalt davon abgehalten werden, einander feindlich begegnen, erweist sich beim iterierten Gefangenendilemma als sch\u00e4dlich. Auf die Art einer selbsterf\u00fcllenden Prophezeiung verhindert sie, da\u00df Kooperation in Gang kommt und f\u00fchrt zu schlechtem Abschneiden.<\/p>\n<p>Freundlichkeit hingegen lohnt sich, weil der dauerhafte Nutzen, wenn sie erwidert wird, den kurzfristigen Schaden, wenn sie ausgebeutet wird, \u00fcberwiegt.<\/p>\n<h3>Tit for tat<\/h3>\n<p>In beiden Turnieren gewann das einfachste Programm &#8222;Tit for tat&#8220;. Tit for tat kooperiert im ersten Zug und tut dann das, was der andere Spieler im vorhergehenden Zug getan hat. Neben der Freundlichkeit beruhte der Erfolg von tit for tat darauf, da\u00df es sich nicht ausbeuten l\u00e4\u00dft. Auf eine Defektion reagiert tit vor tat mit genau einer Defektion. Es schl\u00e4gt zur\u00fcck, ist aber nicht rachs\u00fcchtig. Regeln die erst nach mehrfacher Defektion des Gegners aufh\u00f6rten zu kooperieren, versagten gegen\u00fcber raffinierten Ausbeutern. W\u00e4hrend rachs\u00fcchtige Programme, die auf eine einmalige Defektion die Kooperation ganz einstellten, sich durch fortgesetzte gegenseitige Defektion selbst schadeten.<\/p>\n<h3>Gewaltfreiheit und Tit for tat<\/h3>\n<p>Weil Kooperation in diesem Modell nicht durch Wohltun und Nachsicht sondern durch Sanktionen erhalten wird, mag der eine oder die andere LeserIn an dieser Stelle stutzen. Nicht die Feindesliebe des neuen Testaments, sondern das alttestamentarische &#8222;Auge um Auge, Zahn um Zahn&#8220; wird favorisiert. Wobei schon das alte Testament wu\u00dfte, da\u00df die Vergeltung nur einfach sein darf. Der Grund hierf\u00fcr ist, da\u00df durch Feindesliebe oder durch gewaltfreie Konfliktmittel versucht wird, Konflikte \u00fcber eine Neubewertung der Pr\u00e4ferenzen zu l\u00f6sen. Dies setzt sowohl Einsicht und Vernunft als auch die M\u00f6glichkeit zur Kommunikation voraus, erlaubt aber auch die L\u00f6sung von Nullsummenspielen. Mit Hilfe der Spieltheorie hingegen wird die Entstehung und der Erhalt von Kooperation erkl\u00e4rt, wenn die Pr\u00e4ferenzen unver\u00e4nderlich sind. Sei es weil die Spieler vernunftlose Lebewesen (oder Computer) sind, sei es weil die Kommunikation auf ein Minimum beschr\u00e4nkt ist, sei es weil die Konfliktgegner die Mittel gewaltfreier Konfliktl\u00f6sung nicht kennen oder nicht anwenden wollen.<\/p>\n<p>Dies soll an zwei Beispielen demonstriert werden:<\/p>\n<h3>Darwinismus, mutual aid und evolution.<\/h3>\n<p>Sowohl Herrschaft als auch Sozialdarwinismus werden gerne mit einem falschen Verst\u00e4ndnis von Darwins Evolutionslehre gerechtfertigt. Da der Mensch eine Tierart ist, sollen auch die Gesetze der Evolution der Kampf ums Dasein (struggle for live) und das \u00dcberleben der St\u00e4rksten (survival of the fittest) f\u00fcr ihn gelten. Im ersten Fall mu\u00df der Kampf deshalb unterdr\u00fcckt, im zweiten Fall soll er im Sinne einer nat\u00fcrlichen Auslese zugelassen werden.<\/p>\n<p>In seinem Klassiker &#8222;Gegenseitige Hilfe bei Menschen und Tieren&#8220; weist Kropotkin aufgrund von Beobachtungen, die er auf seinen Reisen durch Sibirien machte, und an Hand von Beispielen aus der zeitgen\u00f6ssischen Literatur (z.B. Brehms Tierleben) nach, da\u00df die Vorstellung von Kampf aller gegen alle dem Leben in der Natur widerspricht. Bei Darwins &#8222;Kampf ums Dasein&#8220; handelt es sich nicht um einen wirklichen Kampf zwischen Tieren verschiedener Arten, z.B. L\u00f6wen und Gazellen oder dem Kampf zweier Tiere derselben Gattung, z.B. um ein Territorium, wie es sich einige Kleinhirne vorstell(t)en, sondern um die Konkurrenz um Lebenschancen innerhalb einer Art. &#8222;The fittest&#8220; oder &#8222;die St\u00e4rksten&#8220; sind diejenigen Lebewesen innerhalb einer Art, denen es gelingt sich fortzupflanzen und ihre Eigenschaften zu vererben. Dies sind in Wirklichkeit diejenigen Tiere einer Art, die kooperieren; w\u00e4hrend diejenigen, die dazu nicht in der Lage sind, im Laufe der Zeit aussterben. Daher sind unter den Tieren Kooperation und Solidarit\u00e4t die Regel und Kampf ist die Ausnahme. Sowohl was die Beschaffung von Nahrung als auch was den Schutz vor Feinden und das \u00dcberleben unter widrigen Umst\u00e4nden betrifft.<\/p>\n<p>&#8222;Es w\u00e4re ganz unm\u00f6glich die verschiedenen Jagdgenossenschaften der V\u00f6gel aufzuz\u00e4hlen; aber die Fischereigenossenschaften der Pelikane sind sicher um der bemerkenswerten Ordnung und der Intelligenz willen, die von diesen plumpen V\u00f6geln entwickelt wird, erw\u00e4hnenswert. Sie gehen immer in gro\u00dfen Scharen zum Fischen, und nachdem sie eine geeignete Bucht ausgesucht haben, bilden sie einen gro\u00dfen Halbkreis gegen\u00fcber dem Ufer und machen ihn enger, indem sie dem Ufer zuwaten, und so fangen sie alle Fische, die gerade in dem Kreis eingeschlossen sind. &#8230; Wenn die Nacht kommt fliegen sie zu ihren Ruhepl\u00e4tzen &#8211; immer derselbe f\u00fcr jeden Zug &#8211; und niemand hat sie je um den Besitz einer Bucht oder des Ruheplatzes k\u00e4mpfen sehen. In S\u00fcdamerika versammeln sie sich in Z\u00fcgen von vierzig- bis f\u00fcnfzigtausend, von denen ein Teil sich des Schlafes erfreut, w\u00e4hrend die anderen Wache halten und andere wieder ans Fischen gehen.&#8220; (Kropotkin S.41)<\/p>\n<p>&#8222;Die kleinen aber \u00e4u\u00dferst schnellen Kiebitze (Vanellus cristatus) greifen die Raubv\u00f6gel k\u00fchn an. &#8218;Es ist ein h\u00f6chst anziehendes Schauspiel, Kiebitze zu beobachten, die einen Bussard, eine Weihe, einen nach den Eiern l\u00fcsternen Raben oder einen Adler anfallen: man glaubt ihnen die Siegesgewi\u00dfheit, und dem R\u00e4uber den \u00c4rger anzumerken. Einer unterst\u00fctzt dabei den anderen, und der Mut steigert sich, je mehr der Angreifer durch den L\u00e4rm herbeigezogen werden.&#8216; (Brehm) Der Kiebitz hat den Namen &#8218;Gute Mutter&#8216;, den ihm die Griechen gaben, wohlverdient, denn er unterl\u00e4\u00dft nie, andere Wasserv\u00f6gel vor den Angriffen ihrer Feinde zu sch\u00fctzen. Aber selbst die kleinen Bachstelzen (Motacilla alba), die wir in unseren G\u00e4rten gut kennen und die kaum zwanzig Zentimeter gro\u00df sind, zwingen den Sperber, seine Beute zu lassen.&#8220; (S.42f)<\/p>\n<p>&#8222;Unter den M\u00f6ven (Larus argentatus) sah Polyakoff auf einer Marsch in Nordru\u00dfland, da\u00df die Nestanlagen einer sehr gro\u00dfen Zahl dieser V\u00f6gel immer von einem M\u00e4nnchen patroulliert wurden, das die Kolonie im Fall der Gefahr warnte. Alle V\u00f6gel stiegen dann auf und griffen den Feind sehr energisch an. Die Weibchen, die f\u00fcnf oder sechs Nester zusammen an jeder Ecke der Marsch hatten, wahrten eine gewisse Ordnung, wenn sie ihr Nest verlie\u00dfen, um Futter zu suchen. Die eben fl\u00fcgge gewordenen V\u00f6gel, die sonst \u00e4u\u00dferst ungesch\u00fctzt sind und leicht die Beute der Raubv\u00f6gel werden, werden nie allein gelassen.&#8220; (S.51) ((5))<\/p>\n<p>&#8222;Das Leben in Gesellschaft ist wiederum die Regel bei der gro\u00dfen Familie der Pferde, die die Wildpferde und Wildesel Asiens, das Zebra, die Mustangs, die Cimarrones der Pampas und die halbwilden Pferde Mongoliens und Sibiriens umfa\u00dft. Sie leben alle in zahlreichen Vereinigungen, die aus vielen Gruppen zusammengesetzt sind, von denen jede aus einer Zahl Stuten unter der F\u00fchrung eines Hengstes besteht. Diese zahllosen Bewohner der alten und neuen Welt, die im ganzen f\u00fcr den Widerstand gegen ihre vielen Feinde und die widrigen Verh\u00e4ltnisse schlecht ausgestattet sind, w\u00e4ren bald von der Erdoberfl\u00e4che verschwunden gewesen, wenn sie nicht ihren sozialen Geist gehabt h\u00e4tten. Wenn ein Raubtier sich ihnen naht, vereinigen sich sofort mehrere Gruppen sie schlagen das Tier zur\u00fcck und verfolgen es manchmal; und weder der Wolf noch der B\u00e4r und nicht einmal der L\u00f6we kann ein Pferd oder nur ein Zebra wegfangen, solange sie sich nicht von der Herde entfernt haben. Wenn eine Trockenheit das Gras der Pr\u00e4rien verbrannt hat, sammeln sie sich in Herden von manchmal 10000 Individuen und wandern aus. Und wenn ein Schneesturm in den Steppen tobt, dann h\u00e4lt sich jede Gruppe eng zueinander und wendet sich einer gesch\u00fctzten Schlucht zu. Aber wenn die Zuversicht verschwindet oder die Gruppe von einer Panik ergriffen wird und sich aufl\u00f6st, dann gehen die Pferde zugrunde und die \u00dcberlebenden werden nach dem Sturm halbtot vor Ermattung aufgefunden.&#8220; (S.60)<\/p>\n<h3>Nicht Kampf sondern gegenseitige Hilfe ist der entscheidende Faktor der Evolution!<\/h3>\n<p>&#8222;Das Gesellschaftsleben setzt die schw\u00e4chsten Insekten, V\u00f6gel und S\u00e4ugetiere instand, den schrecklichen V\u00f6geln und Raubtiere Widerstand zu leisten oder sich vor ihnen zu sch\u00fctzen, es verschafft langes Leben, es setzt die Art instand, ihre Nachkommen mit m\u00f6glichst geringen Kraftaufwand aufzuziehen und ihre Zahl ungeachtet sehr langsam einander folgender Geburten zu behaupten; es bef\u00e4higt die Herdentiere, sich auf der Suche nach neuen Wohnungen auf die Wanderschaft zu begeben. Daher behaupten wir, obwohl wir v\u00f6llig zugeben, da\u00df Kraft, Schnelligkeit, Schutzfarben, List und Ausdauer im Ertragen von Hunger und K\u00e4lte, die von Darwin und Wallace angef\u00fchrt werden, lauter Eigenschaften sind, die das Individuum oder die Art in bestimmten F\u00e4llen zu den geeignetsten machen, da\u00df in <em>allen<\/em> F\u00e4llen die Geselligkeit der gr\u00f6\u00dfte Vorteil im Kampf ums Dasein ist. &#8230; Was die Gabe des Intellekts angeht, so wird jeder Darwinist, ebenso wie er mit Darwin erkl\u00e4rt, da\u00df er die m\u00e4chtigste Waffe im Kampf ums Dasein und der m\u00e4chtigste Faktor zu ferner Entwicklung ist, zugeben, da\u00df die Intelligenz eine eminent soziale Eigenschaft ist. Sprache, Nachahmung und geh\u00e4ufte Erfahrung sind lauter Elemente der wachsenden Intelligenz, deren das unsoziale Tier beraubt ist. Daher finden wir an der Spitze jeder Tierklasse die Ameisen, die Papageien und die Affen, die alle die gr\u00f6\u00dfte Geselligkeit mit der h\u00f6chsten Verstandesentwicklung vereinigen. Die geeignetsten &#8211; die, die im Kampfe gegen alle widrigen Umst\u00e4nde am besten ger\u00fcstet sind &#8211; sind also die geselligsten Tiere, und Geselligkeit erscheint als der Hauptfaktor der Entwicklung, sowohl direkt dadurch, da\u00df das Wohlergehen der Art mit m\u00f6glichst geringem Kraftaufwand gesichert wird, wie indirekt dadurch, da\u00df die Entwicklung des Verstandes beg\u00fcnstigt wird.&#8220; (S.68f)<\/p>\n<p>Eine \u00f6kologische Analyse auf der Basis des iterierten Gefangenendilemmas bei der von mal zu mal die Programme die in einem Turnier am schlechtesten abschneiden ausscheiden, best\u00e4tigt Kropotkin Auffassung. Zuerst scheiden die Programme aus, die sich ausbeuten lassen. Die Ausbeuter sterben aus nachdem sie die ausbeutbaren Programme verdr\u00e4ngt haben. \u00dcbrig bleiben Strategien die die F\u00e4higkeiten haben zu kooperieren und sich gegen Ausbeutung zu sch\u00fctzen.<\/p>\n<h3>Der Erste Weltkrieg und das System des leben und leben lassen<\/h3>\n<p>Ein zweites Beispiel f\u00fcr die Entwicklung von Kooperation auf der Grundlage von tit for tat ist das System des &#8222;Leben und Leben Lassens&#8220; im Stellungskrieg des ersten Weltkrieg.<\/p>\n<p>Im ersten Weltkrieg war die Westfront der Schauplatz grausamer Schlachten um ein paar Meter Gel\u00e4ndegewinn. Andererseits hielten sich die feindlichen Soldaten zwischen diesen Schlachten und selbst w\u00e4hrend ihres Verlaufs an anderer Stelle der Front in erstaunlichem Ma\u00dfe zur\u00fcck. Dies geschah entgegen der milit\u00e4rischen Logik des T\u00f6ten oder Get\u00f6tet Werden und trotz der Versuche h\u00f6herer Offiziere dies zu unterbinden. Ein britischer Stabsoffizier bemerkte w\u00e4hrend einer Inspektion der Front, er habe,<\/p>\n<p>&#8222;mit Erschrecken festgestellt, da\u00df deutsche Soldaten in Reichweite unserer Gewehre hinter ihren eigenen Linien umhergehen. Unsere Leute schienen davon keine Notiz zu nehmen. Ich beschlo\u00df, nach \u00dcbernahme der Stellung diese Dinge abzustellen; so etwas sollte nicht erlaubt werden. Diesen Leuten war offensichtlich nicht klar, da\u00df sie sich im Krieg befanden. Beide Seiten glaubten anscheinend an die Politik des &#8218;Leben und leben lassen'&#8220; (Axelrod 67)<\/p>\n<p>Die milit\u00e4rischen Oberkommandos betrachteten den Krieg als Nullsummenspiel. Jeder Schaden, der dem Gegner zugef\u00fcgt wurde, mu\u00dfte sich bei zuk\u00fcnftigen Schlachten positiv auswirken. F\u00fcr die Soldaten wurde der Krieg dadurch, da\u00df sich an der Westfront langfristig dieselben Einheiten gegen\u00fcberlagen zu einem iterierten Gefangenendilemma. Sie konnten w\u00e4hlen zwischen &#8222;gezielt schie\u00dfen um zu t\u00f6ten&#8220; und &#8222;vors\u00e4tzlich so schie\u00dfen, da\u00df Verletzungen vermieden werden&#8220;.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend offene Fraternisierungen zu Beginn des Krieges durch das Oberkommando leicht unterdr\u00fcckt wurden, kam das System gegenseitiger Zur\u00fcckhaltung ohne m\u00fcndliche Absprachen aus. Es entstand z.B. aus Waffenruhen, die von Schlechtwetterperioden erzwungen wurden. Nach einer solchen Pause lag es nahe, den Beginn neuer Kampfhandlungen zu verz\u00f6gern. Hatte der Prozess wechselseitiger Zur\u00fcckhaltung erst einmal begonnen, konnte er auf andere Gelegenheiten, z.B. auf die Essenszeiten, ausgeweitet werden.<\/p>\n<p>&#8222;Es w\u00e4re ein Kinderspiel, die mit Verpflegung und Wasserkarren vollgestopfte Stra\u00dfe hinter den feindlichen Linien zu beschie\u00dfen und in eine blutige W\u00fcste zu verwandeln&#8230;aber im gro\u00dfen und ganzen ist es ruhig. Wenn Du Deinen Feind daran hinderst, seine Verpflegung zu fassen, verf\u00fcgt er schlie\u00dflich \u00fcber ein einfaches Mittel: er wird Dich daran hindern, Deine zu bekommen.&#8220; (zitiert nach Axelrod S.78). Die erzielten Kooperationserfolge wurden an benachbarte Einheiten und vor allen an die Abl\u00f6sung weitergeben. Ein englischer Veteran empfing einen Neuling mit den Worten: &#8222;Der Deutsche ist kein schlechter Kerl. La\u00df&#8216; ihn in Ruhe, dann l\u00e4\u00dft er Dich in Ruhe.&#8220; (S.71)<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Perioden wechselseitiger Zur\u00fcckhaltung waren die Soldaten darauf bedacht zu zeigen, da\u00df sie n\u00f6tigenfalls tats\u00e4chlich zur\u00fcckschlagen konnten. Deutsche Scharfsch\u00fctzen bewiesen den Briten z.B. dadurch ihre Vergeltungsm\u00f6glichkeit, da\u00df sie solange auf den Flecken an der Mauer einer H\u00fctte schossen, bis sie ein Loch durchgebrochen hatten. Noch auffallender war das an vielen Stellen auftretende vorhersehbare Artilleriefeuer. Von einer Stelle der Front wird berichtet, die Deutschen f\u00fchrten &#8222;ihre offensiven Operationen mit einer taktvollen Mischung aus gleichbleibendem und schlecht gezielten Beschu\u00df, der einerseits die Preu\u00dfen zufrieden stellt und andererseits Thomas Atkins keine ernsthaften Schwierigkeiten macht&#8220; (S.78).<\/p>\n<p>Engl\u00e4nder und Franzosen verhielten sich ebenso.<\/p>\n<p>&#8222;Er begann um sieben &#8211; so p\u00fcnktlich, da\u00df man seine Uhr danach stellen konnte&#8230;Er hatte immer das gleiche Ziel, sein Umfang war genau bemessen, er wich nie zur Seite aus oder schlug vor oder hinter dem Ziel ein&#8230; Es gab sogar ein paar Vorwitzige, die (kurz vor sieben) herauskamen, um die Einschl\u00e4ge zu sehen.&#8220; (S.78)<\/p>\n<p>Da die Artillerie hinter der Front weniger gef\u00e4hrdet war als die Infanterie, nahm sie an dem Gefangenendilemma nicht teil. Um zu verhindern, da\u00df das System durch Artilleriefeuer zerst\u00f6rt wurde, war die Infanterie auf ein gutes Verh\u00e4ltnis zur Artillerie bedacht. Andererseits hatte insbesondere die Artillerie die Funktion Provokationen zu vergelten. Ein neuer vorgeschobener Artilleriebeobachter wurde von den Infanteristen h\u00e4ufig mit dem Wunsch begr\u00fc\u00dft &#8222;Ich hoffe, Du beginnst keinen \u00c4rger&#8220;. Die beste Antwort war &#8222;Nicht, ohne da\u00df Du es willst.&#8220; (S.73)<\/p>\n<p>Aus dem System der gegenseitigen Zur\u00fcckhaltung entwickelte sich teilweise sogar ein Interesse am Wohlergehen der anderen Seite.<\/p>\n<p>&#8222;Ich trank gerade Tee bei der Kompanie A., als wir lautes Geschrei h\u00f6rten. Wir gingen nach drau\u00dfen, um zu sehen was vorgefallen war. Unsere M\u00e4nner und die Deutschen standen auf der Brustwehr. Pl\u00f6tzlich schlug eine Salve ein, die jedoch keinen Schaden anrichtete. Beide Seiten gingen nat\u00fcrlich in Deckung und unsere Leute fluchten \u00fcber die Deutschen. Auf einmal kletterte ein mutiger Deutscher auf seine Brustwehr und rief &#8218;Wir bedauern das sehr. Hoffentlich wurde niemand verletzt. Es war nicht unsere Schuld. Es war die verfluchte preu\u00dfische Artillerie.&#8220; (S.77)<\/p>\n<p>Das System brach zusammen als die Milit\u00e4rf\u00fchrung dazu \u00fcberging, Sto\u00dftruppunternehmen einzusetzen. Die Angreifer hatten Befehl, den Feind in seinen eigenen Stellungen zu t\u00f6ten oder gefangen zu nehmen. Wenn der Sto\u00dftrupp Erfolg hatte, konnten Gefangene gemacht werden, war er ein Fehlschlag, dann waren Verluste der Beweis f\u00fcr den Versuch. Die Einheiten verloren auf diese Weise ihren Handlungsspielraum, da sie die Kampfhandlungen nicht mehr vort\u00e4uschen konnten, ohne selbst Schaden zu nehmen.<\/p>\n<h3>Die Organisation gegenseitiger Hilfe<\/h3>\n<p>Wenn Kooperation selbst unter Feinden und vernunftlosen Lebewesen aufgrund bestimmter Strukturen entstehen kann, liegt es nahe f\u00fcr die Organisation von Gegenseitiger Hilfe diese Strukturen k\u00fcnstlich zu schaffen. Z.B. lie\u00dfe sich die Zusammenarbeit linker Gruppen, wenn die Kommunikation durch Entfernung eingeschr\u00e4nkt ist, auf dieser Grundlage organisieren. In einer herrschaftsfreien Gesellschaft k\u00f6nnte so der Austausch von G\u00fctern oder Dienstleistungen, wenn mensch ihn ohne Geld und mit den Menschen, wie sie heute sind, vollziehen will, stattfinden.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte den Vorteil von langfristigen Interaktionen und von der M\u00f6glichkeit, Kooperation mit Kooperation und Defektion mit Defektion zu beantworten, an zwei Beispielen illustrieren.<\/p>\n<p>1. Bei einer Hausbesetzung in M\u00fcnster (siehe GWR 259) standen die BesetzerInnen vor der Wahl, sich von der Polizei r\u00e4umen zu lassen oder auf das Versprechen hin, da\u00df keine Personalien feststellt w\u00fcrden, das Haus &#8222;freiwillig&#8220; zu verlassen. Wegen der schlechten Presse und dem Aufwand einer R\u00e4umung war der Polizei sicherlich die erste M\u00f6glichkeit am unangenehmsten. Nachdem die BesetzerInnen jedoch das Haus verlassen hatten, gab es f\u00fcr die Polizei keinen Grund mehr, ihr Versprechen zu halten und die Leute wurden ins Polizeipr\u00e4sidium gebracht. H\u00e4tten die BesetzerInnen das Haus einzeln verlassen und obendrein die Polizei \u00fcber ihre Anzahl im ungewissen gelassen, so w\u00e4re ein iteriertes Gefangenendilemma entstanden, in dem der kurzfristige Vorteil einen Besetzer ohne Aufwand festzunehmen, f\u00fcr die Polizei den langfristigen \u00c4rger einer R\u00e4umung bedeutet h\u00e4tte.<\/p>\n<p>2. In selbstverwalteten Strukturen lastet die Arbeit oft auf wenigen Personen oder wird nicht erledigt. Augenf\u00e4llig ist dies beim Putzen oder Reparieren von Sch\u00e4den in libert\u00e4ren Zentren. Appelle an die Verantwortung aller f\u00fcr das gemeinsame Projekt nutzen wenig. Weil jede(r) Einzelne das Projekt auch ohne Arbeit zu investieren nutzen kann, kommt es bestenfalls zu kurzfristigen Rettungsaktionen. (Die Finanzierung von Zeitungen auf Spendenbasis ist ein \u00e4hnliches Problem.) Sinnvoller ist es, die Arbeit an die Nutzung der R\u00e4umlichkeiten zu koppeln. Etwa so, da\u00df eine konkrete Gruppe, die eine R\u00e4umlichkeit einmal die Woche nutzt, einmal die Woche eine bestimmte Arbeit aus\u00fcbt. Auf diese Weise entsteht ein iteriertes Gefangenendilemma, in dem die Wechselseitigkeit die Kooperation garantiert und Gruppen, die nicht bereit sind, Verantwortung zu \u00fcbernehmen, ausgeschlossen werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Argument f\u00fcr die Notwendigkeit von Herrschaft und gegen die M\u00f6glichkeit von Anarchie ist, da\u00df die Menschen Egoisten sind und sich ohne Herrschaft gegenseitig zerfleischen w\u00fcrden. &#8222;Homo homini lupus est&#8220; &#8211; Der Mensch ist des Menschen Wolf ((1)). 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