{"id":450,"date":"1996-06-01T00:00:41","date_gmt":"1996-05-31T22:00:41","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=450"},"modified":"2022-07-26T12:59:17","modified_gmt":"2022-07-26T10:59:17","slug":"die-homophobie-der-linken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/1996\/06\/die-homophobie-der-linken\/","title":{"rendered":"Die Homophobie der Linken"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Die Linke und das Laster&#8220;, so der Titel eines Sammelbandes zu schwuler Emanzipation und den Vorurteilen der Linken. &#8222;Der Linken&#8220;? Was das sein soll, erf\u00e4hrt mensch im gesamten Band leider nicht, und beim Lesen der Beitr\u00e4ge beschleicht eine\/n schnell der Verdacht, da\u00df die Linke von den Autoren (in diesem Fall verst\u00e4ndlicherweise nur M\u00e4nner) hier nur als parteif\u00f6rmig organisiert und marxistisch gedacht wird: KPD und SPD in der Weimarer Republik, die mehr oder weniger kommunistischen und sozialdemokratischen Exilzeitungen zur Zeit des Nationalsozialismus, die SED in der DDR und schlie\u00dflich die K-Gruppen und DKP\/SEW in der j\u00fcngeren Geschichte der BRD. Weder finden die anarchistische FAUD oder andere nicht-marxistische Gruppen in der Weimarer Republik Erw\u00e4hnung, noch geht Elmar Kraushaar in seinem Beitrag &#8222;Die neue Linke und die Schwulenfrage der 70er und 80er Jahre&#8220; auf die gewaltfreien Aktionsgruppen oder die entstehende \u00d6kologiebewegung ein &#8211; bzw. erst nach deren parteif\u00f6rmiger Organisierung als gr\u00fcne Partei. Trotz dieses Mangels ist es dennoch ein lesenswertes Buch, und ich wage die Prognose, da\u00df auch die Einbeziehung der anarchistischen und sonstigen nicht-parteif\u00f6rmigen, anti-parlamentarischen Linken nicht zu einem wesentlich anderen Bild gef\u00fchrt h\u00e4tte. Denn auch diese Bewegung &#8211; und hier macht die Graswurzelrevolution keine Ausnahme &#8211; nimmt die schwule Emanzipation nicht als eigenst\u00e4ndige Frage war und reagiert zwar freundlicherweise mit verbaler Unterst\u00fctzung schwuler Forderungen, ohne sich jedoch mit ihnen auseinanderzusetzen. Auch in der GWR werden schwule Antimilitaristen oder Anarchisten, die auch in der Schwulenbewegung aktiv waren oder sind, in der Regel nicht als solche zur Kenntnis genommen. So ist Kurt Hiller zwar als radikaler Antimilitarist bekannt, da\u00df er aber gleichzeitig einer der wesentlichen Vertreter der Schwulenbewegung der Weimarer Republik war, und seine Ablehnung der Wehrpflicht aus den gleichen Grund\u00fcberzeugungen resultierte wie seine politische Arbeit f\u00fcr die schwule Emanzipation, wird schlicht nicht zur Kenntnis genommen.<\/p>\n<p>Das Bild, das sich durch die Beitr\u00e4ge zieht, ist das eines schwierigen Verh\u00e4ltnisses &#8222;der Linken&#8220; zum Laster, einer allenfalls taktischen und sehr zaghaften Unterst\u00fctzung schwuler Emanzipation durch die &#8222;Linke&#8220;, bei gleichzeitiger Nichtbefassung mit den eigenen anti-homosexuellen Vorurteilen, die immer wieder ausgepackt werden, wenn sie sich gegen die\/den politische\/n GegnerIn instrumentalisieren lassen.<\/p>\n<h3>Am Anfang war das Laster&#8230;<\/h3>\n<p>Der Herausgeber Detlef Grumbach leitet den Sammelband mit einem Beitrag zu &#8222;Arbeiterbewegung und Homosexualit\u00e4t zwischen 1870 und 1933&#8220; ein. Im Zentrum der Aktivit\u00e4ten der ersten schwulen Emanzipationsbewegung stand zum einen der Kampf gegen die Diskriminierung von Homosexualit\u00e4t als &#8222;widernat\u00fcrlich&#8220; und &#8222;krankhaft&#8220;, zum anderen auf politischer Ebene der Kampf f\u00fcr die Abschaffung des \u00a7 175, der &#8222;widernat\u00fcrliche Unzucht, welche zwischen Personen m\u00e4nnlichen Geschlechts oder von Mensch mit Thieren begangen wird, &#8230;&#8220; unter Strafe stellte. Auch wenn die Sozialdemokratie sich gegen diesen Paragraphen wandte, so konnte sie sich doch auch nicht davon frei machen, &#8222;Homosexualit\u00e4t als Dekadenzerscheinung zu interpretieren, ihre Existenz an die aus ihrer Sicht \u00fcberlebten und abgewirtschafteten Klassen des Adels und der Bourgeoisie zu binden. So waren s\u00e4mtliche moralischen Vorurteile gegen\u00fcber der Homosexualit\u00e4t &#8211; immer auch im Kampf gegen B\u00fcrgertum, Adel und schlie\u00dflich den Faschismus &#8211; innerhalb der Arbeiterklasse virulent.&#8220;(S. 18)<\/p>\n<p>Die organisierte Schwulenbewegung begann 1897 mit der Gr\u00fcndung des <cite>Wissenschaftlich-humanit\u00e4ren Komitees<\/cite> (WhK) durch den schwulen j\u00fcdischen Arzt Magnus Hirschfeld, der sp\u00e4ter auch zu den f\u00fchrenden Mitgliedern der <cite>Weltliga f\u00fcr Sexualreform<\/cite> geh\u00f6rte. Das WhK und Magnus Hirschfeld konfrontierten &#8222;die Linke&#8220;, zu der Zeit also die SPD, immer wieder mit schwulenpolitischen Forderungen, so da\u00df sie gen\u00f6tigt war, Position zu beziehen. Dies tat sie mehr widerwillig, und es setzte sich eine Position durch, die Homosexualit\u00e4t zwar nicht akzeptierte und davon ausging, da\u00df es sie in einer sozialistischen Gesellschaft nicht mehr geben werde (S. 25), da\u00df sie aber straffrei zu bleiben habe.<\/p>\n<p>Im politischen Alltag der SPD spiegelte sich das nicht wieder. Sowohl bei der sogenannten Aff\u00e4re um Alfred Krupp 1902, dem Homosexualit\u00e4t vorgeworfen wurde, als auch bei dem Skandal um den Kaiserberater Eulenburg 1907, dem ein Verh\u00e4ltnis zum Berliner Stadtkommandanten Graf von Moltke nachgesagt wurde, nutzten die SPD ausgiebig die Vorurteile gegen\u00fcber Homosexualit\u00e4t f\u00fcr ihre politischen Ziele. Die Forderung nach Abschaffung des \u00a7 175, sowieso in erster Linie parlamentarisch vertreten, mu\u00dfte da zur\u00fccktreten.<\/p>\n<p>Bei der am 1. Januar 1919 gegr\u00fcndeten KPD verhielt es sich nicht viel anders. Prinzipiell bef\u00fcrwortete sie die Abschaffung des \u00a7 175 &#8211; zumindest solange, wie auch in der Sowjetunion die Homosexualit\u00e4t straffrei war &#8211; ohne da\u00df das jedoch Auswirkungen auf die praktische Politik gehabt h\u00e4tte. Auch die KPD nutzte den Vorwurf der Homosexualit\u00e4t und die daran gekn\u00fcpften Vorurteile, wenn es ihr f\u00fcr ihre politischen Ziele zweckm\u00e4\u00dfig erschien.<\/p>\n<p>Gegen Ende der Weimarer Republik zeigte sich dies deutlich in der Auseinandersetzung um die R\u00f6hm-Aff\u00e4re 1931\/32. Der SA-F\u00fchrer R\u00f6hm machte nie einen Hehl aus seiner Homosexualit\u00e4t, und erstmals 1931 wurde dies von der sozialdemokratischen M\u00fcnchner Post f\u00fcr Angriffe auf die NationalsozialistInnen genutzt. Hierbei wurde niedrigstes Stammtischniveau mit allen Vorteilen gegen\u00fcber Homosexuellen benutzt, um so die NationalsozialistInnen zu treffen. Bereits hier ist angelegt, worauf Alexander Zinn in seinem Beitrag &#8222;Die Bewegung der Homosexuellen&#8220; ausf\u00fchrlicher eingeht: Die Nicht-Auseinandersetzung der &#8222;Linken&#8220; mit den eigenen Vorurteilen gegen\u00fcber Homosexualit\u00e4t trug zum Stereotyp des <cite>homosexuellen Nazis<\/cite> in der Linken bei.<\/p>\n<h3>&#8222;Die Bewegung der Homosexuellen&#8220;<\/h3>\n<p>Spannend zu lesen ist der Beitrag von Alexander Zinn \u00fcber &#8222;die soziale Konstruktion des homosexuellen Nationalsozialisten im antifaschistischen Exil&#8220;. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts wurde der Diskurs \u00fcber Homosexualit\u00e4t von theoretischen Entw\u00fcrfen beeinflu\u00dft, die M\u00e4nnlichkeitsideale, F\u00fchrerkult, M\u00e4nnerb\u00fcnde und die patriarchale Gesellschaftsordnung als durch Homoerotik und Homosexualit\u00e4t getragen <cite>enttarnten<\/cite>. (S. 38) Die Homosexualit\u00e4t Ernst R\u00f6hms gab dem neue Nahrung, und seit 1933 wurde durch die deutschsprachige Exilpresse Homosexualit\u00e4t in einen wesenhaften Zusammenhang mit dem Nationalsozialismus gebracht. Durch die R\u00fcckbesinnung auf linke Faschismusanalysen der 30er Jahre in Folge der StudentInnenbewegung von 1968 kam es in der BRD zu einem partiellen Wiederaufleben dieses Stereotyps, das sich selbst bei Klaus Theweleit wiederfindet, wenn er behauptet, &#8222;M\u00e4nnerb\u00fcnde&#8220; neigten &#8222;zur Ausbildung &#8218;homosexueller Praktiken&#8216;, die, selber aggressiver Art, zum Umklappen in jede andere Form der Aggressivit\u00e4t f\u00e4hig&#8220; seien (Theweleit 1987, S. 332).<\/p>\n<p>Dem Stereotyp des homosexuellen Nationalsozialisten bediente sich die Exil-KPD in ihrem im August 1933 erschienenen &#8222;Braunbuch \u00fcber Reichstagsbrand und Hitlerterror&#8220;, in dem der 24j\u00e4hrige van der Lubbe, der den Brand legte, zum Lustknaben erkl\u00e4rt wurde, der ein Verh\u00e4ltnis mit R\u00f6hm gehabt h\u00e4tte. Bewu\u00dft wurden hier Fakten manipuliert und alle Klischees eingesetzt, um zu dem gew\u00fcnschten Ergebnis zu gelangen (S. 44). In dem Braunbuch wurde erstmals eine wesenhafte Verbindung zwischen Homosexualit\u00e4t und Nationalsozialismus suggeriert. Dieser Zusammenhang sollte in der Exilpresse zuk\u00fcnftig bewiesen werden. Ausgiebig wurde nun \u00fcber die homosexuelle Veranlagung von Nationalsozialisten berichtet, um so diesen Zusammenhang <cite>empirisch<\/cite> zu best\u00e4tigen. Dieser empirischen Best\u00e4tigung folgte schlie\u00dflich die theoretische Begr\u00fcndung. Dem unterstellten Zusammenhang von Nationalsozialismus und Homosexualit\u00e4t wurde noch eine Verbindung zum Sadismus hinzugef\u00fcgt, und daraus ein Garant f\u00fcr den Fortbestand der faschistischen Gesellschaftsordnung konstruiert, so z.B. der Sexualtheoretiker Wilhelm Reich. (S. 49)<\/p>\n<p>Auch die ersten Meldungen \u00fcber die Verfolgung von Homosexuellen durch die Nazis taten diesem Stereotyp keinen Abbruch. Zun\u00e4chst weigerte sich die Exilpresse schlicht, diese Tatsache wahrzunehmen, und erkl\u00e4rte sie zu inneren Streitigkeiten der Nazis. Nur wenige Exilierte wehrten sich dagegen. Lediglich Klaus Mann, selbst homosexuell, wagte Protest anzumelden: &#8222;Man ist im Begriffe, aus &#8218;dem&#8216; Homosexuellen den S\u00fcndenbock zu machen &#8211; &#8218;den&#8216; Juden der Antifascisten. Das ist abscheulich. Mit ein paar Banditen die erotische Veranlagung gemeinsam zu haben, macht noch nicht zum Banditen.&#8220; (S. 73)<\/p>\n<p>In seinem Res\u00fcmee stellt Zinn fest, da\u00df die soziale Konstruktion des homosexuellen Nationalsozialisten nat\u00fcrlich nicht empirischer Grundlagen entbehrt &#8211; es gab homosexuelle Nazis. Doch Grundlage des Stereotyps des homosexuellen Nazis &#8222;war hingegen nicht die Erkenntnis \u00fcber die politischen Orientierungen der Homosexuellen in Deutschland. &#8230; Die homosexuelle Veranlagung R\u00f6hms und vermutlich etwa vier weiterer Nationalsozialisten, die in deutschen Exilperiodika der Homosexualit\u00e4t beschuldigt wurden, der Glaube an Zusammenh\u00e4nge zwischen M\u00e4nnerbund und Homosexualit\u00e4t, tradierte Homosexuellenstereotype und nicht zuletzt die latente Antihomosexualit\u00e4t der Arbeiterparteien KPD und SPD stellten den &#8218;realen Kern&#8216; dar, der den Entstehungsproze\u00df des stereotypisierten Homosexuellenbildes evozierte.&#8220;(S. 79)<\/p>\n<h3>Homosexualit\u00e4t in der DDR<\/h3>\n<p>Aus meiner Sicht weniger interessant ist der Beitrag von G\u00fcnter Grau \u00fcber die SED-Politik gegen\u00fcber Homosexuellen. Dies mag z.T. an meiner Wessi-Existenz liegen, doch z.T. auch an der Art der Darstellung. Deutliches \u00dcbergewicht hat die Diskussion innerhalb von Partei und SED-Staat zum Homosexuellenstrafrecht, und die immer wieder neuen Entw\u00fcrfe und Begr\u00fcndungen lesen sich auf die Dauer eher langweilig, wenn sie auch aufschlu\u00dfreich sind f\u00fcr die Vorurteile der SED gegen\u00fcber Homosexuellen. Die in den ersten Beitr\u00e4gen des Buches aufgezeigte Homophobie in der Linken und die Wiedereinf\u00fchrung der Strafbarkeit von (m\u00e4nnlicher) Homosexualit\u00e4t in der Sowjetunion 1934 wirkten sich hier aus. Wurde in den ersten Jahren die Nichtbefassung mit den Forderungen zur Abschaffung des \u00a7 175 mit der Begr\u00fcndung, &#8222;es gebe dringlichere Aufgaben&#8220; abgelehnt, so wurde im Rahmen der verschiedenen Reformvorschl\u00e4ge zum DDR-Strafrecht von Seiten des Justizministeriums sp\u00e4ter auf einer Bestrafung von (m\u00e4nnlicher) Homosexualit\u00e4t bestanden. Hier taucht das alte Vorurteil von der &#8222;\u00dcberwindung der Homosexualit\u00e4t&#8220; in der sozialistischen Gesellschaft, vom &#8222;\u00dcberbleibsel&#8220; abgewirtschafteter Klassen, wieder auf: &#8222;\u00dcberreste der Vergangenheit k\u00f6nnen nat\u00fcrlich auch in diesen homosexuellen Erscheinungen bestehen. Das Wegfallen der sozialen Wurzeln reicht nicht aus. Wir m\u00fcssen sie nicht bestrafen, sondern es ist festzustellen, ob \u00dcberreste da sind und ob man sie bek\u00e4mpfen mu\u00df.&#8220;, so die Kommission zur Reform des Strafrechts Anfang der 50er Jahre (S. 107). Abgeschafft wurde die Strafbarkeit (m\u00e4nnlicher) Homosexualit\u00e4t in der DDR schlie\u00dflich 1968, mit der Verabschiedung eines neuen Strafgesetzbuches.<\/p>\n<p>Doch auch die Abschaffung der Strafbarkeit von Homosexualit\u00e4t f\u00fchrte nicht zu gr\u00f6\u00dferer Toleranz gegen\u00fcber Homosexuellen. Offen homosexuell zu Leben war in der DDR nahezu unm\u00f6glich, die &#8222;Szene&#8220; Objekt der Begierde der Stasi, die alles kontrollieren wollte, was sich unabh\u00e4ngig von der Parteilinie entwickelte. Eine sich ab Beginn der 70er Jahre auch in der DDR entwickelnde schwule Emanzipationsbewegung stie\u00df deshalb im Staatsapparat auf Widerstand, eigenen Organisationen der Homosexuellen wurde die Zulassung mit der Begr\u00fcndung verweigert, Sexualit\u00e4t sei Privatsache und folglich best\u00fcnde kein Bedarf an einer solchen Organisation.<\/p>\n<p>Mit dem Entstehen einer unabh\u00e4ngigen Oppositionsbewegung in der DDR in den 80er Jahren, meist unter dem Schutz der Kirche, entstand in der Nachbarschaft von Umwelt-, Frauen- und Friedensgruppen auch eine politische Homosexuellenbewegung. Von Beginn an geriet diese ins Blickfeld der Stasi, und auf h\u00f6chster Ebene wurde vom Ministerium f\u00fcr Staatssicherheit ein Ma\u00dfnahmenplan zum Umgang mit der Homosexuellenbewegung erarbeitet, der die Verhinderung jeder Organisation zum Ziel hatte.<\/p>\n<p>Auch in der Politik der SED spiegelten sich die widerspr\u00fcchlichen Positionen der Arbeiterbewegung zur Homosexualit\u00e4t wieder. &#8222;Die von ihr propagierte sozialistische Gesellschaft favorisierte die lebenslange, monogame und reproduktive Ehe. Diese Norm bestimmte ihre Sexualpolitik und Sexualerziehung. &#8230; Homosexuell-Sein hatte darin keinen Platz. Im gleichgeschlechtlichen Begehren, das frei w\u00e4hlbar und gelebt werden konnte, sah die SED eine Gefahr f\u00fcr die sozialistische Moral, f\u00fcr das &#8218;Sittengef\u00fchl der Werkt\u00e4tigen.&#8220; (S. 139)<\/p>\n<h3>&#8222;Nebenwiderspr\u00fcche&#8220;<\/h3>\n<p>Eher journalistischen Charakter hat der Beitrag von Elmar Kraushaar zur neuen Linken und der Schwulenfrage in der BRD der 70er und 80er Jahre. Auch wenn die wiedergebenenen Zitate sowohl der ersten schwulen Emanzipationsgruppen als auch der K-Gruppen in ihrem marxistischen Vokabular teilweise recht am\u00fcsant zu lesen sind, so geben sie doch inhaltlich nicht viel mehr her als die Nichtbefassung der genannten linken Gruppen mit der Schwulenfrage und die Anbiederung der Schwulenbewegung an eben diese Linke, deren Vokabular sie \u00fcbernahm und der sie sich zugeh\u00f6rig f\u00fchlte &#8211; ohne jedoch von ihr aufgenommen zu werden. Die &#8222;Linke&#8220; der 70er Jahre vertrat die alten Positionen der 30er (siehe oben): Homosexualit\u00e4t als Nebenwiderspruch und \u00dcberbleibsel der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft.<\/p>\n<p>Folge dieser Nichtbeachtung durch die &#8222;Linke&#8220; war schlie\u00dflich eine eigenst\u00e4ndige Homosexuellenbewegung, die sich um lokale Gruppen und entstehende Schwulen- und Lesbenprojekte entwickelte. \u00dcber die Diskussionen dieser Bewegung erf\u00e4hrt mensch in dem Beitrag von Kraushaar leider wenig, eher journalistisch-rei\u00dferisch wird der Streit zwischen linker Schwulenbewegung und dem &#8222;<cite>Brei der Bewegung<\/cite>&#8222;, einer Verb\u00fcrgerrechtlichung der Schwulenbewegung, dargestellt. Schade eigentlich.<\/p>\n<p>In der jist, scheint mir mehr als fraglich.<\/p>\n<p>Grumbach fordert daher auch vor dem gemeinsamen Kampf in der gegenw\u00e4rtigen Situation einen anderen Aspekt von Bewegung ein: einen funktionierenden Diskussionszusammenhang als Voraussetzung, um sich im Dschungel der politischen Fragen orientieren zu k\u00f6nnen, &#8222;dem Widerspruch zwischen den Utopien von gestern, den Erfahrungen von heute und der Realit\u00e4t von morgen auf der Spur zu bleiben; &#8230; schwulenpolitische Ziele zu formulieren und sich f\u00fcr ihre Verwirklichung einzusetzen.&#8220; (S. 183) Wichtig scheint mir, die Utopien dabei nicht zu vergessen, sondern produktiv wiederzubeleben. Damit w\u00e4re die Schwulenbewegung dann der heute utopielosen &#8222;Linken&#8220; &#8211; zumindest dem, was in dem Buch darunter verstanden wird &#8211; meilenweit voraus.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Die Linke und das Laster&#8220;, so der Titel eines Sammelbandes zu schwuler Emanzipation und den Vorurteilen der Linken. &#8222;Der Linken&#8220;? 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