{"id":4603,"date":"2002-03-01T00:00:28","date_gmt":"2002-02-28T22:00:28","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=4603"},"modified":"2022-07-26T13:33:53","modified_gmt":"2022-07-26T11:33:53","slug":"globalisierung-des-terrors","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2002\/03\/globalisierung-des-terrors\/","title":{"rendered":"Globalisierung des Terrors"},"content":{"rendered":"<p><em>&#8222;Gewalt wird nicht einfach &#8217;spontan&#8216; ge\u00fcbt mit r\u00e4tselhaftem Ursprung. Gewalt hat vielmehr eine k\u00fcrzere oder l\u00e4ngere Vorgeschichte.&#8220; (Wolf-Dieter Narr, S. 493)<\/em><\/p>\n<p>Alternativzeitschriften haben oft nur kleine Auflagen. Dass das aber nicht unbedingt mit der Qualit\u00e4t dieser Medien zu tun haben muss, zeigt auch die mit einer Auflage von 1.200 Exemplaren erscheinende Vierteljahresschrift PROKLA. Diese &#8222;Zeitschrift f\u00fcr kritische Sozialwissenschaft&#8220; (Untertitel) erscheint seit 1971 und wird herausgegeben von der <em>Vereinigung zur Kritik der politischen \u00d6konomie e.V.<\/em>, die j\u00e4hrlich in ihrer Vollversammlung die Redaktion w\u00e4hlt. PROKLA bearbeitet Themen aus den Bereichen der Politik, Politischen \u00d6konomie, Soziologie und Sozialgeschichte. Gesellschaftliche Machtverh\u00e4ltnisse, Polarisierungen im internationalen System, das gesellschaftliche Naturverh\u00e4ltnis und die Transformation der osteurop\u00e4ischen Gesellschaften stehen dabei im Zentrum.<\/p>\n<p>Die neueste Ausgabe widmet sich dem Schwerpunkt &#8222;Globalisierung des Terrors&#8220; (siehe Abb.). Hier wird auf hohem Niveau der Themenbereich Gewalt, Globalisierung, Terror und die weltpolitische Situation seit dem 11. September analysiert.<\/p>\n<p><em>&#8222;Indem die Attentate (..) einem von au\u00dfen kommenden B\u00f6sen zugerechnet werden, erscheint die eigene Gesellschaft als gut und im Grunde gewaltfrei: Gewaltt\u00e4tig ist der Angreifer, die eigene Gewalt ist nur die legitime Abwehr der &#8218;freien Welt&#8216;. Die Gewalt eigener Staatlichkeit (&#8230;) wird damit erfolgreich ausgeblendet.&#8220;<\/em> (Editorial, S. 489)<\/p>\n<p>Herausragend ist u.a. der Artikel &#8222;Das nicht so neue Tandem: Gewalt und Globalisierung&#8220; des <em>Komitee f\u00fcr Grundrechte und Demokratie<\/em>-Aktivisten Wolf-Dieter Narr:<\/p>\n<p><em>&#8222;Gerade weil die Gewaltakte vom 11. September von symbolischer Bedeutung so \u00fcberladen sind, die sich von ihren &#8218;realen&#8216; Effekten nicht s\u00e4uberlich scheiden l\u00e4st, gerade darum bewirken sie keine Denkpause, die angemessenes Reagieren wahrscheinlicher gemacht h\u00e4tte. Sie \u00f6ffneten die Augen nicht. Sie erzeugten blinde Reaktionen jedenfalls dort, wo die herrschende, amerikanisch gekr\u00f6nte symbolische Gewalt am st\u00e4rksten ihrerseits symbolisch getroffen scheint.&#8220; <\/em>(Wolf-Dieter Narr, S. 491)<\/p>\n<p>Mit Gewinn liest sich auch der Beitrag &#8222;&#8218;Neue Weltordnung&#8216;: Nach dem 11. September bleibt vieles, wie es war&#8220; von Brigitte Young und Simon Hegelich.<\/p>\n<p>Iris B\u00fcnger vom <em>Duisburger Institut f\u00fcr Sprach- und Sozialforschung <\/em>liefert mit ihrem &#8222;Apocalypse Now?&#8220;-Text eine kritische Diskursanalyse der Berichterstattung der <em>BILD<\/em>-Zeitung vom 12.9. bis zum 7.11.2001. Hier h\u00e4tte ich mir eine antimilitaristische Positionierung der Autorin gew\u00fcnscht. Sie erw\u00e4hnt zwar kurz den Fall Wickert. Dass es sich bei der <em>BILD<\/em>-Kampagne gegen den Tagesthemenmoderator aber um eine klassische Schmutzkampagne zur Eliminierung kritischen Denkens aus den Medien gehandelt hat (siehe: &#8222;Zyklus der Dummheit&#8220;, in: GWR 266, S. 12), das geht aus ihrer in diesem Fall etwas zu vorsichtigen Analyse nicht hervor.<\/p>\n<p>Joachim Hirschs &#8222;Globalisierung und Terror&#8220;-Artikel bringt die aktuelle Situation auf den Punkt:<em> <\/em><\/p>\n<p><em>&#8222;Es geh\u00f6rt zu den Ironien der aktuellen Entwicklung, dass die staatlichen Reaktionen auf den Terror genau das bewirken, worauf dieser abzielt. Die angeblich zu verteidigende &#8218;westliche Zivilisation&#8216; zeigt dabei ihr nicht eben angenehmes Gesicht. Gegen Attent\u00e4ter (&#8230;) wird das wenig n\u00fctzen, wohl aber eben zur Unterdr\u00fcckung demokratischer und sozialer Bewegungen. Schwierige Zeiten also, die einiges an n\u00fcchternem Kalk\u00fcl, politischer Einsicht, Augenma\u00df und vor allem viel praktisches Engagement erfordern. Auch wenn die &#8218;Zivilisierung&#8216; des Kapitalismus, wie die j\u00fcngsten Entwicklungen einmal wieder lehren, letztlich eine Illusion bleiben muss.&#8220;<\/em> (S. 521)<\/p>\n<p>Es ist zu hoffen, dass dieses Heft zur Politisierung nicht nur sozialwissenschaftlicher Kreise beitragen kann. In Zeiten, in denen staatskritische, antimilitaristische LehrerInnen und WissenschaftlerInnen mit ihrer Suspendierung rechnen m\u00fcssen (siehe: &#8222;Maulkorb gegen Antimilitaristen&#8220;, GWR 265, S. 1, 3), ist es ein Hoffnungsschimmer, wenn Zeitschriften wie die <em>PROKLA<\/em> mit klaren Analysen Licht werfen in die durch Kapitalismus, Militarismus und Bellizismus verdunkelte Welt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Gewalt wird nicht einfach &#8217;spontan&#8216; ge\u00fcbt mit r\u00e4tselhaftem Ursprung. 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