{"id":4729,"date":"2002-06-01T00:00:17","date_gmt":"2002-05-31T22:00:17","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=4729"},"modified":"2012-04-06T18:00:52","modified_gmt":"2012-04-06T16:00:52","slug":"editorial-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2002\/06\/editorial-5\/","title":{"rendered":"Editorial"},"content":{"rendered":"<h3><strong>Liebe Leserinnen und Leser, <\/strong><\/h3>\n<p>es ist schon absurd, wenn mensch Schr\u00f6der l\u00fcgen h\u00f6rt, die US-Regierung plane derzeit keinen Angriff gegen den Irak. Dabei reicht ein Blick in das US-Nachrichtenmagazin <em>TIME<\/em> um zu begreifen wo der Hase langl\u00e4uft. Es sei nicht die Frage <em>ob<\/em> der Irak angegriffen werde, sondern <em>wann<\/em>, ist dort zu lesen. Und spekuliert wird auf eine gro\u00df angelegte Invasion im Fr\u00fchjahr 2003.<\/p>\n<p>Vorgestern und gestern haben viele Menschen u.a. in Berlin gegen den US-Pr\u00e4sidenten demonstriert.<\/p>\n<p>Die hiesigen TV-Kommentatoren waren &#8211; so kam es mir vor &#8211; geradezu traurig, dass die zuvor herbeigeredeten gro\u00dfen Krawalle in Berlin so nicht stattfanden. Und die <em>Frankfurter Rundschau,<\/em><strong> <\/strong>die w\u00e4hrend des NATO-Angriffskriegs gegen Jugoslawien noch relativ kriegskritisch berichtet hatte? Sie hat sich &#8211; im Vorfeld des Bush-Besuchs &#8211; geweigert, eine bezahlte Anzeige von KriegsgegnerInnen, von rund 300 Organisationen\/Friedensinitiativen und Einzelpersonen abzudrucken. Das Druck- und Verlagshaus Frankfurt a.M. GmbH teilte hierzu mit: &#8222;Aus verlegerischer Sicht m\u00f6chten wir von einer Ver\u00f6ffentlichung in der Frankfurter Rundschau absehen.&#8220; Interventionen der KriegesgegnerInnen blieben erfolglos. Die Entscheidung der Verleger ist endg\u00fcltig. Zur gleichen Zeit erschien in der FR eine Extra-Seite zum Bush Besuch mit dem Aufmacher &#8222;Welcome, Mr. President&#8220;. (FR, 18.05.2002)<\/p>\n<p>In einer ersten Stellungnahme der <em>Deutschen Friedensgesellschaft<\/em> (DFG-VK) zur Berliner &#8222;Achse des Friedens&#8220;-Gro\u00dfdemo hei\u00dft es: &#8222;Deutliches Signal der Friedensbewegung am Vortag des Bush-Besuches: Rund 100.000 Menschen demonstrieren gewaltfrei gegen Kriegspolitik.&#8220;<\/p>\n<p>Auch wenn es vielleicht ein paar Leute weniger waren, die Friedensbewegung hat am 22. Mai eindrucksvoll gegen die Kriegspolitik der US-Administration und der Bundesregierung demonstriert.<\/p>\n<p>Die DFG-VK fordert(e) von der Bundesregierung, dass sie die Bundeswehr-Einheiten, die derzeit im arabischen Raum sowie vor der K\u00fcste Ostafrikas auf Einsatzbefehle warten, sofort abzieht. Ein Angriff auf den Irak oder auf andere zu &#8222;Schurkenstaaten&#8220; erkl\u00e4rte L\u00e4nder w\u00e4re ein Verbrechen an der Menschheit. Der angebliche Krieg gegen den<\/p>\n<p>Terrorismus richte sich tats\u00e4chlich gegen das Leben unschuldiger Menschen. &#8222;Statt milit\u00e4risch aufzur\u00fcsten und sich den USA als globaler Hilfssheriff anzudienen, sollte die Bundesregierung zivile Formen der Konfliktbearbeitung propagieren und die ungerechten Verteilungsverh\u00e4ltnisse und die Ursachen von Gewalt bek\u00e4mpfen&#8220;, forderte der DFG-VK Bundessprecher.<\/p>\n<p>Die Protestaktionen gegen die Kriegspolitik der USA und der NATO wurden am 23. Mai durch regionale und lokale Demos, Kundgebungen und Aktionen fortgesetzt. In Berlin-Mitte zogen zehntausende Menschen &#8222;bush-trommelnd&#8220; bunt, laut und ausgelassen durch die Strassen.<\/p>\n<p>Da ich nicht in Berlin war, hier ein Indymedia-Bericht vom 23. Mai: &#8222;Die auf der Demo transportierten Aussagen waren radikaler als die am Dienstag, der Altersdurchschnitt der Teilnehmenden j\u00fcnger. Wieder waren viele phantasievolle Aktionen, Verkleidungen und Transparente zu sehen. Inhaltlich dominierte das Thema Krieg, aber auch neoliberale Globalisierung, Kapitalismus und Umwelt war Thema. Die Stimmung war friedlich und entspannt. Trotzdem kam es am Rande der Demonstrationen schon relativ fr\u00fch immer wieder zu Provokationen der Polizei. Es gab mehrere Verhaftungen wegen Bagatelldelikten, als der Demozug den Schlossplatz erreichte, wo sp\u00e4ter die Abschlusskundgebung stattfand. Das gesamte Areal zwischen Friedrichstrasse und Schlossplatz war bereits von Polizei in B\u00fcrgerkriegsmontur abgesperrt &#8211; fast alle S- und U-Bahnh\u00f6fe in Mitte geschlossen. An den Polizeiketten am Rande der Demonstration gab es immer wieder kleinere Auseinandersetzungen. Trotzdem blieb es weitgehend friedlich, aber un\u00fcbersichtlich. So war nicht f\u00fcr alle erkennbar, dass die Demo offiziell aufgel\u00f6st worden war. Die Menge entfernte sich nicht sofort vom Schlossplatz, es wurde weitergetrommelt &#8230; die Polizei versuchte, die Menge zu r\u00e4umen, und ging dabei sehr konfus vor. So flogen Flaschen und Eier gegen Polizeiketten, die die Menschen von einer Seite des Platzes auf die andere getrieben hatten. Mehrmals st\u00fcrmten Polizeitrupps in die Menge, wobei extrem brutal und wahllos auf alle, die nicht schnell genug wegrannten, eingepr\u00fcgelt wurde. Bei den Auseinandersetzungen wurden u.a. die Scheiben von McDonalds und Kaufhof am Alex eingeworfen und im Lustgarten ein Busch angez\u00fcndet. Immer wieder kamen Krankenwagen und mussten zum Teil erheblich verletzte DemonstrantInnen abtransportieren. Die Polizei verteilte Platzverweise und griff Leute aus der Menge heraus, bisher sind \u00fcber 60 Festnahmen bekannt, Zahl steigend.&#8220;<\/p>\n<p>Eigentlich sollte dieser GWR eine neue Ausgabe der <strong>Otk\u00f6k\u00fc<\/strong> beiligen. Da aber unser Spendenaufruf in Otk\u00f6k\u00fc Nr. 5 (GWR 267) nichts gebracht hat, wird die n\u00e4chste erst nach der GWR-Sommerpause im September in der GWR 271 erscheinen. Wenn sich bis dahin die (finanzielle) Situation nicht positiv ver\u00e4ndert hat, wird die sechste Ausgabe der t\u00fcrkisch-deutschen Vierteljahresschrift voraussichtlich die letzte sein. W\u00e4hrend des GWR-Kongresses wird es einen Arbeitskreis geben, der sich u.a. mit der Situation der Otk\u00f6k\u00fc besch\u00e4ftigen wird (siehe Seite 10 f.).<\/p>\n<p>Diesmal h\u00e4tten wieder problemlos zwei GWR-Ausgaben gef\u00fcllt werden k\u00f6nnen. Vieles musste aus Platzmangel verschoben werden und so k\u00f6nnt Ihr Euch auf die n\u00e4chsten Ausgaben und spannende Artikel &#8211; z.B. zu Georges Brassens &#8211; freuen. F\u00fcr die GWR 271 planen wir u.a. Artikel zur Wahl am 22. September und zum Thema &#8222;Deutscher Herbst 1977 &#8211; 25 years after&#8220;. Redaktionsschlu\u00df: 10. August. Aber bis dahin habt Ihr viel Zeit um den Sommer zu genie\u00dfen, in der GWR 270 zu st\u00f6bern, vom <strong>14. bis 16. Juni<\/strong> den GWR-Verlagsstand auf den <strong>Linken Buchtagen Berlin<\/strong> im Mehringhof (Gneisenaustra\u00dfe 2 a, Berlin-Kreuzberg) zu besuchen und vom <strong>21. bis 23.<\/strong> <strong>Juni<\/strong> am rauschenden <strong>GWR-Fest<\/strong> in M\u00fcnster teilzunehmen.<\/p>\n<p>Einen hei\u00dfen Sommer der Anarchie w\u00fcnscht Euch und uns,<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Leserinnen und Leser, es ist schon absurd, wenn mensch Schr\u00f6der l\u00fcgen h\u00f6rt, die US-Regierung plane derzeit keinen Angriff gegen den Irak. Dabei reicht ein Blick in das US-Nachrichtenmagazin TIME um zu begreifen wo der Hase langl\u00e4uft. Es sei nicht die Frage ob der Irak angegriffen werde, sondern wann, ist dort zu lesen. 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