{"id":4781,"date":"2002-06-01T00:00:15","date_gmt":"2002-05-31T22:00:15","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=4781"},"modified":"2022-07-26T13:33:51","modified_gmt":"2022-07-26T11:33:51","slug":"von-fernsehbildern-feindbildern-und-fehlender-gegenoffentlichkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2002\/06\/von-fernsehbildern-feindbildern-und-fehlender-gegenoffentlichkeit\/","title":{"rendered":"Von Fernsehbildern, Feindbildern und fehlender Gegen\u00f6ffentlichkeit"},"content":{"rendered":"<p>Die Medien im Krieg, der Krieg in den Medien und der Krieg um die Mediengesellschaft waren die Themen, welche 120 Teilnehmende aus ganz Deutschland am 2. Februar in M\u00fcnster besch\u00e4ftigten (vgl. Beilage in GWR 266, Erkl\u00e4rung in GWR 267). Dabei standen die konkreten Erfahrungen von Journalistinnen und Journalisten mit Manipulation, L\u00fcgen und Propaganda w\u00e4hrend der j\u00fcngsten Kriege im Mittelpunkt. Einleitend zog Roger Willemsen ein verheerendes Fazit der gegenw\u00e4rtigen Situation. Nirgendwo sei die Gegen\u00f6ffentlichkeit so diffamiert, kriminalisiert und an den Rand gedr\u00e4ngt worden wie in Deutschland, nirgendwo sonst sei so wenig Widerspruch gegen den Krieg ge\u00e4u\u00dfert und seien die Verlautbarungen der Regierungen so kritiklos \u00fcbernommen worden. Dementsprechend wirkungslos seien die Versuche Einzelner geblieben, die Aufteilung der Toten in zwei Klassen zu verhindern und den Blick auf die afghanischen Opfer ebenso zu lenken, wie auf die amerikanischen. Willemsen warf viele Fragen auf, die in der Berichterstattung der Massenmedien unterzugehen drohen. Zum Beispiel die Tatsache, dass weltweit unz\u00e4hlige Terroristen und Gewaltherrscher ausgebildet und unterst\u00fctzt wurden vom US-Geheimdienst, dass bislang weltweit nicht eine Person festgenommen wurde, der ein direkter Zusammenhang mit den Attentaten vom 11.9.2001 nachgewiesen werden konnte, dass vielmehr alle Verhafteten in den USA vollkommen unbescholtene und unauff\u00e4llige B\u00fcrger sind, warum sich die Medien und Politiker mit offiziellen Ansichten des Gefangenenlagers Guantanamo Bay zufrieden geben, statt selbst die Haftbedingungen zu recherchieren usw.<\/p>\n<p>\u00dcber die Bedingungen, unter denen Medien im Krieg entstehen und verkauft werden sowie \u00fcber die M\u00f6glichkeiten friedenspolitischer Gegen\u00f6ffentlichkeit referierte im Anschluss die Sozialwissenschaftlerin und langj\u00e4hrige <em>Zivilcourage<\/em>-Redakteurin Elvi Cla\u00dfen. An vielen Beispielen verdeutlichte sie Manipulationen und Propagandal\u00fcgen, die zur Rechtfertigung verschiedener Kriege verwendet wurden. zugleich zeigte sie auf, welche Chancen f\u00fcr Friedensbewegungen durch globalen Austausch und neue Kommunikationstechnologien entstehen, schneller an belegte Informationen zu kommen und diese weiterzuverbreiten und damit schlie\u00dflich den etablierten Medien zumindest inhaltlich Konkurrenz machen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>In den nachmitt\u00e4glichen Arbeitsgruppen ging es zum Teil ausgesprochen lebhaft und strittig zu. Dabei war f\u00fcr beinahe jedes Interesse etwas dabei. Den gr\u00f6\u00dften Zulauf hatte erwartungsgem\u00e4\u00df die AG mit dem als Nato-Spion &#8222;Topas&#8220; bekannt gewordenen freien Journalisten Rainer Rupp, der die Rolle der Geheimdienste in der psychologischen Kriegf\u00fchrung analysierte. .<\/p>\n<p>In der AG \u00fcber alternative Medien fand sich \u00fcberwiegend ein Fachpublikum aus Alternativzeitungen, B\u00fcrgerfunk und lokalem B\u00fcrgerfernsehen zusammen um auszuloten, was sie den etablierten Medien entgegensetzen k\u00f6nnen. Durch den Kontrast zweier Referenten mit unterschiedlichen Ansichten wurde hier spannend diskutiert. Der Journalist Peter Wolter forderte von den Alternativmedien hohe Professionalit\u00e4t und klare Strukturen, Betroffenheitsjournalismus lehnte er kategorisch ab: &#8222;ein Studium der Sozialp\u00e4dagogik ist noch keine journalistische Qualifikation&#8220;. Bernd Dr\u00fccke, Soziologe und Redakteur der anarchistisch-gewaltfreien <em>graswurzelrevolution<\/em> hingegen legte den Schwerpunkt auf die Umsetzung von Dezentralit\u00e4t, Selbstverwaltung und Selbstbestimmung und stellte die <em>taz<\/em> als misslungenes Beispiel vor, eine Alternativzeitung zu professionalisieren und durch eine Chefredaktion basisdemokratische Anspr\u00fcche aufzugeben (s. Artikel <a href=\"\/270\/gegenoeff.shtml\">Perspektiven libert\u00e4rer Gegen\u00f6ffentlichkeit<\/a>).<\/p>\n<p>In einer weiteren Arbeitsgruppe unter der \u00dcberschrift &#8222;wie Fernsehbilder zu Feindbildern werden vertiefte Elvi Cla\u00dfen mit ebenfalls vielen Teilnehmenden ihren Vortrag vom Vormittag und lieferte Anst\u00f6\u00dfe f\u00fcr zum teil kontroverser Debatten.<\/p>\n<p>In einer vierten AG trafen sich die Mitglieder der Projektgruppe &#8222;peacelink&#8220; im Netzwerk Friedenskooperative mit anderen Internet-Interessierten um die Perspektiven des Friedensportals <a href=\"http:\/\/www.peacelink.de\">www.peacelink.de<\/a> zu diskutieren. Diese kleine AG hatte hohen praktischen Wert, sogar f\u00fcr Leute mit nur wenig Vorerfahrung mit dem neuen Medium.<\/p>\n<p>Bei einem Podiumsgespr\u00e4ch am sp\u00e4teren Nachmittag gab es ausf\u00fchrliche Gelegenheit, wichtige Nischen in den \u00f6ffentlich-rechtlichen Medien kennen zu lernen. Volker Steinhoff von der Redaktion Panorama (NDR) und Matthias Werth von Monitor (WDR) berichteten \u00fcber die Arbeitsweisen und Berichterstattung ihrer politischen Magazine. Dort sei nur wenig politischer Druck zu sp\u00fcren, vielmehr berichtete Werth, dass er in der Debatte um seinen Beitrag &#8222;Es begann mit einer L\u00fcge&#8220; ausdr\u00fccklich vom Sender unterst\u00fctzt worden sei. Das war denn manchen Zuh\u00f6rerInnen schon fast zu viel an Friede, Freude, Sonnenschein und ermutigte zu etlichen kritischen Nachfragen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Medien im Krieg, der Krieg in den Medien und der Krieg um die Mediengesellschaft waren die Themen, welche 120 Teilnehmende aus ganz Deutschland am 2. Februar in M\u00fcnster besch\u00e4ftigten (vgl. Beilage in GWR 266, Erkl\u00e4rung in GWR 267). 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