{"id":4796,"date":"2002-06-01T00:00:01","date_gmt":"2002-05-31T22:00:01","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=4796"},"modified":"2022-07-26T14:16:48","modified_gmt":"2022-07-26T12:16:48","slug":"damyen-olam-blee-pachad","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2002\/06\/damyen-olam-blee-pachad\/","title":{"rendered":"&#8222;Damyen olam blee pachad&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><em>&#8222;Sch\u00f6ne Gr\u00fc\u00dfe aus dem Herzen der Bestie. Wir m\u00fcssen hier in einem Meer von Fahnen und Hymnen jeden Tag den gleichen Schei\u00df im TV ansehen. Es wird gelogen, dass sich die Balken biegen &#8211; nicht dass das n\u00f6tig w\u00e4re &#8211; die Wahrheit interessiert hier keinen. Kabul ist frei &#8211; im Fernsehen sieht man M\u00e4nner, die Pornos und Sat-Sch\u00fcsseln kaufen. Halleluja! (&#8230;)&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Das schrieb mir ein in die USA emigrierter Freund im Dezember 2001.<\/p>\n<p>Unmittelbar nach den Terroranschl\u00e4gen in New York und Washington am 11. September 2001 begann die US-Regierung ihren &#8222;Krieg gegen den Terror&#8220; zu propagieren. Und wer Krieg f\u00fchren will, den st\u00f6ren antimilitaristische und pazifistische Stimmen. Das gilt erst recht, wenn sie in Form von kritischen Popsongs \u00fcber den \u00c4ther Millionen Menschen erreichen und die patriotische Stimmung der Bev\u00f6lkerungsmehrheit beeintr\u00e4chtigen k\u00f6nnten. Am 29. September 2001 berichtete die Berliner <em>tageszeitung<\/em>, dass bei US-Radiosendern eine Liste mit Songs kursiert, die &#8222;man nicht spielt&#8220;.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Bush-Krieger gerade den Krieg gegen Afghanistan organisierten, wurde diese Liste mit 150 als unpassend empfundenen Titeln ((1)) \u00f6ffentlich. Weil die Lieder als Anspielung auf die Attentate von New York und Washington verstanden werden k\u00f6nnten, werden sie vom National Public Radio und vielen privaten Anbietern nicht mehr gesendet.<\/p>\n<p>Laut<em> taz<\/em> sind US-amerikanische Radiostationen schnell bei der Hand, Songs mit &#8222;expliziter Lyrik&#8220;, also mit subversivem oder provokantem Inhalt, aus ihren Programmen zu verbannen.<\/p>\n<p>Ironie der Geschichte: W\u00e4hrend in Deutschland die &#8222;Imagine&#8220;-Melodie &#8211; verkauft von Lennon-Witwe Yoko Ono &#8211; als Untermalung f\u00fcr einen RWE-Fernsehwerbeclip missbraucht wird, steht das Original in den USA auf dem Index. John Lennons &#8218;Imagine\u2019 ist dort &#8222;kein angemessenes Lied zur Stunde&#8220;(<em>taz<\/em>). Aus US-Regierungsperspektive zersetzen auch vers\u00f6hnliche Kl\u00e4nge &#8211; von Simon and Garfunkels &#8222;Bridge Over Troubled Waters&#8220; bis zu Nenas &#8222;99 Red Balloons&#8220; &#8211; die Wehrkraft der Bev\u00f6lkerung.<\/p>\n<p>&#8222;Cat Stevens gar sollte komplett zensiert werden, weil er zum Islam konvertiert ist und sich auch so nennt: Yussuf Islam.&#8220; (<em>taz<\/em>)<\/p>\n<p>Inzwischen haben einige K\u00fcnstlerInnen den Zensoren in die Suppe gespuckt. Auf der offiziellen Benefizgala zugunsten der Opfer der Terroranschl\u00e4ge in Washington und New York und ihrer Angeh\u00f6rigen spielte Paul Simon das beanstandete &#8222;Bridge Over Troubled Waters&#8220;. Und &#8222;Imagine&#8220;, das inkriminierte Lied des im Dezember 1980 erschossenen Lennon, wurde von Folkrocker Neil Young gesungen.<\/p>\n<p>Subversiver und sch\u00e4dlicher f\u00fcr die nationalistische Moral d\u00fcrfte allerdings die &#8222;Imagine&#8220;-Version von Khaled und Noa klingen.<\/p>\n<p>Der algerische S\u00e4nger und Akkordeonspieler Khaled ist in den 90er Jahren durch den Hit &#8222;Aicha&#8220; weltber\u00fchmt geworden. Er gilt als &#8222;K\u00f6nig des Rai&#8220; und als Integrationsfigur der nordafrikanischen Popmusik. Khaled ist ein spielfreudiger Wanderer zwischen den Musikkulturen des Morgen- und Abendlandes und vereint Soul, Reggae, Flamenco, Chanson, House, Gnawa-, Trance- und Technomusik, maghribinische Hochzeitskl\u00e4nge u.v.m. Seine musikalischen Einfl\u00fcsse beschreibt er in einem Interview folgendermassen: &#8222;Als ich in Oran aufwuchs, h\u00f6rte ich Flamenco und andalusische Musik, franz\u00f6sische Chansons von Edith Piaf oder Johnny Halliday, aber auch Elvis Presley &#8211; bei uns gab es alles zu h\u00f6ren. Sp\u00e4ter kamen Bob Marley und andere dazu. Ich liebe Jazz und Blues und mag auch Rap, wenn er nicht zu hart ist. Mir gef\u00e4llt grunds\u00e4tzlich keine Musik, die andere zum Hass oder zum Rassismus anstachelt. (&#8230;) Meine Musik soll die Gem\u00fcter bes\u00e4nftigen.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Durch seine freiz\u00fcgigen, f\u00fcr streng Religi\u00f6se unmoralischen Texte hat sich das Jugendidol den Zorn der Fanatiker zugezogen&#8220;, so die <em>N\u00fcrnberger Nachrichten<\/em> am 19. Juli 2000.<\/p>\n<p>Als Jean Jacques Goldmann, ein Jude, f\u00fcr Khaled &#8222;Aicha&#8220; geschrieben hatte, brachte Khaled das den Hass islamistischer Eiferer ein. Er hat sich aber dadurch nicht einsch\u00fcchtern lassen. Das zeigt z.B. sein 1999 erschienenes Album &#8222;kenza&#8220;.<\/p>\n<p>Die popul\u00e4re israelische S\u00e4ngerin Noa aus Tel Aviv und der in Paris lebende Khaled haben auf &#8222;kenza&#8220; mit ihrer gemeinsamen &#8222;Imagine&#8220;-Version &#8211; auf Hebr\u00e4isch, Arabisch und Englisch &#8211; einen Beitrag zur Vers\u00f6hnung geleistet, der vielleicht wirksamer sein k\u00f6nnte als viele Appelle zur friedlichen Beilegung nicht zuletzt des Israel-Pal\u00e4stina-Konfliktes.<\/p>\n<p>Damyen olam blee pachad\u2026<strong><\/strong><\/p>\n<h3>Imagine<\/h3>\n<p>Damyen olam blee pachad<br \/>\nOlam lelo sinaa<br \/>\nShebo Nichye beyachad<br \/>\nOlam shel ahava<br \/>\nNivneh atid lishneynu<br \/>\nBe oto makom<\/p>\n<p>Hadi Kouroune Oua\u00e2ouame<br \/>\nTethakak Koul el Ahlame<br \/>\nRani retmena el youme<br \/>\nEsselm fi hedel kaone<br \/>\nOum\u00e2 mourour el Ayyeme<br \/>\nEsselm fi koul emkane<\/p>\n<p>You may say I\u2019m a dreamer<br \/>\nBut I\u2019m not the only one<br \/>\nI hope someday you\u2019ll join us<br \/>\nAnd the world will be as one<\/p>\n<p>Imagine there\u2019s no countries<br \/>\nIt isn\u2019t hard to do<br \/>\nNothing to kill or die for<br \/>\nAnd no religion too<br \/>\nImagine all the people<br \/>\nLiving life in peace<\/p>\n<p>You may say I\u2019m a dreamer<br \/>\nBut I\u2019m not the only one<br \/>\nI hope someday you\u2019ll join us<br \/>\nAnd the world will be as one<\/p>\n<h3>Stell dir vor\u2026.<\/h3>\n<p>Stell dir vor es gibt kein Himmelreich,<br \/>\nes ist leicht das zu versuchen, keine H\u00f6lle unter uns,<br \/>\n\u00fcber uns nur Himmel.<\/p>\n<p>Stell dir vor alle Menschen<br \/>\nleben f\u00fcr das &#8222;heute&#8220;.<br \/>\nStell dir vor es gibt keine L\u00e4nder, es ist nicht schwer es zu tun,<br \/>\nnichts wof\u00fcr man morden oder sterben m\u00fc\u00dfte<br \/>\nund auch keine Religion.<br \/>\nStell dir vor alle Menschen<br \/>\nleben in Frieden.<\/p>\n<p>Du wirst vielleicht sagen,<br \/>\nich bin ein Tr\u00e4umer,<br \/>\naber ich bin nicht der Einzige.<br \/>\nIch hoffe du wirst dich uns eines Tages anschlie\u00dfen,<br \/>\nund die Welt wird eins sein.<\/p>\n<p>Stell dir vor, es gibt keinen Besitz,<br \/>\nich frag mich ob du das kannst,<br \/>\nkein Grund f\u00fcr Gier oder Hunger,<br \/>\nalle Menschen w\u00e4ren Geschwister.<\/p>\n<p>Stell dir vor, alle Menschen<br \/>\nteilen sich die Welt.<br \/>\nDu wirst vielleicht sagen,<br \/>\nich bin ein Tr\u00e4umer<br \/>\naber ich bin nicht der Einzige.<br \/>\nIch hoffe, du wirst dich uns eines Tages anschlie\u00dfen,<br \/>\nund die Welt wird eins sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Sch\u00f6ne Gr\u00fc\u00dfe aus dem Herzen der Bestie. 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