{"id":4813,"date":"2002-05-01T00:00:31","date_gmt":"2002-04-30T22:00:31","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=4813"},"modified":"2018-08-05T15:40:56","modified_gmt":"2018-08-05T13:40:56","slug":"trau-einer-uber-30-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2002\/05\/trau-einer-uber-30-2\/","title":{"rendered":"&#8222;Trau einer \u00fcber 30&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>FAU<\/strong>: Die &#8222;Graswurzelrevolution&#8220; (GWR) gibt es nun seit drei\u00dfig Jahren. Du bist im Moment Koordinationsredakteur. Kannst du uns sagen wie die Zeitung entstanden ist?<\/p>\n<p><strong>Bernd Dr\u00fccke:<\/strong> Ja, die Zeitung ist 1972 gegr\u00fcndet worden von Wolfgang Hertle und einigen anderen Anarchisten und Anarchistinnen aus Augsburg. Das war der Versuch, eine \u00fcberregionale gewaltfreie, anarchistische Zeitung zu etablieren. Es gab vorher schon einige Vorl\u00e4uferprojekte, in Hannover beispielsweise die &#8222;Direkte Aktion&#8220; 1965\/66 und auch verschiedene franz\u00f6sischsprachige gewaltfrei-anarchistische Zeitungen, die eben das Ziel einer gewaltfrei-herrschaftslosen Gesellschaft hatten. Die Zeitung hat sich seitdem ganz gut etabliert, in der Hoch-Zeit in den 80er Jahren hat sie eine recht hohe Auflage gehabt und hatte einen gro\u00dfen Einfluss auf die neuen sozialen Bewegungen. Nicht nur auf die anarchistische Bewegung, sondern auch dar\u00fcber hinaus als Sprachrohr auf die Friedens-, die Anti-Atom- und die feministische Bewegung unter anderem.<\/p>\n<p><strong>FAU<\/strong>: Wie hoch ist die Auflage zur Zeit und wer liest die GWR?<\/p>\n<p>Zur Zeit haben wir eine Auflage von 3500 \u2013 6000 Exemplaren. Fr\u00fcher war die GWR eine klassische Bewegungszeitung, die meist im Handverkauf unter die Leute gebracht wurde, da war die Auflage auch h\u00f6her. Heute ist es eher eine Abonnementszeitung, die von unterschiedlichen Menschen gelesen wird, nur von libert\u00e4ren Aktivistinnen und Aktivisten.<\/p>\n<p><strong>FAU<\/strong>: Wie ist die Zeitung aufgebaut, wieviele Personen arbeiten mit und wie ist die Struktur?<\/p>\n<p>Die Struktur ist ein dezentrales Netzwerk, es gibt \u00fcber hundert, recht heterogene Gruppen die der Graswurzelbewegung nahe stehen oder dazugeh\u00f6ren. Es gibt einen HerausgeberInnenkreis, der sich aus diesen Gruppen speist. Das sind ungef\u00e4hr 20-30 Leute, die alle zwei Monate zusammenkommen. Dort werden alle Entscheidungen getroffen, welche die Zeitung anbelangen \u2013Besprechung der letzten und Planung der n\u00e4chsten Ausgaben &#8211; und auch Hauptamtliche gew\u00e4hlt. Zur Zeit gibt es nur einen hauptamtlichen Redakteur. Es gibt ein Redaktionsb\u00fcro in M\u00fcnster, dann den Buchverlag der GWR in Heidelberg und Bremen,&#8230;<\/p>\n<p><strong>FAU<\/strong>: Arbeitet ihr auch international mit anderen Gruppen der gleichen Ausrichtung zusammen, wenn ja, mit welchen?<\/p>\n<p>Ja, international gibt es seit 1921 die &#8222;War Resisters International&#8220; (WRI), die Internationale der KriegsgegnerInnnen. Das ist ein Netzwerk von \u00fcber 90 Gruppen und Organisationen aus 45 L\u00e4ndern. Eine praktisch weltweite Vernetzung. Dieser Bewegung ist die GWR assoziiert, genauso wie die &#8222;Deutsche Friedensgesellschaft&#8220; oder der &#8222;Vers\u00f6hnungsbund&#8220;, also nicht nur anarchistische, sondern auch pazifistische, antimilitaristische Gruppen. Und das ist gut, da\u00df wir miteinander vernetzt sind. International gibt es befreundete Gruppen in verschiedenen L\u00e4ndern und Schwesterzeitungen wie z.B. &#8222;Peace News&#8220; in London, &#8222;Nonviolent Activist&#8220; in New York, &#8222;R\u00e9fractions&#8220; in Frankreich. Daraus speist sich auch zum Teil die Zeitungsarbeit. Wir haben oft Artikel von libert\u00e4ren, antimilitaristischen und feministischen Gruppen z.B. aus den USA oder (Ex-)Jugoslawien, die wir \u00fcbersetzen. Umgekehrt erscheinen viele Artikel, die in der GWR ver\u00f6ffentlicht werden, \u00fcbersetzt in franz\u00f6sisch- oder englischsprachigen anarchistischen und antimilitaristischen Publikationen. Bewegungen von unten, die in den b\u00fcrgerlichen Medien nicht zu Wort kommen, finden sich in unserer Zeitung wieder.<\/p>\n<p><strong>FAU<\/strong>: Seit einiger Zeit erscheint in der GWR eine deutsch-t\u00fcrkische Beilage, die &#8222;\u00d6tk\u00f6k\u00fc Devrimi&#8220;, wie ist es dazu gekommen und was ist das eigentlich f\u00fcr eine Zeitung?<\/p>\n<p>Das ist eine Dreimonatszeitung, die als GWR-Beilage und als Aktionszeitung zum verteilen erscheint. Die Idee dazu ist 1999 entstanden. Jeder Text steht in der Otk\u00f6k\u00fc (t\u00fcrkisch: &#8222;Graswurzel&#8220;) auf deutsch und auf t\u00fcrkisch. Die Konzeption habe ich gemeinsam mit Osman Murat \u00dclke entwickelt. Das ist ein Graswurzelrevolution\u00e4r, der in der T\u00fcrkei dadurch bekannt geworden ist, da\u00df er den Kriegsdienst verweigert und seinen Wehrpass \u00f6ffentlich verbrannt hat. Daf\u00fcr hat er zweieinhalb Jahre im Gef\u00e4ngnis gesessen. Momentan hat er nur einen halblegalen Status, kann jederzeit wieder inhaftiert werden, weil es in der T\u00fcrkei kein Recht auf Kriegsdienstverweigerung gibt. Die Idee war, die kleine Graswurzelbewegung in der T\u00fcrkei dadurch zu unterst\u00fctzen, da\u00df wir ein deutsch-t\u00fcrkisches Projekt machen. Globalisierung des Widerstands von unten. Das Konzept ist aber eigentlich schon bei der ersten Ausgabe im M\u00e4rz 2001 gescheitert, von der in der T\u00fcrkei direkt 450 Exemplare beschlagnahmt wurden. Die Gef\u00e4hrdung f\u00fcr unsere dortigen Mitarbeiter, insbesondere Osman Murat \u00dclke, ist zu gro\u00df, so da\u00df wir jetzt sagen: Es gibt nur noch Einzelabos in der T\u00fcrkei. Ansonsten wird die Zeitung nur noch im deutschsprachigen Raum verbreitet. Das ist sehr schade!<\/p>\n<p><strong>FAU<\/strong>: Die GWR wird nun drei\u00dfig Jahre alt. Dazu gibt es einen bundesweiten Kongress. Kannst du uns dazu etwas sagen? Was wird dort gemacht?<\/p>\n<p>Ja, es wird viel angeboten. Es wird viele Arbeitskreise, Vortr\u00e4ge, Kabarett (Der Blarze Schwock), Konzerte von Klaus der Geiger, Pit Budde (Ex-Cochise), Petrograd u.a. geben. Zum Fest kommen auch hierzulande z.T. bekanntere Referenten und Referentinnen: Tobias Pfl\u00fcger von der &#8222;Informationsstelle Militarisierung&#8220;, Alfred Schobert vom Duisburger Institut f\u00fcr Sprach- und Sozialforschung, Roberta Bacic von WRI London, Wolf-Dieter Narr vom &#8222;Komitee f\u00fcr Grundrechte und Demokratie&#8220;. Aber nicht nur Krieg und Antimilitarismus ist Thema, sondern auch Anarchismus, Gewaltfreiheit, Feminismus, Globalisierung, libert\u00e4re Gegen\u00f6ffentlichkeit, Antisexismus, Gender, libert\u00e4re Anti-P\u00e4dagogik und vieles mehr. Das erste vorl\u00e4ufige Programm, Plakate und Flugbl\u00e4tter werden in den n\u00e4chsten Wochen gedruckt und verteilt. Da werdet ihr dann einiges mehr lesen k\u00f6nnen. Alle Leserinnen und Leser der &#8222;da&#8220; sind herzlich eingeladen.<\/p>\n<p><strong>FAU<\/strong>: Die wichtigste Frage zum Kongress, wann und wo findet er statt?<\/p>\n<p>Der findet vom 21. -23. Juni 2002 in M\u00fcnster statt. Es gibt ein dezentrales Konzept. Anlaufstelle ist die ESG, Breul 43. Aktuelle Infos k\u00f6nnen der Zeitung entnommen werden und finden sich auf der Homepage: www.graswurzel.net.<\/p>\n<p><strong>FAU<\/strong>: Uns als FAUistas interessiert nat\u00fcrlich auch ganz besonders euer Verh\u00e4ltnis zum Anarchosyndikalismus und der FAU im speziellen.<\/p>\n<p>Da gibt es viele \u00dcberschneidungen. Im GWR-HerausgeberInnenkreis sind auch Leute aktiv, die gleichzeitig auch in der FAU sind. Ich denke, das ist eine Bewegung, die zusammengeh\u00f6rt, also Anarchosyndikalismus und Graswurzelanarchismus. Nur gemeinsam sind wir stark!<\/p>\n<p><strong>FAU<\/strong>: Das war ein sehr sch\u00f6nes Schlu\u00dfwort. Bernd, wir bedanken uns f\u00fcr das Gespr\u00e4ch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>FAU: Die &#8222;Graswurzelrevolution&#8220; (GWR) gibt es nun seit drei\u00dfig Jahren. Du bist im Moment Koordinationsredakteur. Kannst du uns sagen wie die Zeitung entstanden ist? Bernd Dr\u00fccke: Ja, die Zeitung ist 1972 gegr\u00fcndet worden von Wolfgang Hertle und einigen anderen Anarchisten und Anarchistinnen aus Augsburg. Das war der Versuch, eine \u00fcberregionale gewaltfreie, anarchistische Zeitung zu etablieren. &hellip; <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2002\/05\/trau-einer-uber-30-2\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"slim_seo":{"title":"\"Trau einer \u00fcber 30\" - graswurzelrevolution","description":"FAU : Die \"Graswurzelrevolution\" (GWR) gibt es nun seit drei\u00dfig Jahren. 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