{"id":4819,"date":"2002-03-01T00:00:12","date_gmt":"2002-02-28T22:00:12","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=4819"},"modified":"2018-08-05T15:44:18","modified_gmt":"2018-08-05T13:44:18","slug":"mobil-machen-gegen-den-krieg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2002\/03\/mobil-machen-gegen-den-krieg\/","title":{"rendered":"Mobil machen gegen den Krieg"},"content":{"rendered":"<p><strong>ZC: Bernd, die GWR ist wohl eine der \u00e4ltesten bundesweit erscheinenden Alternativzeitungen. Was k\u00f6nnt ihr mit einer Auflage von 3500-6500 Exemplaren \u00fcberhaupt bewegen?<\/strong><\/p>\n<p>Bernd Dr\u00fccke: Wir erreichen vor allem Bewegungsaktive aus der Friedens- und der Anti-AKW-Bewegung. Die werden dadurch motiviert und zu Aktionen angeregt. Und deshalb bewegt die Zeitung eine ganze Menge. Viele Menschen werden erst durch solche Zeitungen politisiert.<\/p>\n<p><strong>ZC: Du hast mit Peter Wolter auf dem Kongress eine Arbeitsgruppe angeboten zu den Chancen und Grenzen von Alternativmedien. Welche Chancen haben denn Alternativmedien angesichts der immer st\u00e4rker werdenden Konzentration auf dem Medienmarkt, der ungeheuren Macht der gro\u00dfen Medienkonzerne und auch angesichts der Zersplitterung unter den Alternativen?<\/strong><\/p>\n<p>BD: Alternativmedien schaffen Gegen\u00f6ffentlichkeit, sie ver\u00f6ffentlichen Informationen, die in den Massenmedien nicht oder nur in hom\u00f6opathischen Dosen vorkommen. Ihre Chancen liegen in der St\u00e4rkung der au\u00dferparlamentarischen Bewegungen. Im Augenblick kommt es darauf an, gegen den &#8222;Krieg gegen den Terror&#8220; mobil zu machen und eine gro\u00dfe Friedensbewegung auf die Beine zu stellen.<\/p>\n<p>Das ist auch m\u00f6glich, wenn man das Beispiel der US-amerikanischen Bewegung gegen den Vietnamkrieg betrachtet. Diese zun\u00e4chst sehr kleine Bewegung ist dann schnell gewachsen, auch weil es Alternativmedien gab, die eine gr\u00f6\u00dfere Gegen\u00f6ffentlichkeit gegen diesen Krieg hergestellt haben. Auch jetzt steht wieder an zu versuchen, den Kampf an der &#8222;Heimatfront&#8220; zu gewinnen und auf eine gewaltfreiere und herrschaftslosere Gesellschaft hinzuarbeiten, weg von der Kriegspolitik der USA und ihrer Verb\u00fcndeten.<\/p>\n<p><strong>ZC: In der AG hattet ihr eine Auseinandersetzung um die daf\u00fcr notwendigen Strukturen. Dein Kollege Peter hat sehr stark auch von den Alternativmedien eine professionelle Arbeitsweise eingefordert, w\u00e4hrend du mehr Wert auf die basisdemokratische Vefasstheit alternativer Rdaktionen gelegt hast. Funktioniert dies aus deiner Erfahrung auch in der Praxis?<\/strong><\/p>\n<p>BD: Alles immer basisdemokratisch abzustimmen ist sicher schwierig, aber solche basisdemokratischen Strukturen wie in der Graswurzelredaktion tragen auch dazu bei, dass diese Zeitung immer noch an den sozialen Bewegungen ankn\u00fcpft. So bleiben wir Bewegungszeitung, im Gegensatz etwa zur &#8222;taz&#8220;, die sich auch durch die Einf\u00fchrung einer Chefredaktion sehr gewandelt hat und nun eine eher etablierte Zeitung geworden ist. Zwar ist sie jetzt erfreulich kritisch gegen\u00fcber dem Krieg, aber im Jugoslawienkrieg hat sie Kriegspropaganda und gr\u00fcne Parteipolitik verbreitet.<\/p>\n<p>Bewegungszeitungen wie die gwr k\u00f6nnen von den sozialen Bewegungen als Sprachrohre genutzt werden. Bei der gwr gibt es derzeit einen Hauptamtlichen, der von einem HerausgeberInnenkreis gew\u00e4hlt wird. Unter den HerausgeberInnen sind Menschen aus ganz Deutschland und aus verschiedenen Gruppen, die zwischen 20 und 60 Jahren alt sind und ganz unterschiedliche politische Erfahrung mitbringen. In der Praxis gibt das zwar oft anstrengende Diskussionen, aber meist auch konstruktive L\u00f6sungen nach dem Konsensprinzip.<\/p>\n<p><strong>ZC: Wie hast du den Kongress &#8222;Vom Fernsehbild zum Feindbild&#8220; erlebt, was fandest du f\u00fcr deine Arbeit besonders wichtig?<\/strong><\/p>\n<p>BD: Besonders begeistert und \u00fcberrascht war ich von Roger Willemsen und seiner hervorragenden Rede. Es war sehr erfrischend zu sehen, dass jemand der so tief in dem Medienapparat steckt, trotzdem noch kritisch bleiben kann. Roger Willemsen ist allerdings auch in den gro\u00dfen Massenmedien, vor allem in der Bildzeitung, daf\u00fcr abgewatscht und mit einer Schmutzkampagne \u00fcberzogen worden, \u00e4hnlich wie der Tagesthemen-Moderator Ulrich Wickert. Daher war es ein ganz wichtiger Kongress, weil hier kritische Medienschaffende aus den gro\u00dfen Medien zusammengekommen sind mit Aktiven aus der Friedensbewegung und sich untereinander austauschen konnten. Das war f\u00fcr beide Seiten sehr fruchtbar und anregend. Die Diskussionen, die ich mitbekommen habe, fand ich supertoll. Was bezeichnend war: Keine der beiden Lokalzeitungen in M\u00fcnster hat \u00fcber den Kongress auch nur mit einer Zeile berichtet, obwohl er ein bundesweit herausragendes Ereignis war.<\/p>\n<p><strong>ZC: Die gwr wird dieses Jahr 30 Jahre alt. Dazu herzlichen Gl\u00fcckwunsch. Ihr wollt das geb\u00fchrend feiern, nicht nur mit Spa\u00df sondern auch mit Politik. Was habt ihr vor?<\/strong><\/p>\n<p>BD: Wir machen vom 21.-23. Juni hier in M\u00fcnster einen Kongress unter dem Motto &#8222;Trau einer \u00fcber drei\u00dfig &#8211; graswurzelrevolution 1972-2002ff.&#8220;. Dazu wird es viele Arbeitskreise geben, Konzerte, Kabarett usw. Wir rechnen mit 300-800 Leuten, die kommen werden. Als Referenten haben wir z.B. Prof. Wolf-Dieter Narr, Tobias Pfl\u00fcger oder Michael Schiffmann, den \u00dcbersetzer des amerikanischen kriegskritischen Wissenschaftlers Noam Chomsky mit einem Vortrag \u00fcber dessen Medientheorie gewonnen. Auch das Thema Krieg und Friedenspolitik wird breiten Raum einnehmen. Es wird sicher spannend und wir laden alle Leserinnen und Leser der Zivilcourage herzlich ein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ZC: Bernd, die GWR ist wohl eine der \u00e4ltesten bundesweit erscheinenden Alternativzeitungen. Was k\u00f6nnt ihr mit einer Auflage von 3500-6500 Exemplaren \u00fcberhaupt bewegen? 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