{"id":4869,"date":"2002-09-01T00:00:00","date_gmt":"2002-08-31T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=4869"},"modified":"2022-07-26T14:26:12","modified_gmt":"2022-07-26T12:26:12","slug":"warum-schweigen-die-linken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2002\/09\/warum-schweigen-die-linken\/","title":{"rendered":"Warum schweigen die Linken?"},"content":{"rendered":"<p>Als politische Gefangene am 20. Oktober 2000 in der T\u00fcrkei in den Hungerstreik traten, h\u00e4tte wohl kaum jemand gedacht, dass er fast zwei Jahre sp\u00e4ter noch nicht beendet ist.<\/p>\n<p>Die Hungerstreikenden wehren sich gegen die Verlegung in neugebaute Isolationsgef\u00e4ngnisse mit so genannten F-Typ-Zellen. Die t\u00fcrkische Regierung behauptet, &#8222;Mafia-Strukturen&#8220; innerhalb der Kn\u00e4ste durch Einf\u00fchrung der F-Typ-Einzelzellen zerschlagen zu wollen.<\/p>\n<p>Die politischen Gefangenen sehen sich in den neuen Zellen ungesch\u00fctzt der Willk\u00fcr der W\u00e4rterInnen ausgesetzt und bef\u00fcrchten zu Recht den Einsatz der &#8222;wei\u00dfen Folter&#8220; Isolation.<\/p>\n<p>Nachdem sichtbar wurde, dass ihre, gegen die Einf\u00fchrung der Isolationshaft gerichteten Forderungen ignoriert werden, wandelten viele Gefangene und Angeh\u00f6rige ihren Hungerstreik in ein &#8222;Todesfasten&#8220;.<\/p>\n<p>Obwohl sich mehr als 2.000 der 12.000 politischen Gefangenen und zahlreiche Angeh\u00f6rige am Hungerstreik beteiligten und zum Teil noch immer beteiligen, obwohl heute (22. August 2002) bereits 94 Menschen an den Folgen der Aktion gestorben bzw. durch den Angriff auf die Gef\u00e4ngnisse durch das Milit\u00e4r im Dezember 2000 get\u00f6tet worden sind, ist ein Einlenken des t\u00fcrkischen Staates nicht in Sicht. Die Unterst\u00fctzung des Hungerstreiks durch linksliberale Intellektuelle in der T\u00fcrkei ging nach einem Anschlag gegen einen Polizeibus, bei dem zwei Polizisten get\u00f6tet wurden, weitgehend verloren. Die TKP-ML (Kommunistische Partei der T\u00fcrkei\/Marxistisch-Leninistisch) hatte den Angriff am 11. Dezember 2000 ver\u00fcbt, als Vergeltung f\u00fcr die Ermordung eines Aktivisten, der sich an einer Plakatieraktion gegen Typ-F-Gef\u00e4ngnisse beteiligt hatte.<\/p>\n<p>Am 19. Dezember 2000 begann die Armee, die Gef\u00e4ngnisse zu bombardieren und zu st\u00fcrmen. Dabei wurden 33 Menschen ermordet und ca. 1.000 der hungerstreikenden Inhaftierten wurden in die neu fertiggestellten F-Typ Gef\u00e4ngnisse verlegt (vgl. GWR 256 &amp; Otk\u00f6k\u00fc 1). Seitdem wird der Informationsfluss stark behindert. Von ca. 2.000 Inhaftierten, die sich im Hungerstreik befanden, beteilig(t)en sich ungef\u00e4hr 350-400 am Todesfasten und es muss weiterhin mit dem Sterben vieler gerechnet werden.<\/p>\n<p>Seit Juni 2001 fordern die Gefangenen auch ein Ende der Zwangsern\u00e4hrung: &#8222;Zwangsern\u00e4hrung ist Folter. Einem Menschen bleibende Behinderungen zuzuf\u00fcgen, ist ein Verbrechen. Dutzende Freunde von uns sind verkr\u00fcppelt worden. Sie sind in einen Zustand gebracht worden, in dem sie sich nicht mehr an die Vergangenheit erinnern und nicht mehr denken k\u00f6nnen. Der Zwangsern\u00e4hrungsfolter mu\u00df ein Ende gesetzt werden.&#8220; (Bei lebendigem Leib, S. 162)<\/p>\n<h3>Und die Welt\u00f6ffentlichkeit?<\/h3>\n<p>Sie ignoriert, dass das vom Milit\u00e4r dominierte NATO-Land T\u00fcrkei die Menschen(rechte) mit F\u00fc\u00dfen tritt.<\/p>\n<p>Eine gr\u00f6\u00dfere (Gegen-) \u00d6ffentlichkeit konnte auch in Deutschland nicht hergestellt werden. Das Buch &#8222;Bei lebendigem Leib&#8220; soll nach dem Willen der HerausgeberInnen dazu beitragen, dass sich das \u00e4ndert. Es will mit Hintergrundinformationen \u00fcber den Gefangenenwiderstand und das Gef\u00e4ngnissystem (nicht nur) in der T\u00fcrkei zur Debatte \u00fcber politische Gefangenschaft und Isolationsfolter anregen.<\/p>\n<p>Die nach dem Hungerstreik von RAF- und anderen Gefangenen 1989 in Deutschland eingeschlafene Diskussion \u00fcber soziale Deprivation soll wieder aufgenommen werden.<\/p>\n<p>Die Textsammlung besteht aus einem Dokumentationsteil, in dem sich Erkl\u00e4rungen der Gefangenen, ein Interview und eine &#8222;Liste der Gefallenen&#8220; finden, sowie folgenden Kapiteln: 1. Entwicklung und Einf\u00fchrung der Isolationshaft; 2. Staatliche Repression und Gefangenenwiderstand in der T\u00fcrkei; 3. Die revolution\u00e4re Linke in der T\u00fcrkei und 4. Solidarit\u00e4tsarbeit in der T\u00fcrkei zum Todesfastenwiderstand in der T\u00fcrkei.<\/p>\n<p>Die Beitr\u00e4ge stammen von unterschiedlichen AutorInnen, die der deutschen antiimperialistischen Szene oder\/und militanten t\u00fcrkischen orthodox-kommunistischen Gruppen nahe stehen.<\/p>\n<h3>Das Isolationszellensystem<\/h3>\n<p>Die Autorin Ilse Schwipper beschreibt anschaulich &#8222;Das Isolationszellensystem als wissenschaftliches Forschungsprojekt&#8220; (siehe auch nebenstehendes <a title=\"\u201cIch tr\u00e4ume noch immer von der Revolution\u201d\" href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2002\/09\/ich-traume-noch-immer-von-der-revolution\/\">Interview<\/a>): Bereits im 19. Jahrhundert in den USA als spezielle Form der Bestrafung praktiziert, bewirkt die Isolierung durch Abschottung \u00e4u\u00dferer Reize bei Gefangenen k\u00f6rperliche Reaktionen: Konzentrationsst\u00f6rungen, Kopfschmerzen, \u00dcbelkeit, Sprachschwierigkeiten, Verlust von Zeit- und Raumgef\u00fchl. In der zweiten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts setzte sich die psychologische Forschung verst\u00e4rkt mit sozialer Deprivation auseinander. Mit der &#8222;boxcar&#8220;- bzw. &#8222;Sensorische Deprivations&#8220;-Zelle, die durch ihre spezielle Architektur das Eindringen jeglicher \u00e4u\u00dferer Reize verhinderte, wurde die Isolation in den 60er Jahren perfektioniert.<\/p>\n<p>Wissenschaftler des Sonderforschungsbereichs &#8222;Isolation und Aggression&#8220; der Deutschen Forschungsgesellschaft an der Uni Hamburg experimentierten seit den 60er Jahren mit der &#8222;<em>camera silence&#8220;<\/em>, einem nach au\u00dfen schallisoliertem, nach innen schallschluckendem Raum. Im &#8222;Toten Trakt&#8220; der JVA K\u00f6ln-Ossendorf wurden von 1971 bis 1973 erstmals zwei Gefangene, Ulrike Meinhof und Astrid Proll, in totaler Isolation gehalten: totales Ger\u00e4uschvakuum, wei\u00dfe Zellen, kein Au\u00dfenkontakt, 24-Stunden-Beleuchtung, leicht unterk\u00fchlte Temperatur. 1976 wurde Ulrike Meinhof tot in ihrer Zelle aufgefunden.<\/p>\n<p>Perfektioniert wurde die Isolation im Hochsicherheitstrakt Stuttgart-Stammheim, wo sich vor 25 Jahren im &#8222;Deutschen Herbst&#8220; nach Angaben der Beh\u00f6rden die inhaftierten RAF-Mitglieder Jan Carl-Raspe, Andreas Baader und Gudrun Ensslin selbst get\u00f6tet haben sollen. Irmgard M\u00f6ller, die 1977 die &#8222;Selbstmorde&#8220; als einzige Stammheimer RAF-Gefangene schwer verletzt \u00fcberlebt hat, sagt bis heute, dass es sich nicht um Selbstmord, sondern um Mord bzw. in ihrem Fall Mordversuch durch Beamte gehandelt habe.<\/p>\n<p>Seit den siebziger Jahren wird das bundesdeutsche Modell der Isolationshaft in viele L\u00e4nder exportiert. Auch die T\u00fcrkei versucht seit Anfang der neunziger Jahre, Gef\u00e4ngnisse mit F-Typ-Zellen zu errichten und zu belegen. Bis Dezember 2000 konnte das durch viele Gefangenenaufst\u00e4nde verhindert werden.<\/p>\n<p>Die HerausgeberInnen von &#8222;Bei lebendigem Leib&#8220; kritisieren &#8222;das Schweigen der hiesigen Linken zum Gefangenenkampf in der T\u00fcrkei&#8220;. Diese Kritik ist gerechtfertigt. Zwar finden sich in einigen linken Medien auch Artikel und Kommentare zum Hungerstreik in der T\u00fcrkei, und es gab auch einige kleinere Protestkundgebungen vor t\u00fcrkischen Konsulaten. Aber im Gro\u00dfen und Ganzen schweigen die Linken hier zum Todesfasten.<\/p>\n<h3>Aber warum ist das so?<\/h3>\n<p>Diese Frage wird unfreiwillig auch von einigen Autoren des Buches beantwortet. Besonders gruselig von Martin Beckmann. Sein Artikel \u00fcber &#8222;Die revolution\u00e4re Linke in der T\u00fcrkei&#8220; (S. 86 ff.) ist eine Lobeshymne auf die stalinistische DHKP-C, die seiner Meinung nach &#8222;derzeit relevanteste revolution\u00e4re Organisation&#8220; (S. 86). Kostproben:<\/p>\n<p>Den 1973 von t\u00fcrkischen Milit\u00e4rs ermordeten F\u00fchrer der maoistischen Guerilla TKP\/ML, Kaypakkaya, beschreibt er folgendermassen: &#8222;Ibrahim Kaypakkaya (&#8230;) war der entschiedenste K\u00e4mpfer gegen den Kemalismus (&#8230;) Kaypakkaya war zudem einer der gr\u00f6\u00dften Verfechter des Rechtes auf die Selbstbestimmung nicht nur des kurdischen Volkes, sondern der gesamten unterdr\u00fcckten kurdischen Nation (einschlie\u00dflich der Bourgeoisie)&#8230;&#8220; (S. 94)<\/p>\n<p>So geht es weiter. TKP, THKP-C, Devrimci Sol, DHKP-C, TKIP, TKP\/ML,&#8230; Stalinistische Kaderorganisationen &#8211; oft hervorgegangen aus internen Machtk\u00e4mpfen und Spaltungen &#8211; werden ohne einen Hauch von kritischer Distanz beschrieben. So schw\u00e4rmt Beckmann von den &#8222;taktischen und strategischen Grunds\u00e4tzen der THKP-C&#8220;, die in dem Buch &#8222;Die ununterbrochene Revolution&#8220; von Cayan zusammengefasst worden seien:<\/p>\n<p>&#8222;Darin werden unter der Ber\u00fccksichtigung der spezifischen sozio\u00f6konomischen und sozio-kulturellen Bedingungen in der T\u00fcrkei komprimiert die politisch-milit\u00e4rischen Leitlinien f\u00fcr die sofortige Aufnahme des revolution\u00e4ren bewaffneten Kampfes am Beginn der 70er Jahre beschrieben. In dem Buch werden eingehend die Evolutions- und Revolutionstheorien von Marx, Engels, Lenin, Stalin und Mao behandelt und auf ihre Relevanz f\u00fcr neokoloniale L\u00e4nder der sog. III. Krisenperiode des Imperialismus gepr\u00fcft, (&#8230;). Cayan hat von den drei historischen Pers\u00f6nlichkeiten der revolution\u00e4ren Linken die umfassendste Studie f\u00fcr den bewaffneten Kampf in der T\u00fcrkei vorgelegt, eine koh\u00e4rente Theorie f\u00fcr die antiimperialistische und antioligarchische Volksrevolution. Die inhaltliche und praktische Sto\u00dfrichtung der THKP-C kommt in ihrem ersten Kommuniqu\u00e9 vom April 1971 zum Ausdruck: &#8218;Unsere Partei versucht gegen den Imperialismus, gegen die einheimischen herrschenden Klassen und deren Ausl\u00e4ufer in der Linken, in den drei Fronten zugleich, den Krieg zu f\u00fchren'(Cayan,&#8230;.)&#8220; (S. 95)<\/p>\n<p>Was es f\u00fcr die von Beckmann ebenfalls glorifizierte DHKP-C bedeutet, den &#8222;Krieg gegen die herrschenden Klassen und deren Ausl\u00e4ufer in der Linken zu f\u00fchren&#8220;, konnte ich 1993 pers\u00f6nlich erleben. Nach dem von Nazis ver\u00fcbten Brandanschlag in Solingen, fand dort eine antifaschistische Demonstration mit 20.000 Menschen statt. W\u00e4hrend der Abschlusskundgebung gingen T\u00fcrkInnen mit Kn\u00fcppeln und Messern aufeinander los. Dabei handelte es sich aber keineswegs um einen Angriff t\u00fcrkischer MHP-Faschisten, sondern um Mitglieder der Dev-Sol (Revolution\u00e4re Linke), die sich damals in zwei Lager gespalten und im wahrsten Sinne des Wortes &#8222;bis aufs Messer&#8220; bek\u00e4mpft hatten. Der &#8222;Krieg&#8220; der sich um zwei konkurrierende F\u00fchrer &#8211; Bedri Yagan auf der einen und Dursun Karatas (DHKP-C) auf der anderen Seite &#8211; gescharten Dev-Sol kostete Tote auf beiden Seiten. Mit dem Brustton der \u00dcberzeugung ergreift Beckmann Partei f\u00fcr die st\u00e4rkere Karatas-Fraktion und gegen den von ihm als &#8222;Putschisten&#8220; bezeichneten Bedri Yagan.<\/p>\n<p>Hier wird eine Darstellung von Geschichte pr\u00e4sentiert, die mit der Realit\u00e4t wenig zu tun hat. Die platte Propaganda verhindert eine kritisch-solidarische Auseinandersetzung. Und das Abfeiern der &#8211; ganz in militaristischer Tradition &#8211; als notwendige &#8222;Liquidierungen&#8220; verkl\u00e4rten Morde an politischen GegnerInnen der DHKP-C ist absto\u00dfend.<\/p>\n<h3>Fazit<\/h3>\n<p>Eine kritische Diskussion findet in diesem Buch nicht statt. Im Gegenteil: Eindimensionalit\u00e4t, M\u00e4rtyrerkult um die &#8222;Gefallenen&#8220; und Verherrlichung des bewaffneten Kampfes zieht sich wie ein blutroter Faden durch die Zeilen. Dass die Gefangenen dabei von ihren Organisationen nicht gezwungen werden m\u00fcssen, am Todesfasten teilzunehmen, sondern bisweilen &#8222;gl\u00fccklich&#8220; sind, als &#8222;M\u00e4rtyrer&#8220; sterben zu d\u00fcrfen, dokumentiert der folgende Abschnitt:<\/p>\n<p>&#8222;Nachdem die Freiwilligen zum Todesfasten gew\u00e4hlt worden waren, habe ich bemerkt, dass G\u00fclpinar Adiyaman sehr traurig war. Ich habe sie gefragt, warum sie so traurig ist, und sie antwortete mir, weil sie nicht f\u00fcr die 1. Gruppe des Todesfastens gew\u00e4hlt worden sei. Eine ganze Woche lang habe ich gesehen, wie sie geweint hat. Auf der anderen Seite habe ich auf den Gesichtern der Frauen, die f\u00fcr das Todesfasten gew\u00e4hlt worden waren, nur Freude und Gl\u00fccklichkeit gesehen.&#8220; (S. 167)<\/p>\n<p>Abgesehen von zwei Ausnahmen, sind die Beitr\u00e4ge des Buches in einem Verlautbarungsstil geschrieben, der die Gefangenen sakrosankt erscheinen lassen soll. Relativ positiv f\u00e4llt Peter Nowaks \u00fcberwiegend sachlicher Artikel \u00fcber &#8222;Der Todesfastenwiderstand von 2000\/2001&#8220; auf. Der oben bereits erw\u00e4hnte Artikel von Ilse Schwipper ist der interessanteste in diesem Buch. Trotzdem kann ich mir auch hier eine Kritik nicht verkneifen. Das <a title=\"\u201cIch tr\u00e4ume noch immer von der Revolution\u201d\" href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2002\/09\/ich-traume-noch-immer-von-der-revolution\/\">nebenstehende GWR-Interview<\/a> mit ihr zeigt m.E., dass sie sich wenig (selbst-)kritisch mit der eigenen Geschichte, der milit\u00e4rischen Stadtguerillapolitik und \u00fcberhaupt nicht mit gewaltfrei-libert\u00e4ren Positionen auseinander gesetzt hat. Doch das ist auch nicht unbedingt die Voraussetzung f\u00fcr eine gute Publikation. W\u00e4ren alle Beitr\u00e4ge auf dem Niveau ihres Buchbeitrages, w\u00e4re &#8222;Bei lebendigem Leib&#8220; ein empfehlenswertes, gut lesbares Dokument, das zur Auseinandersetzung anregen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Gew\u00fcnscht h\u00e4tte ich mir pers\u00f6nlich ein Buch aus der Perspektive von AktivistInnen, die Mitherausgeber Beckmann wohl, wie einst sein Genosse Lenin, als &#8222;kleinb\u00fcrgerlich, pseudorevolution\u00e4r&#8220; und &#8222;bedeutungslos&#8220; bezeichnen w\u00fcrde. Libert\u00e4re, Feministinnen, AntisexistInnen und AntimilitaristInnen aus der T\u00fcrkei kommen in diesem Buch aber weder zu Wort noch vor.<\/p>\n<p>Viel zu oft schimmert eine Ideologie durch die Zeilen, deren Verbreitung getrost dogmatisch autorit\u00e4ren Sektierern \u00fcberlassen werden sollte.<\/p>\n<p>Der in der libert\u00e4ren Szene entstandene Verlag muss sich fragen lassen, ob es richtig war, ein derart unkritisch-verkl\u00e4rendes Buch zu ver\u00f6ffentlichen. Ist es legitim auch ein schlechtes Buch zu einem wichtigen Thema herauszugeben, wenn es sonst nichts dazu gibt?<\/p>\n<p>Unsere Solidarit\u00e4t geh\u00f6rt den Inhaftierten, nicht weil sie zum gro\u00dfen Teil Mitglieder der DHKP-C sind, sondern weil sie Menschen sind. Und alle Menschen haben ein Recht auf ein menschenw\u00fcrdiges Leben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als politische Gefangene am 20. Oktober 2000 in der T\u00fcrkei in den Hungerstreik traten, h\u00e4tte wohl kaum jemand gedacht, dass er fast zwei Jahre sp\u00e4ter noch nicht beendet ist. Die Hungerstreikenden wehren sich gegen die Verlegung in neugebaute Isolationsgef\u00e4ngnisse mit so genannten F-Typ-Zellen. 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