{"id":5019,"date":"2002-11-01T00:00:57","date_gmt":"2002-10-31T22:00:57","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=5019"},"modified":"2022-07-26T14:26:11","modified_gmt":"2022-07-26T12:26:11","slug":"ein-lebensstil-der-gleichheit-und-hoffnung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2002\/11\/ein-lebensstil-der-gleichheit-und-hoffnung\/","title":{"rendered":"Ein Lebensstil der Gleichheit und Hoffnung"},"content":{"rendered":"<p>Das Dorf Ein Hud mit etwa 210 Einwohnerinnen und Einwohnern liegt in den malerischen Carmel-Bergen, die sich s\u00fcdlich von Haifa entlang der Mittelmeerk\u00fcste erstrecken. Ein Hud wurde 1948 von Familien gegr\u00fcndet, die zuvor w\u00e4hrend des israelischen Unabh\u00e4ngigkeitskrieges aus einem gleichnamigen Dorf, nur wenige Kilometer entfernt, vertrieben worden waren. In das alte Dorf zog 1953 eine Gruppe israelischer K\u00fcnstler, die seitdem die H\u00e4user der geflohenen Pal\u00e4stinenser bewohnen. Das j\u00fcdische K\u00fcnstlerdorf bekam den hebr\u00e4ischen Namen &#8222;Ein Hod&#8220;. F\u00fcr mehr als 40 Jahre wurde Ein Hud durch die israelischen Beh\u00f6rden nicht als legitime Siedlung anerkannt, ein Problem mit dem noch heute viele arabische D\u00f6rfer (vor allem der Beduinen im Negev) konfrontiert sind. Dadurch fehlte in der Stadt s\u00e4mtliche Infrastruktur und alle Geb\u00e4ude waren aufgrund nicht erh\u00e4ltlicher Baugenehmigungen von polizeilicher Zerst\u00f6rung bedroht. Es gab weder ad\u00e4quate Stromversorgung, noch Telefonverbindungen oder eine gepflasterte Stra\u00dfenanbindung. Der Zugang zu medizinischen Einrichtungen und Bildungsinstitutionen war schlecht. 1992 erhielt Ein Hud die lang ersehnte offizielle Anerkennung seiner Existenz &#8211; doch es hat sich seither kaum etwas ver\u00e4ndert, obwohl die Bewohner versuchen die Beh\u00f6rden von notwendigen Verbesserungen zu \u00fcberzeugen. Nicht einmal eine befestigte Stra\u00dfe f\u00fchrt in den Ort. Viele Privath\u00e4user konnten erweitert werden, doch bei der \u00f6ffentlichen Infrastruktur gab es in den letzten zehn Jahren wenig Fortschritt: eine klare Benachteiligung gegen\u00fcber j\u00fcdischen D\u00f6rfern in der Umgebung.<\/p>\n<p>Um etwas gegen diese Ungleichheit in der israelischen Gesellschaft zu unternehmen und der Nachl\u00e4ssigkeit der Beh\u00f6rden entgegenzutreten trafen sich Unterst\u00fctzer der Friedensgruppe Ta&#8217;ayush in Ein Hud. Unter ihnen waren auch Bewohner des naheliegenden &#8222;Ein Hod&#8220; die sich kritisch der Vergangenheit ihrer Ortschaft stellen wollen. F\u00fcr drei Tage wurde miteinander in einem Camp gelebt und gearbeitet; viele kamen zeitweise um zumindest einen Tag lang mitzuhelfen. Die Teilnehmer brachten sich in die Aufgaben des Zusammenlebens, wie Kochen und Kinderbetreuung, ein; Abends gab es ein wenig Kulturprogramm und immer wieder war Zeit f\u00fcr Unterhaltungen und um neue Leute kennen zu lernen. Tags\u00fcber und bis in den fr\u00fchen Abend wurde angepackt wo man konnte. Das Geb\u00e4ude der kleinen Grundschule mit etwa 40 Sch\u00fclern war in extrem schlechtem Zustand und so wurde dieses Haus und dessen Umgebung neu gestaltet. Au\u00dferdem wurde ein Spielplatz am Rande des Dorfes geschaffen. Zwischen den vielen Baustellenamateuren befanden sich auch einige Facharbeiter, die Anleitung gaben.<\/p>\n<p>Bei den vielen Helferinnen und Helfern klappte die Koordination nicht immer, doch dies ist bei einem solchen Projekt nicht das wichtigste. Am Ende hatte man einen Gro\u00dfteil der Arbeiten an Schule und Spielplatz geschafft; den Rest erledigte eine kleinere Gruppe in den folgenden Tagen. Das Sommercamp war nicht nur eine Hilfsaktion, sondern es hat zugleich die M\u00f6glichkeit der Koexistenz vorgef\u00fchrt. &#8222;Durch Zusammenarbeit, solidarisch Schulter an Schulter, haben wir gezeigt, da\u00df wir einen anderen Lebensstil f\u00fcr diese Region haben &#8211; einen Weg der Gleichheit und Hoffnung!&#8220; res\u00fcmierte ein Organisator.<\/p>\n<p>Das Camp in Ein Hud, war nicht das erste seiner Art: Ta&#8217;ayush hatte bereits zweimal \u00e4hnliche Aktivit\u00e4ten in noch nicht anerkannten D\u00f6rfern organisiert. Die Aktionsgruppe wurde vor zwei Jahren, nachdem die Polizei zu Beginn der Intifada 13 arabische Israelis erschossen hatte, von j\u00fcdischen und arabischen B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern gegr\u00fcndet. Zu einer Zeit in der viele der bestehenden Friedensgruppen in Schweigen verfielen, begann man sich sowohl f\u00fcr ein besseres Miteinander innerhalb Israels, als auch f\u00fcr ein Ende der Besatzung in Westbank und Gazastreifen einzusetzen.<\/p>\n<h3>Von der j\u00fcdisch-arabischen Kooperation in Kombination mit dem Ansatz gewaltfreier, direkter Aktionen vor Ort, einem einmaligen Konzept, f\u00fchlen sich besonders junge Israelis angesprochen.<\/h3>\n<p>Hinzu kommt eine Offene Struktur, bei der sich jeder einbringen kann; die Vorbereitungen f\u00fcr Aktivit\u00e4ten laufen \u00fcber kleine Gruppen Ehrenamtlicher. Die Unterst\u00fctzung konkreter Projekte zeigt sich ebenfalls bei der Arbeit in den besetzen Gebieten. Hier ist Ta&#8217;ayush vor allem durch Solidarit\u00e4tskonvois zum \u00dcberbringen von Nahrungsmitteln oder medizinischen Hilfsg\u00fctern, die aus israelischen Spenden finanziert sind, hervorgetreten. Zus\u00e4tzlich haben die Aktionen immer auch einen politischen Kontext als Protest gegen Elemente der Besatzungspolitik, u.a. Ausgangssperren und Blockaden, und bieten in der eskalierten Situation der Region die seltene M\u00f6glichkeit f\u00fcr pers\u00f6nlichen Kontakt und Dialog. Bei Teilnehmerzahlen von meist 400 Personen ist ein hohes Ma\u00df an Vertrauen zwischen Ta&#8217;ayush und pal\u00e4stinensischen Aktivisten n\u00f6tig. Probleme bereiten jedoch vor allem Auseinandersetzungen mit Polizei, Armee und Siedlern, die immer wieder versuchen solche Vorhaben zu verhindern. Ta&#8217;ayush ist f\u00fcr einige Israelis ein Weg der verzweifelten politischen Lage im Nahen Osten entgegenzutreten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Dorf Ein Hud mit etwa 210 Einwohnerinnen und Einwohnern liegt in den malerischen Carmel-Bergen, die sich s\u00fcdlich von Haifa entlang der Mittelmeerk\u00fcste erstrecken. 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