{"id":5338,"date":"2003-02-01T00:00:10","date_gmt":"2003-01-31T22:00:10","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=5338"},"modified":"2022-07-26T14:26:08","modified_gmt":"2022-07-26T12:26:08","slug":"kampagne-gegen-sterilisationsmasnahmen-an-kurdischen-frauen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2003\/02\/kampagne-gegen-sterilisationsmasnahmen-an-kurdischen-frauen\/","title":{"rendered":"Kampagne gegen Sterilisationsma\u00dfnahmen an kurdischen Frauen"},"content":{"rendered":"<p>Stellen Sie sich vor, Sie sind eine Frau in einer Ecke in Kurdistan, in die sich selten ein Arzt verirrt. Ohnehin h\u00e4tten Sie nicht die finanziellen M\u00f6glichkeiten, eine medizinische Behandlung zu bezahlen. Und dann kommen sie gleich mit drei Ambulanzen, erz\u00e4hlen Ihnen etwas \u00fcber notwendige Gesundheitsma\u00dfnahmen in einer Sprache, die Sie nicht beherrschen, bringen sie in ein Krankenhaus in die n\u00e4chste Stadt, wo Handlungen an Ihnen vollzogen werden, die Sie nicht begreifen und \u00fcber die Sie aus Scham nicht sprechen k\u00f6nnen. Und nach Monaten stellen Sie fest, dass Sie keine Kinder mehr bekommen k\u00f6nnen&#8230;<\/p>\n<p>So erging es am 16. Januar 2002 mindestens 17 Frauen aus der Ortschaft \u00d6zekli in 60 Kilometer Entfernung von Diyarbakir in Kurdistan-T\u00fcrkei. \u00d6ffentlich gemacht wurde der Fall jetzt auf dem &#8222;Symposium zu Gewalt gegen Frauen und Medizin&#8220; durch die Vorsitzende der Frauenkommission der Anwaltskammer von Diyarbakir, Meral Danis.<\/p>\n<p>Laut Danis haben sich mehrere Betroffene mit der Bitte um Hilfe an verschiedene zivilgesellschaftliche Institutionen gewandt. Daraufhin eingeleitete Untersuchungen haben ergeben, dass ein dem Gouverneur von Diyarbakir unterstelltes \u00c4rzteteam in dem betreffenden Fall von Haus zu Haus gegangen ist und die Frauen ins Krankenhaus gebracht wurden. Die Betroffenen wussten nicht einmal, weshalb sie operiert werden. Wie Danis erkl\u00e4rte, seien \u00e4hnliche F\u00e4lle auch aus Mardin, Adiyaman, Adana und Van bekannt geworden.<\/p>\n<p>Sterilisierungsma\u00dfnahmen gegen kurdische Frauen wurden bereits Mitte der neunziger Jahre durchgef\u00fchrt, als der T\u00fcrkische Nationale Sicherheitsrat erkl\u00e4rte, dass der Bev\u00f6lkerungszuwachs des kurdischen Bev\u00f6lkerungsteils eine Gefahr f\u00fcr die T\u00fcrkei darstelle. Es wurde daraufhin ein Ma\u00dfnahmenpaket zur<\/p>\n<p>Bev\u00f6lkerungsregulierung gegen diese Entwicklung beschlossen. Damals wurde mit Hormonspritzen bei den Frauen nicht nur Verh\u00fctung durchgesetzt, sondern durch \u00dcberdosis der Hormongebungen gleich Unfruchtbarkeit erreicht. Seitdem sind immer wieder \u00e4hnliche F\u00e4lle bekannt geworden. Die betroffenen Frauen werden entweder ohne ihr Wissen sterilisiert oder mit verschiedenen Methoden unter Druck gesetzt, damit sie den Eingriff an sich vollziehen lassen.<\/p>\n<p>Bei diesen Ma\u00dfnahmen handelt es sich um eine faschistische Methode der Bev\u00f6lkerungsregulierung gegen den kurdischen Bev\u00f6lkerungsteil in der T\u00fcrkei, um einen Versto\u00df gegen Menschenrecht und Medizinerethik und um eine Form der Folter an K\u00f6rper und Seele kurdischer Frauen. Als Kurdisches Frauenb\u00fcro f\u00fcr Frieden verurteilen wir diesen rassistischen Angriff auf das Recht auf Unversehrtheit der Frau auf das Sch\u00e4rfste.<\/p>\n<p>Zivilgesellschaftliche Organisationen in Diyarbakir, wie das Frauenzentrum Selis, der Menschenrechtsverein IHD, \u00c4rzte- und Anwaltskammer f\u00fchren zur Zeit weitere Nachforschungen zu dieser besonderen Form der Menschenrechtsverletzung an.<\/p>\n<p>Um ihre Arbeit zu unterst\u00fctzen und f\u00fcr eine sofortige Beendigung der Ma\u00dfnahmen zu sorgen, brauchen wir Ihre Hilfe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stellen Sie sich vor, Sie sind eine Frau in einer Ecke in Kurdistan, in die sich selten ein Arzt verirrt. Ohnehin h\u00e4tten Sie nicht die finanziellen M\u00f6glichkeiten, eine medizinische Behandlung zu bezahlen. 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