{"id":5394,"date":"2003-03-01T00:00:44","date_gmt":"2003-02-28T22:00:44","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=5394"},"modified":"2022-07-26T14:24:41","modified_gmt":"2022-07-26T12:24:41","slug":"behind-the-bush","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2003\/03\/behind-the-bush\/","title":{"rendered":"Behind the Bush"},"content":{"rendered":"<p><em>&#8222;Damit die Globalisierung funktioniert, d\u00fcrfen die Vereinigten Staaten nicht z\u00f6gern, als die unbesiegbare Weltsupermacht zu agieren, die sie sind. Die unsichtbare Hand des Marktes funktioniert nicht ohne die sichtbare Faust, McDonalds kann nicht prosperieren ohne McDonnel-Douglas, den Fabrikanten der Kampfflieger F-15 [&#8230;]. Diese Faust sind die Landstreitkr\u00e4fte, die Marine, die Luftwaffe und das Marine-Corps der Vereinigten Staaten&#8220;<\/em>, Thomas Friedman, ehemaliger Berater Madleine Albrights, in: New York Times Magazine, 28.03.1999.<\/p>\n<p>Bei Lichte betrachtet sind die Vereinigten Staaten von Amerika f\u00fcr weite Teile der europ\u00e4ischen Linken eigentlich ein wei\u00dfer Fleck auf der Landkarte; <em>terra incognita<\/em>, zu der die meisten trotzdem mancherlei zu sagen h\u00e4tten. Seien es Hamburger, Rock&#8217;n Roll, Bluejeans, Luftbr\u00fccke, Pershings, <em>&#8222;Wertegemeinschaft&#8220;<\/em>, <em>&#8222;Call-a-Pizza&#8220;<\/em> oder Jahrzehnte (wo nicht Jahrhunderte) blutiger Innen- und Au\u00dfenpolitik: Amerika ist \u00fcberall. Amerika ist nirgends.<\/p>\n<p>Selten erschien es in den vergangenen Jahrzehnten einmal notwendig, einen genaueren Blick auf die soziale und politische Wirklichkeit der letzten noch verbliebenen Gro\u00dfmacht zu werfen. Oder gar hinzufahren. Der neuerdings mit antideutscher Witterung selbst in keimfreisten Winkeln erschn\u00fcffelte <em>&#8222;Antiamerikanismus&#8220;<\/em> und die \u00fcber die Schlagzeilen von <em>BILD<\/em> und <em>Jungle World<\/em> flatternden <em>Stars and Stripes<\/em> der <em>&#8222;uneingeschr\u00e4nkten Solidarit\u00e4t&#8220;<\/em> nehmen sich wenig mit der plumpen und grobschl\u00e4chtigen Karikatur, die gelegentlich in einer kritischeren \u00d6ffentlichkeit ein <em>&#8222;Amerika-Bild&#8220;<\/em> vorstellen soll. Der Weg \u00fcber den Atlantik ist weit.<\/p>\n<p>Ungl\u00e4ubig rieb man sich die Augen, als w\u00e4hrend des haarstr\u00e4ubenden Debakels um die Pr\u00e4sidentschaftswahl herauskam, da\u00df in einem US-amerikanischen Bundesstaat gesetzlich verankert sei, bei wiederholtem Stimmenpatt solle die Wahl durch eine Pokerpartie beider Kontrahenten entschieden werden &#8211; und da\u00df sich niemand daran zu st\u00f6ren schien. W\u00e4ren die Vereinigten Staaten irgendein kleines zentralasiatisches oder afrikanisches Land, sie h\u00e4tten sich der Ethnologenflut kaum erwehren k\u00f6nnen. Kopfsch\u00fcttelnd liest man, wie US-amerikanische Linke und Bush-GegnerInnen in ihren Verlautbarungen zum <em>&#8222;Kampf gegen das Reich des B\u00f6sen&#8220;<\/em> aufrufen (diesmal freilich im eigenen Land mit Amtssitz Washington D.C.). Und es ist sicher kein Zufall, da\u00df ein Film wie Michael Moores <em>&#8222;Bowling for Columbine&#8220;<\/em> die Menschen scharenweise in die Kinos zieht. Man m\u00f6chte wissen, wie es <em>wirklich<\/em> zugeht auf der anderen Seite des Teichs.<\/p>\n<p>Und vor allem m\u00f6chten vermutlich nicht wenige erfahren, wer dieser <em>&#8222;texanische Dorftrottel&#8220;<\/em> ist, Parolen-Popanz der Friedensbewegung, kriegsl\u00fcsterner Gro\u00dfhenker mit kumpelhaftem L\u00e4cheln und F\u00e4usten in der Hosentasche, Retter der Menschheit vor Diktatoren und &#8222;Schurken&#8220;, der sympathische Mann, der Widerling, der Pr\u00e4sident der Vereinigten Staaten von Amerika George W. Bush.<\/p>\n<h3>Eine Pr\u00e4sidentenvita<\/h3>\n<p>Wer sich in Zukunft ein fundiertes, kritisches Urteil \u00fcber Pr\u00e4sident Bush, seinen Werdegang und seine Politik erlauben will, kommt um James H. Hatfields <em>&#8222;Das Bush- Imperium. Wie George W. Bush zum Pr\u00e4sidenten gemacht wurde&#8220;<\/em> nicht herum. Was mit diesem 427 Seiten starken Buch vorliegt, ist die erste und bislang einzige politische <em>&#8222;Bush-Biographie&#8220;<\/em> in deutscher Sprache; eine kritische Pr\u00e4sidentenvita, ein echtes Standartwerk. Das garstige Vorwort des ansonsten sehr achtenswerten Genfer Wirtschaftswissenschaflers Jean Ziegler, der vielsagend von den <em>&#8222;anonymen M\u00e4chten des globalen Finanzkapitals&#8220;<\/em> daherraunt, und das nicht minder tr\u00fcbselige Nachwort des US- amerikanischen Aktivisten und Verlegers David Cogswell, der George W. Bush st\u00e4ndig mit Adolf Hitler vergleichen mu\u00df, <em>Mein Kampf<\/em> zu einer Art Taschenratgeber f\u00fcr Bush in Sachen Populismus erkl\u00e4rt und etwa den Entscheid des Obersten Gerichtshofes, eine weitere Handausz\u00e4hlung der Stimmen im Pr\u00e4sidentschaftswahlkampf nicht zuzulassen, ein <em>&#8222;Erm\u00e4chtigungsgesetz&#8220;<\/em> schimpft, darf man getrost vergessen. Das Pikante an diesen beiden publizistischen Leibw\u00e4chtern eines ansonsten hervorragenden Buches ist, da\u00df sie eben jene Art des Politikmachens vorstellen, von der sich Hatfields Werk so wohltuend abhebt: eben <em>nicht<\/em> anonyme, unsichtbar-verschw\u00f6rerische Kr\u00e4fte sind am Werk. Hatfield hat es gar nicht n\u00f6tig, seine Sprache unsachlich hochzur\u00fcsten. Mit Brecht zu sprechen haben <em>&#8222;die M\u00e4chte<\/em> [&#8230;],<em> die <\/em>[uns] <em>schinden&#8220;<\/em> bei ihm alle <em>&#8222;Name, Anschrift und Gesicht&#8220;<\/em>. Wirksamer Widerstand besteht nicht selten in der couragierten Kunst, Namen zu nennen.<\/p>\n<p>Freilich begibt sich, wer Namen nennt, nicht selten in Gefahr.<\/p>\n<p>Hatfield hat seine bewundernswerte, akribische, gelegentlich fast \u00e4ngstlich genau dokumentierte Recherche (nicht nur) der \u00f6konomischen Verflechtungen des Bush-Clans mit der US- Wirtschaft und ihren Handlangern teuer bezahlt. Nachdem sein Buch unter dem Titel <em>&#8222;Fortunate Son&#8220;<\/em> im Oktober 1999 erstmals in den USA erschien, wurde er als Journalist kaltgestellt. In den finanziellen Ruin getrieben, nahm sich James H. Hatfield am 18. Juli 2001 das Leben.<\/p>\n<p><em>&#8222;Das Bush-Imperium&#8220;<\/em> erz\u00e4hlt das Leben des George W. Bush jr.- von seiner Geburt bis zu seiner &#8222;Wahl&#8220; zum Pr\u00e4sidenten der Vereinigten Staaten von Amerika. Wer Informationen zur aktuellen Situation, vor allem nach den Anschl\u00e4gen vom 11. September sucht, wird sich anderswo umtun m\u00fcssen. F\u00fcr eine genauere Kenntnis der Hintergr\u00fcnde aber, der <em>sozio-\u00f6konomischen Mechanismen<\/em>, die dazu f\u00fchrten, da\u00df ein politisch ahnungsloser, intellektuell bedenklich defizit\u00e4rer Kandidat erfolgreich gegen konturiertere und erfahrenere Konkurrenten ins Feld gef\u00fchrt werden konnte, ist Hatfields Buch unbedingt empfehlenswert. Hatfield bietet drei plausible Erkl\u00e4rungen f\u00fcr den Erfolg George W. Bushs, deren Zusammenwirken schon manche politische Karriere &#8211; keineswegs nur in den USA! &#8211; erm\u00f6glicht und gest\u00e4rkt hat: ein gro\u00dfer Name, v\u00f6lliger Mangel an politischer Statur und viel, viel Geld.<\/p>\n<h3>Probiers mal mit Gem\u00fctlichkeit<\/h3>\n<p>Denn eben das Gem\u00fctliche, das betont Unproblematische, das Politik<em>ferne<\/em> im Auftreten Bushs war es, was seine W\u00e4hlerinnen und W\u00e4hler f\u00fcr ihn einnahm und seine industriellen Unterst\u00fctzer um ihre Investitionen nicht bange werden lie\u00df. Seine Wahlversprechen waren <em>Valium<\/em>versprechen, eine Versicherung, man m\u00fcsse sich nicht sorgen, und ein gelegentlich kaum zu \u00fcbertreffender Fundus an leeren, pomp\u00f6sen Phrasen: <em>&#8222;Was ich der Bev\u00f6lkerung von Texas biete&#8220;<\/em>, t\u00f6nte er etwa im texanischen Gouverneurswahlkampf, <em>&#8222;ist eine auf die heutigen Verh\u00e4ltnisse zugeschnittene Revolution. Es handelt sich um eine Revolution der Hoffnung, der Ver\u00e4nderung und der Ideen&#8220;<\/em> (S.161). Wie genau man sich eine <em>&#8222;Revolution <\/em>[&#8230;] <em>der Ver\u00e4nderung&#8220;<\/em> vorzustellen habe, soll hier nicht interessieren. Interessant ist, da\u00df solche Phrasen wirksam wurden. Mit seinem vielleicht etwas tumben, nach Einsch\u00e4tzung selbst seiner Gegner aber echten und nat\u00fcrlichen Charme machte Bush im Wahlkampf aus Politik ein idyllisches Kaffeekr\u00e4nzchen. Seine Wahlreden dauerten im Schnitt nicht mehr als zehn Minuten: <em>&#8222;Bushs Wahlreden waren witzig, selbstironisch und angenehm kurz. Wenn er in den l\u00e4ndlichen Gebieten von Texas in Jeans und Cowboystiefeln auftrat, war sein texanischer Akzent breiter und volkst\u00fcmlicher, als wenn er in Nadelstreifen vor geschniegelten Unternehmern mit dicken Brieftaschen <\/em>[&#8230;]<em> sprach&#8220;<\/em> (S.297). Bush, geschult als Wahlkampfstratege in den Kampagnen seines Vaters, kannte die Regeln und Kniffe des politischen Gesch\u00e4fts. Manchmal bis zum Aberwitz hielt er die Fiktion des <em>&#8222;netten Jungen von Nebenan&#8220;<\/em> aufrecht: <em>&#8222;Bushs wohlkalkulierter, bodenst\u00e4ndiger Stil war immer sichtbar. Im Rangers- B\u00fcro <\/em>[Bush war eine zeitlang Miteigner des bekannten texanischen Baseball- Teams der Texas Rangers, Anm. MB]<em> trug er wiederholt ein paar Schuhe mit einem gro\u00dfen Loch, was seinen Kollegen Rusty Rose veranla\u00dfte, ihm f\u00fcr 120 Dollar Gucci- Mokassins zum Geburtstag zu schenken, die Bush prompt [&#8230;] gegen Bargeld umtauschte&#8220;<\/em> (S.124).<\/p>\n<p>Auch sein Name sorgte daf\u00fcr, da\u00df man sich im Stimmvolk nicht gar zu sehr nach den politischen Vorstellungen des Gouverneurskandidaten und nachmaligen Staatschefs umh\u00f6rte.<\/p>\n<p><em>&#8222;Seit die Kolonisten der ersten &#8218;dreizehn Staaten&#8216; sich 1776 von Gro\u00dfbritannien und seinem Monarchen K\u00f6nig George III lossagten, haben die Amerikaner trotz ihrer demokratischen Anspr\u00fcche periodisch versucht, politische Dynastien zu schaffen, die auf der famili\u00e4ren Herkunft beruhen. Immer wieder ging das US- amerikanische Wahlvolk davon aus, die aufeinander folgenden Generationen der Adams, Tafts, Roosevelts, Rockefellers und Kennedys h\u00e4tten &#8211; nicht viel anders als die Thronfolger in einer Monarchie &#8211; ein Recht auf die Macht und seien genetisch dazu bestimmt, ihr Land zu f\u00fchren&#8220; <\/em>(S.19).<\/p>\n<p>Als George W. Bush am 8. M\u00e4rz 1994 die <em>Primaries<\/em> f\u00fcr den Posten des texanischen Gouverneurs gewann &#8211; mit der historisch niedrigsten Wahlbeteiligung in der Geschichte von Texas, 17,5% (!) &#8211; ergaben Umfragen angesehener Tageszeitungen, da\u00df ein Gutteil der W\u00e4hlerinnen und W\u00e4hler der Meinung war, f\u00fcr Bushs Vater gestimmt zu haben, und nicht f\u00fcr den Sohn. Bushs Geldgeber st\u00f6rte das wenig. Auf der anschlie\u00dfenden Wahlkampfparty im Gouverneurssitz (gesch\u00e4tzte Kosten: 1,5 Mio. Dollar) war bereits ein Gutteil jener Firmen anwesend, die schon mit Bushs Vater gute Gesch\u00e4fte gemacht hatten. Man trank auf <em>&#8222;bessere Zeiten&#8220;<\/em>.<\/p>\n<h3>\u00d6lmann ohne \u00d6l<\/h3>\n<p>Charme und ein m\u00e4chtiger Vater allein gen\u00fcgen auch in <em>&#8222;Gods own country&#8220;<\/em> nicht f\u00fcr politische Karrieren. Man mu\u00df seinen Charme in Fernsehsendungen spielen lassen, seinen Namen von Titelseiten der Zeitungen herunterleuchten sehen. Dazu braucht es Geld. Gewisserma\u00dfen &#8222;hineingeboren&#8220; in ein Geflecht aus Spendenkan\u00e4len, guten Beziehungen und Filz, das sein Vater schon w\u00e4hrend seiner Zeit als Chef der CIA geflochten hatte, fehlte es George W. Bush nie an G\u00f6nnern, die bereitwillig seine diversen Projekte unterst\u00fctzten.<em> &#8222;Es gibt eine Beziehung zwischen Geld und Macht. Die Firmen mit den gro\u00dfen Namen, die <\/em>[&#8230;] <em>Bush unterst\u00fctzt haben, gingen nat\u00fcrlich davon aus, da\u00df sie eines Tages etwas f\u00fcr ihre Investition zur\u00fcckbekommen w\u00fcrden&#8220;<\/em> (S.94). Die verwickelten und beunruhigend weitreichenden Verbindungen Bushs zu praktisch der gesamten namhaften Industrie seines Bundesstaates (und weit \u00fcber diesen hinaus) sind das eigentlich Spektakul\u00e4re an Hatfields Buch. Noch <em>bevor<\/em> George W. Bush irgendwelche Anstalten machte, sich politisch zu bet\u00e4tigen, investierten Firmen wie Microsoft, Organisationen wie die 3,4 Millionen Mitglieder starke <em>National Rifle Association<\/em> (NRA) und Privatm\u00e4nner wie der Milliard\u00e4r Richard Rainwater oder Howard Simmons &#8211; gewi\u00df zun\u00e4chst mit Blick auf den Vater &#8211; betr\u00e4chtliche Summen in die noch ungewisse Zukunft des jungen George. George W. Bush, so k\u00f6nnte man Hatfields zentrale (und vielfach belegte) These zusammenfassen, wurde in Amt und W\u00fcrden <em>gekauft<\/em>.<\/p>\n<p>Denn an Eigenkapital hatte Bush, der sich zun\u00e4chst wie sein Vater im texanischen \u00d6lgesch\u00e4ft versuchte, so gut wie nichts vorzuweisen. Er war ein derart erfolgloser \u00d6lmann, der bohrte und bohrte und doch nichts fand, da\u00df seine 1977 gegr\u00fcndete Explorationsfirma <em>Arbusto Energy<\/em> (<em>Arbusto<\/em>, span. f\u00fcr &#8218;Busch&#8216;) bald den Spitznamen <em>&#8222;Ar- bust-o&#8220;<\/em> bekam, was in etwa soviel hei\u00dft wie: <em>&#8222;Ah! Pleite! Oh!&#8220;<\/em>. Da\u00df Bush seine Gesellschaft \u00fcberhaupt hatte gr\u00fcnden k\u00f6nnen, verdankte er nicht zuletzt James R. Bath, einem Flugzeugmakler und windigen Gesch\u00e4ftsmann mit guten Kontakten nach Saudi-Arabien. Beide hatten sich zuvor schon kennen gelernt: bei der <em>Texas Air National Guard<\/em>, einer in den siebziger Jahren besonders probaten M\u00f6glichkeit f\u00fcr Kinder reicher Texaner, den Schrecken des Vietnamkrieges zu entgehen. <em>&#8222;<\/em>[&#8230;] <em>Wenn man sich die Liste<\/em> [der Texas Air National Guard, Anm. JS] <em>ansieht, wird man neben George W. Bush viele S\u00f6hne aus politisch prominenten texanischen Familien sehen, die rein zuf\u00e4llig irgendwie in die Garde kamen &#8211; egal wie lang die Wartelisten waren&#8220;<\/em>, sagte ein ehemaliger Personaloffizier der 111. Abfangj\u00e4gerstaffel, bei der Bush diente (S.65).<\/p>\n<p>Bath investierte immerhin 50.000 Dollar in den gl\u00fccklosen Pr\u00e4sidentensohn. Er mu\u00dfte f\u00fcr diese Finanzspritze allerdings nicht sein Privatkonto schr\u00f6pfen. Die Transaktion lief \u00fcber die <em>Bank of Credit and Commerce International<\/em>, kurz BCCI; der bei scharfer Konkurrenz vermutlich \u00dcbelsten aller <em>&#8222;Betr\u00fcger &#8211; und Verbrecherbanken&#8220;<\/em> (US-Justizministerium).<\/p>\n<h3>BCCI, Bachrein und Zweiter Golfkrieg<\/h3>\n<p>Als die BCCI 1991 wegen Betr\u00fcgereien geschlossen wurde und man begann, die Akten der multinational agierenden Gro\u00dfbank durchzusehen, kam es zu einem der gr\u00f6\u00dften Bankenskandale der j\u00fcngeren US- amerikanischen Geschichte. Die BCCI hatte zu ihren Hochzeiten \u00fcber 400 Filialen in insgesamt 78 L\u00e4ndern unterhalten. Ihr Gesamtverm\u00f6gen belief sich auf 20 Milliarden US-Dollar. Es stellte sich nun heraus, da\u00df die BCCI an so ziemlich allen kriminellen Machenschaften beteiligt gewesen war, die man sich vorstellen konnte: Drogenhandel, Waffenkauf, Geldw\u00e4sche, Steuerbetrug&#8230; die Liste wurde l\u00e4nger und l\u00e4nger. James R. Bath stritt 1991 beharrlich jede Verbindung zur BCCI ab. Und auch Bush wollte von einer Verbindung seiner ehemaligen Bohrfirma zur <em>&#8222;Outlaw Bank&#8220;<\/em> nie etwas gewu\u00dft haben. Dabei beschr\u00e4nkten sich die Verbindungen von Bath und Bush zur BCCI keineswegs nur auf die Finanzierung von <em>Arbusto Energy<\/em>. 1989 war Bush zweitgr\u00f6\u00dfter Aktion\u00e4r der texanischen \u00d6lgesellschaft <em>Harken Energy<\/em> geworden &#8211; ohne auch nur ansatzweise gen\u00fcgend Geld zu besitzen, um sich derma\u00dfen in die lukrative Gesellschaft einzukaufen. Seine Versuche mit <em>Arbusto<\/em> waren ein jammervolles Debakel geblieben. Das Kaufkapital war Bush gro\u00dfz\u00fcgig und zinslos geliehen worden &#8211; von <em>Harken Energy<\/em>!<\/p>\n<p>Der vom Pech verfolgte \u00d6lsucher erhielt den Posten eines leitenden Managers mit einem Jahreseinkommen von 120.000 Dollar. Bushs ganze Aufgabe bei <em>Harken<\/em> bestand darin, nett zu sein, umherzugehen und seine Beziehungen spielen zu lassen. <em>&#8222;Es liegt auf der Hand, warum sie George Bush behielten&#8220;<\/em>, meinte der ehemalige Besitzer von <em>Harken Energy, <\/em>Paul Kubrick, <em>&#8222;Schon die blo\u00dfe Tatsache, da\u00df er dabei war, verlieh ihnen Glaubw\u00fcrdigkeit. Er ist schon allein daf\u00fcr hundertzwanzigtausend Dollar wert&#8220;<\/em> (S.133). Da\u00df sich diese Investition tats\u00e4chlich lohnen k\u00f6nnte, erfuhr <em>Harken<\/em>, als sich die Gesellschaft um den Zuschlag f\u00fcr die Bohrrechte vor der K\u00fcste des kleinen arabischen F\u00fcrstentums Bachrein bewarb, wo man gro\u00dfe \u00d6lvorkommen vermutete.<\/p>\n<p>Den Kontakt zu den politisch Verantwortlichen machte kein anderer als James R. Bath.<\/p>\n<p>Bath gute Kontakte zu reichen Saudis machten ihn zum perfekten Mann f\u00fcr die Aufgabe, seine arabischen Klienten, <em>Harken Energy<\/em> und die BCCI als Gro\u00dffinanzier an einen Tisch zu bekommen. Bath hatte den Grundstock seines Verm\u00f6gens keineswegs mit Flugzeugverkauf gelegt. Er war der Mittelsmann gewesen, um gewaltige Investitionen arabischer Gro\u00dfanleger in den USA mit seinem Namen zu &#8222;tarnen&#8220; und vor Steuer und Gesetzen zu bewahren. Zu seinen h\u00f6chst zufriedenen Kunden geh\u00f6rten Scheich Kalid bin Mahfouz, seines Zeichens Vorsitzender der gr\u00f6\u00dften Bank der arabischen Halbinsel, und ein gewisser Scheich Salim M. bin Laden, Eigner von <em>Bin Laden Brothers Construction<\/em>, der gr\u00f6\u00dften Baufirma des Nahen Ostens. Beide waren Gro\u00dfanleger der BCCI, und Bath seit 1976 deren Gesch\u00e4ftsbevollm\u00e4chtigter f\u00fcr Texas &#8211; zu einer Zeit also, als George W. Bushs Vater an der Spitze des US-amerikanischen Geheimdienstes stand. Ein Jahr sp\u00e4ter flossen die bereits erw\u00e4hnten 50.000 Dollar von der BCCI \u00fcber Bath auf Bushs Konto&#8230;<\/p>\n<p>14 Jahre sp\u00e4ter sorgte nun wiederum Bath gemeinsam mit Michael Ameen daf\u00fcr, da\u00df <em>Harken<\/em>, obwohl die Gesellschaft f\u00fcr <em>&#8222;Off-shore&#8220;<\/em>-Bohrungen dieser Gr\u00f6\u00dfenordnung keineswegs ger\u00fcstet war, vor kompetenteren Konkurrenten den Zuschlag f\u00fcr Bachrein bekam. Ameen war zu jener Zeit Berater im US- Au\u00dfenministerium unter Pr\u00e4sident Bush Senior, und auch der US-Botschafter von Bachrein hatte sein Sch\u00e4rflein beizutragen: <em>&#8222;der Botschafter <\/em>[hat] <em>seiner Meinung Ausdruck gegeben, nach der die Administration von Pr\u00e4sident Bush jedes \u00d6lgesch\u00e4ft, an dem der Sohn des Pr\u00e4sidenten beteiligt sei, mit Wohlgefallen betrachte&#8220; <\/em>(S.132-133).<\/p>\n<p>Das eigentlich Pikante der ganzen Affaire aber sollte erst noch folgen. Die Bohrungen vor Bachrein hatten kaum begonnen &#8211; man hoffte auf gewaltige Gewinne &#8211; als George W. Bush mit einem Mal seine <em>Harken<\/em>-Aktien abstie\u00df: mit sattem Gewinn, wie sich versteht. Kaum zwei Monate sp\u00e4ter marschierte die Irakische Armee in Kuwait ein, die Auftr\u00e4ge f\u00fcr <em>Harken<\/em> wurden storniert, es folgte der Zweite Golfkrieg. Die <em>Security and Exchange Comission<\/em> (SEC) strengte umgehend ein Verfahren gegen den Pr\u00e4sidentensohn an. Er stehe im Verdacht, aus politischen Insider-informationen pers\u00f6nlichen Nutzen gezogen zu haben. Das Verfahren wurde 1993 schlie\u00dflich eingestellt, <em>Harken<\/em> verlor Millionen bei ergebnislosen Bohrungen im arabischen Meer, und George W. Bush war ein reicher Mann &#8211; ohne auch nur einen Tropfen \u00d6l gefunden zu haben.<\/p>\n<h3>Der Kandidat des gro\u00dfen Geldes<\/h3>\n<p>Es ist nahezu unm\u00f6glich, die Flut von Fakten und Zusammenh\u00e4ngen, die Hatfields Buch zu bieten hat, auch nur ansatzweise vollst\u00e4ndig zu referieren. Neben den wirtschaftlichen Verwicklungen geht Hatfield ebenso auf die haarstr\u00e4ubende Politik Bushs als Gouverneur von Texas ein, seine skrupellosen Machenschaften im Wahlkampf, den Filz mit seinem Bruder Jeb (dem Gouverneur von Florida) w\u00e4hrend des Stimmengeschachers um die Pr\u00e4sidentschaftswahl.<\/p>\n<p>Hatfields Buch ist dabei keineswegs der Kritik enthoben. Fast widerwillig behandelt er die Tatsache, da\u00df George W. Bush mehr Todesurteile vollstrecken lie\u00df als ein ger\u00fcttelt Ma\u00df seiner Kollegen zusammengenommen; ganz so, als sei mit dieser Kritik in den Vereinigten Staaten weniger Staat zu machen als mit wiederholten Verweisen auf Bushs (\u00fcberwundene) Alkoholabh\u00e4ngigkeit. Und gelegentlich unterl\u00e4uft ihm, trotz aller M\u00fchen und Genauigkeit, der alte Biographenfehler, gar zu tief in die Haut des Anderen hineinzuschl\u00fcpfen. Aus einer sachlichen und faktengest\u00fctzten Vita wird dann gerne einmal ein tr\u00e4nentreibender Schundroman: <em>&#8222;Allein im Bad des Hotels, starrte Junior in den Spiegel und sah einen Mann mit wirrem Haar, verkrustetem Erbrochenem am Kinn und blutunterlaufenen Augen, die sich mit Tr\u00e4nen f\u00fcllten. Er fiel auf die Knie, brach in hemmungsloses Schluchzen aus und bat Gott, ihn zu retten, bevor er sich zu Tode trank. In diesem Augenblick schwor er sich, nie wieder einen Tropfen Alkohol zu sich zu nehmen&#8220; <\/em>(S.100). Von solchen (h\u00f6chst seltenen) Ausfl\u00fcgen in das Reich der Boulevardzeitungspublizistik &#8211; <em>&#8222;BILD sprach als Erste mit der Frikadelle!&#8220;<\/em> &#8211; abgesehen ist es eine ausgesprochene St\u00e4rke des Buches, da\u00df es, in Ton und Stil manchmal bis zum Ersticken gem\u00e4\u00dfigt, sich auch von jeglichem rei\u00dferischen Enth\u00fcllungsjournalismus fernh\u00e4lt.<\/p>\n<p>Fazit: <em>&#8222;Das Bush-Imperium&#8220;<\/em> ist eine \u00fcberaus erfreuliche, f\u00fcr die kommenden politischen Auseinandersetzungen vielleicht sogar vorbildliche Erscheinung auf dem B\u00fcchermarkt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Damit die Globalisierung funktioniert, d\u00fcrfen die Vereinigten Staaten nicht z\u00f6gern, als die unbesiegbare Weltsupermacht zu agieren, die sie sind. 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