{"id":5599,"date":"2003-06-01T00:00:25","date_gmt":"2003-05-31T22:00:25","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=5599"},"modified":"2022-07-26T14:15:12","modified_gmt":"2022-07-26T12:15:12","slug":"grundet-ein-zwei-viele-gewaltfreie-aktionsgruppen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2003\/06\/grundet-ein-zwei-viele-gewaltfreie-aktionsgruppen\/","title":{"rendered":"Gr\u00fcndet ein, zwei, viele Gewaltfreie Aktionsgruppen!"},"content":{"rendered":"<p>Seit 2001 rollen die Castor-Transporte nach Gorleben wieder, ebenfalls seit 2001 ist der Kampf gegen eine ungerechte Globalisierung Thema f\u00fcr viele, und nach dem 11. September, sp\u00e4testens aber mit dem Irak-Krieg, hat die Friedensbewegung ein Revival erlebt.<\/p>\n<h3>Die Situation<\/h3>\n<p>Eines ist beim R\u00fcckblick auff\u00e4llig: Bei all diesen Aktionen begegneten sich dieselben Menschen wieder.<\/p>\n<p>Zwar gibt es sicherlich auch einige Ein-Punkt-Engagierte, aber das Besondere der derzeitigen Protestgeneration (die nicht nur aus J\u00fcngeren besteht) ist sicherlich, dass sie in unterschiedlichsten politischen Auseinandersetzungen zu Hause ist, je nachdem, was gerade anf\u00e4llt. So waren viele im letzten November im Wendland, haben das Fr\u00fchjahr auf diversen Antikriegsaktionen verbracht und werden im Sommer nach Evian reisen, um gegen den G8-Gipfel zu demonstrieren.<\/p>\n<p>In allen drei Politikfeldern &#8211; Anti-Atom, Globalisierung, Frieden\/Antimilitarismus &#8211; gab und gibt es mehr oder weniger gelungene Ans\u00e4tze von massenhaftem Zivilen Ungehorsam. In Gorleben finden unter dem Motto &#8222;X-tausendmal quer&#8220; gro\u00dfe gewaltfreie Sitzblockaden der Castor-Strecke statt. Bei den Globalisierungs-Protesten versuchen tausende, die Veranstaltungen der M\u00e4chtigen zu st\u00f6ren. Gegen den Irak-Krieg hat u.a. die Kampagne &#8222;resist&#8220; gro\u00dfe Blockadeaktionen vor der Rhein-Main-Airbase und an anderen f\u00fcr die Kriegsunterst\u00fctzung wichtigen Orten organisiert.<\/p>\n<h3>Das Problem<\/h3>\n<p>Auff\u00e4llig ist bei all diesen Aktionen, dass die teilweise von weit her anreisenden AktivistInnen in ihrer Mehrheit denkbar schlecht vorbereitet sind. Immer wieder entsteht das Problem, dass ein ausgekl\u00fcgeltes Aktionskonzept nur unter gro\u00dfem Zeitdruck und mit immensen Schwierigkeiten kurz bevor es losgeht an die AktivistInnen vermittelt werden kann. Die meisten sind auch relativ unge\u00fcbt im Organisationsmodell von Bezugsgruppen und SprecherInnenrat, obwohl es darin in den letzten Jahren durchaus einige praktische Erfahrungen gab.<\/p>\n<p>Viele wunderbare Aktionsideen k\u00f6nnen unter diesen Voraussetzungen nicht umgesetzt werden. Ein Beispiel: Bei den Blockaden der US-Airbase in Frankfurt w\u00e4re es gut m\u00f6glich gewesen, alle wichtigen Tore mit vielen hundert Menschen zu blockieren.<\/p>\n<p>Weil sich aber nur wenige konkret in die Vorbereitung eingebracht haben und sich wenige bestehende Gruppen vorher koordiniert haben, waren am Haupttor immer 2.000 bis 3.000 Menschen und an den Nebentoren nur wenige Dutzend.<\/p>\n<p>Aber viele Menschen fahren noch alleine zu Aktionen, schlie\u00dfen sich erst kurzfristig einer Bezugsgruppe an und nach der Aktion f\u00e4llt die Bezugsgruppe wieder auseinander. Es gibt gl\u00fccklicherweise einige l\u00f6bliche Ausnahmen von wild zusammengew\u00fcrfelten \u00fcberregionalen Bezugsgruppen, die sich immer wieder bei Gro\u00dfaktionen treffen.<\/p>\n<p>Jede Gro\u00dfaktion Zivilen Ungehorsams kann effektiver und politisch erfolgreicher sein, wenn es einen gr\u00f6\u00dferen Kern von gutorganisierten Gruppen gibt. Damit w\u00fcrde auch einem weiteren Problem vorgebeugt: Je weniger sich an der Planung von Aktionen beteiligen und je weniger gut vorbereitet die AktivistInnen in die Aktion gehen, um so gr\u00f6\u00dfer ist die Gefahr von offenen oder verdeckten Hierarchien.<\/p>\n<p>Aber Ziviler Ungehorsam ist ungleich wirkungsvoller, wenn viele Menschen genau wissen, was sie wollen und sich untereinander absprechen, als wenn nur wenige wissen, was Sache ist und versuchen, dies vielen kurzfristig zu vermitteln.<\/p>\n<h3>Die Idee<\/h3>\n<p>Die Zeit scheint also reif f\u00fcr die Gr\u00fcndung und Vernetzung von Gewaltfreien Aktionsgruppen. Manche gibt es schon: Einige aus langer Tradition wie beispielsweise die Kieler Graswurzelgruppe; sowohl &#8222;resist&#8220; als auch &#8222;X-tausendmal quer&#8220; haben aktionsf\u00e4hige Regionalgruppen; rund um attac sind ebenfalls einige Aktionsgruppen entstanden. Diese Gruppen \u00fcberschneiden sich oft personell, sie verbindet vieles, denn sie sind politisch nicht eindimensional t\u00e4tig und sie haben sich klar f\u00fcr die gewaltfreie Aktion und den Zivilen Ungehorsam entschieden.<\/p>\n<p>F\u00fcr alle bisher Unorganisierten gilt: Gr\u00fcndet jetzt Gewaltfreie Aktionsgruppen! Es geht nicht darum, Mitglied einer Organisation zu werden, sondern kleine handlungsf\u00e4hige Einheiten zu bilden, die sich je nach Anlass entweder absprechen und zusammenarbeiten k\u00f6nnen oder auch ihren eigenen Weg gehen.<\/p>\n<p>Damit keine Missverst\u00e4ndnisse entstehen: Nicht eine neue F\u00f6GA ist das Ziel. Diese &#8222;F\u00f6deration Gewaltfreier Aktionsgruppen&#8220; war in den 80er und 90er Jahre organisierter Teil der Graswurzelbewegung. Jetzt ist eher NeGA angesagt, ein Netzwerk Gewaltfreier Aktionsgruppen, aber noch wichtiger als irgendeine Vernetzung ist es, dass \u00fcberhaupt wieder Aktionsgruppen entstehen. Zu tun wird es in n\u00e4chster Zeit genug geben: Sei es der G8 in Evian, die Inbetriebnahme des &#8222;Bombodrom&#8220; in Wittstock, die Lagerung von Atomwaffen in der Bundesrepublik, der Gorleben-Castor im Herbst oder der zu bef\u00fcrchtende n\u00e4chste Krieg, ob mit oder ohne deutsche Beteiligung.<\/p>\n<p>All diesen Herausforderungen k\u00f6nnen wir besser begegnen, wenn wir Aktionswilligen uns regional zusammenschlie\u00dfen, uns gr\u00fcndlich aktionsf\u00e4hig machen und uns dann mit anderen Gruppen, die ebenfalls aktiv werden wollen, vernetzen. Wer Unterst\u00fctzung beim Gruppenaufbau braucht, kann sich an die Trainingskollektive f\u00fcr Gewaltfreie Aktion wenden.<\/p>\n<p>Im Juni soll diese Idee auf zwei bundesweiten Treffen weitergesponnen werden. Am 14.\/15. Juni treffen sich einige aus dem Umfeld der resist-Kampagne in Minden, am 20.-22. Juni gibt es ein &#8222;X-tausendmal quer&#8220;-Treffen im Wendland. Wer am einen oder anderen teilnehmen m\u00f6chte, kann sich gerne an den Autor wenden (Adresse unten)<\/p>\n<p>Aber um selbst aktiv zu werden, braucht es nicht unbedingt bundesweiten Treffen. Wer bis hierher gelesen hat, kann zur Tat schreiten. \u00dcberlegt, wen Ihr in Eurem Umkreis ansprechen k\u00f6nnt, kommt zusammen, schmiedet Pl\u00e4ne und ladet zur Gr\u00fcndung der Gruppe ein.<\/p>\n<p>Ich will mit gutem Beispiel vorangehen. Wird doch Zeit, dass es auch im Wendland wieder eine Gewaltfreie Aktionsgruppe gibt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit 2001 rollen die Castor-Transporte nach Gorleben wieder, ebenfalls seit 2001 ist der Kampf gegen eine ungerechte Globalisierung Thema f\u00fcr viele, und nach dem 11. September, sp\u00e4testens aber mit dem Irak-Krieg, hat die Friedensbewegung ein Revival erlebt. Die Situation Eines ist beim R\u00fcckblick auff\u00e4llig: Bei all diesen Aktionen begegneten sich dieselben Menschen wieder. 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