{"id":5659,"date":"2003-10-01T00:00:26","date_gmt":"2003-09-30T22:00:26","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=5659"},"modified":"2022-07-26T13:11:50","modified_gmt":"2022-07-26T11:11:50","slug":"wir-sind-am-zug","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2003\/10\/wir-sind-am-zug\/","title":{"rendered":"Wir sind am Zug"},"content":{"rendered":"<p>Dieser Termin hat auch den Vorteil, dass selbst diejenigen, die zum Europ\u00e4ischen Sozialforum (ESF) nach Paris fahren wollen, vorher einige Tage im Wendland aktiv sein k\u00f6nnen. Das ESF beginnt erst am 12. November. Also entweder zum Auftaktwochenende ins Wendland und dann nach Paris, oder bis zum Tag X im Wendland bleiben und dann zum Abschlusswochenende mit gro\u00dfer Demo noch zum ESF.<\/p>\n<p>Dass die Reise zum Castor ins Wendland f\u00fcr viele wieder an Attraktivit\u00e4t gewonnen hat, ist vor allem der Besetzungsaktion Anfang September 840 Meter unter der Erde zu verdanken. 13 AktivistInnen harrten elf Stunden unter Tage aus, bis sie von der Polizei ger\u00e4umt wurden.<\/p>\n<p>Das Kuriose an dieser Aktion: In den Wochen davor gab es eine heftige Diskussion zwischen Polizei und Bundesamt f\u00fcr Strahlenschutz (BfS). Das BfS hatte die fest auf der Bergwerksmauer installierten Wasserwerfer abbauen lassen und die Polizei forderte deren Wiederinbetriebnahme, um das Bergwerksgel\u00e4nde vor \u00dcbergriffen von AtomkraftgegnerInnen zu sch\u00fctzen. Die 13 AktivistInnen hatten sich allerdings ganz offiziell als BesucherInnengruppe angemeldet und von den Bergwerks-Betreibern mit Sicherheitsschuhen, Overalls, Helmen, Grubenlampe und Sauerstoffger\u00e4ten (f\u00fcr den Notfall) ausger\u00fcstet.<\/p>\n<p>Trotzdem erkl\u00e4rte der nieders\u00e4chsische Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP) Bernhard Witthaut sinngem\u00e4\u00df, die Besetzung h\u00e4tte verhindert werden k\u00f6nnen, wenn die Wasserwerfer an der Au\u00dfenmauer des Bergwerks wieder installiert worden w\u00e4ren: &#8222;Wir haben vor solchen Aktionen gewarnt. Leider ist nichts geschehen.&#8220;<\/p>\n<p>Die AktivistInnen wurden hinterher aus der Anti-Atom-Bewegung f\u00fcr das gute Timing ihrer Aktion gew\u00fcrdigt, direkt nach der Sommerpause und als Einstieg zur hei\u00dfen Phase der Castor-Mobilisierung. Dabei war der Termin vom Bergwerk vorgegeben worden.<\/p>\n<p>Trotzdem hat es gepasst. Die Aktion hat gezeigt: Dem wendl\u00e4ndischen Widerstand f\u00e4llt trotz \u00dcberwachung, Kriminalisierung und Rekordeins\u00e4tzen der Polizei immer wieder etwas Neues ein, um den Atomikern ein Schnippchen zu schlagen.<\/p>\n<h3>Castor-Widerstand als Beitrag zur aktuellen Energiedebatte<\/h3>\n<p>Doch es gibt noch einen Faktor, der derzeit dazu beitr\u00e4gt, dass Thema Castor unter politischen aktiven Menschen wieder auf die Agenda zu bringen: Derzeit gibt es in Politik und Medien eine intensive Debatte \u00fcber die Energieversorgung der Zukunft. Der Kanzler trifft sich regelm\u00e4\u00dfig mit den Strombossen zu so genannten Energiegipfeln, um dar\u00fcber zu beraten, wie die in den n\u00e4chsten 20 Jahren aus Altersgr\u00fcnden abzuschaltenden Kraftwerke (hier geht es nicht in erster Linie um die AKWs) ersetzt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Gewaltige Investitionen stehen an, und die Entscheidungen dar\u00fcber werden derzeit vorbereitet.<\/p>\n<p>Teil dieser Debatte ist ein sehr offensives Vorgehen der Atomlobby. Vom Kanzler-Intimus und Gewerkschaftschef Hubertus Schmoldt \u00fcber die CDU-Vorsitzende Angela Merkel bis zum Boss des Atomstromkonzerns Vattenfall (Ex-HEW) Klaus Rauscher reicht die illustre Schar derjenigen, die sich in den letzten Wochen f\u00fcr eine Zukunft mit Atomkraft ausgesprochen haben.<\/p>\n<p>Damit keine Missverst\u00e4ndnisse aufkommen: Es geht bei dieser Debatte nicht um die bereits bestehenden AKWs, denn deren Betrieb ist ja durch den Atomkonsens zwischen rot-gr\u00fcn und den Konzernen bereits abgedeckt. Thema sind Neubauten, die irgendwann alte Kohlekraftwerke und Schrottreaktoren ersetzen sollen.<\/p>\n<p>So gesehen kann der Widerstand gegen den Castor zu einem bedeutenden Diskussionsbeitrag der Anti-Atom-Bewegung in dieser aktuellen Energiedebatte werden. Denn eines ist klar: Es geht zwar um Pl\u00e4ne f\u00fcr einen noch lang entfernten Zeitpunkt, aber die Entscheidungen fallen in den n\u00e4chsten Jahren. Umso wichtiger ist es, bereits jetzt klar und \u00f6ffentlich Position zu beziehen. Und was eignet sich dazu besser, als ein Castor-Transport, der der \u00d6ffentlichkeit noch einmal deutlich vor Augen f\u00fchrt, dass weder f\u00fcr den bisher erzeugten Atomm\u00fcll, noch f\u00fcr den in den Alt-AKWs in den n\u00e4chsten 20 Jahren zu produzierenden Atomm\u00fcll und schon gar nicht f\u00fcr die strahlenden Hinterlassenschaften zus\u00e4tzlicher Reaktoren eine verantwortbare Entsorgung existiert.<\/p>\n<h3>Was ist geplant?<\/h3>\n<p>Viele Gruppen, Initiativen und Einzelpersonen bereiten sich derzeit auf den Protest und Widerstand gegen den Castor-Transport nach Gorleben vor. Ideen werden geboren und ihre Umsetzung in Angriff genommen. Vieles ist derzeit noch nicht v\u00f6llig durchorganisiert, aber um einen \u00dcberblick zum derzeitigen Planungsstand zu geben, hier eine unvollst\u00e4ndige Aufz\u00e4hlung bisheriger Castor-Widerstands-Pl\u00e4ne.<\/p>\n<p>Aktuelle Infos unter <a href=\"http:\/\/www.castor.de\">www.castor.de<\/a> oder <a href=\"http:\/\/www.x1000malquer.de\">www.x1000malquer.de<\/a><\/p>\n<p><strong>Xmaschen:<\/strong> Immer wenn im September und Oktober ein Castor-Transport aus norddeutschen AKWs zu den WAAs in Frankreich oder Gro\u00dfbritannien rollt, treffen sich viele Menschen zu einer Mahnwache (und vielleicht mehr) in Maschen. Der Zusammenhang zwischen den Transporten ins Ausland und den Transporten nach Gorleben soll hier noch einmal demonstrativ deutlich gemacht werden. Infos unter 0160-91861925.<\/p>\n<p><strong>Castorelle Landpartie: <\/strong>Eine Idee, die noch mit Leben gef\u00fcllt werden muss: In den Wochen vor dem Transport wird in S\u00e4len, Scheunen und unter freiem Himmel entlang der Strecke mit Kunst und Kultur Stellung bezogen: Musik, Theater, Landschaftskunst, was auch immer. Wer Ideen dazu hat, melde sich bei der BI, Tel.: 05841-4684.<\/p>\n<p><strong>&#8222;Sch\u00f6nes Wochenende&#8220; am 25.10.<\/strong>: Bundesweit auf den Strecken der Bahn fahren \u00fcberall kleine Gruppen von AtomkraftgegerInnen und weisen in den Z\u00fcgen auf den bevorstehenden Castor-Transport hin. Infos auf <a href=\"http:\/\/www.wirsindamzug.de\">www.wirsindamzug.de<\/a><\/p>\n<p><strong>Schmuck:<\/strong> Es ist wieder an der Zeit, \u00fcberall im Land sichtbar zu machen, was wir von Castor und Konsorten halten: mit gro\u00dfen und kleinen Xen, mit Plakaten, Transparenten und was Euch alles einf\u00e4llt.<\/p>\n<p>Eine gro\u00dfe <strong>Sch\u00fclerInnendemo<\/strong> wird es am Freitag, den 7. November im Wendland geben. Auch dar\u00fcber hinaus planen die Sch\u00fclerInnen Aktionen, auch mit bundesweiter Beteiligung.<\/p>\n<p>Scheunen und H\u00e4user sollen der <strong>Unterbringung<\/strong> ausw\u00e4rtiger DemonstrantInnen dienen. Ein gr\u00f6\u00dferes Camp ist bisher nicht vorgesehen, weil sich die private Unterbringung in den letzten Jahren bew\u00e4hrt hat. Unterk\u00fcnfte wird es entlang der ganzen Strecke zwischen L\u00fcneburg und Gorleben geben. Schwerpunkte dabei sind L\u00fcneburg, G\u00f6hrde, Hitzacker, Dannenberg und die D\u00f6rfer an der Stra\u00dfenstrecke.<\/p>\n<p><strong>L\u00fcneburg<\/strong> wird wie im letzten Jahr ein Aktionsschwerpunkt sein. Mit einer Demonstration am Montag, <strong>10.11.<\/strong> beginnt dort die hei\u00dfe Phase des Widerstandes, danach wird es stetig und \u00fcberall im Stadtgebiet und auch an den Hauptstrecken bis zum Tag X Aktionen geben. Infos auf <a href=\"http:\/\/www.ligatomanlagen.de\">www.ligatomanlagen.de<\/a><\/p>\n<p><strong>Region aktiv<\/strong> nennt sich wieder das Konzept im Bereich G\u00f6hrde\/Metzingen. Dort arbeiten Gruppen von au\u00dferhalb mit dem widerst\u00e4ndigen Potential in der Region zusammen.<\/p>\n<p>Eine gro\u00dfe festliche <strong>Blockade mit Ankettaktion<\/strong> unter dem Motto <strong>&#8222;Festgesetzt&#8220;<\/strong> planen Leute aus dem Umfeld von X-tausendmal quer auf der Schiene zwischen L\u00fcneburg und Dannenberg.<\/p>\n<p>Diese Aktion ist f\u00fcr alle offen, damit es m\u00f6glichst viele werden. Allerdings sollen alle, die mitmachen wollen, sich in den Tagen vor Tag X gemeinsam vorbereiten, denn so eine Aktion ist ja kein Pappenstiel. Die konkrete Vorbereitung beginnt direkt nach der Auftaktkundgebung. Quartiere f\u00fcr die Leute, die bei &#8222;Festgesetzt&#8220; mitmachen wollen, wird es in Hitzacker geben. N\u00e4chstes offenes Planungstreffen: 2.-5. Oktober im Wendland. Mehr Infos auf <a href=\"http:\/\/www.x1000malquer.de\">www.x1000malquer.de<\/a><\/p>\n<p><strong>WiderSetzen<\/strong> plant eine gro\u00dfe Blockadeaktion mit m\u00f6glichst vielen Menschen aus Nah und Fern auf der Castor-Stra\u00dfenstrecke. Diese Aktion ist u.a. etwas f\u00fcr diejenigen, die bisher bei den gro\u00dfen Blockadeaktionen von X-tausendmal quer dabei waren und die nicht bei &#8222;Festgesetzt&#8220; mitmachen wollen. Infos auf <a href=\"http:\/\/www.widersetzen.de\">www.widersetzen.de<\/a><\/p>\n<p>Das sind noch l\u00e4ngst nicht alle Pl\u00e4ne. So wird es wieder Anlaufpunkte und Infopunkte geben.<\/p>\n<p>Wahrscheinlich findet auch wieder jeden Abend eine gro\u00dfe Kundgebung im Wendland statt. Die B\u00e4uerliche Notgemeinschaft denkt sich bestimmt auch noch was Sch\u00f6nes aus. Auch die Castor-Webcam wird es m\u00f6glicherweise wieder geben. Und vieles entsteht spontan wie immer.<\/p>\n<p>Wichtig zu wissen: Jede\/r findet in den Tagen zwischen Auftaktdemo und Tag X eigene M\u00f6glichkeiten des Widerstandes. Von der angemeldeten Mahnwache \u00fcber Gottesdienste, Kundgebungen, Eltern-Kind-Aktionen bis zu Aktionen auf der Castor-Strecke ist f\u00fcr alle was dabei.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Termin hat auch den Vorteil, dass selbst diejenigen, die zum Europ\u00e4ischen Sozialforum (ESF) nach Paris fahren wollen, vorher einige Tage im Wendland aktiv sein k\u00f6nnen. Das ESF beginnt erst am 12. November. 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