{"id":5679,"date":"2003-10-01T00:00:10","date_gmt":"2003-09-30T22:00:10","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=5679"},"modified":"2022-07-26T14:15:11","modified_gmt":"2022-07-26T12:15:11","slug":"den-schwarzen-faden-weiterspinnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2003\/10\/den-schwarzen-faden-weiterspinnen\/","title":{"rendered":"Den Schwarzen Faden weiterspinnen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Graswurzelrevolution: Wolfgang, Du bist Gr\u00fcndungsmitglied des <em>Schwarzen Fadens<\/em> und des <em>Trotzdemverlags<\/em>. Kannst Du bitte die Entstehungsgeschichte dieser anarchistischen Projekte skizzieren?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Wolfgang Haug<\/strong>: Es entwickelte sich aus der Sponti-Szene T\u00fcbingens. Vor dem repressiven Deutschen Herbst trafen sich zahlreiche StudentInnen in sogenannten &#8222;Berufsperspektive-AK&#8217;s&#8220;, in denen die normale Karriere in Frage gestellt und nach alternativen L\u00f6sungen gesucht wurde. Ziel der meisten Beteiligten war es dabei, alternative und selbstverwaltete Projekte zu gr\u00fcnden, in der Diskussion waren Freie Schulen, Theaterprojekte, selbstverwaltete Betriebe, Zeitungs- und Verlagsprojekte. Gegr\u00fcndet wurden z.B. die T\u00fcbinger Stadtzeitung T\u00dcTE, die Theatergruppe &#8222;Bruchb\u00fchne&#8220; und nach Vorarbeiten im Institut f\u00fcr Sozialgeschichte in Amsterdam im September 1978 der Trotzdem-Verlag. Der Name &#8222;trotzdem&#8220; war als Reaktion auf die Repressionsma\u00dfnahmen gegen die Linksradikalen zu verstehen, w\u00e4hrend sich viele nach der Schleyer-Ermordung und den Stammheim-Toten \u00e4ngstlich aus der Politik ins Private zur\u00fcckzogen, wollten wir bewusst ein Teil der bundesweiten Gegen\u00f6ffentlichkeit werden. Wir verstanden damals jedes selbstverwaltete Projekt als Teil eines Netzes, das \u00fcber Gegen\u00f6konomie und Gegen\u00f6ffentlichkeit eine gesellschaftliche Nische ausbaut, in der mensch leben und \u00fcberleben kann und im Lauf der Zeit auch in die Lage kommt, gesellschaftliche Ver\u00e4nderungen durchzusetzen.<\/p>\n<p>Der <em>Schwarze Faden<\/em> kann in diesem Sinn als notwendiger Schritt betrachtet werden; wir erkannten recht schnell, dass es \u00e4u\u00dferst schwierig ist, zeitnah mit B\u00fcchern politisch Einfluss zu nehmen. Der Ausweg lag in der Gr\u00fcndung einer \u00fcberregionalen Zeitschrift, die sich als Forum f\u00fcr anarchistische, herrschaftskritische Diskussionen verstand und die sich nicht auf eine bestimmte Ausrichtung des Anarchismus festlegte, wie beispielsweise die <em>Graswurzelrevolution<\/em> als Zeitschrift des gewaltfreien Anarchismus oder die <em>DA<\/em> als anarchosyndikalistische Zeitung. Wir waren uns andererseits bewusst, dass eine solche Zeitschrift nicht ausschlie\u00dflich aus T\u00fcbingen\/Reutlingen kommen durfte, deshalb begannen wir 1979 auf der Gegenbuchmesse in Frankfurt mit der Werbung bei den anderen anarchistischen Verlagen und bei den BesucherInnen.<\/p>\n<p>Es fanden sich Mitarbeiter aus dem Umfeld der <em>Graswurzelrevolution<\/em>, der <em>I-FAU<\/em> und dem Verlag <em>B\u00fcchse der Pandora<\/em>. Der <em>Winddruck-Verlag<\/em> in Siegen \u00fcbernahm den Druck der ersten Ausgaben. Wir schufen eine \u00fcberregionale Redaktion und der Trotzdem-Verlag \u00fcbernahm die Koordination und den Vertrieb, die Abobetreuung, kurz die Alltagsarbeit einer Zeitschrift. Der Name entstand in einer Frankfurter Kneipe, nach langen Diskussionen einigten wir uns, den schwarzen Faden spinnen zu wollen, in Anlehnung an den &#8222;roten Faden&#8220;, der sich durch alles zieht, wollten wir nun den schwarzen Faden entwickeln, der die Geschichte der K\u00e4mpfe um die Freiheit in Geschichte und Gegenwart, in Politik und Kultur verbreitet und f\u00f6rdert. Dies sollte allerdings nicht &#8222;verbissen&#8220; erfolgen, dazu hatten wir viel zu sehr das abschreckende Beispiel vieler K-Gruppen-Aktivisten vor Augen, deshalb w\u00e4hlten wir &#8211; frei nach Emma Goldman &#8211; sehr bald den Untertitel &#8222;F\u00fcr Lust und Freiheit&#8220;.<\/p>\n<p><strong>GWR: Du hast durch Deine unerm\u00fcdliche Arbeit einen gro\u00dfen Anteil an der Langlebigkeit und Entwicklung des <em>SF<\/em>. Beschreib bitte Deine Lebensgeschichte. Wie hast Du Dich politisiert? <\/strong><\/p>\n<p><strong>W.H.<\/strong>: Ich kann mich als &#8222;Kind der fr\u00fchen 70er Jahre&#8220; bezeichnen, 68 war vor meiner Zeit, aber die neuen Ideen, die Musik, der andere Lebensstil, das andere Aussehen etc. hatten inzwischen auch die Provinz erreicht. Wir besch\u00e4ftigten uns mit allen spirituellen und politischen Ideen und blieben schlie\u00dflich beim Anarchismus h\u00e4ngen.<\/p>\n<p>Kaum hatten wir den begriffen und f\u00fcr gut befunden, kam einer unserer Gruppe mit den f\u00fcr uns v\u00f6llig neuen Infos zum Anarchosyndikalismus an und stellte wieder alles auf den Kopf. Wir sahen dann im Anarchosyndikalismus eine Konzeption, wie eine freie Gesellschaft jenseits von Kapitalismus in Solidarit\u00e4t verwirklicht werden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Demzufolge gr\u00fcndeten wir eine Sch\u00fclerzeitschrift &#8222;ASSS&#8220; &#8211; das sollte hei\u00dfen &#8222;Anarcho-Syndikalistische Sch\u00fcler Sindelfingens&#8220;. Wir hatten nat\u00fcrlich keine Ahnung, wer ein solches Machwerk drucken k\u00f6nnte und schickten es an Horst Stowasser nach Wetzlar, von dem wir wussten, dass er anarchistische Brosch\u00fcren herausgab, die sein Bruder Klaus druckte. Als wir unsere erste Ausgabe zur\u00fcckerhielten, traf uns fast der Schlag, Horst hatte unser &#8222;zu braves&#8220; Titelbild ersetzt: Jetzt prangte eine Zeichnung vorne, auf der ein langhaariger Sch\u00fcler mit rauchender Knarre gerade seinen Rektor erschossen hatte!<\/p>\n<p>Wir waren dennoch mutig genug, das Ding verkaufen zu wollen, da wir aber f\u00fcr die R\u00fcckseite eine Parabel, frei nach George Orwells Farm der Tiere, vom &#8222;Oberschwein&#8220; verfasst hatten und sich jeder Rektor Sindelfingens damit getroffen f\u00fchlte, wurde unsere Ausgabe an allen Schulen Sindelfingens verboten, die Eltern wurden benachrichtigt etc. Nachdem wir die letzte Seite m\u00fchevoll Heft f\u00fcr Heft eingeschw\u00e4rzt hatten, verkauften wir die Ausgabe au\u00dferhalb des Schulgel\u00e4ndes.<\/p>\n<p>Trotzdem blieb es bei dieser einen Nummer und meine Zeitungsliebe konnte sich erst wieder an der Uni in T\u00fcbingen austoben, zun\u00e4chst als gew\u00e4hlter Sponti-Fachschaftsrat Germanistik im Bert-Brecht-Blatt, das von da an einen stark anarchistischen Touch erhielt, sp\u00e4ter in der monatlichen T\u00fcbinger Autonomen-Zeitschrift <em>Oh wie sch\u00f6n<\/em> und ab Mai 1980 dann im <em>Schwarzen Faden<\/em>.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich gab es viele weitere &#8222;politische Sozialisationspunkte&#8220;, die wichtigsten waren sicherlich Engagement in BI&#8217;s, die Anti-AKW-Bewegung und die damit verbundenen Demoerfahrungen (Brokdorf etc.), die ausgiebige Besch\u00e4ftigung mit Erich M\u00fchsams Person und Werk, das Berufsverbot wegen eines Artikels in der Nullnummer des Schwarzen Fadens, die Hausbesetzerbewegung, 1980 ein sechsmonatiger Aufenthalt in London, u.a. bei der Zeitschrift &#8222;Freedom&#8220;, bei den &#8222;Squatters&#8220;, wobei es erste handfeste Auseinandersetzungen mit Skins gab, von denen mensch in Deutschland bis dahin noch gar nichts geh\u00f6rt hatte, Freundschaften mit Gleichgesinnten und Altgenossen wie Augustin Souchy, Clara Thalmann, Dimitri Roussopoulos (Black Rose Verlag, Montr\u00e9al), Murray Bookchin, die Begegnung mit den Emigranten um die Zeitschrift <em>Dinge der Zeit<\/em> usw. usf.<\/p>\n<p><strong>GWR: Was machst Du heute?<\/strong><\/p>\n<p><strong>W.H.: <\/strong>Immer noch Verlagsarbeit, aber f\u00fcr die Reproduktion: vor allem Unterricht bei zahlreichen freien Tr\u00e4gern in Deutsch und Englisch, f\u00fcr Sch\u00fcler und Auszubildende von 17 bis 75 Jahren, f\u00fcr Sp\u00e4taussiedler und Ausl\u00e4nderInnen, alles bunt gemischt. Das schluckt nat\u00fcrlich unglaublich viel Zeit und Energie und ich bin froh, dass zahlreiche Verlagsaufgaben nun auf drei Schultern ruhen und nicht mehr nur auf meiner.<\/p>\n<p><strong>GWR: Im April 2001 wurde die Trotzdemverlagsgenossenschaft gegr\u00fcndet. Wie hat sich dieses libert\u00e4re Projekt seitdem entwickelt?<\/strong><\/p>\n<p><strong>W.H.: <\/strong>Nun, ich war anfangs sehr skeptisch, ich hatte gedacht, dass wir mit diesem Projekt 10 Jahre zu sp\u00e4t kommen, aber die Resonanz auf ein Rundschreiben an DirektkundInnen des Verlags war \u00fcberraschend zahlreich.<\/p>\n<p>Wenn auch leider nicht alle, die uns ermutigt haben, wirklich Mitglied geworden sind, haben wir doch begonnen als wir ca. 110 Mitglieder zusammen hatten. Unser Ziel ab 200 zu starten, haben wir revidiert, im Glauben, dass wenn es uns erst mal gibt, wir verl\u00e4sslich arbeiten, uns mehr Leute ihr Vertauen schenken und ihren Anteil von 250 Euro riskieren. Das hat sich nicht ganz best\u00e4tigt, wir haben derzeit 124 Mitglieder und kaum Zeit, die Genossenschaftswerbung zu intensivieren, damit mehr Menschen sich f\u00fcr eine Mitgliedschaft entscheiden k\u00f6nnen. Das hat nat\u00fcrlich zur Folge, dass auch die Genossenschaft finanziell nicht auf Rosen gebettet ist und st\u00e4ndig ums \u00dcberleben k\u00e4mpft. Wir d\u00fcrfen uns fast keine Fehlentscheidung leisten.<\/p>\n<p>Gut entwickelt hat sich unsere Arbeitsaufteilung. Nach anf\u00e4nglichen Schwierigkeiten haben sich die drei Vorst\u00e4nde besser und besser aufeinander eingestellt. Im Frankfurter B\u00fcro wird die \u00d6ffentlichkeitsarbeit gemacht, in Grafenau der Vertrieb an die DirektkundInnen, der Kontakt zu den Druckereien, dem Gros der AutorInnen und die inhaltliche Arbeit an B\u00fcchern, in Offenbach das Lektorat f\u00fcr die Neuerscheinungen und der Kontakt zu Satzbetrieben. Der Vertrieb an den Buchhandel wird seit Mai 2003 von der ALive-Gemeinschaftsauslieferung beim Schmetterling-Verlag in Stuttgart gemacht.<\/p>\n<p>An Buchtiteln konnte die Genossenschaft zwei aufwendige Titel produzieren, die ohne die Mitgliedsgelder nicht machbar gewesen w\u00e4ren: Mark Achbar&#8217;s Buch &#8222;Noam Chomsky-Wege zur intellektuellen Selbstverteidigung&#8220; und das BI-Buch zu den neuen Auseinandersetzungen um den Ausbau des Frankfurter Flughafens &#8222;Turbulenzen&#8220;. Leider hat &#8222;Turbulenzen&#8220; im Rhein-Main-Gebiet noch nicht die Resonanz gefunden, die wir uns erhoffen, daf\u00fcr hatten wir mit unserer Reaktion auf den 11.9. &#8222;Angriff auf die Freiheit?&#8220; gro\u00dfen Erfolg. Von diesem Titel konnten wir bereits \u00fcber 4000 Exemplare verkaufen und haben in der kurzen Zeit bereits drei Auflagen produziert. Nun hoffen wir, dass unsere beiden Israel\/Pal\u00e4stina-B\u00fccher (Connection e.V. (hg.) : Zwischen Terror und Krieg&#8220; und W. Haug (hg.): Chomsky\/Brass\/Zuckermann: &#8222;Friedensaussichten im Nahen Osten&#8220;, auf Interesse treffen.<\/p>\n<p><strong>GWR: Wie ist die finanzielle Situation der Genossenschaft?<\/strong><\/p>\n<p><strong>W.H.: <\/strong>Schwierig. Die Genossenschaft musste die Kredite des alten Verlags \u00fcbernehmen und auch mit den \u00fcberzogenen Konten weiterarbeiten. Das Geld der Mitglieder floss in neue Produktionen, so dass sich der Lagerbestand und das Angebot vergr\u00f6\u00dfert hat. 2001 machten wir ca. 13.000 Euro Verlust, 2002 nur noch 300 Euro. Insofern konsolidieren wird uns, aber noch sind wir weit davon entfernt, das Projekt als abgesichert zu bezeichnen. Wir brauchen letztlich doch die 200 Mitglieder, die wir im Vorfeld errechnet hatten.<\/p>\n<p><strong>GWR: Wie kann mensch Genossenschaftsmitglied werden?<\/strong><\/p>\n<p><strong>W.H.<\/strong>: Ganz einfach. Mensch schreibt uns nach Grafenau, bekommt einen Vertrag zugesandt, soweit vorhanden Infomaterial wie Verlagsprogramme, Protokolle der Sitzungen etc., \u00fcberweist uns 250 Euro als Einlage oder auch gern ein Vielfaches davon und wird j\u00e4hrlich zur Genossenschaftsversammlung eingeladen, bislang fanden diese in Frankfurt, Berlin und Mainz statt. Die GenossInnen erhalten alle B\u00fccher zu 30% Rabatt und sollte es den SF weiterhin geben, auch ein Freiabo des Fadens. Austreten kann mensch auch wieder, allerdings muss erst die Mitgliederversammlung im darauffolgenden Jahr in Kenntnis gesetzt werden, so dass die Einlage satzungsgem\u00e4\u00df erst danach zur\u00fcckbezahlt werden kann. Die Genossenschaftsmitgliederliste gegen\u00fcber der IHK und dem Pr\u00fcfungsverband f\u00fchren wir, d.h. es gibt im Gegensatz zur GMBH f\u00fcr niemand Beh\u00f6rdeng\u00e4nge.<\/p>\n<p><strong>GWR: &#8222;Angriff auf die Freiheit?&#8220; <\/strong><strong>((2))<\/strong><strong>, &#8222;Gefangen zwischen Terror und Krieg?&#8220;, &#8222;Friedensaussichten im Nahen Osten&#8220;, Noam Chomskys &#8222;politische \u00d6konomie der Menschenrechte&#8220; und &#8222;Wege zur intellektuellen Selbstverteidigung&#8220;,&#8230; alles gute und wichtige B\u00fccher, die in j\u00fcngster Zeit im Trotzdemverlag erschienen sind. Vernachl\u00e4ssigt Ihr das m.E. wichtigste Projekt des Verlags, den <em>SF<\/em>?<\/strong><\/p>\n<p><strong>W.H.:<\/strong> Eigentlich nicht, denn wir haben dem SF eine eigenst\u00e4ndige Organisationsstruktur gegeben und ihm einen gemeinn\u00fctzigen Verein f\u00fcr libert\u00e4re Bildungsarbeit als Basis verschafft. Spenden an den Faden k\u00f6nnen also steuerlich abgesetzt werden, Vereinsmitglieder k\u00f6nnten Veranstaltungsr\u00e4ume in jeder Stadt anmieten und so die Struktur des Fadens f\u00fcr sich lokal nutzen. Der Faden selbst hat \u00fcber die Abos noch immer genug Substanz um kostendeckend produziert zu werden, auch wenn der Wiederverkauf in Buchl\u00e4den und Infol\u00e4den seit 1990 immer st\u00e4rker r\u00fcckl\u00e4ufig war.<\/p>\n<p>Gleichzeitig mit dieser positiven Entwicklung, den Faden organisatorisch eigenst\u00e4ndig abzusichern, entstand jedoch eine schwierige Situation: alle alten Redakteure hatten aus den unterschiedlichsten Gr\u00fcnden keine Zeit mehr f\u00fcr diese zeitintensive, ehrenamtliche Arbeit. Neue Redakteure konnten nicht einspringen; diejenigen, die es vorhatten, waren selbst meist so sehr von eigenen Projekten in Anspruch genommen, dass nicht viel umsetzbar war.<\/p>\n<p><strong>GWR: Wie erkl\u00e4rst Du Dir die derzeitige Krise des <em>SF<\/em>?<\/strong><\/p>\n<p><strong>W.H.:<\/strong> Die Personaldecke derjenigen, die wirklich intensiv an einer Ausgabe gearbeitet hatten, war immer d\u00fcnn.<\/p>\n<p>Es gab zwar h\u00e4ufig gr\u00f6\u00dfere Redaktionsgruppen, auch Diskussionen im Vorfeld einer Ausgabe, und manch ein Artikel wurde auch von einzelnen Redakteuren angefragt, die AutorInnen betreut und das Ergebnis bearbeitet, aber unter dem Strich hing das Gros der Arbeit, der zeitlichen Planung und der Verantwortung meist an zwei oder drei Personen. Wenn davon zwei ausfallen, ist es nicht mehr aufzufangen.<\/p>\n<p><strong>GWR: <em>SF<\/em>, <em>DA<\/em> und <em>GWR<\/em> sind Bewegungsorgane, die durch ihr kontinuierliches Erscheinen das Klischee der Kurzlebigkeit anarchistischer Medien widerlegen. Sie k\u00f6nnen auf einen beachtlichen LeserInnenstamm verweisen und schlagen eine Br\u00fccke zwischen &#8222;alten&#8220; StammleserInnen und jungen AktivistInnen. Sie tragen zur Politisierung und Vernetzung vor allem libert\u00e4rer Bewegungen bei. Die L\u00fccke, die durch das Rei\u00dfen des <em>Schwarzen Fadens<\/em> f\u00fcr die libert\u00e4re Szene entstehen w\u00fcrde, k\u00f6nnte nicht gef\u00fcllt werden. Welche Ideen gibt es, den <em>Faden<\/em> weiterzuspinnen?<\/strong><\/p>\n<p><strong>W.H.<\/strong>: Eine wirklich weitgehende Dezentralisierung k\u00f6nnte das Projekt retten und eine weitere Erscheinungsweise m\u00f6glich machen. D.h. die viele Arbeit m\u00fcsste auf viele Schultern aufgeteilt werden, damit sie f\u00fcr alle leistbar wird. Das setzt wiederum eine hohe Verantwortlichkeit bei allen Beteiligten voraus. Wir brauchen eine Vertriebsgruppe, die zwei Tage lang, 4 mal im Jahr den Faden versendet und auch eine R\u00e4umlichkeit hat, in die 2000 Exemplare angeliefert werden k\u00f6nnen; diese Vertriebsgruppe m\u00fcsste den Faden auch vor Ort beim Postvertrieb neu anmelden, da wir in Stuttgart mangels regelm\u00e4\u00dfiger Einlieferungen aus dem Postvertrieb gek\u00fcndigt wurden; wir brauchen eine Abo-Betreuungsgruppe, die viermal im Jahr die Verl\u00e4ngerungsrechnungen und Buchladenrechnungen erstellt und vor dem Versand fristgerecht an die Vertriebsgruppe weiterreicht, die zus\u00e4tzlich Fragen von AbonnentInnen beantwortet; wir brauchen neue RedakteurInnen, die online diskutieren und Texte bearbeiten und diese an neue LayouterInnen weiterreichen, die am Bildschirm ein Layout erstellen k\u00f6nnen, das als PDF-Datei mit Titel und eingescannten Fotos an die Druckerei geschickt werden kann. Wir brauchen jemand, der die offenen Gelder anmahnt und das Konto im Blick beh\u00e4lt. All das k\u00f6nnte dezentral erledigt werden, wir haben eine gmx-Plattform f\u00fcr den Faden zur Kommunikation.<\/p>\n<p>F\u00fcr die neue Struktur haben sich bislang aus den Reihen der Genossenschaft zwei Genossen gemeldet: Wir haben nun einen Genossen aus der Schweiz, der das Mahnwesen \u00fcbernommen hat; wir haben eine Bereitschaftserkl\u00e4rung beim Layout mitzumachen und wir haben noch zwei von den Alten:<\/p>\n<p>Andi w\u00fcrde das Layout noch eine Weile anleiten und unterst\u00fctzen und ich w\u00fcrde die Redaktion einarbeiten und einige Zeit begleiten.<\/p>\n<p><strong>GWR: Eine Aufgabe der Trotzdemgenossenschaft ist es m.E. die viertelj\u00e4hrliche Erscheinungsweise des <em>SF<\/em> sicherzustellen. Da es nur mit ehrenamtlichen RedakteurInnen offenbar nicht mehr geht, w\u00e4re es sinnvoll, wenn die Genossenschaft neben dem Anwerben von ehrenamtlichen MitarbeiterInnen und RedakteurInnen eine\/n &#8222;Hauptamtliche\/n&#8220; w\u00e4hlen w\u00fcrde. DieseR k\u00f6nnte auf Honorarbasis arbeiten und sicherstellen, dass alle drei Monate ein Heft erscheint. Die Strukturen, die ein solches Konzept tragen k\u00f6nnten sind vorhanden: gemeinn\u00fctziger Verein, Abos, keine Schulden, Wiederverk\u00e4uferInnen und Buchl\u00e4den. Gibt es \u00dcberlegungen in diese Richtung?<\/strong><\/p>\n<p><strong>W.H.<\/strong>: Bislang nicht, das h\u00e4ngt am Konsolidierungsprozess der Genossenschaft selbst. Wenn wir gen\u00fcgend neue Mitglieder haben und die Resonanz auf unsere B\u00fccher positiv bleibt, k\u00f6nnte eine solche \u00dcberlegung realisierbar sein. Momentan sieht es aber so aus, als w\u00fcrde das Zeit kosten und diese Zeit l\u00e4uft dem Faden davon. Denn eine Abo-Kartei wird von Monat zu Monat nat\u00fcrlich weniger wert. Insofern m\u00fcssten die ehrenamtlichen Mitarbeiter dem Faden die Luft verschaffen, bis die Genossenschaft wieder aktiv unterst\u00fctzend eingreifen kann.<\/p>\n<p><strong>GWR: Herzlichen Dank.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Graswurzelrevolution: Wolfgang, Du bist Gr\u00fcndungsmitglied des Schwarzen Fadens und des Trotzdemverlags. Kannst Du bitte die Entstehungsgeschichte dieser anarchistischen Projekte skizzieren? Wolfgang Haug: Es entwickelte sich aus der Sponti-Szene T\u00fcbingens. Vor dem repressiven Deutschen Herbst trafen sich zahlreiche StudentInnen in sogenannten &#8222;Berufsperspektive-AK&#8217;s&#8220;, in denen die normale Karriere in Frage gestellt und nach alternativen L\u00f6sungen gesucht wurde. &hellip; <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2003\/10\/den-schwarzen-faden-weiterspinnen\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"slim_seo":{"title":"Den Schwarzen Faden weiterspinnen - graswurzelrevolution","description":"Graswurzelrevolution: Wolfgang, Du bist Gr\u00fcndungsmitglied des Schwarzen Fadens und des Trotzdemverlags . Kannst Du bitte die Entstehungsgeschichte dieser anarch"},"footnotes":""},"categories":[356,1042],"tags":[],"class_list":["post-5679","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-282-oktober-2003","category-ohne-chef-und-staat"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5679","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5679"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5679\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5679"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5679"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5679"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}