{"id":5720,"date":"2003-10-01T00:00:27","date_gmt":"2003-09-30T22:00:27","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=5720"},"modified":"2022-07-26T14:15:11","modified_gmt":"2022-07-26T12:15:11","slug":"adi-rasworschegg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2003\/10\/adi-rasworschegg\/","title":{"rendered":"Adi Rasworschegg"},"content":{"rendered":"<p>Die Nachricht von Adis Tod hat mich geschockt. Angesto\u00dfen durch seine pers\u00f6nlichen Briefe, die er 1998 als Reaktion auf B\u00fccher von mir geschrieben hatte &#8211; hatten wir seitdem einen lebendigen Briefwechsel, Buch- und Informationstausch gepflegt. Diskutiert haben wir schriftlich und telefonisch \u00fcber politische Entwicklungen, den T\u00fcrkei\/Kurdistan-Konflikt, \u00fcber den Anarchismus, &#8230;<\/p>\n<p>Ich habe meinen Brieffreund Adi ins Herz geschlossen. Er war bis zu seinem Tod als Graswurzelrevolution-Kontaktperson in Graz in jeder Ausgabe unserer Monatszeitung pr\u00e4sent und hat auch die t\u00fcrkisch-deutsche &#8222;Otk\u00f6k\u00fc&#8220; (t\u00fcrkisch: Graswurzel) in \u00d6sterreich verteilt\/verbreitet. Sein Engagement als Autor und Aktivist z.B. f\u00fcr die Pierre Ramus Gesellschaft, f\u00fcr die anarchosyndikalistische FAU\/\u00d6, f\u00fcr die Menschen (nicht nur) in Kurdistan,&#8230; waren nicht vergebens. Adis gro\u00dfe Lebensleistung wird nicht vergessen! Bis zu seinem Tod ist er den Idealen des Anarchismus treu geblieben. <em>&#8222;Freiheit, Sittlichkeit, Moral und W\u00fcrde des Menschen bestehen darin, dass er das Gute und Rechte tut, nicht, weil es befohlen wird, sondern weil er es begehrt und will.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Dieses Zitat Michael Bakunins, das sich auf Adis Homepage (<a href=\"http:\/\/www.rasworschegg-adir.at.tf\/\">http:\/\/www.rasworschegg-adir.at.tf\/<\/a>) findet, war eine Lebensmaxime auch f\u00fcr unseren Genossen Adi Rasworschegg.<\/p>\n<p>Adi ist nicht tot. Sein Traum von einer herrschaftsfreien Gesellschaft, seine menschenfreundlichen, libert\u00e4ren Ideen, leben weiter, in uns.<\/p>\n<p><strong>Bernd Dr\u00fccke (Koordinationsredakteur der Graswurzelrevolution)<\/strong><\/p>\n<p><strong>Anstelle eines l\u00e4ngeren Nachrufes ver\u00f6ffentlichen wir hier Ausz\u00fcge aus Adis Biographie.<\/strong><\/p>\n<h3>Meine politische Biographie<\/h3>\n<p>Mein politisches Suchen begann erst einige Jahre nach meiner R\u00fcckkehr nach \u00d6sterreich &#8211; nach dem (&#8230;) Erwachen aus der &#8222;Gehirnw\u00e4sche&#8220; des Nazi-Regimes und der sp\u00e4ten Erkenntnis all der Grausamkeiten und Verbrechen. Es war mir klar geworden, dass f\u00fcr mich in Zukunft nur mehr eine sozialistische Ausrichtung in Frage kommt. &#8222;Politische&#8220; Experimente, Entt\u00e4uschungen und Fragestellungen am Anfang, verbunden mit daraus entstandenen Schwierigkeiten von &#8222;beh\u00f6rdlicher&#8220; Seite (&#8230;), waren die ersten &#8222;Erfolge&#8220; meiner Suche nach politischer Glaubw\u00fcrdigkeit!<\/p>\n<p>1960 trat ich der KP\u00d6 bei, in der Hoffnung, in einer (damals) ziemlich machtvollen Partei eine politische Heimat zu finden. Was ich aber fand, war: Ein Zentralismus, der zum h\u00f6chsten Wert erhoben wurde, Machtstreben und eine totale politische Ausrichtung im Sinne Moskaus.<\/p>\n<p>Auch der Umgang zwischen den &#8222;Vorgesetzten&#8220; und der Basis war mit meinem Solidarit\u00e4tsbegriff unvereinbar! All dies verst\u00e4rkte meine &#8222;Aufm\u00fcpfigkeit&#8220; und meine Bereitschaft zum Widerspruch! Dies f\u00fchrte zwangsweise zu unangenehmen Auftritten zwischen mir und den sog. &#8222;Machern&#8220; der Partei. Die Haltung der Partei war f\u00fcr mich schon 1956 inakzeptabel, beim Volksaufstand in Ungarn unter dem sp\u00e4teren, in die Knie gezwungenen Ministerpr\u00e4sidenten Janos Kadar und ebenso 1968 in der Tschechoslowakei beim sog. &#8222;Prager Fr\u00fchling&#8220; unter Alexander Dubcek. Jeder Versuch, nur das kleinste Demokratisierungsprogramm zu verwirklichen oder eine bescheidene Liberalisierung herbeizuf\u00fchren, wurde als Verrat gewertet. 1968, als die sowjetischen Streitkr\u00e4fte, wie zuvor in Ungarn, in der Tschechoslowakei einmarschierten, um &#8222;Ordnung&#8220; zu schaffen, war f\u00fcr mich die Zeit reif, meine Mitgliedschaft in der KP zu beenden.<\/p>\n<p>Die Ereignisse rund um die sog. &#8222;68-er-Bewegung&#8220;, die sich schon 1965 in den USA abgezeichnet hatten und dann auch in Europa stattfanden, konnte ich noch mit Genugtuung verfolgen, leider aber nicht die sp\u00e4rlichen politischen (!) Ereignisse in \u00d6sterreich. Ich war damals in Moskau beim Bau der \u00d6sterreichischen Botschaft besch\u00e4ftigt und kam nur einmal kurz nach Wien.<\/p>\n<p>Dass die Sechzigerjahre eine Zeit des Umbruchs werden w\u00fcrden, hatte sich abgezeichnet: Angefangen mit der Kuba &#8211; Krise (1961), die &#8222;Springer-Aff\u00e4re&#8220;, die Aufnahme der Notstandsgesetze in die Verfassung der BRD, der Besuch des Schah von Persien, Reza Pahlavi in Deutschland, die breiten Proteste gegen den Vietnamkrieg, die &#8222;Liquidierung&#8220; des &#8222;Prager Fr\u00fchlings&#8220;, bis hin zum Pariser Aufstand und damit auch die zunehmende Radikalisierung der Student\/innen &#8211; Bewegung in Frankreich und Deutschland, als deren Protagonist Daniel Cohn-Bendit angesehen wird (zumindest hatte er die franz\u00f6sische und deutsche Student\/innen &#8211; Bewegung beeinflusst). Weiter die Entstehung der sog. &#8222;Au\u00dferparlamentarischen Opposition&#8220; (APO), nach den USA auch in Deutschland und zaghaft sogar in \u00d6sterreich, die Oster- und Friedensm\u00e4rsche, Proteste gegen Rassendiskriminierung, besonders in den USA, die Ermordung des Menschenrechtsaktivisten Martin Luther King und die Entstehung der &#8222;Hippie-Bewegung&#8220; mit ihrem Slogan &#8222;make love, not war!&#8220; (&#8230;) Diese Radikalisierung f\u00fchrte aber auch zum Attentat auf Rudi Dutschke und zum Mord an Benno Ohnesorg in Deutschland und Ernst Kirchweger in \u00d6sterreich. Dieser politische Umbruch hatte (&#8230;) weltweit vielf\u00e4ltige politische, soziale und kulturelle Spuren hinterlassen: Student\/innen &#8211; Revolten, Demonstrationen gegen die postkolonialen Strukturen des modernen Kapitalismus und die anerzogene Konsumabh\u00e4ngigkeit, die kritische Auseinandersetzung mit sozialen und politischen Entwicklungen, die Frauenbewegung, die &#8222;Sexuelle Befreiung&#8220;, das langsame Umdenken in der Erziehung &#8230;<\/p>\n<h3>Was ist davon geblieben und was wurde erreicht?<\/h3>\n<p>Insgesamt ist die &#8222;68er-Bewegung&#8220; als breit angelegter Wandel des gesamten Politik- und Demokratieverst\u00e4ndnisses zu werten. Sie brachte (&#8230;) Reformen im sozialen, kulturellen und politischen Leben. Sie brachte die zunehmende Politisierung des t\u00e4glichen Lebens mit sich (&#8230;) Leider wurden aber die guten Ans\u00e4tze l\u00e4ngst &#8222;zugesch\u00fcttet&#8220;, verblieben ist die Erinnerung und ein Hauch von Erkennen des Wahnsinns unserer Zeit und der verlorenen Chancen! Die &#8222;Hauptdarsteller\/innen&#8220; dieser Bewegung sa\u00dfen bald an den Futtertr\u00f6gen des Kapitals oder in der Politik als j\u00e4mmerliche &#8222;Staatsdiener\/innen&#8220; und Ja &#8211; Sager! Ihr damaliges Engagement bezeichnen sie heute fast abwertend als &#8222;jugendliches Aufbegehren&#8220; und als &#8222;Spa\u00df&#8220; an den damaligen Aktionen. (&#8230;)<\/p>\n<p>Dieses Aufbegehren, dieses Aufbrechen von Emotionen und verborgenen Sehns\u00fcchten hat mich tief bewegt und nachdenklich gemacht! Erweitert durch das gr\u00f6\u00dfer werdende Angebot an guter Literatur \u00fcber den Anarchismus und dessen Klassiker, formte sich in mir immer mehr das Interesse f\u00fcr den Anarchismus. Endlich kam ich meinen politischen Visionen, Vorstellungen und (&#8230;) Wertevorstellungen n\u00e4her. (&#8230;) die &#8222;68er-Bewegung&#8220; war mein Einstieg in den Anarchismus. (&#8230;) Ich bin Anarchist, Punktum! Anarchismus hei\u00dft f\u00fcr mich vor allem: Herrschaftslosigkeit, Freiheitsliebe, Gleichheit, Dezentralisation, gegenseitige Hilfe, direkte Aktionen, freie Liebe und Selbstbestimmung; aber auch: Verantwortung \u00fcbernehmen f\u00fcr sein eigenes Tun und Lassen!<\/p>\n<h3>&#8222;Ist das Prinzip, die anderen so zu behandeln, wie man selbst behandelt werden m\u00f6chte nicht identisch mit dem Gleichheitsprinzip dem grundlegenden Prinzip der Anarchie?&#8220; (Peter Kropotkin)<\/h3>\n<p>Den Einstieg zu finden und auch &#8222;Gleichgesinnte&#8220;, war zur damaligen Zeit nicht einfach. Es existierte noch keine &#8222;anarchistische Szene&#8220; in Wien au\u00dfer, Reste eines bis ca. 1966 bestehenden Herausgeber-Kollektivs des &#8222;Antimilitaristen&#8220; mit L.E.. In den kommenden Jahren machte ich die Bekanntschaft von J.V., welcher in einem &#8222;Anarchistischen Zirkel&#8220; der Wiener &#8222;Philosophischen Gesellschaft&#8220; Vortr\u00e4ge \u00fcber den Anarchismus und seine Klassiker hielt. In diesem Zirkel lernte ich dann noch fl\u00fcchtig K.B. kennen, der zum bereits 1969 eingestellten Zeitungsprojekt &#8222;Neue Generation&#8220; geh\u00f6rte und die beiden &#8222;Altanarchisten&#8220; O.L. und P.<\/p>\n<p>Mitte der 1970er Jahre begannen f\u00fcr mich wirklich interessante Entwicklungen! Begonnen haben diese im so genannten &#8222;hei\u00dfen Sommer&#8220; 1976 in Wien, mit der Besetzung des Ausland &#8211; Schlachthof in St. Marx und der Entstehung der &#8222;Arenabewegung&#8220;. Die besetzte &#8222;ARENA&#8220; war erstmals zu einem Ort geworden, an dem sich in \u00d6sterreich auf breiter Basis das formierte, was dann bald zu B\u00fcrger\/innen- bzw. Basis -Initiativen wurde. Bis zum Herbst 1976 &#8211; dem Auszug aus der &#8222;alten&#8220; Arena &#8211; entstanden au\u00dfer den diversen Basisgruppen das Zeitungsprojekt &#8222;Arena-Stadtzeitung&#8220; und die provisorische Gr\u00fcndung einer &#8222;Freien Universit\u00e4t St. Marx&#8220;.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter lernte ich in meiner Heimatstadt Graz &#8211; paradoxerweise \u00fcber Deutschland &#8211; R.M. kennen, einen heute bekannten Publizisten und Historiker der anarchistischen Bewegung in \u00d6sterreich und durch ihn auch F.G., den Herausgeber der &#8222;Befreiung&#8220;, der zu dieser Zeit einzigen anarchistischen Zeitschrift in \u00d6sterreich, sowie seinen Freundeskreis. Bald darauf \u00fcberst\u00fcrzten sich die Ereignisse und endlich begann auch in \u00d6sterreich (&#8230;) ein Neubeginn anarchistischer Ans\u00e4tze:<\/p>\n<p>1979 wurde von P.ST. die &#8222;Libert\u00e9&#8220; (sp\u00e4ter: &#8222;Monte Verita&#8220;) gegr\u00fcndet. Einige Zeit sp\u00e4ter, nach kurzer Mitarbeit beim &#8222;R\u00e4te-Bund&#8220;, wurde ich 1980 Mitbegr\u00fcnder des Vereins &#8222;Genossenschaft der Gleichen&#8220;. Nach Aufl\u00f6sung dieses Vereins in der 2. Vereinsperiode (weil niemand Vorstandsverantwortungen \u00fcbernehmen wollte), arbeitete ich in der &#8222;Libert\u00e9&#8220; mit und war 1984 Obmann im Zeitungsprojekt &#8222;Freunde der Zeitung Libert\u00e9&#8220;. 1982 arbeitete ich beim (Sozial) &#8211; Projekt &#8222;Gassergasse&#8220; mit, vorerst als &#8222;Streetworker&#8220;, sp\u00e4ter als Mitarbeiter (bis zum bitteren Ende) im &#8222;ESL-Schulprojekt&#8220;, dazu noch in der Rechtshilfe im &#8222;Rotstilzchen&#8220;, in der &#8222;Burggartenbewegung&#8220; und dazu kam noch ein kurzes Engagement bei der &#8222;Alternativen Liste Wien&#8220; (ALW) und beim Zeitungsprojekt &#8222;Wurzelwerk&#8220; in N.\u00d6.. 1983 war ich Mitbegr\u00fcnder der &#8222;Anarchistischen F\u00f6deration &#8211; IIAF&#8220; mit der Zeitschrift &#8222;Anal&#8220; und schlie\u00dflich auch Mitherausgeber der Zeitschrift &#8222;AND&#8220; (Anarchistischer Nachrichten &#8211; Dienst&#8220;). (&#8230;) gleichzeitig baute ich mir auch gute Kontakte im Ausland auf: So z.B. mit der &#8222;CNT &#8211; Alicante&#8220; (wo ein \u00d6sterreicher langj\u00e4hriges Mitglied ist) und mit der &#8222;CNT &#8211; Barcelona&#8220;, mit der &#8222;SAC&#8220; in Schweden, den &#8222;Wobblies&#8220; in Toronto, besonders aber mit der FAU in Deutschland, sowie mit verschiedenen Gruppen in Holland, Italien, T\u00fcrkei, der Schweiz und in osteurop\u00e4ischen L\u00e4ndern.<\/p>\n<p>Leider vers\u00e4umte ich das &#8222;VENEZIA &#8211; 1984&#8220;, dass bis dahin gr\u00f6\u00dfte Treffen anarchistischer Gruppen in Italien, da ich zu dieser Zeit leider im Spital lag!<\/p>\n<p>In den 1990er Jahren kam f\u00fcr mich die Wende. 1991\/1992 hielt ich mich sporadisch in der Buchhandlung &#8222;Monte Verita&#8220; auf und sp\u00e4ter beim Lokalnachfolger &#8222;RBH&#8220;, die f\u00fcr mich &#8211; trotz verschiedener inhaltlicher Kontroversen und gravierender Meinungsunterschiede, die damals einzige, ernsthaft arbeitende anarchistische Gruppe in Wien war.<\/p>\n<p>Bald darauf (1992), wurde anl\u00e4sslich des 50ten Todesjahres von Pierre Ramus, die &#8222;Pierre &#8211; Ramus &#8211; Gesellschaft&#8220; ins Leben gerufen und ich dabei in den Vorstand. Ich besuchte in dieser Zeit auch die &#8222;Libert\u00e4ren Tage&#8220; in Frankfurt und sp\u00e4ter die 10-t\u00e4gige Veranstaltung &#8222;Anarchy in the UK&#8220; in London und gr\u00fcndete anschlie\u00dfend die &#8222;FAU &#8211; \u00d6sterreich&#8220;. 1993\/94. Etwa zur selben Zeit organisierte ich den &#8222;Pfingstkongress der FAU\/IAA&#8220; in Wien. Anschlie\u00dfend versuchte ich abermals, eine so notwendige Vernetzung anarchistischer Gruppen zu initiieren und zwar durch die Ausrichtung der &#8222;Libert\u00e4ren Tage&#8220; in Wien, gemeinsam mit dem RBH u.a.. 1996 nahm ich als Delegierter aus \u00d6sterreich am IAA-Kongress in Madrid teil und dazu noch die diversen, j\u00e4hrlichen &#8222;Ost-West-Treffen&#8220; in Berlin, Prag, Litovel, Gy\u00f6r u.a.. (..) Meine vielen Versuche, auch in \u00d6sterreich eine F\u00f6deration bzw. ein stabiles &#8222;anarchistisches Netzwerk&#8220; (&#8230;) auf die Beine zu stellen (&#8230;) schlugen leider fehl! (&#8230;)<\/p>\n<p>Seit Beginn der 1990er Jahre besch\u00e4ftigte ich mich auch mit dem sog. &#8222;Kurdenproblem&#8220; und damit auch mit den Kurd\/innen (&#8230;) und der Realisierung eines Frauenhausprojektes in Nieder\u00f6sterreich (&#8230;) Ich hatte mich nach Misserfolgen und Unverst\u00e4ndnis bei vielen Mitgliedern, was Anarchismus sein sollte entschlossen, die FAU\/\u00d6 (sie hatte gerade noch 4, manchmal 7 Mitglieder) auslaufen zu lassen. Mein Versuch eine wirklich syndikalistische Gruppe, mit sozialer Ausrichtung und anarchistischer Pr\u00e4gung zu gestalten war fehlgeschlagen. Eine Gruppe in der nur von Sozialismus, von gegenseitiger Hilfe, freier Liebe, Solidarit\u00e4t und Gleichheit theoretisiert und dar\u00fcber nur &#8222;palavert&#8220; wird, ohne diese doch logischen anarchistischen Grundprinzipien in die Tat umzusetzen (&#8230;) ist nicht meine Vorstellung von Anarchismus!<\/p>\n<p>Ich wollte und will nicht, dass der Anarchismus nur zum Diskussionsbeitrag oder zum billigen Aktionismus verkommt, oder, wie in \u00d6sterreich, lediglich auf &#8222;Haiderjagd&#8220; geht und 3. &#8222;0ppositionspartei&#8220; wird und dabei die anarchistischen Grunds\u00e4tze verliert! (&#8230;) Ich verblieb nun nur mehr in der &#8222;Pierre &#8211; Ramus &#8211; Gesellschaft&#8220; und in unserem Buch- und Verlags &#8211; Projekt &#8222;Wilde Mischung&#8220;. (&#8230;)<\/p>\n<p>Anarchist bin ich und werde auch immer Anarchist bleiben, egal wie alt ich werde. Mit dem Staat und seinen Parteien, Regierung usw. verbindet mich nichts &#8211; au\u00dfer mein \u00d6sterreichischer Reisepass!<\/p>\n<h3>Aktualisierung:<\/h3>\n<p>Heute (2003) (&#8230;) hat sich leider (&#8230;) best\u00e4tigt, dass meine Aussage \u00fcber den Stand und \u00fcber die Aktionen unserer anarchistischen Gruppen seit Beginn der 90er Jahre richtig waren. Nicht nur die so genannte radikale &#8222;Linke&#8220;, die Antifa-Gruppen, Autonome und in besonderer Weise auch alle unserer sp\u00e4rlichen anarchistischen Gruppen, haben sich von der SP\u00d6, den Gr\u00fcnen, von den Gewerkschaften u.a. zur &#8222;Haiderjagd&#8220; &#8211; im guten Glauben der Richtigkeit ihres Engagements &#8211; vor ihren Propagandawagen spannen lassen, weil es zu dieser Zeit zur politischen Situation passte und &#8222;en vogue&#8220; war. Auch ich war keine Ausnahme und ging bei vielen Demos und Aktionen mit, (&#8230;) \u00fcberzeugt, dass Haider ein Lump und wegen seiner politischen Raffinesse auch gef\u00e4hrlich ist.<\/p>\n<p>Heute, gut 10 Jahre sp\u00e4ter, ist wieder alles anders! &#8222;Jeder M\u00f6rder wird nach 15 Jahren Haft begnadigt, warum soll man nicht endlich auch Haider wieder rehabilitieren und nicht mehr ausgrenzen&#8220; meinte unl\u00e4ngst in einem TV-Interview Hr. Broukal (ex TV-Moderator und jetziger Wissenschaftssprecher der SP\u00d6)! Alles ist wieder vergessen und anders geworden, Haider wird von den SP\u00d6 &#8211; Granden eingeladen, Haiders H\u00e4nde werden wieder ringsum gesch\u00fcttelt, er beteiligt sich wieder an allen politischen Auseinandersetzungen, wird freundlichst vom Bundespr\u00e4sidenten begr\u00fc\u00dft und sogar als Koalitionspartner der SP\u00d6 in einer neuen Regierungsform gehandelt, kurz gesagt: Haider ist wieder der &#8222;klasse Bursch&#8220; und alles Gewesene ist vergeben und vergessen! Er kann sogar Vizekanzler ohne Einspruch werden und strebt wie fr\u00fcher (&#8230;) die Position des Bundeskanzlers an! Bravo!!! Wir haben den alten und wahren Spruch \u00fcber die &#8222;Sozialdemokraten&#8220; (&#8230;) vergessen: &#8222;Wer hat uns immer wieder verraten, die Sozialdemokraten&#8220;!<\/p>\n<p>(&#8230;) Da ich schon 75 Jahre hinter mir habe und nicht wei\u00df wie es mit meiner Krankheit weitergeht, m\u00f6chte ich (&#8230;) mit folgendem Gedicht abschlie\u00dfen:<\/p>\n<p><em>Der Kampf muss weitergehen!<br \/>\n<\/em><em>Ob ich lebe oder sterbe,<br \/>\n<\/em><em>ist unerheblich.<br \/>\n<\/em><em>Es reicht mir zu wissen,<br \/>\n<\/em><em>dass auch Menschen nach mir,<br \/>\n<\/em><em>Zeit, Geld und Energie einsetzen werden,<br \/>\n<\/em><em>um gegen Ungerechtigkeiten und Verdummung der Menschheit anzuk\u00e4mpfen.<br \/>\n<\/em><em>Wenn sie heute nicht Erfolg haben,<br \/>\n<\/em><em>werden sie morgen erfolgreich sein.<br \/>\n<\/em><em>Wir m\u00fcssen weiterk\u00e4mpfen,<br \/>\n<\/em><em>damit die Welt ein besserer Ort<br \/>\n<\/em><em>f\u00fcr die Menschheit wird.<br \/>\n<\/em><em>Und jede\/r kann seinen Teil<br \/>\n<\/em><em>dazu beitragen.<\/em><\/p>\n<p><strong>Adi Rasworschegg<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Nachricht von Adis Tod hat mich geschockt. Angesto\u00dfen durch seine pers\u00f6nlichen Briefe, die er 1998 als Reaktion auf B\u00fccher von mir geschrieben hatte &#8211; hatten wir seitdem einen lebendigen Briefwechsel, Buch- und Informationstausch gepflegt. Diskutiert haben wir schriftlich und telefonisch \u00fcber politische Entwicklungen, den T\u00fcrkei\/Kurdistan-Konflikt, \u00fcber den Anarchismus, &#8230; Ich habe meinen Brieffreund Adi &hellip; <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2003\/10\/adi-rasworschegg\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"slim_seo":{"title":"Adi Rasworschegg - graswurzelrevolution","description":"Die Nachricht von Adis Tod hat mich geschockt. 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