{"id":5744,"date":"2003-11-01T00:00:07","date_gmt":"2003-10-31T22:00:07","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=5744"},"modified":"2022-07-26T14:24:38","modified_gmt":"2022-07-26T12:24:38","slug":"gute-nachrichten-aus-israel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2003\/11\/gute-nachrichten-aus-israel\/","title":{"rendered":"Gute Nachrichten aus Israel"},"content":{"rendered":"<p>Fast t\u00e4glich berichten die Massenmedien \u00fcber Terroranschl\u00e4ge durch pal\u00e4stinensische Selbstmordattent\u00e4terInnen in Israel einerseits und \u00fcber die staatsterroristischen Aktionen der israelischen Armee in den besetzten pal\u00e4stinensischen Gebieten andererseits. Nur selten wird dagegen \u00fcber den Zivilen Ungehorsam gegen den Krieg berichtet.<\/p>\n<p>Vor einigen Tagen wurde f\u00fcr die Welt\u00f6ffentlichkeit sichtbar, dass es gewaltfreien Widerstand und Protest gegen die gewaltt\u00e4tige Eskalation auf beiden Seiten gibt. Am 24. September 2003 bekam die <em>Refusenik<\/em>-Bewegung frischen Wind. 27 Piloten der israelischen Luftwaffe gaben eine nahezu wortgleiche Erkl\u00e4rung ab: &#8222;Wir verweigern Angriffe in den besetzten Gebieten. (&#8230;) Diese Aktionen sind illegal, unmoralisch und ein direktes Resultat der anhaltenden Besetzung, welche die gesamte israelische Gesellschaft korrumpiert. Die fortw\u00e4hrende Okkupation schadet der Sicherheit und moralischen Kraft Israels in fataler Weise&#8220;.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend sich Intellektuelle wie z.B. Moshe Zuckermann hinter die Verweigerer stellen, emp\u00f6rt sich die politische Rechte in Israel. Texte und B\u00fccher von <em>Refusenik<\/em>-Unterst\u00fctzerInnen sollen aus den Schulb\u00fcchern und Bibliotheken verbannt werden. Der Zivile Ungehorsam der &#8222;Verr\u00e4ter und Patrioten&#8220; (Der Spiegel 41\/03) ersch\u00fcttert den Staat Israel offenbar mehr als die Terroranschl\u00e4ge und Selbstmordattentate.<\/p>\n<p>Die gewaltfreie Widerstandsbewegung in Israel ist st\u00e4rker als es in Europa wahrgenommen wird. Schon im Februar 2002 machten israelische Reserveoffiziere auf sich aufmerksam. Sie ver\u00f6ffentlichten eine Erkl\u00e4rung, dass sie sich ab sofort weigern w\u00fcrden, &#8222;illegale und unmoralische&#8220; Milit\u00e4raktionen in den besetzten Gebieten durchzuf\u00fchren. Bis heute haben sich rund 550 ReservistInnen und aktive SoldatInnen diesem Aufruf angeschlossen. Am 20. September demonstrierten 10.000 Menschen in Tel Aviv gegen die Kriegspolitik und f\u00fcr eine friedliche Konfliktl\u00f6sung.<\/p>\n<p>Die Friedensbewegung richtet ihre Kritik nicht nur gegen die Sharon-Regierung. In einem offenen Brief, der auch in den meisten pal\u00e4stinensischen Medien ver\u00f6ffentlicht wurde, riefen rund 100 israelische Kriegsdienstverweigerer zu einem Ende der Selbstmordattentate auf: &#8222;Die Selbstmordattentate pal\u00e4stinensischer Organisationen t\u00f6ten unschuldige Menschen: Kinder, Alte, M\u00e4nner und Frauen, Juden, Araber und ausl\u00e4ndische Unterst\u00fctzerInnen und GegnerInnen der Besatzung. Diese Aktionen sind nicht moralisch (&#8230;) sie sind kaltbl\u00fctig, t\u00f6ten unterschiedslos. Die zuf\u00e4lligen Morde erschrecken die meisten Israelis, was die Rechtfertigung der Besatzung f\u00fcr Sharon und seine Kollegen sehr viel einfacher macht.<\/p>\n<p>Wir Verweigerer zeigen uns f\u00fcr das, was in der israelischen Gesellschaft geschieht, verantwortlich und sind bereit, mit unseren Widerstandshandlungen einen Preis daf\u00fcr zu bezahlen (&#8230;) wir glauben, dass der pal\u00e4stinensische Kampf, wenn er auf die Verletzung von Zivilpersonen verzichtet, an Zielgerichtetheit gewinnen wird. Demonstrationen, Generalstreiks und gemeinsame Aktivit\u00e4ten mit der israelischen Friedensbewegung sind sehr viel effektivere Widerstandshandlungen als irgendein Selbstmordattentat.&#8220;<\/p>\n<p>Weder die Regierung des rechten Ex-Milit\u00e4rs Sharon, noch Arafats Autonomiebeh\u00f6rde, noch die fundamentalistischen Terrorgruppen Hamas und Dschihad sind positive Bezugspunkte. Nur der Zivile Widerstand kann den Weg f\u00fcr eine friedliche L\u00f6sung des Konflikts aufzeigen. Unsere Solidarit\u00e4t verdienen die antimilitaristischen AktivistInnen, <em>Refuseniks<\/em> und Graswurzelrevolution\u00e4re wie Yoni Ben-Artzi. In einem <a title=\"Gefangener aus Gewissensgr\u00fcnden\" href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2003\/11\/gefangener-aus-gewissensgrunden\/\">bewegenden Brief<\/a> (siehe Seite 1 f. in dieser GWR) bezieht sich Yoni auch auf Henry David Thoreau. Auch im Sinne Yonis d\u00fcrfte das folgende Thoreau-Zitat <em>\u00dcber die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat<\/em> aus dem Jahre 1849 sein:<\/p>\n<p>&#8222;Muss der B\u00fcrger auch nur einen Augenblick, auch nur ein wenig, sein Gewissen dem Gesetzgeber \u00fcberlassen? Wozu hat denn jeder Mensch ein Gewissen? Ich finde wir sollten erst Menschen sein, und danach Untertanen. Man sollte nicht den Respekt vor dem Gesetz pflegen, sondern vor der Gerechtigkeit. Nur eine einzige Verpflichtung bin ich berechtigt einzugehen, und das ist, jederzeit zu tun, was mir recht erscheint. Man sagt, dass vereinte Masse kein Gewissen hat &#8211; und das ist wahr genug; gewissenhafte Menschen aber verbinden sich zu einer Vereinigung mit Gewissen. Das Gesetz hat die Menschen nicht um ein Jota gerechter gemacht; gerade durch ihren Respekt vor ihm werden auch die Wohlgesinnten jeden Tag zu Handlangern des Unrechts.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fast t\u00e4glich berichten die Massenmedien \u00fcber Terroranschl\u00e4ge durch pal\u00e4stinensische Selbstmordattent\u00e4terInnen in Israel einerseits und \u00fcber die staatsterroristischen Aktionen der israelischen Armee in den besetzten pal\u00e4stinensischen Gebieten andererseits. Nur selten wird dagegen \u00fcber den Zivilen Ungehorsam gegen den Krieg berichtet. 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