{"id":5754,"date":"2003-11-01T00:00:33","date_gmt":"2003-10-31T22:00:33","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=5754"},"modified":"2022-07-26T14:24:38","modified_gmt":"2022-07-26T12:24:38","slug":"widerstand-am-kap-schweigen-in-deutschland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2003\/11\/widerstand-am-kap-schweigen-in-deutschland\/","title":{"rendered":"Widerstand am Kap &#8211; Schweigen in Deutschland"},"content":{"rendered":"<p>Das s\u00fcdafrikanische Energieversorgungsunternehmen ESKOM rechnet sich gro\u00dfe Exportchancen f\u00fcr die in S\u00fcdafrika Pebble Bed Modular Reactor (PBMR) genannten 165 MW-Module aus.<\/p>\n<p>Der erste Reaktor soll nur 28 Kilometer n\u00f6rdlich von Kapstadt in Koeberg errichtet werden. Hier stehen am Atlantik schon zwei Druckwasserreaktoren mit jeweils 922 MW Leistung. 1982 hat der ANC durch zwei Sabotageaktionen wenige Tage vor der Beladung mit radioaktiven Brennst\u00e4ben die Inbetriebnahme verz\u00f6gern k\u00f6nnen. Er tat dies, weil er verhindern wollte, dass das wei\u00dfe Rassistenregime mit Hilfe des dort entstehenden Plutoniums seine milit\u00e4rische und wirtschaftliche Machtposition im s\u00fcdlichen Afrika ausbauen konnte. Heute bef\u00fcrwortet der ANC als Regierungspartei den Bau der neuen Reaktorlinie direkt neben den beiden alten Reaktorbl\u00f6cken.<\/p>\n<p>Die Einspruchsfrist gegen die Genehmigung der Umweltvertr\u00e4glichkeitspr\u00fcfung f\u00fcr den geplanten PBMR lief am 25. Juli 2003 ab. Zahlreiche Proteste und \u00f6ffentlicher Druck bewirkten, dass der Umweltminister Chippy Olver &#8211; \u00fcbrigens ein ehemaliger prominenter Aktivist der Kampagne zur Abschaffung der Wehrpflicht &#8211; die Einspruchsfrist bis zum 25. August verl\u00e4ngern musste. In dieser Zeit hat die Handelskammer von Kapstadt, die bisher den Bau des PBMR in der N\u00e4he der Dreimillionenstadt bef\u00fcrwortete, eine Neubewertung der Wirtschaftlichkeit dieses geplanten Reaktors vorgenommen. In diesen Tagen wurde n\u00e4mlich bekannt, dass riesige Erdgasfelder an der Westk\u00fcste S\u00fcdafrikas entdeckt worden sind. Dieses Ereignis hat die Energiediskussion in S\u00fcdafrika um Alternativen zur Atomkraft nachhaltig belebt. Eine Studie von Forest Oil stellte fest, dass ein Gaskraftwerk an der Westk\u00fcste wirtschaftlicher sei und weitreichende Konsequenzen f\u00fcr die \u00f6konomische Entwicklung haben w\u00fcrde. Zuf\u00e4llig ist genau in dieser Zeit einige hundert Meter vor Kapstadt ein Frachter mit 50 Tonnen mittelangereichertem Uran auf Grund gelaufen. In den allerletzten Tagen vor verstreichen der Einwendungsfrist hat die Stadtverwaltung von Kapstadt Einspruch eingelegt. Dies ist ein wichtiger Teilerfolg f\u00fcr die Umweltsch\u00fctzerInnen!<\/p>\n<p>In dieser Einspruchszeit kam der Kontakt zur B\u00f6llstiftung in S\u00fcdafrika zustande. Teile unseres Internetauftrittes <a href=\"http:\/\/www.thtr-a.de\">www.thtr-a.de<\/a> wurden ins Englische \u00fcbersetzt und innerhalb weniger Stunden ins Internet gestellt. Das war knapp: Einige Tage vor Ablauf der Einspruchsfrist stieg die Zahl der Internetzugriffe aus S\u00fcdafrika sprunghaft an. Die s\u00fcdafrikanischen Umweltsch\u00fctzer wissen jetzt, dass es in Deutschland einen langfristigen Widerstand gegen die HTR-Technologie gab und immer noch gibt und dass sie nicht alleine mit ihrem Kampf dastehen. Da die Auseinandersetzung in S\u00fcdafrika weitergeht und zu den verschiedenen anderen Aspekten des PBMR&#8217;s noch weitere Entscheidungen anstehen, wird zur Zeit gepr\u00fcft, ob weitere Gutachten, Stellungnahmen oder B\u00fccher \u00fcber den THTR aus Deutschland ins Englische \u00fcbersetzt werden sollen. In einem B\u00fcrgerantrag ist die BI Umweltschutz an die Stadt Hamm herangetreten, damit auch ein offizieller Erfahrungsaustausch zwischen Hamm und Kapstadt zustande kommt.<\/p>\n<p>In Deutschland versuchen die Verantwortlichen f\u00fcr den Atom-Know-how-Export das Problem totzuschweigen. Umweltminister Trittin antwortet seit sieben Monaten nicht nur auf unsere Eingabe nicht, sondern ignoriert ebenfalls kritische Fragen des gr\u00fcnen Kreisverbandes M\u00fcnster. Forschungsministerin Bulmahn schrieb uns, dass das Forschungszentrum J\u00fclich in Zukunft noch eine sogenannte Expertise zu einigen Sicherheitsaspekten des PBMR\u2019s erstellen soll und antwortet auf unsere konkreten Nachfragen seit f\u00fcnf Monaten nicht. Au\u00dfenminister Fischer, der im Jahre 2000 S\u00fcdafrika besuchte und unter dessen Oberhoheit die aktuellen nuklearen Kooperationen zwischen Deutschland und S\u00fcdafrika vereinbart worden sind, schweigt ebenfalls seit vier Monaten. Allm\u00e4hlich werden wir uns als Hammer B\u00fcrgerinitiative \u00fcberlegen m\u00fcssen, wie wir mit dem Verhalten der Verantwortlichen umgehen sollen.<\/p>\n<p>Inzwischen verdichten sich die Erkenntnisse, dass die Hochtemperaturreaktoren von h\u00f6chstem milit\u00e4rischen Interesse sind.<\/p>\n<p>Denn beim Einsatz des Edelgases Helium als K\u00fchlmittel entsteht beim HTR in einer von Neutronen ausgel\u00f6sten Reaktion radioaktives Tritium, welches f\u00fcr den Bau von Atombomben genutzt werden kann.<\/p>\n<p>Abzweigungsm\u00f6glichkeiten der besonders handlichen Brennelementekugeln w\u00e4hrend des laufenden Reaktorbetriebes sind ein besonders typisches Kennzeichen der HTR-Technologie. Wegen dieser Methodik und dem lediglich m\u00f6glichen Stichprobencharakter der \u00dcberwachung ist dieser Reaktor einer effektiven internationalen Kontrolle entzogen. An dieser Tatsache \u00e4ndert auch der Umstand nichts, dass der neue HTR in S\u00fcdafrika mit niedrigangereichertem Uran betrieben wird. Er ist trotzdem waffentauglich. Das Material f\u00fcr eine Atombombe k\u00f6nnte bei einem Durchsatz von 1000 Kugeln pro Tag in weniger als zwei Monaten gewonnen und abgezweigte Brennelemente k\u00f6nnten m\u00fchelos durch Blindelemente ersetzt werden.<\/p>\n<p>Diese Erkenntnisse sind nicht ganz neu. Sie wurden in einem Gutachten und in einer Presseerkl\u00e4rung von Lothar Hahn, dem ehemaligen Vorsitzenden der deutschen Reaktorsicherheitskommission, der \u00d6ffentlichkeit vorgestellt als er noch Mitarbeiter des \u00d6ko-Instituts war. Das Gutachten dieses ausgewiesenen HTR-Experten haben wir als B\u00fcrgerinitiative zusammen mit verschiedenen Anmerkungen und Empfehlungen an des Bundesforschungsministerium geschickt und in das Internet gestellt.<\/p>\n<p>Dieses Ministerium wird sich angesichts des auch auf Regierungsebene propagandistisch ausgeschlachteten &#8222;Terrorismusproblems&#8220; nicht mehr lange um eine Antwort herumdr\u00fccken k\u00f6nnen. Tatsache bleibt, dass jeweils auf Bundesebene und im Land NRW zwei verschiedene rotgr\u00fcne Regierungen eine Entwicklung geduldet und gef\u00f6rdert haben, die weltweit weitreichende Konsequenzen haben wird und die jetzt nur noch durch au\u00dfergew\u00f6hnlichen Einsatz oder \u00f6konomische und technische Misserfolge zu stoppen ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das s\u00fcdafrikanische Energieversorgungsunternehmen ESKOM rechnet sich gro\u00dfe Exportchancen f\u00fcr die in S\u00fcdafrika Pebble Bed Modular Reactor (PBMR) genannten 165 MW-Module aus. Der erste Reaktor soll nur 28 Kilometer n\u00f6rdlich von Kapstadt in Koeberg errichtet werden. 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