{"id":6021,"date":"2004-03-01T00:00:46","date_gmt":"2004-02-29T22:00:46","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=6021"},"modified":"2022-07-26T14:24:36","modified_gmt":"2022-07-26T12:24:36","slug":"ham-dekhenge-ham-dekhenge","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2004\/03\/ham-dekhenge-ham-dekhenge\/","title":{"rendered":"Ham Dekhenge, Ham Dekhenge"},"content":{"rendered":"<p><strong><em>&#8222;Ham dekhenge Ham dekhenge:<br \/>\n<\/em><\/strong><em><strong>Wir werden sehen, wie eure Unterdr\u00fcckung funktioniert,<br \/>\n<\/strong><\/em><em><strong>und es wird f\u00fcr die Unterdr\u00fccker eine Herausforderung sein,<br \/>\n<\/strong><\/em><em><strong>wenn wir uns alle zusammenschlie\u00dfen, werden sie alle davonfliegen.<br \/>\n<\/strong><\/em><em><strong>Alle Kronen werden fallen, es wird m\u00f6glich sein, dass wir beobachten, dass alle Unterdr\u00fcckung keinen Fortbestand haben wird.&#8220; (Faiz Ali Faiz)<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Eindr\u00fccklich verwandelte die ber\u00fchmte indische S\u00e4ngerin klassischer Musik, Shuba Mugdal, auf der Abschlussveranstaltung des 4. Weltsozialforums (WSF) in Mumbai\/ Bombay die Worte des pakistanischen Schriftstellers Faiz Ali Faiz in Ragas, die unter die Haut gingen und den Lebenswillen der Protestbewegungen aus der ganzen Welt ausdr\u00fcckten. Worte, die als Protest gegen ein unterdr\u00fcckerisches Regime geschrieben waren, gegen Folter und Ausweglosigkeit, klangen nun gegen internationale Unterdr\u00fcckungsmechanismen mit den Namen &#8222;IWF&#8220;, &#8222;Weltbank&#8220;, &#8222;Gatt&#8220;, &#8222;Bush-Administration&#8220;, &#8222;Patriarchate&#8220;, &#8222;Fundamentalismus&#8220; und bekamen den Beifall und die Tr\u00e4nen vieler tausend Menschen. Nachdem vor einem Jahr das Asiatische Sozialforum mit breiter Beteiligung in Hyderabad erfolgreich gewesen war, entschied man sich f\u00fcr den Standort Indien, um mehr Menschen aus Afrika und Asien die Teilnahme zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>Als Gegenbewegung gegen das &#8222;World Economic Forum&#8220; in den Jahren 2000 bis 2002 im brasilianischen Porto Alegre entstanden, trug das WSF auch diesmal wieder das Motto: Eine andere Welt ist m\u00f6glich.<\/p>\n<p>120.000 Menschen aus 130 L\u00e4ndern, dazu t\u00e4glich noch einmal 50.000, trafen sich vom 16. bis 21. Januar auf einem riesigen Ausstellungsgel\u00e4nde, den Nesco Grounds im Stadtteil Goregaon in Bombay. \u00dcber 1.000 Veranstaltungen wurden von verschiedenen Gruppen organisiert.<\/p>\n<p>Zentrale Themen des WSF waren: Irakkrieg, Unterdr\u00fcckung von Dalits und indigenen V\u00f6lkern, Rassismus, Rechte von ArbeiterInnen, Fundamentalismus, Frauen und Globalisierung, Gewalt gegen Frauen, Kinderrechte, WTO, WSF und Demokratisierung, Aids und Armut, Zugang zu Wasser als Menschenrecht, Landrechte, sexuelle Minderheiten und Transsexuelle.<\/p>\n<p>Allein 20 Veranstaltungen der &#8222;National Alliance of Peoples Movement&#8220; waren h\u00f6chst spannend, u.a. &#8222;People over Profit&#8220;, &#8222;Water for Livelihood&#8220;, &#8222;Peoples Forum against Coca Cola&#8220; und ein &#8222;World Dignity Forum&#8220;.<\/p>\n<p>Dank der hervorragenden Organisation gab es auf dem Gel\u00e4nde ausreichend sanit\u00e4re Anlagen, Essenst\u00e4nde an zentralen Stellen und eine gro\u00dfe Esshalle versorgten die Menschen mit indischen Gerichten (Thalis).<\/p>\n<p>Beeindruckend waren auch die Ruhe und die Vermeidung von Engp\u00e4ssen. Die Menschen begegneten sich in gegenseitiger Achtung und mit Neugierde.<\/p>\n<p>Haupts\u00e4chlich indische Gruppen, Dalit-Organisationen (Organisierte aus den unteren Kasten, Kastenlose), Tribals, die indigenen EinwohnerInnen, ArbeiterInnenorganisationen etc., wohnten in gro\u00dfen Zelt-D\u00f6rfern in verschiedenen Stadtteilen der 15 Millionen-Stadt. F\u00fcr 50 Rupien am Tag wurden 2 warme Mahlzeiten und Tee angeboten und der Transport zum Veranstaltungsgel\u00e4nde in Bussen.<\/p>\n<p>50 Rupien sind f\u00fcr viele DorfbewohnerInnen viel Geld, oft 1 &#8211; 2 Tagesl\u00f6hne, so ist die Teilnahme von diesen Gruppen ohne finanzielle Unterst\u00fctzung nicht m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Die Umweltaktionsgruppe PSS, die in der Tradition Gandhis in D\u00f6rfern mit den Menschen f\u00fcr Unabh\u00e4ngigkeit, Selbstbestimmung und f\u00fcr Selbstversorgung arbeiten, mobilisierte aus 30 D\u00f6rfern 280 Tribals aus Gujarat. Da bei Englisch und Hindi als Hauptsprachen nicht in regionale Sprachen \u00fcbersetzt wurde, erfuhr die Verst\u00e4ndigung eine Einschr\u00e4nkung. Aber die Sprache des Widerstandes in Form von Demos, T\u00e4nzen und kulturellen Darbietungen ist universal, und so brachten sie ihre Stimmen ein. Auch viele UreinwohnerInnen aus dem Narmada-Tal waren anwesend; die AktivistInnen \u00fcbersetzten.<\/p>\n<h3>Another World is possible<\/h3>\n<p>Schon im Eingangsbereich hingen zahlreiche Transparente wie z.B.:<\/p>\n<p><em>Der Norden hat beim S\u00fcden historische, soziale und \u00f6kologische Schulden<br \/>\n<\/em><em>Liebe zwischen Gleichen (Transparent der Homosexuellen und Lesben)<br \/>\n<\/em><em>Fl\u00fcchtlinge aus Bhutan (hinduistische Minderheit)<br \/>\n<\/em><em>Kampagne gegen Sklavenarbeit von Kindern<br \/>\n<\/em><em>Menschenhandel und Frauenhandel ist ein Versto\u00df gegen die Menschenrechte<br \/>\n<\/em><em>Dalits Widerstand gegen Globalisierung<\/em><\/p>\n<p>Eine &#8222;Strasse&#8220; war ganz den Kinderrechtsorganisationen gewidmet. Mit St\u00e4nden und selbstgemalten Transparenten, die auf Kinder-Sklavenarbeit und Kinderhandel aufmerksam machten und zwischen den B\u00e4umen hingen, stellten sie ihre Anliegen aus. Ebenso kamen mir h\u00e4ufig Kinder entgegen, die Postkarten oder CDs von ihrem Musical gegen Kinderarbeit verkauften. Sie waren also da, diejenigen, \u00fcber die immer gesprochen wird. Sie bekamen Sympathie und Unterst\u00fctzung.<\/p>\n<h3>Er\u00f6ffnungsveranstaltung<\/h3>\n<p>Mit Ges\u00e4ngen, Slogans und Trommelschl\u00e4gen str\u00f6mten Tausende TeilnehmerInnen auf das Gel\u00e4nde der Er\u00f6ffnungsveranstaltung, am auff\u00e4lligsten wohl die 200 S\u00fcdkoreanerInnen, die f\u00fcr Revolution und Sozialismus eintraten.<\/p>\n<p>Das eindrucksvolle Podium, u.a. Ahmed Ben Bella (Algerien), Abdul Amir al Rekay (Irak), Arundhati Roy (Indien), Chico Whitaker (Brasilien), Jeremy Corbyn (England), Shabana Azmi, eine der bekanntesten Schauspielerinnen Indiens und Mustafa Barghouti (Pal\u00e4stina), fasste in Worte, weswegen so viele gekommen waren. Die Friedensnobelpreistr\u00e4gerin Shirin Ebadi, Anw\u00e4ltin aus Iran, erkl\u00e4rte:<\/p>\n<p>&#8222;Wir sind hier, um auf der W\u00fcrde des Menschen zu bestehen, um unser Engagement f\u00fcr die Menschenw\u00fcrde zu konstatieren. Wir sind hier, um \u00fcberall bekannt zu geben, dass ein Mensch, der in Hunger lebt und am Krieg leidet, nicht in W\u00fcrde leben kann.&#8220;<\/p>\n<p>Besonderer Wert wurde auf das kulturelle Programm gelegt, um Zeichen der Verbundenheit zwischen angeblichen Feinden und zwischen den Kontinenten zu setzen.<\/p>\n<p>Bereits vor Beginn des Weltsozialforums wurde Widerstand gegen die Politik der US-Administration angek\u00fcndigt: &#8222;Bush muss gestoppt werden. Die Politik seines Landes verursacht in der ganzen Welt Verw\u00fcstung, milit\u00e4risch wie auch \u00f6konomisch!&#8220;, so Chico Whitaker, der die ersten drei Sozialforen in Porto Allegre leitete. Er wollte auf der diesj\u00e4hrigen Tagung insbesondere den Irak-Krieg und die Handelspolitik der US-Regierung an den Pranger stellen.<\/p>\n<h3>&#8222;Women and Water&#8220;<\/h3>\n<p>Diese Veranstaltung wurde von &#8222;Diverse Women for Diversity&#8220; organisiert. Dr. Maria Mies (BRD) und Dr. Ursula Oswald Spring (&#8220; via campesina&#8220;, Mexiko) gaben Beispiele f\u00fcr die Privatisierung der kommunalen Wasserversorgung durch transnationale Konzerne (&#8222;cross border leasing&#8220;) und die damit im Zusammenhang stehende Korruption in ihren jeweiligen L\u00e4ndern und wie Frauenorganisationen an diesem Thema arbeiten bzw. welche spezifischen Probleme Frauen mit der (oft mangelnden) Verf\u00fcgbarkeit von Wasser haben.<\/p>\n<p>Andere Sprecherinnen waren u.a. Theresa Wolfwood, Amarajeet Kaur und Illina Sen (Indien). Es wurden weitere Beispiele der Verarmung von Frauen im Zuge der Privatisierung der Wasserverteilung aus Kanada und Syrien dargestellt. Im Vorfeld des WSF hatte ein Treffen stattgefunden, bei dem das &#8222;People&#8217;s World Water Forum&#8220; gegr\u00fcndet wurde, als Gegenpol zur vermeintlichen UN-Organisation &#8222;World Water Council&#8220;, die faktisch als Werkzeug der transnationalen Konzerne der Wasserwirtschaft fungiert.<\/p>\n<p>Die Kernforderung des &#8222;People&#8217;s World Water Forum&#8220; ist die Herausnahme des Themas Wasser aus den GATT-Vertr\u00e4gen, da Zugang zu Wasser ein Grundrecht aller ist. Legale Schritte zur Sicherung der Grundbed\u00fcrfnisse sind sonst kaum mehr m\u00f6glich. Indien hat &#8222;Wasser&#8220; leider an die Spitze der Liste f\u00fcr GATT gesetzt, dar\u00fcber wird in Verhandlungen in 2005 entschieden.<\/p>\n<p>Eine indische Frauengruppe hat den Fall der Coca-Cola Company in Kerala vor das Oberste Gericht gebracht. Coca Cola schr\u00f6pfte Unmengen von Wasser in einem von D\u00fcrre bedrohten Gebiet. Hoffnungsschimmer: Das Verfahren wurde gewonnen, seit dem 16.1.04 darf Coca Cola dort kein Wasser mehr entnehmen. Der Konzern geht dagegen vor.<\/p>\n<p>Ein Aktionsvorschlag war, Lobbyarbeit f\u00fcr die UN-Berichte zum Thema &#8222;wirtschaftliche und soziale Rechte&#8220; zu betreiben, zu denen jede Regierung verpflichtet ist.<\/p>\n<p>Unterl\u00e4sst sie dieses, k\u00f6nnen auch Berichte von NGOs akzeptiert werden, in Deutschland z.B. von &#8222;Brot f\u00fcr die Welt&#8220;.<\/p>\n<p>Gruppen im weltweiten Organisationskomitee bem\u00fchten sich, Fragen der Strategie und der B\u00fcndnisse auf die Agenda zu setzen. So lautete eine wichtige Veranstaltung &#8222;Building bridges&#8220; &#8211; zwischen den verschiedenen Bewegungen: ArbeiterInnenbewegung, feministische Bewegung, Anti-Kriegsbewegung, \u00d6kologiebewegung und Dalit-Organisationen. Hierf\u00fcr hatte sich die Feministische Lobby stark gemacht und auch das Podium zur H\u00e4lfte besetzt.<\/p>\n<p>Die Gruppe &#8222;Feminist Dialogues&#8220; hatte in den Jahren zuvor die Themen Frauen und Globalisierung, Gewalt gegen Frauen, Strategien, Recht auf Nahrungsmittel und Biopiraterie vorbereitet sowie Lobbyarbeit im internationalen, als auch im indischen Komitee betrieben.<\/p>\n<h3>Tag 1<\/h3>\n<p>Der rote Faden zog sich durch das Thema &#8222;Land, Landverteilung, Landrechte, Wasser und Autonomie \u00fcber Nahrung und Nahrungsmittel&#8220; (&#8222;Food Sovereignity&#8220;) und die erste Podiumsdiskussion u. a. mit Mehda Patkar, der f\u00fchrenden Widerstandsk\u00e4mpferin gegen die Narmada-Staud\u00e4mme.<\/p>\n<p>Als eines der n\u00e4chsten Themen wurde &#8222;Globalisierung und Frauen&#8220; bearbeitet, mitorganisiert vom &#8222;National Network of Autonomous Womens Groups in India&#8220;.<\/p>\n<p>Die Vertreterinnen der verschiedenen L\u00e4nder schilderten eindringlich, dass die Globalisierung der M\u00e4rkte besonders f\u00fcr Frauen die Globalisierung von Armut, Ungleichheit, Unterern\u00e4hrung und Arbeitslosigkeit bedeute. In Indien hatte die \u00d6ffnung der M\u00e4rkte in den letzten 13 Jahren enorme Preissteigerungen bei Mitteln des t\u00e4glichen Bedarfs zur Folge, das \u00f6ffentliche Verteilungssystem von Reis, Kerosin sowie Speisungen in Schulen wird immer mehr abgebaut. Die Preise von Weizen und Reis, die es auf Karten in sogenannten &#8222;ration shops&#8220;, von der Regierung subventioniert, gibt, sind um 200% gestiegen. War Arbeitsmigration bisher eine M\u00e4nnerdom\u00e4ne, ist mittlerweile gerade in Asien, speziell Pakistan, Nepal, Burma und Thailand, der Anteil der Frauen daran inzwischen h\u00f6her als der von M\u00e4nnern. Oft verbergen sich hinter Angeboten f\u00fcr Hausangestellte (&#8222;Domestic Labour&#8220;) Frauenhandel und Prostitution.<\/p>\n<p>Armutsbek\u00e4mpfung und die F\u00f6rderung nachhaltiger Entwicklung spielen im Welthandel bisher keine Rolle. Deshalb haben mehrere entwicklungspolitische Organisationen im November 2003 die Welthandelskampagne &#8222;Gerechtigkeit jetzt!&#8220; ins Leben gerufen.<\/p>\n<h3>Tag 2<\/h3>\n<p>Ein Schwerpunkt war: die Rolle der Medien, Kultur und Wissen, u.a. mit N. Ram, Chefredakteur der laizistischen Oppositionszeitung &#8222;The Hindu&#8220; (Madras), Richard Stallman (USA), Gr\u00fcnder von GNU und Verfechter der &#8222;freien Software&#8220;, Bernard Cassen (Frankreich), der sich zum Thema &#8222;Macht der Medien&#8220; \u00e4u\u00dferte.<\/p>\n<p>Richard Stallman wurde von der &#8222;Free Software Foundation India&#8220; (FSF) eingeladen. GNU ist ein Synonym f\u00fcr ein gro\u00dfes Paket freier Software, schon entwickelt, lange bevor es das &#8222;open source&#8220;-Betriebssystem Linux gab, von dem GNU heute einen der gr\u00f6\u00dften Brocken stellt. Stallman lehnt jede Form von Copyright f\u00fcr Medien (Software, Audio, Video, etc.) ab und meint weiterhin, dass der Begriff der Piraterie auf Medien schon deshalb nicht anwendbar ist, als durch unautorisierte Weitergabe ja keinem etwas weggenommen werde. Er erfand das Symbol &#8222;Copyleft&#8220;.<\/p>\n<p>Auf dem Podium von &#8222;War&#8217;s against Women &#8211; Women against Wars&#8220; waren versammelt: Arundhati Roy, Nawal El Saddawi aus \u00c4gypten, Pledad Cordoba aus Kolumbien und Irene Khan aus Bangladesh. Die Frauen legten Zeugnis ab \u00fcber Arten der Gewalt gegen Frauen und den weltweiten Aktionen dagegen.<\/p>\n<p>Nawal El Saddawi betonte, dass die Probleme von Frauen im Zusammenhang mit den sozialen, politischen Problemen der Bev\u00f6lkerung gesehen werden m\u00fcssen. Interessanterweise wurde von Irene Khan das &#8222;Make-Up&#8220;, fester Bestandteil des Lebens der &#8222;modernen&#8220; Frau, als eine Art moderner Schleier bewertet. Ein guter Beitrag zu der im Westen gef\u00fchrten &#8222;Kopftuchdebatte&#8220;<\/p>\n<p>Arundathi Roy ((1)) bezog sich auf die Brutalit\u00e4t der Verbrechen gegen Frauen, wie z.B. in Gujarat (Indien). Frauen wurden nach grausamsten Gewalttaten w\u00e4hrend der Pogrome gegen die moslemische Bev\u00f6lkerung die Grundrechte grundlegend verweigert und die Verantwortlichen nicht bestraft. Kritisch beurteilte sie die Vergabe der Landrechte von Frauen auf M\u00e4nner, nachdem diese Menschen umgesiedelt worden waren (z.B. f\u00fcr Staudammprojekte).<\/p>\n<p>Saba Saher f\u00fchrte aus, dass der Krieg gegen Afghanistan ja angeblich f\u00fcr die Verbesserung der Situation der Frauen gef\u00fchrt worden w\u00e4re. Sie stellte fest, dass ironischerweise die neue afghanische Regierung Frauen nicht als gleichberechtigt behandelte, die Situation der Frauen nach wie vor miserabel w\u00e4re, und wir sollten uns nicht t\u00e4uschen lassen von der Darstellung der Frauen in Afghanistan in den Medien. Die Vertreterin von Amnesty International brachte die Faktenaufz\u00e4hlung bis an die Grenze des Unertr\u00e4glichen f\u00fcr die Zuh\u00f6rerInnen, z.B. in Bezug auf Frauen im Kongo, die Massenvergewaltigungen ausgesetzt waren und jetzt mit Kindern und der Furcht vor Aids leben m\u00fcssen. Sie k\u00fcndigte an, dass Amnesty International den Kampf f\u00fcr neue Gesetze in Bezug auf Kriegsverbrechen gegen Frauen vorantreiben wird.<\/p>\n<p>Immer noch ist das Einkommen von Frauen weltweit auf niedrigem Niveau. Sie produzieren 50% der Nahrungsmittel, aber der Anteil am Einkommen betr\u00e4gt nur 1%, sie besitzen weniger als 1% des Wohlstandes in der Welt. Hier stellt sich allerdings die Frage, ob es gerechtfertigt ist, so allgemein von Frauen zu sprechen. &#8222;Feminist Dialogues&#8220; pl\u00e4dierte daf\u00fcr, genau zu unterscheiden, ob es sich um Frauen aus s\u00fcdlichen L\u00e4ndern oder Dalit women etc. handelt.<\/p>\n<h3>Tag 3<\/h3>\n<p>In Halle 1 beinhaltete das Thema &#8222;Globalisierung, \u00d6konomie und soziale Sicherheit&#8220; den Abbau der sozialen Sicherungssysteme. Einer der Redner war der ehemalige Vizepr\u00e4sident der Weltbank und Pr\u00e4sidentenberater von Clinton, Joseph Stiglitz. Er setzte sich seinerseits kritisch mit der Politik von Weltbank und Internationalem W\u00e4hrungsfont (IWF) auseinander und trat schlie\u00dflich zur\u00fcck. Stiglitz und andere Redner unterstrichen die verheerende Wirkung der Globalisierung auf die soziale Sicherheit. Ein Beispiel daf\u00fcr ist der Umstand, dass insbesondere transnationale Unternehmen einen h\u00e4ufig wechselnden Bedarf an Arbeitskr\u00e4ften haben und die Betroffenen daher regelm\u00e4\u00dfig mit dem Problem konfrontiert sind, eine neue Arbeit zu finden. Andere Beispiele sind die Schw\u00e4chung der Gewerkschaften und die fortschreitende Privatisierung der sozialen Sicherungssysteme in vielen L\u00e4ndern, was z.B. zur Folge hat, dass die Gesellschaft gespalten wird in solche, die sich soziale Sicherheit finanziell leisten k\u00f6nnen, und solche, die das nicht mehr k\u00f6nnen. Diese Prozesse werden in den Entwicklungsl\u00e4ndern vom IWF gef\u00f6rdert. Andere Redner sprachen dar\u00fcber, wie globale M\u00e4rkte im Rahmen des US-Imperialismus operieren.<\/p>\n<p>Auch das Thema &#8222;Racism and Casteism&#8220;, d.h. Rassismus und Unterdr\u00fcckung durch das Kastensystem, war auf der Hauptagenda. In L\u00e4ndern wie Nepal, Bangladesh, Sri Lanka und Indien stellt Unterdr\u00fcckung durch das Kastensystem ein zentrales Problem dar, \u00e4hnlich der Apartheid in S\u00fcdafrika. Die Vortragenden waren Martin Madwan (Indien), Bhagwan Das (Indien), Blanca Chancoso (Equador), Durga Sob (Nepal), Eugenia Poma (Bolivien), Vikor Dike (Nigeria) und Tagawa Masato (Japan). Martin Madwan sprach \u00fcber die Situation der etwa 200 Millionen Dalits in Indien (240 Millionen in S\u00fcdasien). Die Diskriminierung beginnt in der Kindheit, das Erziehungssystem sorgt f\u00fcr eine Trennung der sogenannten &#8222;Unber\u00fchrbaren&#8220; von anderen, die Kinder von Dalits bekommen oft keine oder nur wenig Schulbildung. Dalits leben in der Regel in abgetrennten Bezirken. Sie d\u00fcrfen keine Dorfbrunnen benutzen und bekommen nur den Mindestlohn. Alle Bem\u00fchungen, die Situation der Betroffenen zu verbessern, kommen von sozialen Bewegungen.<\/p>\n<h3>&#8222;Diversity&#8220; &#8211; Vielfalt<\/h3>\n<p>Das WSF, das war eine permanente kulturelle Vielfalt, Angebote von kulturellen Beitr\u00e4gen, Stra\u00dfentheatern und T\u00e4nzen und eine Dauerdemonstration verschiedener Gruppen, laute Trommeln und andere Instrumente ert\u00f6nten. Ebenso gab es &#8222;Solidarity tents&#8220; und einen Ort f\u00fcr &#8222;world wide plenaries&#8220;.<\/p>\n<p>Um uns nicht unbesch\u00e4ftigt zu lassen, pr\u00e4sentierten Hunderte von Organisationen in 2 Ausstellungshallen ihre Anliegen, sammelten Unterschriften, und B\u00fccherst\u00e4nde sorgten f\u00fcr Information. Au\u00dferdem gab es beeindruckende Ausstellungen zum Thema Krieg in den Medien, eine sehr gute Ausstellung zu Gujarat, seiner Geschichte und den aktuellen Ereignissen, wie das Erdbeben im Jahr 2000 und die Pogrome und der Genozid an der moslemischen Bev\u00f6lkerung.<\/p>\n<p>Nicht nur auf Plakaten, sondern auch in der inhaltlichen Debatte fanden sich Vergleiche zwischen der Organisation der Regierenden Partei BJP (Hindu-Fundamentalisten) mit ihren &#8222;paramilit\u00e4rischen Verb\u00e4nden&#8220; RSS sowie dem religi\u00f6sen Fl\u00fcgel &#8222;Vishwa Hindu Parishad&#8220; (VHP) und dem deutschen Faschismus und seiner Entstehungsgeschichte.<\/p>\n<p>Von den selbstorganisierten Veranstaltungen verdient das Seminar von M\u00e4nnern zum Thema<\/p>\n<p>&#8222;M\u00e4nnergewalt&#8220; besondere Aufmerksamkeit. Die Veranstaltung &#8222;Male Involvement in Gender Issues&#8220; drehte sich um Programme von M\u00e4nnergruppen in Asien zum Thema Gewalt gegen Frauen. Unter anderem wurde das Projekt &#8222;Mava&#8220; (www.mavaindia.org) vorgestellt. Mava steht f\u00fcr &#8222;Men against violence &amp; abuse&#8220;. Eine andere Initiative ist &#8222;Masvaw&#8220; (Men&#8217;s Action for Stopping Violence Against Women), die \u00fcberwiegend im indischen Bundesstaat Uttar Pra-desh (UP) arbeitet. UP ist mit 170 Millionen Einwohnern der gr\u00f6\u00dfte Bundesstaat Indiens, das sechstgr\u00f6\u00dfte Land der Welt und steht laut &#8222;Masvaw&#8220; in Indien auf Platz 1 in Bezug auf Gewalt gegen Frauen (50% aller in Indien erfassten Gewalttaten gegen Frauen). Die Arbeit der M\u00e4nnerorganisationen betrifft vor allem sexuelle Aufkl\u00e4rung von M\u00e4nnern und die Aufdeckung und den Abbau von patriarchalischen Strukturen in Gesellschaft und Familie.<\/p>\n<p>Abschlie\u00dfend ist zu berichten, dass die Pakistanische Gruppe &#8222;Prism-Prisma&#8220; und eine indische Organisation die Veranstaltung &#8222;Fundamentalismus, Nationalismus und Sexualit\u00e4t&#8220; angeboten haben, f\u00fcr mich eines der herausragendsten Seminare. Sunila Abhyasekaraya, die bekannte Frauenrechtlerin aus Sri Lanka, referierte \u00fcber Ehen zwischen Partnern verschiedener Religionsgemeinschaften, Kasten etc., den langen Kampf der Frauen seit den achtziger Jahren, Sexualit\u00e4t, Vergewaltigung in der Ehe, und sie forderte, die Entkriminalisierung von Schwangerschaftsabbr\u00fcchen auf die Tagesordnung zu setzen, um somit Ver\u00e4nderungen zu erreichen. Sie sprach sich wiederholt daf\u00fcr aus, die K\u00e4mpfe von Frauen in unterschiedlichen L\u00e4ndern und Kulturen genau zu unterscheiden, nicht Modelle aus dem Westen zu kopieren.<\/p>\n<p>Das Ziel verfolgte auch der Vertreter des &#8222;Gay Rights Movement&#8220; aus Mumbai. Die Vorurteile gegen Homosexuelle m\u00fcssten im Kontext der indischen Kultur und Gesetze bearbeitet werden. Das Gesetz \u00fcber &#8222;unnat\u00fcrlichen Sex&#8220; wird neuerdings auch im kommunalistischen Zusammenhang gegen moslemische M\u00e4nner mit angeblich mehreren Frauen angewandt. Schockierend waren die Schilderungen eines transsexuellen Sozialarbeiters, der von der Gewalt z.B. auf Polizeirevieren und in der Gesellschaft gegen Kotas (Transsexuelle) berichtete. Er konstatierte: &#8222;Es gibt ein Menschenrecht, sich in der \u00d6ffentlichkeit zu zeigen, wie du bist.&#8220; Auch wurde auf die Propaganda der Fundamentalisten in Bezug auf Aids hingewiesen. Folterungen von Lesben in Australien und Suizid von Lesben in Kerala wurden als Spitze der Grausamkeiten erw\u00e4hnt.<\/p>\n<p>Die Abschlussworte der pakistanischen Vertreterin von Prisma waren aufbauend, mehr Zusammenarbeit wie diese und die gegenseitige St\u00e4rkung haben alle TeilnehmerInnen sich gew\u00fcnscht.<\/p>\n<h3>Szenenwechsel: Das Weltsozialforum n\u00e4hert sich dem Ende<\/h3>\n<p>Die Abschlussdemonstration durch Mumbai mit ca. 100.000 Menschen ist ein Erfolg, die Schlussveranstaltung macht die Realit\u00e4t der &#8222;anderen Welt&#8220; deutlich!<\/p>\n<p>Zur gleichen Zeit: Medha Patkar sitzt seit 2 Tagen zusammen mit 100 Tribals aus dem Narmada-Tal vor dem B\u00fcro der Ministerin von Maharashtra (Congress Partei), im Herzen Bombays. Internationale VertreterInnen vom WSF bekunden ihre Solidarit\u00e4t. Die Ministerin sichert am n\u00e4chsten Tag Gespr\u00e4che zu. Das reicht Medha nicht, sie beginnt ein Fasten.<\/p>\n<p>Medha Patkar ist die F\u00fchrungsfigur von einer der gr\u00f6\u00dften sozialen Bewegungen Indiens namens NBA (&#8222;Narmada Bachao Andolan &#8211; Bewegung zur Rettung der Narmada&#8220;), die gegen die Narmada-Staud\u00e4mme k\u00e4mpft. F\u00fcr viele ist sie die beeindruckendste Pers\u00f6nlichkeit in den indischen \u00f6kologisch-sozialen Bewegungen der Gegenwart.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Ham dekhenge Ham dekhenge: Wir werden sehen, wie eure Unterdr\u00fcckung funktioniert, und es wird f\u00fcr die Unterdr\u00fccker eine Herausforderung sein, wenn wir uns alle zusammenschlie\u00dfen, werden sie alle davonfliegen. Alle Kronen werden fallen, es wird m\u00f6glich sein, dass wir beobachten, dass alle Unterdr\u00fcckung keinen Fortbestand haben wird.&#8220; (Faiz Ali Faiz) Eindr\u00fccklich verwandelte die ber\u00fchmte indische &hellip; <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2004\/03\/ham-dekhenge-ham-dekhenge\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"slim_seo":{"title":"Ham Dekhenge, Ham Dekhenge - graswurzelrevolution","description":"\"Ham dekhenge Ham dekhenge: Wir werden sehen, wie eure Unterdr\u00fcckung funktioniert, und es wird f\u00fcr die Unterdr\u00fccker eine Herausforderung sein, wenn wir uns alle"},"footnotes":""},"categories":[375],"tags":[],"class_list":["post-6021","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-287-marz-2004"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6021","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6021"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6021\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6021"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6021"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6021"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}