{"id":6032,"date":"2004-03-01T00:00:32","date_gmt":"2004-02-29T22:00:32","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=6032"},"modified":"2022-07-26T13:11:49","modified_gmt":"2022-07-26T11:11:49","slug":"auf-der-grunen-wiese-wachst-widerstand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2004\/03\/auf-der-grunen-wiese-wachst-widerstand\/","title":{"rendered":"Auf der gr\u00fcnen Wiese w\u00e4chst Widerstand"},"content":{"rendered":"<p>Dieser Plan ist gescheitert, weil die Anti-Atom-Gruppen in Ahaus, dem M\u00fcnsterland und in Dresden seit Dezember rund um die Uhr gegen die anstehenden CASTOR-Transporte angehen. Zwei Zufahrtsblockaden vor dem Atomm\u00fcll-Lager in Ahaus bildeten den Auftakt. Sonntagsspazierg\u00e4nge, Rathaus-Demos und neue Aktionsb\u00fcndnisse folgten. Als vorl\u00e4ufigen H\u00f6hepunkt demonstrierten am 15. Februar in Ahaus rund 400 Menschen auf dem 111. Sonntagsspaziergang gegen die geplanten CASTOR-Transporte &#8211; dies war der gr\u00f6\u00dfte Sonntagsspaziergang seit drei Jahren.<\/p>\n<p>Es weht frischer Wind in Sachen Anti-Atom, und viele schon resignierte Menschen klinken sich wieder in den Widerstand ein. Von rot-gr\u00fcnen Ausstiegsphrasen lassen sich immer weniger Menschen beeindrucken.<\/p>\n<p>Doch der Reihe nach: Angefangen hat alles mit der CDU-Regierung in Sachsen, die als Betreiber des Forschungszentrums Dresden-Rossendorf die 951 abgebrannten Brennelemente unbedingt loswerden m\u00f6chte. Der Atomm\u00fcll verschaffe der Region n\u00e4mlich ein &#8222;Imageproblem&#8220;. Dabei lagert dort noch Thorium, hochangereichertes Uran und viele andere unappetitliche Dinge, die auf unabsehbare Zeit auch in Dresden bleiben. Die CASTOREN, die \u00fcbrigens ohne eine Genehmigung f\u00fcr die Beh\u00e4lter einfach schwarz beladen wurden, lagern nun in einem Hochsicherheitstrakt zusammen mit dem Uran und dem Thorium.<\/p>\n<p>Deshalb fordert die Gr\u00fcne Liga Sachsen schon seit langem, dass die CASTOR-Beh\u00e4lter in Dresden bleiben, bis man irgendwann ein sicheres Endlager gefunden haben sollte. Diese Position wird vom neugegr\u00fcndeten Aktionsb\u00fcndnis CASTOR-Stopp Dresden geteilt.<\/p>\n<p>Ungeachtet dessen stehen J\u00fcrgen Trittin und das Bundesamt f\u00fcr Strahlenschutz (BfS) (noch) voll hinter dem Transport. Der Atomm\u00fcll soll \u00fcber 600 km Autobahn als Stra\u00dfentransport rollen &#8211; und zwar h\u00e4ppchenweise in bis zu 9 Transporten. Zur Erinnerung: Der fr\u00fchere Bundesumweltminister T\u00f6pfer hatte 1989 Atomm\u00fclltransporte aus &#8222;Sicherheitsgr\u00fcnden&#8220; auf die Schiene verlagert. Nun will Trittin aus &#8222;Kostengr\u00fcnden&#8220; zur\u00fcck auf die Stra\u00dfe.<\/p>\n<p>In einem Schreiben an NRW-Innenminister Behrens vom 12.2. teilt Trittin mit, dass Ahaus durch den Atomkonsens bis jetzt doch &#8222;geschont&#8220; worden sei. Im Klartext: Jetzt ist Schluss mit lustig &#8211; die Schonphase ist vorbei.<\/p>\n<p>Die Halle in Rossendorf sei auch nicht gegen Flugzeugabst\u00fcrze gesichert. Gerade die praktisch baugleiche Leichtbauhalle in Ahaus (wie auch die in Gorleben) ist aber nicht gegen Flugzeugabst\u00fcrze gesichert. Das BfS sagt dazu, dass es nur auf die CASTOREN als Sicherheitsbarriere ankomme. Ist es dann nicht v\u00f6llig egal, wo der Atomm\u00fcll lagert &#8211; und sei es auf einer Wiese?<\/p>\n<p>Im \u00fcbrigen sind die CASTOR-Beh\u00e4lter (Typ: MTR 2) nur f\u00fcr 15 Jahre als sicher genehmigt worden. Nun hat das BfS den Sicherheitsnachweis f\u00fcr die beladenen Beh\u00e4lter mit rein theoretischen Berechnungen auf 40 Jahre verl\u00e4ngert &#8211; und das, obwohl die Beh\u00e4lter schon Korrosionsprobleme hatten! Der stellvertretende Vorsitzende der Strahlenschutzkommission, Prof. K\u00f6hnlein, nannte dies &#8222;f\u00fcrchterlichen Pfusch&#8220;.<\/p>\n<p>Wundersames tut sich unterdessen in D\u00fcsseldorf. Landesgr\u00fcne und Landesregierung distanzierten sich unter starkem Druck der Anti-Atom-Initiaven pl\u00f6tzlich von dem Transport. NRW-Innenminister Behrens liefert sich gar einen \u00f6ffentlichen Medienstreit mit J\u00fcrgen Trittin (Ende offen). Sein Argument: &#8222;Neun Wochen Ausnahmezustand&#8220; f\u00fcr Ahaus sind nicht akzeptabel.<\/p>\n<p>Die Anti-Atom-Initiativen setzen unterdessen weiter auf Widerstand. Die Zusammenarbeit der unterschiedlichen Gruppen ist eng wie nie, und die Unterst\u00fctzung von au\u00dfen (z.B. aus dem Wendland) w\u00e4chst best\u00e4ndig. Das n\u00e4chste Highlight ist der bundesweite Autobahn-Aktionstag am 28. Februar. Mit bunten und vielf\u00e4ltigen Aktionen soll es an der gesamten Autobahn-Transportstrecke von Dresden nach Ahaus zu Protesten kommen.<\/p>\n<p>Sobald der Transporttermin feststeht, gibt es in Ahaus einen au\u00dferordentlichen Sonntagsspaziergang. Von da an sind alle eingeladen, in Ahaus zu bleiben, um den Widerstand vor Ort zu st\u00e4rken. Auch in Dresden-Rossendorf wird es ein Camp geben, damit der CASTOR erst gar nicht loskommt. Unterst\u00fctzung ist dort ebenfalls sehr erw\u00fcnscht. Und dazwischen gibt es 600 km Autobahn f\u00fcr viele, viele weitere Aktionen.<\/p>\n<p>Wenn es gelingt, diesen CASTOR-Transport zu stoppen, gibt es die Chance, die Frage der Atomm\u00fcll-Entsorgung neu zu diskutieren. Viel zu lange waren die gro\u00dfen Proteste auf Gorleben beschr\u00e4nkt. Wenn die Anti-Atom-Bewegung als bundesweite soziale Bewegung erlebbar sein m\u00f6chte, dann bietet sich hier eine Gelegenheit, sich als politischer Akteur zur\u00fcckzumelden. Erfolgreicher Widerstand in Dresden und Ahaus wird auch in Gorleben, in Gronau, bei den WAA-Transporten und an vielen anderen Punkten Auswirkungen haben. Deshalb rufen die M\u00fcnsterl\u00e4nder Anti-Atom-Initiativen dazu auf: &#8222;Mischt euch jetzt ein &#8211; Widerstand lohnt sich. F\u00fcr den sofortigen Ausstieg aus der Atomenergie!&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Plan ist gescheitert, weil die Anti-Atom-Gruppen in Ahaus, dem M\u00fcnsterland und in Dresden seit Dezember rund um die Uhr gegen die anstehenden CASTOR-Transporte angehen. Zwei Zufahrtsblockaden vor dem Atomm\u00fcll-Lager in Ahaus bildeten den Auftakt. Sonntagsspazierg\u00e4nge, Rathaus-Demos und neue Aktionsb\u00fcndnisse folgten. 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