{"id":6062,"date":"2004-03-01T00:00:46","date_gmt":"2004-02-29T22:00:46","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=6062"},"modified":"2022-07-26T13:31:34","modified_gmt":"2022-07-26T11:31:34","slug":"ami-come-back","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2004\/03\/ami-come-back\/","title":{"rendered":"ami come back!"},"content":{"rendered":"<p>So beginnt das Editorial der erst im Februar 2004 ausgelieferten <em>ami<\/em> (Heft 9-12, 2003).<\/p>\n<p>Ein Schock f\u00fcr alle, die die kundigen, antimilitaristischen Analysen dieser langlebigen Alternativzeitung gesch\u00e4tzt haben.<\/p>\n<p>Seit 1971 konnte sich das Blatt halten. Angesichts der Tatsache, dass die Friedensbewegung immer wieder f\u00fcr tot erkl\u00e4rt wurde und jedem Bewegungshoch ein Tief folgte, war es schon ein kleines Wunder, dass diese Fachzeitschrift so lange erscheinen konnte.<\/p>\n<p>Obwohl am 15. Februar 2003 weltweit mehr als 12 Millionen und in Berlin 500.000 Menschen gegen den bevorstehenden 3. Golfkrieg demonstrierten und es einen Aufschwung der Anti-Kriegs-Bewegung ((1)) gab, hatte das auf die Auflage der <em>ami<\/em> kaum Auswirkungen.<\/p>\n<p>&#8222;Es scheint paradox: noch immer befindet sich Deutschland im &#8218;B\u00fcndnisfall&#8216;, die Bundeswehr schreitet mit Siebenmeilenstiefeln immer tiefer in den Interventionsmorast. Demokratisch unkontrolliert stapft die Militarisierung Europas hinterher, V\u00f6lkerrecht und Au\u00dfenpolitik werden zunehmend durch Faustrecht ersetzt, die ungez\u00e4hlten \u00fcbrigen Kriege auf dem Globus scheinen nur noch RegionalexpertInnen begreiflich. &#8211; Und doch ist es der <em>ami<\/em> nicht gelungen, mit all diesen Themen gen\u00fcgend Menschen anzusprechen, um auf Basis eines soliden AbonnentInnenstammes weiterhin fundierte Hintergrundinformationen zu liefern&#8220;, so die Redaktion. Die Ursachen hierf\u00fcr seien teils hausgemacht, teils h\u00e4tten die ver\u00e4nderten Rahmenbedingungen das ehrenamtliche Projekt \u00fcberfordert.<\/p>\n<p>&#8222;Vielen schien es altmodisch, dass die <em>ami<\/em> auch nach dem Kalten Krieg weiterhin &#8218;Erbsen z\u00e4hlte&#8216;, vor Waffensystemen, Exporten und Strategiepapieren warnte und Kriege in der &#8218;Dritten Welt&#8216; in eine deutsche Friedenszeitung zerrte. Schnee von gestern f\u00fcr Viele, die vom &#8218;gemeinsamen Haus Europa&#8216;, von Konversion, Friedensdividende oder UNO tr\u00e4umten.&#8220;<\/p>\n<p>Nach Ansicht des <em>ami<\/em>-Kollektivs &#8222;gibt (es) keine regelm\u00e4\u00dfig erscheinende kritische Zeitschrift mehr, die sich noch ausschlie\u00dflich mit dem Themenspektrum zwischen R\u00fcstungsindustrie, Streitkr\u00e4ften, Kriegen und Sicherheitspolitik besch\u00e4ftigt (&#8230;).&#8220;<\/p>\n<p>Und hier d\u00fcrfte auch ein weiterer Grund f\u00fcr den drastischen Abor\u00fcckgang der <em>ami<\/em> zu finden sein. Eine Zeitschrift, die nur selten erscheint, sich beinahe nur mit einem Themenkomplex besch\u00e4ftigt und andere wichtige Themen, wie z.B. globalisierter Kapitalismus, Sozialpolitik, \u00d6kologie, Anti-Rassismus, Anti-Atom-Bewegung, Anti-Sexismus, &#8230; weitgehend ignoriert, mag f\u00fcr ExpertInnen interessant sein. Wenig attraktiv ist sie aber f\u00fcr BewegungsaktivistInnen, die nicht nur antimilitaristische Arbeit leisten, sondern sich auch in anderen sozialen Bewegungen engagieren.<\/p>\n<p>Gr\u00fcnde f\u00fcr das Scheitern sind m\u00f6glicherweise der &#8222;Elfenbeinturmcharakter&#8220;, ein Hauch von Akademismus und ein &#8211; sogar im Vergleich zur &#8222;Bleiw\u00fcstenrevolution&#8220; (GWR) &#8211; dr\u00f6ges, immer gleiches (Nicht-)Layout.<\/p>\n<p>Die <em>ami<\/em>-Redaktionsmitglieder kamen \u00fcberwiegend vom Otto-Suhr-Institut f\u00fcr politische Wissenschaften der Freien Universit\u00e4t Berlin.<\/p>\n<p>&#8222;Mit jeder Sparma\u00dfnahme des Senats und der FU-Verwaltung wurden die Studienbedingungen schwieriger. Friedens- und Konfliktforschung sowie regionale Studieng\u00e4nge wurden kaputtgespart.&#8220; Ehrenamtliche Arbeit wurde zum Luxus und so brach der vom Verein f\u00fcr friedenspolitische Publizistik herausgegebenen Zeitschrift &#8222;ihr traditioneller Nachwuchspool weg.&#8220;<\/p>\n<p>Ob die L\u00fccke, die das Verschwinden der <em>ami<\/em> im alternativen Bl\u00e4tterwald hinterlassen wird, von anderen, h\u00e4ufiger erscheinenden und auflagenst\u00e4rkeren, antimilitaristischen Zeitschriften wie z.B. <em>Friedensforum<\/em>, <em>Zivilcourage<\/em>, <em>Freiraum<\/em> und <em>Graswurzelrevolution<\/em> gef\u00fcllt werden kann, ist fraglich.<\/p>\n<p>Mit dem Verschwinden der <em>ami<\/em> verliert die antimilitaristische Bewegung eines ihrer traditionsreichsten und interessantesten Magazine. Ein St\u00fcck alternative Mediengeschichte von unten droht in Vergessenheit zu geraten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So beginnt das Editorial der erst im Februar 2004 ausgelieferten ami (Heft 9-12, 2003). Ein Schock f\u00fcr alle, die die kundigen, antimilitaristischen Analysen dieser langlebigen Alternativzeitung gesch\u00e4tzt haben. Seit 1971 konnte sich das Blatt halten. Angesichts der Tatsache, dass die Friedensbewegung immer wieder f\u00fcr tot erkl\u00e4rt wurde und jedem Bewegungshoch ein Tief folgte, war es &hellip; <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2004\/03\/ami-come-back\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"slim_seo":{"title":"ami come back! - graswurzelrevolution","description":"So beginnt das Editorial der erst im Februar 2004 ausgelieferten ami (Heft 9-12, 2003). 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