{"id":6085,"date":"2004-04-01T00:00:46","date_gmt":"2004-03-31T22:00:46","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=6085"},"modified":"2012-05-01T19:10:44","modified_gmt":"2012-05-01T17:10:44","slug":"in-eigener-sache","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2004\/04\/in-eigener-sache\/","title":{"rendered":"In eigener Sache"},"content":{"rendered":"<p>Diese Entwicklung macht auch vor der graswurzelrevolution nicht halt: Insbesondere die zunehmende Zur\u00fcckhaltung der Werbewirtschaft beim Kauf bezahlter Anzeigen macht dieser Zeitung mehr und mehr zu schaffen. Kein Wunder: Schlie\u00dflich wurde in der Vergangenheit der L\u00f6wenanteil des Umsatzes bei der &#8222;graswurzel&#8220; &#8211; wie treue Leser das Periodikum fast z\u00e4rtlich nennen &#8211; durch Werbeeinnahmen gedeckt. Allein die regelm\u00e4\u00dfig geschalteten ganzseitigen Anzeigen der Medienkonzerne &#8222;direkte aktion&#8220; und &#8222;analyse und kritik&#8220; sp\u00fclten noch im Jahr 2002 mehrere Millionen Euro in die Kassen des gewaltfrei-libert\u00e4ren Blattes. Doch das ist Geschichte.<\/p>\n<p>Fakt ist: Die graswurzelrevolution steckt in akuten wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Nachdem auch eine Landesb\u00fcrgschaft durch den Freistaat Bayern (wir berichteten) nicht die erhoffte Konsolidierung brachte, sieht der HerausgeberInnenkreis als bisher alleiniger Gesellschafter jetzt jedoch Licht am Horizont: Die FDP-eigene Medienholding &#8222;LiberalePresseGesellschaft (LPG)&#8220; wird aller Voraussicht nach Mitte des Jahres mit einer Mehrheitsbeteiligung bei dem traditionsreichen Bewegungsblatt einsteigen. &#8222;Wir hoffen damit die wirtschaftliche Zukunft der graswurzelrevolution dauerhaft auf ein solides Fundament stellen zu k\u00f6nnen&#8220;, so der HerausgeberInnenkreis in einer Stellungnahme.<\/p>\n<p>Bedenken hinsichtlich der Unabh\u00e4ngigkeit der Berichterstattung bestehen bei keinem der Beteiligten: &#8222;Wir akzeptieren die Pr\u00e4ambel der graswurzel (f\u00fcr eine gewaltfreie und herrschaftslose Gesellschaft, d. Red.) voll und ganz&#8220;, betont ein FDP-Sprecher in einer Pressemitteilung. &#8222;Wir Liberale waren immer gegen Gewalt &#8211; deshalb haben wir uns, wenn wir an der Regierung sind, auch immer f\u00fcr mehr Polizei eingesetzt, um Gewalt im Keim zu ersticken.&#8220; Auch die Herrschaft des Staates habe die FDP stets kritisch gesehen: &#8222;Der Markt kann die Gesellschaft wesentlich besser steuern als der Staat. Wir brauchen mehr Freiheit und weniger G\u00e4ngelung!&#8220;<\/p>\n<p>Auch graswurzel-Chefredakteur Dr. Bernd Dr\u00fccke sieht keine Probleme in der \u00dcbernahme: &#8222;Liberal und libert\u00e4r haben ja schlie\u00dflich nicht ohne Grund denselben Wortstamm&#8220;, doziert der promovierte Soziologe und Hobby-Ethymologe. Allerdings, so f\u00fcgt Dr\u00fccke hinzu, m\u00fcsse auch unter dem neuen Hauptgesellschafter der rigorose Sparkurs weitergehen: &#8222;Ob auf Dauer f\u00fcr jeden hauptamtlichen graswurzel-Redakteur ein f\u00fcnfstelliges Monatsgehalt samt Dienstwagen tragbar ist, wage ich zu bezweifeln.&#8220; Und \u00fcberhaupt: &#8222;Die Redaktion hat mit rund einer bezahlten Stelle einfach zu viele Mitarbeiter.&#8220;<\/p>\n<p>Allen Unkenrufen zum Trotz: Die Leserinnen und Leser der graswurzelrevolution werden von dem Eigent\u00fcmerwechsel wohl nicht allzuviel mitbekommen. Die kritische und \u00fcberparteiliche Berichterstattung wird wie gewohnt fortgef\u00fchrt. Und schmunzelnd bringt Dr. Dr\u00fccke die Problematik mit dem ihm eigenen Humor auf den Punkt:<\/p>\n<p>&#8222;Wenn ich gefragt werde, was ich essen m\u00f6chte &#8211; li(e)ber T(ee)r oder li(e)ber A(a)l &#8211; ist doch klar, was ich da w\u00e4hle &#8211; oder?&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diese Entwicklung macht auch vor der graswurzelrevolution nicht halt: Insbesondere die zunehmende Zur\u00fcckhaltung der Werbewirtschaft beim Kauf bezahlter Anzeigen macht dieser Zeitung mehr und mehr zu schaffen. Kein Wunder: Schlie\u00dflich wurde in der Vergangenheit der L\u00f6wenanteil des Umsatzes bei der &#8222;graswurzel&#8220; &#8211; wie treue Leser das Periodikum fast z\u00e4rtlich nennen &#8211; durch Werbeeinnahmen gedeckt. 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