{"id":6113,"date":"2004-04-01T00:00:27","date_gmt":"2004-03-31T22:00:27","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=6113"},"modified":"2022-07-26T14:15:09","modified_gmt":"2022-07-26T12:15:09","slug":"anarchismus-und-revolution","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2004\/04\/anarchismus-und-revolution\/","title":{"rendered":"Anarchismus und Revolution"},"content":{"rendered":"<p><strong>Bernd Dr\u00fccke (GWR): Hallo Mona. Die erste Frage: Wie bist Du zum Anarchismus gekommen, und wie hast Du Dich politisiert?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Mona Grosche:<\/strong> Im Grunde ist es ganz einfach. Ich bin in einer extrem konservativen Gegend in einer katholischen Familie aufgewachsen und ich war auf einer katholischen Schule, da regte sich dann schnell der Widerspruchsgeist. Wobei ich damals gar nicht genau gewusst habe, wo ich mich jetzt zuordnen soll oder wo ich mich denn hinwenden k\u00f6nnte mit dem, was ich so latent in mir versp\u00fcrte. Ich bin erst mal bei der Friedensbewegung gelandet, was f\u00fcr die Eifel damals schon relativ sensationell war. Wir haben uns sonntags auf dem Markt getroffen, um zu protestieren: &#8222;Schweigen f\u00fcr den Frieden&#8220;. Das klingt im Nachhinein etwas l\u00e4cherlich, aber damals war es f\u00fcr die Umst\u00e4nde in der Umgebung schon relativ krass.<\/p>\n<p>Ich bin dann nach Bonn zum Studieren gegangen, hatte \u00fcber die Fachschaft Politik mit ziemlich vielen Leuten Kontakt, die &#8222;irgendwie links&#8220; waren, von der <em>Juso-Hochschulgruppe<\/em> bis zum <em>Marxistischen Studierenden Bund (MSB)<\/em> und <em>Sozialistischen Hochschulbund (SHB)<\/em>, die immer flei\u00dfig versucht haben, einen in ihre Gruppen zu schleusen. Die haben mir aber alle \u00fcberhaupt nicht zugesagt, bis mich dann eine Kommilitonin fragte: &#8222;Hast Du nicht Lust? Ich bin in einer anarchistischen Gruppe, und wir lesen Erich M\u00fchsam.&#8220;<\/p>\n<p>Ich hatte keinen Schimmer, wovon sie redet. Aber ich dachte, das kann ich mir ja mal angucken. Es klang interessant, und es war kein Verband, der einen gleich vereinnahmen wollte. Ich ging also hin, fand es klasse und den Text au\u00dfergew\u00f6hnlich. Ich hatte dort das Gef\u00fchl, zum ersten Mal auf Leute gesto\u00dfen zu sein, die dasselbe denken wie ich, die dasselbe wollen wie ich. Zum ersten Mal hatte das Kind einen Namen.<\/p>\n<p><strong>Bernd: Wann war das?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Mona<\/strong>: Das war 1984. Die Gruppe hat sich wegen interner Zwistigkeiten zerstritten und ist auseinandergegangen. Zu dieser Zeit gab es aber schon eine FAU-Gruppe in Bonn, und ich bin dann mit dem verbliebenen Rest der anarchistischen Gruppe zur FAU gegangen und &#8211; mit kurzer Unterbrechung &#8211; bis heute da geblieben.<\/p>\n<p><strong>Bernd: Vor ein paar Monaten ist ein interessantes Buch von Dir erschienen: &#8222;Anarchismus und Revolution&#8220;. Was mich ein bisschen gewundert hat, ist, dass es eigentlich schon 1992 geschrieben wurde und Du es im Grunde, bis auf das Vorwort, so gelassen hast, wie Du es damals als Magister-Arbeit abgegeben hast. Nach 1992 erschienene Literatur zum Anarchismus hast Du leider nicht ber\u00fccksichtigt. Kannst Du kurz zusammenfassen, worum es in dem Buch geht und was Dir besonders wichtig war?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Mona<\/strong>: Es war mein erkl\u00e4rtes Ziel, es so zu belassen, wie es entstanden ist. Es h\u00e4tte damals auch schon erscheinen sollen, und ich fand, es sollte im &#8222;Urzustand&#8220; bleiben. Ich habe es stilistisch \u00fcberarbeitet, hatte aber nicht das Interesse, mich nochmal hinzusetzen und neue Sekund\u00e4rliteratur mit einzuarbeiten. Ich dachte, m\u00f6gen andere bei Bedarf noch Erg\u00e4nzungen zum Thema vornehmen, wenn sie ihnen notwendig erscheinen.<\/p>\n<p>Erst jetzt herausgekommen ist es, weil es nicht einfach ist, einen Verlag zu finden. Das Buch hat nicht gerade den g\u00e4ngigsten Titel. Zwischendurch gab es Ans\u00e4tze, die sich aber wieder zerschlagen haben. Es scheiterte auch an der \u00fcblichen Druckkostenbeteiligung. Mit &#8222;Syndikat A&#8220; ist es nun Wirklichkeit geworden. Ich habe eine Setzerin gefunden, die das Ganze fabelhaft und kostenlos gesetzt hat. Es hat dann zwar noch Verz\u00f6gerungen gegeben, aber im November 2003 ist es endlich herausgekommen.<\/p>\n<p>Worum es mir mit dem Buch haupts\u00e4chlich geht, ist zum Einen, dem Vorurteil entgegenzutreten, dass der Anarchismus eine theorielose und diffuse Angelegenheit ist, was nicht stimmt. Und zum anderen, dem Ansatz, der auch in der wissenschaftlichen Literatur verbreitet ist, dass es keinen eigenen anarchistischen Revolutionsbegriff gibt, etwas entgegenzusetzen. Wenn es diesen g\u00e4be, hei\u00dft es oft, dann unterscheide er sich nur in kleinen Punkten vom marxistischen Revolutionsbegriff und meist in Bereichen, die negativ dargestellt werden wie &#8222;Revolutionsromantik&#8220; und einem &#8222;volontaristischen Zug&#8220;.<\/p>\n<p>Ich fand, dass das nicht stimmte, und wollte eine eigene Darstellung vornehmen, die zeigt, dass der anarchistische Begriff von Revolution etwas Eigenes ist und dar\u00fcber heute noch nachgedacht werden sollte.<\/p>\n<p><strong>Bernd: Im Moment bist Du auf Lesetournee und machst in M\u00fcnster eine Veranstaltung mit 35 Zuh\u00f6rerinnen und Zuh\u00f6rern. Wie war das bis jetzt bei Deinen vorherigen Lesungen, und welche Veranstaltungen machst Du noch in den n\u00e4chsten Wochen?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Mona<\/strong>: Die Zuh\u00f6rerinnen und Zuh\u00f6rer hier in M\u00fcnster waren bisher mit Abstand die J\u00fcngsten. Gut besucht waren die anderen Veranstaltungen auch, ich war vorher in Bielefeld und in Bonn, das Publikum war gemischt, was die Altersstruktur und die Herkunft anbelangt. Es gab lebhafte, sehr unterschiedliche Diskussionen. Vor Jahren, als ich dachte, dass das Buch rauskommen w\u00fcrde, hatte ich schon mal ein paar Veranstaltungen in Bonn und in Halle an der Saale dazu gemacht. Jetzt sind Veranstaltungen in K\u00f6ln und Osnabr\u00fcck geplant, und ich m\u00f6chte eine kleine &#8222;Tour de Ruhr&#8220; machen, mit Lesungen in verschiedenen Ruhrgebietsst\u00e4dten ((3)).<\/p>\n<p><strong>Horst Blume (GWR): Ich bin eher der Praxisfanatiker, der aus einer B\u00fcrgerinitiative kommt. (Bernd: &#8222;Eine lebende Legende!&#8220;). Ich hab immer so ein bisschen Probleme, wenn da \u00fcber Revolutionsmodelle geredet wird. Ich wohne in der Provinz, und da k\u00f6nnen die &#8222;normalen&#8220; Menschen mit diesen Revolutionstheorien eher wenig anfangen, sondern da geht es um praktische Dinge wie den Widerstand gegen Atomkraftwerke oder Sozialforen gegen den Sozialabbau gr\u00fcnden. Gro\u00df an Revolution, da kann man in der Provinz noch gar nicht dran denken. Nat\u00fcrlich ist mir bewusst, dass es sicherlich n\u00f6tig wird, einen utopischen Gegenentwurf zu haben und diesen als Beispiel zu formulieren.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Mona<\/strong>: Ich sehe da keinen gro\u00dfen Widerspruch. Zum Einen, was Du selbst schon gesagt hast, ist es wichtig, gerade jetzt, wo so harter Sozialabbau betrieben wird und sich viele Leute pers\u00f6nlich in einer schwierigen Lebenslage befinden, wo sie vor dem Verlust ihrer Lebensperspektive stehen, und keiner wei\u00df, was die n\u00e4chsten Jahre bringen werden, andere Ideen unter die Leute zu bringen und ihnen einen Ansto\u00df zu geben, dar\u00fcber nachzudenken, dass es tats\u00e4chlich etwas anderes geben k\u00f6nnte als das System, was wir hier gerade haben. Ich denke, diesen Gedanken, dass es Alternativen zum bestehenden System geben kann, haben die Leute vielfach verloren. Ich stimme dir zu in dem Punkt, dass ich sage, ja klar, es steht jetzt keine Revolution an. So ist das Buch auch nicht gemeint, sondern es ist so intendiert, Denkanst\u00f6\u00dfe zu geben, wie unsere Gesellschaft ver\u00e4ndert werden kann. Es soll dazu anregen, dar\u00fcber nachzudenken, was jeder Einzelne bewegen und auf einer basisdemokratisch und dezentral organisierten Ebene tun kann. Da kommen dann auch die B\u00fcrgerinitiativen und die lokalen sozialen Foren ins Spiel: Das sind alles Ebenen, auf denen Menschen Ideen umsetzen, die die jetzige Situation des Einzelnen verbessern und Gedanken wachsen lassen, was gesamtgesellschaftlich ver\u00e4ndert und verbessert werden k\u00f6nnte. Wichtig ist, Leuten ein Gef\u00fchl daf\u00fcr zu geben, was sie jetzt f\u00fcr sich und die Menschen um sie herum tun k\u00f6nnen. Dazu kann das Buch ein Ansto\u00df sein.<\/p>\n<p><strong>Bernd: Du definierst in &#8222;Anarchismus und Revolution&#8220; den Revolutionsbegriff, beziehungsweise skizzierst die verschiedenen Definitionen, aber gewaltfreie oder gewaltlose Revolution bezeichnest Du eher als Vorstufe des Begriffes, wie man ihn heute \u00fcblicherweise gebraucht. Was mir zu kurz kommt, ist die Graswurzelrevolution, die gewaltfrei-libert\u00e4re Revolution <em>von unten<\/em>.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Mona:<\/strong> Das h\u00f6rt sich vielleicht bl\u00f6d an, aber das Fehlen der Graswurzelidee resultiert tats\u00e4chlich aus der K\u00fcrze des Buches und aus der mir vorgegebenen Seitenbeschr\u00e4nkung (wie im Vortrag erl\u00e4utert). Ich habe mich ja auch deshalb auf Teilaspekte der anarchistischen Bewegung beschr\u00e4nken m\u00fcssen, obwohl ich mir ein viel weiteres Feld vorgenommen und schon umfangreiche Recherchen durchgef\u00fchrt hatte. Urspr\u00fcnglich wollte ich alle anarchistischen Str\u00f6mungen behandeln. Dass der gewaltfreie Anarchismus nicht vorkommt, war also nicht exklusiv gedacht in dem Sinne, dass ich ihn nicht gut hei\u00dfe, sondern ich musste mich auf die drei &#8222;Klassiker&#8220; beschr\u00e4nken. Und bei den Dreien ist es nur Proudhon, der allein das Tauschbank-Modell verfolgt, w\u00e4hrend die anderen beiden mit Gewaltfreiheit nicht so viel zu tun haben.<\/p>\n<p><strong>Nico Vonneilich (GWR): Warum hast Du Proudhon, Bakunin und Kropotkin ausgew\u00e4hlt und nicht einen anderen klassischen &#8222;Theoretiker&#8220;&#8230; ?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Bernd: \u2026 z.B. Leo Tolstoi, Errico Malatesta, Gustav Landauer, Emma Goldman, Rudolf Rocker, &#8230;?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Mona: <\/strong>Ich habe Proudhon, Bakunin und Kropotkin genommen, weil es sich um die allgemein als &#8222;Klassiker&#8220; anerkannten Theoretiker des Anarchismus handelt. Dar\u00fcber hinaus ergab sich f\u00fcr mich ein Sinnzusammenhang dadurch, dass der Kollektivismus sich als Weiterentwicklung des F\u00f6deralismus betrachtet und der kommunistische Anarchismus sich als die Weiterentwicklung des Kollektivismus. In vielen Grundgedanken stimmen diese drei Richtungen \u00fcberein oder bauen aufeinander auf, in einigen anderen Punkten setzen sie ganz unterschiedliche eigene Akzente.<\/p>\n<p>Am liebsten h\u00e4tte ich alle anderen wichtigen TheoretikerInnen mitbehandelt, ich musste aber eine Auswahl treffen &#8211; und da fand ich diese sinnvoll.<\/p>\n<p><strong>Nico: Wie sollte laut Proudhon der Tauschhandel das kapitalistische System abl\u00f6sen, und wie sollte er funktionieren?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Mona: <\/strong>Das kann ich jetzt nat\u00fcrlich nur stark verk\u00fcrzt darstellen. Proudhons Tauschbankidee geht auf seine Analyse der kapitalistischen \u00d6konomie zur\u00fcck. Wie heute ja nur noch Wenigen bekannt, hat er die meisten Punkte der marxistischen Analyse, u.a. die Mehrwerttheorie, vorweggenommen und damit gro\u00dfen Einfluss in der Arbeiterbewegung erlangt. Die Grundlagen der wirtschaftlichen Ausbeutung sah er vor allem im Eigentumsrecht verankert. Mit seinem Satz &#8222;Eigentum ist Diebstahl&#8220; richtet er sich aber nicht gegen jeglichen Besitz, wie viele meinen, sondern gegen das &#8222;arbeitslose&#8220; Eigentum &#8211; also ein Eigentum, dass einem ein Einkommen einbringt, ohne dass man daf\u00fcr selbst etwas tun muss. &#8222;Der Eigent\u00fcmer erntet, ohne zu s\u00e4en&#8220;, wie Proudhon selbst sagt. F\u00fcr ihn ist nur das Eigentum legitim, das auf eigener Arbeit beruht. Das umfasst er mit dem Begriff &#8222;Besitz&#8220;. Besitzer ist man aber nur solange, wie man Grund und Boden oder auch Produktionsmittel tats\u00e4chlich nutzt. L\u00e4sst man seine Felder brachliegen, verwirkt man das Recht daran &#8211; das Land geh\u00f6rt dem, der es dann neu bestellt.<\/p>\n<p>Mit der Abschaffung des arbeitslosen Eigentums sollte die Ursache sozialer Ungerechtigkeit \u00fcberwunden werden. Deshalb gr\u00fcndete Proudhon 1848 eine Tauschbank. Hier erhielt jeder f\u00fcr die Produkte seiner Arbeit Tauschbons, mit denen andere Produkte oder Leistungen getauscht werden konnten. Der Wert der dabei geleisteten Arbeit wurde in Zeit gemessen. Allerdings sollte da ein Mittelwert zugrunde gelegt werden, weil ja verschiedene Menschen unterschiedlich lange brauchen, um etwa einen Tisch zu bauen oder ein Brot zu backen. Mit dem Tauschsystem und der gleichzeitigen Abschaffung des Geldes (und damit auch von Zinsgesch\u00e4ften etc.) wollte er so zuk\u00fcnftig eine Anh\u00e4ufung von Kapital, und damit neue Ungleichheit, unm\u00f6glich machen.<\/p>\n<p>Den Beweis f\u00fcr den Erfolg seiner Idee konnte er in der Praxis leider nicht erbringen. Obwohl die \u00f6konomische Umgestaltung der Gesellschaft als langfristiger Prozess von ihm sogar im Einklang mit den Gesetzen geplant war, musste die Tauschbank wenige Monate nach Er\u00f6ffnung schlie\u00dfen, weil Proudhon zu einer Haftstrafe verurteilt worden war. <strong><\/strong><\/p>\n<p><strong>Nico: In Bakunins Theorien w\u00fcrde ja ein Lohnsystem bestehen bleiben. Wie kann das mit anarchistischen Ideen der Gleichheit und dem Fehlen jeglicher Herrschaft in Einklang gebracht werden, wenn doch durch ein Lohnsystem zwangsl\u00e4ufig Mehr- und Weniger-Verdienende herausgebildet w\u00fcrden?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Mona:<\/strong> Ich sehe da auch einen Widerspruch und denke, weder Proudhon noch Bakunin sind dabei letztendlich weit genug gegangen. Beide haben aber zum Ziel gehabt, Gleichheit und Herrschaftsfreiheit durchzusetzen.<\/p>\n<p>Bakunins Kritik richtete sich dabei ebenso wie die Proudhons haupts\u00e4chlich gegen das Eigentum an Produktionsmitteln und die Ausbeutung derjenigen, die eben keine Produktionsmittel besitzen, sondern f\u00fcr deren Eigent\u00fcmer schuften, ohne je in den Genuss des von ihrer Leistung erbrachten Mehrwerts zu kommen. Dem wollte Bakunin durch den gemeinschaftlichen Besitz der Produktionsmittel entgegentreten. Nach dem Motto &#8222;Jedem der volle Ertrag seiner Arbeit&#8220; sollte dann jeder entsprechend seiner Arbeitszeit entlohnt werden. Nat\u00fcrlich bek\u00e4me dann derjenige mehr, der viele Stunden arbeitet, gegen\u00fcber dem, der nur ein paar Stunden t\u00e4tig ist. Bakunin ging aber wohl davon aus, dass sich das auf einem ungef\u00e4hr gleichen Niveau einpendelt.<\/p>\n<p>Dass dann keine neuen Reicht\u00fcmer angeh\u00e4uft werden, wollte er au\u00dferdem mit einem relativ einfachen &#8222;Trick&#8220; vermeiden: \u00dcber die Abschaffung des Erbrechts sollte jeder Mensch zu Beginn seines Lebens \u00fcber die gleichen Ausgangsbedingungen verf\u00fcgen wie die anderen und nicht aufgrund seiner Geburt privilegiert sein. Ich pers\u00f6nlich finde jedenfalls, die anarchistischen Grundprinzipien der Freiheit und Gleichheit spiegeln sich am ehesten im kommunistischen Anarchismus wider, wo sowohl Produktion als auch Konsum vergesellschaftet sind.<\/p>\n<p>Kropotkins Slogan &#8222;Jeder nach seinen F\u00e4higkeiten &#8211; jedem nach seinen Bed\u00fcrfnissen&#8220; trifft das Ideal ziemlich genau.<\/p>\n<p><strong>Bernd: Dein neues Buch befasst sich mit dem Anarchismus-Begriff, dem Revolutions-Begriff und den Theorieans\u00e4tzen von Proudhon, Kropotkin und Bakunin. Das sind drei der wichtigsten anarchistischen Theoretiker des 19. Jahrhunderts. Welche Perspektiven siehst Du f\u00fcr den Anarchismus heute, im 21. Jahrhundert?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Mona:<\/strong> Ich sehe eigentlich ganz gute Perspektiven, auch wenn sich das nicht in etwas Speziellem manifestiert. Man kann nicht sagen, dass es sich beim Anarchismus gerade aktuell um eine Massenbewegung handelt. Was man aber beobachten kann ist die Tatsache, dass die Leute, wenn sie mit anarchistischen Gedanken oder Publikationen in Ber\u00fchrung kommen, oft sehr interessiert und neugierig reagieren. Ich stelle fest, dass mehr Offenheit gegen\u00fcber anarchistischen Ideen besteht, als man allgemein annehmen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Der &#8222;Realsozialismus&#8220; existiert schon eine Weile nicht mehr, und ich denke, dass er als Alternative \u00fcberholt ist und in seiner Praxis gezeigt hat, dass er als solche auch nicht in Frage kommt.<\/p>\n<p>Ich glaube, die Leute sind auf der Suche nach einer Alternative zu dem, wie es jetzt l\u00e4uft. Wenn wir es schaffen, als Anarchistinnen und Anarchisten unsere Medien gut zu nutzen und an die \u00d6ffentlichkeit zu gehen und nicht in einer Art linkem Politik-Ghetto rumzugeistern und zu meinen, die Leute m\u00fcssten zu uns kommen, wenn wir stattdessen auf sie zugehen. Ich glaube, dann gibt es gute Chancen, dass tats\u00e4chlich etwas passiert.<\/p>\n<p><strong>GWR: Liebe Mona, wir danken Dir f\u00fcr das Gespr\u00e4ch. <\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bernd Dr\u00fccke (GWR): Hallo Mona. Die erste Frage: Wie bist Du zum Anarchismus gekommen, und wie hast Du Dich politisiert? Mona Grosche: Im Grunde ist es ganz einfach. Ich bin in einer extrem konservativen Gegend in einer katholischen Familie aufgewachsen und ich war auf einer katholischen Schule, da regte sich dann schnell der Widerspruchsgeist. Wobei &hellip; <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2004\/04\/anarchismus-und-revolution\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"slim_seo":{"title":"Anarchismus und Revolution - graswurzelrevolution","description":"Bernd Dr\u00fccke (GWR): Hallo Mona. 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