{"id":6206,"date":"2004-05-01T00:00:48","date_gmt":"2004-04-30T22:00:48","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=6206"},"modified":"2022-07-26T14:24:35","modified_gmt":"2022-07-26T12:24:35","slug":"ein-marxist-leninist-namens-ernesto-guevara","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2004\/05\/ein-marxist-leninist-namens-ernesto-guevara\/","title":{"rendered":"Ein Marxist-Leninist namens Ernesto Guevara"},"content":{"rendered":"<p>Schon der anarchistische Guevara-Kritiker Augustin Souchy berichtet in seinen Memoiren von anarchistischen Kongressen mit Sympathien f\u00fcr Guevara. ((1)) In j\u00fcngster Zeit erschien die deutsche \u00dcbersetzung der bedeutenden Guevara-Biographie von Paco Ignacio Taibo II in einem libert\u00e4ren Verlag, schlie\u00dflich wird ihm mit seinem Ausspruch &#8222;Seien wir realistisch, versuchen wir das Unm\u00f6gliche!&#8220; eine bakunistische Tradition unterstellt. ((2))<\/p>\n<p>Dabei gibt es im wirklichen Leben des Ernesto Guevara keinen Anhaltspunkt f\u00fcr eine libert\u00e4re \u00dcberzeugung; Taibo h\u00e4tte sie in seiner umfangreichen, die neueste Guevara-Forschung ber\u00fccksichtigenden Biographie sicher erw\u00e4hnt. Dem jungen Guevara ist das auch nicht vorzuwerfen, es fehlte ihm eher an libert\u00e4ren Ankn\u00fcpfungspunkten. Er stammte aus einem Elternhaus der Oberschicht Argentiniens, der Vater, Bauingenieur, war diffus sozialistisch, die Mutter antiimperialistisch und von der Frauenbewegung beeinflusst.<\/p>\n<p>Die Familie kannte zwar die Geschichte der spanischen Volksfront von 1936, doch wenn Ernesto Guevara in seinen jugendlichen Wanderjahren in Lateinamerika, die ihn als angehenden Arzt \u00fcber Bolivien und Guatemala nach Mexico f\u00fchrten, nur KommunistInnen und keine AnarchistInnen traf, ist das nicht untypisch f\u00fcr die f\u00fcnfziger Jahre. Der klassische Anarchosyndikalismus S\u00fcdamerikas hatte seine Bl\u00fctezeit hinter sich. Es w\u00e4re Zufall gewesen, wenn Guevara libert\u00e4re AktivistInnen getroffen oder entsprechende Literatur gelesen h\u00e4tte. Als er zusammen mit den Cubanern um Fidel Castro Ende 1956 von Mexico-City nach Cuba aufbrach, las er gerade Lenins &#8222;Staat und Revolution&#8220; sowie den ersten Band von Marx&#8216; &#8222;Das Kapital&#8220;, der ihm in die cubanischen Berge nachgesandt werden musste. Zwar lie\u00df er sp\u00e4ter bei Diskussionen \u00fcber die Agrarreform vereinzelt sympathisierende Bemerkungen \u00fcber den Zapatismus fallen, vom Anarchismus aber sprach er zeitlebens wie jeder orthodoxe Marxist-Leninist: So waren f\u00fcr ihn unterschiedlich hohe L\u00f6hne im Kapitalismus &#8222;Lohnanarchie&#8220;. ((3)) 1964, nach dem Bruch zwischen der UdSSR und China, \u00e4u\u00dferte er Sympathien f\u00fcr China und revidierte seine &#8211; zun\u00e4chst stalinistisch beeinflusste &#8211; Ablehnung Trotzkis. \u00dcber diese Lebensphase Guevaras bemerkt Biograph Taibo:<\/p>\n<p>&#8222;Er sp\u00fcrt, dass man zu den angeblichen H\u00e4resien des Marxismus zur\u00fcckkehren und sie vorurteilslos untersuchen muss, aber Che hatte keinen anderen Kontakt zum Trotzkismus, Anarchosyndikalismus, R\u00e4tekommunismus oder irgendeiner anderen Str\u00f6mung der europ\u00e4ischen revolution\u00e4ren Linken in der ersten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts als den, den er durch die Darstellungen der siegreichen sowjetischen stalinistischen B\u00fcrokratie erhalten hatte.&#8220; ((4))<\/p>\n<p>Als kleiner Junge versp\u00fcrte Guevara nach Angaben von Taibo Sympathien f\u00fcr Mahatma Gandhi. Doch das blieb ohne Bedeutung. Als er im Juli 1959 bei einer Indienreise als erster Botschafter der cubanischen &#8222;Revolution&#8220; einen Kranz an der Verbrennungsst\u00e4tte Gandhis niederlegte, dokumentierte er seine fehlende Auseinandersetzung mit Theorie und Praxis der gewaltfreien Revolution, als er meinte: &#8222;Der passive Widerstand macht in Lateinamerika keinen Sinn, bei uns muss er aktiv sein.&#8220; ((5))<\/p>\n<h3>Betrogener Idealismus oder: Was ist revolution\u00e4r?<\/h3>\n<p>Ernesto Guevara versuchte subjektiv, sein Leben lang einem Ideal des von materiellen Anreizen unkorrumpierbaren Humanismus einer egalit\u00e4ren Gesellschaft treu zu bleiben. Dass er 1965 seine gesicherte Stellung als cubanischer Industrieminister wieder aufgab, um erneut als Guerillero unter extremen Bedingungen (und mit dem zus\u00e4tzlichen Handicap seines chronischen Asthma-Leidens) sein Leben zu riskieren, br\u00fcskierte all diejenigen, die auf ihren Regierungsposten klebten und die Ideale der cubanischen &#8222;Revolution&#8220; St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck durch die Anh\u00e4ufung individueller materialistischer Bequemlichkeiten ersetzten. Sie betrogen dadurch den humanistischen und egalit\u00e4ren Anspruch der &#8222;Revolution&#8220;.<\/p>\n<p>Doch obwohl Guevara seinem Idealismus treu bleiben wollte, musste auch er selbst diesen Anspruch verraten. Warum? Weil er seinen Idealismus einer Kampfform unterordnete, deren allgemeine Struktur und Notwendigkeiten immer wieder das Gegenteil dessen erforderten, was humanistische und egalit\u00e4re Ideale beinhalten. In seinem bolivianischen Tagebuch schrieb Guevara \u00fcber den bewaffneten Kampf:<\/p>\n<p>&#8222;Diese Art Kampf gibt uns die M\u00f6glichkeit, zu Revolution\u00e4ren zu werden, der h\u00f6chsten Stufe der menschlichen Spezies, aber sie erlaubt uns auch, uns als Menschen zu bew\u00e4hren.&#8220; ((6))<\/p>\n<p>Doch dieser &#8222;Revolution\u00e4r&#8220;, die &#8222;h\u00f6chste Stufe der menschlichen Spezies&#8220;, musste bereits in der ersten Phase des cubanischen Guerillakampfes, der in den Jahren 1957\/58 stattfand, von sich und anderen verlangen, Deserteure umzubringen. So berichtet ein Mitk\u00e4mpfer \u00fcber die Exekution des &#8222;Verr\u00e4ters&#8220; Eutimio Guerra, der der feindlichen Armee des cubanischen Diktators Batista Hinweise auf den Aufenthalt der Guerilla gegeben hat: &#8222;Pl\u00f6tzlich zog Che einen 22er Colt und jagte ihm, paff, eine Kugel in den Kopf.&#8220; ((7)) In der ersten, entbehrungsreichen Zeit in der Sierra Maestra gab es viele Desertionen aus den Reihen der Guerilla. Als Guevara Kommandant geworden war, verfolgte er eine widerspr\u00fcchliche Strategie: Manchmal lie\u00df er Deserteure ziehen, um sich von untauglichen K\u00e4mpfern zu befreien. Wenn er aber das Gef\u00fchl hatte, Strafen f\u00fcr Vergehen aussprechen zu m\u00fcssen, richtete er Deserteure hin, auch w\u00e4hrend der Phasen, in denen keine K\u00e4mpfe stattfanden:<\/p>\n<p>&#8222;W\u00e4hrend die Kolonne sich Richtung Osten bewegt, um in die unzug\u00e4nglichsten Gebiete der Sierra Maestra vorzudringen, kommt es zu einer Desertion. Als einer der M\u00e4nner, die ausgeschickt worden sind, um den Deserteur zu verhaften, mit ihm fliehen will, f\u00fcgt ihm ein Kamerad eine t\u00f6dliche Schussverletzung zu, nachdem dieser seine Aufforderung zum Stehenbleiben nicht nachgekommen ist.&#8220; Dazu Guevara in seinem cubanischen Tagebuch: &#8222;Ich versammelte die ganze Truppe an einem H\u00fcgel nahe dem Schauplatz des makabren Ereignisses und erkl\u00e4rte unseren Guerilleros, was sie nun zu sehen bek\u00e4men und was dies zu bedeuten h\u00e4tte. Ich erkl\u00e4rte ihnen, warum die Desertion mit dem Tode bestraft wurde, den Grund der Bestrafung all jener, die die Revolution verraten. Wir zogen im G\u00e4nsemarsch und in vollkommenem Schweigen &#8211; viele waren angesichts des ersten Bildes vom Tod noch best\u00fcrzt &#8211; an der Leiche jenes Mannes vorbei, der seinen Platz verlassen hatte und dabei vielleicht eher durch irgendwelche pers\u00f6nliche<em> <\/em>Sympathien zum Deserteur geworden war als durch Untreue zur Revolution.&#8220; ((8))<\/p>\n<p>Ebenfalls Produkt typischer milit\u00e4rischer Notwendigkeiten war die Entstehung von folter\u00e4hnlichen Verfahren. So \u00fcbernahm die Guerilla im befreiten Gebiet eine eigene Rechtssprechung, hatte aber keine Gef\u00e4ngnisse zur Verf\u00fcgung und konnte keine Gefangenen \u00fcber l\u00e4ngere Zeit versorgen. Wenn gegnerische Soldaten gefangen genommen wurden, stellte deren baldige Freilassung nicht nur eine zus\u00e4tzliche Dem\u00fctigung der Armee dar und trug zur Zersetzung des Kampfgeistes in deren Reihen bei, sondern sie war vor allem eine organisatorische Erleichterung. Doch was tun mit Verr\u00e4tern, verantwortlichen Offizieren, gew\u00f6hnlichen Verbrechern? Eine L\u00f6sung hie\u00df Scheinhinrichtung. So wurde die Bande von Chino Chang geschnappt, die in der Sierra Maestra mafiaartig ihr Unwesen getrieben und dabei Verbrechen begangen hat.<\/p>\n<p>Taibo: &#8222;Gemeinsam mit Chino wird ein Bauer, der eine Jugendliche vergewaltigt hatte, in einem Schnellverfahren hingerichtet. Zwei Mitglieder der Bande werden freigesprochen und drei andere einer Scheinf\u00fcsilierung unterworfen.&#8220; Guevara im Tagebuch zu den Scheinhinrichtungen: &#8222;Dieses erstmals in der Sierra angewandte System mag vielleicht etwas barbarisch erscheinen, es war indes keine andere Form der Bestrafung f\u00fcr diese drei M\u00e4nner m\u00f6glich, die eine Reihe von ziemlich schweren Delikten auf dem Kerbholz hatten. (&#8230;) Die drei traten danach der Rebellenarmee bei, und zwei von ihnen haben sich meinen Informationen zufolge gl\u00e4nzend in der gesamten Aufstandsphase geschlagen.&#8220; ((9)) Die Methode der Scheinhinrichtung geh\u00f6rt zum repressiven Instrumentarium jeder imperialistischen Armee. Doch unabh\u00e4ngig davon, ob sie von imperialistischen S\u00f6ldnerarmeen oder von Guerillas begangen wird, eine Scheinhinrichtung ist Folter!<\/p>\n<p>Ein weiteres Merkmal jedes milit\u00e4rischen Kampfes, das inzwischen zu einem Aspekt der Arbeit von antimilitaristischen und Menschenrechts-Initiativen geworden ist, trat ebenfalls im cubanischen Guerillakampf zutage. Weil die Guerilla sich in der Anfangsphase bei Armeeoffensiven ins Gebirge zur\u00fcckziehen musste, wurden die engen Wege auf die Gipfel f\u00fcr Soldaten unzug\u00e4nglich gemacht.<\/p>\n<p>Castro und Guevara verwendeten dazu Landminen. Castro empfahl Guevara Tellerminen und beschrieb ihm in einem Brief die Wirkung: &#8222;Gestern h\u00e4ngte ich eine Metallgranate an einen zwei Meter hohen Ast und brachte sie zur Explosion. Sie schleuderte t\u00f6dliche Splitter in alle Richtungen.&#8220; ((10))<\/p>\n<p>Jeder Guerillakampf sieht sich zu Beginn mit der milit\u00e4rischen \u00dcbermacht des Gegners konfrontiert. Obwohl die cubanische Guerilla recht bald einen Flugplatz im befreiten Gebiet hatte, auf dem Flugzeuge mit Waffennachschub aus den Unterst\u00fctzungsbasen in den USA und Venezuela landeten, war sie unzureichend bewaffnet und nie ausreichend mit Nachschub versorgt. Guevara entwickelte aus dieser Notsituation seine Theorie vom schnellen Bewegungskrieg, wonach sich die Guerilla durch Angriffe auf Armeekasernen im Verlauf des Kampfes beim<em> <\/em>besiegten Gegner mit Waffen versorgt. In Wirklichkeit war damit die Forderung an viele K\u00e4mpfer verbunden, selbst schlecht ausger\u00fcstet oder gar unbewaffnet mitten im Kugelhagel zu versuchen, den Gegner zu entwaffnen. Eine Einsatzgruppe in vorderster Front, die haupts\u00e4chlich aus Jugendlichen bestand, hatte sogar offiziell den vielsagenden Namen &#8222;Selbstmordtrupp&#8220;. Guevara erz\u00e4hlte folgendes Erlebnis mit einem seiner K\u00e4mpfer, der im Ort Remedios sein Gewehr verloren hatte:<\/p>\n<p>&#8222;Ich gab ihm eine meiner \u00fcblichen trockenen Antworten: Erobere dir ein anderes Gewehr, indem du dich unbewaffnet an die vorderste Gefechtslinie begibst (&#8230;), wenn du dazu in der Lage bist. Als ich sp\u00e4ter in Santa Clara die Verletzten im Feldlazarett aufmunterte, ber\u00fchrte mich ein im Sterben Liegender an der Hand und sagte: &#8218;Erinnern Sie sich noch an mich, Kommandant? Sie haben mich in Remedios aufgefordert, mir eine Waffe zu erobern (&#8230;) und ich habe es getan.&#8216; (&#8230;) Er sollte wenige Minuten sp\u00e4ter sterben und blickte mich zufrieden an, da er seinen Mut bewiesen hatte.&#8220; ((11))<\/p>\n<p>Unmittelbar nach dem milit\u00e4rischen Sieg der cubanischen Guerilla, nach dem Ende der Kampfhandlungen und ohne die Gefahr eines unmittelbaren Gegen-Putsches, wurden vom 1. bis zum 20. Januar 1959 rund 200 befehlshabende Milit\u00e4rs und Soldaten des Batista-Regimes hingerichtet. Guevara geh\u00f6rte den Schnellgerichten nicht an, \u00fcberpr\u00fcfte aber als Garnisonskommandant die Berufungen gegen die Todesurteile. Taibo: &#8222;Er d\u00fcrfte keine Zweifel an den Urteilen gehegt haben; er hielt sie f\u00fcr gerecht. In den letzten Jahren hatte er sich in \u00e4hnlichen Situationen eine gewaltige H\u00e4rte angeeignet.&#8220; ((12))<\/p>\n<p>Hat sich Guevara durch diese &#8222;H\u00e4rte&#8220; als &#8222;Mensch&#8220; bew\u00e4hrt, als &#8222;Revolution\u00e4r&#8220;, als &#8222;h\u00f6chste Stufe der menschlichen Spezies&#8220;, wie er meinte? Oder haben nicht vielmehr die ehernen Gesetze des bewaffneten Kampfes seine Verhaltensweisen inhuman gemacht, eine konterrevolution\u00e4re Kaltbl\u00fctigkeit und disziplinarische Versessenheit (gegen sich pers\u00f6nlich und, als Forderung nach milit\u00e4rischer Disziplin, gegen andere) an die Oberfl\u00e4che gebracht, die seinen Idealismus umso autorit\u00e4rer und gef\u00e4hrlicher erscheinen lassen? Die Anwendung revolution\u00e4rer Gewalt, das zeigte schon Lenin in Russland, kann, wenn au\u00dferordentlich g\u00fcnstige Bedingungen zusammenkommen, durchaus milit\u00e4risch erfolgreich sein. Sie ist allerdings auch f\u00fcr einen Gro\u00dfteil derjenigen Gewalt- und Herrschaftsstrukturen verantwortlich, die sowohl w\u00e4hrend des Kampfes, als auch nach Etablierung der verstaatlichten Befreiungsarmee im neuen Staat auftreten.<\/p>\n<h3>L\u00f6sung der Weltprobleme &#8222;hinter dem Eisernen Vorhang&#8220;?<\/h3>\n<p>Entsprechend milit\u00e4risch sozialisiert, \u00fcberraschen dann Stellungnahmen Guevaras auch nicht mehr, die ihn als vehementen Bef\u00fcrworter milit\u00e4rischer Macht zeigen, wenn diese nur auf der angeblich richtigen Seite steht. So meinte Guevara noch w\u00e4hrend des cubanischen Guerillakampfes, am 14. Dezember 1957, innerhalb einer ideologischen Auseinandersetzung mit Ramos Latour von der &#8222;Nationalen Leitung der Ebene&#8220; (dem st\u00e4dtischen Unterst\u00fctzungsnetzwerk) um die Dominanz in der &#8222;Bewegung des 26. Juli&#8220; (der offizielle Name von Castros Organisation):<\/p>\n<p>&#8222;Meiner ideologischen Schulung zufolge geh\u00f6re ich zu denen, die glauben, dass die L\u00f6sung der Weltprobleme sich hinter dem sogenannten Eisernen Vorhang befindet.&#8220; ((13))<\/p>\n<p>Pikant, dass Guevara dieses Bekenntnis nur ein Jahr, nachdem sowjetische Panzer die Revolte in Ungarn zermalmt haben, \u00e4u\u00dferte.<\/p>\n<p>Ramos Latour antwortete ihm am 18.12.1957: &#8222;Die Beseitigung unserer \u00dcbel geschieht nicht dadurch, dass wir uns von der sch\u00e4dlichen Yankeeherrschaft durch die nicht weniger sch\u00e4dliche sowjetische Herrschaft befreien.&#8220; ((14)) Angesichts dieser Antwort innerhalb der eigenen Organisation kann argumentiert werden, dass Guevara zu dieser Zeit den stalinistischen Fl\u00fcgel der Befreiungsbewegung repr\u00e4sentierte. Ramos Latour starb kurze Zeit sp\u00e4ter im Kampf.<\/p>\n<p>Zusammen mit Ra\u00fal Castro sorgte Guevara zu Beginn der castristischen Herrschaft in Cuba daf\u00fcr, dass die Kommunistische Partei Cubas (fr\u00fcher PCC, jetzt PSP: Sozialistische Volkspartei) St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck Machtpositionen gewinnen konnte. Im Jahre 1960 nahm Guevara in Moskau an den Feiern zum Jahrestag der Oktoberrevolution teil: &#8222;Er wird zum Pr\u00e4sidium geleitet, was eine hohe Auszeichnung ist, die normalerweise den Staatsoberh\u00e4uptern und den hochrangigen B\u00fcrokraten des Ostblocks vorbehalten ist.&#8220; ((15))<\/p>\n<p>Er besuchte China und Nordkorea. Guevara zum Nordkorea des stalinistischen Diktators Kim Il Sung: &#8222;vielleicht das Land, das uns am st\u00e4rksten beeindruckt hat.&#8220; ((16))<\/p>\n<p>Biograph Taibo fragt: &#8222;Was bedeutete die UdSSR f\u00fcr Che? Ein paar Romane \u00fcber den antifaschistischen Krieg und die Oktoberrevolution, die Erbin der sozialistischen Mythologie, die Heimat Lenins, die Wiege des marxistischen Humanismus, die Heimat des Egalitarismus, die Alternative zum wohlbekannten US-Imperialismus in einer bipolaren Welt. Weder die Moskauer Prozesse noch der polizeiliche Autoritarismus, noch die Verfolgung der Dissidenten, noch der b\u00fcrokratische Anti-Egalitarismus, noch die schlecht geplante Wirtschaft, noch der Fassaden- und Pappmach\u00e9kommunismus der Russen geh\u00f6rt zu Ches politischer Kultur im Jahre 1960.&#8220;<\/p>\n<p>Guevara war nach Taibo &#8222;zweifellos einer der st\u00e4rksten Bef\u00fcrworter der Ann\u00e4herung an die Sowjetrussen innerhalb der kubanischen Regierung.&#8220; ((17))<\/p>\n<p>Am 30.5.1962 entschied ein Geheimtreffen von Fidel Castro, Ra\u00fal Castro, Ernesto Guevara und dem damaligen cubanischen Pr\u00e4sidenten Dortic\u00f3s dar\u00fcber, den Vorschlag von Chruschtschow anzunehmen, auf Cuba Atomraketen zu stationieren.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter waren Guevara und Castro allerdings dar\u00fcber entt\u00e4uscht, dass Chruschtschow die Atomwaffen in den Verhandlungen nach der Drohung Kennedys wieder abziehen lie\u00df, ohne die Cubaner zu fragen. Dabei hatte der russische KP-Chef mit Kennedy die Garantie ausgehandelt, von Seiten der USA zuk\u00fcnftig auf eine Milit\u00e4rintervention in Cuba zu verzichten. ((18))<\/p>\n<p>Nach der italienischen kommunistischen Journalistin Rossanna Rosanda hat Guevara den Begriff des &#8222;Kommunismus ohne Partei&#8220; gepr\u00e4gt. Das ist sicher falsch, denn nach Taibo finden sich, abgesehen von vereinzelten Kritiken am B\u00fcrokratismus der cubanischen Kommunistischen Partei und Vorhaltungen an deren Adresse, sich zu wenig am Guerillakampf 1957\/58 beteiligt zu haben, eindeutige Stellungnahmen:<\/p>\n<p>&#8222;Am 20. Mai &#8217;63 h\u00e4lt Che eine sehr schwache Rede zum Jahrestag der Zeitung &#8218;Hoy&#8216; (der Parteizeitung der PCC bzw. PSP, d.A.), mit einer sehr schematischen Sichtweise des Marxismus, voll von Gemeinpl\u00e4tzen und Lob an den alten Kadern der PSP. In seinem ebenfalls in jenen Tagen verfassten Vorwort zu &#8218;Die marxistisch-leninistische Partei&#8216;, einer Sammlung von theoretischen Texten der Partei vermischt mit Reden von Fidel, wiederholt er diese Vorstellungen. Massari, einer seiner Biographen, beschwert sich \u00fcber die &#8218;Lobreden von Guevara auf das theoretische Elend dieses Buches&#8216;.&#8220; ((19))<\/p>\n<p>Nach dem milit\u00e4rischen Sieg 1959 war Guevara gleichzeitig Direktor der cubanischen Nationalbank, Leiter der Industrialisierung und Chef der Kulturausbildung der Armee. Obwohl er keine Ahnung vom Finanzwesen hatte und auch von Industrialisierung nichts verstand, hatte er in dieser Zeit nichts Besseres zu tun, als w\u00f6chentlich milit\u00e4rische Artikel abzufassen, Titel u.a.: &#8222;Der Nutzen der Maschinengewehre im Defensivgefecht&#8220;, &#8222;Die Feuerdisziplin im Gefecht&#8220;, &#8222;Verteidigung gegen Panzer&#8220;, &#8222;Die Taschenartillerie&#8220;! ((20))<\/p>\n<p>Als Industrieminister \u00fcbertrug er Taktiken der Guerillakriegsf\u00fchrung auf die Industrieorganisation. Er beklagte das Fehlen mittlerer F\u00fchrungskader f\u00fcr die Leitung der Betriebe. Da \u00fcberzeugte Kader nach seiner \u00dcberzeugung nur im milit\u00e4rischen Kampf geschmiedet werden, bedauerte er die K\u00fcrze des cubanischen Guerillakrieges, etwa im Gegensatz zu China, wo ein drei\u00dfigj\u00e4hriger Krieg genug mittlere Kader hervorgebracht habe. Guevaras These aus seiner Kriegserfahrung lautete: &#8222;Das Bewusstsein der Arbeiter erhebt sich in Krisenmomenten \u00fcber die Probleme.&#8220; ((21)) Also je mehr Spannung, je mehr Bedrohung, je mehr Krieg, desto mehr &#8222;revolution\u00e4rer&#8220; Enthusiasmus unter den ArbeiterInnen, desto gr\u00f6\u00dfer das Bewusstsein der leitenden Kader.<\/p>\n<p>Aufgrund der geringen Anzahl mittlerer F\u00fchrungskader bef\u00fcrwortete Guevara die totale Zentralisierung der Industrie. An den russischen kollektiven Staatsbetrieben kritisierte er kurioserweise eine von ihm so gesehene &#8222;Selbstverwaltung&#8220; mit materiellen Anreizen f\u00fcr Produktionssteigerungen einzelner Kollektive, die nur wieder zu Ungleichheit und zum Kapitalismus f\u00fchre (seine einzige ideologische Kritik an der Sowjetunion). Die Anreize m\u00fcssten dagegen rein ideell sein. Auf dieser Basis rief er zu freiwilligen Arbeitseins\u00e4tzen auf (zun\u00e4chst zus\u00e4tzliche Stunden zur Tagesarbeit, dann freiwillige Arbeit am Sonntag, so genannte &#8222;Rote Sonntage&#8220;, alles unbezahlt), um die Produktivit\u00e4t zu steigern, die aufgrund von zunehmendem Absentismus der ArbeiterInnen und der Landflucht der ZuckerrohrarbeiterInnen sank. M.E. w\u00e4re der Gedanke dann richtig, wenn die Betriebe und Produktionsfl\u00e4chen auf dem Lande in Cuba wirklich den Menschen geh\u00f6ren w\u00fcrden und sie selbst in freier Diskussion \u00fcber ihre Produktion bestimmen d\u00fcrften. Dann k\u00f6nnte sich ein revolution\u00e4rer und egalit\u00e4rer Idealismus auch in freiwilliger und selbstbestimmter Mehrarbeit ausdr\u00fccken. Durch die von Guevara unterst\u00fctzte Unterdr\u00fcckung unabh\u00e4ngiger Gewerkschaften ist das allerdings verunm\u00f6glicht worden. Zudem w\u00fcrde die Mehrarbeit wohl kaum das Ausma\u00df der von Guevara praktizierten, oft weit \u00fcber zehn Stunden hinausgehenden Arbeitszeit pro Tag und ohne Wochenende erreichen, einem ideellen Fetisch, den er aus seinem Guerilla-Dasein (wo best\u00e4ndige Angriffe tagelang kaum Schlaf zulie\u00dfen) auf das zivile Alltagsleben \u00fcbertrug und wie selbstverst\u00e4ndlich auch von anderen verlangte.<\/p>\n<p>Weil aber die Betriebe vollst\u00e4ndig zentralisiert und verstaatlicht waren, verkamen die freiwilligen Arbeitseins\u00e4tze zur Propaganda und \u00fcbten auf die Menschen ganz profan Arbeitsdruck von oben aus. Guevara veranstaltete absurde Eins\u00e4tze mit Stachanowartigen<em> <\/em>Arbeitswettk\u00e4mpfen. So &#8222;stellte er sich einem Wettstreit mit einem ausgezeichneten Arbeiter der Zuckerplantage Bresil, Ibrahim Ventura, und schl\u00e4gt ihn. Am folgenden Tag verliert Che in einem anderen Wettbewerb gegen den Arbeiter Roberto Gonz\u00e1lez.&#8220; ((22))<\/p>\n<p>Als die freiwilligen Arbeitseins\u00e4tze nicht fruchteten und der Enthusiasmus ohne Krieg sich nicht dauerhaft einstellte, wenn die Betriebe dem Staate geh\u00f6rten, f\u00fchrte Guevara die Zwangsarbeit zur Bestrafung ein. &#8222;Im Industrieministerium wurde folgenderma\u00dfen vorgegangen: Bei F\u00e4llen von Disziplinlosigkeit, bei Verst\u00f6\u00dfen gegen die Moral oder Versagen bei der Arbeit bestimmt das Ministerium das Strafma\u00df von ein paar Wochen oder Monaten Aufenthalt in Guanahaciabibes.&#8220; ((23))<\/p>\n<p>Guanahaciabibes war ein unzug\u00e4ngliches Arbeitslager auf der Halbinsel Corrientes, bewacht von rund einhundert Bewaffneten. Konservative Historiker haben das Lager schnell und ohne Umschweife als &#8222;Konzentrationslager&#8220; bezeichnet, wogegen Taibo berechtigten Einspruch erhebt. Doch es war eindeutig Zwangsarbeit, die hier verrichten musste, wer im normalen Arbeitsalltag nicht spurte. Die cubanischen AnarchistInnen im Exil verurteilen die damals von Guevara angewandte Strategie der Arbeitseins\u00e4tze und der Zwangsarbeit als Bestrafung als &#8222;eine der schlimmsten Formen des Missbrauchs von Arbeit seit den dunkelsten Tagen des spanischen Kolonialismus.&#8220; ((24))<\/p>\n<h3>Der militaristische Idealismus im letzten Gefecht<\/h3>\n<p>Gem\u00e4\u00df der von Guevara konzipierten Fokus-Theorie, nach welcher in den so genannten unterentwickelten L\u00e4ndern mehrere Brennpunkte des bewaffneten Kampfes gegen den Imperialismus geschaffen werden sollten (&#8222;zwei, drei, viele Vietnams&#8220;), exportierte Cuba von Beginn der Castro-Herrschaft an sein &#8222;Revolutionsmodell&#8220;. In Wahrheit war dies ein Export von Waffen und Soldaten. Bereits 1961 wurde eine Schiffsladung voll Waffen an die algerische Befreiungsorganisation FLN gesandt. F\u00fcr Castro war der bewaffnete Internationalismus eine Notwendigkeit f\u00fcr den eigenen Machterhalt, denn nur durch weitere Machtergreifungen marxistisch-leninistischer Organisationen in anderen L\u00e4ndern schien sich auch seine Herrschaft langfristig festigen zu k\u00f6nnen und entging der Gefahr der Isolation. Bei Guevara spielte der militaristische Idealismus eine gr\u00f6\u00dfere Rolle. Obwohl dem maroden Batista-Regime in seinen letzten Monaten sogar die eigene nationale Bourgeoisie den R\u00fccken kehrte, obwohl dessen Soldaten eine geringe &#8222;Kampfmoral&#8220; offenbarten und bei vielen K\u00e4mpfen sogleich massenhaft desertierten, glaubte Guevara, den einmal erfolgreichen Guerillakampf unabh\u00e4ngig von diesen g\u00fcnstigen cubanischen Bedingungen wiederholen zu k\u00f6nnen. Er entwarf vom Industrieministerium aus eine kontinentale Aufstandsstrategie f\u00fcr die Andenl\u00e4nder Peru, Bolivien, Argentinien, die bereits in ihren Anf\u00e4ngen scheiterte, aber sp\u00e4ter wiederum als ideologische Legitimation seiner Guerillapraxis in Bolivien 1966\/67 diente.<\/p>\n<p>Im Jahr 1965 intervenierte Guevara zusammen mit einem cubanischen Guerillakontingent in die komplizierte Aufstandssituation im afrikanischen Kongo, wo er Laurent Kabila, den Nachfolger der ermordeten antikolonialen Symbolfigur Lumumba, unterst\u00fctzen und einen revolution\u00e4ren Fl\u00e4chenbrand gegen den Imperialismus in Afrika ausl\u00f6sen wollte. Ohne wirkliche Ahnung von den gesellschaftlichen Zusammenh\u00e4ngen in Afrika wollte er sein Modell des bewaffneten Kampfes aus Cuba \u00fcbertragen. Einige Monate k\u00e4mpften ruandische, kongolesische und cubanische Truppen nebeneinander. Die Afrikaner bevorzugten den lang andauernden, verlustarmen Stellungskrieg, Guevara wollte sie vom schnellen Bewegungskrieg \u00fcberzeugen. Er reagierte st\u00e4ndig gereizt auf angebliche Disziplinlosigkeiten der kongolesischen K\u00e4mpfer, die er abwechselnd des &#8222;Infantilismus&#8220; bezichtigte oder schlicht als &#8222;Idioten&#8220; bezeichnete, wodurch er als wei\u00dfer Truppenkommandant eine in gro\u00dfen Teilen rassistische Haltung einnahm. ((25)) Mitk\u00e4mpfer Fern\u00e1ndez Mell erinnert sich sp\u00e4ter an einen Streit mit Guevara: &#8222;Wir sagten ihm, dass in Kuba ein ganzes Volk gegen Batista gewesen war, und hier g\u00e4be es weder ein Volk, noch sei es gegen irgendetwas.&#8220; ((26)) Victor Dreke, zweiter Chef der cubanischen Kongo-Expedition, ebenfalls Jahre sp\u00e4ter: &#8222;Wir Kubaner durchbrachen das Gleichgewicht eines bewaffneten Friedens, den die Kongolesen erreicht hatten. Sie waren bewaffnet, aber zu Hause bei Frau und Kindern. Sie k\u00e4mpften nicht.&#8220; ((27))<\/p>\n<h3>Der Mythos<\/h3>\n<p>Der letzte Versuch in Bolivien 1966\/67, mit einer kleinen Gruppe bewaffneter K\u00e4mpfer eine ganze Gesellschaft aufzurollen (in Cuba, im Kongo und in Bolivien fing Guevara den bewaffneten Kampf immer mit gut ausgebildeten Einheiten, zahlenm\u00e4\u00dfig unter 100 Guerilleros, an &#8211; Vorbild f\u00fcr die sp\u00e4tere Stadtguerilla bis hin zur RAF und ihrer These, den Erfolg der Guerilla k\u00f6nne nur die Praxis erweisen), endete mit der Ermordung Guevaras nach monatelanger Einkreisung durch die bolivianische Armee in einsamem, menschenleerem<em> <\/em>Gebirgsland. Die Mythologisierung hat bereits zu Guevaras Lebzeiten eingesetzt, entfaltete ihre Eigendynamik aber erst nach seinem Tod. Der Mythos des libert\u00e4r Angehauchten ist dabei nur eine Facette der Gesamtmythologie.<\/p>\n<p>Castro hatte nat\u00fcrlich ein Interesse am Mythos als Legitimationsgrundlage f\u00fcr sein Regime. Auch Guevara selbst hat bereits an seiner eigenen Mythologisierung gearbeitet, davon zeugen besonders die vielen Fotos, die er bewusst von sich in den Guerillalagern machen lie\u00df. Auf gute Fotos von ihm selbst legte er noch in verzweifelter strategischer Lage gro\u00dfen Wert. Sie sollten wohl der Propaganda f\u00fcr einen marxistisch-leninistischen Internationalismus nach seinem Tod dienen. Doch das entscheidende Foto schoss nicht er, sondern das bolivianische Milit\u00e4r, bei der Aufbahrung seines Leichnams nach der Ermordung. Paradoxerweise wirkte der Versuch, die Identit\u00e4t des Gemordeten zu beweisen und das Verbrechen durch fotogene Zurschaustellung zu vertuschen, geradezu als Ausl\u00f6ser christlicher Phantasien: Ein<em> <\/em>zeitgen\u00f6ssischer Christus wird aufgebahrt, das Grab ist leer. Die religi\u00f6se Dimension dieses modernen Mythos darf nicht untersch\u00e4tzt werden. Schon das klassische Guevara-Posterfoto (Kopf mit Baskenm\u00fctze) hat eine Christus-\u00c4hnlichkeit. Erweitert k\u00f6nnen auch die Schriften aus den Gebirgsregionen der Guerilla im Nachhinein wie Sendschriften des Propheten interpretiert werden, der antiimperialistische Internationalismus Guevaras als Aufforderung an die J\u00fcnger, auszuschw\u00e4rmen in alle Welt. Dieser Mythos konnte eine enorme symbolische Macht entfalten, die zudem in Lateinamerika eine andere Resonanz erhielt als in Europa; Taibo spricht hier von der &#8222;furchtbaren christlichen Tradition&#8220; Lateinamerikas. ((28)) Tr\u00e4ger der Mythologisierung waren vielerorts Intellektuelle und K\u00fcnstlerInnen, f\u00fcr Deutschland muss hier an erster Stelle Wolf Biermann genannt werden, der noch als \u00fcberzeugter Kommunist in seinem Lied &#8222;Commandante Che Guevara&#8220; sang:<\/p>\n<p>&#8222;Jesus Christus mit der Knarre<br \/>\nSo f\u00fchrt Dein Bild uns zur Attacke.&#8220; ((29))<\/p>\n<p>Selbst Taibo kann am Ende seiner Biographie nicht mehr an sich halten und verf\u00e4llt dem allgemeinen Delirium: &#8222;Im Zeitalter des Schiffbruchs ist er unser weltlicher Heiliger.&#8220; ((30))<\/p>\n<p>Doch die religi\u00f6se Dimension des Mythos sowie die nachfolgende Pop-Ikonisierung, welche den Mythos kapitalistisch f\u00fcr alle m\u00f6glichen Gruppen und f\u00fcr eine ganze Industrie verwertbar machte und ihn dabei vollends vom sozialen Kontext trennte, verschleierten nur eine bleibende historische Tatsache: Ernesto Guevara war nur ein Marxist-Leninist (&#8222;mit Knarre&#8220;).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schon der anarchistische Guevara-Kritiker Augustin Souchy berichtet in seinen Memoiren von anarchistischen Kongressen mit Sympathien f\u00fcr Guevara. ((1)) In j\u00fcngster Zeit erschien die deutsche \u00dcbersetzung der bedeutenden Guevara-Biographie von Paco Ignacio Taibo II in einem libert\u00e4ren Verlag, schlie\u00dflich wird ihm mit seinem Ausspruch &#8222;Seien wir realistisch, versuchen wir das Unm\u00f6gliche!&#8220; eine bakunistische Tradition unterstellt. ((2)) &hellip; <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2004\/05\/ein-marxist-leninist-namens-ernesto-guevara\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"slim_seo":{"title":"Ein Marxist-Leninist namens Ernesto Guevara - graswurzelrevolution","description":"Schon der anarchistische Guevara-Kritiker Augustin Souchy berichtet in seinen Memoiren von anarchistischen Kongressen mit Sympathien f\u00fcr Guevara. 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