{"id":6221,"date":"2004-06-01T00:00:43","date_gmt":"2004-05-31T22:00:43","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=6221"},"modified":"2022-07-26T14:24:33","modified_gmt":"2022-07-26T12:24:33","slug":"movimiento-coca-cola","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2004\/06\/movimiento-coca-cola\/","title":{"rendered":"&#8222;Movimiento Coca-Cola&#8220;"},"content":{"rendered":"<h3>Forum 2004 &#8211; Ein Bericht<\/h3>\n<p>Multikulti ist in. Spektakul\u00e4re Architektur lockt TouristInnen. Und Protest ist Image.<\/p>\n<p>Besonders f\u00fcr Barcelona, das in ewiger Konkurrenz zu Madrid den Makel der politischen Zweitrangigkeit wettzumachen sucht.<\/p>\n<p>Der neue Coup hei\u00dft Forum der Kulturen 2004. Mit dem f\u00fcnf Monate w\u00e4hrenden Spektakel, das unl\u00e4ngst am 9. Mai er\u00f6ffnet wurde, soll sich Barcelona seinen Platz unter den Metropolen der Welt sichern: &#8222;Barcelona wird zum Referenzpunkt f\u00fcr Frieden, Zusammenleben und Dialog &#8230; Ein Weltereignis, das nicht Staaten, sondern B\u00fcrger zusammenruft &#8230; 141 Tage, in denen Festivit\u00e4t und Reflexion vereint werden.&#8220;<\/p>\n<p>Die Zahl der Angebote ist schier endlos; Tausende von Konzerten, Theater- und Zirkusauff\u00fchrungen, Ausstellungen und Performances finden auf dem eigens direkt am Meer neu geschaffenen, \u00fcber 30 Hektar gro\u00dfen Gel\u00e4nde statt. Architektonisches Aush\u00e4ngeschild ist das blaue, gleichseitige Dreieck von 180 Meter L\u00e4nge, das ein teilweise subterranes Auditorium f\u00fcr 3.200 H\u00f6rerInnen beherbergt. &#8222;Der Schwamm&#8220; wurde es kurzerhand vom Volksmund seiner por\u00f6sen Oberfl\u00e4chenstruktur wegen getauft.<\/p>\n<p>Nebenan, in die von Baukr\u00e4nen bestimmte neue Skyline von Barcelona, ragt das noch immer nicht fertiggestellte Konferenzzentrum f\u00fcr mehr als 15.000 BesucherInnen. \u00dcbrigens das zweitgr\u00f6\u00dfte in Europa oder das &#8222;gr\u00f6\u00dfte S\u00fcdeuropas&#8220;, wie der Werbetext informiert. Hier sollen 47 sogenannte &#8222;Dialoge&#8220;, themenzentrierte Konferenzen, &#8222;die dr\u00e4ngendsten Fragen des 21. Jahrhunderts beantworten.&#8220; Dank der mittlerweile abgew\u00e4hlten Partido Popular Aznars geh\u00f6ren weder der Pal\u00e4stinakonflikt noch der Irakkrieg dazu.<\/p>\n<p>Die interessierten B\u00fcrgerInnen erfahren aber erst bei der obligatorischen Registrierung per Internet, da\u00df &#8222;maximale Partizipation&#8220; teuer ist: Zwischen 80 und 450 Euro kostet die Teilnahme an einem &#8222;Dialog&#8220;. Der sonst 21 Euro pro Tag betragende Eintritt f\u00fcr die Veranstaltungen auf dem Gel\u00e4nde ist selbstverst\u00e4ndlich im Preis inbegriffen.<\/p>\n<p>Das Forum beschr\u00e4nkt sich aber nicht nur auf das Gel\u00e4nde. Die ganze Stadt wird kurzerhand zur B\u00fchne erkl\u00e4rt. Kaum ein Kulturereignis, das nicht mit dem Forum-Label versehen wird. Soviel steht fest: Gigantisch soll es sein. &#8222;Barcelona: Hauptstadt des Planeten&#8220; titelt die Tageszeitung El Pais am Sonntag eine Woche vor der Er\u00f6ffnung. Barcelona will wenigstens einmal nicht die ewig Zweite sein.<\/p>\n<p>&#8222;Die drei Leitthemen Frieden, Nachhaltigkeit und kulturelle Diversit\u00e4t sollen der Vielzahl unterschiedlichster Veranstaltungen Struktur und Koh\u00e4renz verleihen.&#8220; Die MacherInnen des Forums wissen nur zu gut, wie schwer das ist.<\/p>\n<p>Denn am Anfang war der Plan. Und der Plan ist ein urbanistischer. Nach der Olympiade 1992 stand f\u00fcr die Regierenden fest, da\u00df ein weiteres imagef\u00f6rderndes Gro\u00dfereignis her mu\u00df, um das damals begonnene Stadtentwicklungsprojekt zu Ende zu f\u00fchren. Die simple Metapher, mit der das Hochziehen eines neuen Viertels, der Vila Olimpica, der Ausbau des Hafens samt Freizeitkonsumtempel und die Schaffung der noblen Flaniermeile Passeig Maritim begr\u00fcndet wurde, war die &#8222;\u00d6ffnung zum Meer&#8220;. Die andere H\u00e4lfte des st\u00e4dtischen K\u00fcstenstreifens aber blieb der vergessene Hinterhof Barcelonas. Jetzt verl\u00e4uft der Passeig Maritim durchg\u00e4ngig bis zur M\u00fcndung des Flusses Besos, wo einst die politischen Gefangenen des faschistischen Franco-Regimes erschossen wurden. Die Gedenktafel mu\u00dfte den Bauarbeiten des Forums weichen.<\/p>\n<p>Neben dem Forum-Geb\u00e4ude und dem Konferenzzentrum, das zuk\u00fcnftig Wirtschaftsmotor der Gegend sein soll, umfa\u00dft das Gel\u00e4nde ein Freiluftauditorium, einen Segelsporthafen, ein gigantisches Photovoltaiksegel und die Plaza Forum. Kein Baum spendet Schatten in der Weite dieses nach dem Platz des Himmlischen Friedens zweitgr\u00f6\u00dften Platzes der Welt. Der Beton dominiert. Auch die 60 Meter lange Designerbadeinsel im Meer besteht aus Betonkl\u00f6tzen. &#8222;Backsteinpolitik&#8220; nennen die KatalanInnen noch immer die politische Beg\u00fcnstigung des Baugesch\u00e4fts. Auch wenn der Baustoff heute ein anderer ist.<\/p>\n<h3>Im Schatten des Forums wird gewaltig umstrukturiert.<\/h3>\n<p>Insgesamt ist eine Fl\u00e4che von gut 250 Hektar betroffen, die f\u00fcnffache Gr\u00f6\u00dfe der 1992 geschaffenen Vila Olimpica. Die Hauptaktivit\u00e4ten finden im strukturschwachen Poblenou statt, ehemaliges Zuhause vieler kleiner und mittlerer Betriebe. Derzeit bestimmen Abri\u00dftr\u00fcmmer und Baukr\u00e4ne die Szenerie. Auf den unz\u00e4hligen freien Fl\u00e4chen und in den leerstehenden Industriehallen richten sich Sinti und Roma mit ihren Wagen ein. Bis zur n\u00e4chsten R\u00e4umung. Deren Frequenz hat in der ganzen Stadt seit dem letzten Jahr auff\u00e4llig zugenommen. Auch die alteingesessenen BewohnerInnen des Viertels m\u00fcssen dem Fortschritt Platz machen. &#8222;Jeden Tag haben wir das vor Augen&#8220;, sagt die alte Frau und zeigt dabei auf die ihrem Haus gegen\u00fcber liegenden H\u00e4usertr\u00fcmmer. Sie ist seit mehr als 40 Jahren Anwohnerin der kleinen Pasatge Cusid\u00f2. Ihre wei\u00dfget\u00fcnchte, mehr als hundert Jahre alte Finca wird wie die gesamte Passage dem Erdboden gleichgemacht werden. &#8222;Wenn die H\u00e4user nebenan abgerissen werden, wird auch meine Finca einst\u00fcrzen. Ich gehe, weil ich Angst habe&#8220;, erkl\u00e4rt sie.<\/p>\n<p>F\u00fcr die real existierenden DurchschnittsbewohnerInnen Barcelonas wird das Leben immer prek\u00e4rer. Vor allem mangelt es an bezahlbarem Wohnraum. Im letzten Jahr sind die Wohnungspreise bis zu 34 % gestiegen, in den Vierteln rund um das Forum am st\u00e4rksten, und ein licht- und luftloses Zimmer von 8 m\u00b2 kostet um die 250 Euro. Viele junge Menschen werden so zu Nesthockern und leben noch mit 30 bei den Eltern. Obwohl nach offiziellen Angaben 13,7 % der Wohnungen leer stehen.<\/p>\n<p>Wie auch vor den olympischen Spielen werden seit dem vergangenen Jahr schon seit Jahren tolerierte besetzte H\u00e4user und soziale Zentren, wie z.B. les Naus, im Handstreich ger\u00e4umt. Die Casa de la Muntanya, \u00e4ltestes und bekanntestes besetztes Haus Barcelonas, ist gerettet, aber viele andere wie la Hamsa oder Can Masdeu befinden sich in R\u00e4umungsgefahr. Die jahrelang von MigrantInnen besetzten Kasernen von Sant Andreu sind ebenfalls p\u00fcnktlich ger\u00e4umt worden.<\/p>\n<p>Einige bereits fertiggestellte Wolkenkratzer lassen das neue Gesicht des zuk\u00fcnftigen Technologieparks 22@ erkennen.<\/p>\n<p>F\u00fcr die kleinen L\u00e4den und Werkst\u00e4tten ist dann kein Platz mehr. Die BesitzerInnen verkaufen unter Druck zu einem Drittel des tats\u00e4chlichen Wertes und verlieren damit ihre Unterhaltsquelle. &#8222;Wir bewegen uns mit all unseren Operationen im Rahmen des Gesetzes&#8220;, kommentiert dazu ein Immobilienmanager.<\/p>\n<p>Die Umwidmung von Industrie- zu Baugrundst\u00fccken und der Ausverkauf st\u00e4dtischen Bodens infolge des Plans 22@ machen es m\u00f6glich. Das Projekt 22@ soll den Standort Barcelona f\u00fcr Kapital multinationaler Unternehmen attraktiv machen, so geschehen bei General Electric, US-Konzern mit dem weltweit h\u00f6chsten B\u00f6rsenwert, der hier seine europ\u00e4ische Verwaltungszentrale einrichtet. &#8222;Die Marke Barcelona verkauft sich gut in Europa &#8211; und zunehmend in Asien&#8220;, wei\u00df der Manager des Plans 22@. Teil der Marke ist das sogenannte Humankapital, der kreative, digitalisierte und partizipationsfreudige B\u00fcrger, der ideale Arbeitnehmer und Konsument.<\/p>\n<p>Vom Forum abgeschnitten durch eine Einfallstra\u00dfe liegt das gegen Ende der Franco-Diktatur hochgezogene Viertel La Mina. Unter dem Einflu\u00df des Opus Dei wurde Anfang der 70er eine wilde Barackensiedlung am Rande der Stadt durch zehnst\u00f6ckige Betonblocks ersetzt. Noch heute ist es die marginalisierteste Gegend Barcelonas. Drogen, Arbeitslosigkeit, Analphabetismus und der Mangel an Schulen, Gesundheitsversorgung und sozialen Zentren sind die Probleme des bev\u00f6lkerungsreichen Viertels. Geplant ist eine neue Rambla durch den Abri\u00df einiger Wohnblocks, welche dem Viertel &#8222;Luft verschaffen&#8220; soll.<\/p>\n<p>Die Sanierungsma\u00dfnahmen hier, derer sich die Stadt r\u00fchmt, d\u00fcrften unter &#8222;ferner liefen&#8220; verbucht werden. Insgesamt stehen daf\u00fcr 72 Millionen zur Verf\u00fcgung, genausoviel wie &#8222;der Schwamm&#8220; gekostet hat. Die Bauma\u00dfnahmen des Forums haben 2300 Millionen Euro verschlungen, w\u00e4hrend f\u00fcr das Programm des Forums 340 Millionen ausgegeben wurden.<\/p>\n<p>Barcelona, das zwischen Bergen und Meer nicht mehr expandieren kann, erlebt eine &#8222;Manhattanisierung&#8220;; der neue Turm Agbar \u00fcberragt als erstes Geb\u00e4ude die Sagrada Familia, Hotels und Luxus-Appartementt\u00fcrme schie\u00dfen in die H\u00f6he. Diese grenzen mit der dazugeh\u00f6rigen Shopping-Mall &#8222;Diagonal Mar&#8220; direkt an das Forum und sind Werk des US-Immobilienkonzerns Hines, der damit seinen seit den 1990ern geplanten Eintritt in den europ\u00e4ischen Markt verwirklicht. Die Luxusappartements bieten einen exklusiven Ausblick aufs Meer und einen weniger exklusiven auf den sozialen Brennpunkt La Mina. Zu der st\u00f6renden Aussicht auf der meerabgewandten Seite kommentiert der Manager von Hines k\u00fchl: &#8222;Das verschwindet \u00fcber kurz oder lang.&#8220;<\/p>\n<p>Dem in den 90er Jahren regierenden B\u00fcrgermeister, Maragall, der nach den Wahlen am 16. November 2003 zum Regierungschef Kataloniens aufgestiegen ist, schwebte eine dritte Weltausstellung in Barcelona vor. Aber sowohl die Expo, als auch der Titel der europ\u00e4ischen Kulturhauptstadt f\u00fcr das Jahr 2004 waren bereits vergeben. F\u00fcr Maragall kein Hindernis: &#8222;Das macht nichts. Irgendwas erfinden wir uns schon.&#8220; Und macht sich selbst damit zum Vorbild der Kreativit\u00e4t und Dynamik, mit der die Marke Barcelona in der Welt verkauft werden soll. &#8222;Die gr\u00f6\u00dfte Attraktion Barcelonas besteht nicht im architektonischen Erbe, sondern in ihrer dynamischen, sich st\u00e4ndig in Ver\u00e4nderung befindlichen Natur.&#8220; Die nie zu Ende gebaute Sagrada de Familia des Modernisten Antonio Gaud\u00ed, traditionelles Wahrzeichen der Stadt, verk\u00f6rpert beides. Barcelona, die ewige Baustelle.<\/p>\n<h3>Ein &#8222;Konzept Forum&#8220; f\u00fcr die Inhalte gab es zu keinem Zeitpunkt.<\/h3>\n<p>1996 wurde das Projekt erstmals publik, ein Jahr sp\u00e4ter waren die Baupl\u00e4ne abnahmefertig. Noch 1999 verlautete der B\u00fcrgermeister, da\u00df es sich beim Forum um &#8222;etwas ganz anderes handelt, weil es etwas Einzigartiges ist, was es noch zu definieren gilt.&#8220; Doch die Sponsorenvertr\u00e4ge sind bereits unterschrieben. Zu den Sponsoren geh\u00f6ren u. a. Toyota, Nestle, IBM, Coca-Cola und Indra (Produzent milit\u00e4rischer Informationstechnologie).<\/p>\n<p>Das mit der Konzeption betraute Gremium von Intellektuellen l\u00f6ste sich 2002 angesichts dieser Tatsachen selbst auf, bevor es der ideologischen Legitimierung dienen konnte. An seine Stelle traten ManagerInnen. Diese erkennen die Zeichen der Zeit. Seattle, Prag, Genua, Porto Alegre. Und lernen ein paar neue Vokabeln: Frieden, Nachhaltigkeit und kulturelle Vielfalt. Schlie\u00dflich ist Barcelona immer ein bi\u00dfchen sub. Subkulturell und subversiv. Aber nicht zu sehr. Light ist nun mal besser f\u00fcr die Figur. Globalisierung light, Kritik light und Coca-Cola light. Der Brausegro\u00dfkonzern wirbt als Sponsor des Forums auf seinen Dosen f\u00fcr das &#8222;Movimiento Coca-Cola&#8220;.<\/p>\n<p>Bis Anfang 2004 brauchte das Management, um ein konkretes Programm zu pr\u00e4sentieren. Als Zugpferde werden Namen wie Jose Saramago, Michail Gorbatschow, Joseph Stieglitz oder Susan George [hier stattdessen besser: Garcon?] ganz gro\u00df geschrieben. Die Einbindung von NGOs, lokalen AktivistInnen und vom globalen Medienzirkus gemachten &#8222;Stars&#8220; f\u00e4llt schwer. Viele verweigern sich der diskursiven Vereinnahmung und wollen nicht auf der politischen B\u00fchne des multikulturellen Themenparks auftreten. So wie Jose Bove, Susan Sonntag oder Naomi Klein. Susan George wird kommen. Attac aber h\u00e4lt sich fern. Greenpeace fordert den sofortigen Baustop, und die f\u00fcr die Mobilisierung zu den europaweit bekannt gewordenen Antikriegsdemos verantwortliche &#8222;Plattform gegen den Krieg&#8220; lehnt wie so viele andere lokale Gruppierungen die pr\u00e4formierte Partizipation ab. Eine Gruppe namens &#8222;Resistencies&#8220; bildet sich, und seit Anfang des Jahres informiert ein alternativer Stadtplan dar\u00fcber, &#8222;worum es beim Forum wirklich geht&#8220;.<\/p>\n<p>&#8222;\u00dcber Demokratie und Frieden zu sprechen inmitten der Logos von multinationalen Konzernen, die die Demokratie aush\u00f6hlen und den Krieg unterst\u00fctzen, erscheint mir grauenvoll.&#8220; So die mit ihrem Bestseller &#8222;No Logo&#8220; ber\u00fchmt gewordene Naomi Klein bei der Europapremiere des gemeinsam mit Avi Lewis produzierten Films &#8222;The Take&#8220;, der von Fabrikaneignungen in Argentinien berichtet.<\/p>\n<p>Noch im Sommer 2003 flehte Jaume Pages, Hauptverantwortlicher des Forums, die zur Teilnahme Aufgerufenen noch einmal an, ihm zu vertrauen und ins kalte Wasser zu springen, weil man schlie\u00dflich nicht ewig nachdenken k\u00f6nne.<\/p>\n<p>Viele k\u00f6nnen selbst jetzt, nach der Er\u00f6ffnung, nicht genau sagen, was das Forum eigentlich ist. Den BesucherInnen, die am Tag der offenen T\u00fcr die Gelegenheit nutzen, das Forum-Gel\u00e4nde zu besichtigen, steht die Skepsis ins Gesicht geschrieben. Auf die Frage, was das Forum sei, gibt es oft ein Achselzucken und eine abwinkende Handbewegung. &#8222;Immobilienspekulation. Weiter nix.&#8220; &#8222;Ganz klar eine Inszenierung des Kapitals&#8220;, meint ein dezent gekleideter Herr mittleren Alters, dessen Erscheinungsbild nicht im entferntesten mit dem Stereotyp des &#8222;Linksradikalen&#8220; koinzidiert.<\/p>\n<p>Die f\u00fcr ihre Protestfreude werbewirksam hochgelobten BarcelonierInnen werden ihrem Ruf gerecht. &#8222;Ich bin nicht Forum&#8220;, antworten sie dissonant, anstatt unisono in Maragalls &#8222;Wir alle sind Forum&#8220; einzustimmen. Der Mythos des rebellischen Barcelona ist nicht nur Produkt von PR-ManagerInnen.<\/p>\n<p>Am Tag der pomp\u00f6sen Er\u00f6ffnung in Anwesenheit des spanischen K\u00f6nigs wird vor dem Forum mit Topf und L\u00f6ffel Krach geschlagen, und am n\u00e4chsten Tag wird der alternative Stadtplan an die eintr\u00f6pfelnden ersten BesucherInnen des Forums verteilt. Clos, der B\u00fcrgermeister, und Maragall finden es &#8222;phantastisch&#8220;, da\u00df protestiert wird, schlie\u00dflich ist das &#8222;ein Zeichen funktionierender Demokratie.&#8220; Die Begeisterung ist nicht immer so gro\u00df.<\/p>\n<p>Ein geplantes Anti-Forum-Stra\u00dfenfest zwei Wochen vor der Er\u00f6ffnung wurde mit massiver Polizeigewalt verhindert. Dabei kann es so einfach sein, die Vorsilbe anti durch pr\u00e4 zu ersetzen, wie der Teilnehmer einer Anti-Forum-Veranstaltung berichtet: &#8222;Da taucht ein Typ auf, packt ein Riesen-Forumplakat aus, macht ein Foto von den Teilnehmern vor dem Plakat und tr\u00e4gt die Teilnehmerzahl in eine Karteikarte ein.&#8220; Die Anstecker mit der Aufschrift &#8222;Am Forum nehme ich nicht teil&#8220; werden auf dem Bild wohl kaum zu erkennen sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Forum 2004 &#8211; Ein Bericht Multikulti ist in. Spektakul\u00e4re Architektur lockt TouristInnen. Und Protest ist Image. Besonders f\u00fcr Barcelona, das in ewiger Konkurrenz zu Madrid den Makel der politischen Zweitrangigkeit wettzumachen sucht. Der neue Coup hei\u00dft Forum der Kulturen 2004. Mit dem f\u00fcnf Monate w\u00e4hrenden Spektakel, das unl\u00e4ngst am 9. 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