{"id":6415,"date":"2004-11-01T00:00:56","date_gmt":"2004-10-31T22:00:56","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=6415"},"modified":"2022-07-26T13:56:51","modified_gmt":"2022-07-26T11:56:51","slug":"antiimp-exe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2004\/11\/antiimp-exe\/","title":{"rendered":"antiimp.exe"},"content":{"rendered":"<p>Man wei\u00df nichts, will auch nichts wissen oder nimmt allenfalls, wenn es gar nicht mehr anders geht, scheibchenweise Fakten \u00fcber inakzeptable B\u00fcndnispartner zur Kenntnis, ohne selbstkritisch die Pr\u00e4missen der eigenen Politik zu befragen, die zu solchen kruden Allianzen f\u00fchren.<\/p>\n<p>Das Bewegungsumfeld will in weiten Teilen auch lieber nicht wissen, was so eifrige Initiativen denn an Mist veranstalten, wittert sofort Spaltungsgefahr oder nervenaufreibende Auseinandersetzungen, kennt unendliche viele Tagesordnungspunkte, die bei weitem dringlicher seien, oder schottet sich unter Verweis auf die schrille Gegenposition ab, die <em>shock and awe<\/em> im Namen der Zivilisation und mit linksradikalen Phrasen f\u00fcr prima erkl\u00e4rt und die Parole &#8222;Solidarit\u00e4t mit Israel&#8220; identit\u00e4tspolitisch gekapert hat. ((1)) Statt sich Information und Reflexion als Entkrampfungsmittel zu verschreiben, h\u00e4lt man es trotz der sch\u00f6nen Losung &#8222;Widerstand bilden&#8220; in der Praxis, ob bei Aktionsvorbereitungen oder in der F\u00f6rderpraxis von Stiftungen, zumeist auch lieber mit: Nichts wissen und nichts wissen wollen.<\/p>\n<p>&#8222;Das haben wir nicht gewusst&#8220;, meinte ein Vertreter der deutschen Zentrale der Kampagne &#8222;10 Euro f\u00fcr das irakische Volk im Widerstand&#8220; kleinlaut gegen\u00fcber einer Autorin der <em>taz Ruhr<\/em>, als diese, vorab \u00fcber die Recherchen des DISS informiert, ihn darauf aufmerksam machte, dass sich unter den Unterst\u00fctzern der Kampagne auch ein Mitglied eines NPD-Landesvorstandes tummelte. ((2)) Immerhin sah man sich nach diesem Vorfall zu einer &#8222;Erkl\u00e4rung der AIK zur Unterst\u00fctzerInnenliste&#8220; gen\u00f6tigt. ((3)) Der peinliche Anlass blieb unerw\u00e4hnt. Stattdessen demonstrierte man Gesinnungsst\u00e4rke und Selbstgewissheit. Wie es \u00fcberhaupt dazu kommen konnte, dass man mehrere Wochen mit einem hochrangigen NPD-Kader gemeinsame Sache gemacht hatte, blieb in den Selbstvergewisserungen (&#8222;unmissverst\u00e4ndlich&#8220;, &#8222;kein Zweifel&#8220;, &#8222;ebenso eindeutig&#8220;) g\u00e4nzlich unreflektiert. Immerhin proklamierte man: &#8222;Ebenso eindeutig ist von jeher unsere Ablehnung von Rassismus bzw. sozialem, kulturellem und nationalem Chauvinismus, nicht zuletzt deshalb, weil diese unerl\u00e4ssliche Merkmale imperialistischer Unterdr\u00fcckung sind. Personen, deren politische Einstellung bzw. Zugeh\u00f6rigkeit dem zuwiderl\u00e4uft, [&#8230;] akzeptieren wir nicht als Unterst\u00fctzerInnen der Kampagne.&#8220;<\/p>\n<p>Es sei Initiativ e.V. bzw. dem Duisburger Antifa-Komitee zugestanden, dass sie gegen Veranstaltungen, auf denen in hinreichend gro\u00dfer Schrift &#8222;Nazi&#8220; drauf steht, sehr wohl mobil machen &#8211; so am 15. September anl\u00e4sslich der Nazi-Kundgebung auf dem Vorplatz des Duisburger Hauptbahnhofs, als 50 bis 60 Jungnazis gegen die Duisburger Polizei demonstrierten, da diese nach dem am 30. August gescheiterten Versuch der Nazis, sich auf einer Montagsdemonstration gegen Hartz IV breit zu machen, etliche Kameraden festgenommen hatte. Wenn aber nur die Packungsbeilage klein gedruckt \u00fcber Risiken und Nebenwirkungen informiert, hapert es bei Initiativ e.V. bzw. dem Antifa-Komitee und der Antiimperialistischen Koordination (AIK) insgesamt mit dem Antifaschismus.<\/p>\n<p>Seit Mitte Juli pr\u00e4sentiert die AIK auf ihrer Homepage die &#8222;Selbstdarstellung der Organisation f\u00fcr W\u00fcrde und Rechte des Menschen &#8211; HDR&#8220;. ((4)) Die 1996 in Duisburg gegr\u00fcndete und dort ans\u00e4ssige HDR geh\u00f6rte zu den Unterst\u00fctzerInnen des Aufrufs &#8222;Widerstand und Hoffnung &#8211; Aufruf f\u00fcr das Antiimperialistische Lager, Assisi, Italien, 1. &#8211; 6. August&#8220;. ((5)) Ihr Vorsitzender, der Dolmetscher und \u00dcbersetzer Murat Yilmazt\u00fcrk, wurde als Teilnehmer des Forums &#8222;Kreuzzug gegen den Islam &#8211; das franz\u00f6sische Kopftuchverbot&#8220; angek\u00fcndigt, das Bestandteil des Tagesprogramms unter dem Titel &#8222;Deren Europa und das unsere&#8220; war. ((6)) Zuvor war die HDR bei lokalen Antikriegs-Demonstrationen von Initiativ e.V. in Duisburg als Unterst\u00fctzerin in Erscheinung getreten. Die Rede des HDR-Vorsitzenden bei den Demonstrationen am 23. und 24. April in Duisburg und D\u00fcsseldorf &#8222;gegen die Besatzung des Irak und Pal\u00e4stina durch die USA und Israel&#8220; ist auf der Homepage der HDR nachzulesen. ((7)) Anl\u00e4sslich des Verbots der dubiosen Berliner Islamisch-Arabischen Konferenz und der Abschiebung ihres Organisators, Fadi Madi, luden HDR und das Deutsche Solidarit\u00e4tskomitee Freier Irak gemeinsam zu einer Pressekonferenz am 25. September 2004 in K\u00f6ln ein. ((8))<\/p>\n<p>In der &#8222;Selbstdarstellung der Organisation&#8220; hei\u00dft es einleitend: &#8222;HDR ist die, soweit uns bekannt, erste von Muslimen gegr\u00fcndete Organisation f\u00fcr Menschenrechte. Sie wurde im November 1996 in Duisburg gegr\u00fcndet.&#8220; Als &#8222;Arbeitsfelder&#8220; nennt die HDR u.a. &#8222;Rassismus \/ Rechtsradikalismus \/ ethnische Diskriminierung \/ offene und versteckte Angriffe in Deutschland und Europa&#8220;, &#8222;Fanatismus und Gewalt in der Gesellschaft&#8220; und sogar &#8222;Ziviler Ungehorsam&#8220;. Die HDR sei &#8222;bem\u00fcht, ohne nach Sprache, Religion, Nationalit\u00e4t oder Kultur zu unterscheiden, sich f\u00fcr die Belange eines jeden Menschen in den o.g. Arbeitsgebieten im Rahmen der f\u00fcr Muslime durch den Koran und die als sicher vom Gesandten Mohammed \u00fcberlieferten Praktiken und Ausspr\u00fcche (so gen. Sunnah) gesetzten Grenzen einzusetzen.&#8220;<\/p>\n<p>Schaut man sich Aktivit\u00e4ten der HDR an, muss man sich allerdings fragen, in welcher Hinsicht sie &#8222;Rechtsradikalismus&#8220; als &#8222;Arbeitsfeld&#8220; versteht. Oder ob zu den &#8222;als sicher vom Gesandten Mohammed \u00fcberlieferten Praktiken und Ausspr\u00fcche[n]&#8220; Texte geh\u00f6ren, die Atheisten (&#8222;Ungl\u00e4ubige&#8220;) wie ich dem Hause Gerhard Frey zuordnen (m\u00fcssen). Allah ist gro\u00df und Gerhard Frey sein Prophet? Im Mai 2004 verteilte die HDR ein mehrfarbig aufgemachtes Flugblatt zum Thema Israel, das bei einigerma\u00dfen aufmerksamer Lekt\u00fcre doch ein wenig verwundern musste. &#8222;Geheim&#8220; lautete die \u00dcberschrift des Flugblattes, das Aufkl\u00e4rung \u00fcber die Frage &#8222;Wie Deutschland die israelische Besatzung aufr\u00fcstet&#8220; versprach. Der Text, der von &#8222;Deutsche[n] Waffengeschenke[n] in Milliardenh\u00f6he&#8220; zu erz\u00e4hlen wei\u00df, st\u00fctzt sich ausdr\u00fccklich auf das Buch &#8222;Das Netz. Israels Lobby in Deutschland&#8220;, das am Schluss ohne Verlagsangabe genannt wird. Dieser Buchtitel ist, da muss man nicht per Verlagsangabe mit der Nase drauf gesto\u00dfen werden, aus dem Hause Frey bekannt. Im Hausblatt, der <em>National Zeitung<\/em> (<em>NaZe<\/em>), waren die vermeintlichen Enth\u00fcllungen in einer Reihe von Artikeln pr\u00e4sentiert worden. Folgt man dieser Spur in der <em>NaZe<\/em>, wird die Suche allerdings weit \u00fcber Erwarten belohnt: Anfang des Jahres erschien dort eine Titelstory: &#8222;Geheim: wie wir Israel aufr\u00fcsten. Deutsche Waffengeschenke in Milliardenh\u00f6he&#8220; (<em>NaZe<\/em> 1-2\/2004, S. 1). Der weitere Textvergleich zeigt, dass die HDR f\u00fcr ihr Flugblatt den <em>NaZe<\/em>-Text wortw\u00f6rtlich \u00fcbernommen hat. Gerhard Frey ist m\u00e4chtig, und die HDR ist sein Gesandter. Nur das deutsche &#8222;wir&#8220; in der Haupt\u00fcberschrift wollten und konnten die Frey-G\u00e4nger nicht \u00fcbernehmen. Der Floskel vom &#8222;blinden Hass&#8220; (hier: blinder Hass gegen Israel) l\u00e4sst sich an dieser Stelle Sinn abgewinnen: Die blutrote Kopfzeile derselben <em>NaZe<\/em>-Nummer, aus der die HDR ihr Flugblatt abschrieb, warnt n\u00e4mlich in der gewohnten rassistischen Sto\u00dfrichtung wieder einmal: &#8222;Millionen T\u00fcrken wollen nach Deutschland &#8211; In Slums warten sie auf den EU-Beitritt&#8220;.<\/p>\n<p>Der Anf\u00fchrer der Truppe, die in antiimperialistischer Absicht <em>NaZe<\/em>-Propaganda unter&#8217;s Volk bringt, hat auch einen Wiederg\u00e4nger Hitlers entdeckt, n\u00e4mlich Ariel Sharon: &#8222;Die aus der Nazi-Zeit resultierenden Schuldgef\u00fchle m\u00f6gen dem deutschen Staat den Blick f\u00fcr die Realit\u00e4t mit Sekundenkleber verschlossen haben, das \u00e4ndert jedoch nichts an der Tatsache, dass der gr\u00f6\u00dfte Teil der Erdbev\u00f6lkerung der Auffassung ist, dass Sharon und seine Armee, was Barbarei, Grausamkeit und Sadismus angelangt, Hitler und seiner Armee keineswegs nachstehen.&#8220; ((9)) Angesichts derart verkommener Standards historischen Bewusstseins muss wohl ausdr\u00fccklich auf die Rolle der Wehrmacht bei der Vernichtung der europ\u00e4ischen Juden und auf Konzept und Praxis des &#8222;Vernichtungskriegs&#8220; Nazideutschlands verwiesen werden; Unterschiede zur Praxis der israelischen Armee, die gewiss &#8211; wie jede Armee &#8211; nicht nur mit Watteb\u00e4llchen wirft, sollten dann klar sein.<\/p>\n<p>Es handelt sich hier nicht um punktuelle Ausf\u00e4lle einer ansonsten honorigen Menschenrechtsorganisation. Bei der Interpretation der Menschenrechte bet\u00e4tigen sich die muslimischen Frey-G\u00e4nger als Umworter aller Worte. Die &#8222;Menschenrechte&#8220;, die die HDR preist, sind nicht die universellen Menschenrechte, deren Deklaration auf Aufkl\u00e4rung und Franz\u00f6sische Revolution zur\u00fcckgeht. So wichtig Kritik an Eurozentrismus und ein interkultureller (und auch, doch da bleiben die &#8222;Ungl\u00e4ubigen&#8220; immer au\u00dfen vor, ein interreligi\u00f6ser) Dialog \u00fcber universelle und endlich praktisch universell geltend zu machende Menschenrechte ist, f\u00fchrt es doch keinen Schritt weiter, tats\u00e4chlichem oder vermeintlichem Eurozentrismus mit einem Islamozentrismus zu begegnen. Genau dies praktiziert aber die HDR &#8211; man achte nur auf den Einsatz des &#8222;wir&#8220; und das Spiel von In- und Exklusion im folgenden Zitat: &#8222;Es mu\u00df betont und daran erinnert werden&#8220;, hei\u00dft es in einem Flyer zur Selbstdarstellung der HDR, &#8222;da\u00df die Menschenrechte keine Errungenschaft der Aufkl\u00e4rung im Westen sind. Der Ursprung der Menschenrechte findet seine unver\u00e4nderbare Erkl\u00e4rung in unserer g\u00f6ttlichen Offenbarung, die von Allah an seinen Gesandten verk\u00fcndet wurde. Wir geh\u00f6ren zu einer Ummah (Glaubensgemeinschaft der Muslime) eines Propheten, der mit den Unterdr\u00fcckten gegen die Tyrannen seiner Zeit einen unglaublichen Widerstand geleistet hat. Die Menschenrechte sind in diesem Rahmen eine Pflicht gegen\u00fcber der Menschheit auf Grund unseres gemeinsamen Sch\u00f6pfers, Allah als unser Sch\u00f6pfer garantiert uns unsere Rechte, deren \u00c4nderung keinem Menschen dieser Erde zur Disposition steht.&#8220; Hier ist eine doppelte Manipulation zu beobachten: Einen Beleg f\u00fcr die Existenz des Konzeptes universeller Menschenrechte in den Gr\u00fcndungstexten des Islam bleibt die HDR &#8211; wohl nicht ohne Grund &#8211; den LeserInnen schuldig, und in Windeseile werden die <em>universellen<\/em> Menschenrechte eingeschr\u00e4nkt zu <em>islamischen <\/em>Menschenrechten.<\/p>\n<p>Wie die HDR dies konkret in Politik umsetzt bzw. umgesetzt sehen will, zeigt die auf der Homepage \u00fcberlieferte &#8222;Begr\u00fc\u00dfungsrede des Vorsitzenden der HDR, Murat Yilmazt\u00fcrk, anl\u00e4sslich des von der Plattform der Solidarit\u00e4t mit den Muslimen organisierten Tages von Quds am 30.11.02 in Essen&#8220;. &#8222;Im Namen Allahs&#8216;, des Barmherzigen, Allerbarmers&#8220;, drunter macht man&#8217;s nicht, ereiferte sich der gro\u00dfe Vorsitzende pauschal gegen Repressionsma\u00dfnahmen gegen einige muslimische Organisationen. Er sieht darin das Werk der &#8222;barbarischen Ingenieure der neuen Weltordnung&#8220;, doch im Namen Allahs wei\u00df er: &#8222;Sie k\u00f6nnen jedoch tun, was sie wollen, sie werden es nicht verhindern k\u00f6nnen, dass wir unsere muslimischen Br\u00fcder und Schwestern in ihrem Kampf f\u00fcr Freiheit, Gerechtigkeit und Unabh\u00e4ngigkeit in Tschetschenien, Kaschmir, S\u00fcd China, Ost Turkistan, Kurdistan, Pal\u00e4stina, usw. unterst\u00fctzen. Sie k\u00f6nnen noch so viele Vereine verbieten, sie werden es nicht verhindern k\u00f6nnen, dass wir unsere Br\u00fcder und Schwestern in Pal\u00e4stina unterst\u00fctzen [&#8230;]. Es m\u00f6gen noch so viele Moscheen mit schmutzigen Schuhen durch Sondereinheiten respektlos best\u00fcrmt werden, keine Macht wird die Muslime davon abhalten k\u00f6nnen, dass sie in ihren Herzen eine gro\u00dfe Liebe und Sehnsucht f\u00fcr den Schutz und die Freiheit der Al-Aqsa-Moschee in Kudus pflegen, als f\u00fcr alle Moscheen in Europa und Amerika zusammen.&#8220; ((10)) Man w\u00fcsste nur zu gerne, welche muslimischen Br\u00fcder und Schwestern in Tschetschenien der HDR-Anf\u00fchrer einen Monat wenige Tage nach dem Moskauer Geiseldrama am 24. Oktober 2002 gegen alle Verbotsversuche zu unterst\u00fctzen verspricht.<\/p>\n<p>Dass er auf die Todes- und T\u00f6tungsbereitschaft seiner muslimischen Br\u00fcder und Schwestern setzt, geht aus einem Grundsatztext der HDR hervor, der &#8222;Die eigentlichen Ziele der Imperialisten im Nahen und Mittleren Osten&#8220; betitelt ist. ((11)) Ein Statement von Thomas Friedman, Kolumnist der <em>New York Times<\/em>, \u00fcber <em>islamistische<\/em> Gruppen kommentierend, preist dieser Text, Friedmans Unterscheidung von Islamisten und Muslimen gezielt einebnend, gespiegelt in vermeintlichen westlichen imperialistischen Auffassungen \u00fcber <em>den Islam, <\/em>die heroische Opferbereitschaft &#8222;der Muslime&#8220;: &#8222;Was jedoch der tats\u00e4chliche Grund f\u00fcr die Erkl\u00e4rung des Islam und der Muslime als neues Feindbild des Westens ist, geht erst aus den folgenden S\u00e4tzen von Friedman hervor: &#8218;wie kann man die Sowjetunion, die \u00fcber Tausende von nuklearen Raketen verf\u00fcgt, mit der <em>El-Qaida<\/em> [Hrvh. v. A.S.] vergleichen? Die Liebe, die die Sowjetunion f\u00fcr das Leben empfand, war gr\u00f6\u00dfer als ihr Hass, den sie uns gegen\u00fcber empfand. Trotz der zwischen uns existierenden Unterschiede stimmten die Grundsteine unserer Zivilisation \u00fcberein. Bei den <em>islamistischen Gruppen<\/em> [Hrvh. v. A.S.] sieht es jedoch so aus, dass ihr Hass, den sie uns gegen\u00fcber empfinden, gr\u00f6\u00dfer ist, als ihre Liebe zum Leben.&#8216;<\/p>\n<p>An dieser Stelle wird sehr deutlich, dass f\u00fcr die USA und f\u00fcr die Verwirklichung ihrer gro\u00dfen Projekte im nahen und mittleren Osten <em>nur der Islam bzw. die Muslime<\/em> [Hrvh. v. A.S.] als potenzielle Gefahr angesehen werden, da diese <em>die Einzigen sind, die im Kampf gegen den Imperialismus bereit sind, sogar ihr Leben zu opfern <\/em>[Hrvh. v. A.S.]. Die Tatsache, dass der ehrenwerte Kampf aller anderen Antiimperialisten nicht als Gefahr &#8211; zumindest nicht als erstrangige Gefahr &#8211; oder Bedrohung empfunden bzw. erw\u00e4hnt wird, k\u00f6nnte man dahingehend deuten, dass die Kapitalisten bzw. Imperialisten die nicht selten zu mehreren Zehntausend oder sogar zu Hunderttausenden stattfindenden Demonstrationen und Protestm\u00e4rsche von Globalisierungsgegnern und Antiimperialisten [&#8230;] als Alibi f\u00fcr das angebliche Funktionieren einer freiheitlich demokratischen Ordnung missbrauchen. In den unter der Herrschaft der Kapitalisten stehenden Medien werden die Globalisierungsgegner und Antiimperialisten als eine Hand voll linker Tr\u00e4umer dargestellt. Bei ihnen ist man sich sicher, dass ihr Vorgehen gegen die Politik der Imperialisten sich auf Protestm\u00e4rsche, Demonstrationen und schriftliche Erkl\u00e4rungen beschr\u00e4nken wird und <em>die eigentliche Gefahr nur aus den Reihen der Muslime zu bef\u00fcrchten<\/em> ist, <em>da diese sogar bereit sind, ihr Leben im Kampf gegen Imperialismus und der hieraus resultierenden Folgen wie Ausbeutung, Ungerechtigkeit, V\u00f6lkermorde und Besatzung zu opfern <\/em>[Hrvh. v. A.S.].&#8220;<\/p>\n<p>In einem linken Milieu, wo der Kampf auf Leben und Tod gegen die imperialistische Bestie wohlige Schauer \u00fcber den R\u00fccken laufen l\u00e4sst, kommt solcher religi\u00f6s integristischer Heroismus nebst Verherrlichung der Opferbereitschaft wohl bestens an. Mit Emanzipation hat das nichts zu tun.<\/p>\n<p>Die schn\u00f6de Tatsache, dass die so kampfesmutigen B\u00fcndnispartner in ihrem Hass auf Israel mit Frey und der <em>NaZe<\/em> gemeinsame Sache machen, die wird man, um eine Prognose \u00fcber die Reaktion auf diesen Artikel zu wagen, nicht gewusst haben. Und \u00fcberhaupt tue dies ja nichts zur Sache, denn es sei doch angesichts der internationalistischen Position grunds\u00e4tzlich klar, dass man gegen Rassisten und Imperialisten sei. So erkl\u00e4rte es ein weiteres Mitglied von Initiativ e.V. erst k\u00fcrzlich wieder der Tageszeitung <em>junge Welt. <\/em>Diese fungiert als Lautsprecheranlage des Antiimperialismus, die in Kumpanei mit den einschl\u00e4gigen Akteuren f\u00fcr die Verbreitung der Antiimp-Propaganda sorgt. ((12)) Die <em>junge Welt<\/em> brachte anl\u00e4sslich des internationalen Aktionstages zum 4. Jahrestag der Intifada ein Interview mit Thomas Zmrzly von Initiativ e.V. ((13)) Gem\u00e4\u00df der antizionistischen Blattlinie, die ihr Leitartikler Werner Pirker bestimmt, blieb man in diesem Interview mal wieder unter sich: Der Interviewer Markus Bernhardt, Unterzeichner des Aufrufs &#8222;Schluss mit der Besatzung in Pal\u00e4stina und Irak!&#8220; ((14)) zur Demonstration in K\u00f6ln, warf dem Aufrufunterzeichner Zmrzly den Ball zu: &#8222;F\u00fcrchten Sie nicht die Unterst\u00fctzung extrem rechter Gruppen, die sich in der j\u00fcngsten Vergangenheit des \u00f6fteren mit Pal\u00e4stina solidarisiert haben?&#8220; Bei einer so laxen Frage, die nicht anspricht, dass Personen und Organisationen der extremen Rechten in j\u00fcngster Zeit Aktivit\u00e4ten von Initiativ e.V. und der AIK unterst\u00fctzt haben, und die nicht die Frey-Propaganda der zu dieser Demonstration aufrufenden HDR erw\u00e4hnt, hat es der Interviewte leicht: &#8222;Auf die Gefahr hin, Eulen nach Athen zu tragen: Der 25. September ist eine internationalistische Manifestation und damit von vornherein eine Aktion gegen Imperialisten, Rassisten und Faschisten.&#8220;<\/p>\n<p>Italienische Faschisten sehen das anders, und die dortigen Genossen der AIK haben damit, wie&#8217;s scheint, keine Probleme, was an zwei Vorf\u00e4llen deutlich zu machen w\u00e4re, n\u00e4mlich der zum international(istisch)en Aktionstag erschienenen Sondernummer des Internet-Bulletins <em>La Nazione Eurasia<\/em>, das von (neo)faschistischen Geopolitikern in der Nachfolge Jean Thiriarts herausgegeben wird ((15)), und der j\u00fcngsten Publikation des Philosophen und Aush\u00e4ngeschildes der AIK Constanzo Preve. Doch das w\u00e4re Stoff f\u00fcr einen weiteren Artikel.<\/p>\n<p>Die hier einmal mehr aufgezeigte und am genannten italienischen Material erneut aufzuzeigende katastrophale B\u00fcndnispolitik der AIK-Truppen ist keine ungl\u00fcckliche Verkettung kontingenter Ereignisse, sondern resultiert aus einem irreparablen Fehler im Programm (antiimp.exe), auf dem AIK &amp; Co. laufen. Genau deshalb ist nicht zu erwarten, dass die Akteure sich <em>effektiv<\/em> von Frey-G\u00e4ngern und Geopolitikern der extremen Rechten trennen. Da sie sich vermutlich nicht trauen werden, bei der Frage &#8222;Wollen Sie antiimp.exe wirklich l\u00f6schen?&#8220; &#8222;ja&#8220; anzuklicken, weil damit die politische Identit\u00e4t bedroht ist, ist der n\u00e4chste Griff ins Braune vorprogrammiert. Bleibt die Frage, ob sich Organisationen wie beispielsweise die deutsche Sektion der IPPNW (Gruppe Leverkusen-Bergisch Gladbach-K\u00f6ln), die gemeinsam mit den Verbreitern von <em>NaZe<\/em>-Propaganda, verqueren Stalinisten und anderen Figuren aus dem Gruselkabinett des Antiimperialismus zur K\u00f6lner Demonstration aufriefen, sich zur l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4lligen Trennung von dieser Politik aufraffen oder ihr Ansehen weiter ruinieren und damit auch teilweise die Glaubw\u00fcrdigkeit der Friedensbewegung aufs Spiel setzen &#8211; doch muss diese sich das ja nicht passiv gefallen lassen, oder?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Man wei\u00df nichts, will auch nichts wissen oder nimmt allenfalls, wenn es gar nicht mehr anders geht, scheibchenweise Fakten \u00fcber inakzeptable B\u00fcndnispartner zur Kenntnis, ohne selbstkritisch die Pr\u00e4missen der eigenen Politik zu befragen, die zu solchen kruden Allianzen f\u00fchren. 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