{"id":6468,"date":"2004-12-01T00:00:10","date_gmt":"2004-11-30T22:00:10","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=6468"},"modified":"2022-07-26T14:24:32","modified_gmt":"2022-07-26T12:24:32","slug":"nach-der-us-wahl-eskaliert-der-krieg-im-irak","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2004\/12\/nach-der-us-wahl-eskaliert-der-krieg-im-irak\/","title":{"rendered":"Nach der US-Wahl eskaliert der Krieg im Irak"},"content":{"rendered":"<p>Es war vorhersehbar. Und zwar unabh\u00e4ngig vom Ausgang der Wahl zwischen dem Kriegspr\u00e4sidenten George W. Bush und dem Kriegbef\u00fcrworter John F. Kerry, der, anders als Bush, die &#8222;unwilligen&#8220; Verb\u00fcndeten aus dem &#8222;alten Europa&#8220; vermutlich ins US-Kanonenboot mit Kurs Irak geholt h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Nachdem die Mehrheit der US-amerikanischen Bev\u00f6lkerung am 3. November 2004 George W. Bush &#8222;wieder&#8220;gew\u00e4hlt und seiner Regierung somit auch die Lizenz zum T\u00f6ten (nicht nur) im Irak erteilt hatte, begann noch im selben Monat eine Gro\u00dfoffensive der US-Armee und ihrer freundlichen Kombattanten auf Falludscha, die mit \u00fcber 300.000 EinwohnerInnen zweitgr\u00f6\u00dfte irakische Stadt. 25.000 US-SoldatInnen, Artillerie, Panzer und Luftwaffe machten gro\u00dfe Teile der Stadt dem Erdboden gleich. Zehntausende BewohnerInnen flohen in die umliegenden St\u00e4dte. F\u00fcr die vielen, die vor dem Angriff nicht rechtzeitig fliehen konnten, war eine Ausgangssperre verh\u00e4ngt worden. Deklariertes Ziel der bei GWR-Redaktionsschluss noch immer nicht beendeten Offensive war, die in der Stadt vermuteten 3.000 Aufst\u00e4ndischen &#8222;auszuschalten und den Terroristenchef Abu Mussab al Sarkawi und seine Getreuen zu fassen&#8220;, den die USA in Falludscha vermuteten.<\/p>\n<p>Der Nachrichtensender Euronews lie\u00df am 9. November einen US-Soldaten zu Wort kommen: &#8222;Viele halten es f\u00fcr eine Ehre, hier k\u00e4mpfen zu k\u00f6nnen &#8211; einer sagte sogar: &#8218;Das ist ein gewaltiger Adrenalinsto\u00df &#8211; einfach Fun!'&#8220; (<a href=\"http:\/\/www.euronews.net\">www.euronews.net<\/a>)<\/p>\n<p>Die US-SoldatInnen t\u00f6teten in den ersten Tagen der Offensive nach eigenen Angaben 1.200 &#8222;feindliche K\u00e4mpfer&#8220; (oder wen man dazu erkl\u00e4rte), und ungez\u00e4hlte ZivilistInnen! \u00c4rztinnen und \u00c4rzte alarmierten die \u00d6ffentlichkeit: Weil Rettungswagen beschossen w\u00fcrden, k\u00f6nnten Verletzte nicht geborgen werden. MitarbeiterInnen des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz sch\u00e4tzten, dass bis zu 800 Frauen, Kinder und alte M\u00e4nner bei der &#8222;Operation Morgend\u00e4mmerung&#8220; ums Leben gekommen sind (Spiegel 48\/04, S. 127). Die Zahl der Verwundeten ist nicht bekannt. Gefangene wurden nur wenige gemacht. US-Kriegsminister Donald Rumsfeld betonte, dass die Unterdr\u00fcckung des Widerstands in der sunnitischen Stadt eine gro\u00dfe Bedeutung habe, um die geplanten Wahlen im Irak Ende Januar 2005 zu sichern. Rumsfeld: &#8222;Niemand wei\u00df, wie viele Leute sich dort aufhalten. Ich kann nicht f\u00fcr die irakischen Truppen sprechen, aber unsere Soldaten sind diszipliniert, gut gef\u00fchrt und trainiert. Sie sind pr\u00e4zise und haben Einsatzbefehle, die einem st\u00e4dtischen Kriegsschauplatz angemessen sind. Es wird nicht viele zivile Opfer geben, nicht durch amerikanische Truppen.&#8220;<\/p>\n<p>Wie &#8222;diszipliniert, gut gef\u00fchrt und trainiert&#8220; die US-SoldatInnen bei der Ver\u00fcbung ihrer Angriffskriegshandlungen vorgehen, wie &#8222;sauber&#8220; dieser Krieg gef\u00fchrt wird, wurde alsbald auf allen Fernseh-Kan\u00e4len deutlich. Ein US-Soldat t\u00f6tete w\u00e4hrend der K\u00e4mpfe in Falludscha einen verletzten, unbewaffneten, am Boden liegenden Iraker per Kopfschuss.<\/p>\n<p>In diesem brutalen Krieg &#8211; so darf vermutet werden &#8211; ein nicht selten vorkommender Mord.<\/p>\n<p>Ein Kamerateam des Nachrichtensenders NBC hatte die Szene in diesem Fall aufgenommen, die Bilder wurden schlie\u00dflich weltweit publik. Die US-Milit\u00e4rbeh\u00f6rden ermittelten in dem Fall, so CNN. Wie schon nach der Ver\u00f6ffentlichung von Folter-Bildern aus Abu-Ghraib, wird erneut versucht, das dokumentierte Verbrechen zur Einzeltat herunter zu reden.<\/p>\n<p>Dabei berichtete Louise Arbour, die Uno-Hochkommissarin f\u00fcr Menschenrechte, bereits kurz nach Beginn der Offensive von zahlreichen Verst\u00f6\u00dfen gegen das Kriegsrecht: vors\u00e4tzliche Angriffe auf ZivilistInnen, unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfige Attacken, die T\u00f6tung Verwundeter und Missbrauch von ZivilistInnen als menschliche Schutzschilde. (vgl. Spiegel 48\/04)<\/p>\n<p>&#8222;Dead or alive&#8220;, &#8222;Nur ein toter Terrorist ist ein guter Terrorist&#8220;, solche Parolen, mit denen die US-F\u00fchrer ihre Befehlsempf\u00e4ngerInnen in Uniform anheizten, fielen auf fruchtbaren Boden.<\/p>\n<p>Ein Betriebsunfall ist es, wenn von den m\u00f6rderischen Taten Bilder \u00f6ffentlich werden.<\/p>\n<h3>Zweierlei Opfer<\/h3>\n<p>Die westlichen Medien erw\u00e4hnen h\u00e4ufig, dass mittlerweile mehr als 1.200 US-SoldatInnen im Irak get\u00f6tet wurden. Die irakischen Kriegsopfer werden dagegen so gut wie nie erw\u00e4hnt. Diese Praxis des Verschweigens hat eine lange Tradition. So ist zum Beispiel allgemein bekannt, dass im Vietnamkrieg 57.000 US-SoldatInnen get\u00f6tet wurden. Wer aber spricht von den mehr als 2.000.000 VietnamesInnen, die bis 1975 in diesem Kolonialkrieg get\u00f6tet wurden? Wo bleibt die Memorial Wall f\u00fcr sie?<\/p>\n<p>Und in Tschetschenien? Den Schrecken, den tschetschenische &#8222;Schwarze Witwen&#8220; mit ihren menschenverachtenden Terroraktionen verbreiten, wenn sie TheaterbesucherInnen oder Schulkinder in Geiselhaft nehmen, kann die Welt auf allen Fernsehkan\u00e4len aus der Distanz miterleben. Vergessen wird dagegen, nicht nur von Putins Duzfreund Schr\u00f6der, dass die Milit\u00e4rmacht Russland in Tschetschenien einen brutalen Kolonialkrieg f\u00fchrt, dem seit 1994 mehr als 200.000 Menschen zum Opfer gefallen sind (vgl. Spiegel 27\/04, S. 104). Wenn wir bedenken, dass Tschetschenien gerade einmal 550.000 EinwohnerInnen hat (vgl. Spiegel 27\/04), dann ist es keine \u00dcbertreibung, hier von V\u00f6lkermord zu sprechen!<\/p>\n<p>Dieses Vergessenmachen tr\u00e4gt rassistische Z\u00fcge. &#8222;Nicht-westliche&#8220; bzw. &#8222;nicht-europ\u00e4ische&#8220; Kriegsopfer sind in den Augen von rassistischen Europ\u00e4erInnen und US-AmerikanerInnen anscheinend &#8222;minderwertig&#8220;, sie k\u00f6nnen vergessen werden. Das gilt auch im Fall Irak.<\/p>\n<p>Anfang November 2004 meldete die Presseagentur dpa, dass einer Studie zufolge seit M\u00e4rz 2003 als Folge des 3. Golfkrieges sch\u00e4tzungsweise mehr als 100.000 irakische ZivilistInnen get\u00f6tet wurden. Die meisten der get\u00f6teten ZivilistInnen seien Kinder und Frauen gewesen, die vor allem durch US-amerikanische Luftangriffe get\u00f6tet wurden. Das Risiko eines gewaltsamen Todes sei 58 Mal h\u00f6her als zur Zeit des m\u00f6rderischen Hussein-Regimes. Die umk\u00e4mpfte Stadt Falludscha wurde in die Statistiken nicht eingerechnet. Sonst w\u00e4re die Opferzahl noch wesentlich h\u00f6her, berichteten US-amerikanische und irakische GesundheitsexpertInnen in einem am 5. November ver\u00f6ffentlichten Beitrag f\u00fcr das Fachmagazin &#8222;The Lancet&#8220;. Die WissenschaftlerInnen unter Leitung von Les Roberts von der John Hopkins Bloomberg School of Public Health in Baltimore (USA) befragten f\u00fcr die Studie 988 Haushalte und verglichen die Sterblichkeitsrate von ZivilistInnen vor und nach dem Krieg.<\/p>\n<p>Angesichts dieser Zahlen kann von Massenmord gesprochen werden und bei den daf\u00fcr verantwortlichen Politikern Bush, Cheney, Blair, Rumsfeld und Co. von Massenm\u00f6rdern. Und dass dieser Krieg &#8222;illegal&#8220; ist, sagt mittlerweile sogar Kofi Annan.<\/p>\n<p>Erinnern wir uns an die Golfkriege:<\/p>\n<h3>Der erste Golfkrieg 1980 bis 1988<\/h3>\n<p>W\u00e4hrend der Iranischen Revolution 1979 wurde das Regime des Shah Reza Pahlewi, das jahrzehntelang &#8211; gest\u00fctzt u.a. durch die USA und die Bundesrepublik &#8211; eine Schreckensherrschaft aus\u00fcbte, gest\u00fcrzt. An die Macht kamen die nicht weniger brutalen, anti-amerikanischen Mullahs unter F\u00fchrung Ajatollah Khomenis.<\/p>\n<p>Die USA, Frankreich, Deutschland und andere Industriestaaten hatten auch den Irak jahrelang aufger\u00fcstet. Aufgrund der ung\u00fcnstigen Entwicklung im Iran ermutigten die USA nun den irakischen Diktator Saddam Hussein, das Nachbarland &#8211; mit massiver westlicher Unterst\u00fctzung &#8211; anzugreifen. Doch aus dem erwarteten Blitzsieg wurde ein acht Jahre dauernder Stellungskrieg, an dem die Industriestaaten durch massive Waffenlieferungen verdienten. Hussein setzte Giftgas aus deutscher Produktion gegen iranische Truppen und aufst\u00e4ndische KurdInnen im eigenen Land ein. Erinnert sei an den Giftgasangriff 1988 auf die irakisch-kurdische Stadt Halabja.<\/p>\n<p>Mehr als eine Million Menschen wurden im ersten Golfkrieg auf beiden Seiten get\u00f6tet.<\/p>\n<h3>Der zweite Golfkrieg<\/h3>\n<p>Nachdem Hussein 1990 ein Statement der US-Botschaft im Irak, demzufolge sich die USA nicht in einen Konflikt einmischen w\u00fcrden, als Zustimmung interpretiert hatte, gab er seinen Truppen den Befehl, Kuwait zu annektieren.<\/p>\n<p>Als die irakische Armee das \u00f6lreiche Nachbarland besetzt hatte, organisierte US-Pr\u00e4sident George Bush senior die &#8222;Operation W\u00fcstensturm&#8220; und griff im Januar 1991 zusammen mit vielen Verb\u00fcndeten den Irak an. Zehntausende Iraker wurden in diesem zweiten Golfkrieg get\u00f6tet, zum Teil wurden sie in ihren Stellungen von den anr\u00fcckenden US-Bulldozern lebendig begraben. Bei den Bombardierungen durch die US-Armee wurden mindestens 300 Tonnen abgereichertes Uran eingesetzt, was ein vierfaches Ansteigen von Krebserkrankungen bei Kindern zur Folge hatte. Wegen des von den Vereinten Nationen 1990 verh\u00e4ngten Wirtschaftsembargos starben nach vorsichtigen UN-Sch\u00e4tzungen mehr als 1,5 Millionen IrakerInnen, darunter mehr als eine halbe Million Kinder unter f\u00fcnf Jahren. Die US-Pr\u00e4sidenten Bush der \u00c4ltere, Clinton und der j\u00fcngere Bush lie\u00dfen den Irak immer wieder bombardieren.<\/p>\n<h3>Der dritte Golfkrieg<\/h3>\n<p>Die indische Schriftstellerin und gewaltfreie Aktivistin Arundhati Roy analysierte in ihrer Rede bei der Entgegennahme des Sydney-Friedenspreises am 4. November 2004, den dritten Golfkrieg:<\/p>\n<p>&#8222;Es war ein Krieg, in dem eine Bande von reichen Nationen, ausger\u00fcstet mit gen\u00fcgend Atomwaffen, um die Welt mehrfach zu zerst\u00f6ren, ein armes Land einkesselte, es f\u00e4lschlich des Besitzes von Atomwaffen bezichtigte, die Vereinten Nationen zwang, es zu entwaffnen, es dann \u00fcberfiel, besetzte und nun dabei ist, es zu verkaufen. (&#8230;) W\u00e4hrend der Kampf um die Kontrolle der Weltressourcen sich intensiviert, erf\u00e4hrt der \u00f6konomische Kolonialismus durch formale milit\u00e4rische Aggression ein Comeback. Irak ist die logische Kulmination des Prozesses von korporativer Globalisierung, in der Neokolonialismus und Neoliberalismus verschmolzen sind. Wenn wir es wagten, hinter den Vorhang von Blut zu blicken, so w\u00fcrden wir die gnadenlosen Transaktionen sehen, die hinter der B\u00fchne ablaufen.&#8220;<\/p>\n<h3>Verantwortung der Bundesrepublik<\/h3>\n<p>Am 15. Februar 2003, im Vorfeld des dritten Golfkrieges, gab es mit global mehr als 10 Millionen Menschen die gr\u00f6\u00dfte Anti-Kriegs-Demonstration in der Geschichte (vgl. GWR 277). Seitdem ist der Protest gegen den Krieg zur\u00fcckgegangen. Viele Menschen sind niedergeschlagen, da die Kriegsverbrecher Bush, Blair und Co. sich \u00fcber den Willen der Weltbev\u00f6lkerungsmehrheit hinweggesetzt und ihre Kriege fortgesetzt haben.<\/p>\n<p>In diesen &#8222;Krieg gegen den Terror&#8220; involviert sind nicht zuletzt auch deutsche SoldatInnen. Gerade erst hat der Bundestag beschlossen, deutsche Truppen als Teil der &#8222;Allianz gegen den Terror&#8220; weiterhin im besetzten Afghanistan und am Horn von Afrika zu belassen.<\/p>\n<p>Es ist nicht unwahrscheinlich, dass sich Deutschland und andere EU-Staaten an den m\u00f6glicherweise noch vor der n\u00e4chsten US-Wahl stattfindenden Angriffskriegen etwa auf den Iran oder andere &#8222;Schurkenstaaten&#8220; beteiligen werden. Nicht umsonst wird die Bundeswehr zu einer schlagkr\u00e4ftigen &#8222;Krisenreaktionsarmee&#8220; umgebaut, die Deutschland nicht nur &#8222;am Hindukusch verteidigen&#8220; soll.<\/p>\n<p>Vergessen wir nicht, dass es die rot-gr\u00fcne Bundesregierung war, die den v\u00f6lkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen Jugoslawien mitgef\u00fchrt hat. Deutsche Tornado-Bomber haben 1999 Belgrad bombardiert. Schr\u00f6der und Fischer sind nicht pazifistisch. Sie haben sich im Vorfeld der Bundestagswahl 2002 prim\u00e4r aus wahltaktischen Gr\u00fcnden vom &#8222;Abenteuer&#8220; Irak-Krieg distanziert.<\/p>\n<p>Wer auf Regierungen hofft, ist hoffnungslos naiv.<\/p>\n<h3>Antimilitaristische Perspektiven<\/h3>\n<p>Wie kann dieser Krieg gestoppt werden?<\/p>\n<p>Mahatma Gandhi hat der Welt gezeigt, wie man mit gewaltfreien Widerstandsmethoden eine milit\u00e4risch weit \u00fcberlegene Kolonialmacht dazu bringen kann, ein einmal besetztes Land wieder zu verlassen.<\/p>\n<p>Unsere Hoffnung und Unterst\u00fctzung gilt AntimilitaristInnen, DeserteurInnen, Kriegsdienstverweigerern, AktivistInnen, die mit direkten, gewaltfreien Aktionen gegen jeden Krieg, gegen die weltweit zunehmende Militarisierung agieren.<\/p>\n<h3>Aber gibt es die auch im Irak?<\/h3>\n<p>Menschenverachtende Terroranschl\u00e4ge, Entf\u00fchrungen und Enthauptungen, wie sie von vermeintlichen &#8222;Widerstandsk\u00e4mpfern&#8220; (nicht nur) im Irak ver\u00fcbt wurden und werden, erwecken nicht nur bei Graswurzelrevolution\u00e4rInnen Abscheu und Entsetzen. Sie werden auch von vielen IrakerInnen abgelehnt. Auf der anderen Seite ist die Verzweiflung und der Hass auf die BesatzerInnen in diesem okkupierten Land gro\u00df und verst\u00e4ndlich.<\/p>\n<p>Soziale Bewegungen, GandhianerInnen oder andere linke, gewaltfreie Gruppen im Irak, die wir unterst\u00fctzen k\u00f6nnten, sind kaum bekannt.<\/p>\n<p>\u00dcber 25 Jahre dauerte die Diktatur von Hussein. In dieser Zeit wurden viele tausend Oppositionelle get\u00f6tet. Deserteure wurden verst\u00fcmmelt, Linke ermordet.<\/p>\n<p>Allawi, der neue irakische &#8222;Staatschef&#8220; von Bushs Gnaden, war jahrelang Gefolgsmann und Mitt\u00e4ter des Baath-Regimes, bis er bei Hussein in Ungnade fiel und das Land verlassen musste. Weder von der irakischen Marionettenregierung, noch von den oppositionellen, Terror aus\u00fcbenden Islamisten und Baathisten ist irgend etwas Gutes zu erwarten.<\/p>\n<h3>Was k\u00f6nnen wir tun?<\/h3>\n<p>Die Bilder, die uns im November aus Falludscha erreicht haben, erinnern an Fotos aus dem Vietnamkrieg. Sie dokumentieren Kriegsverbrechen und zeigen das wahre Gesicht des Krieges. Krieg ist immer ein Verbrechen an der Menschheit. Die Ver\u00f6ffentlichung von Bildern, die dies belegen, kann zur Beendigung eines Krieges beitragen. Das zeigt wiederum der Vietnamkrieg, der schlie\u00dflich auch deshalb beendet werden musste, weil die &#8222;Heimatfront&#8220; ihn nicht mehr mittragen wollte und die damalige US-Regierung bei Nicht-Beendigung des Krieges bei der bevorstehenden Wahl eine Schlappe bef\u00fcrchten musste.<\/p>\n<p>Es kommt darauf an, ein Ende dieses Krieges herbeizuf\u00fchren und weitere Kriege zu verhindern.<\/p>\n<p>Der &#8222;Krieg gegen den Terror&#8220; wird voraussichtlich noch jahrelang dauern, wobei weitere Angriffskriege gegen &#8222;Schurkenstaaten&#8220; wie Nordkorea, Iran, Syrien,&#8230; nicht unwahrscheinlich sind. Der auf \u00fcber 416 Milliarden US-Dollar erh\u00f6hte Milit\u00e4rhaushalt der USA macht die Supermacht milit\u00e4risch zum unangefochtenen Welthegemon, der milit\u00e4risch, aber l\u00e4ngst nicht mehr \u00f6konomisch, st\u00e4rker ist als die folgenden 30 konkurrierenden bzw. alliierten Milit\u00e4rm\u00e4chte zusammen. Die USA entwickeln sich zunehmend zu einer Kriegswirtschaft, die auf weitere Kriege und Militarisierung angewiesen ist, auch um die eigene Existenz zu legitimieren.<\/p>\n<p>In den n\u00e4chsten Jahren kommt es darauf an, dass wir selbst &#8222;zum Widerstand werden&#8220;. So hat es Arundhati Roy formuliert (vgl. <a title=\"\u201cGewaltloser Widerstand\u201d\" href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2004\/02\/gewaltloser-widerstand\/\">GWR 286<\/a>). M\u00f6gliche politische Perspektiven einer Graswurzelrevolution, einer Graswurzelbewegung, einer gewaltfrei-libert\u00e4ren Bewegung von unten m\u00fcssen entwickelt werden, auch in Abgrenzung z.B. zu autorit\u00e4ren KommunistInnen und Antiimps, f\u00fcr die jegliche Form des &#8222;Widerstands&#8220;, also auch Mord, legitim ist.<\/p>\n<p>Welche Perspektiven einer globalen Anti-Kriegsbewegung sehen wir? Welche Impulse wollen wir in diese Bewegung einbringen? Was haben wir zu bieten?<\/p>\n<p>W\u00e4hrend des NATO-Angriffskrieges gegen Jugoslawien 1999 haben wir die &#8222;Frauen in Schwarz&#8220; und andere antimilitaristische, gewaltfreie, sowie libert\u00e4re Oppositionsgruppen dort unterst\u00fctzt und ihnen mit der GWR ein Forum gegeben. Als nach dem 11. September der Angriff auf Afghanistan begann, haben wir in der GWR verst\u00e4rkt die gewaltfrei-feministische RAWA zu Wort kommen lassen. Wo sind unterst\u00fctzenswerte Gruppen im Irak?<\/p>\n<p>Libert\u00e4re Gruppen, die wir unterst\u00fctzen k\u00f6nnten, gibt es dort bisher nicht. Gibt es im Irak gewaltfreie Gruppen, jenseits von islamischen Fundamentalismus und rechtsextremen Baathismus? Wer k\u00fcmmert sich darum, sie aufzust\u00f6bern und in der GWR vorzustellen? Wie steht es um den von Arundhati Roy angeregten Boykott bestimmter US-Firmen? Wie k\u00f6nnen gewaltfrei-libert\u00e4re Positionen st\u00e4rker als bisher in die Kongresse der Friedensbewegung eingebracht werden? Wie kann die GWR, wie k\u00f6nnen wir als Graswurzelrevolution\u00e4rInnen uns besser in diesen Widerstand einbringen?<\/p>\n<p>Gute Gelegenheiten, um dem Protest gegen die Kriegspolitik der Herrschenden Ausdruck zu verleihen und sich an Diskussionen zu beteiligen, bieten vom 14. bis 16. Januar der M\u00fcnchner Antikriegskongress, sowie am 11. und 12. Februar 2005 die Aktionen gegen die NATO-Kriegskonferenz in M\u00fcnchen (siehe: <a href=\"http:\/\/www.no-nato.de\">www.no-nato.de<\/a>).<\/p>\n<p>Eine wichtige Aufgabe der antimilitaristischen Bewegung wird in den n\u00e4chsten Jahren der Widerstand von unten gegen die zunehmende Militarisierung der Europ\u00e4ischen Union sein. Die neoliberal-imperialistische und militaristische Ausrichtung der EU droht durch die EU-Verfassung festgeschrieben zu werden (vgl. Rudi Friedrich: <a title=\"Repressiver Zungenschlag\" href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2004\/06\/repressiver-zungenschlag\/\">Repressiver Zungenschlag<\/a>. EU: Militarisierung und Fl\u00fcchtlingsabwehr, in: GWR 290, S. 1, 15).<\/p>\n<p>In den letzten Monaten ist die Zahl der Deserteure z.B. in der US-Armee so stark angestiegen, dass es Diskussionen um eine Wiedereinf\u00fchrung der Wehrpflicht in den USA gibt.<\/p>\n<p>Es ist wichtig z.B. durch Kampagnen alle DeserteurInnen und KriegsdienstverweigererInnen zu unterst\u00fctzen. Sie m\u00fcssen als Fl\u00fcchtlinge anerkannt werden und ein uneingeschr\u00e4nktes Recht auf Asyl bekommen. Das m\u00fcssen wir durchsetzen.<\/p>\n<p>In Deutschland sind in diesem Zusammenhang zum Beispiel Initiativen wie Pro Asyl und Connection e.V. (<a href=\"http:\/\/www.Connection-eV.de\">www.Connection-eV.de<\/a>) unterst\u00fctzenswert. Sie leisten solidarische Arbeit f\u00fcr Deserteure und Kriegsdienstverweigerer aus aller Welt.<\/p>\n<p>Zu f\u00f6rdern sind in diesem Zusammenhang auch die &#8222;Military Families Against War&#8220; (<a href=\"http:\/\/www.mfaw.org.uk\">http:\/\/www.mfaw.org.uk<\/a>). Diese von Familienangeh\u00f6rigen aus der britischen Armee gegr\u00fcndete Initiative spricht sich gegen &#8222;Blair&#8217;s bloody war&#8220; aus. Sie fordert den Abzug der britischen Truppen aus dem Irak. Die Gruppe ist aktiv gegen den Krieg und findet in Gro\u00dfbritannien zunehmend Geh\u00f6r.<\/p>\n<p>Die betroffenen Familien organisieren Veranstaltungen und Protestaktionen. Sie wissen, dass ihre Aktionen die Kriegsmoral an der Heimatfront untergraben. F\u00fcr die antimilitaristische Bewegung ist das eine wichtige Entwicklung, die von vielen unterst\u00fctzt werden sollte. Die War Resisters&#8216; International (Internationale der KriegsgegnerInnen) ruft auf: &#8222;Wenn Ihr friedenswillige Milit\u00e4rs oder Milit\u00e4rangeh\u00f6rige kennt, macht sie auf diese Gruppe und ihre Internetseite aufmerksam.&#8220;<\/p>\n<p>Troops out now! Milit\u00e4r abschaffen!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es war vorhersehbar. Und zwar unabh\u00e4ngig vom Ausgang der Wahl zwischen dem Kriegspr\u00e4sidenten George W. Bush und dem Kriegbef\u00fcrworter John F. Kerry, der, anders als Bush, die &#8222;unwilligen&#8220; Verb\u00fcndeten aus dem &#8222;alten Europa&#8220; vermutlich ins US-Kanonenboot mit Kurs Irak geholt h\u00e4tte. Nachdem die Mehrheit der US-amerikanischen Bev\u00f6lkerung am 3. November 2004 George W. Bush &#8222;wieder&#8220;gew\u00e4hlt &hellip; <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2004\/12\/nach-der-us-wahl-eskaliert-der-krieg-im-irak\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"slim_seo":{"title":"Nach der US-Wahl eskaliert der Krieg im Irak - graswurzelrevolution","description":"Es war vorhersehbar. Und zwar unabh\u00e4ngig vom Ausgang der Wahl zwischen dem Kriegspr\u00e4sidenten George W. Bush und dem Kriegbef\u00fcrworter John F. 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