{"id":65,"date":"1996-10-01T00:00:55","date_gmt":"1996-09-30T22:00:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/?p=65"},"modified":"2022-07-26T14:26:36","modified_gmt":"2022-07-26T12:26:36","slug":"sofortige-freilassung-von-osman-murat-ulke","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/1996\/10\/sofortige-freilassung-von-osman-murat-ulke\/","title":{"rendered":"Sofortige Freilassung von Osman Murat \u00dclke!"},"content":{"rendered":"<div class=\"text\">Seit dem 15. Oktober befindet sich der t&uuml;rkische Kriegsdienstverweigerer               Osman Murat &Uuml;lke im Milit&auml;rgef&auml;ngnis Mamak in Ankara               im Hungerstreik. Er war am 7. Oktober in Izmir verhaftet worden               und wurde zun&auml;chst im Zivilgef&auml;ngnis Buca in Izmir inhaftiert.               Dort begann er einen Hungerstreik, um als politischer Gefangener               betrachtet und zusammen mit anderen politischen Gefangenen untergebracht               zu werden. Am Donnerstag, den 10. Oktober wurde er zun&auml;chst               ins Zivilgef&auml;ngnis nach Ankara verlegt, dort aber in der Abteilung               f&uuml;r politische Gefangene untergebracht.               <\/p>\n<p> Osman Murat &Uuml;lke war bereits im Mai 1994 f&uuml;r drei                 Wochen inhaftiert. Anla&szlig; war eine Pressekonferenz am 17.                 Mai 1994, die vom Istanbuler Verein der KriegsgegnerInnen durchgef&uuml;hrt                 worden war. In dieser Pressekonferenz erkl&auml;rten mehrere Teilnehmer                 &ouml;ffentlich ihre Kriegsdienstverweigerung. Daraufhin wurden                 vier Personen festgenommen und der Istanbuler Verein der KriegsgegnerInnen                 verboten. Es folgte eine Anklage vor dem Milit&auml;rgericht beim                 Obersten Generalstab in Ankara wegen &#8222;Versuch, das Volk vom Milit&auml;r                 zu distanzieren.&#8220; (Art. 155 t&uuml;rkisches Strafgesetzbuch).                 Der letzte Proze&szlig;termin in diesem Verfahren fand am 29.                 August 1995 in Ankara statt. In seiner Rede vor dem Gericht erkl&auml;rte                 Osman unter anderem:                <\/p><\/div>\n<blockquote>\n<p> &#8222;Ich will noch einmal &uuml;ber den Artikel 155 sprechen,                 mit welchem wir angeklagt worden sind. Einmal mehr verlangen wir                 die Abschaffung dieses Artikels. Es scheint recht klar zu sein,                 da&szlig; aufgrund des gesellschaftlichen Kr&auml;fteverh&auml;ltnisses                 und der sturen Haltung des Staates das absurde Gesetz, das von                 `Distanzierung des Volkes vom Milit&auml;r&#8216; spricht, nicht ohne                 Inhaftierung aufzuheben sein wird. Sie werden es sein, die den                 Trumpf in die Haende derer spielen werden, die weltweit eine Grundposition                 gegen die Gewalt einnehmen &#8211; und das ist nur nat&uuml;rlich, da,                 wie oben aufgezeigt wurde, Sie es sind, die die institutionalisierte                 Gewalt vertreten.                 <\/p>\n<p> Zuletzt will ich eventuelle Mi&szlig;verst&auml;ndnisse zu                   meiner Herangehensweise an Kriegsdienstverweigerung aus dem                   Weg r&auml;umen: Es ist nicht unser Ziel, da&szlig; die Kriegsdienstverweigerung                   gesetzlich verankert wird, da sich das Gewissen nicht in Gesetze                   packen l&auml;&szlig;t. Unser Anliegen ist vielmehr, die eigene                   Willenskraft der Individuen gegen die Kriegsmaschine, die ohne                   Frage gewissenlos ist, zu aktivieren.&#8220;                 <\/p>\n<\/blockquote>\n<div class=\"text\">               Vor der Urteilsverk&uuml;ndung fragte der Richter Osman, ob er der               Wehrpflichterf&uuml;llung nachgekommen sei. Er antwortete, da&szlig;               er es nicht getan h&auml;tte. Daraufhin wurden die anderen Angeklagten               zu Gef&auml;ngnisstrafen zwischen zwei und sechs Monaten verurteilt               und Osman freigsprochen. Im Anschlu&szlig; daran wurde er zum Rekrutierungsb&uuml;ro               im Bezirk Cankaya gebracht und als Rekrut registriert. Das Rekrutierungsb&uuml;ro               entlie&szlig; ihn aufgrund der Bem&uuml;hungen seiner Anw&auml;ltinnen               und der internationalen Pr&auml;senz f&uuml;r zwei Tage, damit er               zur Vorbereitung nach Hause reisen und sich am 31. August 1995 beim               9. Feldj&auml;gerausbildungsregiment in Bilecik melden k&ouml;nnte.               Osman fuhr nach Izmir zurueck und erkl&auml;rte am 1. September               seine Kriegsdienstverweigerung. Im Rahmen einer Pressekonferenz               verbrannte er &ouml;ffentlich seinen Wehrpa&szlig;. Dazu erkl&auml;rte               er u.a.:                <\/div>\n<blockquote>\n<p> &#8222;Vor allem bin ich kein Wehrfl&uuml;chtiger, sondern                 ein Kriegsdienstverweigerer. Ich denke weder daran, vor der &#8218;Wehrpflicht&#8216;                 zu fl&uuml;chten, noch daran, diese abzuleisten. Ich sehe keinen                 Grund zu fl&uuml;chten, denn ich verteidige das Recht, von der                 Kriegsdienstverweigerung Gebrauch zu machen, ohne mich zu verstecken.                 Laut den Papieren, die mir vom Rekrutierungsb&uuml;ro gegeben                 wurden, soll ich ab sofort Soldat sein und mich am 31. August                 &#8211; also gestern &#8211; beim 9. Feldj&auml;gerausbildungsregiment in                 Bilecik gemeldet haben. Wie sie sehen, habe ich mich nicht gemeldet                 und bin hier. Auch wenn ich kein Wehrfl&uuml;chtiger bin, sehe                 ich keinen Sinn darin, mich von mir aus in der Kaserne zu melden.                 Im Gegenteil: Ich werde jetzt hier vor ihren Augen den Wehrpa&szlig;                 verbrennen, den ich nicht als den meinen ansehen kann. &#8230;                 <\/p>\n<p> Ich bin kein Soldat und werde keiner werden. Natuerlich bin                   ich mir im klaren dar&uuml;ber, dass ich festgenommen werde.                   Bis es jedoch soweit kommt &#8211; solange es eben dauern mag &#8211; wird                   sich an meiner Lebensweise nichts &auml;ndern. Ich bin hier                   im Verein auffindbar. Doch ich unterstreiche noch einmal, da&szlig;                   ich in der Kaserne bis zum Ende Widerstand leisten und mich                   auf keine Art und Weise zum Soldat machen lassen werde.&#8220;                 <\/p>\n<\/blockquote>\n<div class=\"text\">               Aufgrund dieser Erkl&auml;rung wurde Osman Murat &Uuml;lke jetzt               verhaftet. Es wurde aufgrund eines schriftlichen Befehls des Milit&auml;rstaatsanwalts               des Milit&auml;rgerichts des Generalstabs in Ankara festgenommen,               der auf den 5. September 1995 (!) datiert, aber die &ouml;rtliche               Polizeistation erhielt ihn erst am 1. Oktober 1996!               <\/p>\n<p> Am Montag den 14. Oktober wurde Osman Murat &Uuml;lke vom Milit&auml;rstaatsanwalt                 verh&ouml;rt. Er wird erneut eines Vergehens gegen Artikel 155                 beschuldigt, was mit zwei Monaten bis zu zwei Jahren Milit&auml;rgef&auml;ngnis                 bestraft werden kann. Und selbst nach einer eventuellen Freilassung                 droht ihm die sofortige &Uuml;berstellung zum Milit&auml;r.               <\/p>\n<p> Nach der Vernehmung wurde Osman zum Milit&auml;rgef&auml;ngnis                 gebracht. Dort weigerte er sich, eine Uniform anzuziehen, woraufhin                 er von den anderen Gefangenen (alles Soldaten, die wegen milit&auml;rischer                 Vergehen inhaftiert sind) isoliert wurde. Das Disziplinargericht                 verh&auml;ngte gegen ihn eine f&uuml;nft&auml;gige Einzelhaft,                 die Osman in einer Zelle von 2 m2 Gr&ouml;&szlig;e, ohne Bett                 und in menschenunw&uuml;rdigem Zustand, absitzen mu&szlig;.               <\/p>\n<p> Osman begann am 15. Oktober einen Hungerstreik gegen die menschenunw&uuml;rdige                 Behandlung. Von der Gef&auml;ngnisleitung erh&auml;lt er aber                 kein mit Salz und Zucker angereichertes Wasser, was bei einem                 Hungerstreik unbedingt erforderlich ist. Seine Gesundheit ist                 somit ernsthaft gef&auml;hrdet.               <\/p>\n<p> Auch wenn nach Auskunft seiner Anw&auml;ltInnen Osmans Moral                 gut und der Wille zum Widerstand ungebrochen ist, ist internationale                 Solidarit&auml;t jetzt unbedingt erforderlich. <\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit dem 15. Oktober befindet sich der t&uuml;rkische Kriegsdienstverweigerer Osman Murat &Uuml;lke im Milit&auml;rgef&auml;ngnis Mamak in Ankara im Hungerstreik. Er war am 7. Oktober in Izmir verhaftet worden und wurde zun&auml;chst im Zivilgef&auml;ngnis Buca in Izmir inhaftiert. 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