{"id":6505,"date":"2004-12-01T00:00:21","date_gmt":"2004-11-30T22:00:21","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=6505"},"modified":"2022-07-26T13:06:02","modified_gmt":"2022-07-26T11:06:02","slug":"das-spekulative-schafott","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2004\/12\/das-spekulative-schafott\/","title":{"rendered":"Das spekulative Schafott"},"content":{"rendered":"<p>Derrida bezieht sich hier auf Platons Dialog <em>Phaidon<\/em>, in dem der zum Trinken des Giftbechers verurteilte Sokrates in den letzten Stunden seines Lebens im Kreis der Sch\u00fcler und Freunde (und in Abwesenheit der Frauen, die die gefasst sein sollende M\u00e4nnerrunde mit ihren Tr\u00e4nen nur st\u00f6ren w\u00fcrden und daher weggeschickt wurden), den Grundlagentext dessen formuliert, was Herbert Marcuse die &#8222;Ideologie des Todes&#8220; ((2)) genannt hat.<\/p>\n<p>Statt den zahllosen Nachrufen auf den in der Nacht vom 8. auf den 9. Oktober 2004 verstorbenen Derrida einen weiteren hinzuzuf\u00fcgen, sollen im folgenden Derridas Reflexionen \u00fcber die Todesstrafe vorgestellt werden. Als Einspruch gegen die Ideologie des Todes. Und als <em>Einstieg<\/em> in die Dekonstruktion der Souver\u00e4nit\u00e4t, denn die Reflexionen Derridas zur Todesstrafe, die sich in zwei Kapiteln seines Dialogs mit der Historikerin und Psychoanalytikerin Elisabeth Roudinesco finden, stehen in diesem umfassenderen Kontext. ((3))<\/p>\n<p>Infragestellung staatlicher Souver\u00e4nit\u00e4t ist im 20. Jahrhundert keineswegs nur eine Sache von Anarchismus und linksradikaler Staatskritik. Die Erfahrung des Ersten Weltkrieges f\u00fchrte manche V\u00f6lkerrechtler dazu, das V\u00f6lkerrecht dem Staat \u00fcberzuordnen. So hoffte Hans Kelsen, dass &#8222;mit der \u00dcberwindung des Dogmas von der Souver\u00e4nit\u00e4t des Einzelstaates die Existenz einer objektiven, von aller &#8218;Anerkennung&#8216; unabh\u00e4ngigen, \u00fcber den Einzelstaaten stehenden V\u00f6lker-, richtiger Weltrechtsordnung [&#8230;] sich durchsetzen werde&#8220;. ((4)) Albert Einstein stellte in seinem Brief an Sigmund Freud 1932 fest, dass die internationale Sicherheit &#8222;den bedingungslosen Verzicht der Staaten auf einen Teil ihrer Handlungsfreiheit beziehungsweise Souver\u00e4nit\u00e4t&#8220; impliziere. ((5)) Dieser Prozess ist mit der Schaffung der Vereinten Nationen nach dem Zweiten Weltkrieg ein entscheidendes St\u00fcck voran gekommen; die Irak-Krise und der (noch andauernde) Irak-Krieg sind die aktuelle Illustration, wie krisenhaft und konfliktreich dieser Prozess ist. Jedenfalls unterliegen Souver\u00e4nit\u00e4t und die moderne Staatlichkeit als Ganzes, nicht zuletzt \u00f6konomisch bedingt, mehreren synchron laufenden Transformationsprozessen. Einer davon, h\u00e4ufig in seiner Bedeutung untersch\u00e4tzt, ist der Prozess der Zur\u00fcckdr\u00e4ngung der Todesstrafe.<\/p>\n<p>In der Franz\u00f6sischen Revolution wurde das Versprechen formuliert, die Todesstrafe abzuschaffen. Zun\u00e4chst aber erfolgte das genaue Gegenteil: Die Guillotine entwickelte sich zu einem Symbol der Franz\u00f6sischen Revolution. ((6)) Nicht nur wurde der K\u00f6nig Ludwig XVI per Maschine enthauptet, ein f\u00fcr die Transformation der Souver\u00e4nit\u00e4t in der Tat &#8218;einschneidendes&#8216; Ereignis. Das Pariser Revolutionstribunal und die Sondertribunale au\u00dferhalb von Paris lie\u00dfen mehr als 17.000 Verurteilte exekutieren; die Zahl der ohne Urteil Exekutierten sch\u00e4tzt man auf 35.000 bis 40.000 Personen. Der Konvent verk\u00fcndete schlie\u00dflich am 26. Oktober 1795: &#8222;Vom Tag der Verk\u00fcndigung des allgemeinen Friedens an wird die Todesstrafe in der franz\u00f6sischen Republik abgeschafft sein.&#8220; ((7)) Der Kampf um die Abschaffung der Todesstrafe dauerte in Frankreich noch fast zwei Jahrhunderte. Robert Badinter, der als Anwalt Todeskandidaten verteidigt hatte, setzte als Justizminister in der ersten Amtszeit Fran\u00e7ois Mitterands die Ank\u00fcndigung um, die Todesstrafe (auch gegen die Mehrheitsmeinung der Bev\u00f6lkerung) abzuschaffen. ((8))<\/p>\n<h3>Christentum und Todesstrafe<\/h3>\n<p>Es ist nur eine Technik der \u00dcberleitung vom Kapitel \u00fcber den &#8222;Antisemitismus der Zukunft&#8220; zum Thema Todesstrafe, wenn Elisabeth Roudinesco eingangs betont, dass Badinter Jude ist. In der \u00f6ffentlichen Debatte wurde er n\u00e4mlich als &#8222;dreckiger Jude&#8220; und &#8222;Freund von Kinderm\u00f6rdern&#8220; beschimpft; der gesellschaftliche Diskurs war \u00e4hnlich antisemitisch aufgeladen wie w\u00e4hrend der Debatte zur Legalisierung der Abtreibung, als Simone Veil, \u00dcberlebende der Shoah, Ziel antisemitischer Ausf\u00e4lle war. Derrida verweist in diesem Zusammenhang auf das Treiben christlicher Ultras, die gleicherma\u00dfen fanatisch <em>gegen<\/em> Abtreibung (&#8222;f\u00fcr das Leben&#8220;) und <em>f\u00fcr<\/em> die Todesstrafe eintreten &#8211; ganz aktuell best\u00e4tigt sich dies in einer Petition f\u00fcr die Wiedereinf\u00fchrung der Todesstrafe der AGRIF, unterzeichnet von rabiaten Christen und Personal des Front National. <a name=\"9\"><\/a>((9))<\/p>\n<p>Eine vergleichbare Schr\u00e4gheit in der deutschen extremen Rechten hat Theodor W. Adorno unter Berufung auf den Generalstaatsanwalt des Landes Hessen und Ankl\u00e4ger im Frankfurter Auschwitz-Prozess, Fritz Bauer, knapp zusammengefasst: &#8222;Fritz Bauer hat bemerkt, da\u00df dieselben Typen, die mit hundert faulen Argumenten den Freispruch der Schinder von Auschwitz verlangen, Freunde der Wiedereinf\u00fchrung der Todesstrafe sind.&#8220; ((10))<\/p>\n<p>Derrida betont die Spannung, ja Spaltung in der christlichen Tradition: Aller Predigt der Barmherzigkeit zum Trotz hat der katholische Klerus, von wenigen Ausnahmen wie der Erkl\u00e4rung des franz\u00f6sischen Episkopats von 1978 ((11)) abgesehen, nicht vehement und in der zeremoniell gebotenen Feierlichkeit rigoros gegen die Todesstrafe Stellung bezogen. Im Namen eines <em>anderen<\/em> Christentums engagierte sich Victor Hugo gegen die Todesstrafe. ((12)) Ihm entgegen stand als ein Repr\u00e4sentant katholischer Hardliner Donoso Cort\u00e9s (1809-1851), der seine rabiate Verteidigung der Todesstrafe an eine Interpretation des blutigen Opfers seit Kain und Abel bis zu Christus und dar\u00fcber hinaus band. ((13)) Das verweist auf das Problem des Theologisch-Politischen, das auch den philosophischen Diskurs pr\u00e4gt.<\/p>\n<h3>Eine weitreichende &#8222;provisorische Hypothese&#8220;<\/h3>\n<p>Als eine der erstaunlichsten Gegebenheiten der Philosophiegeschichte erscheint Derrida, dass &#8222;kein Philosoph <em>als Philosoph in seinem eigentlich und systematisch philosophischen Diskurs,<\/em> keine Philosophie<em> als solche<\/em> jemals die Legitimit\u00e4t der Todesstrafe bestritt&#8220;, von Platon bis Hegel, von Rousseau bis Kant ergriff man &#8222;Partei <em>f\u00fcr<\/em> die Todesstrafe&#8220;. &#8222;Diejenigen, die einen Diskurs gegen die Todesstrafe entwickelten, taten dies meines Wissens &#8211; und das ist meine provisorische Hypothese &#8211; niemals in strikt philosophischer Weise.&#8220; ((14)) Es seien Juristen wie Cesare Beccaria (1738-1794) oder in unserer Zeit Robert Badinter gewesen, die den Diskurs gegen die Todesstrafe pr\u00e4gten. Oder Schriftsteller wie Voltaire, Victor Hugo und Albert Camus. Derrida nennt nur franz\u00f6sische Beispiele &#8211; f\u00fcr Deutschland w\u00e4re etwa Hans Magnus Enzensberger zu nennen, der bemerkte, die Todesstrafe sei &#8222;nach innen&#8220; der &#8222;reinste Ausdruck der staatlichen Souver\u00e4nit\u00e4t&#8220;, wie es &#8222;nach au\u00dfen, im Umgang mit anderen Staaten, der Krieg&#8220; sei; Enzensbergers Essay wirft allerdings in seiner Analogisierung von &#8222;Endl\u00f6sung der Judenfrage&#8220; und &#8222;atomarer Endl\u00f6sung&#8220; eine Vielzahl von Problemen auf. ((15))<\/p>\n<p>Gegen Derridas &#8222;provisorische Hypothese&#8220; dr\u00e4ngen sich mehrere Einw\u00e4nde auf; der erste betrifft Albert Camus, der zweite Karl Marx, ein weiterer Herbert Marcuse. Bezogen auf Camus, dessen <em>R\u00e9flexions sur la guillotine <\/em>((16)) und Engagement gegen die Todesstrafe er sehr sch\u00e4tzt ((17)), ist Derridas Argument zweischneidig: Um der Philosophie, um dem philosophischen Diskurs den Prozess zu machen (darum handelt es sich in der Tat), reproduziert Derrida an dieser Stelle die Ausgrenzung Camus&#8216; aus der Philosophie, bzw. genauer: aus dem systematischen philosophischen Diskurs im engeren Sinne. Das mag f\u00fcr den Essay \u00fcber die Guillotine noch angehen; es wird um so fragw\u00fcrdiger, wenn man an Camus&#8216; Essay <em>L&#8217;Homme revolt\u00e9<\/em> denkt, in dem Camus Rousseaus Bef\u00fcrwortung der Todesstrafe kritisiert. ((18)) Die Ausgrenzung Camus&#8216; aus der Philosophie l\u00e4sst sich \u00fcbrigens gerade von anderen Schichten des Derrida&#8217;schen Werkes her kritisieren, hat dieser doch \u00fcber Jahrzehnte die disziplin\u00e4re Grenzziehungen der Philosophie und das Verh\u00e4ltnis der Philosophie zu ihrem anderen kritisch befragt und seinerseits transdisziplin\u00e4re Randg\u00e4nge praktiziert.<\/p>\n<p>Der zweite Einwand betrifft wiederum einen Grenz- oder Randg\u00e4nger der Philosophie, dessen Texte einer Domestizierung durch die Disziplin widerstreben, an deren philosophischem Rang indes kein Zweifel bestehen kann: Marx. Lucien S\u00e8ve hat in Reaktion auf Derridas Ausf\u00fchrungen auf Marx&#8216; Text <em>Die Todesstrafe &#8211; Herrn Cobdens Pamphlet &#8211; Anordnungen der Bank von England<\/em> von 1853 hingewiesen. ((19)) S\u00e8ve kehrt daher Derridas Behauptung um: Es gebe &#8222;in der Welt der Philosophie <em>einen<\/em> gro\u00dfen Denker, der nicht nur rigoros Stellung gegen die Todesstrafe bezog, sondern dies [&#8230;] mit einer grunds\u00e4tzlichen theoretischen Argumentation tat bis zu dem Punkt, radikal die gesellschaftliche Ordnung in Frage zu stellen, die die Kriminellen, die sie selbst produziert, dem Henker ausliefert.&#8220; ((20))<\/p>\n<p>Herbert Marcuse hat 1959 im theoretischen Kontext seiner Freud-Interpretation den Zusammenhang von Herrschaft und Todesstrafe b\u00fcndig formuliert: &#8222;Keine Herrschaft ist perfekt ohne die Todesdrohung und das anerkannte Recht, den Tod auszuteilen &#8211; als legales Verdikt, im Krieg oder durch Verhungern lassen. Und keine Herrschaft ist perfekt, wenn nicht der Tod, so institutionalisiert, f\u00fcr mehr als eine nat\u00fcrliche Notwendigkeit und ein factum brutum genommen wird, n\u00e4mlich als <em>gerechtfertigt<\/em> und als <em>Rechtfertigung<\/em>.&#8220; ((21))<\/p>\n<p>Weitere Gegenbeispiele w\u00e4ren wohl zu nennen (sie k\u00f6nnten, ja sollten in einer offenen Folge von Texten zum Thema behandelt werden), so ein kleiner Text Adornos, <em>Umfrage \u00fcber die Todesstrafe<\/em>. ((22)) Hier allerdings k\u00f6nnte zugunsten von Derridas Hypothese eingewandt werden, dass dieser Text wahrlich nicht zum systematischen philosophischen Diskurs im engeren Sinne zu rechnen sei, zumal sich Adorno weigert, die stringent gehaltenen &#8222;rechtsphilosophischen und juristischen Argumente zu wiederholen, die l\u00e4ngst gegen die Todesstrafe vorgebracht worden sind&#8220;, sondern &#8222;ohne jede weitere Begr\u00fcndung&#8220; seinen &#8222;Ekel&#8220; vor dem &#8222;Greuel&#8220; artikuliert. ((23)) Der so kurze Text korrespondiert aber mit einer zentralen Aussage der <em>Negativen Dialektik: <\/em>&#8222;Gesellschaftliche Moral w\u00e4re einzig noch, einmal der schlechten Unendlichkeit, dem verruchten Tausch der Vergeltung sein Ende zu bereiten.&#8220; ((24)) Und gerade von Derrida konnte man doch lernen, die Kanonisierung und damit verbundene Hierarchisierung von Texten in &#8222;Hauptwerke&#8220; und &#8222;Gelegenheitsschriften&#8220; in Frage zu stellen; viele seiner Re-Lekt\u00fcren kanonischer Autoren beruhten doch gerade auf dieser praktischen Infragestellung des akademisch institutionalisierten Tradierungs- und Rezeptionsapparates und der Konzentration auf das &#8211; <em>nur scheinbar<\/em> &#8211; Marginale. Insofern gilt auch in der Frage der Todesstrafe f\u00fcr Adornos Text, was Derrida h\u00e4ufig \u00fcber Texte der Tradition sagt, dass n\u00e4mlich in ihnen noch etwas &#8222;zu kommen bleibt&#8220;, also der Lekt\u00fcre harrt.<\/p>\n<p>Mag Derridas &#8222;provisorische Hypothese&#8220; in ihrer Ausschlie\u00dflichkeit und Massivit\u00e4t auch nicht zu halten sein, hat er dennoch insofern Recht, als es ein dominanter Zug des philosophischen Diskurses ist, die Legitimit\u00e4t der Todesstrafe nicht zu bestreiten, sondern im Gegenteil Rechtfertigungen f\u00fcr sie zu liefern. Darin ist auch die strategische Bedeutung der an diesem Hebel ansetzenden Dekonstruktion begr\u00fcndet. Die &#8222;Dekonstruktion des spekulativen Ger\u00fcsts (<em>l&#8217;\u00e9chafaudage<\/em>) (um nicht zu sagen des Schafotts [<em>l&#8217;\u00e9chafaud<\/em>]), das den philosophischen Diskurs \u00fcber die Todesstrafe st\u00fctzt, ist keine Notwendigkeit unter anderen&#8220;. Ihre Bedeutung sei darin begr\u00fcndet, dass die Todesstrafe der Schluss-Stein eines Geb\u00e4udes sei, das Bindemittel oder die Naht einer Konstruktion, die &#8222;k\u00fcnstliche Prothese, die [&#8230;] ein nicht-nat\u00fcrliches Ding, ein historisches Recht, ein eigentlich menschliches und vorgeblich rationales Recht aufrecht h\u00e4lt&#8220;. ((25))<\/p>\n<h3>Todesstrafe im philosophischen Diskurs<\/h3>\n<p>Diesen Stellenwert hat die Todesstrafe, weil sie, so Derrida, in den sie bef\u00fcrwortenden Diskursen, und zwar sowohl bei Donoso Cort\u00e9s, der die Todesstrafe die eine Geschichte des Opfers integriert, als auch bei Kant, &#8222;transzendentalisiert&#8220; wird. Diesen Diskursen gilt das Dispositiv der Todesstrafe als Bedingung der M\u00f6glichkeit des Strafrechts, die Abschaffung der Todesstrafe z\u00f6ge demnach die Aufl\u00f6sung jeglichen Strafrechts mit sich. Die Todesstrafe hat in diesen Diskursen einen nur widerspr\u00fcchlich zu beschreibenden &#8218;Ort&#8216;: Sie ist ein Element des Strafrechts, eine Strafe neben anderen, nur st\u00e4rker, also <em>intern<\/em>; gleichzeitig ist sie <em>extern<\/em> situiert, gilt sie als Ursprung, Grundlage, Exempel au\u00dferhalb der Serie, Bedingung der M\u00f6glichkeit der Serie, mehr und etwas anderes als eine Strafe; Derrida bedient sich dieser Figur h\u00e4ufig und spricht vom &#8222;Quasi-Transzendentalen&#8220;. ((26)) Ein konsequenter abolitionistischer, also auf Abschaffung der Todesstrafe dr\u00e4ngender, Diskurs m\u00fcsse &#8222;die paradoxen Effekte der Transzendentalisierung der Todesstrafe angreifen&#8220;. Wie er dies unternehmen will, umrei\u00dft Derrida im Gespr\u00e4ch mit Roudinesco nur im Telegrammstil. Neben Genealogien des Begriffs &#8222;Ausnahme&#8220; gehe es um die Geschichte der Grausamkeit und des Blutes, schlie\u00dflich um die minuti\u00f6se dekonstruktive Lekt\u00fcre Kants ((27)), der bekanntlich f\u00fcr alle aktuellen Debatten zum Problemkn\u00e4uel &#8222;Souver\u00e4nit\u00e4t&#8220; und Krieg ein bedeutender Einsatzpunkt ist, wie noch die medial so erfolgreiche Simplifizierung durch Robert Kagan (Kant vs. Hobbes, Venus vs. Mars, Europa vs. USA) zeigt. ((28)) Kant als philosophische Bastion der Bef\u00fcrwortung der Todesstrafe zu knacken, ist selbstverst\u00e4ndlich nur ein <em>Zwischenziel<\/em> in der <em>argumentativen<\/em> Auseinandersetzung; die autorit\u00e4ren Charaktere, die &#8222;R\u00fcbe ab!&#8220; schreien, trifft dies nicht. Ach ja, was den Fall Mumia Abu Jamal angeht, den ich nun fast vergessen h\u00e4tte, w\u00e4re auf andere Texte, auf anderes Engagement zu verweisen ((29)) &#8211; hier ging es um den <em>Einstieg<\/em> in die Dekonstruktion der Souver\u00e4nit\u00e4t.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Derrida bezieht sich hier auf Platons Dialog Phaidon, in dem der zum Trinken des Giftbechers verurteilte Sokrates in den letzten Stunden seines Lebens im Kreis der Sch\u00fcler und Freunde (und in Abwesenheit der Frauen, die die gefasst sein sollende M\u00e4nnerrunde mit ihren Tr\u00e4nen nur st\u00f6ren w\u00fcrden und daher weggeschickt wurden), den Grundlagentext dessen formuliert, was &hellip; <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2004\/12\/das-spekulative-schafott\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"slim_seo":{"title":"Das spekulative Schafott - graswurzelrevolution","description":"Derrida bezieht sich hier auf Platons Dialog Phaidon , in dem der zum Trinken des Giftbechers verurteilte Sokrates in den letzten Stunden seines Lebens im Kreis"},"footnotes":""},"categories":[397,1030],"tags":[],"class_list":["post-6505","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-294-dezember-2004","category-es-wird-ein-laecheln-sein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6505","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6505"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6505\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6505"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6505"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6505"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}