{"id":6654,"date":"2005-02-01T00:00:04","date_gmt":"2005-01-31T22:00:04","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=6654"},"modified":"2022-07-26T14:24:31","modified_gmt":"2022-07-26T12:24:31","slug":"die-besiegten-und-vergessenen-des-algerienkrieges","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2005\/02\/die-besiegten-und-vergessenen-des-algerienkrieges\/","title":{"rendered":"Die Besiegten und Vergessenen des Algerienkrieges"},"content":{"rendered":"<p>Der am 1. November 1954 von der Front de Lib\u00e9ration Nationale (FLN, Nationale Befreiungsfront) begonnene algerische Befreiungskrieg gegen den franz\u00f6sischen Kolonialismus war ein acht Jahre dauernder, von beiden Seiten grausam gef\u00fchrter Krieg, der rund 300.000 Menschenleben kostete, wovon vier F\u00fcnftel auf das Konto der Kolonialmacht gehen. ((1)) Historische Sieger dieses Krieges waren, unter anderem, General de Gaulle und die von ihm 1958 installierte V. Republik mit starker Pr\u00e4sidialmacht. Die V. Republik wurde zun\u00e4chst &#8211; und etwas vorschnell &#8211; von franz\u00f6sischen Linken um Jean-Paul Sartre als Faschismus denunziert; heute ist sie Verfassungsvorbild f\u00fcr autorit\u00e4re b\u00fcrgerliche &#8222;Demokraten&#8220; wie Putin oder Berlusconi. Sie \u00fcberlebte einen Putsch der in Algerien stationierten Milit\u00e4rs (21.4.1961) sowie den Kampf der rebellierenden rechtsextremen Untergrundarmee Frankreichs in Algerien (OAS, Organisation arm\u00e9e secr\u00e8te) unbeschadet. Zu diesem &#8222;Sieg&#8220; Frankreichs in der kolonialen Niederlage geh\u00f6rte weiter die faktische milit\u00e4rische Niederringung der algerischen &#8222;inneren Armee&#8220;, also der Guerilla. Denn nur dadurch konnte nach der Unabh\u00e4ngigkeit 1962 die in Tunesien stationierte &#8222;\u00e4u\u00dfere Armee&#8220; unter Boum\u00e9di\u00e8ne als angeblich &#8222;siegreiche Armee&#8220; in Algerien einmarschieren. Boum\u00e9di\u00e8ne blieb bis 1965 lediglich Verteidigungsminister unter der ersten, zivilen Regierung Ben Bella, bevor er sich schlie\u00dflich ganz an die Macht putschte und das Modell Algerien schnell zur Milit\u00e4rdiktatur degenerierte. Zu diesem franz\u00f6sischen &#8222;Sieg&#8220; de Gaulles z\u00e4hlt auch eine drei\u00dfigj\u00e4hrige Amnesie \u00fcber eigene Folterpraktiken, die erst in den neunziger Jahren aufgebrochen, aber l\u00e4ngst noch nicht \u00fcberwunden wurde. ((2))<\/p>\n<p>Lange verschwiegen wurde das Pariser Massaker an unbewaffneten algerischen DemonstrantInnen vom 17. Oktober 1961, als vom Ex-Vichy-Judendeporteur und damaligen Pariser Polizeichef Maurice Papon rund 200 ermordete DemonstrantInnen in die Seine geworfen wurden. ((3)) Das Verschleppen der Aufkl\u00e4rung eigener Verbrechen ist ein veritables Vorrecht der Sieger.<\/p>\n<p>Historischer Sieger war aber vor allem die nationale Befreiungsfront FLN. Schlie\u00dflich wurde Algerien durch den Krieg unabh\u00e4ngiger Nationalstaat. Die FLN blieb durch viele Wendungen hindurch und in Form ihrer Nachfahren als Milit\u00e4rdiktatur bis heute an der Macht. Die FLN war aber auch der Modellfall f\u00fcr die entstehende Solidarit\u00e4tsbewegung u.a. in der BRD. Aus heutiger historischer Kenntnis muss mann\/frau sich die Frage stellen, warum. Die FLN war nicht nur verantwortlich f\u00fcr rund 30.000 als Verr\u00e4terInnen hingerichtete algerische ZivilistInnen, ((4)) und sie k\u00e4mpfte nicht nur gegen den franz\u00f6sischen Kolonialismus. Sie unterdr\u00fcckte bis Ende 1958 die bei Aufstandsbeginn viel st\u00e4rkere Bewegung um Messali Hadj, die so genannten &#8222;Messalisten&#8220; (hier wird nur die m\u00e4nnliche Bezeichnung verwendet, weil Frauen als Aktivistinnen dieser Bewegung kaum oder nur in wenigen Ausnahmef\u00e4llen nachweisbar sind, d.A.), die am 1.11.1954 rund 20.000 Mitglieder hatten, im Gegensatz zu den nur 800 ((5)) Untergrundaktivisten der FLN. Die FLN \u00fcbernahm franz\u00f6sische Folterpraktiken und k\u00e4mpfte seit dem paradigmatischen Mord an ihrem langj\u00e4hrigen f\u00fchrenden Guerillachef Abbane Ramdane im Dezember 1957 auch innere Fraktionsk\u00e4mpfe blutig aus. ((6))<\/p>\n<p>So betrifft das beispielhafte Erinnern an die &#8222;Besiegten&#8220;, die Messalisten, nur eine, allerdings bedeutsame Str\u00f6mung dieses Krieges.<\/p>\n<h3>Wer war Messali Hadj?<\/h3>\n<p>Messali Hadj (1898-1974) war die pr\u00e4gende Figur der algerischen Unabh\u00e4ngigkeitsbewegung bis zur &#8222;Liquidierung&#8220; (Sartre-Sch\u00fcler Fran\u00e7is Jeanson, siehe nebenstehendes Dokument von Yves Dechezelles) der Messalisten durch die FLN 1958. Im offiziellen Algerien galt er 26 Jahre lang als Unperson &#8211; angesichts seiner historischen Bedeutung ein nahezu unglaublicher Akt der Geschichtsf\u00e4lschung -, bis sich seit dem Jugendaufstand von 1988 langsam eine pluralistische, regierungsunabh\u00e4ngige Geschichtsschreibung durchsetzte. ((7)) Messali Hadj stammt aus dem nordwestalgerischen Tlemcen. Seine politische Sozialisation bestand aus einer origin\u00e4ren Mischung aus islamischen Traditionsbest\u00e4nden (der &#8222;Derkaouas-Bruderschaft&#8220;, nach Biograph Benjamin Stora eine Art &#8222;simpler Islam&#8220; in egalit\u00e4rem und gemeinschaftlich ausgerichtetem Milieu), Bez\u00fcgen auf die franz\u00f6sische Arbeiterbewegung und den t\u00fcrkischen Kemalismus. Wenn Messali Hadj auf \u00f6ffentlichen Kundgebungen in Algerien sprach, f\u00fcr die er ber\u00fchmt war und die von gro\u00dfen Menschenmengen besucht wurden, und dabei islamische Muster f\u00fcr den Widerstand gegen den Kolonialismus verwendete, so lief er dabei doch nie Gefahr, einer rein religi\u00f6sen Abgrenzung oder eines islamistisch begr\u00fcndeten Krieges gegen die &#8222;Ungl\u00e4ubigen&#8220; zu verfallen, weil er bei der Kolonialmacht Frankreich zwischen Herrschenden und ausgebeuteten Arbeitermassen unterschied und immer wieder das B\u00fcndnis mit letzteren f\u00fcr seine antikolonialen Bestrebungen suchte.<\/p>\n<p>Im Umfeld der franz\u00f6sischen KP gr\u00fcndete er, selbst im franz\u00f6sischen Exil arbeitend, 1926 die laizistische, nicht-parteif\u00f6rmige, eher gewerkschaftliche Sammlungsorganisation &#8222;\u00c9toile-Nord-Africaine&#8220; (ENA, Nordafrikanischer Stern), welche die antikolonialen Bestrebungen von Marokko, Algerien, Tunesien zusammenfasste und zun\u00e4chst nordafrikanische MigrationsarbeiterInnen in Frankreich organisierte, bevor sie sich auch nach Algerien ausbreitete. Legend\u00e4r war Messalis Auftritt beim Kongress der &#8222;Liga gegen Imperialismus und Krieg&#8220; im Februar 1927 in Br\u00fcssel (wo auch die gewaltlosen Anarchisten Bart de Ligt und Arthur M\u00fcller-Lehning sprachen), als er in seiner Rede erstmals die Forderung nach der Unabh\u00e4ngigkeit Algeriens artikulierte.<\/p>\n<p>Noch 1927 l\u00f6ste sich der ENA aus der kommunistischen Abh\u00e4ngigkeit und fuhr fortan einen unabh\u00e4ngigen antikolonialen Kurs, der oftmals zu Zusammenst\u00f6\u00dfen mit der stalinistischen KPF oder deren Ableger &#8222;Parti Communiste de l&#8217;Alg\u00e9rie&#8220; (PCA, Kommunistische Partei Algeriens) f\u00fchrte. So auch nach dem Zustandekommen der franz\u00f6sischen Volksfront (1936-38), die Messali Hadj zun\u00e4chst hoffnungsvoll unterst\u00fctzt hatte, bevor das von der KP unterst\u00fctzte Gesetz Blum-Violette nur 20.000 Besitzb\u00fcrgern in Algerien Wahl- und B\u00fcrgerrechte verleihen wollte, was Messali emp\u00f6rt ablehnte. Messali Hadj war mit der franz\u00f6sischen Aktivistin Emilie Busquant verheiratet und forderte f\u00fcr AlgerierInnen das freie und gleiche Wahlrecht f\u00fcr M\u00e4nner und Frauen. Aufgrund ihrer Opposition zur Kolonialpolitik der Volksfront wurden die Messalisten von der Volksfront und der KPF als Faschisten denunziert und 1937 verboten. Dagegen protestierte in Algerien der damals mit den Messalisten zusammenarbeitende Schriftsteller Albert Camus, der deshalb aus der PCA ausgeschlossen wurde und den Messalisten sein Leben lang verbunden blieb. Messali Hadj gr\u00fcndete noch im gleichen Jahr die &#8222;Parti du Peuple Alg\u00e9rien&#8220; (PPA, Partei des algerischen Volkes); des weiteren ein Jahr nach den fehlgeschlagenen Mai-Aufst\u00e4nden 1945 in Algerien die Partei &#8222;Mouvement pour le Triomphe des libert\u00e9s d\u00e9mocratiques&#8220; (MTLD, Bewegung f\u00fcr den Triumph demokratischer Freiheiten); nach deren Spaltung kurz vor Beginn des Algerienkrieges 1954 das &#8222;Mouvement national Alg\u00e9rien&#8220; (MNA, Bewegung Nationales Algerien); sowie am 14.2.1956 in franz\u00f6sischen und algerischen St\u00e4dten die Gewerkschaft &#8222;Union Syndicale des Travailleurs Alg\u00e9riens&#8220; (USTA, Gewerkschaftsunion der Arbeiter Algeriens). Die USTA setzte sich f\u00fcr Gewerkschaftsfreiheit sowie absolute Parteiunabh\u00e4ngigkeit der Gewerkschaften ein und kann daher als tendenziell anarchosyndikalistisch eingestuft werden. Ihre wichtigsten Aktivisten wurden im September 1957 von der FLN ermordet, wogegen Albert Camus in fast allen libert\u00e4ren Zeitungen Frankreichs \u00f6ffentlich protestierte. Das sind die organisatorischen Stationen des algerischen Messalismus.<\/p>\n<p>Die St\u00e4rken von Messali Hadj liegen in seiner konsequenten, f\u00fcr einen arabischen Antiimperialisten nicht selbstverst\u00e4ndlichen Verdammung des Antisemitismus, beispielhaft etwa anl\u00e4sslich blutiger Angriffe der arabischen Bev\u00f6lkerung auf j\u00fcdische AlgerierInnen am 5.8.1934, die Messali als &#8222;vorbereitete Provokation durch den Kolonialismus und seine Diener&#8220; verurteilte, und er sprach sich gegen &#8222;Schuldzuweisungen an Juden&#8220; aus. ((8)) Entschieden verweigerte Messali Hadj auch die Zusammenarbeit sowohl mit deutschen sowie Vichy-Faschisten w\u00e4hrend der Besatzung Frankreichs durch die Nazis 1940-44, was ihm ein Vichy-Urteil f\u00fcr eine 16-j\u00e4hrige Gef\u00e4ngnisstrafe eintrug, die jedoch sp\u00e4ter vorteilhaft f\u00fcr ihn war und dazu f\u00fchrte, dass er bei Verurteilungen f\u00fcr seine antikoloniale Agitation in Algerien und Frankreich &#8222;nur&#8220; Hausarrest in franz\u00f6sischen D\u00f6rfern erhielt und Delegierte seiner Bewegung Besuchsrecht bekamen.<\/p>\n<p>Messali Hadj forderte das freie und gleiche Wahlrecht f\u00fcr alle AlgerierInnen, aber er war kein Bef\u00fcrworter des parlamentarischen Weges zur Unabh\u00e4ngigkeit; im Gegenteil, er verurteilte 1954 innerhalb der MTLD die pro-parlamentarische Fraktion (die so genannten &#8222;Zentralisten&#8220;), die dann mit der FLN kollaborieren wollte, als reformistische und prinzipienlose &#8222;B\u00fcrokraten&#8220;. Messali Hadj war kein Gewaltfreier, manche seiner Reden waren \u00e4u\u00dferst blutr\u00fcnstig: &#8222;Es muss Blut flie\u00dfen, damit Algerien frei wird.&#8220; ((9)) Typisch f\u00fcr ihn waren Aufforderungen an in franz\u00f6sischen oder spanischen Diensten stehende afrikanische Soldaten, die Gewehre gegen die eigenen Unterdr\u00fccker zu wenden und auch zu benutzen, so etwa in einem seiner Aufrufe zur Unterst\u00fctzung der spanischen Revolution von 1936, der jedoch wirkungslos verpuffte und eher moralische Solidarit\u00e4t zum Ausdruck kommen lie\u00df. Trotzdem war Messali Hadj sp\u00e4ter im Vergleich zur FLN nicht f\u00fcr den bewaffneten Kampf um jeden Preis. Bereits w\u00e4hrend der &#8211; zum Teil auch von der PPA bewaffnet durchgef\u00fchrten &#8211; Aufst\u00e4nde vom Mai 1945 verurteilte er das alleinige Setzen auf den bewaffneten Untergrund als Abenteurertum und bef\u00fcrwortete bewaffnete Aktionen nur, wenn sie von einer entwickelten Massenbewegung auf breiter Basis begleitet wurden. Auf diese Unterordnung des bewaffneten Kampfes unter bewegungspolitische Erw\u00e4gungen l\u00e4sst sich sein Z\u00f6gern bei der Vorbereitung und das Verschieben des Zeitpunkts des bewaffneten Aufstands von 1954 zur\u00fcckf\u00fchren. Das bezeugt auch der franz\u00f6sische Anarchist Daniel Gu\u00e9rin, der mit Messali Hadj befreundet war und ihn immer wieder im franz\u00f6sischen Hausarrest besuchte. Noch am 22.10.1954, acht Tage vor den ersten Sch\u00fcssen und gewaltsamen Anschl\u00e4gen der FLN, erschien in der messalistischen Zeitung &#8222;L&#8217;Algerie libre&#8220; ein Artikel, der die m\u00f6glichen &#8222;moralischen und pazifistischen Mittel (untersuchte, d.A.), um zum gew\u00fcnschten Ziel zu kommen.&#8220; ((10)) Dass von Seiten der FLN so fr\u00fch losgeschlagen wurde, hat mit der Politik des \u00e4gyptischen Pr\u00e4sidenten Nasser zu tun, der die FLN mit Waffen ausstattete: &#8222;Nasser wollte den gesamten Maghreb kontrollieren und war deshalb schlecht auf Messali zu sprechen. Er brauchte in Algerien gef\u00fcgige Verb\u00fcndete, was Messali aufgrund von dessen Unbeugsamkeit nicht sein konnte.&#8220; ((11))<\/p>\n<h3>Von AnarchistInnen unterst\u00fctzt, von der sartreanischen Linken bek\u00e4mpft<\/h3>\n<p>Wie zu Daniel Gu\u00e9rin suchte Messali Hadj im Zuge seiner ideologischen Abwendung von der KPF Kontakte zu den libert\u00e4ren Str\u00f6mungen der franz\u00f6sischen Arbeiterbewegung, an deren F\u00e4higkeit zur Solidarit\u00e4t er immer noch glaubte. Vor allem die von Pierre Monatte geleitete, revolution\u00e4r-syndikalistische Zeitung &#8222;La R\u00e9volution prol\u00e9tarienne&#8220; ver\u00f6ffentlichte seine Stellungnahmen und publizierte Aufrufe zu seiner Befreiung. ((12)) Dort erschien auch der Artikel seines Rechtsanwalts und Kampfgef\u00e4hrten Yves Dechezelles, der hier als beispielhaft f\u00fcr den Umgang der sartreanischen Linken Frankreichs mit dem Messalismus \u00fcbersetzt wurde.<\/p>\n<p>Sartre und seine Genossen, wozu auch der hier von Dezechelles kritisierte Fran\u00e7is Jeanson geh\u00f6rt, waren im Zuge des Algerienkrieges hauptverantwortlich daf\u00fcr, dass die franz\u00f6sische Linke &#8211; und damit auch die entstehende Solidarit\u00e4tsbewegung in der BRD &#8211; ein Bild von der algerischen Aufstandsbewegung pr\u00e4sentiert bekam, das paradigmatisch werden sollte: das Bild einer einheitlichen, aus einem gleichsam nat\u00fcrlichen Zersetzungsprozess alter oder \u00fcberlebter Organisationen hervorgehenden nationalen Befreiungsorganisation, der mann\/frau in der Solidarit\u00e4t sich dann kritiklos unterzuordnen hatte. Dieser Mythos einer Einheitsorganisation war von Beginn an, und gerade im Falle Algeriens, falsch. Er geht stark auf die sartreanische Rezeption des Algerienkrieges innerhalb der franz\u00f6sischen Linken zur\u00fcck, die den Messalismus &#8211; ebenso wie auch sp\u00e4tere interne Fraktionen der FLN &#8211; systematisch entweder als prokolonialistisch denunzierten oder ganz verschwiegen. Damit einher geht eine ganze Palette b\u00f6swilliger Unterstellungen und Methoden, die in dem f\u00fcr die franz\u00f6sische Linke geschriebenen Buch von Jeanson, &#8222;L&#8217;Alg\u00e9rie hors-la-loi&#8220; (Das gesetzlose Algerien), das Dechezelles kritisiert, deutlich zum Ausdruck kommt. Fran\u00e7is Jeanson hatte den Verriss von Albert Camus&#8216; Abhandlung &#8222;Der Mensch in der Revolte&#8220; in Sartres Zeitung &#8222;Les Temps Modernes&#8220;, die zum Bruch zwischen Camus und Sartre f\u00fchrte, geschrieben. In seinem im Dezember 1955 ver\u00f6ffentlichten Algerien-Buch kommen stalinistische Muster der Ausgrenzung zum Ausdruck, die von der FLN und der sartreanischen Linken Frankreichs auf alle Str\u00f6mungen angewandt wurden, die &#8211; vor allem in den ersten Jahren des Unabh\u00e4ngigkeitskrieges &#8211; die Messalisten unterst\u00fctzten. Bis zu deren Niederlage im internen Bruderkrieg Ende 1958 waren dies so unterschiedliche Gruppierungen und Personen wie Andr\u00e9 Breton, Benjamin Per\u00eat, Clara Malraux, Albert Camus, Daniel Gu\u00e9rin, die libert\u00e4re LehrerInnen-Zeitung &#8222;Ecole \u00e9mancip\u00e9e&#8220; (Emanzipierte Schule), die &#8222;R\u00e9volution prol\u00e9tarienne&#8220;. Unter den Algerienfranzosen\/franz\u00f6sinnen und besonders den SpanierInnen in Algerien gab es zu Beginn der f\u00fcnfziger Jahre sechs bis acht libert\u00e4re Gruppen, die 1950 das &#8222;Mouvement Libertaire Nord-Africain&#8220; (MLNA, libert\u00e4re Bewegung Nordafrikas) gegr\u00fcndet hatten und die geschwisterliche Kontakte zur franz\u00f6sischen CNT, zur F\u00e9d\u00e9ration Anarchiste (FA) sowie zur anarcho-kommunistischen FCL (F\u00e9d\u00e9ration des Communistes Libertaires) pflegten. Sie unterst\u00fctzten zu Kriegsbeginn fast alle die Messalisten. Erst sp\u00e4ter gingen einzelne GenossInnen oder selten auch ganze Str\u00f6mungen zur Unterst\u00fctzung der FLN \u00fcber.<\/p>\n<p>Unter den TrotzkistInnen unterst\u00fctzten die tendenziell weniger autorit\u00e4ren Fraktionen, etwa die Anh\u00e4ngerInnen von Pierre Lambert oder Alexandre H\u00e9bert, die Messalisten, w\u00e4hrend die autorit\u00e4re Fraktion um die trotzkistische &#8211; und fr\u00fch mit Spitzeln durchsetzte &#8211; &#8222;Vierte Internationale&#8220; um Michel Raptis (genannt &#8222;Pablo&#8220; oder die &#8222;Pablisten&#8220;) schnell die FLN unterst\u00fctzten und deshalb wiederum von Sartre und seinem Anhang bei sp\u00e4teren Prozessen \u00f6ffentlich verteidigt wurden. ((13))<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der am 1. 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