{"id":6671,"date":"2005-03-01T00:00:36","date_gmt":"2005-02-28T22:00:36","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=6671"},"modified":"2022-07-26T14:24:31","modified_gmt":"2022-07-26T12:24:31","slug":"das-weltsozialforum-und-die-gegen-macht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2005\/03\/das-weltsozialforum-und-die-gegen-macht\/","title":{"rendered":"Das Weltsozialforum und die (Gegen-)Macht"},"content":{"rendered":"<h3>Neue Rekorde<\/h3>\n<p>Wenn die Bedeutung eines solchen Treffens aus der Anzahl der TeilnehmerInnen zu ermessen ist, so war Porto Alegre 2005 ein absolutes Highlight. Offiziell beteiligten sich mehr als 150.000 Menschen aus 135 L\u00e4ndern an \u00fcber 2.000 Veranstaltungen. Dabei wollte das vorbereitende International Council das Ausufern in immer mehr Veranstaltungen vermeiden.<\/p>\n<p>Dazu wurde die Organisation der thematischen Veranstaltungen in die H\u00e4nde der anmeldenden Gruppen gelegt, in der Hoffnung dadurch mehr Verkn\u00fcpfungen zu erreichen. Diese flachere Struktur wurde zwar begierig aufgenommen, hatte jedoch ein kontr\u00e4res Resultat: 300 Veranstaltungen mehr als in Mumbai.<\/p>\n<p>Die Veranstaltungen konzentrierten sich in diesem Jahr entlang des Rio Guaiba und den ehemaligen Kaianlagen des Hafens.<\/p>\n<p>Teil dieses Komplexes war das selbstorganisierte Zeltlager f\u00fcr ca. 30.000 Jugendliche. Hier verst\u00e4rkte sich der Eindruck eines riesigen Polit-Happenings, was beides zu bieten habe: ernsthafte Auseinandersetzung um anstehende K\u00e4mpfe und riesige Party. Das solch ein Massenauflauf auch seine \u00fcblen Ausw\u00fcchse zeigen kann, wurde am Ende des Forums deutlich. Insgesamt mussten 15 Millionen Reales ((1)) aufgebracht werden, eine Summe, die an die Grenzen der M\u00f6glichkeiten des WSF st\u00f6\u00dft.<\/p>\n<p>Fast folgerichtig mussten Sponsoren ins Boot geholt werden: Petrobras (staatlicher Energiekonzern) und die Banco do Brasil, um zwei der Bedeutendsten zu nennen. Dieses Problem wurde vom Council klar benannt.<\/p>\n<h3>Machtvoller Auftakt<\/h3>\n<p>Als am 26. Januar \u00fcber 200.000 Menschen in einer Demonstration durch Porto Alegre zogen, war der Eindruck nicht zu vermeiden, einer unendlich breiten Bewegung anzugeh\u00f6ren, die nur noch ein wenig Zeit und Organisation ben\u00f6tige, um die &#8222;Andere Welt&#8220; m\u00f6glich zu machen.<\/p>\n<p>Sollte \u00fcber deutsche Medien der Eindruck vermittelt worden sein, es habe sich um eine Demonstration gegen den Irak-Krieg gehandelt, hier ein Dementi: es war ein fr\u00f6hlicher, bunter, lauter und hitziger Zug von vielen Menschen, die vieles bewegte. Auch der Krieg im Irak. Es war genau die Mischung, die St\u00e4rke und Schw\u00e4che zugleich sein kann. Friedensbewegung, \u00d6kos, GlobalisierungskritikerInnen und nat\u00fcrlich auch die bekannte Spezies der linksradikalen Splitterparteien, die ihre Bedeutung weniger der Zahl von Mitgliedern, als ihrer Lautst\u00e4rke und ihrem Pathos verdanken.<\/p>\n<p>Selbst der alte, immer verhallte Ruf deutscher Revoluzzer &#8222;Leute lasst das Glotzen sein&#8230;&#8220;, fand ein St\u00fcck Erf\u00fcllung. Ein gro\u00dfer Teil der DemonstrantInnen kam aus Porto Alegre und die Resonanz auf den Stra\u00dfen und in den H\u00e4usern war enorm.<\/p>\n<h3>Themenvielfalt<\/h3>\n<p>Die verschiedenen Veranstaltungen waren zu insgesamt elf Themenschwerpunkten zusammengefasst. Dazu geh\u00f6rten u.a.: Soziale K\u00e4mpfe und Demokratie; Wissen und Wiederaneignung von Technologien; Kunst und Kultur; Gemeing\u00fcter als Alternative zur Privatisierung; Frieden und Entmilitarisierung; Diversit\u00e4t, Pluralit\u00e4t, Identit\u00e4t.<\/p>\n<p>Diesen Schwerpunkten wurden auf dem Gel\u00e4nde Bereiche zugeordnet. Die meisten Veranstaltungen fanden in Zelten statt. Deren Bel\u00fcftung war keinesfalls immer optimal &#8211; bei Au\u00dfentemperaturen von z.T. 40\u00b0 C kein zu vernachl\u00e4ssigendes Problem.<\/p>\n<p>Soweit \u00fcberhaupt zu beobachten, waren die meisten Veranstaltungen gut besucht, selbst jene die bereits um 8.30 Uhr begannen.<\/p>\n<p>Ein gewichtiges Thema war die Privatisierung von Wasserressourcen und -versorgung. Speziell in Lateinamerika hat sich dagegen eine starke Bewegung gebildet, die dem Wirken der Konzerne (darunter RWE, Suez, Vivendi u.a.) Einhalt gebieten will. Nicht ohne Erfolg. So gelang es z.B. die Privatisierung der Wasserversorgung der bolivianischen St\u00e4dte Cochabamba und El Alto r\u00fcckg\u00e4ngig zu machen. Sprengkraft erhalten diese Konflikte vor allem durch Vertragsbedingungen, die es den Konzernen erm\u00f6glichten, entgangene Gewinne einzuklagen. Wie die anstehenden Klagen ausgehen werden, ist noch ungewiss, heftige Konflikte d\u00fcrften vorprogrammiert sein.<\/p>\n<p>Dementsprechend emotional aufgeladen war die Stimmung auf den Seminaren zu diesem Thema. Und dementsprechend frenetisch gefeiert wurden Intellektuelle wie Eduardo Galeano ((2)), die sich dieses Themas annahmen.<\/p>\n<h3>Forum von Promis und Basis<\/h3>\n<p>Obwohl bereits im Vorfeld kritisiert, scheint der Abschied vom bedeutenden Referenten auch innerhalb des WSF ein schwieriger und langwieriger Prozess zu sein.<\/p>\n<p>Viele Workshops und Seminare verliefen wie gehabt: unabh\u00e4ngig vom Thema sa\u00dfen mehrere Personen auf einem Podium, meist M\u00e4nner. Diese referierten und diskutierten mehr oder wenig spannend. Das Publikum durfte sich eher sporadisch an der Diskussion beteiligen.<\/p>\n<p>Eine andere Stimmung bei den Veranstaltungen mit John Holloway: Obwohl auch er den \u00fcblichen Tross von &#8222;Gl\u00e4ubigen&#8220; hinter sich herzieht, ist das Bem\u00fchen um eine neue Atmosph\u00e4re in den Workshops unverkennbar.<\/p>\n<p>Holloways Buch &#8222;Die Welt ver\u00e4ndern ohne die Macht zu \u00fcbernehmen&#8220; ((3)) hatte f\u00fcr einen erheblichen Teil der lateinamerikanischen und westeurop\u00e4ischen Linken Signalwirkung und seine Spuren hinterlassen. In allen Veranstaltungen dieser Art traten die ProtagonistInnen der argentinischen Revolte von 2001\/2002 auf: Piqueteros, Frauen aus besetzten Betrieben und Stadtteilorganisationen der Arbeitslosenbewegungen. Das Bem\u00fchen war unverkennbar, der Theorie die Praxis folgen zu lassen: miteinander reden, arbeiten in Gruppen, keine ewigen Eingangsvortr\u00e4ge, Zusammenfassung der Ergebnisse durch Freiwillige aus der Gruppe. Wie sympathisch wirkte das Eingest\u00e4ndnis, eine neue Praxis versucht zu haben, aber damit nicht durchgehend erfolgreich zu sein. Wie gegens\u00e4tzlich zu einer Haltung, wie der Emir Saders ((4)), der w\u00e4hrend eines Workshops v\u00f6llig unger\u00fchrt gegen\u00fcber der Bitten um \u00dcbersetzung in&#8217;s Englische, seine Rede in Portugiesisch an das brasilianische Publikum hielt, obwohl zwei DolmetscherInnen vor Ort waren.<\/p>\n<p>Wiederum v\u00f6llig anders im Zelt von Intergalaktica ((5)): Dort wurde f\u00fcr 4 oder 5 (von ca. 70) Personen fast 45 Minuten get\u00fcftelt, bis die \u00dcbersetzung funktionierte. Was bei gro\u00dfen Veranstaltungen oft verloren ging, war hier m\u00f6glich &#8211; das Wahrnehmen jeder einzelnen Person als wichtig.<\/p>\n<h3>Konflikt um die Frage der Macht<\/h3>\n<p>Holloway vertrat auf den Veranstaltungen die Position eines konsequenten &#8222;Nein&#8220; zu den herrschenden Formen von Politik, Wirtschaft und Staat. Dieses &#8222;Nein&#8220; wolle er jedoch nicht als bockiges Verweigern verstanden wissen, sondern als ersten Schritt hin zu anderen Formen von Gesellschaft. Mit seinem &#8222;Nein&#8220; (andere nennen es &#8222;positives Nein&#8220;) verbinde sich die utopische Vorstellung von etwas anderem, was sich in Ans\u00e4tzen bei den Zapatistas und den sozialen Bewegungen in Argentinien und Bolivien \u00e4u\u00dfert.<\/p>\n<p>Dass dieser Anspruch auf Widerspruch sto\u00dfen w\u00fcrde, war klar. Michael Brie von der Rosa &#8211; Luxemburg &#8211; Stiftung stellte dagegen ein klares &#8222;Ja&#8220; zum Agieren im &#8222;Politischen Raum&#8220;. Seine Begr\u00fcndung: ansonsten besetzen jene das &#8222;Ja&#8220;, die wir alle nicht wollen. 1989 war das Helmut Kohl, z.Zt. versuchen es die Neonazis.<\/p>\n<p>An dieser Diskussion wird ein Problem des WSF deutlich: viele Akteure sprechen eine Sprache, die z.T. das gleiche zu meinen scheint, aber aneinander vorbei geht.<\/p>\n<p>\u00dcberhaupt wurden Konflikte tunlichst verdr\u00e4ngt. Sie wurden zwar hier und da konstatiert und als eine St\u00e4rke des WSF gedeutet. Doch kann sich hinter dieser Vielfalt auch die Angst vor dem Offenlegen und Diskutieren der unterschiedlichen Ans\u00e4tze verstecken.<\/p>\n<p>Bei mehreren Gelegenheiten trat das Verdr\u00e4ngte dann zu Tage. So z.B., wenn Promis versuchten durch wortreiche und &#8222;bedeutende&#8220; Erkl\u00e4rungen der Bewegung Schwung und Richtung zu verpassen. Geschehen am vorletzten Tag mit der &#8222;Erkl\u00e4rung der 19&#8220;, auch &#8222;Manifest von Porto Algere&#8220; benannt. Honorige Intellektuelle, m\u00e4nnlich, wei\u00df, nicht mehr sehr jung, ver\u00f6ffentlichten eine Erkl\u00e4rung in der u.a. die Forderung eines Menschenrechts auf Wasser erhoben wurde. Die Reaktionen waren nicht nur positiv. Sofort musste dementiert werden, dass es sich hierbei um <em>die <\/em>Erkl\u00e4rung des WSF 2005 handelte.<\/p>\n<p>Bereits in der Vergangenheit wurde immer wieder die Neigung prominenter Pers\u00f6nlichkeiten kritisiert, durch ihre Wirkung in den Medien der Bewegung eine bestimmte Richtung zu geben. Der Spagat, auf der einen Seite Intellektuelle als Vordenker zu brauchen, und ihnen auf der anderen Seite damit nicht eine &#8222;f\u00fchrende&#8220; Position zu verleihen, ist schwer auszuhalten.<\/p>\n<p>Dies galt auch f\u00fcr Fragen nach der Besetzung des &#8222;politischen Raumes&#8220;. Hier wurden mindestens zwei unterschiedliche Str\u00e4nge sichtbar: Zum einen jener Teil der Bewegung, der unter &#8222;politischem Raum&#8220; die klassischen Formen von Politik versteht. Genau diesem Herangehen war jedoch ein erheblicher Teil der auf dem WSF vertretenen Gruppen und Organisationen gegen\u00fcber skeptisch eingestellt. Aus dieser Richtung kam die Vorstellung, den politischen Raum weiter zu fassen. Deutlich sichtbar wurden die alten Konfliktlinien der Linken: &#8222;Verantwortung&#8220;, Macht, Parlamente auf der einen, Bewegung von Unten auf der anderen Seite.<\/p>\n<h3>Lula, Chavez und die Machtfrage<\/h3>\n<p>Deutlich wurde diese Problematik beim Auftauchen der politischen Prominenz. Noch vor zwei Jahren wurde Luis Ignacio da Silva (Lula) als Hoffnungstr\u00e4ger gefeiert und der venezolanische Pr\u00e4sident Hugo Chavez kam mehr oder weniger nur durch die Hintert\u00fcr auf&#8217;s Rednerpult. Auch diesmal bekamen beide wieder die Chance am Rande des WSF aufzutreten.<\/p>\n<p>Doch wie sich die Zeiten \u00e4ndern. W\u00e4hrend Lulas Rolle nach der H\u00e4lfte seiner Pr\u00e4sidentschaft von den meisten brasilianischen Organisationen kritisch hinterfragt wurde, mauserte sich Chavez zum neuen Heroen.<\/p>\n<p>Lulas Rede im Stadion Gigantinho war bestens durchorganisiert. Rechtzeitig wurden die meisten Pl\u00e4tze von Anh\u00e4ngerInnen der Arbeiterpartei (PT) besetzt. Kritische Gruppen kamen nur vereinzelt in das Stadion hinein und konnten sich kaum bemerkbar machen.<\/p>\n<p>Als am letzten Tag Chavez redete &#8211; was entgegen den Statuten des WSF sogar im offiziellen Programm angek\u00fcndigt wurde &#8211; str\u00f6mten bereits lange vor Beginn viele Menschen in Richtung Gigantinho. Das \u00fcberdachte Oval war v\u00f6llig \u00fcberf\u00fcllt, Tausende blieben au\u00dfen vor.<\/p>\n<p>Der Auftritt des Pr\u00e4sidenten war eine einzige Inszenierung. Erst ein paar Liedermacher und ein Priester, welche die Menschen in Stimmung brachten, dann Ignacio Ramonet, der Chefredakteur von &#8222;Le monde diplomatique&#8220;. Wer jetzt eine abw\u00e4gende, nachdenkliche Rede erwartete, wurde \u00fcberrascht. Ramonet bezeichnete Chavez in einer wahren Eloge als &#8222;einen Pr\u00e4sidenten neuen Typs&#8220; und als &#8222;neuen Befreier&#8220;.<\/p>\n<p>Viele Menschen setzten auch bei dieser Veranstaltung ihre Hoffnungen in starke Pers\u00f6nlichkeiten, die den von ihnen erhofften demokratischen Umbruch endlich schaffen sollen &#8211; aller Erfahrungen zum Trotz.<\/p>\n<p>Und doch: der Eindruck, das WSF h\u00e4tte seine politische Autonomie verloren tr\u00fcgt. Es ist nach wie vor zu gro\u00df, zu demokratisch und zu plural, um irgendeinen hegemonialen Anspruch durchgehen zu lassen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der neue Star redete, gingen zahlreiche Veranstaltungen davon unbeeindruckt weiter. W\u00e4hrend vor zwei Jahren die Arbeiterpartei noch den Ton angab, war bei diesem Forum von ihr nicht mehr viel zu sehen und zu h\u00f6ren.<\/p>\n<h3>Fazit<\/h3>\n<p>Es war ein Forum der Foren. Und das beruhigt. Viele Menschen mit vielen Ideen versammelten sich zum Austausch.<\/p>\n<p>Das WSF erf\u00fcllt nach wie vor seine Funktionen: ein symbolischer Gegenpunkt zum Weltwirtschaftsforum in Davos zu sein, den Erfahrungsaustausch der unterschiedlichsten Gruppen und Bewegungen zu organisieren, zur Verst\u00e4ndigung \u00fcber Probleme und m\u00f6gliche L\u00f6sungsversuche beizutragen und schlie\u00dflich eine riesige Bildungsveranstaltung zu sein.<\/p>\n<p>Das Forum wollte diesmal aktionsorientiert sein. Zahlreiche Absprachen und Verabredungen zu gemeinsamen Aktionen wurden getroffen. Die erste dieser Art soll ein weltweiter Aktionstag gegen den Krieg, am 19. M\u00e4rz sein.<\/p>\n<p>Die positiven Wirkungen k\u00f6nnen auch durch kritische Aspekte nicht grunds\u00e4tzlich in Frage gestellt werden.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich kam die Masse der Teilnehmenden aus Lateinamerika. Davon sicher 80% aus Brasilien. Das hatte nicht nur inhaltliche Konsequenzen. Dagegen waren nur wenige Menschen aus Afrika oder Osteuropa gekommen. Diese Unausgewogenheit wirkte sich besonders auf die \u00dcbersetzungsproblematik aus. Menschen, die sich in Landlosenbewegungen im s\u00fcdlichen Afrika organisieren, sprechen in der Regel weder Spanisch noch Portugiesisch. Zeitweilig konnte mensch sich des Eindrucks nicht erwehren, dass dies den OrganisatorInnen ein wenig schnuppe sei.<\/p>\n<p>Ein bitterer Beigeschmack blieb am Ende. Auf dem selbstorganisierten Jugendcamp soll es zu zwei Vergewaltigungen und zahlreichen Diebst\u00e4hlen gekommen sein.<\/p>\n<p>Trotz des Versuchs, dem WSF eine \u00f6kologische Komponente zu geben, blieb es h\u00e4ufig bei den Ank\u00fcndigungen.<\/p>\n<p>So vollbrachten amtliche und ehrenamtliche HelferInnen unglaubliche Leistungen, bei der tagt\u00e4glichen Entsorgung der riesigen Mengen M\u00fcll.<\/p>\n<h3>Die Abschlussdemo<\/h3>\n<p>W\u00e4hrend die meisten Menschen bereits ihre Sachen packten, trabten 3-4000 Menschen noch einmal durch Porto Alegre. Die meisten von ihnen geh\u00f6rten zu den bereits erw\u00e4hnten Splitterparteien, die alle eine omin\u00f6se &#8222;Einheit&#8220; der Menschen forderten. Unter ihrer jeweiligen Fahne &#8211; versteht sich. Geschenkt.<\/p>\n<p>Das Weltsozialforum wird nur dann ein dauerhafter Erfolg sein, wenn es gelingt, die vielen kleinen Ergebnisse auch vor Ort umzusetzen. Schlie\u00dflich k\u00f6nnen auch noch so gut gemeinte Verlautbarungen, Absichten und Strategien nicht \u00fcber die Notwendigkeit des langen Atems hinweg t\u00e4uschen.<\/p>\n<p>Ohne die Probleme zu verniedlichen oder ein gesch\u00f6ntes Bild vermitteln zu wollen &#8211; wenn mensch nur manchmal hierzulande eine derartig offene, fr\u00f6hliche, nach vorn orientierte Stimmung erleben w\u00fcrde, dann w\u00e4re die Suche nach Wegen aus unserem Desaster f\u00fcr viele Menschen sicher ein St\u00fcck attraktiver.<\/p>\n<h3>Ausblick<\/h3>\n<p>In der n\u00e4heren Zukunft sollen neue Wege beschritten werden. Im n\u00e4chsten Jahr sind kontinentale Treffen geplant. In zwei Jahren soll das n\u00e4chste gemeinsame Weltsozialforum in Afrika stattfinden.<\/p>\n<p>Eine Vorhersage \u00fcber die weitere inhaltliche Entwicklung zu treffen w\u00e4re falsch und m\u00fc\u00dfig. Wenigstens in dieser Frage scheinen sich alle Beteiligten einig zu sein: das Weltsozialforum ist ein Prozess des Suchens nach Auswegen aus einer sich in Richtung Barbarei entwickelnden Welt. Solche Prozesse dauern bekanntlich etwas l\u00e4nger.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neue Rekorde Wenn die Bedeutung eines solchen Treffens aus der Anzahl der TeilnehmerInnen zu ermessen ist, so war Porto Alegre 2005 ein absolutes Highlight. Offiziell beteiligten sich mehr als 150.000 Menschen aus 135 L\u00e4ndern an \u00fcber 2.000 Veranstaltungen. Dabei wollte das vorbereitende International Council das Ausufern in immer mehr Veranstaltungen vermeiden. 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