{"id":6780,"date":"2005-04-01T00:00:50","date_gmt":"2005-03-31T22:00:50","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=6780"},"modified":"2021-01-27T13:24:42","modified_gmt":"2021-01-27T11:24:42","slug":"der-irokesenbund-als-egalitare-konsensdemokratie-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2005\/04\/der-irokesenbund-als-egalitare-konsensdemokratie-2\/","title":{"rendered":"Der Irokesenbund als egalit\u00e4re Konsensdemokratie"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\" align=\"left\">Ein gutes Jahrhundert lang vermochte der Irokesenbund im Rahmen der Forrest Diplomacy, seine Interessen gegen\u00fcber den verb\u00fcndeten englischen Kolonien und den feindlichen Franzosen durchzusetzen und sich als Machtfaktor im \u201eSpiel\u201c der internationalen Politik zu behaupten. Damit war es im Laufe des nordamerikanischen Unabh\u00e4ngigkeitskrieges (1775-1783) vorbei. Die Irokesen mussten zusehen, wie aus den englischen Alliierten, zu denen best\u00e4ndige Freundschafts- und Familienbande gekn\u00fcpft worden waren, zwei sich erbittert bek\u00e4mpfende Kriegsparteien wurden: englische Soldaten und Loyalisten auf der einen, amerikanische Revolution\u00e4re und Milizen auf der anderen Seite. Der H\u00e4uptlingsrat beschloss in dieser vertrackten Lage, neutral zu bleiben, konnte jedoch einen Teil der jungen M\u00e4nner nicht davon abhalten, entweder auf Seiten der amerikanischen Revolution\u00e4re oder auf Seiten der englischen Krone zu k\u00e4mpfen. Die Folgen waren fatal. Am Ende des Krieges waren die irokesischen Siedlungen zerst\u00f6rt, die Ernten vernichtet und viele Menschen get\u00f6tet worden. Die milit\u00e4risch geschw\u00e4chten und politisch zerstrittenen \u00dcberlebenden mussten von den \u201eAmerikanern\u201c nicht mehr als ernstzunehmende Verhandlungspartner betrachtet werden. Die Einen wurden machtlose M\u00fcndel der US-Regierung; die Anderen mussten sich dem Schutz der britischen Krone unterstellen. Am Ende stand die faktische Spaltung der Konf\u00f6deration in zwei vergleichsweise machtlose Gebilde mit jeweils einem eigenen H\u00e4uptlingsrat.((1))<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"left\">Dennoch: Obwohl sich die Reservationsbev\u00f6lkerung nicht zuletzt unter dem Einfluss zahlreicher Missionare bald in \u201cKonservative\u201d, \u201cProgressive\u201d, \u201cHeiden\u201d und \u201cChristen\u201c zu spalten begonnen hatte, die \u00f6konomische Existenzgrundlage weitgehend zerst\u00f6rt war, die Armut zunahm, Krankheit und Alkoholismus grassierten und die Beh\u00f6rden zeitweilig alles taten, um die indianischen Politikformen zu zerst\u00f6ren und die traditionellen Rollenbilder von Frauen und M\u00e4nnern zugunsten eines vermeintlich fortschrittlichen patriarchalen Kleinfamilienmodells aufzul\u00f6sen, gelang es den Irokesen, als selbstst\u00e4ndige kulturelle und politische Gemeinschaften zu \u00fcberleben und einen gro\u00dfen Teil ihrer angestammten Traditionen bis in die Gegenwart hinein zu retten. Wichtig f\u00fcr die Konsolidierung der Gemeinschaften waren Propheten wie Handsome Lake, der den Senecas in der ersten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts die R\u00fcckkehr zur traditionellen Lebensweise und Spiritualit\u00e4t predigte, aber gerade daf\u00fcr die Adaption einiger technologisch-\u00f6konomischer M\u00f6glichkeiten und sozialer Organisationsformen der modernen Gesellschaft als unabdingbar ansah. Traditionalisten bildeten nach dem Tod des Propheten Kultgemeinschaften, in denen die Lehren Handsome Lakes kanonisiert wurden. Auf diese Weise entstand eine neue Religion mit dem Langhaus als Versammlungsort und gemeinsamen Symbol. Die sich rasch verbreitende Langhausreligion trug erheblich dazu bei, dass egalit\u00e4re Traditionen wie die Praxis des Teilens und das konsensuale Politikverst\u00e4ndnis im 19. und 20. Jahrhundert im Rahmen einer naturreligi\u00f6s-spirituellen Weltanschauung weiter gepflegt wurden. Schon f\u00fcr die ersten Jahre des 19. <span lang=\"en-US\">Jahrhunderts wurde von einer etwa 400 Personen umfassenden Seneca-Siedlung berichtet: \u201e[&#8230;] twenty or thirty chiefs and captains, the half dozen or so leading women, and the common warriors and women all lobbying with each other over public issues according to old principles.\u201d<\/span><span lang=\"en-US\">((2))<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"left\">Die politischen Versammlungen der traditionalistischen oder \u201ekonservativen\u201c Irokesen erfuhren im Laufe des 19. Jahrhunderts manche formale \u00c4nderung. So f\u00fchrte der H\u00e4uptlingsrat im US-Bundesstaat New York im 19. Jahrhundert aufgrund der Erfordernisse schriftlicher Protokollf\u00fchrung das neue Amt eines Rats-Sekret\u00e4rs ein. Doch nach wie vor blieben die H\u00e4uptlinge der Onondagas die \u201eModeratoren\u201c der Ratsversammlung, und am Konsensprinzip wurde strikt festgehalten.((3)) Auch die f\u00fcnfhundert K\u00f6pfe z\u00e4hlenden Senecas der Reservation Tonawanda sahen in der Mitte des 19. Jahrhunderts keinen Grund f\u00fcr eine einschneidende Ver\u00e4nderung ihrer Regierungsform. Bis heute werden die H\u00e4uptlinge auf Reservationen der Onondagas und der Tuscaroras in den USA von den Clan-M\u00fcttern ernannt.((4)) Dagegen sind die der Korruption verd\u00e4chtigen Seneca-H\u00e4uptlinge auf den Reservationen Allegany und Cataraugus bereits im europ\u00e4ischen Revolutionsjahr 1848 mit der mehrheitlichen Unterst\u00fctzung der einfachen Bev\u00f6lkerung von einer Gruppe junger M\u00e4nner mit moderner Schulausbildung gest\u00fcrzt und durch eine Regierung nach dem Vorbild der amerikanischen Verfassung ersetzt worden. Seither konkurrieren nun \u201eprogressive\u201c und \u201etraditionalistische\u201c Parteien in demokratischen Wahlen um die Stammesregierung. Den vormals politisch einflussreichen Frauen blieb jedoch \u00fcber 100 Jahre lang (bis 1964\/66) die formale politische Beteiligung verwehrt.((6))<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"left\">In Kanada wurde der traditionelle H\u00e4uptlingsrat des Irokesenbundes auf der Six Nations-Reservation im Jahr 1924 von der berittenen Polizei gest\u00fcrzt. Seitdem haben die entmachteten H\u00e4uptlinge ihre Ratsversammlungen mit Unterst\u00fctzung eines gro\u00dfen Teils der Bev\u00f6lkerung im Untergrund fortgesetzt.<span lang=\"de-DE\"><a href=\"#sdfootnote1sym\" name=\"sdfootnote1anc\">1<\/a><\/span> Die offiziell von der Regierung entmachteten H\u00e4uptlinge sehen die von einer \u201eausl\u00e4ndischen Macht\u201c oktroyierte Amtsenthebung als illegitim an und setzen ihre Zusammenk\u00fcnfte seitdem als Kristallisationspunkt des Widerstands gegen die kanadische Bevormundung bis in die Gegenwart hinein fort. Die Einf\u00fchrung moderner Stammesselbstverwaltungen in den USA verlangte seit der Verabschiedung des Indian Reorganization Act (IRA) im Jahr 1934 die mehrheitliche Zustimmung der jeweiligen Reservationsbev\u00f6lkerung. Viele Gegner des Gesetzes, die fast immer die gro\u00dfe Mehrheit der Reservationsbev\u00f6lkerung bildeten, \u00e4u\u00dferten ihr Missfallen auf traditionelle Weise dadurch, dass sie dem Verfahren einfach fern blieben. Daher gelten die solcherart eingef\u00fchrten Selbstverwaltungsorgane vielen Traditionalisten weiterhin als illegitim.((7))<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"left\">Kaum \u00fcberschaubar sind die politischen Verh\u00e4ltnisse seit langem auf den Reservationen der Mohawks. So bev\u00f6lkern die Mohawks von Akwesasne beide Seiten der internationalen Grenze Kanadas und der USA. Die kleine Ortschaft hat gleich zwei beh\u00f6rdlich anerkannte \u201eRegierungen\u201c: den dreik\u00f6pfigen St. Regis Mohawk Tribal Council im US-Bundesstaat New York und den aus zw\u00f6lf Mitgliedern zusammengesetzten Mohawk Council of Akwesasne auf der kanadischen Seite der Grenze. Dagegen bilden die traditionellen, von den \u201eClanm\u00fcttern\u201c ernannten H\u00e4uptlinge wiederum die staatlich nicht anerkannte \u201eUntergrundregierung\u201c: den Akwesasne National Council. Dieser H\u00e4uptlingsrat hat \u201einformell\u201c einen erheblichen Einfluss auf die Reservationspolitik.((8)) da er von einem gro\u00dfen Teil der Bev\u00f6lkerung unterst\u00fctzt wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"left\">Seit Ende der sechziger Jahre nahm der Konservatismus unter Teilen der Mohawks zunehmend militante Z\u00fcge an. Unter ideologischer Anleitung Louis Halls bildeten radikale junge M\u00e4nner (und Frauen) sogenannte Warrior-Vereinigungen, erkl\u00e4rten sich zur bewaffneten Schutzmacht des Irokesenbundes und verbanden dabei eine puristische Auslegung des Great Law of Peace mit einer aggressiven Abwehr jeder Fremdherrschaft. Auch die Warriors hielten das Konsensprinzip hoch.((9)) Da sie aber auch die Langhausreligion der gew\u00f6hnlichen Traditionalisten als Verf\u00e4lschung des urspr\u00fcnglichen irokesischen Politikverst\u00e4ndnisses ablehnten, ihre Finanzierungsquellen zum Teil undurchsichtig bzw. kriminell waren und zuweilen rassistische Positionen gegen\u00fcber Nichtindianern vertraten, lagen sie nicht nur mit den legalen Stammesregierungen, sondern bald auch mit den \u00fcbrigen Traditionalisten in zum Teil unvers\u00f6hnlichem Streit. Gleichwohl f\u00fchrte der \u00e4u\u00dfere Druck die gegnerischen Fraktionen auf den Reservationen immer wieder zu gemeinsamen Aktionen zusammen.<\/p>\n<h5 style=\"text-align: justify;\" align=\"left\">Der Konflikt um Oka: Konsensdemokratie im \u201eMohawk Civil War\u201c<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"left\">In unmittelbarer Nachbarschaft des kleinen kanadischen Orts Oka liegt die Mohawk-Siedlung Kanesatake. Auch dort war die Bev\u00f6lkerung in verschiedene Fraktionen gespalten. Als die Kommunalbeh\u00f6rde Okas sich Ende der 1980er Jahre anschickte, den Boden eines von den Mohawks als heilig angesehenen Friedhofs f\u00fcr die lukrative Vergr\u00f6\u00dferung eines Golfplatzes zu nutzen, formierte sich ein Widerstand, in dessen Verlauf die verschiedenen Fraktionen jedoch tempor\u00e4r zusammenarbeiteten. Die zun\u00e4chst friedlichen Protestaktionen und Demonstrationen bescherten Kanada eine regelrechte Staatskrise. Ursachen, Verlauf und Resultat der Konfrontation k\u00f6nnen hier nicht analysiert werden.((10)) Ich m\u00f6chte lediglich zeigen, dass auch noch 200 Jahre nach der Zerschlagung des Irokesenbundes die Handlungen der politischen Akteure sich am traditionellen Konsensprinzip orientierten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"left\">Als am Morgen des 10. Juli 1990 eine Abteilung der Polizei mit Gewehren und Tr\u00e4nengas heranr\u00fcckte, um die Barrikaden des von den Mohawks mittlerweile besetzten Friedhofs zu r\u00e4umen, fand dort gerade eine traditionelle Tabakzeremonie statt. Ellen Gabriel, eine der beteiligten Mohawks, schildert das Gespr\u00e4ch mit den Polizisten, die zun\u00e4chst mit einem Anf\u00fchrer zu sprechen w\u00fcnschten: \u201eIch sagte ihnen, sie k\u00f6nnten mit mir oder Denise sprechen, und wir baten sie, ihre Gewehre wegzulegen. Wir sagten ihnen, dass Frauen und Kinder anwesend w\u00e4ren. Sie h\u00f6rten nicht auf mich und verlangten weiterhin nach dem Anf\u00fchrer. Ich versuchte, ihnen zu erkl\u00e4ren, dass wir nach dem Konsensprinzip verfuhren.\u201c((11)) Nach wiederholter Aufforderung durch den Polizisten baten die Frauen schlie\u00dflich Johnny Cree, die Rolle eines Sprechers zu \u00fcbernehmen. Nachdem die Polizisten bereits mit dem Einsatz von Tr\u00e4nengas begonnen hatten, ging Cree ihnen entgegen. Wieder fragten sie nach dem Anf\u00fchrer. \u201eIch bin nur ein Sprecher\u201c, sagte Cree, \u201ees gibt keinen F\u00fchrer. Die Leute entscheiden.\u201c((12)) Cree erinnert sich, wie es weiter ging: \u201cIch sagte, ich w\u00fcrde alle anderen fragen, ob wir die Barrikade entfernen. Die Beamten gaben uns daf\u00fcr f\u00fcnf Minuten. Ich sagte ihnen, wir brauchten 90 Minuten und dass die Entscheidung mit jedem einzelnen abgemacht werden m\u00fcsse. Es ging hin und her, und sie gaben mir 45 Minuten.\u201c((13)) Als die anwesenden Mohawks entschieden hatten, sich der R\u00e4umung zu widersetzen, kam es zum Schusswechsel, bei dem ein Polizist ums Leben kam. Damit begann eine langdauernde Belagerung, f\u00fcr die auf der einen Seite Tausende von Polizisten und mit 4.400 Soldaten, Kampfflugzeugen und Leopard-Panzern ein gro\u00dfer Teil der kanadischen Streitkr\u00e4fte mobilisiert wurden. Auf der anderen Seite arbeiteten, nicht zum ersten Mal,((14)) verschiedene irokesische Gruppen zusammen. Auch die Mohawks aus Akwesasne und Kahnawake errichteten Barrikaden und lieferten sich erbitterte K\u00e4mpfe mit den Ordnungskr\u00e4ften. Sie wurden dabei unterst\u00fctzt von indianischen und nichtindianischen Solidarit\u00e4tsgruppen in Kanada, den USA und in Europa. Als am 16. August 1990 endlich Friedensverhandlungen begannen, hatten Angeh\u00f6rige der Warrior-Organisation ein Verhandlungskomitee mit Abgeordneten aller drei Mohawk-Siedlungen initiiert. Die Mitglieder des Komitees folgten dem Einstimmigkeitsgebot des Great Law of Peace. Loran Thompson aus Akwesasne erkl\u00e4rte dazu: \u201cWir mussten unsere Standpunkte so lange ausdiskutieren, bis alle zustimmen konnten.\u201c((15))<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"left\">W\u00e4hrend die kanadischen Beh\u00f6rden mit drei indianischen Sprechern gerechnet hatten, warteten die Mohawks zun\u00e4chst mit nicht weniger als 54 Delegierten auf. Sie begr\u00fcndeten das damit, dass ihre Tradition ihnen gebiete, wichtige Entscheidungen nur auf der Grundlage eines breiten Konsens zu treffen. Als daraufhin die Verhandlungen abzubrechen drohten, willigten die Indianer schlie\u00dflich ein, sich mit der Wahl von f\u00fcnf Repr\u00e4sentanten zu begn\u00fcgen. Denen wurde dann allerdings gestattet, sich noch w\u00e4hrend einer laufenden Verhandlung mit den anderen Mohawks zu beraten.((16)) Die geballte Milit\u00e4rpr\u00e4senz und die zunehmenden Konflikte um die richtige Verhandlungsstrategie innerhalb der Reihen der Belagerten und ihrer Unterst\u00fctzer zwangen die militanten Warriors schlie\u00dflich doch zur R\u00e4umung der Barrikaden. Dennoch kann von einem Teilerfolg gesprochen werden. Denn die kanadischen PolitikerInnen waren gezwungen worden, die Perspektiven indigener Nationen bei den Verhandlungen um die Gestaltung der neuen Verfassung st\u00e4rker zu ber\u00fccksichtigen. Beinahe wie die Kolonisten zu Zeiten der Forrest Diplomacy im 17. und 18. Jahrhundert m\u00fcssen sich die PolitikerInnen seitdem immer wieder damit arrangieren, auf Verhandlungspartner zu treffen, die beanspruchen, ihre Entscheidungen nach alter M\u00fctter Sitte im Sinne des Konsensgebotes zu treffen.<\/p>\n<h5 style=\"text-align: justify;\" align=\"left\">\u201eGoing traditional\u201c<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"left\">Auch nach dem Ende des Oka-Konfliktes sind die Spannungen zwischen \u201eTraditionalisten\u201c und \u201eModernisten\u201c um den richtigen Weg der Selbstregierung, das Verh\u00e4ltnis zu Staatsorganen sowie um die richtige Auslegung der Traditionen auf den irokesischen Reservaten beiderseits der US-amerikanisch-kanadischen Grenze virulent geblieben. So gab es 1992 auf der Tonawanda-Reservation der Seneca im US-Bundesstaat New York einen bewaffneten Putschversuch gegen den traditionalistischen Stammesrat. Nachdem die Mehrheit der Reservationsbev\u00f6lkerung sich hinter die traditionelle Regierung gestellt hatte, die nach wie vor eine nach Konsens strebende Mitbestimmungsdemokratie verfocht, wurde der Aufstand niedergeschlagen und die Putschisten von der Stammesmitgliedsliste gestrichen.((17)) In Kahnawake hatte unterdessen das politische Souver\u00e4nit\u00e4tsstreben der Konservativen und die mit ihm verbundene Basisorientierung der Politik auch in den Reihen der legalen Stammesselbstverwaltung an Gewicht gewonnen. Der Mohawk Council of Kahnawake (MCK) formulierte 1991 gegen\u00fcber der kanadischen Regierung eine Position, die im Grunde auf eine Wiederherstellung jener diplomatischen Beziehungen zielte, die das Verh\u00e4ltnis souver\u00e4ner indianischer Nationen zur englischen Krone bis zum Ende des 18. Jahrhunderts bestimmt hatten. Beim MCK handelt es sich um das beh\u00f6rdlich anerkannte und nach den Regeln des kanadischen Indian Act gew\u00e4hlte Selbstverwaltungsorgan der Reservation, der schon seit 1982 erkl\u00e4rterma\u00dfen an seiner Abschaffung arbeitete. Ziel ist die R\u00fcckkehr zum traditionellen Selbstregierungssystem der Mohawks und die schrittweise Wiederanbindung an den Irokesenbund.((18)) Unter der Parole \u201eGoing traditional\u201c sind die traditionellen irokesischen Prinzipien direkter Partizipation in eine moderne Form gefasst worden. Die Losung der Ratsmitglieder lautete nun: \u201eMein Job ist, meinen Job loszuwerden.\u201c Zu den Zielen des Reformprozesses geh\u00f6rt die Aufteilung politischer Rollen entlang der Geschlechtergrenze und die umfassende direkte Beteiligung der Bev\u00f6lkerung an den alle betreffenden Entscheidungen. Die Politik soll nicht durch Initiativen der \u201ePolitiker\u201c, sondern durch die Eingaben der \u00d6ffentlichkeit bestimmt werden. Regelm\u00e4\u00dfige Versammlungen, Diskussionsforen sowie die Einrichtung von Komitees aus H\u00e4uptlingen, Experten und Gemeinde-Repr\u00e4sentanten sollen garantieren, dass die Entscheidungen des MCK betreffs wichtiger Bereiche wie Justiz, Erziehungs-, Sozial- und Umweltpolitik oder der \u00f6konomischen Entwicklung basisnah bleiben. Eine Rahmenvereinbarung des MCK mit der kanadischen Regierung aus dem Jahre 1991 formulierte als Zielvorstellungen die R\u00fcckgewinnung der ausschlie\u00dflichen Rechtshoheit \u00fcber die Gebiete der Mohawks, das Recht zur Selbstregierung, die Abl\u00f6sung vom System staatlicher Indianerpolitik (Indian Act) und die vorrangige politische Loyalit\u00e4t einer souver\u00e4nen Mohawk Nation zur Konf\u00f6deration des Irokesenbundes.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\" align=\"left\"><strong>Thomas Wagner<\/strong><\/p>\n<div id=\"sdfootnote1\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#sdfootnote1anc\" name=\"sdfootnote1sym\"><\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein gutes Jahrhundert lang vermochte der Irokesenbund im Rahmen der Forrest Diplomacy, seine Interessen gegen\u00fcber den verb\u00fcndeten englischen Kolonien und den feindlichen Franzosen durchzusetzen und sich als Machtfaktor im \u201eSpiel\u201c der internationalen Politik zu behaupten. 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