{"id":6850,"date":"2005-05-01T00:00:21","date_gmt":"2005-04-30T22:00:21","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=6850"},"modified":"2022-07-26T14:24:30","modified_gmt":"2022-07-26T12:24:30","slug":"der-heilige-der-prekarisierten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2005\/05\/der-heilige-der-prekarisierten\/","title":{"rendered":"Der Heilige der Prekarisierten"},"content":{"rendered":"<p><strong>GWR: Womit besch\u00e4ftigt Ihr Euch im Augenblick in Turin?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Manuela:<\/strong> Wir bereiten mit anderen den Euromayday vor. Wir sehen uns als Medien-Aktivistinnen und besch\u00e4ftigen uns mit prek\u00e4ren Arbeitsbedingungen, mit Menschen ohne grundlegende Rechte, z.B. MigrantInnen. Wir versuchen nicht, die traditionellen italienischen Wege zu benutzen, um f\u00fcr diese Rechte zu k\u00e4mpfen. Wir suchen nach Wegen, um Menschen zusammenzubringen, die sehr unterschiedlich sind und sehr isoliert mit ihren verschiedenen Strategien. Die Turiner Samba-Band ist z.B. eine Art Mutation der Gruppe.<\/p>\n<p><strong>GWR: Seit wann gibt es diese Gruppe? <\/strong><\/p>\n<p><strong>Ambra:<\/strong> Sie wurde 2002 gegr\u00fcndet. Urspr\u00fcnglich ist sie aus den Protesten gegen das CPT am Corso Brunellesco ((2)) entstanden.<\/p>\n<p><strong>GWR: Seit Ihr mit einem &#8222;centro sociale&#8220; verbunden?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Ambra:<\/strong> Ja, aber nicht direkt. Man kann aber sagen, dass wir enge Beziehungen mit dem &#8222;Gabrio&#8220; und dem LSO, dem &#8222;laboratorio sociale occupato&#8220; in der N\u00e4he des &#8222;Gabrio&#8220; ((3)), haben.<\/p>\n<p><strong>GWR: Wie sieht das jetzt aus mit dem Mayday in Turin? Was wird an dem Tag passieren?<\/strong><\/p>\n<p><strong> Manuela:<\/strong> Mayday ist eine Art &#8222;anderer 1. Mai&#8220;, ein &#8222;1. Mai der prek\u00e4r Arbeitenden&#8220;. Es begann 2002 in Mailand, in Turin sind wir erst seit zwei Jahren dabei. Es wird eine &#8222;Street Parade&#8220;, Umz\u00fcge mit Bildern des Heiligen Prekarius geben; und morgens finden symbolische &#8211; und vielleicht weniger symbolische &#8211; Aktionen im Zentrum statt, da wo die Superm\u00e4rkte, die Gesch\u00e4fte und die gro\u00dfen Fast-Food-Ketten ge\u00f6ffnet haben. Es wird ein Treffpunkt der Prekarisierten, und in diesem Jahr wird es das auch in anderen St\u00e4dten Europas geben.<\/p>\n<p><strong>GWR: Welche St\u00e4dte sind das?<\/strong><\/p>\n<p><strong> Manuela:<\/strong> Helsinki, Barcelona, Hamburg, Ljubjana, Sevilla, Milano, Copenhagen, Amsterdam, Marseille, Wien, London, Stockholm, Napoli, Palermo, und einige mehr &#8230;<\/p>\n<p><strong>GWR: Ich hab schon vom heiligen Franz von Assisi geh\u00f6rt, aber wer ist der Heilige Prekarius ((4))?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Ambra:<\/strong> &#8222;San Precario&#8220; ist ein neuer Heiliger, oder eine Heilige, je nachdem. Er &#8211; oder sie, das kannst Du halten, wie Du willst &#8211; ist kein traditioneller Heiliger im katholischen Sinne. Er ist mehr ein &#8222;martire laico&#8220;, also jemand, der nicht notwendigerweise an Gott glaubt. Er muss verschiedene Jobs und Arbeitsbedingungen akzeptieren, um zu \u00fcberleben &#8230; San Precario arbeitet \u00fcberall, wo es prek\u00e4re Arbeitsverh\u00e4ltnisse gibt, in gro\u00dfen Superm\u00e4rkten, in Call-Centern, oder f\u00fcr UPS. Oder sie leistet immaterielle, geistige Arbeit.<\/p>\n<p><strong>Manuela:<\/strong> Oder f\u00fcr eine Zeitarbeits-Vermittlung, die Menschen f\u00fcr gro\u00dfe Firmen &#8222;aufsp\u00fcrt&#8220; und vermittelt &#8230;<\/p>\n<p><strong>Ambra:<\/strong> Wir nennen ihn San Precario, aber in Turin gibt es auch andere Heilige wie &#8222;Nostra signora delle Intermittenti&#8220; ((5)), wir sind da sehr offen &#8230; [lachen]<\/p>\n<p><strong>GWR: Wie w\u00fcrdet Ihr das beschreiben, &#8222;prek\u00e4re Arbeit&#8220;?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Manuela: <\/strong>&#8222;precarity&#8220; oder &#8222;prek\u00e4r&#8220; beschreibt das gemeinsame und grundlegende Element, das all diese Jobs verbindet: oft schlecht bezahlt, mit Vertr\u00e4gen, die eigentlich keine Vertr\u00e4ge sind. Eher &#8222;Zusammenarbeit&#8220;, sehr beschr\u00e4nkt in Zeit (wenige Monate) und ohne die Rechte anderer Besch\u00e4ftigter. Also ohne Absicherung bei Krankheit, Schwangerschaft, keine Ferien &#8230; und ganz verschiedene Vertr\u00e4ge. Wir sind jetzt soweit, dass z.B. in Call-Centern Vertr\u00e4ge f\u00fcr einen Tag gemacht werden. Diese Arbeit wird bei uns &#8222;a chiamata&#8220; ((6)) genannt. Das klingt dann ungef\u00e4hr so: &#8222;Manuela, komm zur Arbeit! Wir brauchen dich heut f\u00fcr sechs Stunden, morgen bist du dann wieder ohne Besch\u00e4ftigung &#8230;&#8220; Menschen in prek\u00e4ren Arbeitsbedingungen m\u00fcssen diese prek\u00e4ren Vertr\u00e4ge akzeptieren und haben keine Chance, Lohn zu bekommen in der Zeit, wo sie nicht arbeiten.<\/p>\n<p>Keine Vertr\u00e4ge, die Dir ein Einkommen f\u00fcr jeden Monat garantieren.<\/p>\n<p><strong>GWR: Denkt Ihr, dass &#8222;prek\u00e4re Arbeit&#8220; eine neue Entwicklung ist, oder ein neuer Begriff f\u00fcr etwas, was schon immer irgendwie da war?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Manuela:<\/strong> Ich denke, dass es etwas wie prek\u00e4re Arbeit schon in der Vergangenheit gab. Dann haben Gewerkschaften mehr Rechte eingefordert, besonders in den &#8222;demokratischen&#8220; Staaten. Die Situation prek\u00e4r Arbeitender ist eher \u00e4hnlich mit den Bedingungen der vorindustriellen Zeit, oder den Bedingungen von Arbeit und den Rechten der Menschen in einigen der als &#8222;Dritte Welt&#8220; bezeichneten Staaten, die ich eher als &#8222;benachteiligte Staaten&#8220; bezeichnen w\u00fcrde. Wo es keine Gewerkschaften gibt, und selbst wenn es sie gibt, haben sie eine Menge Probleme, die Menschen zu organisieren, die sehr isoliert und verschieden sind. Wo es keine oder nur schlechte Informationen \u00fcber Rechte gibt und die Menschen die Ausbeutung als normalen Teil ihres Lebens akzeptieren.<\/p>\n<p><strong>Ambra:<\/strong> Ich denke, dass dies insofern eine neue Entwicklung ist, als dass es durch absurde Gesetzte gesch\u00fctzt ist und PolitikerInnen \u00fcber precarity als &#8222;Erfindung&#8220; reden, um im Wettbewerb mit den Wirtschaften anderer Staaten mitzuhalten.<\/p>\n<p><strong>GWR: Du hast vorhin auf die Situation der MigrantInnen hingewiesen. Kannst Du erkl\u00e4ren, worin diese spezielle Situation besteht?<\/strong><\/p>\n<p><strong> Ambra:<\/strong> In Italien siehst Du am Beispiel der MigrantInnen das doppelte Gesicht der Manipulation der Rechte, die Angebote und der Job, die prek\u00e4re Lebenssituation. Sie bekommen kein Aufenthaltsrecht in Italien, wenn sie keinen regul\u00e4ren Job finden, aber es ist unm\u00f6glich, solche Jobs zu finden &#8211; selbst f\u00fcr Italiener unm\u00f6glich -, und deshalb m\u00fcssen sie schwarz arbeiten, mit unglaublich geringem Lohn.<\/p>\n<p><strong>Manuela:<\/strong> Wenn die Polizei sie ohne Dokumente erwischt, werden sie &#8222;nach Hause geschickt&#8220;, nachdem sie vorher in CPTs untergebracht werden. Am Fall der Deregulierungen auf dem Arbeitsmarkt sieht man, wie diese mit dem &#8222;Bossi-Fini-Gesetz&#8220; ((7)) ineinander greifen und zusammen perfekte Bedingungen f\u00fcr die Wirtschaft hervorbringen: Unsichtbare Frauen und M\u00e4nner ohne Menschen- und Arbeitsrechte, die Misshandlungen ausgesetzt sind, die aber ihre Situation nicht offen legen und Ausbeutung nicht anklagen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>GWR: Wie reagieren die Menschen darauf ?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Manuela:<\/strong> Die Menschen sind verunsichert \u00fcber ihre Arbeitssituation und ihre Lebensbedingungen. Viele Menschen m\u00f6chten sich dar\u00fcber mit anderen austauschen, auch \u00fcber ihre Machtlosigkeit, aber die neuen Gesetzt erlauben es ihnen nicht, sich zu organisieren, sich zu treffen, Subjekte zu werden und einen gemeinsamen Kampf zu beginnen.<\/p>\n<p><strong>GWR: Wer beteiligt sich an den Mayday-Vorbereitungen?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Manuela:<\/strong> Du meinst aus unserem Umfeld? Die Sambas, Pink and Silver, Disobedienti ((8)). Oder meinst Du eher die Menschen aus den Call-Centern, die ZeitarbeiterInnen aus den Theatern, die IndustriearbeiterInnen?<\/p>\n<p><strong>Ambra:<\/strong> &#8230; Wir sind alle sehr verschieden. Viele versuchen, diese unterschiedlichen Gruppen, die AktivistInnen und die ArbeiterInnen zusammenzubringen. Die Medien-AktivistInnen und K\u00fcnstlerInnen z.B. Es ist schwer, wir sind hier in Turin nicht so gut vernetzt wie z.B. in Mailand. Ich denke, das h\u00e4ngt mit der Geschichte der Stadt zusammen. Fr\u00fcher war &#8222;alles Fiat&#8220;, es gab eine Menge MetallarbeiterInnen. Jetzt ist Fiat geschlossen, und die Stadt ver\u00e4ndert sich wahnsinnig schnell.<\/p>\n<p><strong>GWR: Was denken die Gewerkschaften dar\u00fcber? Verstehen sie das und greifen das auf? Verstehen sie, dass es gro\u00dfe Unterschiede gibt zu ihrem traditionellen Begriff der &#8222;Arbeit&#8220;?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Ambra:<\/strong> Ich denke, dass die Gewerkschaften weit davon entfernt sind zu verstehen, was ein &#8222;prek\u00e4rer Way of Life&#8220; ist, besonders der jetzt 30- bis 35-j\u00e4hrigen, also unsere Generation. Sie sind noch den alten Beziehungen und Dynamiken zwischen Besch\u00e4ftigten und Institutionen verhaftet, den &#8222;padroni&#8220; der Industrie &#8230; sie verstehen nicht, dass die Menschen nicht in die Gewerkschaften eintreten, weil sie nur so kurze Zeit arbeiten und dann den Arbeitsbereich wechseln. Viele Menschen haben viel zu kurze Vertr\u00e4ge &#8211; wenige Monate &#8211; und wechseln dann den Industriebereich, die Firma, die Agentur. Viel zu schnell, um \u00fcberhaupt ein Bewusstsein f\u00fcr die Arbeitsbedingungen und die neoliberalen Regeln zu entwickeln. Die jungen Menschen wissen nicht, und k\u00fcmmern sich auch nicht, wie man eine Gewerkschaft organisiert und wie man k\u00e4mpfen k\u00f6nnte. Das Vertrauen in Gewerkschaften ist Vergangenheit.<\/p>\n<p><strong>GWR: Welche Bedeutung hat diese Verbindung von Migration und prek\u00e4rer Arbeit in der sozialen Bewegung in Italien?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Manu:<\/strong> Migration und precarity sind dieselbe Sache, wir entdecken den Zusammenhang dieser beiden Aspekte in vielen Teilen der Welt: Die Situation von Menschen, ihre B\u00fcrgerrechte und die Frage, ob sie &#8222;Papiere&#8220; haben, h\u00e4ngt eng mit den Arbeitsbedingungen zusammen, je nach den Bed\u00fcrfnissen der transnationalen Unternehmen, der lokalen Industrie.<\/p>\n<p>Als prek\u00e4r Besch\u00e4ftigte sind wir Teil dieses Mechanismus, und MigrantInnen sind doppelt benachteiligt und Objekt einer repressiven Politik. Deshalb ist es f\u00fcr die soziale Bewegung in Italien wichtig, diese beiden Begriffe als Teil eines Prozesses zu sehen. ItalienerInnen und MigrantInnen verlieren zunehmend ihre W\u00fcrde, ihr soziales Umfeld.<\/p>\n<p><strong>GWR: Die Gewerkschaften k\u00e4mpfen traditionell f\u00fcr &#8222;mehr Arbeit&#8220;, &#8222;mehr Geld&#8220;. Wenn wir das so verstehen, dass die Entwicklung hin zu prek\u00e4rer Arbeit \u00fcberlebenswichtig f\u00fcr das Wirtschaftssystem ist, wof\u00fcr sollen wir dann k\u00e4mpfen? Ich denke mal, Ihr k\u00e4mpft nicht f\u00fcr mehr Besch\u00e4ftigung im kapitalistischen Sinne?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Ambra:<\/strong> Nein, nat\u00fcrlich nicht. Wir k\u00e4mpfen f\u00fcr das Recht von Menschen, als Subjekt anerkannt zu werden. Als Menschen, nicht nur als ArbeiterInnen. Jobs sind nicht das Ziel, unser Ziel ist, in W\u00fcrde zu leben. Denn jetzt m\u00fcssen wir Jobs akzeptieren, die mit unseren Interessen und F\u00e4higkeiten nichts zu tun haben &#8230; die wir aber tun m\u00fcssen. Und solange wir gezwungen sind zu arbeiten, fordern wir f\u00fcr diese Jobs mindestens die Bedingungen, wie sie bisher waren.<\/p>\n<p><strong>Manuela:<\/strong> Wir machen das alles, um uns besser zu vernetzten, auf die Entwicklung reagieren zu k\u00f6nnen, f\u00fcr etwas Neues und Anderes zu k\u00e4mpfen. Und ganz allgemein ein Bewusstsein daf\u00fcr zu schaffen, was precarity bedeutet.<\/p>\n<p><strong>Ambra:<\/strong> &#8222;Arbeit&#8220; ist kein Wert an sich. Das Leben darf nicht in allen Aspekten durch &#8222;prek\u00e4re Arbeitssituation&#8220; bestimmt werden, denn precarity produziert &#8222;multiple Identit\u00e4ten&#8220; und ein Leben, in dem pausenlos improvisiert werden muss. Das ist etwas, dass Deinen kritischen Sinn abt\u00f6tet und Dir die M\u00f6glichkeit zu Konflikten nimmt. W\u00e4hrend der Tage um den 1. Mai versuchen wir; dieses Bewusstsein zu steigern, Sorgen und &#8222;Soziale Angst&#8220; zu teilen. Das Ziel ist; uns als selbstbestimmtes Subjekt zu organisieren. Au\u00dferhalb der Gewerkschaften &#8230;<\/p>\n<p><strong>GWR: Sind selbstorganisierte MigrantInnen-Gruppen an den Vorbereitungen beteiligt? Gibt es solche Selbstorganisation \u00fcberhaupt?<\/strong><\/p>\n<p><strong> Manuela:<\/strong> Nein, nicht wirklich, soweit ich wei\u00df. Auch Organisationen wie &#8222;Tavolo Migranti&#8220;, die verschiedene Organisationen einschlie\u00dft, die zum Thema Migration arbeiten, setzten sich haupts\u00e4chlich aus wei\u00dfen ItalienerInnen zusammen. Ich denke aber, dass solche Gruppen entstehen werden, in Netzwerken wie &#8222;no border&#8220;, oder weil es in einigen St\u00e4dten gro\u00dfe Konzentrationen von MigrantInnen gibt. Ja, ich denke, sie sind besser organisiert als in der Vergangenheit, aber es ist sehr schwierig, in Turin z.B. gibt es so etwas nicht.<\/p>\n<p><strong>GWR: &#8222;Turin \u00e4ndert sich&#8220;, seitdem Fiat geschlossen wurde, sagt Ihr. Wie macht sich das bemerkbar?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Manuela:<\/strong> Wie Du wahrscheinlich wei\u00dft, war Turin eine der bedeutendsten Industriest\u00e4dte Italiens.<\/p>\n<p>Fiat war &#8222;die&#8220; Fabrik in Italien, und nachdem Fiat geschlossen wurde, fand sich die Stadt ohne Identit\u00e4t und Zukunft wieder. Die Stimmung ist deprimiert, und die Stadtverwaltung arbeitet nur an den Olympischen Spielen.<\/p>\n<p>Turin hat ganz andere Probleme, und die Olympischen Spiele ((9)) dienen als Maske. Alle Menschen wissen, dass es nach 15 Tagen vorbei sein wird, und was dann &#8230;?<\/p>\n<p>Aber in den Agenturen und B\u00fcros arbeiten alle daran. Die &#8222;eigentliche&#8220; Produktion ist dorthin verschwunden, wo die Arbeit &#8211; im Vergleich zu Italien &#8211; f\u00fcr umsonst zu haben ist. Es ist eine langsame Depression, mit wenig ArbeiterInnenprotesten, weil sie immer noch glauben, Fiat k\u00f6nnte irgendwie \u00fcberleben &#8230; und die Gewerkschaften keine einheitliche Strategie haben.<\/p>\n<p>Sie manipulieren die Besch\u00e4ftigten, damit diese die dummen Versprechen der Regierung glauben, \u00f6ffentliche Mittel zu erhalten.<\/p>\n<p><strong>GWR: W\u00fcrdet Ihr Euch selbst als &#8222;prek\u00e4r Besch\u00e4ftigte&#8220; bezeichnen?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Ambra:<\/strong> Wir sind tags\u00fcber prek\u00e4r Besch\u00e4ftigte und nachts MedienaktivistInnen &#8230; [lachen]<\/p>\n<p><strong>Manuela:<\/strong> Wir machen soziokulturelle Projekte in den Vorst\u00e4dten von Turin, mit Kino, und drehen Videos, um so etwas wie &#8222;gemeinsame Kultur&#8220; oder verschiedene &#8222;gemeinsame Kulturen&#8220; zu dokumentieren.<\/p>\n<p>Wir versuchen, Projekte gegen Vorurteile und Stereotype gegen\u00fcber MigrantInnen ins Leben zu rufen, besonders dort, wo Menschen aus ganz verschiedenen Teilen der Welt zusammenleben.<\/p>\n<p>Wir haben eine kleine Gruppe, die sich &#8222;i 313&#8220; nennt &#8211; nach dem Auto von Donald Duck, der nie Geld hat [lachen]. Wir denken, dass jeder Mensch ein Experte f\u00fcr seine Kultur, seine Lebenswelt ist, und ein Wissen hat, das er mit anderen Menschen teilen kann. Wir bitten Menschen, bekannte Filme zu untertiteln, und produzieren regelm\u00e4\u00dfig Reportagen \u00fcber unsere Arbeit.<\/p>\n<p><strong>Ambra: <\/strong>Aber wir k\u00f6nnen von dieser Art &#8222;freier Besch\u00e4ftigung&#8220; nicht leben, wir m\u00fcssen deshalb f\u00fcr Geld Umfragen f\u00fcr Firmen machen. Wir arbeiten als Fahrradkuriere und liefern mit der Vespa Pakete aus, wir sind Babysitter, waschen Teller in Restaurants, und hin und wieder geben wir Kurse in Anthropologie, z.B. in Schulen.<\/p>\n<p><strong>GWR: Was kommt nach dem 1. Mai? Wie geht es weiter?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Manuela:<\/strong> Wir versuchen, Menschen mit prek\u00e4ren Besch\u00e4ftigungen zusammenzubringen, ein internationales Netzwerk aufzubauen.<\/p>\n<p>Ein Netzwerk, das f\u00fcr ein Leben in W\u00fcrde k\u00e4mpft. Das Wichtigste ist es, Menschen, die st\u00e4ndig Ort und Arbeit wechseln, miteinander in Beziehung zu bringen durch \u00f6ffentliche R\u00e4ume, kulturelle Einrichtungen, gemeinsame Aktionen und Demonstrationen. Wenn es uns gelingt, ein solches Netzwerk aufzubauen, k\u00f6nnen wir das &#8222;precarity-System&#8220; vielleicht sabotieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>GWR: Womit besch\u00e4ftigt Ihr Euch im Augenblick in Turin? Manuela: Wir bereiten mit anderen den Euromayday vor. Wir sehen uns als Medien-Aktivistinnen und besch\u00e4ftigen uns mit prek\u00e4ren Arbeitsbedingungen, mit Menschen ohne grundlegende Rechte, z.B. MigrantInnen. Wir versuchen nicht, die traditionellen italienischen Wege zu benutzen, um f\u00fcr diese Rechte zu k\u00e4mpfen. 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