{"id":6903,"date":"2005-06-01T00:00:42","date_gmt":"2005-05-31T22:00:42","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=6903"},"modified":"2022-07-26T14:24:29","modified_gmt":"2022-07-26T12:24:29","slug":"gewaltfreie-aktionen-die-die-welt-veranderten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2005\/06\/gewaltfreie-aktionen-die-die-welt-veranderten\/","title":{"rendered":"Gewaltfreie Aktionen, die die Welt ver\u00e4nderten"},"content":{"rendered":"<p>M.L. Kings Sinn f\u00fcr die historische Bedeutung des Busboykotts von Montgomery war erstaunlich, wenn wir bedenken, dass der Boykott erst am Morgen desselben Tages begonnen hatte, an dem er diese Ansprache hielt. Obwohl sich die OrganisatorInnen des Boykotts anfangs nicht sicher waren, ob sie statt der Abschaffung der Segregation (&#8222;Rassentrennung&#8220; in \u00f6ffentlichen Einrichtungen der S\u00fcdstaaten in den USA seit den so genannten <em>Jim-Crow-Gesetzen<\/em> Mitte des 19. Jahrhunderts, d.\u00dc.) in den st\u00e4dtischen Bussen nicht eher eine verbesserte Behandlung der Schwarzen h\u00e4tten fordern sollen, verstand King ganz genau die weiterreichenden Ziele und Ideale. &#8222;Wir sind hier in Montgomery dazu entschlossen, zu k\u00e4mpfen und zu arbeiten, bis die Gerechtigkeit wie ein Sturzbach flie\u00dft und Aufrichtigkeit wie ein m\u00e4chtiger Strom&#8220;, so erkl\u00e4rte er bei der ersten Massenversammlung der <em>Montgomery Improvement Association (MIA, Vereinigung f\u00fcr Verbesserungen in Montgomery)<\/em> am 5. Dezember 1955, vier Tage, nachdem Rosa Parks daf\u00fcr verhaftet worden war, weil sie sich weigerte, ihren Sitzplatz f\u00fcr einen wei\u00dfen Mann zu r\u00e4umen. ((2))<\/p>\n<p>Weil er zum Vorsitzenden der MIA ausgew\u00e4hlt worden war, wurde King zum bekanntesten Teilnehmer des Boykotts, und sein Buch <em>Stride Toward Freedom: The Montgomery Story<\/em> von 1958 (dt. <em>Freiheit. Aufbruch der Neger Nordamerikas. Bericht \u00fcber den Busstreik in Montgomery, <\/em>Kassel 1964 u. folg. Auflagen) blieb die meistgelesenste Erz\u00e4hlung dieser gesamten Widerstandsphase.<\/p>\n<p>Trotzdem w\u00e4re eine auf King zentrierte Sicht auf die Bewegung von Montgomery auf eine Weise verfehlt, die zugleich das Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die darauf folgende Dekade afro-amerikanischer K\u00e4mpfe (im Amerikanischen heute gebr\u00e4uchlich: African American, d.\u00dc.) verzerren w\u00fcrde. Wenn wir uns dem 50. Jahrestag des Boykotts n\u00e4hern, ist es entscheidend, die Geschehnisse in Montgomery als Kampf f\u00fcr soziale Gerechtigkeit zu erkennen, der von vielen GraswurzelaktivistInnen neben King durchgef\u00fchrt wurde. Obwohl King eine entscheidende Rolle dabei spielte, den lokalen Boykott in eine Bewegung f\u00fcr soziale Gerechtigkeit von internationaler Bedeutung zu transformieren, wurde auch er selbst durch eine Bewegung transformiert, die er nicht initiiert hatte.<\/p>\n<p>Wie auch andere wirkungsvolle Massenbewegungen sollte der Busboykott von Montgomery heute verstanden werden als Resultat einer langen Reihe von Aktionen von Menschen aus verschiedenen soziologischen Milieus und \u00f6konomischen Klassen. Im Gegensatz zu King, der in Montgomery kaum mehr als ein Jahr vor der Festnahme von Rosa Parks angekommen war, waren fast alle wichtigen OrganisatorInnen des Boykotts langj\u00e4hrige BewohnerInnen. Sie waren unentwegte und selbst\u00e4ndige Mitglieder einer Ortsgruppe der NAACP <em>(National Association for the Advancement of Colored People, Nationale Vereinigung f\u00fcr den Fortschritt farbiger Menschen)<\/em>, die bereits selbstbestimmt handelten, bevor King f\u00fcr sie sprechen konnte.<\/p>\n<h3>Rosa Parks, Jo Ann Robinson und E.D. Nixon<\/h3>\n<p>Die zeitgen\u00f6ssische sozialhistorische Geschichtsschreibung und die feministische Geschichtsschreibung haben bereits die verbreitete Sicht auf Rosa Parks korrigiert, die heute eher als fr\u00fche B\u00fcrgerrechtsaktivistin betrachtet wird denn als N\u00e4herin mittleren Alters mit m\u00fcden Beinen. Rosa Parks war in den vierziger Jahren B\u00fcrosekret\u00e4rin der NAACP-Ortsgruppe von Montgomery gewesen. Ihr Engagement war davor durch ihren Ehemann Raymond Parks beeinflusst worden, der sich in den drei\u00dfiger Jahren an der Kampagne f\u00fcr die Freilassung der &#8222;Scottsboro Boys&#8220; beteiligt hatte: neun schwarze Teenager, die aufgrund erfundener Vergewaltigungsvorw\u00fcrfe der Todesstrafe ins Auge sahen. Und ein Jahrzehnt, bevor sie den Befehl des wei\u00dfen Busfahrers verweigerte, ihren Platz zu r\u00e4umen, war Rosa Parks mit demselben Busfahrer schon einmal zusammengesto\u00dfen, als der sie aufgefordert hatte, ganz hinten einzusteigen, obwohl sie gerade vorne ihr Ticket bezahlt hatte. Im Sommer 1955 hatte Rosa Parks die <em>Highlander Folk School<\/em> besucht, ein Versammlungsheim f\u00fcr Bewegungs-OrganisatorInnen, das von Regierungsbeamten des Bundesstaates Tennessee bereits als &#8222;Trainingsschule f\u00fcr Kommunisten&#8220; gebrandmarkt worden war. Und es war Rosa Parks gewesen, die King dazu aufforderte, in der NAACP-Ortsgruppe mitzumachen, gleich nachdem der junge Pastor in der Baptistenkirche der Dexter Avenue zu predigen begonnen hatte.<\/p>\n<p>Nachdem Parks am 1.12.1955 verhaftet worden war, konnte sie f\u00fcr die Entrichtung der Kaution diejenige Person benachrichtigen, die ihrer Meinung nach am besten darauf vorbereitet war, ihr zu helfen: den 56-j\u00e4hrigen E.D. Nixon, ein fr\u00fcher B\u00fcrgerrechtsaktivist, dessen Beitrag zur immens schnellen Mobilisierung der schwarzen Gemeinde von Montgomery kaum \u00fcbersch\u00e4tzt werden kann. E.D. Nixon war nicht nur ein erfahrener NAACP-Organisator, sondern auch ein ehemaliger Funktion\u00e4r der <em>Brotherhood of Sleeping Car Porters (Bruderschaft der Schlafwagengep\u00e4cktr\u00e4ger)<\/em>, der gr\u00f6\u00dften Gewerkschaft schwarzer Arbeiter in den USA. Obwohl er kaum formelle Bildung erfahren hatte, war E.D. Nixon ein leidenschaftlicher B\u00fcrgerrechtsbewegter, der f\u00fcr die MIA zum wichtigsten Verbindungsmann zu den Unterst\u00fctzerInnen in den n\u00f6rdlichen Bundesstaaten wurde, wie etwa zum Vorsitzenden der <em>Brotherhood<\/em>, A. Philip Randolph. Im ersten Jahrzehnt nach dem Zweiten Weltkrieg hatte E.D. Nixon eng mit Rosa Parks zusammengearbeitet &#8211; ihre intellektuellen F\u00e4higkeiten als Sekret\u00e4rin und Nixons kraftvolle Entschlossenheit erg\u00e4nzten sich.<\/p>\n<p>Als E.D. Nixon mit der Aufgabe konfrontiert war, Parks aus dem Gef\u00e4ngnis zu holen, erfuhr er, dass der schwarze Anwalt Fred Gray, der in fr\u00fcheren B\u00fcrgerrechtsstraff\u00e4llen beigeholt wurde, gerade abwesend war.<\/p>\n<p>Darum bat er Clifford Durr um Hilfe, einen wei\u00dfen Anh\u00e4nger der New-Deal-Politik (sozialstaatlich orientierte Politik Roosevelts in den vierziger Jahren, d.\u00dc.), der seinen Job bei der <em>Federal Communications Commission (Bundeskommission f\u00fcr Kommunikationsmittel)<\/em> in den sp\u00e4ten vierziger Jahren aufgegeben hatte, weil er gegen aufgezwungene Loyalit\u00e4tskundgebungen f\u00fcr den Kalten Krieg opponierte. Dessen Ehefrau, Virginia Durr, hatte Rosa Parks gelegentlich N\u00e4h-Auftr\u00e4ge f\u00fcr ihre Tochter gegeben und den Aufenthalt von Parks in der <em>Highlander Folk School <\/em>mitunterst\u00fctzt.<\/p>\n<p>Nachdem E.D. Nixon die Durrs zum Ortsgef\u00e4ngnis von Montgomery begleitet hatte und sein Wohnhaus als Kaution f\u00fcr die Freilassung von Parks verpf\u00e4ndet hatte, begann er damit, andere schwarze BewohnerInnen zusammenzurufen, um die M\u00f6glichkeit eines Boykotts zur Ver\u00e4nderung der Sitzordnung in den Bussen zu diskutieren. Die Idee war nicht spontan in E.D. Nixons Kopf entstanden; sie war vielmehr bereits bei fr\u00fcheren F\u00e4llen erwogen worden, in denen schwarze BusbenutzerInnen entw\u00fcrdigend behandelt worden waren. So war Claudette Colvin, eine f\u00fcnfzehnj\u00e4hrige Sch\u00fclerin, am 2. M\u00e4rz 1955 wegen Verletzung der Segregationsgesetze in Bussen von Montgomery verhaftet worden. E.D. Nixon diskutierte bereits damals einen Boykott, zusammen mit anderen AktivistInnen wie Gray und Jo Ann Robinson, einer Englischprofessorin am Alabama State College, die dem <em>Montgomery Women&#8217;s Political Council (WPC, Politischer Rat der Frauen von Montgomery)<\/em> vorstand. Obwohl sie sich im Falle Colvins noch einmal gegen die Mobilisierung schwarzer BewohnerInnen entschieden &#8211; zum Teil aus R\u00fccksicht darauf, dass Colvin gerade schwanger war und das \u00f6ffentliche Rampenlicht sie zus\u00e4tzlich belastet h\u00e4tte -, trugen die Verhaftung Colvins sowie etwas sp\u00e4ter diejenige einer weiteren jungen Verweigererin, Mary Louis Smith, zu einer Stimmung der Aktionsbereitschaft unter den Mitgliedern der NAACP bei. Ein kurzzeitiger Busboykott in der Stadt Baton Rouge, Louisiana, im Jahre 1953 diente den BewohnerInnen von Montgomery zus\u00e4tzlich als Inspiration, als sie dar\u00fcber nachdachten, wie sie sich gegen die Entw\u00fcrdigung zur Wehr setzen sollten, die mit der Segregation in \u00f6ffentlichen Einrichtungen einherging.<\/p>\n<p>Eine Anzahl \u00f6rtlicher BewohnerInnen war also bereits zur Aktion bereit, als E.D. Nixon sie telephonisch zusammenrief und meinte, gegen die Verhaftung von Rosa Parks m\u00fcsse protestiert werden. Jo Ann Robinson war nun wahrscheinlich diejenige, die sich am meisten f\u00fcr die Idee des Boykotts begeisterte. Direkt nach der Entscheidung des Bundesgerichts im Mai 1954, als im Fall <em>Brown gegen Erziehungsministerium<\/em> die Integration Schwarzer in wei\u00dfe Schulen gerichtlich zugelassen wurde, schrieb sie an die Stadtbeh\u00f6rden von Montgomery im Auftrag der WPC einen Brief, in dem sie einen Busboykott ank\u00fcndigte, wenn die Politik der Segregation nicht ge\u00e4ndert w\u00fcrde. Nach der Verhaftung von Parks verbrachte Robinson den gr\u00f6\u00dften Teil der Nacht in ihrem B\u00fcro und arbeitete zusammen mit zwei ihrer Studentinnen am Druck tausender Flugbl\u00e4tter, die von den Mitgliedern der WPC verteilt wurden und die schwarzen BewohnerInnen dazu aufriefen, am 5. Dezember 1955 keine Busse zu benutzen.<\/p>\n<h3>Der kollektive Kontext f\u00fcr die Rolle M.L. Kings<\/h3>\n<p>Obwohl also die Boykottplanungen bereits weit fortgeschritten waren, als E.D. Nixon M.L. King hinzurief, glaubte der erfahrene Altaktivist Nixon, dass der junge Pastor aus der Dexter-Kirche einen besonderen Beitrag leisten konnte. Zwar war King erst 26 Jahre alt und erst seit einem Jahr Pastor, aber er hatte sich bereits eine gewisse Reputation als Kundgebungsredner und Bef\u00fcrworter der B\u00fcrgerrechte erworben. Bei seinem Amtsantritt hatte King in der Dexter-Kirche ein <em>Social and Political Action Committee (Sozialpolitisches Aktionskomitee)<\/em> gegr\u00fcndet, um die Kirchengemeinde politisch zu beteiligen und Informationen zu verbreiten. Robinson war Freiwillige im Komitee, ebenso wie die Gr\u00fcnderin der WPC, Mary Fair Burks, sowie Rufus Lewis, ein fr\u00fcherer Football-Trainer und Besitzer eines Beerdigungsinstituts, der in den sp\u00e4ten vierziger Jahren den <em>Citizens Club (B\u00fcrger-Club)<\/em> aufgebaut hatte, um Schwarze bei der Einschreibung in die W\u00e4hlerlisten zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Kings Vorg\u00e4nger an der Dexter-Kirche, der redegewandte und k\u00e4mpferische Vernon Johns, hatte King vor der Selbstzufriedenheit einiger Mitglieder der Kirchengemeinde gewarnt, als sich beide 1954 im Haus von Ralph Abernathy, einem weiteren jungen Baptistenprediger aus Montgomery, getroffen hatten. Obwohl King bald einen positiveren Eindruck vom Zustand der Kirchengemeinde bekommen sollte, nahm er sich Johns Rat zu Herzen: &#8222;Jedes Individuum, das sich freiwillig der Ungerechtigkeit beugt, verdient eigentlich nicht mehr Gerechtigkeit.&#8220; Mit der Ermutigung von Abernathy, der zu seinem lebenslangen Freund wurde, nahm King bald Verbindung zu den NAACP-AktivistInnen in der Gegend auf. Im Juni 1955 akzeptierte er die Einladung, auf einer Kundgebung der Ortsgruppe von Montgomery eine Rede zu halten, und Rosa Parks schrieb mit, als er ausrief: &#8222;Jim Crow liegt auf dem Sterbebett, aber der Kampf ist noch nicht gewonnen!&#8220;<\/p>\n<p>Rosa Parks und E.D. Nixon waren besonders von Kings Warnung vor einer &#8222;Gefahr der Selbstzufriedenheit&#8220; unter den Schwarzen beeindruckt. Gleich danach lud Rosa Parks King zur Beteiligung am Exekutivkomitee der Ortsgruppe ein. ((3))<\/p>\n<p>Ende 1955 hatte King bereits Aufforderungen dazu erhalten, Vorsitzender der Ortsgruppe zu werden; so war es kaum \u00fcberraschend, dass einige OrtsbewohnerInnen seine Beteiligung beim entstehenden Boykott bef\u00fcrworteten. Aber King z\u00f6gerte. Nur wenige Wochen vor Rosa Parks Verhaftung war sein erstes Kind geboren worden; und zusammen mit Coretta Scott King dachte er, er m\u00fcsse als Pastoren-Neuling mit erst vor kurzem bestandenem Examen mehr Zeit der Kirchenarbeit widmen. Durch seine entschlossene Bef\u00fcrwortung der B\u00fcrgerrechte hatte sich King jedoch bereits Respekt erworben. E.D. Nixon war der Meinung, dass er als fr\u00fcherer Gep\u00e4cktr\u00e4ger keine geeignete Respektsperson als Sprecher der Boykottbewegung abgeben w\u00fcrde, und er betrachtete King als redegewandten Sprecher, der es mit den wei\u00dfen SegregationistInnen aufnehmen konnte.<\/p>\n<p>&#8222;Ich wusste immer, dass dieser Kampf eines Tages einen Punkt erreichen w\u00fcrde, an dem redegewandtere Leute wichtige Aufgaben \u00fcbernehmen mussten, wenn wir Erfolg haben sollten&#8220;, sagte Nixon sp\u00e4ter einem Freund. &#8222;Darum habe ich auf diesen jungen Pastor Martin Luther King ein Auge gerichtet.&#8220;<\/p>\n<p>Als sich die afro-amerikanischen OrganisatorInnen am Nachmittag des 5.12.1955 zur Gr\u00fcndung des MIA trafen, hatte der Boykottaufruf bereits fast alle schwarzen BusbenutzerInnen davon \u00fcberzeugt, die Busse zu boykottieren. Weil King erst seit kurzem in Montgomery war, erforderte seine Wahl zum Sprecher den Einfluss und die Unterst\u00fctzung anderer, etwa der Person, die ihn als Kandidaten vorstellte, Rufus Lewis, Mitglied des <em>Dexter Social and Political Action Committee<\/em>. Lewis sollte sp\u00e4ter eine wichtige Rolle bei der Organisierung des Transportsystems per Privatautos \u00fcbernehmen, das dazu beitrug, den Boykott so lange durchhalten zu k\u00f6nnen (fast ein Jahr, d.\u00dc.).<\/p>\n<p>Dass King den Boykott nicht initiiert hat, mindert nicht seine weitere Rolle als inspirierender Sprecher, der die Ziele der Bewegung mit \u00fcbergeordneten moralischen und demokratischen Prinzipien verbinden sollte. Er hatte nur zwanzig Minuten Zeit, um als 26-J\u00e4hriger seine erste wichtige Rede auf der ersten Massenversammlung der MIA zu halten, und brachte diese Prinzipien mit beeindruckender Rhetorik zum Ausdruck: &#8222;Wenn wir falsch liegen, liegt das Oberste Gericht dieser Nation falsch. Wenn wir falsch liegen, liegt die Verfassung der Vereinigten Staaten falsch. Wenn wir falsch liegen, liegt Gott der Allm\u00e4chtige falsch. Wenn wir falsch liegen, war Jesus von Nazareth nur ein utopischer Tr\u00e4umer, der niemals auf Erden gewandelt ist.&#8220; ((4))<\/p>\n<h3>Eine Basisbewegung<\/h3>\n<p>Aber Kings hervorgehobene Position beinhaltete mehr als begeisternde Redekunst. Er war sich \u00fcber seine eigenen Grenzen und Zweifel im Klaren. (&#8230;) &#8222;Die Anf\u00fchrer konnten nichts von oben bestimmen&#8220;, kommentierte eine Aktivistin. Und King selbst bemerkte auf einer MIA-Kundgebung: &#8222;Ich will, dass ihr wisst: Auch wenn M.L. King nie geboren worden w\u00e4re, h\u00e4tte diese Bewegung ebenfalls so stattgefunden.&#8220; ((5))<\/p>\n<p>Auch als King Bef\u00fcrworter der gandhianischen Prinzipien der Gewaltfreiheit wurde, war ihm bewusst, dass er nur einer von vielen OrganisatorInnen der Montgomery-Bewegung war.<\/p>\n<p>Im Februar 1956 klagten die Beh\u00f6rden des Bundesstaates Alabama King und 88 andere MIA-AktivistInnen wegen Verschw\u00f6rung gegen gesetzeskonforme Wirtschaftsunternehmen an. Der Prozess gegen King fand im folgenden Monat statt, und gegen seine Verurteilung ging er in Berufung, noch bevor der Prozess gegen die anderen Angeklagten auch nur begonnen hatte.<\/p>\n<p>Der schlie\u00dfliche Erfolg des Boykotts resultierte nicht nur aus der Standfestigkeit der MIA-Mitglieder, sondern auch aus der Hartn\u00e4ckigkeit der Rechtsanw\u00e4ltInnen, welche die Bus-Segregation vor Gericht bek\u00e4mpften. Clifford Durr arbeitete eng mit dem schwarzen Anwalt Fred Gray zusammen, um Rosa Parks vor Gericht zu verteidigen, und sie berieten sp\u00e4ter auch die NAACP-Anw\u00e4ltInnen, die im Falle <em>Browder gegen Gayle<\/em> im Jahre 1956 erstmals ein Urteil gegen die gesetzliche Legitimation der Segregation in den Bussen von Montgomery erzielen konnten, wodurch das Ziel des Boykotts erreicht wurde. Claudette Colvin, die Teenagerin, deren urspr\u00fcnglicher Verweigerungsakt das Nachdenken \u00fcber eine Boykottbewegung ausgel\u00f6st hatte, war eine der Kl\u00e4gerinnen in diesem Fall. Als King im November 1956 die Nachricht erreichte, dass der Oberste Gerichtshof gegen die Segregation in Bussen entschieden hatte, war die MIA vor Ort gerade mit einer gerichtlichen Verf\u00fcgung konfrontiert, welche das alternative Transportsystem per Privatautos f\u00fcr rechtswidrig erkl\u00e4rte. King erinnerte sich: &#8222;Die dunkelste Stunde unseres Kampfes wurde zur Stunde des Sieges.&#8220; ((6))<\/p>\n<p>Wie in der ersten Nacht des Boykotts war King am besten f\u00e4hig, die historische Bedeutung des Boykotts auch an seinem Ende zu erfassen. &#8222;Wir konnten uns kaum vorstellen, eine Bewegung auszul\u00f6sen, die internationale Bedeutung erlangen w\u00fcrde&#8220;, erkl\u00e4rte er auf einem MIA-Treffen von AktivistInnen in den S\u00fcdstaaten im Dezember 1957. Die Bewegung von Montgomery, proklamierte King, &#8222;klingt in den Ohren von Menschen in allen L\u00e4ndern nach (&#8230;). Sie versetzt die Vorstellungswelt der Unterdr\u00fccker in Erstaunen und bringt sie ins Wanken, w\u00e4hrend sie wie ein funkelnder Stern der Hoffnung am Mitternachtshimmel der Unterdr\u00fcckten aufscheint.&#8220; ((7))<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>M.L. 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