{"id":6907,"date":"2005-06-01T00:00:41","date_gmt":"2005-05-31T22:00:41","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=6907"},"modified":"2012-05-10T19:24:30","modified_gmt":"2012-05-10T17:24:30","slug":"meine-allererste-graswurzelrevolution","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2005\/06\/meine-allererste-graswurzelrevolution\/","title":{"rendered":"Meine allererste Graswurzelrevolution"},"content":{"rendered":"<h3>Nr.1<\/h3>\n<p>Es war die erste &#8222;richtige&#8220; Demo, an der ich teilnahm und ich war ziemlich nerv\u00f6s. Bei dem Versuch, den \u00dcberblick zu behalten und nicht in Schwierigkeiten zu geraten, hielt ich mich vorsichtig am Rand des Demo-Zuges auf &#8211; was sich dann als Vorteil erwies, als eine gro\u00dfe Gruppe Polizisten in &#8222;Kampfmontur&#8220; vorbeist\u00fcrmten und ich in einem Hauseingang verschwinden konnte.<\/p>\n<p>Gerade von zu Hause rausgeflogen bef\u00fcrchtete ich auch die Streichung des sowieso schon geringen Unterhalts, wenn mein Vater, damals 150prozentiger SOLDAT, mitbekommt, wo ich mich &#8222;rumtreibe&#8220;.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Kundgebung auf dem Hofgarten, bei der ich mich dann in die Menge traute, sah ich einen Handverk\u00e4ufer. Er hielt eine Zeitschrift in hellblau mit einem \u00dcBERSICHTLICHEN! Titelbild &#8211; eher ungew\u00f6hnlich in der Masse der oft wild zusammenkopierten Schriften, die an allen Ecken und Enden angeboten wurden. Und auch beim Bl\u00e4ttern stellte ich fest, diese Zeitung ist LESBAR.<\/p>\n<p>Es handelte sich um die graswurzelrevolution, Ausgabe 59 vom Oktober 81, Titel Startbahn West.<\/p>\n<p>Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich den Leitartikel erst in den letzten Tagen gelesen habe, damals beeindruckten (und beeinflussten) mich besonders der Artikel von mk zur RAF (Anschl\u00e4ge auf wen?), der Artikel zur Gandhibewegung von U. Wildberger, die Totalverweigererseiten und der Aktionsbericht Kontakt(linsen)suche &#8211; Unsichtbares Theater.<\/p>\n<p>Abivorbereitung, Jobben, Krach mit dem Freund, Umzug und tausend andere Sachen lie\u00dfen diese Ausgabe leider untergehen.<\/p>\n<h3>Die Nr.n 2<\/h3>\n<p>Der Tapetentisch, auf dem ich die GWR wiedersah, stand auf der linken Stra\u00dfenseite der B9, die rheinseitig am Hofgarten in Bonn vorbei f\u00fchrt, kurz vor dem Tor durch das Universit\u00e4tsgeb\u00e4ude.<\/p>\n<p>Das war w\u00e4hrend der zweiten &#8222;gr\u00f6\u00dften Friedensdemo&#8220; in Bonn am 10.6.82. Ronald Reagan sprach vor dem Bundestag und fast eine halbe Millionen Menschen demonstrierten f\u00fcr Frieden.<\/p>\n<p>Mittwochs fand das Seminar &#8222;Friedensp\u00e4dagogik&#8220; statt und was war da logischer, als mit einigen KommlitonInnen loszuziehen und mehrfach die abgeriegelte Bannmeile gewaltfrei zu &#8222;entern&#8220; &#8211; und zunehmend unsanfter wieder heraus bef\u00f6rdert zu werden.<\/p>\n<p>Ich hatte meine Gruppe aus den Augen verloren und machte mich auf den Weg zum vereinbarten Treffpunkt &#8211; und da waren sie, die Nr. 66, 6\/82, Widerstand gegen die I.D.E.E. und einige \u00e4ltere Ausgaben.<\/p>\n<p>(Peinlich &#8211; ich erinnere mich daran, dass ich versucht habe Mengenrabatt herauszuschlagen wenn ich mehrere GWRs kaufe. Keine Ahnung mehr, ob das geklappt hat, aber ich habe einige der \u00e4lteren Ausgaben auch mitgenommen.)<\/p>\n<p>Damals in Bonn gab es kaum unpolitisierte Bereiche und oft war ich mit meinen Meinungen angeeckt. In der GWR fand ich dagegen gerade zu Fragen rund um Gewaltfreies Handeln \u00dcbereinstimmungen, Informationen und Erkl\u00e4rungen &#8211; und nicht zuletzt das Gef\u00fchl, nicht v\u00f6llig allein mit meiner Einstellung zu sein.<\/p>\n<p>(Und damals habe ich auch gelernt: Kommilitone kommt aus dem Latein und bedeutet Mitsoldat\/Waffenbruder!)<\/p>\n<h3>Nr. 3 und Abo<\/h3>\n<p>Doch wieder brauchte es \u00fcber ein Jahr und eine weitere Demo am 22.10.83 bis die GWR endg\u00fcltig in meinem Leben ankam.<\/p>\n<p>Helmut Kohl war seit einem Jahr Kanzler, Amerika eine Woche vorher in Grenada einmarschiert.<\/p>\n<p>Bei dieser erneut gr\u00f6\u00dften Friedensdemo aller Zeiten mit ca. 1 Millionen DemonstrantInnen, also doppelt so vielen wie 1982, waren auch viele (eher) unpolitische Leute dabei, die auf die Stra\u00dfe gingen &#8222;aus Angst vor den Bomben&#8220;, die aber grunds\u00e4tzlich Staat, Milit\u00e4r und sogar die Abschreckungspolitik nicht in Frage stellen.<\/p>\n<p>Die Menge war so gro\u00df, dass der Hofgarten nicht alle fassen konnte und die Reden in die Bonner Innenstadt \u00fcbertragen wurden.<\/p>\n<p>Die h\u00e4ufigen Durchsagen, es sei die &#8222;gr\u00f6\u00dfte je da gewesene Friedensdemonstration&#8220; putschten die Gef\u00fchle auf und lie\u00dfen die Leute \u00fcber sich selbst und ihre Anwesenheit bei einem &#8222;geschichtlichen&#8220; Gro\u00dfereignis in Begeisterung geraten.<\/p>\n<p>Den endg\u00fcltigen &#8222;Absturz&#8220; hatte ich dann, als einige Leute &#8222;unbedingt zur B\u00fchne m\u00fcssen, weil gleich BAP spielt&#8220; und sich \u00fcber die DemonstrantInnen \u00e4rgerten, die ihnen den Weg versperrten.<\/p>\n<p>Leider erinnere ich mich nicht mehr, bei wem ich die Nummer 78 vom Oktober 83 auf dieser Demo gekauft habe. Aber warum ich sie kaufte wei\u00df ich noch. Der Titel &#8222;Kein Frieden mit dem Staat!&#8220; entsprach ziemlich genau der miesen Laune, die ich nach der Begegnung mit den BAP-Fans hatte und lie\u00df mich zugreifen. Und hier fand ich nun die Themen meiner allerersten GWR wieder!<\/p>\n<p>Gerade diese Ausgabe ist mir dann \u00fcber all die Jahre erhalten geblieben, genau wie die darauf folgende &#8222;Hei\u00dfer Herbst&#8220;, in der der ABO-Zettel fehlt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nr.1 Es war die erste &#8222;richtige&#8220; Demo, an der ich teilnahm und ich war ziemlich nerv\u00f6s. 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