{"id":7066,"date":"2005-10-01T00:00:51","date_gmt":"2005-09-30T22:00:51","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=7066"},"modified":"2022-07-26T14:15:02","modified_gmt":"2022-07-26T12:15:02","slug":"alternativen-zur-sozialdemontage","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2005\/10\/alternativen-zur-sozialdemontage\/","title":{"rendered":"Alternativen zur Sozialdemontage"},"content":{"rendered":"<p>Blo\u00dfe Detailkritik an Einzelma\u00dfnahmen des aktuellen Sozialraubes l\u00e4uft schnell Gefahr, in reformistische Flickschusterei abzugleiten, und verliert den Blick auf die inneren Zusammenh\u00e4nge und urs\u00e4chlichen Antriebskr\u00e4fte dieser Entwicklungen. Wer hingegen nur in der Lage ist, Missst\u00e4nde anzuprangern, und au\u00dfer der Abschaffung des kapitalistischen Systems als Zielvorstellung nicht viel anbieten kann, wird zu Recht von den meisten Menschen links liegen gelassen.<\/p>\n<p>Jede\/r merkt, die inhaltliche L\u00fccke ist zu gro\u00df.<\/p>\n<p>Die alte trotzkistische Spezialit\u00e4t, den Sozialismus \u00fcber ein mechanistisches Stufenmodell von \u00dcbergangsforderungen h\u00e4ppchenweise den Massen nahe zu bringen, erfreut zwar einige linke \u00d6konomen, ist aber von der Alltagsrealit\u00e4t der Bev\u00f6lkerungsmehrheit meilenweit entfernt.<\/p>\n<p>Die AutorInnen die Buches &#8222;Es geht anders! Alternativen zur Sozialdemontage&#8220; suchen einen anderen Weg. Sie benennen im Hauptteil die Interessen und Akteure hinter der Sozialdemontage und gehen ausf\u00fchrlich auf die verschiedenen &#8222;Baustellen&#8220; ein. Die komplexe Materie im Bereich der Sozialversicherungen, der Tarif- und Steuerpolitik wird auch f\u00fcr den Laien anschaulich und inhaltlich nachvollziehbar dargestellt. Wer sich bisher in sozialpolitischen Diskussionen nicht allzu fit gef\u00fchlt hat, erh\u00e4lt hier eine gut strukturierte, griffige Einf\u00fchrung und Argumentationshilfe. Forderungen, f\u00fcr die heute gek\u00e4mpft werden sollte, werden organisch aus dem jeweiligen Sachverhalt heraus entwickelt.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus ist der R\u00fcckblick auf die Entstehungsgeschichte des Sozialstaates lehrreich. Arno Kl\u00f6nne zeigt, dass die politischen Eliten in den vergangenen zwei Jahrhunderten schon immer auf das Mittel &#8222;Zuckerbrot und Peitsche&#8220; gesetzt haben, um oppositionellen Str\u00f6mungen das Wasser abzugraben. Und wie sich in Sozialdemokratie und Gewerkschaften Staatsgl\u00e4ubigkeit und Sympathien f\u00fcr einen nationalkapitalistischen Sozialstaat herausbildeten.<\/p>\n<p>Dennoch werden von den AutorInnen die Sozialversicherungen als &#8222;zivilisatorischer Fortschritt&#8220; angesehen. Allerdings &#8211; und das ist eine der St\u00e4rken des Buches &#8211; wird immer wieder deutlich gemacht, dass diese Errungenschaften schon immer Zugest\u00e4ndnisse &#8222;auf Abruf&#8220; waren. Aufgezeigt wird, dass in der langen Geschichte sozialer K\u00e4mpfe substanzielle Fortschritte nur dann erreicht worden sind, wenn die kapitalistische Ordnung energisch und grunds\u00e4tzlich in Frage gestellt wurde. Auch nach dem 2. Weltkrieg sind die &#8222;sozialen Wohltaten&#8220; den Menschen nicht nur durch ein &#8222;Wirtschaftswunder&#8220; in den Scho\u00df gefallen, sondern mussten teilweise in heftigen Auseinandersetzungen erk\u00e4mpft werden.<\/p>\n<p>Bei den aktuellen Anti-Hartz-Mobilisierungen konnten wir ansatzweise beobachten, welche Kraft und Wirkung eine soziale Bewegung entwickelt. &#8222;Was k\u00f6nnen wir tun, damit es anders geht?&#8220;, fragt der gerade erst im letzten Jahr aus der SPD ausgetretene Arno Kl\u00f6nne. In dem furios geschriebenen Schlusskapitel des Buches greift er frontal die eingefahrenen Politikvorstellungen der traditionellen Linken an: &#8222;Eine starke soziale Bewegung wird nicht als wundersame Wiedererweckung und Erweiterung der alten politischen Linken entstehen. Sie wird ihre Kraft aus der F\u00e4higkeit sch\u00f6pfen, Menschen auch quer zu traditionellen Lagern, Kulturen und Traditionen zu gemeinsamer Einmischung \u00fcber den Tag hinaus zusammen zu bringen.&#8220;<\/p>\n<p>Die Ausrufung einer neuen Linkspartei l\u00f6st seiner Meinung nach die Probleme nicht, sondern birgt die Gefahr in sich, dass Partei- und BewegungsaktivistInnen in Konkurrenz zueinander sich gegenseitig behindern und Wahlk\u00e4mpfe in Bewegungsstrukturen hineingetragen werden. Neue Bewegungen ben\u00f6tigen seiner Meinung nach &#8222;ein hohes Ma\u00df an gesellschaftlicher Verankerung, zielklarer Entschlossenheit, Durchhalteverm\u00f6gen und auch organisatorischer Best\u00e4ndigkeit&#8220;, um der neoliberalen Offensive etwas entgegenzusetzen. Der Ausblick der AutorInnen ist trotz dieser hohen Anforderungen durchaus optimistisch, wie der Vergleich von sozialer Bewegung mit einer Lawine zeigt: &#8222;Im Frost h\u00e4ngen die Schneemassen \u00fcber Jahre reglos gefroren am Hang.<\/p>\n<p>Doch schon eine geringf\u00fcgige \u00c4nderung des Klimas kann dazu f\u00fchren, dass eine kleine Bewegung im Schnee gewaltige Folgen zeitigt.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Blo\u00dfe Detailkritik an Einzelma\u00dfnahmen des aktuellen Sozialraubes l\u00e4uft schnell Gefahr, in reformistische Flickschusterei abzugleiten, und verliert den Blick auf die inneren Zusammenh\u00e4nge und urs\u00e4chlichen Antriebskr\u00e4fte dieser Entwicklungen. 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