{"id":7342,"date":"2006-03-01T00:00:28","date_gmt":"2006-02-28T22:00:28","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=7342"},"modified":"2022-07-26T14:24:26","modified_gmt":"2022-07-26T12:24:26","slug":"rechtsextremer-bestseller","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2006\/03\/rechtsextremer-bestseller\/","title":{"rendered":"Rechtsextremer Bestseller"},"content":{"rendered":"<p>Engp\u00e4sse bei der Versorgung mit neuen Werken des Autors sind nicht zu bef\u00fcrchten. F\u00fcr gew\u00f6hnlich produziert P\u00edo Moa zwei B\u00fccher pro Jahr, und selten haben sie weniger als 250 Seiten. Im Jahr 2005 brachte er es sogar auf insgesamt drei Ver\u00f6ffentlichungen. Sein neuestes Werk, <em>&#8222;Franco. Un balance hist\u00f3rico&#8220;<\/em> [&#8218;Franco. Eine geschichtliche Bilanz&#8216;], wurde vor kurzem in Madrid vorgestellt.<\/p>\n<p>Wenn P\u00edo Moa gerade kein Buch schreibt, dann meist, um sich publizistisch im Internet zu bet\u00e4tigen. <em>Libertaddigital.com<\/em> ist seine bevorzugte Dom\u00e4ne, aber auch andere Online-Magazine &#8211; wie <em>Generaci\u00f3n<\/em> oder <em>El Catoblepas<\/em> &#8211; bieten ihm ein Forum. Spaniens konservative Tageszeitung <em>ABC<\/em> r\u00e4umt ihm immer wieder gerne ein Pl\u00e4tzchen auf ihrer Meinungsseite frei, und auch das staatliche Fernsehen TVE hielt ihn gelegentlich gastfrei.<\/p>\n<p>Denn P\u00edo Moas seit 1998 erschienenen Ver\u00f6ffentlichungen <em>&#8222;haben eine tiefgreifende Revision zahlreicher Topoi unserer j\u00fcngeren Geschichte bewirkt und sowohl bei der professionellen Geschichtswissenschaft als auch beim breiten Publikum ein ungew\u00f6hnliches Echo hervorgerufen&#8220;<\/em> &#8211; so hei\u00dft es zumindest im Klappentext der <em>&#8222;mitos&#8220;<\/em>.<\/p>\n<p>Im Februar 2003 feierte Moderator Carlos D\u00e1vila den <em>&#8222;Historiker P\u00edo Moa&#8220;<\/em> \u00fcberschw\u00e4nglich in seiner Fernsehsendung <em>El tercer grado<\/em>.<\/p>\n<p>Ihm sekundierte wenig sp\u00e4ter Angel Maestro in der Zeitschrift <em>Raz\u00f3n Espa\u00f1ola<\/em>: Moa sei <em>&#8222;ein Mythenzerst\u00f6rer&#8220;<\/em>, ein <em>&#8222;Entlarver von F\u00e4lschungen&#8220;<\/em>, <em>&#8222;intellektuell aufrichtig&#8220;<\/em>. Zu einer Zeit, in der in erster Linie die Medienpr\u00e4senz dar\u00fcber entscheidet, ob jemand als ernstzunehmender Fachmann, als Intellektueller &#8211; oder, um mit dem Hispanisten Ulrich Winter zu sprechen, als <em>&#8222;Meinungsprotagonist&#8220;<\/em> &#8211; gilt, konnten im Falle P\u00edo Moas in der \u00d6ffentlichkeit demnach kaum Zweifel bestehen.<\/p>\n<h3>Ein rechtsextremer Scharlatan<\/h3>\n<p>In Wahrheit ist P\u00edo Moa ein neofranquistischer Geschichtsrevisionist; ein gelegentlich bis zur Peinlichkeit st\u00fcmperhafter wissenschaftlicher Pfuscher und Klitterer; ein l\u00e4rmender, rempelnder Polemiker der extremen Rechten; und ein wortrasselnder Wiederg\u00e4nger nahezu s\u00e4mtlicher historischer Themen, Behauptungen und Erscheinungen, die man &#8211; allzu hoffnungsvoll vielleicht &#8211; mit Francos Tod gl\u00fccklich zu Grabe gelegt w\u00e4hnte.<\/p>\n<p>In dem Sturm, der in Spanien am Ende der neunziger Jahre losbrach, als Emilio Silva Barrera in Priaranza del Bierzo erstmals ein anonymes Massengrab aus der Zeit der Herrschaft Francos \u00f6ffnete, um die Gebeine seines Gro\u00dfvaters menschenw\u00fcrdig bestatten zu k\u00f6nnen ((1)), segelt P\u00edo Moa als Flaggschiff der <em>&#8222;faschistischen Renaissance&#8220;<\/em> einer kleinen Flotte reaktion\u00e4rer Historiker, Publizisten und Politiker voran und feuert aus allen Rohren auf das, was er f\u00fcr Bollwerke der Linken h\u00e4lt. Er \u00e4u\u00dfert sich freim\u00fctig zu Themen wie dem Feminismus (und dessen Verderbnis bringender Wirkung auf die spanische Familie), der <em>&#8222;homosexuellen Gesellschaft&#8220;<\/em>, die er mit Ekel heraufziehen sieht, einer drohenden <em>&#8222;Balkanisierung Spaniens&#8220;<\/em> &#8211; die ein Zitat des faschistischen Intellektuellen Ernesto Gim\u00e9nez Caballero schon im Titel f\u00fchrt &#8211; und sogar zum Leben der spanischen Anarchistin Federica Montseny.<\/p>\n<p>Das Feld jedoch, das P\u00edo Moa seit dem Ende der neunziger Jahre am eifrigsten beackert, ist die j\u00fcngere Vergangenheit Spaniens: die II. Republik (1931-1936), der Spanische B\u00fcrgerkrieg (1936-1939) und die Francozeit (1939-1975). Seine &#8222;Kernthesen&#8220;, die er von Buch zu Buch mit bewundernswerter Beharrlichkeit wiederholt, sind rasch benannt: Die f\u00fchrenden K\u00f6pfe der II. Republik, allen voran die Sozialisten, wollten nach dem Sturz des K\u00f6nigs von Anfang an keine parlamentarische Demokratie, sondern eine Revolution, die Kirche, Milit\u00e4r und <em>&#8222;wahres Spaniertum&#8220;<\/em> ausl\u00f6schen sollte; Franco und die spanischen Gener\u00e4le putschten 1936 nur, um einen unmittelbar bevorstehenden revolution\u00e4ren Umsturz zu verhindern, der Spanien zu einem Sattelitenstaat Stalins gemacht h\u00e4tte; eine faschistische Gefahr bestand nie; die Grausamkeiten auf republikanischer Seite w\u00e4hrend des B\u00fcrgerkriegs waren den franquistischen Massenschl\u00e4chtereien (etwa in Badajoz) mindestens ebenb\u00fcrtig, werden aber bis heute von einer verschworenen Gemeinschaft linker Historiker und Politiker kleingeredet oder verschwiegen. Die brutale Repression unter Franco dagegen ist f\u00fcr P\u00edo Moa linke Propaganda: Franco, der <em>&#8222;die Republik mehr geachtet hat als die Republikaner&#8220;<\/em>, habe zwar ein diktatorisches Regime errichtet, aber nur, weil ihm <em>&#8222;keine andere Wahl&#8220;<\/em> blieb, und letztlich sei dieses fast 40 Jahre w\u00e4hrende Intermezzo notwendig gewesen, um Spanien zu dem wirtschaftlich prosperierenden, sozial und politisch gefestigten Land zu machen, das es heute ist: <em>&#8222;Wenn es heute in Spanien eine Demokratie gibt, dann nur dank Franco!&#8220;<\/em> Sagt er.<em> <\/em><\/p>\n<p>Keine dieser Aussagen ist neu oder originell &#8211; so provozierend sie wirken m\u00f6gen.<\/p>\n<p>P\u00edo Moas <em>&#8222;mythenzerst\u00f6rende&#8220;<\/em> Deutung der j\u00fcngeren spanischen Geschichte entspricht nahezu aufs Haar jener, die die sogenannte <em>&#8222;neofranquistische Schule&#8220;<\/em> Mitte der sechziger Jahre vorzutragen begann. Damals sollte mit der Gr\u00fcndung der <em>Secci\u00f3n<\/em> [sp\u00e4ter <em>Unitad<\/em>] <em>de Estudios sobre la Guerra de Espa\u00f1a<\/em> [&#8218;Forschungssektion zum Spanienkrieg&#8216;] unter F\u00fchrung des angriffslustigen Historikers Ricardo de la Cierva die Illusion erzeugt werden, in Spanien existiere eine ernstzunehmende, unabh\u00e4ngige Geschichtswissenschaft, mit der es sich zu reden lohne. In Wahrheit trugen Karriereakademiker wie De la Cierva, Carlos Seco Serrano, Ram\u00f3n Salas Larraz\u00e1bal, Rafael Calvo Serer, Mart\u00ednez Bande und eine erkleckliche Anzahl anderer nur weiter den liebdienerischen, historiographischen Rechtfertigungsdiskurs des Francoregimes vor &#8211; mit d\u00fcnner liberaler T\u00fcnche.<\/p>\n<p>Die &#8222;Absolventen&#8220; dieser &#8222;Schule&#8220; haben sich heute noch lieb, und neue &#8222;Sch\u00fcler&#8220; hei\u00dft man gern willkommen.<\/p>\n<p>Im Vorwort zu seinen <em>&#8222;mitos&#8220;<\/em> dankt P\u00edo Moa (selbst Jahrgang 1948) f\u00fcr korrigierende Lekt\u00fcre <em>&#8222;und sonstige Hilfe&#8220;<\/em> u.a. Jes\u00fas Salas Larraz\u00e1bal. Salas k\u00e4mpfte auf der Seite Francos im spanischen B\u00fcrgerkrieg und ist heute in Spanien ein ebenso exponierter rechter Historiker wie sein Bruder Ram\u00f3n. Carlos Seco Serrano, der die akademische Geschichtswissenschaft in Spanien \u00fcber Jahre hinweg beherrschte wie sonst wohl nur Ricardo de la Cierva, nennt P\u00edo Moas wissenschaftliche &#8222;Erkenntnisse&#8220; <em>&#8222;wahrhaft spektakul\u00e4r&#8220;<\/em>. Und der US-amerikanische Historiker Stanley Payne, eigentlich ein in Spanien hochgesch\u00e4tzter Fachmann, war sich nicht zu schade, in einer vielgelesenen Kritik der <em>&#8222;mitos&#8220;<\/em> seiner Sympathie f\u00fcr die extreme Rechte jede wissenschaftliche Redlichkeit zum Opfer zu bringen. ((2))<\/p>\n<h3>Der &#8222;wissenschaftliche Wert&#8220; der Schriften P\u00edo Moas<\/h3>\n<p>Denn P\u00edo Moa ist nichts weniger als ein <em>&#8222;wissenschaftlicher Fachmann&#8220;<\/em>. Ein Blick in ein beliebiges seiner Werke gen\u00fcgt, um alle <em>&#8222;spektakul\u00e4ren Erkenntnisse&#8220;<\/em> (bestenfalls) als l\u00e4ppischen verlegerischen Verkaufstrick zu entlarven.<\/p>\n<p>Nicht ein einziges neues Dokument hat P\u00edo Moa f\u00fcr sein Buch eingesehen. Das Literaturverzeichnis ist schon beinahe bemitleidenswert schmal. Mit Belegen, wie sie jede noch so kleine wissenschaftliche Arbeit beizubringen hat, geizt der <em>&#8222;Mythenzerst\u00f6rer&#8220;<\/em> im Text auffallend. Daf\u00fcr wimmelt es von Formulierungen wie <em>&#8222;Es ist mittlerweile erwiesen &#8230;&#8220;<\/em>, <em>&#8222;Wie l\u00e4ngst bekannt ist &#8230;&#8220;<\/em> und immer wieder <em>&#8222;bekanntlich&#8220;<\/em> <em>&#8222;bekanntlich&#8220;<\/em>, <em>&#8222;bekanntlich&#8220;<\/em>. Konsens und Einverst\u00e4ndnis werden beschworen, nicht herbeigef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Die eigentliche &#8222;Leistung&#8220; P\u00edo Moas besteht in einer Bl\u00fctenlese der grausigsten, drastischsten Schilderungen, die Spaniens konservative Historiographie zu bieten hat. Jede dieser Schilderungen wird in ihrer Interpretation grunds\u00e4tzlich gegen die politische Linke gewendet.<\/p>\n<p>Die Blutschuld der Francoseite wird l\u00e4ssig, oft mit knappen Nebens\u00e4tzen, beiseite geschoben und bagatellisiert. Fakten oder Forschungsergebnisse, die dieser Interpretation widersprechen, nimmt Moa nicht zur Kenntnis.<\/p>\n<p>Aber sogar unter seinen &#8222;rechten&#8220; Quellen muss er gelegentlich ausw\u00e4hlen.<\/p>\n<p>Ein Beispiel, relativ willk\u00fcrlich herausgegriffen: F\u00fcr sein Kapitel \u00fcber die zweifellos grausamen Kirchenverfolgungen in der republikanischen Zone w\u00e4hrend der ersten Monate des B\u00fcrgerkriegs ist ihm der erzreaktion\u00e4re katholische Kirchenhistoriker Vicente C\u00e1rcel Ort\u00ed als Quelle gerade gut genug. ((3)) Das Blut trieft nur so aus den Zeilen.<\/p>\n<p>Wie in einem mittelalterlichen Inquisitionsprozess k\u00f6nnen die Schandtaten der republikanischen &#8222;Linken&#8220; f\u00fcr Moa gar nicht grotesk und grauselig genug sein: Das ganze Kapitel ist ein Pand\u00e4monium gottlos-infernalischer Mordlust, grinsend gesteuert und angezettelt von b\u00fcrgerlich-republikanischen Politikern (f\u00fcr die die Morde an den Geistlichen in Wahrheit keineswegs nur eine politische Katastrophe waren).<\/p>\n<p>Antonio Montero Moreno dagegen, auf dessen 1961 erschienenes Standardwerk C\u00e1rcel Ort\u00eds Moritaten im Wesentlichen aufbauen und der gewiss keiner linken Wankelm\u00fctigkeit geziehen werden kann &#8211; er wurde unter Franco immerhin Bischof von Badajoz &#8211; ist Moa bereits zu l\u00e4stig ausgewogen. ((4)) Dass Montero beispielsweise die brutale M\u00e4r (die C\u00e1rcel Ort\u00ed ohne einen korrigierenden Federstrich \u00fcbernimmt) von jenem Geistlichen aus Barbastro, dem von revolution\u00e4ren Milizen bei lebendigem Leibe die Hoden abgeschnitten wurden, f\u00fcr unglaubw\u00fcrdig h\u00e4lt, tr\u00e4gt ihm vom <em>&#8222;intellektuell aufrichtigen&#8220;<\/em> P\u00edo Moa gleich den ersten R\u00fcffel ein. N\u00fcchterne, m\u00f6glichst neutrale Reflexion (gerade da, wo&#8217;s schwer f\u00e4llt)? Faktentreue? Historische Kontextualisierung? Mumpitz!<\/p>\n<p>Liberale Schlenker leistet sich das Werk im Grunde nur im Vorwort. Der Informationsgehalt auf fast 600 Seiten ist l\u00e4cherlich gering. Als Entsch\u00e4digung erwartet die Leserinnen und Leser so manches frohe Wiedersehen: Denn P\u00edo Moa verf\u00e4hrt beim halb-seriellen Abfassen seiner Werke nach einer Methode, die in Deutschland ein anderer <em>&#8222;Experte&#8220;<\/em>, Gerhard Konzelmann, mit reichem \u00f6konomischen Gewinn f\u00fcr sich selbst und ebensolchem politischen Schaden f\u00fcr den Wissenstand der Allgemeinheit perfektioniert hat: Er schreibt gro\u00dfz\u00fcgig von sich selber ab.<\/p>\n<p>Damit w\u00e4re auch das Geheimnis gel\u00fcftet, wie es jemand schaffen kann, in einem einzigen Jahr drei prachtvolle B\u00fccher nebst einer Flut von Pressepolemiken zu verfassen und nebenbei noch in Radio und Fernsehen aufzutreten, locker und gel\u00f6st, als sei das alles gar nichts. Gelegentlich sind \u00fcber die H\u00e4lfte der &#8222;neuen&#8220; Werke P\u00edo Moas Zitate (oder wenig ver\u00e4nderte Paraphrasen) aus seinen \u00e4lteren Ver\u00f6ffentlichungen. Man ist versucht, entnervt mit Rotstift an den Rand zu schreiben: <em>&#8222;Thema&#8220;<\/em>. Ebenso gut allerdings k\u00f6nnte man sich nat\u00fcrlich freuen, dass P\u00edo Moas B\u00fccher eine so verl\u00e4sslich gleichbleibende wissenschaftliche Qualit\u00e4t besitzen.<\/p>\n<h3>Die Reaktion der Fachwelt<\/h3>\n<p>Das Echo, das P\u00edo Moas Werke in der Fachwelt immer noch hervorrufen, ist denn auch in der Tat <em>&#8222;ungew\u00f6hnlich&#8220;<\/em>.<\/p>\n<p><em>&#8222;Ich bin mir bis heute nicht sicher, wer sich eigentlich mit diesem Mann befassen soll: die Historiker, die Psychiater oder die Gerichte?&#8220;<\/em>, schreibt Francisco Espinosa Maestre, Historiker an der Universit\u00e4t von Badajoz und Autor des lesenswerten Essays: <em>&#8222;Das Ph\u00e4nomen des Revisionismus und die Gespenster der spanischen Rechten&#8220;<\/em>. In einem Online-Chat, den die konservative Tageszeitung <em>el mundo<\/em> f\u00fcr ihre Leserinnen und Leser eingerichtet hat, antwortete der britische Historiker Paul Preston, ein anerkannter Spanienkenner, auf die Frage, ob er den <em>&#8222;Historiker P\u00edo Moa&#8220;<\/em> kenne: <em>&#8222;Ja, ich kenne die Arbeit von P\u00edo Moa. Mir scheint, dass er im Grunde nichts anderes tut, als die Forschungsarbeiten der gro\u00dfen Mehrheit der Historikerzunft, seien sie links oder rechts, zu ignorieren, um auf eine klein wenig sanftere Weise die franquistische Propaganda des B\u00fcrgerkriegs und der unmittelbaren Nachkriegszeit zu wiederholen.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Prestons britische Kollegin Heather Graham ging in ihrer Kritik noch weiter: <em>&#8222;Dadurch, dass er s\u00e4mtliche m\u00fchsam zusammengetragenen und im Laufe der letzten 15 Jahre ver\u00f6ffentlichten empirischen Beweise schlicht ignoriert, stellt sich P\u00edo Moa epistemologisch und moralisch auf eine Ebene mit Leugnern des Holocaust.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Und es ist sicher kein Zufall, dass sich P\u00edo Moa, der gro\u00dfe <em>&#8222;Entlarver von F\u00e4lschungen&#8220;,<\/em> mit seinem neuesten Elaborat \u00fcber Franco erst an die \u00d6ffentlichkeit wagte, nachdem ein anderer, im Gegensatz zu ihm allerdings vielfach bew\u00e4hrter Fachmann im Fr\u00fchjahr 2005 \u00fcberraschend verstorben war.<\/p>\n<p>Javier Tusell, zuletzt Professor f\u00fcr Geschichte an der <em>Universidad Nacional de Educaci\u00f3n a Distancia<\/em> (UNED) [&#8218;Nationale Universit\u00e4t f\u00fcr Fernstudien&#8216;], war nicht nur der beste Kenner der Francozeit, den Spanien hervorgebracht hat. Er hatte auch \u00fcber seinen &#8222;Kollegen&#8220; P\u00edo Moa bereits deutliche Worte gefunden:<em> &#8222;P\u00edo Moa ist nicht im entferntesten ein Profi der Historikerzunft. Er hat ein paar B\u00fccher gelesen, aber das Wesentliche<\/em> [&#8230;] <em>ist seine systematische Interpretation<\/em> [der Geschichte] <em>gegen die Linke und zugunsten der extremen Rechten.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Es ehrt akademische Profis, dass sie &#8211; trotz eingestandenen Widerwillens &#8211; zur Feder gegriffen haben, um dem \u00f6ffentlichkeitswirksamen Treiben eines publizistischen Spesenritters Einhalt zu gebieten. Von einem <em>&#8222;spanischen Historikerstreit&#8220;<\/em> zu sprechen, verbietet sich allerdings schon durch die erbarmungsw\u00fcrdige Qualit\u00e4t der Texte P\u00edo Moas. Nichts w\u00fcnschte P\u00edo Moa sich sehnlicher, nichts w\u00e4re seinen Zielen zutr\u00e4glicher, als den Eindruck zu erwecken, sein Aufguss abgelebter franquistischer Propagandaclich\u00e9s sei wissenschaftlich diskussionsw\u00fcrdig.<\/p>\n<p><em>&#8222;Man kann und soll&#8220;<\/em>, schreibt der franz\u00f6sische Historiker Pierre Vidal-Naquet, <em>&#8222;\u00fcber &#8218;Revisionisten&#8216; diskutieren: man kann ihre Texte analysieren, wie man das Innenleben einer L\u00fcge analysiert; man kann und soll nach ihrem besonderen Platz im Gef\u00fcge der Ideologien fragen, das &#8218;wie&#8216; und&#8216; warum&#8216; ihres Auftauchens untersuchen. Aber man diskutiert nicht mit Revisionisten.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Bliebe jene, vielleicht entscheidende Frage, auf die eine Antwort zu geben jeder versuchen muss, der das <em>&#8222;Ph\u00e4nomen Pio Moa&#8220;<\/em> und des spanischen Geschichtsrevisionismus verstehen m\u00f6chte. Eine Frage, die sich der spanische Politologe Alberto Reig Tapia, mit fast schon h\u00f6rbarem Kopfsch\u00fctteln, bereits im Sommer 2003 stellte: <em>&#8222;Dass 28 Jahre nach Francos Tod, mit all der gr\u00fcndlichen und ernstzunehmenden Literatur zur II. Republik, dem B\u00fcrgerkrieg und der Francozeit, ein Herr Moa auf dem Buchmarkt s\u00e4mtliche denkbaren Verkaufsrekorde bricht, l\u00e4sst mich, ehrlich gesagt, die Welt nicht mehr verstehen.&#8220;<\/em><\/p>\n<h3>&#8222;Gro\u00dfmutter, warum verkaufst Du Dich so gut?&#8220;<\/h3>\n<p>Es gibt zweifellos mehrere Gr\u00fcnde f\u00fcr P\u00edo Moas durchschlagenden Erfolg. Da sind zum einen die professionelle Vermarktung seiner Werke durch die gro\u00dfen Verlage des Landes; die grellbunten, augenf\u00e4lligen Plakate, die seine Neuerscheinungen anpreisen; und die schiere Allgegenwart der Titel, die oft ganze Ladentische f\u00fcllen. Schamlos wird dabei die \u00e4u\u00dferst verkaufsf\u00f6rdernde Illusion aufrecht erhalten, mit jeder neuen Arbeit P\u00edo Moas liege ein weiteres bahnbrechendes, aufkl\u00e4rerisches Werk zur j\u00fcngeren spanischen Vergangenheit vor, dessen Rang und Wert nur eine um ihre Vorherrschaft besorgte <em>&#8222;cofrad\u00eda de la checa&#8220; <\/em>[&#8218;Zunft&#8216; bzw. &#8218;Glaubensgemeinschaft der Cheka&#8216;] ((5)) linker Historikerinnen und Historiker anzuerkennen sich b\u00f6swillig weigere.<\/p>\n<p>Zum anderen l\u00e4sst sich nicht bestreiten, dass P\u00edo Moas B\u00fccher trotz (oder gerade wegen) ihrer v\u00f6llig fehlenden wissenschaftlichen Redlichkeit gut zu lesen sind. Ihre faktenfrisierende, politische Einseitigkeit reduziert den zu ihrem Verst\u00e4ndnis notwendigen Gedankenaufwand auf ein Minimum. Drastische Schilderungen verleihen ihnen den Charme eines leicht aufgedunsenen Groschenromans.<\/p>\n<p>Wer Freude an l\u00e4rmendem Propagandaton hat, kann sich beim Lesen einen Moment lang so vorkommen, als r\u00fccke er selbst mit dem Schwert des Geistes den linken Verderbern des Landes zu Leibe. Und dass man den Seitenumfang etwa der <em>&#8222;mitos&#8220;<\/em> durch Verkleinerung des Zeilenabstands bequem um die H\u00e4lfte h\u00e4tte reduzieren k\u00f6nnen, ist ebenfalls kein Nachteil.<\/p>\n<p>In die Irre f\u00fchrt dagegen ein Erkl\u00e4rungsversuch, der in Spanien h\u00e4ufiger zu h\u00f6ren und zu lesen ist &#8211; sicherlich zur Freude der vermarktenden Verlage: der n\u00e4mlich, dass es sich bei P\u00edo Moa eben <em>nicht<\/em> um einen unbelehrbaren, verkalkten Altfranquisten handele, sondern um einen <em>Ex-Linken<\/em>, politisch gro\u00dfgeworden im bewaffneten Widerstand der siebziger Jahre, der demnach keinen Grund habe, der alten Gesinnung sch\u00f6n zu tun, sondern unvoreingenommen den Fakten gegen\u00fcbertrete. Tats\u00e4chlich geh\u00f6rte P\u00edo Moa, nach kurzer Mitgliedschaft in der Kommunistischen Partei Spaniens (PCE), Mitte der siebziger Jahre zur F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation GRAPO (<em>Grupo de Resistencia Antifascista Primero de Octubre)<\/em> [&#8218;Antifaschistische Widerstandsgruppe 1. Oktober&#8216;]).<\/p>\n<p>Die GRAPO trat &#8211; eben an jenem 1. Oktober 1975 &#8211; erstmals \u00f6ffentlich in Erscheinung. Obwohl sie sich selbst als bewaffneten Arm des <em>&#8222;partido comunista (reconstituido)&#8220;<\/em> [&#8217;neugegr\u00fcndete Kommunistischen Partei&#8216;] bezeichnete, sind begr\u00fcndete Zweifel angebracht, ob die GRAPO jemals zur radikalen Linken geh\u00f6rte. Ihre Aktionen &#8211; Morde an Angeh\u00f6rigen von Polizei, <em>Guardia Civil<\/em> und Milit\u00e4r, mehrere Bombenanschl\u00e4ge, v.a. aber die Entf\u00fchrungen des Staatsratsvorsitzenden Antonio Oriol y Urquijo und des Generals Emilio Villaescusa Quilis im Dezember 1976 bzw. Fr\u00fchjahr 1977 &#8211; provozierten die franquistischen Eliten und das Milit\u00e4rauf unerh\u00f6rte Weise. Sie waren eher dazu angetan, jenen Milit\u00e4rputsch herbeizuf\u00fchren, den die extreme Rechte seit Beginn der parlamentarischen Reformen nach dem Tod Francos (der sogenannten <em>transici\u00f3n<\/em>) herbeiredete, als einen Umsturz von Links. Nachweislich war die GRAPO von polizeilichen Agenten durchsetzt. General Guti\u00e9rrez Mellado, damals Verteidigungsminister, nahm sogar an, die GRAPO sei in Wahrheit eine Gr\u00fcndung von Milit\u00e4r und Polizei. Innenminister Rodolfo Mart\u00edn Villa musste seinen f\u00fcr die Verfolgung der GRAPO verantwortlichen Kommissar Conesa, den vielleicht ber\u00fcchtigtsten Folterer der Franco-Polizei, \u00f6ffentlich gegen den Vorwurf in Schutz nehmen, selbst zur F\u00fchrungsspitze der GRAPO zu geh\u00f6ren.<\/p>\n<p>F\u00fcr Paul Preston ist die Tatsache, dass P\u00edo Moa nach seiner Haftzeit so problemlos zum Chefkommentator der Neofranquisten aufsteigen konnte, nur ein weiteres Indiz daf\u00fcr, dass die GRAPO in Wahrheit ein blutiger Homunkulus der extremen Rechten war.<\/p>\n<h3>His masters voice: P\u00edo Moa und <em>Partido Popular<\/em><\/h3>\n<p>Aber auch in Spanien macht man als pseudo-wissenschaftlicher Scharlatan nicht einfach so Karriere; es sei denn, man hat die richtigen Freunde. P\u00edo Moas Aufstieg vom neofranquistischen Publizisten zum Bestsellerautoren begann, als v.a. zwei Ereignisse das gesellschaftliche Leben in Spanien ver\u00e4nderten.<\/p>\n<p>Spaniens gro\u00dfe konservative Volkspartei <em>Partido Popular<\/em> schickte sich Ende der neunziger Jahre an, das Land f\u00fcr eine weitere Legislaturperiode zu regieren &#8211; mit absoluter Mehrheit. Eines der Ziele des alten und neuen Regierungspr\u00e4sidenten Jos\u00e9 Mar\u00eda Aznar (eines Z\u00f6glings der Eliteuniversit\u00e4t des <em>Opus Dei<\/em> in Pamplona) war die Umgestaltung des Lehrplans f\u00fcr den Geschichtsunterricht an Schulen und Hochschulen.<\/p>\n<p>Es sollten auch die <em>&#8222;positiven Aspekte&#8220;<\/em> des Franquismus gew\u00fcrdigt und so ein <em>&#8222;ausgewogeneres&#8220;<\/em> Bild der Geschichte gezeichnet werden. Gegen diesen &#8222;Rechtsruck&#8220; regte sich Widerstand. Anerkannte Fachleute wie Juli\u00e1n Casanova, Santos Juli\u00e1, Jos\u00e9 \u00c1lvarez Junco, Julio Ar\u00f3stegui und andere begannen, insbesondere die Geschichte der Repression unter Franco aufzuarbeiten.<\/p>\n<p>Hatte die spanische Bev\u00f6lkerung w\u00e4hrend der turbulenten Jahre der <em>transici\u00f3n<\/em>, in den Worten des Schriftstellers Jorge Sempr\u00fan, aus gutem Grund <em>&#8222;die Amnestie und die Amnesie&#8220;<\/em> gew\u00e4hlt &#8211; und es damit Nutznie\u00dfern, Kollaborateuren und Protagonisten des Franquismus erm\u00f6glicht, ihre Pfr\u00fcnde und Privilegien relativ unbeschadet in die &#8222;neue Zeit&#8220; hin\u00fcberzuretten -, schien nun die Zeit gekommen, dass eine neue Generation sich unvoreingenommen mit der Geschichte auseinander setzen konnte.<\/p>\n<p><em>&#8222;Die erste Pflicht der Demokratie ist die Erinnerung&#8220;<\/em>, hei\u00dft es etwa bei Francisco Espinosa, <em>&#8222;und es steht au\u00dfer Frage, dass die Vergangenheit nur wirklich \u00fcberwunden werden kann durch die Erinnerung (subjektive Wahrheit), die Geschichte (historische Wahrheit) und schlie\u00dflich die Gerechtigkeit (juristische Wahrheit). Denn &#8218;die Gerechtigkeit&#8216;, sagt Elisabeth Jelin, &#8218;ist <\/em>[&#8230;]<em> der solideste Teil der Erinnerung&#8216;.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>So etwas h\u00f6rten ein Teil der W\u00e4hlerschaft, aber auch die Parteispitze von <em>Partido Popular<\/em> nicht gern. Denn <em>Partido Popular<\/em> war 1989 im Wesentlichen aus der altfranquistischen <em>Alianza Popular <\/em>hervorgegangen, einer Partei, in der ein Gro\u00dfteil der Eliten des alten Regimes ein politisches Zuhause gefunden hatte. Nat\u00fcrlich ist <em>Partido Popular<\/em> heute eine moderne Massenpartei im 21. Jahrhundert.<\/p>\n<p>Aber die alt- bzw. neofranquistische Nomenklatura Spaniens geh\u00f6rt zu ihrer Klientel und wird, wenn n\u00f6tig, ohne Skrupel mobilisiert. \u00d6ffentlich in die N\u00e4he der &#8222;M\u00f6rder von 1936&#8220; (und der folgenden Jahrzehnten) ger\u00fcckt zu werden, gef\u00e4hrdete <em>Partido Populars<\/em> Chancen an der Wahlurne.<\/p>\n<p>Als 1999 ein vielbeachtetes Grundlagenwerk zur franquistischen Repression [<em>&#8222;V\u00edctimas de la guerra civil&#8220;,<\/em> &#8218;Opfer des B\u00fcrgerkriegs&#8216;] erschien, ging P\u00edo Moa als Chefkommentator der Rechten und &#8222;Anti-Historiker&#8220; auf dem spanischen Buchmarkt in Stellung. Seine Ver\u00f6ffentlichungen sind politisch motivierte Reaktionen auf Ver\u00f6ffentlichungen der spanischen Historiographie, die der politischen Rechten nicht behagen. Es ist nur konsequent, dass sein Hauptvorwurf gegen eine neue, kritische Geschichtswissenschaft in Spanien jener ist, <em>&#8222;rachs\u00fcchtig&#8220;<\/em> zu sein: <em>&#8222;Diese B\u00fccher<\/em> <em>wecken, keineswegs zuf\u00e4llig, noch heute Rachegel\u00fcste, anstatt zu einer n\u00fcchternen und m\u00f6glichst objektiven Sicht der Vergangenheit beizutragen.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Vergessen wird mit Vers\u00f6hnung, Erinnern mit Hetze, <em>&#8222;Propaganda&#8220;<\/em> und sozialem Unfrieden gleichgesetzt.<\/p>\n<p>Mit der \u00d6ffnung der Massengr\u00e4ber durch die <em>Asociaci\u00f3n para la recuperaci\u00f3n<\/em> <em>de la memoria hist\u00f3rica<\/em> [&#8218;Vereinigung zur R\u00fcckgewinnung der historischen Erinnerung&#8216;]ver\u00e4nderte sich dann die Situation schlagartig. Nun lagen die Verbrechen des Francoregimes im wahrsten Sinne des Wortes offen zu Tage, und P\u00edo Moa, der von <em>Partido Popular<\/em> geh\u00e4tschelte Haus- und Hofschreiber, der jede Ver\u00f6ffentlichung zur franquistischen Repression mit einer Gegenver\u00f6ffentlichung beantwortete, stand mit dem R\u00fccken zur Wand.<\/p>\n<p>Es gen\u00fcgte nun nicht mehr, Fakten einfach nur zu leugnen &#8211; es mussten andere Gesch\u00fctze aufgefahren werden.<\/p>\n<p><em>&#8222;Der politische Kontext des Revivals des offiziellen franquistischen Diskurses (denn darum handelt es sich bei dem vielbeschworenen &#8218;Revisionismus&#8216;) ist ein entscheidender Faktor seines \u00f6ffentlichen und medialen Erfolgs&#8220;<\/em>, schreibt der Historiker Enrique Moradiellos: <em>&#8222;Man gibt <\/em>[nun] <em>den Opfern der Repression und den &#8218;verantwortungslosen und antidemokratischen&#8216; Linksparteien die alleinige Schuld am Scheitern der republikanischen Demokratie.<\/em> [&#8230;]<\/p>\n<p><em>Dies war eine intelligente und durchaus vorhersehbare Reaktion. Denn wenn die Wiedererlangung der W\u00fcrde jener anonymen Toten in dem Willen geschah, zu zeigen, dass &#8218;die heute regierende Rechte Erbe der M\u00f6rder von 1936&#8216; sei, brauchte man nicht lange zu warten, bis die so Beschuldigten antworten w\u00fcrden, jene, die da Forderungen stellten, seien &#8218;die Erben von Umst\u00fcrzlern, die den Frieden zwischen 1934 und 1936 gebrochen&#8216; h\u00e4tten.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Die Schriften P\u00edo Moas (und anderer spanischer Geschichtsrevisionisten) sind in einem ganz eigentlichen Wortsinn Wahlkampfhilfe f\u00fcr <em>Partido Popular<\/em>. Hier liegt wohl auch der Hauptgrund f\u00fcr ihren durchschlagenden Erfolg, denn der Handel l\u00e4uft auf Gegenseitigkeit, und eine Hand w\u00e4scht die andere: 2003 erkl\u00e4rte Jos\u00e9 Mar\u00eda Aznar l\u00e4chelnd in die laufenden Kameras, seine <em>&#8222;Lekt\u00fcre f\u00fcr diesen Sommer&#8220;<\/em> sei P\u00edo Moas <em>&#8222;Los mitos de la guerra civil&#8220;<\/em>. Einer der Mitarbeiter des historischen Online-Magazins <em>El Catoblepas<\/em>, in dem Ver\u00f6ffentlichungen P\u00edo Moas gegen jede Kritik mit Hitze verteidigt werden, ist der gegenw\u00e4rtige Vorsitzende von <em>Partido Popular<\/em>, Mariano Rajoy. Und bei einer Pressekonferenz in Salamanca, mit der <em>Partido Popular<\/em> im vergangenen Jahr Skandal machen wollte um die angebliche <em>&#8222;Zerst\u00f6rung&#8220;<\/em> des <em>Archivo General de la Guerra Civil<\/em> [&#8218;Generalarchiv des Spanischen B\u00fcrgerkriegs&#8216;] durch R\u00fcckgabe der unter Franco gestohlenen Dokumente an die katalanische Regionalregierung <em>Generalitat<\/em>, sa\u00df P\u00edo Moa als <em>&#8222;Fachmann&#8220;<\/em> auf dem Podium.<\/p>\n<h3>Die Konjunktur des neurechten Diskurses<\/h3>\n<p>Die Frage nach den Gr\u00fcnden f\u00fcr den Erfolg eines P\u00edo Moa ist eine Frage nach den politischen und sozialen Interessengruppen, die sich von diesem Erfolg einen Vorteil versprechen.<\/p>\n<p>Das <em>&#8222;Ph\u00e4nomen P\u00edo Moa&#8220;<\/em> ist kein historiographisches, sondern ein politisches. Seine Person ist dabei keineswegs erheblich: Junge rechte Historiker wie Jos\u00e9 Luis Guti\u00e9rrez Casal\u00e1 besitzen weit gr\u00f6\u00dfere wissenschaftliche Bef\u00e4higung und k\u00f6nnten ihn medial in naher Zukunft &#8222;beerben&#8220;.<\/p>\n<p>Der katalanische Literaturwissenschaftler Jordi Garc\u00eda stellte die Frage, ob es sinnvoll sei, soviel Zeit und Energie auf P\u00edo Moa zu verschwenden?<\/p>\n<p>Ob man nicht durch fortgesetzte Kritik der spanischen \u00d6ffentlichkeit eben jene verschworene, linke Seilschaft vorzuf\u00fchren drohe, die die neofranquistische Rechte so eifrig herbeiphantasiere?<\/p>\n<p>Diese Frage ist berechtigt. Denn einen Platz in der Geschichte der spanischen Historiographie wird P\u00edo Moa kaum erringen k\u00f6nnen. Der neurechte Diskurs jedoch, f\u00fcr den P\u00edo Moa geradezu prototypisch steht, hat l\u00e4ngst auch au\u00dferhalb Spaniens Konjunktur. Die Auseinandersetzung mit Geschichtsrevisionisten wie ihm kann helfen, auch in anderen L\u00e4ndern zu verhindern, dass aus Gr\u00fcnden der politischen Opportunit\u00e4t grundlegende Verfahrensweisen der Wissenschaft widerspruchslos au\u00dfer Kraft gesetzt und historische Fakten verf\u00e4lscht oder unterschlagen werden.<\/p>\n<p>In Spanien ist die polemische Auseinandersetzung um die Renaissance des Neofranquismus Teil eines l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4lligen gesellschaftlichen Diskussionsprozesses, der, so steht zu erwarten, das Land grundlegend ver\u00e4ndern wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Engp\u00e4sse bei der Versorgung mit neuen Werken des Autors sind nicht zu bef\u00fcrchten. F\u00fcr gew\u00f6hnlich produziert P\u00edo Moa zwei B\u00fccher pro Jahr, und selten haben sie weniger als 250 Seiten. Im Jahr 2005 brachte er es sogar auf insgesamt drei Ver\u00f6ffentlichungen. Sein neuestes Werk, &#8222;Franco. 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