{"id":7372,"date":"2006-03-01T00:00:07","date_gmt":"2006-02-28T22:00:07","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=7372"},"modified":"2022-07-26T14:15:00","modified_gmt":"2022-07-26T12:15:00","slug":"eine-anarchistische-dezentrale","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2006\/03\/eine-anarchistische-dezentrale\/","title":{"rendered":"Eine &#8222;anarchistische Dezentrale&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Wolfgang Haug (SF-Red.): Ralf, du hast den <em>A-Laden<\/em> in Berlin von Anfang an mitbegleitet. Kannst du uns etwas zu den augenblicklichen Schwierigkeiten des Ladens erz\u00e4hl-en? Sind es rein finanzielle Probleme, steckt ein R\u00fcckzug von AktivistInnen dahinter, oder \u00e4ndern sich die Bed\u00fcrfnisse der Szene?<\/strong><\/p>\n<p><strong>R@lf G. Landmesser:<\/strong> Der <em>A-Laden<\/em> war 1987\/88 eine Gr\u00fcndung v.a. der AStI (<em>Anarchistische StudentInnen Initiative<\/em>), der <em>Berliner Projekt-A-Gruppe<\/em>, einiger FAUler und Freischwebender und in der Anfangsphase sp\u00e4ter auch von RAStlos (<em>Rat Anarchistischer Sch\u00fclerInnen<\/em>).<\/p>\n<p>\u00dcber die Jahre sind viele Personen und Gruppen durch den Laden gewandelt, haben zum Projekt beigetragen oder an seiner Substanz genagt. Spezifisch ist aber geblieben, da\u00df \u00fcber 18 Jahre kaum jemand geblieben ist &#8211; der <em>A-Laden<\/em>, wie auch Berlin \u00fcberhaupt, war immer ein Durchgangslager (wie das \u00fcbrigens bei den meisten anderen Projekten hierzulande und anderswo auch zu sein scheint). Daher hat sich eigentlich keine, oder sagen wir: erschreckend wenig gewachsene Substanz eines sozialen Umfeldes bilden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Im Gegensatz zu &#8222;unseren speziellen Freunden&#8220;, den Burschenschaften, haben sich kaum &#8222;alte Herren&#8220; (und Damen) herausgebildet, die, verdienend im Berufsleben stehend, auch noch ihren alten Einstellungen und dem <em>A-Laden<\/em> wenigstens finanziell die Treue hielten.<\/p>\n<p>Das daher st\u00e4ndige Arbeiten kurz vor dem Kollaps, hat dazu gef\u00fchrt, da\u00df nicht nur die politische Arbeit grenzwertig im Sinne von Potential war, sondern \u00fcber die Jahre auch keine solide Basis der Finanzierung eines permanenten Projektes erfolgen konnte. Mit einem personellen Erstarken von Aktiven und nachhaltigem Umfeld w\u00e4re die Finanzierung eine relative Angelegenheit: 50-100 f\u00f6rdernde Leute k\u00f6nnten die Kosten eines solchen Projektes wie den <em>A-Laden<\/em> problemlos schultern. Ist aber nur eine geringe Anzahl finanzschwacher Aktiver vorhanden und von einem bestenfalls lethargisch zu nennenden Umfeld umgeben, ergibt sich die Doppelbelastung der Geldbeschaffung und bergeweiser politischer Arbeit. Finanzen und personelle Situation h\u00e4ngen somit fatal zusammen.<\/p>\n<p>Gibt es nur wenige Menschen, die bereit sind, politische (Schwer)Arbeit zu leisten, wenn zeitgleich von au\u00dfen noch nicht einmal die mindestm\u00f6gliche Solidarit\u00e4t in Form von G.E.L.D. kommt, sind wir im Dilemma.<\/p>\n<p>Wir arbeiten oft mit schrottreifer Technik, die durch Wartung und Reparaturen Probleme in Zeit- und Nervenaufwand schaffen und daher anderswo die Power wegnehmen.<\/p>\n<p>Angesichts dieses Hintergrunds sind wir ein Wunder an Effektivit\u00e4t!<\/p>\n<p><strong>Gehen wir auf die urspr\u00fcngliche Funktion des <em>A-Ladens<\/em> ein. Was wollten die BetreiberInnen anfangs mit diesem Projekt erreichen und hat es sichverwirklichen lassen?<\/strong><\/p>\n<p>Nach jahrelanger Odyssee durch FU-Seminarr\u00e4ume, Kneipen, Jugendzentren und Privatwohnungen waren wir es satt, Schl\u00fcsselprobleme, Kneipenl\u00e4rm und -dunst auszuhalten und keinerlei Raum f\u00fcr Archiv, Bibliothek und logistischen Kram zu haben. Durch den st\u00e4ndigen Wechsel unserer Treffpunkte waren wir zudem schlecht ansprechbar, und ansprechbar wollten wir als propagandistisch aktive Gruppe schlie\u00dflich sein.<\/p>\n<p>Also sollte eine &#8222;Anarchistische Dezentrale&#8220; her, die uns in der Szenesuppe klar ausmachbar machte und die m\u00f6glichst st\u00e4ndig besetzt und offen war. Zwar verstanden wir uns auch als &#8222;Infoladen&#8220;, aber mit klar anarchistischen Inhalten und Materialien und explizit nicht als autonomer Gemischtwarenladen mit stalinistischem Sahneh\u00e4ubchen und sonstigem realsozialistischen Studentenfutter. In unserem Etablissement sollte Anarchismus offensiv propagiert werden.<\/p>\n<p>Dogmatisches Material sollte keinen Platz im Laden haben, ebenso wenig wie seine ProtagonistInnen.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich hat sich dieses Konzept generell \u00fcber die Jahre bew\u00e4hrt, wenn wir uns auch mehr Zulauf versprochen hatten &#8211; letzterer verlief bislang in Konjunkturen.<\/p>\n<p>Der <em>A-Laden<\/em> hatte soviel eigenes Profil, da\u00df er in gewissen autonomen Kreisen und nat\u00fcrlich auch bei den &#8222;Antiimps&#8220; auf Vorbehalte bis Ha\u00df stie\u00df. Die absurdeste Behauptung aus dieser Richtung besagte, wir seien eine <em>Verfassungsschutzgr\u00fcndung<\/em> &#8230;<\/p>\n<p>Ladenintern versuchten wir immer, ein H\u00f6chstma\u00df an Toleranz und Nichtarroganz zu pflegen, und hielten auch einige widerspr\u00fcchliche Menschen bis zur Schmerzgrenze aus. Das ersparte uns dogmatische Verh\u00e4rtung und machte uns auf die Dauer auch ein paar Freunde (wenn vielleicht auch wiederum einige Zartbesaitete gefl\u00fcchtet sind).<\/p>\n<p>Der <em>A-Laden<\/em> wurde von den vielen PolittouristInnen gerne frequentiert &#8211; in der &#8222;Wende&#8220;-Zeit halfen wir trotz unseres eigenen Mangels Libert\u00e4ren im Osten Europas, so gut wir konnten. So wurde der <em>A&#8211;Laden<\/em> auch eine Ost-West-Schnittstelle.<\/p>\n<p>Daneben meinten wir, da\u00df es angesagt sei, dort lokal wirksam zu werden, wo mensch ist, und so verstanden wir uns gleichzeitig auch als libert\u00e4ren Nachbarschaftsladen und Soziales Zentrum. Das hie\u00df, da\u00df wir basisdemokratisch orientierten Gruppen die M\u00f6glichkeit boten, unsere R\u00e4ume mitzunutzen. Umgesetzt wurde dies durch ein l\u00e4ngeres Gastspiel der <em>B\u00fcrgerinitiative Lehrter Stra\u00dfe <\/em>(unsere Parallelstra\u00dfe am neuen Hbf.), in der sich auch im lokalen Ladenumfeld ans\u00e4ssige Genossen engagierten. 10 Jahre gab es eine <em>&#8222;A<\/em> <em>FoodCoop<\/em>&#8222;, in der nicht nur AnarchistInnen ihr Futter selbst organisierten (leider eingegangen).<\/p>\n<p>Allerdings mu\u00df selbstkritisch gesagt werden, da\u00df die nachbarschaftliche Zielsetzung mangels ausreichender personeller Kapazit\u00e4ten und vielleicht auch wegen zu szeneartigem Erscheinungsbild und geringer Offensivit\u00e4t in dieser Richtung nur in bescheidenem Ma\u00dfe erreicht wurde. Dennoch sind wir ein kleiner Faktor im Stadtteil, auf den sich einige Leute beziehen, auch wenn sie selten oder nie bei uns in persona auftauchen. Sogar etwas kontinuierliche finanzielle Unterst\u00fctzung gibt es aus dieser Richtung.<\/p>\n<p>Wichtig ist in dieser Hinsicht auch noch der Punkt, da\u00df wir bewu\u00dft <strong>nicht <\/strong>nach Kreuzberg gegangen sind, weil wir nicht der Xte Szeneladen im Szeneghetto werden wollten, sondern unseren Ansatz breiter sahen. So landeten wir im als abseitig angesehenen, proletarisch und durch Migration gepr\u00e4gten Moabit (Tiergarten) bei Polizei, Knast und Berliner Mauer. Dabei sind wir nur drei U-Stationen vom bekannten Bahnhof Zoo entfernt. Jetzt sitzen wir mitten drin in der &#8222;Hauptstadt&#8220;, gleich am Regierungsviertel und neuen Hauptbahnhof: zeig mal mit dem Finger auf Berlins Mitte, und auf dem Plan unter deiner Fingerkuppe findet sich die Rathenower Stra\u00dfe &#8230;<\/p>\n<p><strong>Kannst du etwas \u00fcber die highlights in der Geschichte des <em>A-Ladens<\/em> erz\u00e4hlen? <\/strong><\/p>\n<p><strong>Zu welchem Zeitpunkt und bei welchen politischen Kampagnen hatte er eine politische Bedeutung, die \u00fcber die Anarchoszene hinauswies?<\/strong><\/p>\n<p>Highlight der <em>A-Laden<\/em>-Geschichte waren sicher die zweimaligen, von uns angesto\u00dfenen und im Wesentlichen durchgef\u00fchrten &#8222;<em>Schwarze(n) Tage<\/em>&#8222;.<\/p>\n<p>Dutzende von Veranstaltungen, verdichtet auf einen kurzen Zeitraum um den 1. Mai, und die damit verbundene publizistische Arbeit (Plakate, Flugis, Terminvorank\u00fcndigungen) setzten einen un\u00fcbersehbaren Spot auf anarchistische Inhalte und hoben die vorhandenen A-Locations aus der Anonymit\u00e4t. Flankierend verteilten wir je 15.000 und 20.000 Sonderzeitungen &#8222;<em>Maischrei<\/em>&#8222;, die mit gro\u00dfem Interesse gelesen wurden. Gleichzeitig beteiligten wir uns an der Organisation der &#8222;<em>Revolution\u00e4ren Maidemo<\/em>&#8222;, was von unserer Seite jedoch in den folgenden Jahren wegen des immer mehr verfehlten, krawallanten RitusCharakters der Veranstaltung eingestellt wurde.<\/p>\n<p>Einige Jahre in der Nachwendezeit organisierten wir zusammen mit dem Initiator &#8222;<em>El Locco<\/em>&#8222;, einem vor ein paar Jahren geschlossenen Kreuzberger A-Caf\u00e9, den &#8222;<em>Libert\u00e4ren Jahrmarkt<\/em>&#8220; zwischen Sch\u00f6nhauser Allee und Kollwitzplatz, jeweils \u00fcber ein Wochenende mit einiger \u00d6ffentlichkeitsaufmerksamkeit und buntem Programm.<\/p>\n<p>Es f\u00e4llt mir schwer, chronologisch zu bleiben, denn 18 Jahre Pr\u00e4senz in Berlin, einer Stadt, in der st\u00e4ndig etwas l\u00e4uft, an dem st\u00e4ndig GenossInnen aus unserem Umfeld teilnehmen, lassen sich schwer auf ein paar Highlights subsumieren.<\/p>\n<p>Unsere Initiativen gegen den Hauptstadtwahn, den &#8222;<em>Hauptwahnhof<\/em>&#8220; und die &#8222;<em>Teergartentunnel<\/em>&#8220; waren zwar letztendlich nicht erfolgreich, aber das war absehbar. Wichtig war uns der damit einhergehende Bewu\u00dftseinsproze\u00df von Widerst\u00e4ndigkeit.<\/p>\n<p>Widerst\u00e4ndigkeit haben wir auch gef\u00f6rdert, indem wir die <em>B\u00fcrgerinitiative FREIe HEIDe<\/em> gegen das Bombodrom bei Wittstock-Rheinsberg-Neuruppin (BW-Out-of-Area-Trainingsgel\u00e4nde) unterst\u00fctzen. Mit unserer logistischen und ideellen Hilfe gab es dort (mehrfach) den gr\u00f6\u00dften Ostermarsch.<\/p>\n<p>Auch unser &#8222;klammheimlicher Einflu\u00df&#8220; auf die Nachbarschaft in Moabit mag zu diesem oder jenem vorzeigbaren Resultat gef\u00fchrt haben. Dabei verhalten wir uns durchaus realpolitisch.<\/p>\n<p>Schade ist, da\u00df aus dem starken Engagement von <em>A-Laden<\/em>-Menschen im &#8222;<em>Projekt A<\/em>&#8220; und im in Berlin selbst anvisierten &#8222;<em>Projekt B<\/em>&#8220; keine dauerhaften Projekte libert\u00e4rer Pr\u00e4gung entstanden sind (bis auf ein paar halbwegs akzeptable &#8222;Bewegungsruinen&#8220;). Sogar ein spezielles &#8222;<em>Projekt O(st)<\/em>&#8220; gab&#8217;s, das seine Geburt verschlafen hat.<\/p>\n<p>Hinweisen m\u00f6chte ich auf unser TERMIN@TOR: die Auflistung aller uns bekannten libert\u00e4ren Berlin-Termine im www und manchmal als Printausgabe mit inhaltlichen Artikeln und vollst\u00e4ndiger Berliner Adressenliste. Dieses Unternehmen basiert auf dem von uns initiierten P.L.E.Bs. (<em>Plenum Libert\u00e4rer Elemente BerlinS<\/em>). \u00dcber P.L.E.B.s als Forum wurde wiederholt das <em>A-Camp<\/em> organisiert (wie vom <em>A-Laden<\/em> aus schon ein Vorg\u00e4ngercamp bei Potsdam organisiert wurde).<\/p>\n<p>Im Moment versuchen sich Leute an der Gr\u00fcndung einer Anarchistischen F\u00f6deration Berlins.<\/p>\n<p><strong>Gab es interne Konflikte, politische Zerw\u00fcrfnisse, die den <em>A-Laden<\/em> spalteten oder zum Ausscheiden gr\u00f6\u00dferer Gruppen f\u00fchrten? Wenn ja, an welchen Themen haben sich diese Konflikte entz\u00fcndet, und wie liefen sie ab?<\/strong><\/p>\n<p>Regelrechte Spaltungen gab es nicht. Wir bem\u00fchen uns im <em>A-Laden<\/em> um eine Atmosph\u00e4re der Toleranz. Eher gab es ein Abwandern von Personen und Gruppen. Einige <em>RAStlos<\/em>-Leute haben sich z.B. an der Gr\u00fcndung des libert\u00e4r gelagerten <em>Infoladens OMEGA<\/em> (elektrisch: Widerstand) im benachbarten Wedding beteiligt und gingen dem <em>A-Laden<\/em> damit verloren. Allerdings haben sie dort eine gute Arbeit gemacht und sogar ein libert\u00e4res Kneipenkollektiv mitgegr\u00fcndet. Die Kneipe, OMEGA und dessen pionierhafte Wwweb-Existenz sind nun auch Geschichte.<\/p>\n<p>Die FAU hat den <em>A-Laden<\/em> verlassen, weil sie mit einem eigenen Laden mehr eigenes Profil zeigen wollte. Die Zusammenarbeit geht allerdings weiter, da einige <em>A-Laden<\/em>-Leute gleichzeitig FAU-Mitglieder sind.<\/p>\n<p>Diverse <em>Geaswurzel-Gruppen<\/em> hatten den <em>A-Laden<\/em> als Domizil, sind aber immer wieder eingegangen, genauso wie ein paar libert\u00e4re Friedensgruppen.<\/p>\n<p>Eine r\u00e4tekommunistische Gruppe f\u00fchlte sich bei uns nicht mehr zu Hause und ging ihrer Wege. Der einige Zeit im <em>A-Laden<\/em> angesiedelte <em>Vegan-Laden<\/em> heterogener Zusammensetzung (As und Nicht-As) machte sich 2002 in Kreuzberg kommerziell selbstst\u00e4ndig und ging uns inhaltlich und als Mieter verloren (seither gro\u00dfes Kassenloch!).<\/p>\n<p>Sch\u00fclerInnen kamen und gingen (auseinander), wie nach ihrem Abi die <em>AschuKis<\/em> (Anarchistische Schulkinder) und deren Vorl\u00e4ufer &#8222;<em>Kadimadi<\/em>&#8222;, die einige Jahre bei uns im Laden waren. Jetzt sind&#8217;se Studies sonstwo oder machen Lehre. Der nat\u00fcrliche Lauf von &#8222;Sch\u00fcli&#8220;Gruppen &#8230;<\/p>\n<p>Sprengstoff brachte vor vielen Jahren eine bundesweit wahrgenommene Spitzelaffaire in den <em>A-Laden<\/em>, die wir aber souver\u00e4n \u00fcberstanden, weil wir uns von so was nicht irre machen lassen (Wo k\u00e4m&#8217;wa hin?!). Hier ist Ruhe die erste revolution\u00e4re Pflicht. Aber von au\u00dfen versuchte mensch, uns deswegen nachhaltig zu schaden.<\/p>\n<p>Dies auch, als ein ziemlich wirrer Mensch, der sich jahrelang mehr oder weniger unauff\u00e4llig in der Berliner A-Szene bewegte, zeitweilig im Mahler-Umfeld zu finden war (er flog konsequenterweise bei uns nach offener Kl\u00e4rung und Erkl\u00e4rung raus und hat sich mittlerweile von seinen Rechtsausfl\u00fcgen distanziert, ohne wieder bei uns aufgenommen zu werden.)<\/p>\n<p>Attacken gab es auch von vorgeblichen AntiFas, die den <em>A-Laden<\/em> als nationalistische Brutst\u00e4tte ausgemacht zu haben glaubten und mit Anschl\u00e4gen drohten. Sprengstoffdrohungen von Nazi-Seite der sog. AntiAntiFa, die in uns ein antifaschistisches Nest sehen, konkurrierten damit. Klar, sind wir ja auch &#8211; von der Beteiligung an AntiFa-Fahrwachen \u00fcber das &#8222;harbouring&#8220; des <em>Antifaschistische(n) Infotelefon(s)<\/em> haben wir einiges auf dem &#8222;Kerbholz&#8220;.<\/p>\n<p><strong>Wo siehst du heute die Bedeutung des <em>A-Ladens<\/em>, oder anders gefragt, warum muss der <em>A-Laden<\/em> gerettet werden?<\/strong><\/p>\n<p>Der <em>A-Laden<\/em> hat die Bedeutung, die die aktiven Leute ihm geben. Ansonsten ist er ein leeres Geh\u00e4use, durch das die Geschichte geistert und nicht der Geist der Freiheit.<\/p>\n<p>Seit geraumer Zeit haben wir in Berlin sozusagen jeden Monat &#8222;Schwarze Tage&#8220;, denn es gab noch nie, so weit ich das seit 1980 erinnere, eine solche Dichte an explizit libert\u00e4ren Veranstaltungen in dieser Stadt. Hieran ist der <em>A-Laden<\/em> nicht ganz &#8222;unschuldig&#8220;.<\/p>\n<p>So weit wir das \u00f6konomisch k\u00f6nnen, halten wir entsprechende Literatur und Medien vorr\u00e4tig. Der <em>A-Laden<\/em> ist die &#8222;St\u00e4ndige Vertretung&#8220; der Anarchie gegen\u00fcber der gro\u00dfm\u00e4chtelnden Staatlichkeit. F\u00fcr einige Leute im Kiez ist er ein psychologisches R\u00fcckgrat. Neben der &#8222;<em>Bibliothek der Freien<\/em>&#8220; mit ihrem halben untergemieteten Raum im &#8222;<em>Haus der Demokratie<\/em>&#8222;, dem FAU-B\u00fcro in Prenzlberg und dem A-Caf\u00e9 in der K\u00f8pi ist der <em>A-Laden<\/em> der explizit anarchistische Raum in Berlin. Viele Projekte Berlins sympathisieren zwar mit anarchistischen Ideen, vertreten sie aber nur unter anderem. In einer Stadt mit mehreren Millionen Menschen ist ein Projekt wie der <em>A-Laden<\/em> daher unverzichtbar.<\/p>\n<p>Er mu\u00df in seiner Substanz gest\u00e4rkt werden, indem die finanziellen Sorgen beseitigt werden und damit zweitens die wenigen \u00fcberlasteten Menschen sich mehr darum k\u00fcmmern k\u00f6nnen, mehr aktive GenossInnen zu gewinnen. Wir alle zusammen wollen die libert\u00e4ren Ideen relevant voranbringen und zeitgem\u00e4\u00dfe L\u00f6sungen finden helfen. Das kann gelingen, wenn Einsicht Platz greift, da\u00df ein solches Projekt und die in ihm aktiven Menschen mehr Unterst\u00fctzung in materieller Form und in erster Person bed\u00fcrfen und verdienen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wolfgang Haug (SF-Red.): Ralf, du hast den A-Laden in Berlin von Anfang an mitbegleitet. Kannst du uns etwas zu den augenblicklichen Schwierigkeiten des Ladens erz\u00e4hl-en? 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