{"id":7401,"date":"2006-04-01T00:00:29","date_gmt":"2006-03-31T22:00:29","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=7401"},"modified":"2022-07-26T14:24:25","modified_gmt":"2022-07-26T12:24:25","slug":"20-jahre-nach-tschernobyl","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2006\/04\/20-jahre-nach-tschernobyl\/","title":{"rendered":"20 Jahre nach Tschernobyl"},"content":{"rendered":"<p>Mit einem Mal schien alles, was wir dringend zum Leben ben\u00f6tigten &#8211; Luft, Wasser und Nahrung -, nicht mehr lebensspendend, sondern eher lebensbedrohend. Entsetzen und Angst nahmen mit jedem Tag zu. Woher sollte mensch unbelastete Nahrung herbekommen, und konnte mensch sich \u00fcberhaupt noch aus dem Haus heraustrauen? Mit dem Flugzeug schnell weg, doch wohin? T\u00e4glich Bequerel-Tabellen in der TAZ studieren.<\/p>\n<h3>St\u00f6rfall in der BRD<\/h3>\n<p>Acht Tage sp\u00e4ter kam es im westf\u00e4lischen Hamm zu einem Reaktorst\u00f6rfall, bei dem gr\u00f6\u00dfere Mengen an Radioaktivit\u00e4t an die Umwelt abgelassen wurden. Am 4. Mai 1986 klemmte in der Kugelbeschickungsanlage des Thorium Hochtemperatur-Reaktors (THTR) eine Kugel. Sie wurde mit radioaktiv verseuchtem Gas in einer Art Rohrpost freigeblasen. Die Vereinigten Elektrizit\u00e4tswerke (VEW) behaupteten kurze Zeit sp\u00e4ter, die von Umweltsch\u00fctzern am THTR gemessenen Werte von 50.000 Bequerel seien einzig und allein auf das Ungl\u00fcck in Tschernobyl zur\u00fcckzuf\u00fchren.<\/p>\n<p>Ausgerechnet in dem entscheidenden Zeitraum waren die Mess- und Aufzeichnungssysteme f\u00fcr die abgegebene Radioaktivit\u00e4t unterbrochen. Ein unglaublicher Skandal. Das hartn\u00e4ckige Leugnen der Atomindustrie entpuppte sich als dreiste L\u00fcge, weil die B\u00fcrgerinitiativen mit eigenen Messanlagen das Gegenteil beweisen konnten.<\/p>\n<h3>Der Widerstand<\/h3>\n<p>Mittlerweile wirkte sich die Kontamination der Lebensmittel auf die Landwirte existenzbedrohend aus. Wegen der gemeinsamen Bedrohung entstand in Westfalen das B\u00fcndnis &#8222;Bauern und Verbraucher gegen Atomenergie&#8220;. In einer Mischung aus Wut und Verzweiflung sammelten sie sich sechs Tage nach dem THTR-St\u00f6rfall nachts mit einem Dutzend Treckern in einem Wald, schlichen sich auf abgelegenen Feldwegen an den Reaktor heran und blockierten, f\u00fcr die Betreiber v\u00f6llig \u00fcberraschend, die beiden Haupttore.<\/p>\n<p>Diese Blockade dauerte zwei Tage und wurde in den folgenden Monaten mehrmals wiederholt. M\u00e4hdrescher und Bauwagen kamen hinzu. Die Menschenmenge vor dem Reaktor schwoll zeitweilig auf 7.000 an und machte in teilweise drastischen Aktionen ihrem \u00c4rger und ihrer Verzweiflung Luft.<\/p>\n<p>Der Kraftwerksdirektor und seine Mannschaft wurden zur Rede gestellt. Tr\u00e4nen flossen, diensthabende Polizisten beugten sich besorgt \u00fcber die Geigerz\u00e4hler und zeigten Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Blockaden. &#8211; Zumindest bis gr\u00f6\u00dfere Kontingente ihrer Kollegen von weit herkamen und wir uns dann zu einem kurzzeitigen taktischen R\u00fcckzug gezwungen sahen. Die Bauern wurden mit einem langen Autokorso zu ihren H\u00f6fen zur\u00fcckeskortiert, damit sie nicht von der ausw\u00e4rtigen Polizei w\u00e4hrend der Fahrt bel\u00e4stigt werden konnten.<\/p>\n<p>Besorgt diskutierten wir dar\u00fcber, ob es nicht zu gef\u00e4hrlich w\u00e4re, direkt neben dem Reaktor zu demonstrieren, und rieten bei Schwangeren und Kindern zur Vorsicht. Aber wir mussten auch mehr werden und unsere Aktionen zuspitzen, um Erfolg zu haben. Nach einer Menschenkette und der Besetzung der VEW-Verwaltungsgeb\u00e4ude fand ein dreit\u00e4giger Treckertreck mitten durchs Ruhrgebiet nach D\u00fcsseldorf statt, um die unt\u00e4tige Landesregierung unter Druck zu setzen. Besonderes Aufsehen erregte die Besetzung des weithin sichtbaren, riesigen THTR-K\u00fchlturms in 180 Meter H\u00f6he \u00fcber mehrere Tage hinweg durch eine Aktionsgruppe aus Herford. Hierdurch in die Schlagzeilen der Bild-Zeitung geraten, erfuhr das Transparent in luftiger H\u00f6he auch die Aufmerksamkeit von Tausenden von LKW-Fahrern, die auf der nahegelegenen Autobahn laut hupend die Kunde vom strahlenden Pleite-Reaktor und dem Widerstand weitertrugen.<\/p>\n<p>Ganze drei Jahre hat es noch gedauert, bis nach zahlreichen weiteren St\u00f6rf\u00e4llen, finanziellen Engp\u00e4ssen der Betreiber und unseren Aktionen dieser Reaktor niedergek\u00e4mpft und 1989 stillgelegt wurde. Danach waren wir sehr ersch\u00f6pft. Blieb f\u00fcr die Folgezeit noch genug Kraft und Wille, sich um die Atomm\u00fclltransporte nach Ahaus, die Reaktorruine und um die Zukunftspl\u00e4ne der Atomindustrie zu k\u00fcmmern? &#8211; Sehr wenig.<\/p>\n<h3>Das Vergessen<\/h3>\n<p>1991 sollte der THTR-K\u00fchlturm gesprengt und damit als &#8222;Wahrzeichen von Hamm&#8220; dem Erdboden gleichgemacht werden. Es sollte der erste Schritt der Betreiber sein, die Erinnerung an den Reaktor langsam verblassen zu lassen. Bald w\u00fcrden im \u00f6ffentlichen Bewusstsein neben dem seit langem arbeitenden Kohlekraftwerk nur noch ein paar \u00e4ltere unbenutzte Geb\u00e4ude des ehemaligen THTRs herumstehen. Die verstrahlten Anlagenteile und die hier lagernden 1,5 kg Plutonium w\u00fcrden kaum noch jemanden interessieren.<\/p>\n<p>Um dem Vergessen vorzubeugen, schlugen wir als B\u00fcrgerinitiative vor, den K\u00fchlturm als Mahnmahl zu nutzen. Es sollte den Menschen noch in Tausenden von Jahren begreiflich machen, dass hier eine gef\u00e4hrliche radioaktive Lagerst\u00e4tte ihr Leben bedroht. Da sich die menschliche Sprache etwa alle 400 Jahre grundlegend ver\u00e4ndert und au\u00dferdem nicht ausgeschlossen werden kann, dass Turbulenzen jegliches Wissen \u00fcber diesen Ort versch\u00fctten k\u00f6nnten, sollte in angemessener Weise durch bestimmte Zusatzkomponenten am K\u00fchlturm vor diesem Ort gewarnt werden. Inspiriert wurden wir zu diesem Vorschlag durch einen Artikel im &#8222;Schwarzen Faden&#8220; aus dem Jahre 1984, der eine Studie der US-Regierung darstellte und hinterfragte, in der man das Problem des Atomm\u00fclls allen Ernstes durch die Etablierung einer atomaren &#8222;Priesterkaste&#8220;, das Aufstellen von furchteinfl\u00f6\u00dfenden Obelisken und der Schaffung gewisser geheimnisvoller Tabuzonen in den Griff bekommen wollte. ((1))<\/p>\n<p>Unser B\u00fcrgerantrag erregte in den Medien als &#8222;Stonehenge-Mahnmal&#8220; Aufsehen, aber gesprengt wurde der K\u00fchlturm trotzdem. Und &#8222;vergessen&#8220; ebenfalls. Nicht erst nach 400 Jahren, sondern schon nach zehn.<\/p>\n<p>Es ist frappierend, wie schnell sich viele Menschen in der Region rund um Hamm schon nach so kurzer Zeit an fast nichts mehr erinnern k\u00f6nnen oder wollen. Fast alle unter Drei\u00dfigj\u00e4hrigen wissen heute noch nicht einmal mehr, dass sich zehn Kilometer von der Hammer Innenstadt entfernt ein Reaktor im &#8222;Stilllegungsbetrieb&#8220; &#8211; so die offizielle Bezeichnung &#8211; befindet. Die Realit\u00e4t ist also noch schlimmer, als wir mit unserem eher ironisch gemeinten K\u00fchlturm-Antrag angenommen hatten. Alle f\u00fcnf Jahre der obligatorische Lokalzeitungsartikel &#8222;Die kritischen Atomw\u00e4chter sind immer noch da&#8220; \u00e4nderte daran nur wenig.<\/p>\n<p>Vor drei Jahren deckten wir auf, dass im Forschungszentrum J\u00fclich weiterhin an der HTR-Linie geforscht wurde und mit deutscher Hilfe ab 2007 ein Hochtemperatur-Reaktor bei Kapstadt in S\u00fcdafrika gebaut werden soll. Die Renaissance dieser Reaktorlinie wurde im Verborgenen so intensiv vorangetrieben, dass ebenfalls in der Europ\u00e4ischen Union, den USA und Asien ein massiver Neubau dieser Reaktorgeneration konkret vorbereitet wird. Die <em>Graswurzelrevolution<\/em> berichtete mehrmals ausf\u00fchrlich dar\u00fcber. ((2))<\/p>\n<p>Seit einem Jahr melden sich beim Verfasser dieser Zeilen vermehrt GymnasiastInnen, die in der Schule ein Referat \u00fcber den THTR halten sollen. Sie besuchen mich und h\u00f6ren mir staunend zu. Brav und wohlerzogen lassen sie ein Pralinensch\u00e4chtelchen da und berichten ihren KlassenkameradInnen und auch ihren LehrerInnen, die zusammen mit mir vor 20 Jahren am Reaktor demonstriert haben.<\/p>\n<h3>Eine Provokation in NRW<\/h3>\n<p>Anfang diesen Jahres setzte sich Christa Toben, neue CDU-Energieministerin in NRW, in mehreren Interviews daf\u00fcr ein, zuk\u00fcnftig auch in der BRD nukleare Wasserstoffproduktion und HTRs zu koppeln. Eine versteckte Subventionierung und Forschung unter dem neutralen Etikett &#8222;Wasserstoffforschung&#8220; fand auf L\u00e4nder-, Bundes- und EU-Ebene schon seit Jahren statt &#8211; trotz Ausstieggeredes.<\/p>\n<p>Der CDU-Oberb\u00fcrgermeister von Hamm lud die Ministerin zum traditionellen Stadtempfang ein. Ausgerechnet in unmittelbarer N\u00e4he des St\u00f6rfallortes sollte Thoben f\u00fcr neue HTRs werben d\u00fcrfen. Eine unglaubliche Provokation. Sollten wir das wie begossene Pudel \u00fcber uns ergehen lassen? &#8211; Immerhin bauten sich nach nur kurzer Vorbereitungszeit 25 DemonstrantInnen mit Atomm\u00fcllfass und Transparenten vor den 400 Honoratioren auf.<\/p>\n<p>Zuvor hatten wir die &#8222;Christlichen Demokraten gegen Atomkraft&#8220; mit Sitz in Mainz zu einem Widerspruch animiert, was in den Karnevalstagen besonders gut in den Medien ankam. Das Echo in Fernsehen, Rundfunk und Zeitungen war hervorragend, die geladenen ausl\u00e4ndischen Gastdelegationen aus Hamms Partnerst\u00e4dten horchten auf, Ministerin und Oberb\u00fcrgermeister waren erstaunt \u00fcber den Widerstand. Einige hatten doch nicht alles vergessen.<\/p>\n<p>Inzwischen hat sich auf internationaler Ebene bei der Atomindustrie viel getan. Die Reaktor-Generation IV, zu der der HTR geh\u00f6rt, steht kurz vor dem internationalen Durchbruch. Die Fakten werden jetzt geschaffen:<\/p>\n<h3>Frankreich<\/h3>\n<p>Bereits im Jahre 2003 wurden nach 15 Jahren Unterbrechung erneut die HTR-Brennelementkugeln von dem Dachkonzern AREVA in Zusammenarbeit mit dem Forschungszentrum Karlsruhe hergestellt. ((3)) Siemens, KWU, Framatome und Cogema geh\u00f6ren dem international agierenden Dachkonzern AREVA an. In der BRD arbeiten bei AREVA rund 6.000 MitarbeiterInnen.<\/p>\n<p>Im Jahre 2020 werden etwa 40 Reaktoren Frankreichs \u00fcberaltert sein, und deswegen wird innerhalb der franz\u00f6sischen Atomindustrie schon seit einigen Jahren sondiert, welche Art von Atomkraftwerken als N\u00e4chstes gebaut werden sollten.<\/p>\n<p>Wichtige Vorentscheidungen sind im Januar 2006 offensichtlich zu Gunsten der HTR-Linie gefallen. Frankreichs Ministerpr\u00e4sident Chirac gab bekannt, dass sein Land bei der Erneuerung seines umfangreichen Reaktorparks die Anlagen der Generation IV bevorzugen wird. Im Jahre 2020 soll ein eigener Prototyp in Betrieb sein. ((4)) Eine enge Zusammenarbeit im Rahmen der EU besteht bereits und soll ausgebaut werden. Insbesondere die Koppelung der nuklearen Wasserstofftechnologie mit der HTR-Linie ist angestrebt, um in 20 Jahren bei Eisenbahnen und \u00f6ffentlichem Nahverkehr vom \u00d6l unabh\u00e4ngig zu sein.<\/p>\n<p>Da AREVA weltweit 30 Prozent der nuklearen Kraftwerkskapazit\u00e4t kontrolliert, wird diese Entscheidung sehr weitreichende internationale Auswirkungen haben.<\/p>\n<h3>USA<\/h3>\n<p>Im letzten Jahr wurde auch mit der Mehrheit der &#8222;oppositionellen&#8220; Demokraten der verst\u00e4rkte Ausbau der Atomenergie und eine Vereinfachung zuk\u00fcnftiger Genehmigungsverfahren beschlossen. Mit 1,2 Milliarden Dollar werden ab 2007 die HTRs der n\u00e4chsten Generation (NGNP) unter Einbeziehung der Wasserstofftechnologie besonders gef\u00f6rdert. Bereits 2005 wurde in dem Forschungszentrum Idaho ein Labor geschaffen, das f\u00fcr die HTR-Forschung in jenem Jahr 410 Millionen Euro an Finanzmitteln erhalten hat. Geplant ist die Inbetriebnahme eines Prototyps des Very High Temperature Reactors (VHTR) im Jahre 2017. ((5))<\/p>\n<p>Vorformen der HTR-Reaktoren waren bereits in den 60er Jahren in den USA in Betrieb. Da diese Reaktorlinie auch milit\u00e4rische Nutzungsformen er\u00f6ffnet, ist das Interesse an ihr hier ungebrochen. Meistbesuchende G\u00e4ste auf der vielfrequentierten Homepage der Hammer B\u00fcrgerinitiative sind US-Regierungsstellen.<\/p>\n<h3>Indien<\/h3>\n<p>Indien hat zwar begrenzte Uranvorkommen, aber gro\u00dfe Thoriumquellen, die f\u00fcr Thorium-Hochtemperaturreaktoren genutzt werden k\u00f6nnen. Bereits seit 1996 ist ein kleiner 30 KW-Versuchsreaktor in der N\u00e4he von Madras in Betrieb, der Thorium als Brennstoff nutzt. Die indische Nuklearindustrie verfolgt ihren &#8222;Thorium-Plan&#8220;, um in Zukunft nicht zu sehr von importiertem Uran abh\u00e4ngig zu sein.<\/p>\n<p>Im Februar 2006 wurde bekannt, dass hier ein schrittweises Konzept f\u00fcr den Ausbau der HTR-Linie entwickelt wurde. ((6)) Der franz\u00f6sische Ministerpr\u00e4sident Chirac unterzeichnete ebenfalls zu diesem Zeitpunkt eine Erkl\u00e4rung, die ein bilaterales Kooperationsabkommen im nuklearen Bereich vorsieht. ((7)) Die eng mit dem Staat kooperierenden franz\u00f6sischen Energiekonzerne sind zur Zeit die ma\u00dfgebliche treibende Kraft bei der Entwicklung der Generation IV-Reaktorsysteme. Die spektakul\u00e4re nukleare Kooperation der USA mit Indien er\u00f6ffnet diesem Land gleich zwei Zug\u00e4nge zur HTR-Technologie.<\/p>\n<h3>China<\/h3>\n<p>Bereits 1978 besuchte der stellvertretende Energieminister Chinas die Baustelle des THTR in Hamm-Uentrop. Richtig in Schwung kam das nukleare HTR-Engagement, als der im Forschungszentrum J\u00fclich zum HTR promovierende Kernphysiker Wang Dazong in den 90er Jahren Pr\u00e4sident der Pekinger Uni wurde.<\/p>\n<p>Ein HTR-Versuchsreaktor ging im Jahre 2000 in Betrieb und entwickelte sich zur Pilgerst\u00e4tte der internationalen Atomgemeinde. China kaufte \u00fcbrigens in den 90er Jahren die Anlagen der stillgelegten HTR-Brennelementefabrik in Hanau, um den nuklearen Brennstoff f\u00fcr diesen Reaktor produzieren zu k\u00f6nnen &#8211; der Skandal blieb damals aus.<\/p>\n<p>Im Jahre 2007 soll auf der Halbinsel Shandong mit dem Bau eines 195 MW THTRs begonnen werden. Dieses Gebiet war mit der heutigen Gro\u00dfstadt Qingdao (damals: Kiautschou) bis 1914 deutscher Kolonialst\u00fctzpunkt.<\/p>\n<p>Von hier aus gingen um 1900 die blutigen Strafexpeditionen des deutschen Kaiserreiches gegen aufst\u00e4ndische Chinesen aus, zu denen Kaiser Wilhelm in seiner ber\u00fcchtigten &#8222;Hunnenrede&#8220; aufgerufen hatte. ((8))<\/p>\n<p>Heute wird \u00fcbrigens immer noch in Qingdao Bier nach deutschem Reinheitsgebot gebraut. Kohl war 1995 hier und im Januar 2006 Bundesau\u00dfenminister Steinmeier anl\u00e4sslich des Deutsch-Chinesischen Umweltforums ebenfalls. Inzwischen ist Shandong selbstverst\u00e4ndlich zur &#8222;\u00f6kologischen Provinz&#8220; erkl\u00e4rt worden, und bei der besagten Veranstaltung wurde eine &#8222;Qingdao-Initiative&#8220; gegr\u00fcndet, die eine intensive Zusammenarbeit bei zu entwickelnden &#8222;innovativen Energiesystemen&#8220; anbahnt. Ein Schelm, der Schlimmes dabei denkt. 2010 soll die THTR-Anlage fertiggestellt sein.<\/p>\n<h3>S\u00fcdkorea<\/h3>\n<p>Genau auf der gegen\u00fcberliegenden Meerseite der chinesischen Halbinsel Shandong, auf der n\u00e4chstes Jahr mit dem Bau des THTR begonnen werden soll, will Korea ebenfalls einen 300 MW HTR errichten. Die chinesische Tsinghua Universit\u00e4t in Peking hatte mit dem koreanischen Nuklearforschungszentrum KAERI bereits im Jahre 2004 eine gemeinsame HTR-Forschungsgesellschaft gebildet. ((9)) Zusammen mit USA, Kanada, Frankreich, Britannien, Japan, Schweiz, Argentinien, Brasilien und der EU hatte S\u00fcdkorea 2005 ein Abkommen \u00fcber die Entwicklung der Generation IV-Reaktoren unterzeichnet. ((10)) Im benachbarten Japan ist bereits seit 2001 ein 30 MW Versuchsreaktor in Betrieb. ((11))<\/p>\n<h3>Langfristig denken, jetzt handeln!<\/h3>\n<p>Weitreichende Entscheidungen f\u00fcr neue Atomkraftwerksgenerationen werden ein bis zwei Jahrzehnte zuvor vorbereitet.<\/p>\n<p>Bei der HTR-Linie ist ein Dreh- und Angelpunkt die BRD, weil hier das Know how entwickelt wurde und wird. Es ist nicht so, dass es keine Ansatzpunkte f\u00fcr eine Intervention gibt. In einem halben Dutzend bundesdeutscher Gro\u00dfst\u00e4dte werden Anlagen f\u00fcr geplante ausl\u00e4ndische HTRs produziert, mehrere Forschungszentren sind intensiv involviert. In allen relevanten Tageszeitungen, die Umweltsch\u00fctzerInnen lesen, wurde dar\u00fcber berichtet. In einigen anderen Bl\u00e4ttern noch dazu. Es gab jedoch keinerlei Bem\u00fchungen, irgendetwas daraufhin zu tun. Offensichtlich wird diese gigantische Neuformierung und Umstrukturierung der Atomindustrie von der Mehrheit der bundesdeutschen Umweltsch\u00fctzerInnen noch nicht wahrgenommen.<\/p>\n<p>Um Einfluss auf die sich anbahnende Entwicklung zu haben, m\u00fcssen wir in der Lage sein, langfristig und strategisch zu denken und zu handeln.<\/p>\n<p>N\u00e4chstes Jahr wird mit dem Bau der HTRs in China und S\u00fcdafrika begonnen. Danach geht es Schlag auf Schlag in atemberaubendem Tempo weiter. \u00dcbern\u00e4chstes Jahr sind die Zeitungen voll mit Berichten von den &#8222;segensreichen&#8220; Vorz\u00fcgen dieser umweltfreundlichen, aufstrebenden neuen Reaktorlinie.<\/p>\n<p>F\u00fcnf oder sieben Jahre sp\u00e4ter werden die meisten Umweltsch\u00fctzerInnen leider erst merken, dass bereits vollendete Tatsachen geschaffen worden sind und man sich nur noch vor die Zufahrt eines laufenden Reaktors stellen kann, weil sie zuvor s\u00e4mtliche Interventionsm\u00f6glichkeiten verpasst hatten!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit einem Mal schien alles, was wir dringend zum Leben ben\u00f6tigten &#8211; Luft, Wasser und Nahrung -, nicht mehr lebensspendend, sondern eher lebensbedrohend. Entsetzen und Angst nahmen mit jedem Tag zu. Woher sollte mensch unbelastete Nahrung herbekommen, und konnte mensch sich \u00fcberhaupt noch aus dem Haus heraustrauen? Mit dem Flugzeug schnell weg, doch wohin? 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