{"id":7423,"date":"2006-04-01T00:00:22","date_gmt":"2006-03-31T22:00:22","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=7423"},"modified":"2022-07-26T14:15:00","modified_gmt":"2022-07-26T12:15:00","slug":"eine-anarchistische-dezentrale-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2006\/04\/eine-anarchistische-dezentrale-2\/","title":{"rendered":"Eine &#8222;anarchistische Dezentrale&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Wolfgang Haug (SF-Red.): Ralf, du hast den <em>ALaden<\/em> in Berlin von Anfang an mitbegleitet. Kannst du uns etwas zu den augenblicklichen Schwierigkeiten des Ladens erz\u00e4hlen? Sind es rein finanzielle Probleme, steckt ein R\u00fcckzug von AktivistInnen dahinter oder \u00e4ndern sich die Bed\u00fcrfnisse der Szene?<\/strong><\/p>\n<p>R@lf: Der <em>A-Laden<\/em> war ja damals 1987\/88 eine Gr\u00fcndung v.a. der AStI (<em>Anarchistische StudentInnen Initiative<\/em>), der <em>Berliner Projekt-A-Gruppe<\/em>, einiger FAUler und Freischwebender und in der Anfangsphase sp\u00e4ter auch RAStlos (<em>Rat Anarchistischer Sch\u00fclerInnen<\/em>). \u00dcber die Jahre sind viele Personen und Gruppen durch den Laden gewandelt, haben zum Projekt beigetragen oder an seiner Substanz genagt. Spezifisch ist aber geblieben, da\u00df \u00fcber 18 Jahre kaum jemand geblieben ist &#8211; der <em>A-Laden<\/em>, wie auch Berlin \u00fcberhaupt, war immer ein Durchgangslager (wie das \u00fcbrigens bei den meisten anderen Projekten hierzulande und anderswo meist auch zu sein scheint). Daher hat sich eigentlich keine, oder sagen wir: erschreckend wenig gewachsene Substanz eines sozialen Umfeldes bilden k\u00f6nnen. Es war immer ein schichtweises Improvisieren von einem Jahr auf das n\u00e4chste (manchmal und besonders heute von Monat zu Monat), ohne da\u00df der &#8222;St@b der Aktiven&#8220; wesentlich gewachsen w\u00e4re. Immer wieder gab es durch Weggang schwer zu verkraftende Aderl\u00e4sse. Im Gegensatz zu &#8222;unseren speziellen Freunden&#8220;, den Burschenschaften, haben sich kaum &#8222;alte Herren&#8220; (und Damen) herausgebildet, die, verdienend im Berufsleben stehend, auch noch zu ihren alten Einstellungen stehen und dem <em>A-Laden<\/em> wenigstens finanziell die Treue hielten.<\/p>\n<p>Das daher st\u00e4ndige Arbeiten &#8222;am Anschlag&#8220;, kurz vor dem Kollaps, hat auch dazu gef\u00fchrt, da\u00df nicht nur die politische Arbeit grenzwertig im Sinne von Potential war, sondern \u00fcber die Jahre auch keine solide Basis der Finanzierung eines permanenten Projektes erfolgen konnte. Mit einem personellen Erstarken von Aktiven und nachhaltigem Umfeld w\u00e4re die Finanzierung eine relative Angelegenheit: 50-100 f\u00f6rdernde Leute k\u00f6nnten die Kosten eines solchen Projektes wie den <em>A-Laden<\/em> problemlos alleine schultern. Ist aber nur eine geringe Anzahl finanzschwacher Aktiver vorhanden und von einem bestenfalls lethargisch zu nennenden wabernden Umfeld umgeben, ergibt sich die Doppelbelastung der Geldbeschaffung und bergeweiser politischer Arbeit. Finanzen und personelle Situation h\u00e4ngen somit fatal zusammen.<\/p>\n<p>Gibt es nur wenige Menschen, die bereit sind politische (Schwer)Arbeit zu leisten und zeitgleich von au\u00dfen noch nicht einmal die mindestm\u00f6gliche Solidarit\u00e4t in Form von G.E.L.D. kommt, sind wir schon im Dilemma. Denn nicht nur die laufenden Kosten m\u00fcssen bezahlt werden, sondern auch die Ausgaben f\u00fcr Aktionen (Flugis, Plakate, B\u00fccher, Medien, Transport, Logistik etc. etc.).<\/p>\n<p>Seit der Gr\u00fcndung arbeiten wir oft mit schrottreifer Technik (Druckmaschinen, PC u.a.m.), die durch schwierige Wartung und Reparaturen zus\u00e4tzlich neue Probleme in Zeit- und Nervenaufwand schaffen und daher anderswo die Power wegnehmen.<\/p>\n<p>Angesichts dieses Hintergrunds sind wir ein Wunder an Effektivit\u00e4t!<\/p>\n<p><strong>Gehen wir auf die urspr\u00fcngliche Funktion des <em>A-Ladens<\/em> ein. Was wollten die BetreiberInnen anfangs mit diesem Projekt erreichen und hat es sich ansatzweise verwirklichen lassen?<\/strong><\/p>\n<p>Nach jahrelanger Odyssee durch FU-Seminarr\u00e4ume, Kneipen, Jugendzentren und Privatwohnungen waren wir es satt, Schl\u00fcsselprobleme, Kneipenl\u00e4rm und -dunst auszuhalten und keinerlei Raum f\u00fcr Archiv, Bibliothek und logistischen Kram zu haben. Durch den st\u00e4ndigen Wechsel unserer Treffpunkte waren wir zudem schlecht ansprechbar und das wollten wir als propagandistisch aktive Gruppe schlie\u00dflich sein.<\/p>\n<p>Also sollte eine &#8222;Anarchistische Dezentrale&#8220; her, die uns in der Szenesuppe klar ausmachbar machte und die m\u00f6glichst st\u00e4ndig besetzt und offen war. Zwar verstanden wir uns auch als &#8222;Infoladen&#8220;, aber mit klar anarchistischen Inhalten und Materialien und explizit nicht als autonomer Gemischtwarenladen mit stalinistischem Sahneh\u00e4ubchen und sonstigem realsozialistischen Studentenfutter. In unserem Etablissement sollte Anarchismus offensiv und in keiner Weise an Deutlichkeit fehlend propagiert werden. Dogmatisches Material sollte gar keinen Platz im Laden haben, ebensowenig wie seine ProtagonistInnen.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich hat sich dieses Konzept generell \u00fcber die Jahre bew\u00e4hrt, wenn wir uns auch mehr Zulauf versprochen hatten &#8211; letzterer verlief bislang in Konjunkturen. Der <em>A-Laden<\/em> hatte dadurch st\u00e4ndig soviel eigenes Profil, da\u00df er in gewissen autonomen Kreisen und nat\u00fcrlich auch bei den sog. &#8222;Antiimps&#8220; auf Vorbehalte bis Ha\u00df stie\u00df. Die absurdeste Behauptung aus dieser Richtung besagte wir seien eine <em>Verfassungsschutzgr\u00fcndung<\/em> &#8230;<\/p>\n<p>Ladenintern versuchten wir immer ein H\u00f6chstma\u00df an Toleranz und Nichtarroganz zu pflegen und hielten auch einige widerspr\u00fcchliche Menschen bis zur Schmerzgrenze aus. Das ersparte uns dogmatische Verh\u00e4rtung und machte uns auf die Dauer auch ein paar Freunde (wenn vielleicht auch wiederum einige Zartbesaitete gefl\u00fcchtet sind).<\/p>\n<p>Auch international wurde der <em>A-Laden<\/em> von den vielen PolittouristInnen Berlins gerne frequentiert &#8211; in der &#8222;Wende&#8220;-Zeit halfen wir trotz unseres eigenen Mangels AnarchistInnen im Osten Europas so gut wir konnten. So wurde der <em>A-Laden<\/em> auch eine zeitlang eine Ost-West-Schnittstelle. Im Westen war diese Kompetenz allerdings wenig gefragt.<\/p>\n<p>Daneben meinten wir, da\u00df es angesagt sei, dort lokal wirksam zu werden wo mensch ist, und so verstanden wir uns gleichzeitig auch als libert\u00e4ren Nachbarschaftsladen und Soziales Zentrum. Das hie\u00df, da\u00df wir basisdemokratisch orientierten Gruppen die M\u00f6glichkeit boten, unsere R\u00e4ume mitzunutzen. Umgesetzt wurde dies durch ein l\u00e4ngeres Gastspiel der <em>B\u00fcrgerinitiative Lehrter Stra\u00dfe <\/em>(unsere Parallelstra\u00dfe am neuen Hbf.), in der sich auch im lokalen Ladenumfeld ans\u00e4ssige Genossen engagierten. Sicher zehn Jahre gab es eine <em>&#8222;A<\/em> <em>FoodCoop<\/em>&#8220; in der nicht nur AnarchistInnen ihr Futter selbst organisierten (vor einiger Zeit leider eingegangen). Allerdings mu\u00df selbstkritisch gesagt werden, da\u00df die nachbarschaftliche Zielsetzung mangels ausreichender personeller Kapazit\u00e4ten und vielleicht auch zu szeneartigem Erscheinungsbild und geringer Offensivit\u00e4t in dieser Richtung nur in bescheidenem Ma\u00dfe erreicht wurde. Dennoch sind wir ein kleiner Faktor im Stadtteil, auf den sich einige Leute selbst beziehen, wenn sie selten oder nie bei uns in persona auftauchen. Sogar etwas kontinuierliche finanzielle Unterst\u00fctzung gibt es aus dieser Richtung.<\/p>\n<p>Wichtig ist in dieser Hinsicht auch noch der Punkt, da\u00df wir damals ganz bewu\u00dft <strong>nicht <\/strong>nach Kreuzberg gegangen sind, weil wir nicht der Xte Szeneladen im Szeneghetto werden wollten, sondern unseren Ansatz breiter sahen. So landeten wir im als abseitig angesehenen, proletarisch und durch Migration gepr\u00e4gten Moabit (Tiergarten) bei Polizei, Knast und Berliner Mauer. Dabei sind wir nur drei U-Stationen vom bekannten Bahnhof Zoo entfernt. Und jetzt sitzen wir mitten drin in der &#8222;Hauptstadt&#8220;, gleich am Regierungsviertel und neuen Hauptbahnhof: zeig mal mit dem Finger auf Berlins Mitte und auf dem Plan unter deiner Fingerkuppe findet sich die Rathenower Stra\u00dfe &#8230;<\/p>\n<p><strong>Kannst du unseren LeserInnen etwas \u00fcber die highlights in der Geschichte des <em>A-Ladens<\/em> erz\u00e4hlen? Zu welchem Zeitpunkt und bei welchen politischen Kampagnen hatte der <em>A-Laden<\/em> eine politische Bedeutung, die \u00fcber die Anarchoszene hinauswies?<\/strong><\/p>\n<p>Highlight der <em>A-Laden<\/em>-Geschichte waren sicher die zweimaligen, von uns angesto\u00dfenen und im wesentlichen durchgef\u00fchrten &#8222;<em>Schwarze(n) Tage<\/em>&#8220; in der Anfangsphase. Dutzende von Veranstaltungen, verdichtet auf einen kurzen Zeitraum um den 1. Mai, und die damit verbundene publizistische Arbeit (Plakate, Flugis, Terminvorank\u00fcndigungen) setzten einen un\u00fcbersehbaren Spot auf anarchistische Inhalte und hoben die vorhandenen A-Locations aus der Anonymit\u00e4t. Flankierend verteilten wir je 15.000 und 20.000 Sonderzeitungen &#8222;<em>Maischrei<\/em>&#8222;, die mit gro\u00dfem Interesse genommen und gelesen wurden. Gleichzeitig beteiligten wir uns an der Organisation der &#8222;<em>Revolution\u00e4ren Maidemo<\/em>&#8222;, was von unserer Seite jedoch in den folgenden Jahren wegen des immer mehr verfehlten krawallanten Ritus-Charakters der Veranstaltung eingestellt wurde.<\/p>\n<p>Einige Jahre in der Nachwendezeit organisierten wir zusammen mit dem Initiator &#8222;<em>El Locco<\/em>&#8222;, einem vor ein paar Jahren geschlossenen Kreuzberger A-Caf\u00e9, den &#8222;<em>Libert\u00e4ren Jahrmarkt<\/em>&#8220; zwischen Sch\u00f6nhauser Allee und Kollwitzplatz, jeweils \u00fcber ein Wochenende mit einiger \u00d6ffentlichkeitsaufmerksamkeit und buntem Programm.<\/p>\n<p>Es f\u00e4llt mir schwer, chronologisch zu bleiben, denn 18 Jahre Pr\u00e4senz in Berlin, einer Stadt in der st\u00e4ndig etwas l\u00e4uft, an dem st\u00e4ndig GenossInnen aus unserem Umfeld teilnehmen, lassen sich schwer auf ein paar Highlights subsumieren.<\/p>\n<p>Unsere Initiativen gegen den Hauptstadtwahn: den &#8222;<em>Hauptwahnhof<\/em>&#8220; und die &#8222;<em>Teergartentunnel<\/em>&#8220; waren zwar letztendlich nicht erfolgreich, aber das war absehbar. Wichtig war uns der damit einhergehende Bewu\u00dftseinsproze\u00df von Widerst\u00e4ndigkeit f\u00fcr als richtig empfundene Anliegen.<\/p>\n<p>Widerst\u00e4ndigkeit haben wir auch gef\u00f6rdert, indem wir die <em>B\u00fcrgerinitiative FREIe HEIDe<\/em> gegen das Bombodrom bei Wittstock-Rheinsberg-Neuruppin (BW-Out-of-Area-Trainingsgel\u00e4nde) unterst\u00fctzten. Mit unserer logistischen und ideellen Hilfe gab es dort (mehrfach) den gr\u00f6\u00dften Ostermarsch D-Lands.<\/p>\n<p>Auch unser &#8222;klammheimlicher Einflu\u00df&#8220; auf die Nachbarschaft in Moabit mag zu diesem oder jenen vorzeigbaren Resultat gef\u00fchrt haben. Dabei verhalten wir uns durchaus realpolitisch.<\/p>\n<p>Schade ist, da\u00df aus dem starken Engagement von <em>A-Laden<\/em>-Menschen im &#8222;<em>Projekt A<\/em>&#8220; und im in Berlin selbst anvisierten, verwandten &#8222;<em>Projekt B<\/em>&#8220; keine gro\u00dfen und dauerhaften Projekte libert\u00e4rer Pr\u00e4gung entstanden sind (bis auf ein paar halbwegs akzeptable &#8222;Bewegungsruinen&#8220;). Sogar ein spezielles &#8222;<em>Projekt O(st)<\/em>&#8220; gab&#8217;s, das letztendlich seine Geburt verschlafen hat.<\/p>\n<p>Lassen wir&#8217;s vielleicht hierbei einmal bewenden, wenn ich auch noch auf unser TERMIN@TOR hinweisen m\u00f6chte: die Auflistung aller uns bekannt werdenden libert\u00e4ren Berlin-Termine im WWW und manchmal nur (mangels Geld) als Printausgabe mit inhaltlichem Artikel und vollst\u00e4ndiger Berliner @dressenliste. Dieses Unternehmen basiert auf dem von uns vor einigen Jahren initiierten P.L.E.Bs. (<em>Plenum Libert\u00e4rer Elemente BerlinS<\/em>), das aber aus Szeneschlafm\u00fctzigkeit nicht zu einem echten Plenum geraten will (im Moment versuchen sich daneben Leute an der Gr\u00fcndung einer Anarchistischen F\u00f6deration Berlins). Immerhin wurde \u00fcber P.L.E.B.s als Forum wiederholt das <em>A-Camp<\/em> organisiert (wie vom <em>A-Laden<\/em> aus schon ein Vorg\u00e4ngercamp bei Potsdam organisiert wurde).<\/p>\n<p><em>A-Laden<\/em> und T. gibt&#8217;s im Wwweb unter <a href=\"http:\/\/www.a-laden.org\">www.a-laden.org<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.terminator-berlin.tk\">www.terminator-berlin.tk<\/a> verlinkt nat\u00fcrlich.<\/p>\n<p><strong>Gab es interne Konflikte, politische Zerw\u00fcrfnisse, die den <em>A-Laden<\/em> spalteten oder zum Ausscheiden gr\u00f6\u00dferer Gruppen f\u00fchrten? Wenn ja, an welchen Themen haben sich diese Konflikte entz\u00fcndet und wie liefen sie ab?<\/strong><\/p>\n<p>Regelrechte Spaltungen gab es nicht. Wir bem\u00fchen uns im <em>A-Laden<\/em> um eine Atmosph\u00e4re der Toleranz. Eher gab es ein Abwandern von Personen und Gruppen. Einige <em>RAStlos<\/em>-Leute haben sich z.B. an der Gr\u00fcndung des libert\u00e4r gelagerten <em>Infoladens OMEGA<\/em> (elektrisch: Widerstand) im benachbarten Wedding beteiligt und gingen dem <em>A-Laden<\/em> damit verloren. Allerdings haben sie \u00fcber etliche Jahre dort eine gute Arbeit gemacht und sogar ein libert\u00e4res Kneipenkollektiv mitgegr\u00fcndet. Die Kneipe, OMEGA und dessen pionierhafte Wwweb-Existenz sind nun auch schon l\u00e4nger Geschichte.<\/p>\n<p>Die FAU hat den <em>A-Laden<\/em> nach Jahren verlassen, weil sie mit einem eigenen &#8222;B\u00fcro&#8220; mehr eigenes Profil zeigen wollte. Die Zusammenarbeit geht allerdings weiter, da einige <em>A-Laden<\/em>-Leute gleichzeitig FAU-Mitglieder sind.<\/p>\n<p>Diverse <em>GRASWURZEL-Gruppen<\/em> hatten den <em>A-Laden<\/em> als Domizil, sind aber immer wieder eingegangen, genauso wie ein paar libert\u00e4re Friedensgruppen.<\/p>\n<p>Eine r\u00e4tekommunistische Gruppe f\u00fchlte sich letztendlich bei uns nicht mehr zu Hause und ging ihrer Wege. Schade eigentlich, obwohl, anstrengend war&#8217;s mit denen teils schon. Gerade haben uns die B.O.N.E.s verlassen, weil sie einen f\u00fcr sie bequemeren Treffpunkt suchten &#8211; jetzt in der OUBS.<\/p>\n<p>Der einige Zeit im <em>A-Laden<\/em> angesiedelte <em>Vegan-Laden<\/em> heterogener Zusammensetzung (As und Nicht-As) machte sich 2002 in Kreuzberg kommerziell selbstst\u00e4ndig und ging uns inhaltlich und als MieterIn verloren (seither gro\u00dfes Kassenloch!).<\/p>\n<p>Sch\u00fclerInnen kamen und gingen (auseinander), wie nach ihrem Abi die <em>AschuKis<\/em> (Anarchistische Schulkinder) und deren Vorl\u00e4ufer &#8222;<em>Kadimadi<\/em>&#8222;, die einige Jahre bei uns im Laden waren. Jetzt sind se Studies sonstwo oder machen Lehre. Der nat\u00fcrliche Lauf von &#8222;Sch\u00fcli&#8220;-Gruppen &#8230;<\/p>\n<p>Sprengstoff brachte vor vielen Jahren eine bundesweit wahrgenommene Spitzelaffaire in den <em>A-Laden<\/em>, die wir aber souver\u00e4n \u00fcberstanden, weil wir uns von so was nicht irre machen lassen (Wo k\u00e4m\u00b4wa hin?!). Hier ist Ruhe die erste revolution\u00e4re Pflicht. Aber von au\u00dfen versuchte mensch uns deswegen nachhaltig zu schaden.<\/p>\n<p>Dies auch, als ein ziemlich wirrer Mensch, der sich jahrelang mehr oder weniger unauff\u00e4llig in der Berliner A-Szene bewegte, zeitweilig im Mahler-Umfeld zu finden war (er flog konsequenterweise bei uns nach offener Kl\u00e4rung und Erkl\u00e4rung raus und hat sich mittlerweile von seinen Rechtsausfl\u00fcgen distanziert, ohne wieder bei uns aufgenommen zu werden.)<\/p>\n<p>Attacken gab es auch von vorgeblichen AntiFas, die den <em>A-Laden<\/em> als nationalistische Brutst\u00e4tte ausgemacht zu haben glaubten und mit Anschl\u00e4gen drohten. Sprengstoffdrohungen von Nazi-Seite der sog. Anti-AntiFa, die in uns ein antifaschistisches Nest sehen, konkurrierten damit. Klar, sind wir ja auch &#8211; von der Beteiligung an AntiFa-Fahrwachen \u00fcber das &#8222;harbouring&#8220; des <em>Antifaschistische(n) Infotelefon(s)<\/em> u.a.m. haben wir einiges auf dem &#8222;Kerbholz&#8220;. Nazis verpi\u00dft euch &#8211; keiner vermi\u00dft euch!<\/p>\n<p><strong>Wo siehst du heute die Bedeutung des <em>A-Ladens<\/em>, oder anders gefragt, warum muss der <em>A-Laden<\/em> unbedingt gerettet werden?<\/strong><\/p>\n<p>Der <em>A-Laden<\/em> hat genau die Bedeutung, die die in ihm aktiven Leute ihm geben. Ansonsten ist er ein leeres Geh\u00e4use, durch das die Geschichte geistert und nicht der Geist der Freiheit.<\/p>\n<p>Seit geraumer Zeit haben wir in Berlin sozusagen jeden Monat &#8222;Schwarze Tage&#8220;, denn es gab noch nie, so weit ich das seit 1980 erinnere, eine solche Dichte an explizit libert\u00e4ren Veranstaltungen in dieser Stadt. Hieran ist der <em>A-Laden<\/em> nicht ganz &#8222;unschuldig&#8220;.<\/p>\n<p>Seit 18 Jahren ist er ein &#8222;international&#8220; bekanntes Markenzeichen und gelegentlich Anlaufpunkt von Menschen aus aller Welt. So weit wir das \u00f6konomisch k\u00f6nnen, halten wir auch entsprechende Literatur und Medien vorr\u00e4tig. Der <em>A-Laden<\/em> ist die &#8222;St\u00e4ndige Vertretung&#8220; der Anarchie gegen\u00fcber der gro\u00dfm\u00e4chtelnden Staatlichkeit.<\/p>\n<p>F\u00fcr einige Leute im Kiez ist der <em>A-Laden<\/em> in seiner einfachen Existenz ein psychologisches R\u00fcckgrat.<\/p>\n<p>Neben der &#8222;<em>Bibliothek der Freien<\/em>&#8220; mit ihrem halben untergemieteten Raum im &#8222;<em>Haus der Demokratie<\/em>&#8222;, dem FAU-B\u00fcro in Prenzlberg (das sich in Teilen dem Vernehmen nach eher syndikalistisch als anarchistisch versteht), und dem A-Caf\u00e9 in der K\u00f8pi ist der <em>A-Laden<\/em> der einzige noch explizit anarchistische Raum in der gr\u00f6\u00dften Stadt D-Landsspannendsten. Viele Projekte Berlins sympathisieren zwar mit anarchistischen Ideen, vertreten sie aber nur unter anderem. In einer Stadt mit mehreren Millionen Menschen ist ein Projekt wie der <em>A-Laden<\/em> daher geradezu unverzichtbar.<\/p>\n<p>Der <em>A-Laden<\/em> mu\u00df in seiner Substanz gest\u00e4rkt werden, indem die finanziellen Sorgen m\u00f6glichst beseitigt, mindestens aber stark relativiert werden und damit zweitens die wenigen \u00fcberlasteten Menschen sich mehr darum k\u00fcmmern k\u00f6nnen, mehr aktive GenossInnen durch verst\u00e4rkte anarchistische Propaganda zu gewinnen. Wir alle zusammen wollen die libert\u00e4ren Ideen relevant voranbringen und zeitgem\u00e4\u00dfe L\u00f6sungen, auf die alle Welt wartet, finden helfen und propagieren. Das kann aber nur gelingen, wenn Einsicht Platz greift, da\u00df ein solches Projekt und die in ihm aktiven Menschen mehr Unterst\u00fctzung in materieller Form und in erster Person bed\u00fcrfen und verdienen.<\/p>\n<p><strong>Pers\u00f6nlich hast du dich ja auch in ganz anderen Projekten bis an deine gesundheitlichen Grenzen verausgabt, sei es der <em>Schwarzrote-(Kain)-<\/em>KALENDA, der <em>Schwarzrotbuch Verlag<\/em>, anarchistische Organisationsans\u00e4tze oder auch die e-mail-anarchonews Verteilerarbeit unter [LPA]: <em>Libertarian Press Agency<\/em> &#8211; hingen diese Projekte mit dem <em>A-Laden<\/em> zusammen oder &#8222;nur&#8220; mit deiner Person?<\/strong><\/p>\n<p>Der <em>schwarzrote<\/em> KALENDA war eigentlich als kollektives Projekt angelegt. In jeder Ausgabe stand ein Aufruf hierzu und ich sah mich &#8222;nur&#8220; als Koordinator der Beitr\u00e4ge. Leider ist dieses Konzept in den 18 Jahren seines Erscheinens (bis 2000) kaum aufgegangen. Als &#8222;kleinstes Kollektiv&#8220; der Republik habe ich den L\u00f6wenanteil der Arbeit alleine tun m\u00fcssen. Das schafft auch einen Herkules auf die Dauer. Dennoch haben in diesen fast zwei Jahrzehnten immer einige wenige Getreue mitgeholfen, manche punktuell, manche \u00fcber Jahre hin. Ein paar davon kamen auch ab 1988 aus dem <em>A-Laden<\/em> wie z.B. Sylvester Kaben, der zusammen mit Raissa 1997\/98, als ich meine Bypass-OP hatte, sogar einen ganzen KALENDA unter meiner Restmitwirkung weitgehend gestaltet hat.<\/p>\n<p>Die anarchistischen Organisationsans\u00e4tze wie z.B. <em>PulverFASS<\/em> (F\u00f6deration Anarchistischer Sch\u00fclerInnen und StudentInnen), <em>Projekt B<\/em>, <em>AKo Berlin<\/em> (Anarchistische Koordination), PLEBs und andere mehr sind immer kollektiv aus dem <em>A-Laden<\/em> getragen worden. Sicher habe ich das eine oder andere inspiriert, aber Einzeltrips w\u00e4ren genauso unsinnig wie unm\u00f6glich gewesen.<\/p>\n<p>Was <em>LPA<\/em> betrifft tr\u00e4ume ich noch immer von einer tats\u00e4chlich funktionierenden Kollektivit\u00e4t, die zu einer wirklichen und notwendigen anarchistischen Presseagentur plus Medienzentrum f\u00fchrt (schlie\u00dflich bin ich ja aufgrund lebenslanger publizistischer Arbeit und Unistudium &#8222;vom Fach&#8220;). Zwar gibt es von wenigen Menschen u.a. aus dem <em>A-Laden<\/em> eine gewisse Zuarbeit, aber wenn ich bei meiner &#8222;Vorarbeit&#8220;, die durchaus Erfolge aufzuweisen hat, zur\u00fcckblicke, blicke ich zumeist auf leere R\u00e4nge, die leeren Versprechungen folgten. Dabei w\u00e4re ein anarchistisches Medienzentrum, das ich mir durchaus im <em>A-Laden<\/em> angesiedelt vorstellen k\u00f6nnte, eine brennende Notwendigkeit im (Mis)Informationszeitalter.<\/p>\n<p><strong>Wie w\u00e4hlst du aus, was als Anarcho-news in <em>LPA<\/em> weiterverbreitet wird und wie stark ist dieser Multiplikator, wie viele eMail-Adressen erreichst du damit?<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00dcbermittelst du alle Nachrichten, die dir angeboten werden oder w\u00e4hlst du aus? Und wenn letzteres, nach welchen Kriterien w\u00e4hlst du aus?<\/strong><\/p>\n<p>Journalistische Sorgfalt ist f\u00fcr mich erstes Gebot. Zun\u00e4chst pr\u00fcfe ich die Informationen auf Plausibilit\u00e4t und Quelle. Notfalls recherchiere ich nach. Dann erfolgen \u00dcberlegungen betreffs Wichtigkeit und Zielgruppen. Manche Nachrichten bed\u00fcrfen der zus\u00e4tzlichen Kommentierung oder leider auch oft genug der Redigierung auf Rechtschreib- und \u00dcbersetzungsfehler sowie Layout. Zunehmend viel Arbeit machen falsche Formate, die erst zur Weiterversendung umformatiert werden m\u00fcssen, teils in m\u00fchsamster Hand- und Kopfarbeit (ich hasse unn\u00f6tig versandten HTML-Schei\u00df und bescheuerte Datei-Anh\u00e4nge, die besser erst bei wirklichem Bedarf aus dem www heruntergeladen w\u00fcrden!).<\/p>\n<p>Keine Nachricht geht ungepr\u00fcft raus.<\/p>\n<p>Ausgewertet werden mehrere mailing-lists auf die <em>LPA<\/em> abboniert ist, sowie news die privat oder organisiert direkt an <em>LPA<\/em> geschickt werden.<\/p>\n<p>In besonderen F\u00e4llen verbreitet <em>LPA<\/em> eigene Artikel (von mir selbst oder freien MitarbeiterInnen). Zunehmend schreiben wir auch Rezensionen. Ab und zu, soweit dazu die Zeit reicht, gibt es Tips z.B. betr. Radio- oder Fernsehsendungen von libert\u00e4rem Interesse.<\/p>\n<p>Durch totale \u00dcberarbeitung kann auch schonmal was unter den Tisch fallen, aus den Augen geraten, was eigentlich versandt werden sollte.<\/p>\n<p>Die Technik (Hard- und Software) ist unzureichend und mu\u00df dringend optimiert werden. Das kostet aber zus\u00e4tzlich Zeit, Geld und Arbeit und liegt daher immer auf der langen Bank.<\/p>\n<p>Spam und (z.T. anscheinend gezielter) Virenbeschu\u00df von <em>LPA<\/em> verursachen unn\u00f6tigen Zeitaufwand der auf Kosten der news geht.<\/p>\n<p>Eine genaue Reichweite von <em>LPA<\/em> kann ich nicht angeben, da es neben den privaten Verteilern und den Verteilern an A-Medien (auch websites) auch Spezialverteiler sowie Verteiler an Linke Medien und b\u00fcrgerliche Mainstreammedien gibt. Hinzu kommt der globale Bereich. Aus sporadischen Einblicken heraus ist die potentielle RezipientInnenschaft (m\u00f6gliche Empf\u00e4ngerInnen\/LeserInnen) mit vermutlichen mehr als 100.000 anzugeben, m\u00f6glicherweise aber sogar h\u00f6her. Alleine die Websites <a href=\"http:\/\/www.anarchie.de\">anarchie.de<\/a> und <a href=\"http:\/\/a-infos.ca\">a-infos.ca<\/a> haben ja zehntausende BesucherInnen und hunderttausende Zugriffeim Monat. Wieviele dann wirklich etwas lesen bleibt Spekulation. Das Feedback ist d\u00fcnn. Durch das Internet ist jedenfalls die Reichweite libert\u00e4rer Inhalte exponentiell gewachsen, was sich u.a. darin ausdr\u00fcckt, da\u00df mittlerweile in L\u00e4ndern in denen bisher keine nachweislichen anarchistischen Aktivit\u00e4ten festzustellen waren, neue anarchistische Bewegungen existieren oder offenbar im (Wieder)Entstehen begriffen sind.<\/p>\n<p><strong>Zur\u00fcck nach Berlin. Kannst du eine Einsch\u00e4tzung der Anarcho-Szene in Berlin geben? Jahrelang sind bundesweit Anarchas und Anarchos nach Berlin umgezogen, sei es wegen der Wehrdienstverweigerung, den H\u00e4userk\u00e4mpfen, der Rolle von Kreuzberg, sei es wegen kulturellen und selbstorganisierten Projekten, sei es wegen einer guten Infrastruktur der Szene zu der Stadtteilarbeit, Knastarbeit genauso geh\u00f6rte wie die N\u00e4he zu den Autonomen, z.B. \u00fcber die <em>Radikal<\/em> oder die <em>Interim<\/em>. Wie sieht das heute aus? Wie stark ist die ASzene noch in Berlin?<\/strong><\/p>\n<p>In den 80er Jahren war ich mir sicher, da\u00df es in Berlin Tausende libert\u00e4r inspirierter Menschen gab, die sich im engeren Sinn als AnarchistInnen sahen. Das war schon an den Verkaufszahlen des KALENDA sichtbar: alleine die Buchl\u00e4den &#8222;<em>Schwarze Risse<\/em>&#8222;, &#8222;<em>O21<\/em>&#8220; und der Infoladen &#8222;<em>M99<\/em>&#8220; verkauften zeitweilig jeweils (!) 500 KALENDAs und mehr. Und das waren, neben Handverk\u00e4uferInnen, nicht die einzigen Verkaufsstellen in der Stadt. Nat\u00fcrlich waren die K\u00e4uferInnen nicht alle AnarchistInnen, aber zumindest irgendwie Sympathisierende.<\/p>\n<p>Mitte der 90er Jahre begann ich dar\u00fcber zu sinnieren, wie viele Leute sich wohl jetzt noch, in einer Phase des allgemeinen linken Niedergangs, hier zu den AnarchistInnen z\u00e4hlen mochten. Der Umgang damit war auch meist weniger plakativ. Und da wo er plakativ war, fragte man sich, wieviel Substanz da letztendlich noch hinter stecken mochte. Die Verkaufszahlen f\u00fcr den KALENDA gingen jedenfalls tief in den Keller, auch wegen fremdverschuldeter und dann ab 1995 krankheitsbedingter Produktionsversp\u00e4tungen. Der <em>A-Laden<\/em> d\u00fcmpelte ebenfalls vor sich hin.<\/p>\n<p>Heute haben wir eine erfreulich aktive A-Szene in Berlin mit mehreren Projekten, sympathisierenden Infol\u00e4den und Jugendzentren und Asten (AStA TU machte sogar wiederholt einen libert\u00e4r tendierenden Studie-Kalender) und dreimal das gr\u00f6\u00dfte A-Fest der Republik, das sehr lebendige und farbige <em>Erich-M\u00fchsam-Fest<\/em>, das 2004 in Friedrichshain im Szene-Hype &#8222;<em>RAW-Tempel<\/em>&#8220; (ReichsbahnAusbesserungsWerk) gleich drei volle Tage lange statt(!)fand. Trotz wirklich sehenswerter Acts wurde es leider nicht angemessen beachtet (2005 fand es nicht statt, 2006 fraglich). Da\u00df zu solch einem gro\u00dfen Fest eine lebendige libert\u00e4re Kulturszene geh\u00f6ren mu\u00df, versteht sich von selbst. Schon lange habe ich nicht mehr so viele unter 20j\u00e4hrige mit A-Insignien herumlaufen sehen wie z.B. auf dem j\u00e4hrlich stattfindenden &#8222;<em>Kulturschock Hellersdorf<\/em>&#8220; einem gro\u00dfen linksradikalen Fest im tiefsten Osten Berlins, dort wo er mit am braunsten ist.<\/p>\n<p>Nun kann mensch sich fragen, wie aussagekr\u00e4ftig irgendwelche A-Logos auf Punkerjacken oder sonstigen Klamotten sind, zumal die dementsprechende Industrie das A im Kreis zunehmend zur Vermarktung entdeckt. Ist das wiedermal ein Logo das aufgetragen wird bis zum n\u00e4chsten Hype? M\u00f6glich. Aber: zumindest ein paar dieser jungen Leute kaufen neben dem Bier von der Abf\u00fclltheke auch anarchistische Infos und B\u00fccher an unserem Stand. Das l\u00e4\u00dft hoffen. Zudem haben wir von eben solchen jungen Leuten st\u00e4ndig Anfragen f\u00fcr anarchistische Vortr\u00e4ge (siehe demn\u00e4chst auch die im Aufbau befindliche ReferentInnen-Liste auf dem bevorstehenden relaunch der <em>A-Laden<\/em> site!).<\/p>\n<p>Ideen haben wir weitaus mehr als wir Mittel und Leute haben und umsetzen k\u00f6nnen. Es ist hohe Zeit f\u00fcr mehr Hilfe und mehr H\u00e4nde!<\/p>\n<p><strong>Und zur\u00fcck zum <em>A-Laden<\/em>. Welche Schritte kannst du vorschlagen, um den <em>A-Laden<\/em> zu retten? Welche konkreten \u00dcberlegungen gibt es? Was kann und was sollte seine Funktion in den n\u00e4chsten Jahren sein? Gibt es neue Pl\u00e4ne?<\/strong><\/p>\n<p>Die neuen Pl\u00e4ne sind die alten. Modernisiert. Mehr Medienarbeit, mehr Vortr\u00e4ge, mehr Pr\u00e4senz in der Gesellschaft. Schaffung eines gemeinsamen sozialen Umfeldes, eines libert\u00e4ren Lebensraumes. Vielleicht ein Umzug in besser geeignete R\u00e4umlichkeiten (Kraftakt!), die Mieten sind grad g\u00fcnstig. Der <em>A-Laden<\/em> in der Metropolis als inspirierendes Sprachrohr der Anarchie, als Keim f\u00fcr Besseres. Der <em>A-Laden<\/em> als Treffpunkt, als Forum, als VermittlerIn und AnsprechpartnerIn, als Infopool und etwas auch als Kommunewohnzimmer.<\/p>\n<p>Das A und O ist die Entsorgung des st\u00e4ndigen Finanzdesasters. Wir brauchen definitiv jeden Monat 500 EUroh f\u00fcr die (dauer)laufenden Kosten des <em>A-Ladens<\/em> als da sind: Miete, Strom, Gas, Versicherungen, Telefon\/www, Verbrauchsmaterial. Das ist aber nur der Sockel.<\/p>\n<p>Wollen wir sinnvolle politische Arbeit machen, den <em>A-Laden<\/em> optisch attraktiver machen, indem wir ihn besser ausstatten und renovieren, wollen wir mit besserer Technik die Arbeitseffektivit\u00e4t erh\u00f6hen und auch damit Leuten einen Anreiz bieten einzusteigen, dann brauchen wir einige hundert EUroh zus\u00e4tzlich jeden Monat.<\/p>\n<p>Unbedingt m\u00fc\u00dften mehr Propagandamaterialien wie Flugis, Plakate und Brosch\u00fcren sowie CDs\/DVDs hergestellt werden um damit offensiv nach au\u00dfen wirken und Leuten notwendige Materialien an die Hand geben zu k\u00f6nnen. Denn Anarchismus ist immer noch ein blinder Fleck im Wissen der allermeisten Menschen.<\/p>\n<p>Die einfachste Form der Unterst\u00fctzung, die jedeR in verschieden gro\u00dfem Ma\u00dfe leisten kann, ist G.E.L.D.. Selbst wenn gen\u00fcgend Mittel vorhanden sind, arbeiten wir im <em>A-Laden<\/em> uns alle halb tot. Aber mit ausreichenden Mitteln kann vieles kompensiert werden.<\/p>\n<p>Beispiel: Da wir unsere schrottreifen Druckmaschinen verschrotten mu\u00dften, haben wir schon lange keine eigene Druckerei mehr. Wollen wir etwas drucken, fehlt Geld. Die billigste M\u00f6glichkeit in Berlin wei\u00dfes Papier partiell einzuschw\u00e4rzen ist eine Bewegungsdruckerei, in der mensch mithelfen mu\u00df, um Geld zu sparen. Drucken wir beispielsweise ein TERMIN@TOR, m\u00fcssen bis zu vier Leute mithelfen, die ohnehin schon bis \u00fcber die Ohren besch\u00e4ftigt sind. Wunderbar w\u00e4re es, einfach in eine preisg\u00fcnstige Druckerei zu gehen und den Auftrag zu erteilen. Dann bliebe Zeit und Power f\u00fcr andere, vielleicht wichtigere Dinge \u00fcbrig (oder ein wenig Erholung).<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich und endlich sollen Menschen, die sich f\u00fcr AnarchistInnen halten, auch die n\u00f6tigen Schritte unternehmen, die ihrem ungeheuren weltrevolution\u00e4ren Anspruch entsprechen: sich engagieren. Sonst ist alles Blabla und Wichtigtuerei, Attit\u00fcde und geredetes Blech.<\/p>\n<p>Viele haben tats\u00e4chlich so viel um die Ohren, da\u00df sie keine Kapazit\u00e4t mehr \u00fcbrig haben. Gut. F\u00fcr die gilt Punkt 1: G.E.L.D. &#8211; macht uns die Arbeit einfacher! Oder besser: \u00fcberhaupt m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Alle anderen sind gefordert <strong>selbst <\/strong>Hand anzulegen und mit uns zusammen den Kopf anzustrengen, wie es, gerade jetzt wo auch andere Projekte schw\u00e4cheln, weitergeht und ein reales St\u00fcck anarchistischer Lebenswelt nachhaltig errichtet werden kann. VOR: DER? REVOLUTION! <strong>Das<\/strong> ist n\u00e4mlich revolution\u00e4r.<\/p>\n<p>Fr\u00fcher haben uns die Pfaffen auf den Himmel und das Paradies (wenn wir brav und gehorsam waren!) vertr\u00f6stet. &#8222;<em>You\u00b4ll get pie in the sky when you die &#8230;<\/em>&#8220;<\/p>\n<p>Aber es geht nach wie vor darum, wie schon Heinrich Heine sagte, das Himmelreich auf Erden zu errichten, und sei es nur ein St\u00fcckchen davon in einer &#8222;Tempor\u00e4ren Autonomen Zone&#8220;. JedeR hat Anspruch auf ein St\u00fcck pers\u00f6nliches Gl\u00fcck. Und w\u00e4re es nicht ein Gl\u00fcck, wenn wir es schafften, uns ein wenig Raum f\u00fcr gel(i)ebte Anarchie zu erobern?! Her mit dem Kuchen! Machen wir uns Appetit auf mehr und st\u00e4rken uns daran und dann holen wir uns DIE GANZE B\u00c4CKEREI !<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wolfgang Haug (SF-Red.): Ralf, du hast den ALaden in Berlin von Anfang an mitbegleitet. 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