{"id":7522,"date":"2006-06-01T00:00:16","date_gmt":"2006-05-31T22:00:16","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=7522"},"modified":"2022-07-26T14:14:59","modified_gmt":"2022-07-26T12:14:59","slug":"70-jahre-soziale-revolution-in-spanien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2006\/06\/70-jahre-soziale-revolution-in-spanien\/","title":{"rendered":"70 Jahre Soziale Revolution in Spanien"},"content":{"rendered":"<p>Am 19. Juli 2006 j\u00e4hrt sich zum 70. Mal der Beginn der Spanischen Revolution. Wir besch\u00e4ftigen uns in dieser und in der im Juli erscheinenden Graswurzelrevolution Nr. 311 intensiv und kritisch mit diesem Thema, das f\u00fcr die anarchistischen Bewegungen weltweit von gro\u00dfer Bedeutung war und ist. Aufgrund ihrer Radikalit\u00e4t und ihres hohen Grades an Freiwilligkeit gilt diese Soziale Revolution Libert\u00e4ren in aller Welt als ein Beispiel f\u00fcr die Realisierbarkeit anarchistischer Ideen.<\/p>\n<p>Obwohl es zahlreiche B\u00fccher zum Spanischen B\u00fcrgerkrieg und, vor allem in kleinen, libert\u00e4ren Verlagen, auch zur Spanischen Revolution gibt, ist der &#8222;Kurze Sommer der Anarchie&#8220; bis heute ein Ereignis, das in Schulb\u00fcchern und g\u00e4ngigen Geschichtswerken kaum auftaucht. Dabei geh\u00f6rt die Soziale Revolution in der ersten Phase des Spanischen B\u00fcrgerkrieges zu den umfangreichsten gesellschaftlichen Umw\u00e4lzungen des 20. Jahrhunderts.<\/p>\n<p>Franz Borkenau, ein Augenzeuge, beschrieb seine Eindr\u00fccke wie folgt:<\/p>\n<p>&#8222;Und dann, als wir um die Ecke in die Ramblas (die Hauptverkehrsadern Barcelonas) einbogen, kam eine gewaltige \u00dcberraschung: schlagartig breitete sich die Revolution vor unseren Augen aus. Es war \u00fcberw\u00e4ltigend. Es war, als w\u00e4ren wir auf einem Kontinent gelandet, der sich von allem unterschied, was ich bisher gesehen hatte.&#8220;<\/p>\n<p>Auch George Orwell erlebte 1937, als die Revolution bereits &#8222;abgeflaut&#8220; und zu einem gro\u00dfen Teil zwischen Faschisten und Stalinisten zerrieben worden war, noch einen Hauch von Anarchie: &#8222;Man hatte das Gef\u00fchl, pl\u00f6tzlich in einer \u00c4ra der Gleichheit und Freiheit aufgetaucht zu sein. Menschliche Wesen versuchten, sich wie menschliche Wesen zu benehmen und nicht wie ein R\u00e4dchen in der kapitalistischen Maschine.&#8220; ((1))<\/p>\n<h3>Der faschistische Milit\u00e4rputsch<\/h3>\n<p>Der Spanische B\u00fcrgerkrieg begann, als am 17.\/18. Juli 1936 Milit\u00e4rs, unter der F\u00fchrung von General Franco, versuchten, die junge spanische Republik zu st\u00fcrzen. Ziel der Franquisten und katholischen Klerikalfaschisten war es, in Spanien eine Diktatur zu errichten.<\/p>\n<p>Anders als 1933 in Deutschland gab es in Spanien jedoch massiven und lange Zeit erfolgreichen Widerstand gro\u00dfer Teile der Bev\u00f6lkerung gegen die faschistische Machtergreifung.<\/p>\n<p>&#8222;Der Milit\u00e4raufstand (&#8230;) war f\u00fcr gro\u00dfe Teile der spanischen Arbeiterschaft Katalysator und ausl\u00f6sende Bedingung einer Revolution, die innerhalb weniger Wochen auf lokaler und regionaler Ebene das bestehende politische, soziale und \u00f6konomische System weitgehend abschaffte, die wirtschaftliche und politische Macht an neue soziale Gruppen \u00fcberf\u00fchrte und das traditionelle System der Herrschaft von Grund auf ver\u00e4nderte&#8220; ((2)), stellt der Spanienforscher Walter L. Bernecker fest.<\/p>\n<p>In den St\u00e4dten \u00fcbernahmen revolution\u00e4re ArbeiterInnen die Fabriken. Auf dem Land ergriffen Bauern, B\u00e4uerinnen, LandarbeiterInnen und Tagel\u00f6hner die Initiative, gr\u00fcndeten Agrarkollektive und bem\u00e4chtigten sich des Landes. Durch die Schaffung tausender freier Schulen und die autodidaktische Aneignung gelang den AnarchistInnen eine Alphabetisierungskampagne, die historisch beispiellos ist.<\/p>\n<p>&#8222;Die Spanische Revolution schien zeitweise die Politik ihrer eigenen Organisationen \u00fcberholen zu wollen. Diese Organisationen waren vor allem die 1910 gegr\u00fcndete anarchosyndikalistische Massengewerkschaft CNT [Confederaci\u00f3n Nacional del Trabajo, zu deutsch etwa &#8218;Nationale F\u00f6deration der Arbeit(er)&#8216;] mit mehr als 1,5 Millionen Mitgliedern, die 1927 gegr\u00fcndete FAI [Federaci\u00f3n Anarquista Ib\u00e9rica, &#8218;Anarchistische F\u00f6deration Spaniens&#8216;], der POUM [Partido Obrero de Unificaci\u00f3n Marxista, &#8218;Arbeiterpartei vereinigter Marxisten&#8216;], eine Gruppe stalinkritischer Marxistinnen und Marxisten, sowie ein bedeutender Teil der in der sozialistischen Massengewerkschaft UGT [Uni\u00f3n General de Trabajadores, &#8218;Allgemeine Arbeiterunion&#8216;] organisierten Arbeiterschaft.&#8220; ((3))<\/p>\n<p>Die Basis der Sozialen Revolution war der spanische Anarchismus, der sich schon vor 1936 zu einer Massenbewegung entwickelt hatte.<\/p>\n<h3>Der Anarchismus in Spanien<\/h3>\n<p>Nachdem die Ideen und Schriften der russischen Anarchisten Michail Bakunin und Pjotr Kropotkin in Spanien auf fruchtbaren Boden gefallen waren, kam es zwischen 1880 und 1910 zu einer beachtlichen Verbreitung libert\u00e4ren Gedankenguts, vor allem in Andalusien.<\/p>\n<p>Die anarchosyndikalistische CNT z\u00e4hlte 1918 rund 700.000 Mitglieder. 18 Jahre sp\u00e4ter hatte sich ihre Mitgliederzahl verdoppelt. Die CNT war die gr\u00f6\u00dfte politische Organisation eines Landes, das zu dieser Zeit etwa 23 Millionen EinwohnerInnen hatte. Zentren des Anarchismus waren das industrialisierte Katalonien, Aragonien und das agrar-feudalistische Andalusien.<\/p>\n<p>Seine Anh\u00e4ngerInnen waren in erster Linie Menschen, die in den Industriebetrieben des Nordostens, in der Landwirtschaft und in den Handwerksbetrieben des S\u00fcdens arbeiteten.<\/p>\n<p>Die Soziale Revolution wurde von ihrer Spontaneit\u00e4t, ihren Tr\u00e4umen und Hoffnungen befl\u00fcgelt. Sie funktionierte ohne zentrale Leitung und ohne die Eroberung des Staatsapparates, der im Juli 1936 vorerst in Agonie verfiel.<\/p>\n<p>Die Menschen setzten freiheitlich-sozialistische Ideen in die Tat um: Ordnung ohne Herrschaft, die Utopie einer klassenlosen und herrschaftsfreien Gesellschaft, Dezentralisierung, Selbstverwaltung und gegenseitige Hilfe statt Konkurrenz.<\/p>\n<p>&#8222;Ich erlebte nur dieses eine Mal diese Freiheit; es war ein Gef\u00fchl des bedingungslosen Aufbruchs, des Bereitseins f\u00fcr eine totale \u00c4nderung; es war der Wachtraum eines Volkes. Alles war auf \u00dcberraschung eingestellt, und die \u00dcberraschungen kamen denn auch &#8230;<\/p>\n<p>Es war etwas Trunkenes in den Menschen, eine mitrei\u00dfende F\u00e4higkeit zur Hingabe, ein heiterer Irrsinn im Spiel, ein Fanatismus f\u00fcr eine Freiheit, die nie zu einem geordneten Staatsgebilde der alten Vorbilder f\u00fchren konnte&#8220;, so der Spanienk\u00e4mpfer Gustav Regler.<\/p>\n<p>Der rasche, aber teilweise blutige Sieg \u00fcber die franquistischen Milit\u00e4rs in Barcelona, Madrid, Valencia und anderen St\u00e4dten machte es m\u00f6glich, in der republikanischen Zone Spaniens die Utopie einer anarchistischen Gesellschaft zu verwirklichen.<\/p>\n<p>Den schwierigen Bedingungen zum Trotz und unter der Last des B\u00fcrgerkrieges steigerte sich in vielen Industriezweigen die Produktion. Ein Grund daf\u00fcr war der revolution\u00e4re Elan, der gro\u00dfe Teile der Bev\u00f6lkerung ergriffen hatte. ArbeiterInnen und LandarbeiterInnen kollektivierten Industrie und Gro\u00dfgrundbesitz, setzten R\u00e4te ein, parallel zur zeitweise bedeutungslosen Regierung.<\/p>\n<p>Im Gespr\u00e4ch mit der GWR beschrieb der spanische Revolution\u00e4r Abel Paz die Situation der ArbeiterInnen im Sommer 1936: &#8222;Der Alltag der Arbeiter hat sich eigentlich nicht ge\u00e4ndert. Sie mussten ja weiter arbeiten. Was sich ge\u00e4ndert hat, war, dass sie die Unterdr\u00fcckung nicht mehr erleben mussten, von den Chefs, von der Polizei, von der Justiz, vom Staat, &#8230; der Staat war weg. Was sich wirklich ge\u00e4ndert hat, war der Alltag der Bourgeoisie, weil die Bourgeoisie die Kontrolle verloren hat. Deren Leben hat sich ge\u00e4ndert.&#8220; ((4))<\/p>\n<p>Die revolution\u00e4ren Hoffnungen der AnarchistInnen wurden jedoch nach wenigen Monaten zunichte gemacht.<\/p>\n<p>Die starke Unterst\u00fctzung, welche die Franco-Truppen durch Portugal, Mussolinis Italien und vor allem durch die hochmoderne, nationalsozialistische deutsche Luftwaffenlegion Condor erhielten, sorgte f\u00fcr einen ungleichen Kampf auf dem Schlachtfeld. England und Frankreich weigerten sich, die spanische Republik zu unterst\u00fctzen. Nur die stalinistische Sowjetunion und in geringerem Ma\u00dfe Mexiko lieferten der spanischen Republik Waffen. Stalin stellte sicher, dass die mit dem spanischen Staatsgold teuer bezahlten Waffen nicht an die AnarchistInnen, sondern stattdessen an die bis dahin bedeutungslosen spanischen StalinistInnen der PCE [Partido Comunista Espa\u00f1ol, &#8218;Kommunistische Partei Spaniens&#8216;] geliefert wurden.<\/p>\n<p>Der Hispanist Martin Baxmeyer analysiert: &#8222;Im republikanischen Lager kam es zu Spannungen. Der PCE (&#8230;) verzeichnete als vorrangiger Empf\u00e4nger sowjetischer Waffenlieferungen einen betr\u00e4chtlichen Macht- und Mitgliederzuwachs. Seine Politik war w\u00e4hrend des B\u00fcrgerkriegs dezidiert antirevolution\u00e4r. Er beharrte auf dem Primat der Kriegsf\u00fchrung, einer zentralen politischen F\u00fchrung, der Notwendigkeit eines festen Heeres mit milit\u00e4rischer Rangordnung und sah den anarchistisch-revolution\u00e4ren &#8218;Wildwuchs&#8216; mit Unbehagen. Das ZK-Mitglied Jes\u00fas Hern\u00e1ndez erkl\u00e4rte bereits am 9. August 1936: &#8218;Man kann nicht sagen, dass wir aus sozialen Gr\u00fcnden am Krieg teiln\u00e4hmen. Wir sind ausschlie\u00dflich von dem Wunsch beseelt, die demokratische Republik zu verteidigen [&#8230;]'&#8220;.<\/p>\n<p>Spanische Stalinisten und sowjetische Agenten dominierten nun die F\u00fchrungsspitze des PCE und dr\u00e4ngten den Einfluss anarchistischer Gruppen zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Sowohl die PCE als auch die demokratischen Parteien waren gegen die libert\u00e4re Revolution. Mit dem Fortschreiten des Krieges gelang es der Regierung und der kommunistischen Partei, \u00fcber ihren Zugang zu sowjetischen Waffen die Kontrolle \u00fcber die kriegswichtige Produktion zur\u00fcckzuerlangen. Dies geschah diplomatisch oder mit Gewalt.<\/p>\n<p>Obwohl sie immer noch der gr\u00f6\u00dfte Machtfaktor in der republikanischen Zone war, schwenkte die CNT auf eine reformistische Politik ein und entsandte Minister in die von den Kommunisten beherrschte Regierung des Sozialisten Largo Caballero.<\/p>\n<p>Im Mai 1937 kam es in Barcelona zum &#8222;B\u00fcrgerkrieg im B\u00fcrgerkrieg&#8220;: AntifaschistInnen t\u00f6teten einander beim Kampf um die Kontrolle strategischer Punkte in Barcelona.<\/p>\n<p>Die Taktiker des PCE nutzten diese Gelegenheit, um eine Hetzkampagne gegen die FAI, vor allem aber gegen den POUM zu starten und ihn als &#8222;f\u00fcnfte Kolonne Francos&#8220; zu diffamieren. Die anarchistischen Minister traten zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Im Herbst 1937 begannen kommunistische Truppen gewaltsam die libert\u00e4ren Kollektive auf dem Land zu zerschlagen. 1939 marschierten die siegreichen Franco-Truppen durch Madrid.<\/p>\n<p>Es folgte eine faschistische Diktatur, die erst mit dem Tod Francos 1975 endete.<\/p>\n<h3>Schattenseiten<\/h3>\n<p>Wo Licht ist, ist auch Schatten. Die Spanische Revolution war nicht gewaltfrei. Gewalttaten, die zum Beispiel gegen Priester und Nonnen ver\u00fcbt wurden, sind auch nicht mit der damals \u00fcberwiegend pro-faschistischen Politik der katholischen Kirche zu rechtfertigen. Andererseits werden der anarchistischen Bewegung Spaniens von der konservativen spanischen Geschichtsschreibung Verbrechen w\u00e4hrend des B\u00fcrgerkriegs angelastet, die ihre Mitglieder mit gro\u00dfer Wahrscheinlichkeit nie begangen haben.<\/p>\n<p>Machistische Vorstellungen pr\u00e4gten auch die spanischen Anarchisten. Dieser Machismo l\u00e4sst sich zum Beispiel erahnen, wenn der Spanienk\u00e4mpfer Abel Paz im Interview mit der GWR eine antifeministische Sichtweise auf die Rolle der Frauen in der Spanischen Revolution von sich gibt.<\/p>\n<p>Abel Paz: &#8222;Die Frauen hatten eine sehr wichtige Rolle. Aber anders, als es der Feminismus heutzutage versteht. (&#8230;) In der Revolution an sich waren die Frauen sogar an den Waffen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der revolution\u00e4ren Phase haben sie neben ihren M\u00e4nnern gek\u00e4mpft. Und in der 2. Phase, wo die Revolution zum Krieg wurde, da haben die Frauen nicht mehr an der Front gek\u00e4mpft, aus dem einfachen Grund, dass die Frauen hygienischer, sauberer sind, und die Front ist sehr dreckig. Man kann sich nicht waschen, man kann da gar nichts machen und liegt wochenlang im Dreck. Und dann haben die Frauen eher die Rollen hinter der Front \u00fcbernommen, die ganzen Aufgaben, die zu machen waren. (&#8230;) Diese Forderung, (&#8230;) dass genauso viele Frauen wie M\u00e4nner in den Parlamenten sitzen sollen, ist f\u00fcr mich eine falsche Forderung. (&#8230;) Es ist so, dass die Frauen, die schon (im Mittelalter) schlauer waren als die M\u00e4nner, sich sozial sozusagen einen 6. Sinn angeeignet haben und durch eine bestimmte Art und Weise der Unterw\u00fcrfigkeit, die sie dann dem Mann gegen\u00fcber an den Tag legen mussten, trotzdem Kontrolle \u00fcber den Mann in vielen Bereichen, vor allem im h\u00e4uslichen Bereich usw., entwickeln und erhalten konnten. Das zeigt nur, dass die Frauen zum gro\u00dfen Teil eigentlich wesentlich f\u00e4higer sind als die M\u00e4nner.&#8220;<\/p>\n<p>Es ist kurios, dass Abel Paz das Zur\u00fcckdr\u00e4ngen von k\u00e4mpfenden Frauen an die &#8222;Heimatfront&#8220; damit begr\u00fcndet, dass &#8222;die Frauen hygienischer, sauberer sind&#8220;. &#8222;Positiv-sexistisch&#8220; und befremdlich ist auch die These, dass ein Geschlecht von Grund auf &#8222;schlauer&#8220; als das andere sei. Das erinnert als Spiegelung vielleicht nicht ganz zuf\u00e4llig an H\u00e4gar den Schrecklichen, der einst bemerkt hat, dass zwei Dinge f\u00fcr alle Zeiten fest stehen:<\/p>\n<p>&#8222;1. M\u00e4nner sind schlauer als Frauen. 2. Die Erde ist eine Scheibe.&#8220;<\/p>\n<p>Wer sich mit der Situation der Frauen w\u00e4hrend der Spanischen Revolution besch\u00e4ftigen m\u00f6chte, dem sei (nicht nur) der hervorragende Artikel von Vera Bianchi \u00fcber die anarchistische Frauenorganisation Mujeres Libres (in dieser GWR, S. 12) ans Herz gelegt.<\/p>\n<p>Die Soziale Revolution war nicht deshalb so gro\u00dfartig, weil &#8222;Frauen sogar an den Waffen waren&#8220;, sondern weil gro\u00dfe Teile der Bev\u00f6lkerung von der Basis her die Gesellschaft und das Leben selbst in die Hand nahmen und sich kollektivistisch organisierten.<\/p>\n<p>Vera Bianci beschreibt in ihrem Buch &#8222;Feministinnen in der Revolution&#8220; die Gruppe Mujeres Libres im Spanischen B\u00fcrgerkrieg. Demnach beteiligten sich viele der 20.000 in dieser anarchistischen Frauenorganisation zusammengeschlossenen Frauen nicht am milit\u00e4rischen Abwehrkampf gegen die Franquisten. Sie fanden auch gewaltlose Wege des antifaschistischen Kampfes. Es ging ihnen um die Umw\u00e4lzung der Gesellschaft in wichtigen Lebensbereichen (z. B. P\u00e4dagogik, Medizin, Landwirtschaft) hin zur herrschaftsfreien Gesellschaft.<\/p>\n<p>Der Waffenkult, auch im Zusammenhang mit dem Spanischen B\u00fcrgerkrieg, war und ist ein Problem. &#8222;Er zeigt lediglich eine Form der Nachahmung m\u00e4nnlich-patriarchalischer Kriegsgewalt. Psychologisch mag das verst\u00e4ndlich sein, es symbolisiert jedoch keine eigentliche Befreiung&#8220;, so eine Graswurzelrevolution\u00e4rin.<\/p>\n<p>Schon die Anarchistin Emma Goldman stellte fest, dass es solange keine wirkliche Emanzipation geben wird, solange ein Mensch \u00fcber einen anderen herrscht oder eine Klasse \u00fcber eine andere. &#8222;Und die Emanzipation der Menschheit wird sich so lange nicht verwirklichen lassen, solange noch ein Geschlecht das andere beherrscht.&#8220;<\/p>\n<h3>Fazit<\/h3>\n<p>Trotz ihrer Schattenseiten ist die Spanische Revolution ein Lichtblick f\u00fcr Menschen, die nach Alternativen zur Herrschaft des Kapitalismus und nach einem selbstbestimmten Leben suchen.<\/p>\n<p>&#8222;Das Leben lehrt die Menschen mehr, als alle Theorien und B\u00fccher es je verm\u00f6gen. Die, die meinen, das, was sie sich h\u00e4ppchenweise aus B\u00fcchern angeeignet haben, einfach in die Praxis \u00fcbernehmen zu k\u00f6nnen, machen sich selbst etwas vor; die, die solche B\u00fccher aber mit den Erfahrungen des Lebens bereichern, k\u00f6nnen ein Meisterwerk schaffen&#8220;, so ein spanischer Sozialrevolution\u00e4r im M\u00e4rz 1937.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 19. Juli 2006 j\u00e4hrt sich zum 70. Mal der Beginn der Spanischen Revolution. Wir besch\u00e4ftigen uns in dieser und in der im Juli erscheinenden Graswurzelrevolution Nr. 311 intensiv und kritisch mit diesem Thema, das f\u00fcr die anarchistischen Bewegungen weltweit von gro\u00dfer Bedeutung war und ist. Aufgrund ihrer Radikalit\u00e4t und ihres hohen Grades an Freiwilligkeit &hellip; <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2006\/06\/70-jahre-soziale-revolution-in-spanien\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"slim_seo":{"title":"70 Jahre Soziale Revolution in Spanien - graswurzelrevolution","description":"Am 19. Juli 2006 j\u00e4hrt sich zum 70. Mal der Beginn der Spanischen Revolution. Wir besch\u00e4ftigen uns in dieser und in der im Juli erscheinenden Graswurzelrevoluti"},"footnotes":""},"categories":[451,1042],"tags":[],"class_list":["post-7522","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-310-juni-2006","category-ohne-chef-und-staat"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7522","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7522"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7522\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7522"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7522"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7522"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}