{"id":7532,"date":"2006-06-01T00:00:44","date_gmt":"2006-05-31T22:00:44","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=7532"},"modified":"2022-07-26T14:14:59","modified_gmt":"2022-07-26T12:14:59","slug":"die-affaire-polanco","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2006\/06\/die-affaire-polanco\/","title":{"rendered":"Die &#8222;Affaire Polanco&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Zehntausende wohnten diesem Ereignis bei, darunter allein 25.000 Spanierinnen und Spanier. Spanische und katalanische Fahnen wurden geschwenkt, man sang religi\u00f6se Lieder, f\u00fchrende spanische Politiker und Vertreter des hohen Klerus waren zugegen. Entgegen sonstiger Gepflogenheiten waren keine Fotographien der Seligen aufgestellt worden. Statt dessen zierten 233 Gro\u00dfbuchstaben den Platz &#8211; &#8222;P&#8220; f\u00fcr &#8222;Pace&#8220; [&#8218;Frieden&#8216;] -, eingelassen vor einem Kreuz und umrandet von einem Lorbeerkranz: das Symbol des M\u00e4rtyrers San Vicente, Schutzpatron der spanischen Stadt Valencia, denn 226 der 233 Seligen stammten aus dem Erzbistum in der Levante.<\/p>\n<p>Die katholische Kirche Spaniens war gl\u00fccklich &#8211; gl\u00fccklich, aber nicht zufrieden. Bis heute sind in Rom 10.000 [!] Antr\u00e4ge auf Seligsprechung spanischer Geistlicher anh\u00e4ngig, die in den Jahren der Zweiten Republik (1931-1936) und des ihr folgenden B\u00fcrgerkriegs Opfer der &#8222;grausamsten Religionsverfolgung seit den Zeiten Neros&#8220; geworden seien. So zumindest lautet die offizielle Lesart des konservativen spanischen Klerus, der sich bis heute hartn\u00e4ckig weigert, die tiefe Verstrickung der katholischen Kirche in die blutigen Ereignisse des zwanzigsten Jahrhunderts in Spanien anzuerkennen.<\/p>\n<p>F\u00fcr Johannes Paul II. mag die Seligsprechung spanischer Geistlicher lediglich ein willkommener Beitrag zu seiner Politik der &#8222;Neuevangelisierung&#8220; einer seiner Ansicht nach ins Heidentum zur\u00fcckschlitternden Welt gewesen sein. Immerhin hatte noch nie ein Papst so viele Menschen zur &#8222;Ehre der Alt\u00e4re&#8220; erhoben wie er &#8211; die 233 &#8222;Neuen&#8220; eingerechnet, waren es im M\u00e4rz 2001 bereits 1.227. F\u00fcr Spanien aber war die &#8222;Massenseligsprechung&#8220; ein Politikum ersten Ranges und l\u00f6ste scharfe Kontroversen aus. War es doch, als habe der Stellvertreter Gottes auf Erden pers\u00f6nlich ein Machtwort gesprochen und durch diese Zeremonie endg\u00fcltig jenen Recht gegeben, die den Spanischen B\u00fcrgerkrieg schon immer als &#8222;Kreuzzug&#8220; gesehen hatten, in dem ein Heer selbstloser Streiter einer schuldlos in Todesnot geratenen Kirche zu Hilfe eilte.<\/p>\n<p>&#8222;Hinter den christlichen M\u00e4rtyrern stehen weder politische Banner noch Ideologien&#8220;, behauptet der katalanische Kirchenhistoriker Vicente C\u00e1rcel Ort\u00ed (Jg. 1940), &#8222;nur Glaube an Gott und N\u00e4chstenliebe. Sie haben keine Kriege gef\u00fchrt, zu keinen Kriegen aufgestachelt und sich nie in parteiische K\u00e4mpfe verwickelt. Sie waren Tr\u00e4ger einer ewigen Botschaft von Frieden und Liebe, die unseren Glauben erleuchtet und unsere Hoffnung n\u00e4hrt.&#8220;<\/p>\n<h3>Die &#8222;Affaire Polanco&#8220;<\/h3>\n<p>Auch, wenn es dogmatische Kirchenapologeten wie Vicente C\u00e1rcel Ort\u00ed wenig k\u00fcmmert, sieht die historische Wirklichkeit hinter den Seligsprechungen h\u00e4ufig anders aus. Die massenhaften Morde an Nonnen, M\u00f6nchen und Priestern in der republikanischen Zone geh\u00f6ren ohne Zweifel zu den dunkelsten Kapiteln der Geschichte des Spanischen B\u00fcrgerkriegs. 7.114 Geistliche verloren dort bis 1939 ihr Leben: 12 Bisch\u00f6fe, 4.184 weltliche Geistliche, 2.635 M\u00f6nche und 283 Nonnen. Die meisten von ihnen starben in den ersten Monaten des Krieges und der Revolution, viele sogar in den ersten Wochen. Die Gr\u00fcnde f\u00fcr diese kurze und spontane, grausame und oft willk\u00fcrliche Verfolgung waren vielf\u00e4ltig. Sie m\u00f6gen von gewaltt\u00e4tigem, politischem \u00dcbereifer bis zur pers\u00f6nlichen Rachsucht Einzelner gereicht haben. Fest steht allerdings, dass nicht wenige Geistliche in den H\u00e4nden revolution\u00e4rer Milizen oder aufgebrachter Tagel\u00f6hner die Folgen der Jahrzehnte langen Politik ihrer Kirchenoberen brutal zu sp\u00fcren bekam.<\/p>\n<p>Denn die katholische Kirche Spaniens war alles andere als politisch neutral. Streng antirepublikanisch, hatte sich praktisch der gesamte hohe Klerus bei Ausbruch des B\u00fcrgerkriegs auf die Seite General Francos geschlagen. Einige fromme Kirchenm\u00e4nner hatten eine sehr eigenwillige Vorstellung von jener &#8222;ewigen Botschaft von Frieden und Liebe&#8220;, deren Verk\u00fcndigung ihnen Jahrzehnte sp\u00e4ter den Status der Seligkeit eintragen sollte.<\/p>\n<p>Einer von ihnen war Monse\u00f1or Anselmo Polanco, Bischof von Teruel, der Hauptstadt der spanischen Provinz Bajo Arag\u00f3n. Sein Tod ist ein bis heute nicht ganz gekl\u00e4rter kirchengeschichtlicher &#8222;Kriminalfall&#8220;.<\/p>\n<p>Seine Seligsprechung dagegen ist ein Lehrst\u00fcck vatikanischer Politik.<\/p>\n<h3>Ein Hirtenbrief mit Folgen<\/h3>\n<p>Anselmo Polanco y Fontecha (Jg. 1881) war einer der wenigen Augustiner innerhalb des spanischen Episkopats. Er hatte zun\u00e4chst innerhalb seines Ordens Karriere gemacht und war, als er am 25. Februar 1935 als Bischof nach Arag\u00f3n berufen wurde, f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit au\u00dferhalb seiner Heimatregion Castilla y Le\u00f3n ein unbeschriebenes Blatt. Das sollte sich rasch \u00e4ndern.<\/p>\n<p>Unmittelbar vor den Februarwahlen des Jahres 1936, die mit einem Sieg der linken Volksfront endeten, verfasste Polanco einen flammenden Hirtenbrief, in dem bereits, wenn auch (noch) metaphorisch gemeint, all jene Topoi auftauchten, die die franquistische Propaganda der folgenden Jahre zur Rechtfertigung des Milit\u00e4rputsches und der brutalen Repression wieder und wieder herbeizitieren sollte: &#8222;Heute stehen nicht l\u00e4nger Regierungsformen zur Diskussion, die in diesem Land herrschen sollen, sondern etwas Grundlegendes und Substantielles f\u00fcr die Sache Gottes und Spaniens. Auf der einen Seite k\u00e4mpfen die Verteidiger von Religion, Eigentum und Familie, auf der anderen die Vertreter des Unglaubens, des Marxismus und der freien Liebe. Dies sind die zwei verfeindeten St\u00e4dte, von denen Augustinus spricht: die gegeneinander stehenden Kr\u00e4fte von Gut und B\u00f6se. In diesem Feldzug, angesichts der Gefahr, der all jene Werte ausgesetzt sind, die die V\u00f6lker erheben und wachsen lassen, angesichts der Gefahr f\u00fcr den materiellen Frieden selbst, der unverzichtbare Vorbedingung des Gemeinwohls ist, w\u00e4re es da zul\u00e4ssig, die Arme zu verschr\u00e4nken und die bequeme Haltung des unbeteiligten Zuschauers einzunehmen? Nein. [&#8230;] La\u00dft uns auf das Schlachtfeld eilen und den Posten einnehmen, der uns zukommt. Gott will es so! Die Kirche und das Vaterland verlangen es!&#8220;<\/p>\n<h3>Anselmo Polanco im Krieg<\/h3>\n<p>Als sich im Sommer 1936 der Milit\u00e4rputsch zum B\u00fcrgerkrieg ausweitete, lie\u00df Polanco seinen Worten Taten folgen. Er organisierte und finanzierte mit Hilfe eines bisch\u00f6flichen Fonds eigenm\u00e4chtig eine Guerillaeinheit, die \u00fcber die wechselnden Fronten des Bajo Arag\u00f3n in die republikanische Zone eindrang, um Sabotageakte zu ver\u00fcben.<\/p>\n<p>Der liberale Kirchenhistoriker Hilari Raguer nennt diese Einheit, in Anspielung auf die ber\u00fcchtigten Mordkommandos, die der sozialistische Pr\u00e4sident Felipe Gonz\u00e1lez zwischen 1983 und 1987 illegal gegen Aktivisten der ETA in Frankreich aussenden lie\u00df, sarkastisch &#8222;eine GAL avant la lettre&#8220;.<\/p>\n<p>Bischof Polanco sah sich als Soldat im Krieg. Obwohl Teruel grausam umk\u00e4mpft wurde, weigerte er sich, die Stadt zu verlassen. Er wolle die K\u00e4mpfer durch seine Anwesenheit best\u00e4rken. Als die Stadt am 8. Januar 1938 in republikanische H\u00e4nde fiel, wurde Polanco verhaftet und mehrere Tage lang verh\u00f6rt &#8211; die Protokolle existieren noch. Eine der ersten Fragen, die man ihm stellte, war, ob er die Carta Colectiva unterzeichnet habe, jenes ber\u00fcchtigte Schreiben des spanischen Episkopats, mit dem die katholischen Bisch\u00f6fe der Welt 1937 aufgefordert worden waren, Franco zu unterst\u00fctzen. Antwortete der Bischof mit &#8222;Ja&#8220;, hatte er praktisch sein eigenes Todesurteil gesprochen. Anselmo Polanco verk\u00fcndete nicht nur mit Stolz, die Carta Colectiva &#8222;nat\u00fcrlich&#8220; unterschrieben zu haben, sondern schickte noch zu, seiner Ansicht nach sei der Text &#8222;zu lasch&#8220; formuliert gewesen. Au\u00dferdem h\u00e4tte ein solches Schreiben viel fr\u00fcher verschickt werden m\u00fcssen. Die Lebenserwartung des k\u00e4mpferischen Bischofs sank auf Null.<\/p>\n<h3>Ein Angebot der Republik<\/h3>\n<p>Das wusste auch Indalecio Prieto, gem\u00e4\u00dfigter Sozialist und Verteidigungsminister der Republik. Er griff ein, um die sofortige Hinrichtung Anselmo Polancos zu verhindern &#8211; sicher nicht aus reiner N\u00e4chstenliebe, sondern um das Verh\u00e4ltnis der republikanischen Regierung zur internationalen katholischen \u00d6ffentlichkeit und zum Vatikan nicht durch einen Bischofsmord noch weiter zu belasten. Anselmo Polanco wurde der Status eines &#8222;Kriegsgefangenen&#8220; zugebilligt. Nach republikanischem Recht bedeutete dies, dass er bis zum Ende des Krieges unter Schutz stehen w\u00fcrde. Erst danach sollte ihm der Prozess gemacht werden.<\/p>\n<p>Als diese Ma\u00dfnahme bekannt gemacht wurde, erhielt Indalecio Prieto \u00fcberraschend ein Telegramm: Drei baskische Geistliche, die jeder einen Glaubensbruder durch franquistische [!] Hinrichtungskommandos verloren hatten (der niedere baskische Klerus war wesentlich pro-republikanisch geblieben), begl\u00fcckw\u00fcnschten ihn und dr\u00fcckten ihre Hoffnung aus, die &#8222;noble Haltung der Republik&#8220; m\u00f6ge auch &#8222;innerhalb der Kirche, der wir angeh\u00f6ren&#8220;, positiv vermerkt werde. Ob Prieto nun wirklich &#8222;tief bewegt&#8220; von diesem Telegramm war oder nicht, er war jedenfalls politischer Pragmatiker genug, die Chance zu erkennen, die sich der Republik in dieser Stunde bot. Er bem\u00fchte sich, die sofortige Freilassung Polancos zu erwirken. Der Ministerrat allerdings mochte einen politischen Todfeind nicht so einfach ziehen lassen. Er verlangte Garantien. Justizminister Manuel de Irujo, ein konservativ-katholischer Baske, lie\u00df \u00fcber den Erzbischof von Paris eine Botschaft an den Vatikan senden: Die spanische Republik sei bereit, Anselmo Polanco ohne weitere Bedingungen freizulassen, wenn Rom sich verpflichte, ihn nach Italien zu holen, und daf\u00fcr sorge, dass Polanco sich dort mit politischen \u00c4u\u00dferungen zur\u00fcckhalte &#8211; zumindest bis zum Ende des Krieges.<\/p>\n<h3>Der Vatikan schweigt<\/h3>\n<p>Zur nicht geringen Best\u00fcrzung des Ministerrats reagierte der Vatikan auf dieses Angebot gar nicht. Auch, als Irujo das Angebot, diesmal direkt an das vatikanische Staatssekretariat Kardinal Pacellis, des sp\u00e4teren Papst Pius XII., adressiert, wiederholte, h\u00fcllte sich der Vatikan in Schweigen. Der liberale katalanische Kardinal Francesc Vidal i Barraquer, dem Franco die R\u00fcckkehr nach Spanien auf Lebenszeit verboten hatte und der in der N\u00e4he von Lucca (Italien) im Exil lebte, wurde in Rom vorstellig. Alles vergebens: Das Angebot wurde nie angenommen.<\/p>\n<p>Am 13. Februar 1939, als republikanische Truppen bereits in wilder Hast in Richtung Frankreich fl\u00fcchteten, als endlose Fl\u00fcchtlingskolonnen von deutschen und italienischen Kampffliegern ununterbrochen beschossen wurden, wurde Bischof Anselmo Polanco, gemeinsam mit 41 weiteren Gefangenen, in dem kleinen katalanischen Grenzort Pont de Molins erschossen. Die genauen Umst\u00e4nde seines Todes sind unklar.<\/p>\n<p>Es ist nicht unwahrscheinlich, dass die Gefangenen, obwohl unter dem Schutz der Regierung stehend, Opfer einer ber\u00fcchtigten Sondereinheit des kommunistischen General L\u00edster wurden. Diese Sondereinheit hatte die Aufgabe, versprengte republikanische Soldaten aufzugreifen und als &#8222;Deserteure&#8220; standrechtlich zu erschie\u00dfen. Sie machte dabei allerdings keinen gro\u00dfen Unterschied, wen sie vor die Flinte bekam. M\u00f6glich auch, dass Soldaten die Gefangenen im allgemeinen Chaos der Flucht einfach als &#8222;l\u00e4stigen Ballast&#8220; liquidierten.<\/p>\n<p>Am 11. August 1958 wurde in Rom ein Seligsprechungsverfahren f\u00fcr Anselmo Polanco eingeleitet. Am 1. Oktober 1995 sprach ihn Papst Johannes Paul II., gemeinsam mit f\u00fcnf weiteren spanischen &#8222;M\u00e4rtyrern&#8220;, feierlich selig. Sein Denkmal ziert heute einen Platz in Teruel. Dort steht er, in schlichtem Gewand, l\u00e4chelnd und mit g\u00fctig ausgebreiteten Armen &#8211; eine Geste des Friedens, vermutlich.<\/p>\n<h3>Seliges Vergessen<\/h3>\n<p>Am 7. September 2001, kaum ein halbes Jahr nach der &#8222;Massenseligsprechung&#8220; auf dem Petersplatz, sprach Johannes Paul II. noch einmal \u00f6ffentlich von Anselmo Polanco: auf dem 180. Generalkapitel des Ordens des Heiligen Augustinus in Rom. &#8222;Euer Orden&#8220;, sagte er dort, &#8222;hat durch die Jahrhunderte eine lange Reihe von Heiligen gekannt. In j\u00fcngerer Zeit habe ich die Freude gehabt, weitere hinzuzuf\u00fcgen. Ist das nicht ein Zeichen spiritueller Vitalit\u00e4t, eine Ermutigung, ihrem Beispiel zu folgen? M\u00f6ge das Zeugnis von Glaube und Barmherzigkeit eures Bruders Monse\u00f1or Anselmo Polanco, Bischof von Teruel, ermordet w\u00e4hrend der turbulenten Tage des Spanischen B\u00fcrgerkriegs, mitten im 20. Jahrhundert, Euch ein Beispiel sein. Seiner bisch\u00f6flichen Aufgabe treu, gab er sein Leben mit Freude f\u00fcr die Seelen seiner Gl\u00e4ubigen.&#8220;<\/p>\n<p>Die spanische Kirche hatte sich mit dem Antrag auf Seligsprechung Anselmo Polancos, gestellt noch unter der Herrschaft Francos, weit vorgewagt. Antr\u00e4ge auf Seligsprechung sind nicht nur langwierig, sondern f\u00fcr die antragstellenden Bist\u00fcmer auch \u00e4u\u00dferst teure Verfahren, die keineswegs zwangsl\u00e4ufig zum Erfolg f\u00fchren. Und nun: ein Guerilla-Kommandeur, ein rechtsextremer Brandredner, ein Kriegshetzer und Soldaten-Bischof als Seliger der Christenheit? Als Vorbild f\u00fcr spanische Gl\u00e4ubige? Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Seligsprechung Anselmo Polancos f\u00fcr den konservativen katholischen Klerus ein Test war &#8211; ein Test, wie weit man gehen k\u00f6nne mit der Geschichtsklitterung zur Rolle der katholischen Kirche und des Vatikans im Spanischen B\u00fcrgerkrieg.<\/p>\n<p>Denn nat\u00fcrlich war nicht jeder 1936 in Spanien get\u00f6tete Geistliche ein Anselmo Polanco. Der offensichtliche &#8211; und bis heute andauernde &#8211; politische Erfolg seiner Seligsprechung jedoch machte gleichsam den Weg frei f\u00fcr die Seligsprechung weiterer spanischer &#8222;M\u00e4rtyrer&#8220;, ohne dass allzu viele peinliche Fragen zu bef\u00fcrchten gewesen w\u00e4ren. Ohne einen &#8222;Seligen Anselmo&#8220; h\u00e4tte es &#8211; m\u00f6glicherweise &#8211; nie eine &#8222;Massenseligsprechung&#8220; gegeben. Und das &#8222;selige Vergessen&#8220; geht weiter: Am 5. November 2005 hat Papst Benedikt XVI., obwohl stets ein Kritiker der massenhaften Seligsprechungen seines Vorg\u00e4ngers, sechs weitere spanische Geistliche zu Seligen erhoben. Es stimmt nachdenklich, dass die beiden Vorg\u00e4nger Johannes Paul II., die P\u00e4pste Johannes XXIII. und Paul VI., sich stets geweigert hatten, der Seligsprechung spanischer &#8222;M\u00e4rtyrer&#8220; aus der Zeit des B\u00fcrgerkriegs zuzustimmen. Sie wollten, so sagten sie, keinen &#8222;politischen Unfrieden&#8220; stiften.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zehntausende wohnten diesem Ereignis bei, darunter allein 25.000 Spanierinnen und Spanier. Spanische und katalanische Fahnen wurden geschwenkt, man sang religi\u00f6se Lieder, f\u00fchrende spanische Politiker und Vertreter des hohen Klerus waren zugegen. Entgegen sonstiger Gepflogenheiten waren keine Fotographien der Seligen aufgestellt worden. 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