{"id":7538,"date":"2006-06-01T00:00:49","date_gmt":"2006-05-31T22:00:49","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=7538"},"modified":"2022-07-26T14:14:59","modified_gmt":"2022-07-26T12:14:59","slug":"die-gesellschaftlichen-bedingungen-mussen-von-uns-verandert-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2006\/06\/die-gesellschaftlichen-bedingungen-mussen-von-uns-verandert-werden\/","title":{"rendered":"Die gesellschaftlichen Bedingungen m\u00fcssen von uns ver\u00e4ndert werden"},"content":{"rendered":"<p>Ich bin bei vielen Kommune-Informationstouren dabei gewesen,                 aber auf der letzten durch die Pfalz habe ich es deutlich erlebt:                 An vielen Stellen g\u00e4rt es, machen sich Leute Gedanken um eine                 Alternative zu dem Bisherigen, neue Versuche und neue Gemeinschaften                 werden gestartet. Die Stimmung ist danach, die Zeit scheint zu                 passen und die Entschlossenheit zu wachsen. Die gesellschaftlichen                 Bedingungen m\u00fcssen von uns dringend ver\u00e4ndert werden.<\/p>\n<p>Bonn, Mannheim, Wiesbaden, Kaiserslautern, Saarbr\u00fccken, Trier,                 die Weltb\u00fchne im Hunsr\u00fcck und Bingen, also durch die Pfalz mit                 einem Dreamteam, 7 Frauen und 2 Jungs, die Quotenm\u00e4nner gewisserma\u00dfen,                 vom 3. bis zum 13. M\u00e4rz 2006.<\/p>\n<p>Um es vorweg zu nehmen, es war eine Fachfrauentour in Sachen                 Kommunikation und dementsprechend f\u00fcr mich als Quotenmann urlaubsm\u00e4\u00dfig                 relaxend und sanft einschlafend, w\u00e4hrend unsere Fahrerin mit engelsanfter                 Hand den schweren Bus durch die T\u00e4ler steuerte. Landschaftlich                 war diese Strecke f\u00fcr mich nicht so reizvoll. Fehlten mir doch                 die Ostseek\u00fcste, der weite Himmel, die brausenden Wellen und die                 heraufziehende Tiefdruckwalze. Da mache ich meinen Sweater auf                 und lasse den Wind in mich hinein, steige auf und fliege \u00fcber                 die Schaumk\u00f6pfe hinweg. <\/p>\n<p>Als Antialkoholiker hatte ich auch keine Freude an den riesigen                 Weinbergen und dem \u00fcberall angebotenen Pf\u00e4lzer Wein. Fr\u00fcher, als                 ich noch im Saft schwelgte, da genoss ich den Wei\u00dfen und den Roten                 in langen Z\u00fcgen. Aber heute, nach 25 Jahren Kommune, w\u00e4ren diese                 Freuden nur Verdr\u00e4ngungen irgendwelcher Probleme, die ich zu feige                 bin anzugehen. Es ist erstaunlich: Um in der Kommune zu leben,                 ist es nicht erforderlich, bei Problemen sich die Hucke voll zu                 saufen oder sich das Gehirn mit Dope voll zu dr\u00f6hnen.<\/p>\n<p>Das Muster der Veranstaltungen \u00e4hnelt sich seit Jahren: ein Sketsch                 zur Auflockerung, eine Tondiashow und die Diskussion mit den interessierten                 Leuten in kleineren Runden. Die gro\u00dfe Unsicherheit liegt f\u00fcr mich                 stets in den Sketschen, die ich schlecht auf die Witzigkeit und                 Passigkeit einsch\u00e4tzen kann.<\/p>\n<p>Aber auch diese waren kurz und kabarrettm\u00e4\u00dfig durch gearbeitet,                 die Pointen sa\u00dfen und der Einstieg flutschte. Wir wurden bei allen                 Veranstalterinnen mit F\u00fcrsorglichkeit aufgenommen und bewirtet.               <\/p>\n<p>Auf diesem Wege sei allen Initiatoren in den Veranstaltungsorten,                 die uns diese Veranstaltungen erst m\u00f6glich gemacht haben, noch                 einmal gedankt.<\/p>\n<p>Wenn auch nicht zu erwarten ist, dass nach solch einer Tour die                 Leute in die Kommunen kommen, so ist sie f\u00fcr mich schon dadurch                 gelungen, den Bazillus, die Idee zu verbreitern: &#8222;Es geht auch                 anders, eine andere Welt ist m\u00f6glich, andere Werte sind erstrebenswert,                 andere Paradigmen lassen sich entwickeln!&#8220; . <\/p>\n<p>Alles das wird in den Kommunen bereits ausprobiert und teilweise                 authentisch gelebt. Hier werden die Erfahrungen gemacht.<\/p>\n<p>Das ist die eine Seite der Medaille, die interessiert aufgenommen                 wurde, und die wir, wenn wir nicht allzu sehr unser Licht unter                 dem Scheffel lassen, auch f\u00fcr uns glaubhaft verinnerlicht haben.<\/p>\n<p>Die andere Seite der Medaille ist jedoch die unendliche M\u00fche                 in den sozialen Verhaltensformen, die wir mit anderen Werten versehen                 auch neu entwickeln m\u00fcssen. Wenn es in der Kommune keinen Chef                 gibt und keine Richterin, ist es m\u00fc\u00dfig z.B. sich \u00fcber Recht und                 Nichtrechthaben zu unterhalten. Es ist m\u00fc\u00dfig \u00fcber Mein und Dein                 zu streiten, es ist m\u00fc\u00dfig, andere zu bewerten. <\/p>\n<p>Es ist schwer, zu allen Menschen, mit denen ich zusammenlebe,                 ein Verh\u00e4ltnis aufzubauen, das getragen von Achtung und Anerkennung                 ein solidarisches und gl\u00fcckliches Leben erm\u00f6glicht. Selbst nach                 den obligatorischen Probezeiten kommt es sehr wohl auch zu Missstimmungen,                 die verzweifeln. <\/p>\n<p>&#8222;Nichts wie weg und wieder in die kleine eigene Bude. T\u00fcr zu                 und Kopf unter die Decke&#8220;. Gedanken, die auch ich oft genug habe.                 Unzufriedenheit und Depression haben mich oft wie in einen Sumpf                 hinuntergezogen. Ich muss mich auf die Vision besinnen, auf die                 Notwendigkeit aus diesem Schlamassel wieder herauszukommen, von                 dem ich \u00fcbrigens keiner Gesellschaft die Schuld geben kann, sondern                 nur mir, anarchistisch, selbstbestimmt und autonom. <\/p>\n<p>Das spielt sich im Inneren der Kommune ab. Aber wir leben nicht                 auf Inseln, auch wenn ich mir das manchmal w\u00fcnsche. Gesellschaftlich                 mit unseren Nachbarn zusammen m\u00fcssen wir die Lebensbedingungen                 \u00e4ndern, die entscheidenden Fragen grundlegend anders stellen.<\/p>\n<p>In Schwerin beteilige ich mich an dem Sozialforum f\u00fcr Westmecklenburg.                 In einem gro\u00dfen Vorbereitungskreis wird dieses Forum, f\u00fcr den                 16. und 17. Juni 2006, intensiv von engagierten Menschen dieser                 Region vorbereitet. Viele Ans\u00e4tze der Ver\u00e4nderung kommen hier                 zusammen.<\/p>\n<p>Aus der Sicht meiner kommunalen Erfahrung bringe ich Fragen hinein:<\/p>\n<p>Wieso brauchen wir mehr Wachstum?<br \/>                 Wieso m\u00fcssen wir immer die Weltbesten sein?<br \/>                 Was brauchen wir eigentlich zum Leben?<br \/>                 Das Ende der Wachstumsspirale ist eine logische Konsequenz. Irgendwann                 ist das Ende erreicht. Und dann?<br \/>                 Was wollen wir eigentlich von &#8222;unserem&#8220; Staat? <br \/>                 Was hei\u00dft eigentlich Sozialstaat und wieso und wof\u00fcr werden die                 Steuern erhoben? Wer soll sie bezahlen und wie werden sie verteilt?                 <br \/>                 Wieso hat der Staat eigentlich Billionen Schulden und diverse                 Zinsverpflichtungen?<br \/>                 In der linken Szene kommt immer wieder der Gedanke auf, auf Geld                 zu verzichten, oder auch Ersatzw\u00e4hrungen einzuf\u00fchren.<br \/>                 Wieso soll Geld eine schlechte Erfindung sein?<br \/>                 Wie wird Arbeit belohnt?<br \/>                 Was ist eigentlich Arbeit?<br \/>                 Wer bestimmt, was Arbeit ist?<br \/>                 Ist wirklich alles Arbeit, was wir machen?<br \/>                 Was macht eigentlich der Wert eines Gegenstandes aus? Hat er \u00fcberhaupt                 einen Wert?<br \/>                 Was geh\u00f6rt eigentlich mir, und was kann ich nur besitzen?<br \/>                 Wie will ich leben?<br \/>                 Will ich leben?<br \/>                 L\u00e4sst sich \u00fcberhaupt in diesem Staat etwas anderes entwickeln?                 Oder sind wir auf Gedeih und Verderb diesem System ausgeliefert?<br \/>                 Was geben wir auf, wenn wir ein neues Experiment wagen?<br \/>                 Wie k\u00f6nnte es aussehen?<br \/>                 Unsere Vision von der Utopie?<br \/>                 Ist es sinnvoll, nur eine Utopie zu entwickeln?<br \/>                 Wie beschrieben: Wir sind schon auf dem Wege.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich bin bei vielen Kommune-Informationstouren dabei gewesen, aber auf der letzten durch die Pfalz habe ich es deutlich erlebt: An vielen Stellen g\u00e4rt es, machen sich Leute Gedanken um eine Alternative zu dem Bisherigen, neue Versuche und neue Gemeinschaften werden gestartet. Die Stimmung ist danach, die Zeit scheint zu passen und die Entschlossenheit zu wachsen. &hellip; <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2006\/06\/die-gesellschaftlichen-bedingungen-mussen-von-uns-verandert-werden\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"slim_seo":{"title":"Die gesellschaftlichen Bedingungen m\u00fcssen von uns ver\u00e4ndert werden - graswurzelrevolution","description":"Ich bin bei vielen Kommune-Informationstouren dabei gewesen, aber auf der letzten durch die Pfalz habe ich es deutlich erlebt: An vielen Stellen g\u00e4rt es, machen"},"footnotes":""},"categories":[451,1042],"tags":[],"class_list":["post-7538","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-310-juni-2006","category-ohne-chef-und-staat"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7538","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7538"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7538\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7538"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7538"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7538"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}