{"id":7649,"date":"2006-10-01T00:00:21","date_gmt":"2006-09-30T22:00:21","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=7649"},"modified":"2022-07-26T13:11:44","modified_gmt":"2022-07-26T11:11:44","slug":"10-jahre-x-tausendmal-quer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2006\/10\/10-jahre-x-tausendmal-quer\/","title":{"rendered":"10 Jahre X-tausendmal quer"},"content":{"rendered":"<p>Auf dem Wunschzettel der AtomlobbyistInnen stehen ein Ausbau der Atomanlagen, neue AKWs und l\u00e4ngere Laufzeiten, auch f\u00fcr marode Atommeiler.<\/p>\n<p>Unglaublich! Weder Tschernobyl noch der Beinahe-Super-GAU am 26. Juli 2006 im schwedischen Atomkraftwerk Forsmark-1 ((1)) bringen die AtomfetischistInnen von ihrem menschheitsgef\u00e4hrdenden Irrweg ab.<\/p>\n<p>Der Atomausstieg, den die rot-gr\u00fcne Bundesregierung verk\u00fcndet hatte, war nie Realit\u00e4t, sondern eher der Versuch, gro\u00dfe Teile der atomkritischen Bev\u00f6lkerung ruhig zu halten. Die Urananreicherungsanlage (UAA) in Gronau wurde unter Rot-Gr\u00fcn massiv ausgebaut. Heute sind hierzulande immer noch 17 Atomkraftwerke am Netz.<\/p>\n<h3>Nicht Parteien, sondern soziale Bewegungen sind der Sand im Getriebe des Atomstaates<\/h3>\n<p>Die Anti-Atom-Bewegung konnte durch \u00fcberwiegend gewaltfreien Widerstand zum Beispiel die Wiederaufbereitungsanlage (WAA) in Gorleben und sp\u00e4ter in Wackersdorf verhindern. Somit hat der au\u00dferparlamentarische, von unten organisierte Widerstand das gr\u00f6\u00dfte Vorhaben der Atomlobby, den Bau einer deutschen Plutoniumfabrik, gestoppt.<\/p>\n<p>Wenn wir bedenken, dass PolitikerInnen und Atomindustrie in den 1970er Jahren davon tr\u00e4umten, bis zu 200 &#8222;Kernkraftwerke&#8220; in der Bundesrepublik zu bauen, dann kann die Anti-Atom-Bewegung als eine der erfolgreichsten sozialen Bewegungen in der Geschichte dieses Landes gesehen werden.<\/p>\n<p>Seit zehn Jahren ist <em>X-tausendmal quer<\/em> ein Teil dieser erfolgreichen Widerstandsgeschichte. Die Kampagne entstand im Sommer 1996 innerhalb der Anti-Atom-Bewegung, im Umfeld der <em>graswurzelrevolution<\/em>, die zu dieser Zeit in der wendl\u00e4ndischen <em>Kurve Wustrow<\/em> ein Redaktionsb\u00fcro unterhielt.<\/p>\n<p>Das Ziel von <em>X-tausendmal quer<\/em> war es, gro\u00dfe gewaltfreie Sitzblockaden bei Castor-Transporten zu organisieren. Aus der Initiative bildete sich ein bundesweites Netzwerk von Anti-Atom-AktivistInnen.<\/p>\n<p>Von Teilen der autonomen Szene wurde das explizit gewaltfreie <em>X-tausend-<\/em>Konzept als &#8222;spalterisch&#8220; abgekanzelt, w\u00e4hrend gleichzeitig Verfassungsschutz und Polizei gegen die &#8222;angeblich gewaltfreie&#8220; Initiative mobil machten. So wetterte beispielsweise die bei PolizeibeamtInnen weit verbreitete <em>Deutsche Polizei<\/em>-Zeitung Nr. 5\/2001 auf drei Seiten gegen <em>graswurzelrevolution<\/em>, <em>Kurve Wustrow<\/em> und X-tausendmal quer. ((2)) Titel des <em>Deutsche Polizei<\/em>-Pamphlets: &#8222;Unter dem Deckmantel der Gewaltfreiheit&#8220;.<\/p>\n<p>Der Hintergrund solcher Hetze ist leicht zu durchschauen: W\u00e4hrend des Castor-Transports im M\u00e4rz 2001 haben viele <em>X-tausendmal quer<\/em>-AktivistInnen und andere AtomgegnerInnen mit PolizistInnen diskutiert. Einige BeamtInnen konnten dabei zum Nachdenken gebracht werden, \u00e4u\u00dferten Kritik am Polizeieinsatz, Selbstzweifel und Sympathie f\u00fcr die gewaltfreien BlockiererInnen.<\/p>\n<p>Die Polizeif\u00fchrung stand unter Erkl\u00e4rungsdruck: Wie ist ein nicht selten brutales Vorgehen gegen gewaltfreie AktivistInnen bei KritikerInnen auch innerhalb des Polizeiapparates zu rechtfertigen? Wie kann das f\u00fcr die Wasserwerfer- und Kn\u00fcppeleins\u00e4tze notwenige Feindbild &#8222;gewaltt\u00e4tiger Demonstrant&#8220; bei den BeamtInnen aufrecht erhalten werden, wenn die vermeintlichen &#8222;Gewaltt\u00e4ter&#8220; auch f\u00fcr PolizistInnen leicht als gewaltfrei zu erkennen sind?<\/p>\n<p>Der gewaltfreie Widerstand r\u00fcttelt an Feindbildern, den Grundpfeilern des Polizeiapparats.<\/p>\n<p>Gerade die gro\u00dfe Offenheit, die <em>X-tausendmal quer<\/em> ausstrahlt, macht sie so &#8222;gef\u00e4hrlich&#8220; und attraktiv. Auch Leute, die aus Grausen vor der (Staats-)Gewalt nicht auf Demonstrationen gehen wollen, trauen sich nun, an gewaltfreien Blockaden teilzunehmen. Sie k\u00f6nnen im Rahmen gewaltfreier Trainings ihre Angst \u00fcberwinden und miterleben, dass gemeinsamer Widerstand Spa\u00df machen kann und keineN verletzen muss.<\/p>\n<p><em>X-tausendmal quer <\/em>pr\u00e4sentiert sich als zug\u00e4nglich f\u00fcr alle, die sich gemeinsam und solidarisch mit anderen gegen Atomkraft und f\u00fcr eine gewaltfreie Welt engagieren wollen.<\/p>\n<p>Die Massenblockaden von <em>X-tausendmal quer<\/em> trugen dazu bei, dass die damalige Bundesumweltministerin Angela Merkel 1997 einen Stopp der Castor-Transporte ins Wendland verf\u00fcgen musste, der bis zum Jahr 2000 hielt.<\/p>\n<p>Aktiv sind die <em>X-tausend<\/em>-AktivistInnen aber nicht nur, wenn es darum geht, Atomm\u00fclltransporte ins Wendland zu stoppen.<\/p>\n<p>&#8222;Wir betreiben Aufkl\u00e4rungsarbeit im Streit um die Zukunft der AKWs, organisieren im B\u00fcndnis mit anderen Gruppen Demonstrationen und Veranstaltungen und geben gerne unser Know-how in Sachen Atomkraft und auch der Organisation von Gro\u00dfaktionen Zivilen Ungehorsams weiter. Gr\u00fcndlich besch\u00e4ftigen wir uns auch mit den juristischen Folgen von Aktionen. Unsere Jura-Selbsthilfe unterst\u00fctzt dabei Betroffene &#8211; oft mit Erfolg.<\/p>\n<p>Regelm\u00e4\u00dfig finden bundesweite Koordinationstreffen statt, an denen Interessierte gerne teilnehmen k\u00f6nnen. Die konkrete Arbeit geschieht in verschiedenen Arbeitsbereichen, auch diese sind offen f\u00fcr motivierte MitstreiterInnen.&#8220; (www.x-tausendmalquer.de)<\/p>\n<p>Die &#8222;Professionalit\u00e4t&#8220;, die sich nicht nur im gut gemachten, bunten <em>X-tausendmal quer Rundbrief<\/em> widerspiegelt, sorgt daf\u00fcr, dass die Initiative von vielen BewegungsaktivistInnen bisweilen naser\u00fcmpfend und vielleicht nicht ganz zu unrecht als eine Art &#8222;Anti-Atom-Greenpeace&#8220; wahrgenommen wird. Anders als die Umweltschutzorganisation versteht sich <em>X-tausendmal quer<\/em> aber als basisdemokratisch.<\/p>\n<h3>Der zehnte Castor-Transport nach Gorleben wird voraussichtlich vom 10. bis 14. November 2006 rollen.<\/h3>\n<p>Grund genug, sich wieder gemeinsam quer zu stellen, X-tausendmal quer.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf dem Wunschzettel der AtomlobbyistInnen stehen ein Ausbau der Atomanlagen, neue AKWs und l\u00e4ngere Laufzeiten, auch f\u00fcr marode Atommeiler. Unglaublich! Weder Tschernobyl noch der Beinahe-Super-GAU am 26. Juli 2006 im schwedischen Atomkraftwerk Forsmark-1 ((1)) bringen die AtomfetischistInnen von ihrem menschheitsgef\u00e4hrdenden Irrweg ab. 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